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Full text of "Abhandlungen der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaft, Philosophisch-Historische Klasse."

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ABHANDLUNGEN 



DER 



KONIGLICH PREUSS1SCHEN 



AKADEM1E DER WISSENSCHAFTEN. 



1909. 

PHILOSOPH ISCH-HISTORISCHE CEASSE. 



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ABHANDLUNGEN 

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KONIGLICH PREUSSISCHEN ") 



AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN, B*vC 



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JAHRGANG 1909. 

PHILOSOPHISCH-fflSTORISCHE CLASSE. 



MIT 2 TAFK1.N. 



BERLIN 1909. 

VKRLAG DER KONIGL1CHEN AKADEMIE DKR WISSENSCHAFTEN. 

IN COMMISSION BEI GEORG REIMER. 



Berlin, gedruckt in der Reichsdruckerei. 

(<3o9 

f 7 6-5- 



I n h a 1 1. 



Offentliche Sitzungen S. vn— vm. 

Verzeichnifs der im Jahre 1909 gelesenen Abhandlungen S. vm-xvi. 

Bericht fiber den Erfolg der Preisausschreibung fiir 1909 und neue Preis- 

ausschreibungen S. xvi— xx. 

Verzeichnifs der im Jahre 1909 erfolgten besonderen GeKlbewilligungen 
aus akademischen Mitteln zur Ausfiihrung wissenschaftlicher Un- 
ternehmungen S. xx — xxm. 

Verzeichnifs der im Jahre 1909 erschienenen im Auftrage oder init 
Unterstfltzung der Akademie bearbeiteten oder herausgegebenen 
Werke S. xxm— xxvi. 

Veranderungen im Personalstande der Akademie im Laufe des Jahres 

1909 S. xxvii — xxviii. 

Verzeichnifs der Mitglieder der Akademie am Schlusse des Jahres 1909 
nebst den Verzeichnissen der Inhaber der Helmlioltz- und der 
Leibniz-Medaille und der Beamten der Akademie S. xxix— xxxvi. 



Meyer: Gedachtnifsrede auf Eberhard Schrader Ged.Red. I. S. 1 — 15. 

Schulze, W.: Gedachtnifsrede auf Richard Pischel Ged.Red. 11. S. 1—16. 



Abhandlungen. 

Loors: Das Glaubensbekenntnifs der Homousianfjr yon Sardica . . Abh. I. S. 1— 39. 
von Wilamo w itz-Moellendorff: Nordionische Steine. (Mit 

2 Tafeln) Abh. II. S. 1-71. 



A n h a n g. 
Abhandlungen nicht zur Akademie gehoriger Gelehiter. 

B. Nritfpert: Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. VI. . . . Abh. I. S. 1—110. 
M. Conrat (Cohn): Arbor iuris des friiheren Mittelalters mit eigen- 

artiger Computation Abh. II. S. 1—41. 



Jahr 1909. 



Offentliche Sitzungen. 

Sitzung am 28. Januar zur Feier des Geburtsfestes Seiner 
Majestat des Kaisers und Konigs und des Jahrestages 

Konig Friedrich's II. 

Der an diesem Tage vorsitzende Secretar Hr. Waldeyer er- 
ofTnete die Sitzung mit einer auf die Festfeier beziiglichen An- 
sprache. Darauf liielt Hr. Orth den wissenschaf'tlichen Festvortrag: 
Uber die Krebsgeschwulst des Menschen. Alsdann wurden im 
Auszuge die Jahresberichte iiber die wissenschaftlichen Unterneh- 
mungen der Akadernie und iiber die ilir angegliederten Stiftungen 
und Institute erstattet, welche im Sitzungsbericht im Wortlaut ab- 
gedruckt sind. Weiter wurde verkundigt, dafs Seine Majestat der 
Kaiser und Konig geruht haben, dem ordentlichen Professor an 
der Universitat Miinchen Dr. Sigmund Ritter von Riezler fur 
seine »Geschichte Bayerns* den Verdun-Preis zu ertheilen, ferner, 
dafs die Akadernie ihrem ordentlichen Mitglied Hrn. Emil Fischer 
die Helmholtz-Medaille verliehen habe. Zum Schlufs folgte der 
Bericht iiber die seit dem letzten Friedrichs-Tage (23. Januar 1908) 
in dem Personalstande der Akadernie eingetretenen Veranderungen. 

Sitzung am 1. Juli zur Feier des Leibnizischen Jahrestages. 

Hr. Vahlen, als vorsitzender Secretar, erofrhete die Sitzung mit 
einer Ansprache iiber Leibniz und Schleiermacher. 



VIII 



Darauf hielten das bereits im Jahre 1904 eingetretene Mitglied 
der physikalisch-mathematischen Classe Hr. Koch, der bisher durch 
Auslandsreisen verhindert war, an der Leibniz-Sitzung theilzunehmen, 
sowie die seit dem letzten Leibniz-Tage (2. Juli 1908) neu ein- 
getretenen Mitglieder, Hr. Liebisch von der physikalisch-mathe- 
matischen und Hr. Seler von der philosophisch-historischen Classe 
ihre Antrittsreden. Es antworteten die bestandigen Secretare, und 
zwar HH.Koch und Liebisch Hr. Waldeyer, Hrn. Seler Hr.Diels. 

Weiter hielten die HH. Kduard Meyer und Wilhelm Schulze 
Gedachtnifsreden auf Eberhard Schrader und Richard Pischel. 
Alsdann wurde verkundigt, dafs die Akademie die Leibniz-Medaille 
in Gold Hrn. Ernest Solvay in Briissel und Hrn. Geheimen Re- 
gierungsrath Dr. Henry T. von Bottinger in Elberf'eld verhehen 
babe. Schliefslich erfolgten Mittheilungen betrefFend die Akademische 
Preisaufgabe fur 1909, eine Preisaufgabe der Charlotten-Stiftung 
fur 1910, die Preisausschreibung aus der Graf Loubat-Stiftung fur 
1911 und das Stipendium der Eduard Gerhard-Stiftung. 



Verzeichnifs der im Jahre 1909 gelesenen Abhandlungen. 

Physik und Chemie. 

Nernst, iiber die Berechnung elektromotorischer Krafte aus ther- 

mischen Grofsen. (G. S. 21. Jan.; S. B. 11. Febr.) 
Miethe, Prof. A., und Dr. E. Lehmann, iiber das ultraviolette 

Ende des Sonnenspectrums. Vorgelegt von Rubens. (G. S. 

21. Jan.; S. B. 11. Febr.) 
Schaefer, Dr. C, iiber die Beugung elektromagnetischer Wellen 

an isolirenden cylindrischen Hindernissen. Vorgelegt von 

Planck. (G. S. 21. Jan.; 8. B. 25. Febr.) 



IX 



Rubens und Prof. E. Hagen, fiber die Abhiingigkeit des Emissions- 
vermogens der Metalle von der Temperatur. (CI. 4. Marz; 
S.B. 18. Marz.) 

Landolt, fiber die bei chemischen Umsetzungen beobachteten kleinen 
Abnahmen des Gesammtgevvichtes der Korper und die dar- 
fiber gegebenen Erklarungen. (CI. 22. April.) 

Fischer und Dr. K. Delbriick, eine Methode zur Bereitung der 
Disaccharide vom Typus der Trehalose. (CI. 8. Juli.) 

Fischer und E. Flatau, optisch active Propylisopropylcyanessig- 
saure. (CI. 8. Juli; S. B.) 

Planck, iiber das Princip der Relativitat. (CI. 22. Juli.) 

Regener, Dr. E., fiber Zahlung der o-Theilchen durch die Scin- 
tillation und iiber die Grofse des elektrischen Elementar- 
quantums. Vorgelegt von Rubens. (CI. 22. Juli; S. B) 

Warburg, zur thermodynamischen Behandlung photochemischer 
Wirkungen. (CI. 21. Oct.) 

van't Hoff, fiber synthetische Fermentwirkung. (G. S. 28. Oct.; 
S.B.) 

Mineralogie, Geologie und Palaeontologie. 
Tornquist, Prof. A., die Annahme der submarinen Erhebung des 
Alpenzuges und fiber Versuche, Vorstellungen fiber submarine 
Gebirgsbewegung zu erlangen. Vorgelegt von Branca. (G. S. 

7. Jan.; S.B. 21. Jan.) 

Liebiseh, fiber Silberantimonide. (CI. 18. Marz.) 

Bo eke, Dr. H. E., die kfinstliche Darstellung des Rinneits auf Grund 

seines Loslichkeitsdiagramms. Vorgelegt von Liebiseh. (CI. 

22. April; S.B. 6. Mai.) 
Tornquist, Prof. A., fiber die aufseralpine Trias auf den Balearen 

und in Catalonien. Vorgelegt von Branca. (G. S. 1 5. Juli ; 

8. B.) 

b 



Botanik und Zoologie. 

F. E. Schulze, uber die Functionen der Luftsacke bei den Vogeln. 

(CI. 6. Mai.) 
Mildbraed, Dr. J., die Vegetationsverhaltnisse der centralafricani- 

schen Seenzone vom Victoria-See bis zu den Kiwu-Vulcanen. 

Vorgelegt von Engler. (G. S. 1 5. Juli; S. B. 29. Juli.) 
Engler, die Bedentung der Araceen fiir die pflanzengeographische 

Gliederung des tropischen und extratropischen Ostasiens. 

(CI. 16. Dec.; S. B) 

Anatomie und Physiologie, Pathologie. 

Rubner, Grundlagen einer Theorie des Wachsthums der Zelle nach 

Ernahrungsversuchen an Hefe. (CI. 4. Febr; S. B.) 
Ortb, uber Metaplasie. (CI. 18. Febr.) 
Waldeyer, uber den Processus retromastoideus und einige andere 

Bildungen am Hinterhaupts- und Schlafenbein. (G.S. 25. Marz; 

Abh.) 
Jaekel, Prof. 0., fiber die Beurtheilung der paarigen Extremitaten. 

Vorgelegt von Branca. (CI. 6. Mai; S. B. 13. Mai.) 
Munk, uber das Verhalten der niedereren Tlieile des Cerebrospinal- 

systems nach der Ausschaltung boherer Theile. (CI. 17. Juni; 

S. B. 4. Nov.) 
Jacobsohn, Dr. L., iiber die Kerne des menschlichen Hirnstammes. 

Vorgelegt von Waldeyer. (CI. 17. Juni; Abh.) 
0. Hertvvig, iiber den Einflufs von Radiumstrahlen auf embryonale 

thieriscbe Zellen. (G. S. 15. Juli; 8. B. 24. Febr. 1910.) 
Poll, Prof. H., iiber Nebennieren bei Wirbellosen. Vorgelegt von 

O. Hertvvig. (G. S. 15. Juli; S. B.) 
Waldeyer, iiber Form-, Zahl- und Stellungsvarietaten der mensch- 
lichen Zahne. (CI. 4. Nov.) 



XI 



Orth, fiber einige Krebsfragen. (CI. 18. Nov.; S. B. 2. Dec.) 
Gorjanovie-Kramberger, Prof. K., der Unterkiefer der Eskimos 

(Gronlander) als Trager primitiver Merkmale. Vorgelegt von 

Waldeyer. (CI. 2. Dec.; S. B. 16. Dec.) 

Astronomie, Geographie und Geopliysik. 

Auvvers, iiber den Stand seiner Bearbeitung der alteren Bradley' 
schen Beobachtungen. (G. S. 29. April.) 

Penck, Beobachtungen am Kilauea. (G. S. 29. Juli.) 

Grunmach, Prof. L., iiber neue Methoden und Apparate zur Messung 
von Erderschtitterungen kleinster Periode. Vorgelegt von 
Martens. (G. S. 29. Juli; S. B.) 

Samter, Prof. H., iiber die Bahn des Planeten Egeria (13). Vor- 
gelegt von Struve. (CI. 18. Nov.; S. B. 2. Dec.) 

Helmert, die Tiefe der Ausgleichsflache bei der Pratt'schen Hypo- 
these fur das Gleichgewicht der Erdkruste und der Verlauf 
der Schwerestorung vom Innern der Continente und Oceane 
nach den Kusten. (G. S. 25. Nov.; S. B.) 

Mathematik. 
Schottky und Dr. H. Jung, neue Satze iiber Symmetralfunctionen 

und die Abel'schen Eunctionen der Kiemann'schen Theorie. 

Erste Mittheilung. (CI. 18. Eebr.; S. B.) 
Koenigsberger, iiber die Beziehungen allgemeiner linearer Diffe- 

rentialgleichungen zu den binomischen. (CI. 18. Febr.; <S. B.) 
Frobenius, iiber Matrizen aus positiven Elementen. II. (CI. 

1. April; S. B.) 
Schottky und Dr. H. Jung, neue Siitze iiber Symmetralfunctionen 

und die Abel'schen Eunctionen der Kiemann'schen Theorie. 

Zweite Mittheilung. (CI. 27. Mai; S. B.) 

b* 



XII 



Schwarz, fiber Modelle von Minimalflachenstficken. (G. S. 1 0. Juni.) 
Schottky, fiber diejenigen Potentialfunctionen, deren erste Ablei- 

tungen durch Gleichungen verbunden sind. (CI. 18. Nov.; 

S. B.) 
Frobenius, fiber den Fermat'schen Satz. (CI. 2. Dec.; S. B.) 

Mechanik und Technik. 
Martens, Wagemanometer ftir Drucke von 50 bis 6000 Atm. 

(CI. 14. Jan.) 
Zimmermann, die Knickfestigkeit des geraden Stabes mit mehreren 

Feldern. (CI. 4. Febr.; S. B.) 
Zinimerrnann, die Knickfestigkeit des geraden Stabes mit mehreren 

Feldern. II. (CI. 4. Marz; S. B.) 
Kotter, Prof. F., fiber den Druck von Sand gegen Offnungsver- 

schlfisse im horizontalen Boden kastenformiger Gefafse. Vor- 

gelegt von Mfiller-Breslau. (CI. 4. Marz; S. B. 18. Marz.) 
Mfiller-Breslau, Versuche zur Bestimmung des Seitendruckes 

sandformiger Massen. (CI. 2. Dec.) 

Philosophie. 
Dilthey, fiber das Wesen der Geisteswissenschaften und ihr Ver- 

haltnifs zu den Naturwissenschaften. (G. S. 7. Jan.) 
Stump f, fiber das allgemeine Causalgesetz. (CI. 4. Febr.) 

Geschichte. 
Loot's, das Glaubensbekenntnifs der Homousianer von Sardica. 

(G. S. 7. Jan.; Abh.) 
Harnack, der erste Clemensbrief. (CI. 14. Jan.; S. B.) 
Schmidt, Prof. K., ein neues Fragment der Heidelberger Acta Pauli. 

Vorgelegt von Harnack. (CI. 4. Febr.; S. B.) 



XIII 



Koser, die Politik der Kurfiirsten Friedrich II. unci Albrecht von 

Brandenburg. (CI. 4. Marz.) 
Lenz, fiber die Entwiirfe Wilhelm von Humboldt's zur Griindung 

der Berliner Universitat. (G. S. 1 1 . Marz.) 
Zimmer, uber directe Handelsverbindungen Westgalliens mit Irland 

im Alterthum und fruhen Mittelalter. I. (G. S. 1 1 . Marz; S. B.) 
Harnack, die angebliche Synode von Antiochia im Jahre 824/5. 

Zweiter Artikel. (G. S. 11. Marz; S. B.) 
Ritter, Dr. P., zwei neue Briefe von Leibniz. Vorgelegt von Lenz. 

(G. S. 11. Marz; S. B.) 
Zimmer, fiber directe Handelsverbindungen Westgalliens mit Irland 

im Alterthum und fruhen Mittelalter. II. (CI. 18. Marz; S.B.) 
Zimmer, iiber directe Handelsverbindungen Westgalliens mit Irland 

im Alterthum und fruhen Mittelalter. Ill A. (G.S. 1 5. April; S. B.) 
Dressel, das Iseum Campense auf einer Miinze des Vespasianus. 

(CI. 22. April; S. B. 6. Mai.) 
Zimmer, iiber directe Handelsverbindungen Westgalliens mit Irland 

im Alterthum und fruhen Mittelalter. IIIB. (CI. 22. April; S. B.) 
Burdach, iiber das handschriftliche Fortleben der Briefe des Cola 

di Rienzo. (CI. 6. Mai.) 
Schafer, iiber die Haltung Gregor's VII. in der Investiturfrage. 

(CI. 27. Mai.) 
von Wilamowitz-Moellendorff, nordionische Steine. (G. S. 

10. Juni; Abh.) 
Meyer, Lsokrates' zweiter Brief an Philipp und Demosthenes' zweite 

Philippika. (CI. 17. Juni; S.B.) 
Meyer, die Schlacht von Pydna. (CI. 17. Juni; S.B.) 
Ritter, Dr. P., drei neue Briefe von Leibniz. Vorgelegt von Lenz. 

(G.S. 15.Juli; S.B.) 
Meyer, der Diskus von Phaestos und die Philister auf Kreta. 

(CI. 21. Oct.; S.B.) 



XIV 



Schmidt, Prof. K. und Dr. W. Schubart, ein Fragment des Pastor 
Hermae aus der Hamburger Stadtbibliothek. Vorgelegt von 
Harnack. (G. S. 28. Oct; S. B.) 

Hirschfeld, Vermuthungen zur altromischen Geschichte. (G. S. 
9. Dec.) 

Rechts- und Staatswissenschaft. 

Conrat, Prof. M., Arbor iuris des friihereu Mittelalters mit eigen- 
artiger Computation. Vorgelegt von Brunner. (('1.27. Mai; Abh.) 
Brunner, »Luft maclit frei«. (CI. 2. Dec.) 

Allgemeine, deutsche und andere neuere Philologie. 

Zimmer, Beitrage zur Erklarung altirischer Texte der kirchlichen 

und Profauliteratur. III. (G. S. 7. Jan.; S. B.) 
Zimmer, Beitrage zur Erklarung altirischer Texte der kirchlichen 

und Profanliteratur. IV. (CI. 14. Jan.; S. B.) 
Schmidt, Entvvurf eines Wielandischen Gelegenheitsgedichtes. (CI. 

4. Febr.; S. B.) 
Schmidt, ein Skizzenbuch Otto Ludwigs. (G. S. 11. Febr.; S. B.) 
W. Schulze, iiber eine charakteristische Construction der nord- 

germanischen Sprachen. (CI. 1 . April.) 
Zimmer, Virgilius Maro Grammaticus in seinen Einfliissen auf 

altirische Sprachbetrachtung und irische Poesie. (G. S. 1 5. April.) 
Roethe, Geschichte und Typen der mittelhochdeutschen Vorreden 

und Nachworte. (G. S. 13. Mai.) 
Brandl, the Cock in the North. (CI. 8. Juli; & B. 18. Nov.) 
Heusler, Geschichtliches und Mythisches in der germanischen 

Heldensage. (CI. 22. Juli; S. B.) 
To bier, vermischte Beitrage zur franzosischen Grammatik. Fiinfle 

Reihe. 3—8. (G. S. 1 1. Nov.; S. B.) 



XV 



Classische Philologie. 

von Wilamowitz-Moellendorf'f, Erklarungen Pindarischer Ge- 

dichte. (G. S. 24. Juni; S. B.) 
Wegehaupt, Dr. H., die Entstehung des Corpus Planudeum von 

Plutarch's Moralia. Vorgelegt von v. Wilamowitz-Moellen- 

dorff. (CI. 21. Oct.; S. B.) 
Valilen, fiber einige Liicken in der fiinften Decade des Livius. 

(CI. 4. Nov.; S. B.) 

Diels, Hippokratische Forschungeu. I. (CI. 18. Nov.) 

Archaeologie. 

Kabbadias, die Tholos von Epidauros. (CI. 4. Marz; S. B. 1. April.) 
Kekule von Stradonitz, fiber den Bronzekopf eines Siegers in 
Olympia. (CI. 18. Marz; S. B. 13. Mai.) 

Orientalische Philologie. 

Erman, uber ein Denkmal memphitischer Theologie. (CI. 18. Febr.) 

M tiller, manichaische Studien. (G. S. 25. Febr.) 

Hamstedt, Prof. G. J., mongolische Briefe aus Idiqut-Schahri bei 

Turfan. Vorgelegt von Mtiller. (CI. 22. April; S. B. 24. Juni.) 
Mtiller, ein iranisches Sprachdenkmal aus der nordlichen Mongolei. 

(CI. 27. Mai; S. B.) 
von Le Coq, Dr. A., Kokttirkisches aus Turfan. Vorgelegt von 

Mtiller. (CI. 8. Juli; S. & 21. Oct.) 
von Le Coq, Dr. A., ein christliches und ein manichaisches Manu- 

scriptfragment in ttirkischer Sprache aus Turfan. Vorgelegt 

von Mtiller. (G. S. 11. Nov.; & B. 25. Nov.) 



XVI 



Sachau, uber den Abschlufs der Zusammensetzung und Ordnung 
der zur Zeit im Koniglichen Museum befindlichen Papyrus- 
Urkunden von Elephantine. (CI. 16. Dec.) 

Americanistik. 
Seler, historische Lieder der alten Mexicaner. (CI. 21. Oct.) 



Bericht iiber den Erfolg der Preisausschreibung fiir 1909 
und neue Preisausschreibungen. 

Akademische Preisaufgabe fur 1909. 

In der Leibniz-Sitzung des Jahres 1906 hat die Akademie 
fur das Jahr 1909 folgende Preisaufgabe gestellt: 

»Es sollen die Typen und Symbole der altorientalischen 
Kunst lmtisch untersucht und ihre Verbreitung in Vorderasien 
und im Bereich der mykenischen und der phonikischen Kunst 
verfolgt werden.« 

»Eine Beschrankung auf eine Anzahl der vvichtigsten Sym- 
bole (z. B. geflugelte Sonnenscheibe, Sonne und Mond, Henkel- 
kreuz, gekronte Gottheiten, Sphinx, Greif und die zahlreichen 
anderen Mischwesen und Flfigelgestalten, Gottheiten, die auf 
Bergen oder Thieren stehen, wappenartige Anordnung von 
Thieren, nackte und bekleidete Gottin u. a.) ist zulassig. Auch 
vvird eine erschopfende Sammlung alles in den Museen zer- 
streuten Materials nicht gefordert, wohl aber eine kritische 
Sichtung und Ordnung der vvichtigsten Denkmaler, bei der 
die Umgestaltungen und die Verbreitung der Typen dargelegt, 



XVII 



die Frage, welche Bedeutung sie bei den einzelnen Volkem 
gehabt haben, gepriift und ihr Ursprung nach Moglichkeit 
aufgehellt werden soll.« 

Der ausgesetzte Preis betrug Funftausend Mark. 

Darauf ist eine Bewerbungsschrift rechtzeitig eingegangen, mit 
dem Motto »Man mufs das Unmogliche wollen, urn das Mogliche 
zu erreichen«. 

Diese Arbeit hat die Aufgabe zunachst in ilirem ganzen Um- 
fang zu losen beabsichtigt, ist aber damit in der zur Verfugung 
stehenden Zeit nicht zum Abschlufs gelangt, so dafs nur ein Theil 
der urspriinglich geplanten Capitel vorgelegt werden konnte. Den 
Grundstock der Arbeit bilden umfassende, systematisch geordnete 
Kataloge der Fabelthiere, der Astralsymbole, der Gottlieiten auf 
Thieren, der Gottheiten oder Damonen als Thierbezvvinger, fur die 
das umfangreiche und weit zerstreute, bisher publicirte Material 
aus Babylonien und Assyrien, Persien, Syrien und Phonikien, Klein- 
asien (einschliefslich der Chetiter) und Cypern, sowie dem kretisch- 
mykenischen Gebiet vollstandig ausgenutzt ist, ebenso die reichen 
Sammlungen der Berliner Museen; auch das agyptische Material 
ist in weitem Umfang herangezogen. Diese Kataloge sind um- 
sichtig und mit besonnener Kritik angelegt und sehr iibersichtlich 
geordnet; sie suchen uberall eine gesicherte chronologische Grund- 
lage zu gewinnen, vvofiir in Babylonien die datirten Siegelabdriicke 
auf Thontaf'eln moglichst erschopf'end verwendet sind, und gewShren 
zugleich einen Kinblick in die innere Kntwicklung der Typen und 
Direr Variationen und Umgestaltungen. 

Von dem zugehorigen Text liegt vollstandig ausgearbeitet das 
zweite Capitel (Astralsymbole, d. i. Sonne nebst gefliigelter Sonnen- 
scheibe, Mond, Stem), und grofstentheils das erste Capitel (Fabel- 
thiere, d. i. Sphinx, die verschiedenen Typen des Greifen, Stier- 
mensch) vor. Diese Capitel zeigen eine voile Beherrschung des 



XVI u 



Materials und ein besonnenes und in der Regel zutreffendes Ur- 
theil; zahlreiche wichtige Einzelergebnisse sind gewonnen, und Be- 
deutung und Entvvicklungsgeschichte der einzelnen Typen ganz 
wesentlich geklart, ihre Verbreitung und die daraus sieh ergebenden 
gesehichtlichen Folgerungen aufgehellt, einzelne Monumente neu 
und richtig gedeutet. So hat die Arbeit die wissenschaftliehe Be- 
arbeitung der eben so verwickelten wie geschichtlich bedeutsamen 
Probleme, die an diese Symbole ankniipfen, fur zwei besonders 
wichtige Absclmitte durchgefuhrt und zugleich fur die weitere For- 
schung auf diesem Gebiet eine gesicherte Grundlage geschaffen. 

Damit ist die Absicht der Preisaufgabe im Wesenthchen er- 
fiillt. Da bei Stellung derselben eine nur theilweise Bearbeitung 
des umfangreichen Themas ausdriicklich fiir zulSssig erklart war, 
und auch das Reglement fur die akademischen Preisertheilungen 
(§ 4, 4) die Kronung einer Preisschrift gestattet, welche die gestellte 
Aufgabe nur theilweise lost, im iibrigen aber preisfahig erscheint, 
so erkennt die Akademie dem Verfasser der Arbeit mit dem Motto 
»Man mufs das Unmogliche wollen u. s. w.« den vollen Preis zu, 
mit der Maafsgabe, dafs fiir die Drucklegung (§ 6 des Reglements) 
zunachst nur das zweite Capitel in Aussicht genommen wird. 

Die nach Verkiindung des vorstehenden Urtheils vorgenommene 
Eroffnung des zugehorigen Namenszettels ergab als Verfasser der 
preisgekronten Arbeit Hrn. Dr. phil. Hugo Prinz, z. Zt. Stipendiaten 
des Kaiserlichen Archaeologischen Instituts. 



Preisaufgabe der Charlotten-Stiftung. 
Nach dem Statut der von Frau Charlotte Stiepel geb. Freiin 
von Hopffgarten errichteten Charlotten-Stiftung fiir Philologie 
wird eine neue Aufgabe von der standigen Commission der Aka- 
demie gestellt: 



XIX 



»In den litterarischen Papyri sind so zahlreiche prosodische 
Zeichen an das Licht getreten, dais das Auf'kommen und die 
Verbreitung der griechischen Accentuation sich verfolgen lafst 
und die byzantinische Tradition, die im Wesentlichen noch 
heute herrscht, controlirt werden kann. Dazu ist die erste 
und nothigste Vorarbeit, dafs festgestellt wird, in welchen Fallen 
die antiken Schreiber und Correctoren die Prosodie bezeichnen, 
und wie sie das thun. Zur Vergleichung miissen mindestens 
einige sorgfaltig geschriebeneHandschriften des 9. und 10. Jahr- 
hunderts berangezogen werden. Diese Aufgabe stellt die Aka- 
demie. Es bleibt dem Bearbeiter anheimgestellt, inwieweit 
er die Lehren der antiken Grammatiker heranzielien will, oder 
andererseits Schlusse auf die wirkliche Betonung und Aus- 
sprache machen.« 

Die Stiftung der Frau Charlotte Stiepel geb. Freiin von 
Hopffgarten ist zur Forderung junger, dem Deutschen Reiche an- 
gehoriger Philologen bestimmt, welche die Universitatsstudien voll- 
endet und den philologischen Doctorgrad erlangt oder die Prufung 
fur das hohere Schulamt bestanden haben, aber zur Zeit ihrer Be- 
werbung noch ohne feste Anstellung sind. Privatdocenten an 
Universitaten sind von der Bewerbung nicht ausgeschlossen. Die 
Arbeiten der Bewerber sind bis zum 1. Marz 1910 an die Akademie 
einzusenden. Sie sind mit einem Denkspruch zu versehen; in 
einem versiegelten, mit demselben Spruche bezeichneten Umschlage 
ist der Name des Verfassers anzugeben und der Nachweis zu 
liefern, dafs die statutenmafsigen Voraussetzungen bei dem Be- 
werber zutreff'en. Schril'ten, welche den Namen des Verfassers 
nennen oder deutlich ergeben, werden von der Bewerbung aus- 
geschlossen. 

In der offentlichen Sitzung am Leibniz-Tage 1910 ertheilt die 
Akademie dem Verfasser der des Preises wiirdig erkannten Arbeit das 



XX 



Stipendium. Dasselbe besteht in clem Genusse der Jahreszinsen 
(1050 Mark) des Stiftungscapitals von 30000 Mark auf die Dauer 
von vier Jahren. 



Preisausschreibung aus der Graf Loubat-Stiftung. 

Die Akademie wird am Leibniz-Tage im Juli 1911 aus der 
Graf Loubat-Stiftung einen Preis von 3000 Mark an diejenige 
gedruckte Schrift aus dem Gebiet der Geschichte von ganz America, 
insbesondere dessen Colonisation und neuerer Geschichte bis zur 
Gegenvvart zu ertheilen haben, welche unter den ihr eingesandten 
oder ihr anderweitig bekannt gewordenen als die beste sich er- 
weist. Sie setzt demgemafs den 1. Januar 1911 als den Termin 
fest, bis zu welchem Bewerbungsschriften an sie eingesandt und 
in Berlin eingetroffen sein miissen. Statutenmafsig durfen nur 
solche Schriften pramiirt werden, welche innerhalb der letzten zehn 
Jahre erschienen sind. Als Schriftsprache wird die deutsche und 
die hollandische zugelassen. 



Verzeichnifs der im Jahre 1909 erfolgten besonderen Greldbe- 

willigungen aus akademischen Mitteln zur Ausfuhrung wissen- 

schaftlicher Unternehmungen. 

Ks wurden im Laufe des Jahres 1909 bewilhgt: 
2300 Mark dem Mitglied der Akademie Hrn. Engler zur Fort- 

fiihrung der Herausgabe des »Pflanzenreich«. 
6000 » dem Mitglied der Akademie Hrn. Koser zur Fort- 

fiihrung der Herausgabe der Politischen Correspondenz 

Friedrich's des Grofsen. 



XXI 

5000 Mark dem Mitglied der Akademie Hrn. von Wilamowitz- 

Moellendorff zur Fortfiilirung der Sammlung der 

griechischen Inschriften. 
4000 » der Deutschen Commission der Akademie zur Fort- 

fiihrung ihrer Unternehmungen. 
1000 » zur Forderung des Unternehmens des Thesaurus 

linguae Latinae fiber den etatsmafsigen Beitrag von 

5000 Mark hinaus. 
1500 » zur Bearbeitung der hieroglyphischen Inschriften der 

griechisch-romischen Epoche fur das Worterbuch der 

aegyptischen Sprache. 
500 » zu der von den cartellirten deutschen Akademien unter- 

nommenen Herausgabe der mittelalterlichen Bibliotheks- 

kataloge. 
2500 » fur das Unternehmen einer Neuausgabe der Septua- 

ginta, welche das Cartell der deutschen Akademien 

in die Hand genommen hat. 
1000 » aus allgemeinen Mitteln der Akademie fur die inter- 

akademische Leibniz-Ausgabe 1 . 
2000 » dem Mitglied der Akademie Hrn. Engler zur Fort- 

setzung des Sammelwerkes »Die Vegetation der Erde«. 
2000 » dem Mitglied der Akademie Urn. F. E. Schulze zu 

Studien fiber den Bau der Vogellunge. 
750 » dem Mitglied der Akademie Hrn. von Wilamowitz- 

Moellendorff zur Anf'ertigung von Photographien Plu- 

tarchischer Handschriften. 
3000 » dem correspondirenden Mitglied der Akademie Hrn. von 

Recklinghausen in Strafsburg zur Herausgabe eines 

monographischenWerkes fiber Rachitis und Osteomalacic 

' Die Kosten dieser Ausgabe werden zum Theil aus dem fiir die Zweeke 
der Internationalen Association der Akademien bestimmten Fonds l)estritten. 



XXII 

1500 Frcs. der Biologischen Station in Roscoff gegen Einraumung 

eines von der Akademie zu vergebenden Arbeitsplatzes 

fur die Dauer eines Jahres. 
1000 Mark dem von dem zweiten Deutschen Kalitage eingesetzten 

Comite zur wissenschaftlichen Erforschung der nord- 

deutschen Kalisalzlager. 
1000 » Hrn. Prof. Dr. Max Bauer in Marburg zur Fortsetzung 

seiner Untersuchung der hessischen Basalte. 
3500 » Hrn. Prof. Dr. Julius Bauschinger in Strafsburg i. E. 

zur Berechnung einer achtstelligen Logarithmentafel. 
1500 » Hrn. Prof. Dr. Erich von Drygalski in Munchen zur 

Vollendung des China werkes von Ferdinand von Riclit- 

hofen. 
500 » Hrn. Prof. Dr. Gustav Eberhard in Potsdam zu Unter- 

suchungen iiber das Vorkommen des Scandiums auf 

der Erde. 
3000 » Hrn. Prof. Dr. Ludwig Edinger in Frankfurt a. M. zu 

Studien fiber die Hirnrinde. 
2000 » Hrn. Prof. Dr. Karl Esche rich in Tharandt zu einer 

Reise nach Ceylon behufs Forschungen iiber die Termiten. 
500 » Hrn. Prof. Dr. Hugo Gliick in Heidelberg zur Heraus- 

gabe eines dritten Bandes seiner Untersuchungen fiber 

Wasser- und Sumpfgewachse. 
1500 » Hrn. Dr. M. K. Hoffmann in Leipzig zur Bearbeitung 

eines Lexikons der anorganischen Verbindungen. 
1000 » Hrn. Prof. Dr. Karl Peter in Greifswald zu ferneren 

Studien tiber individuelle Variation der thierischen Ent- 

wickelung. 
1500 » Hrn. Dr. Georg Valentin, Director bei der Koniglichen 

Bibliothek in Berlin, zur Bearbeitung einer mathema- 

tischen Bibliographic 



xxm 



1200 Mark Hrn. Prof. Dr. Johannes Haller in Giefsen zum Ab- 
schlufs seines Werkes fiber Papstthum und Kirchen- 
reform. 

1800 » Hrn. Prof. Dr. Oskar Mann in Berlin zur Fortsetzung 
seiner Forschungen fiber Kurdistan und seine Bewohner. 

1000 » Demselben zur Drucklegung der I. Abtheilung seiner 
» Kurdisch-persischen Forschungen « . 
600 » Hrn. Pfarrer W. Tiimpel in Unterrenthendorf zur Her- 
ausgabe von Band 5 des Werkes »Das deutsche evan- 
gelische Kirchenlied des 17. Jahrhunderts«. 
600 » Hrn. Dr. Heinrich Winkler in Breslau als Zuschufs 
zu den Druckkosten seines Werkes »Der Uralaltaische 
Sprachstamm, das Finnische und das Japanische«. 
Aufserdem hat die Akademie auf 40 Exemplare der von der 

Schvveizerischen Naturforschenden Gesellschaft in AngrifF genomme- 

nen Gesammtausgabe der Werke Leonhard Euler's subscribirt. 



Verzeichnifs der im Jahre 1909 erschienenen im Auftrage 

oder mit Unterstutzung der Akademie bearbeiteten oder 

herausgegebenen Werke. 

Das Pflanzenreich. Regni vegetabilis conspectus. Im Auftrage 
der Konigl. preufs. Akademie der Wissenschaften hrsg. von 
A. Kngler. Heft 38 40. Leipzig 1909. 

Das Tierreich. Fine Zusammenstellung und Kennzeichnung der 
rezenten Tierformen. Begrfindet von der Deutschen Zoolo- 
gischen Gesellschaft, Im Auftrage der Konigl. Preuti. Aka- 
demie der Wissenschaften zu Berlin hrsg. von Franz Eilhard 
Schulze. Lief. 25. Berlin 1909. 



XXIV 



Ristenpart, F. Fehlerverzeichnifs zu den Sterncatalogen des 18. 
und 19. Jahrhunderts. Veroffentlichung der Commission der 
Koniglich Preufsischen Akademie der Wissenschaften fiir die 
Geschichte des Fixsternhimmels. Kiel 1909. (Astronomische 
Abhandlungen N. 1 6.) 

Commentaria in Aristotelem Graeca edita consilio et auctoritate 
Academiae Litterarum Regiae Borussicae. Vol. 13, Pars 3. 
Ioannis Philoponi in Aristotelis Analytica posteriora commen- 
taria cum Anonymo in librum II ed. Maximilianus Wallies. 
Berolini 1909. 

Corpus inscriptionum Latinarum consilio et auctoritate Academiae 
Litterarum Regiae Borussicae editum. Vols. 4 Supplementum: 
Inscriptionum parietariarum Pompeianarum supplementum 
ed. Augustus Mau et Carolus Zangemeister. Pars 2. In- 
scriptiones parietariae et vasorum fictilium editae al) Augusto 
Mau. Berolini 1909. 

Politische Correspondenz Friedrich's des Grofsen. Bd. 33. Berlin 1 909. 

Wilhelm von Humboldts Gesammelte Schriften. Hrsg. von 
der Koniglich Preufsischen Akademie der Wissenschaften. 
Bd. 8. Berlin 1909. 

Ibn Saad. Biographien Muhammeds, seiner Gefahrten und der 
spateren Trager des Islams bis zum Jahre 230 der Flucht. 
Im Auftrage der Koniglich Preufsischen Akademie der 
Wissenschaften hrsg. von Eduard Sachau. Bd. 2, Th. 1. 
Bd. 6. Leiden 1 909. 

Iuscriptiones Graecae consilio et auctoritate Academiae Litterarum 
Regiae Borussicae editae. Vol. 12. Iuscriptiones insularum 
maris Aegaei praeter Delum. Fasc. 5. Iuscriptiones Cycladum 
ed. Fridericus Hiller de Gaertringen. Pars 2. — Fasc. 8. 
Inscriptiones insularum maris Thracici ed. (^arolus Fred rich. 
Berolini 1909. 



XXV 



Deutsche Texte des Mittelalters hrsg. von der Koniglich Preufii- 
schen Akademie der Wissenschaften. Bd. 15. DieLilie. Bd. 16. 
Die heilige Regel fur ein vollkommenes Leben. Bd. 17. 
Die Heidelberger Handschrift cod. Pal. germ. 341. Berlin 
1909. 

Wielands Gesammelte Schriften. Hrsg. von der Deutschen Kom- 
mission der Koniglich Preufiischen Akademie der Wissen- 
schaften. Abt. 1, Bd. 1. 2. Abt, 2, Bd. 1. 2. Berlin 1909. 

Boltzmann, Ludwig. Wissenschaftliche Abhandlungen. Im Auf- 
trage und mit Unterstiitzung der Akademien der Wissen- 
schaften zu Berlin, Gottingen, Leipzig, Miinchen, Wien hrsg. 
von Fritz Hasenohrl. Bd. 1 — 3. Leipzig 1909. 

Thesaurus linguae Latinae editus auctoritate et consilio Academia- 
rum quinque Germanicarum Berolinensis Gottingensis Lip- 
siensis Monacensis Vindobonensis. Vol. 3, Fasc. 4. 5. Vol. 4, 
Fasc. 6. 7. Supplementum : Nomina propria Latina. Fasc. 1. 
Lipsiae 1909. 

Ergebnisse der Plankton-Expedition der Humboldt-Stiftung. Bd. 3. 
Lh: Die Tripyleen Kadiolarien. 7. Borgert,A. Phaeodinidae, 
Caementellidae und Cannorrhaphidae. 8. Borgert, A. Circo- 
poridae. 9. Borgert, A. Cannosphaeridae. Bd. 4. Mc: Ap- 
stein, C. Die Pyrocysteen. Kiel und Leipzig 1909. 

Scliultze, Leonhard. Zoologische und anthropologische Ergeb- 
nisse einer Forschungsreise im westlichen und zentralen Si'id- 
af'rika ausgeffihrt in den Jahren 1903 1905. Bd. 2. 3. Jena 
1 909. (Denkschriften der Medicinisch-Naturwissenschaftlichen 
Gesellschaft zu Jena. Bd. 14. 15.) 

Volz, Wilhelm. Nord-Sumatra. Bericht fiber eine im Auf'trage 
der Humboldt-Stiftung der Koniglich Preufsischen Akademie 
der Wissenschaften zu Berlin in den Jahren 1904 — 1906 
ausgefuhrte Forschungsreise. Bd. 1. Berlin 1909. 

d 



XXVI 



Brueckner, Alfred. Der Friedhof am Evidanos bei der Hagia 

Triada zu Atlien. Mit Unterstiitzung aus der Eduard Gerhard- 

Stiftung der Konigl. Preufsischen Akademie derWissenschaften. 

Berlin 1909. 
Die griechischen christlichen Schriftsteller der ersten drei Jahr- 

hunderte. Hrsg. von der Kirchenvater-Cornmission der Konigl. 

Preufsischen Akademie der Wissenschaften. Bd. 9, Tl. 3: 

Eusebius. Bd. 2, Tl. 3. Bd. 17: Clemens Alexandrinus. Bd. 3. 

Leipzig 1909. 
Ascherson, Paul, und Graebner, Paul. Synopsis der mittel- 

europaischen Flora. Lief. 56 — 63. Leipzig 1908 — 09. 
Hurthle, Karl. Uber die Struktur der quergestreiften Muskelfasern 

von Hydrophilus im ruhenden und tatigen Zustand. Bonn 1 909. 
Libanii opera rec. Richardus Foerster. Vol. 5. Lipsiae 1909. (Bi- 

bliotheca script. Graec. et Roman. Teubneriana.) 
Mann, Oskar. Kurdisch-persische Forschungen. Abt. 1. Abt. 4, 

Bd. 3, Tl. 2. Berlin 1909. 
Schmidt, Adolf. Archiv des Erdmagnetismus. Heft 2. Potsdam 

1909. 
Schroeter, Adalbert. Beitrage zur Geschichte der neulateinischen 

Poesie Deutschlands und Hollands. Berlin 1909. (Palaestra. 

LXXV11.) 
Geschichte des Qorans von Theodor Noldeke. 2. Aufl. bearb. von 

Friedrich Schwally. Tl. 1. Leipzig 1909. 
Wilhelmi, J. Tricladen. Berhn 1909. (Fauna und Flora des 

Golfes von Neapel. Monographic 32.) 
Winkler, Heinrich. Der Uralaltaische Sprachstamm, das Finnische 

und das Japanische. Berlin 1909. 



XXVII 



Veranderungen im Personalstande der Akademie im Laufe des 

Jahres 1909. 

Es wurden gewahlt: 
zum ordentliclien Mitglied der philosophisch-historischen Classe: 
Hr. HeinrichLiiders, bestatigt durch K. Cabinetsordre vom 5. August 
1909; 

zu correspondirenden Mitgliedern der physikalisch-mathemati- 

schen Classe: 

Hr. Wilhelm Korner in Mailand am 7. Januar 1909, 

» Ludwig Mond in London / _, _ , ni . n 

_, ... _ , . TT . , „ } am 21. Januar 1909, 

» Phihpp Lenard in Heidelberg ) 

» Giacomo Ciamician in Bologna i 

» Theodore William Richards in > am 28. October 1909; 

Cambridge, Mass. ) 

zu correspondirenden Mitgliedern der philosophisch-historischen 
Classe: 

Hr. Maurice Holleaux in Athen ) ^_ ., , ,,,„„ 

„ .. „., . TT , am 25. Pebruar 1909, 

» Harald Hjarne m Upsala ) 

» Pio Rajna in Florenz am 11. Marz 1909. 

Gestorben sind: 
das ordentliche Mitglied der physikalisch-mathematischen Classe: 
Hr. Theodor Wilhelm Kngelmann am 20. Mai 1909; 

das auswartige Mitglied der philosophisch-historischen Classe: 
Hr. Henri Weil in Paris am 5. November 1909; 



XXVIII 



die correspondirenden Mitglieder der physikalisch-mathemati- 
sclien Classe: 
Hr. Julius Thomsen in Kopenhagen am 13. Februar 1909, 
» Georg von Neumayer inNeustadta. d. Haardt am 24. Mai 1909, 
» Simon Newcomb in Washington am 11. Juli 1909, 
» Ludwig Mond in London am 11. December 1909; 

die correspondirenden Mitglieder der philosophisch-historischen 
Classe: 
Hr. Max Heinze in Leipzig am 17. September 1909, 
» Robert von Schneider in Wien am 24. October 1909, 
» Wilhelm Ahlwardt in Greifswald am 2. November 1909, 
» Ludwig Friedlander in Strafsburg am 16. December 1909. 



XXIX 



Verzeichnifs der Mitglieder der Akademie am Schlusse des 

Jahres 1909 

nebst den Verzeichnissen der Inhaber der Helmholtz- und der Leibniz-Medaille 

und der Beamten der Akademie. 



I. Bestandige Secretare. 



Gewihlt von der Datum der Kfinigliehen 

nestatigung 



Hr. Auwers phys.-math. Classe 1878 April 10. 

- Vahlen phil.-hist. - 1893 April 5. 

- Diets phil.-hist. - 1895 Nov. 27. 

- Waldeyer phys.-math. - 1896 Jan. 20. 



II. Ordentliche Mitglieder. 



PhraikaliKh-mathematiwhe Cla»e Philosophi.ch.hiatorUche Ula.se Datun^derKouiglichen 

Hr. Arthur Auwers 1866 Aug. 18. 

Hr. Johannes Vahlen 1874 Dec. 16. 

- Alexander Conze .... 1877 . April 23. 

- Simon Schwendener 1879 .Tuli 13. 

- Hermann Munk 1880 Marz 10. 

- Adolf Tobler 1881 Aug. 15. 

- Hermann Diels 1881 Aug. 15. 

- Hans Landolt 1881 Aug. 15. 

- Wilhelm Waldeyer 1884 Febr. 18. 

Ileinrich Brunner .... 1884 April 9. 

- Franz Euliard Schulze 1884 Juni 21. 

- Otto Hirschfeld 1885 Marz 9. 

Kduard Sachau 1887 .Ian. 24. 

Gustav von SchmaUer . . . 1887 Jan. 24. 

- Wilhelm DUthey 1887 Jan. 24. 

- Adolf Engler 1890 Jan. 29. 

- Adolf Harnack 1890 Febr. 10. 

- Hermann Amandus Schwarz 1892 Dee. 19. 

- Georg Frobeniw 1893 Jan. 14. 

- Emit Fischer 1893 Febr. 6. 

- Oskar Hertwiff 1893 April 17. 



XXX 

Phjsik.liacl.-mathemati.che Clwse Philosophised- hi.torische Cluse Data ^e S 'tati 6, ^ gli ' !h ' n 

Hr. Max Planck ~~. . . ~! 1894 Juni 11. 

Hr. Karl Stump/ 1895 Febr. 18. 

- Erich Schmidt 1895 Febr. 18. 

- Adolf Erman 1895 Febr. 18. 

- Emit Warburg 1895 Aug. 13. 

- Jakob Heinrich van't Hoff 1896 Febr. 26. 

- Reinhold Koser 1896 Juli 12. 

- Max Lenz 1896 Dec. 14. 

ReinJiard Kekule con Stradonitz 1898 Juni 9. 
Ulrich von Wilamowitz- 

Moellendorff 1899 Aug. 2. 

- Wilhelm Branca 1899 Dec. 18. 

- Robert Hebnert 1900 Jan. 31. 

- Heinrich Mttller-Breslau 1901 Jan. 14. 

- Heinrich Zimmer .... 1902 Jan. 13. 

- Heinrich Dressel .... 1902 Mai 9. 

- Konrad Burdach .... 1902 Mai 9. 

- Friedrich Schottky 1903 Jan. 5. 

- Gustav Roethe 1903 Jan. 5. 

- Dietrich Sch&fer 1903 Aug. 4. 

- Eduard Meyer 1903 Aug. 4. 

- Wilhelm Schulze .... 1903 Nov. 16. 

- Alois Brandl 1904 April 3. 

- Robert Koch 1904 Juni 1. 

- Hermann Struve 1904 Aug. 29. 

- Hermann Zimmermann 1904 Aug. 29. 

- Adolf Martens 1904 Aug. 29. 

- Walther Nernst 1905 Nov. 24. 

- Max Rubner 1906 Dec. 2. 

- Johannes Orth 1906 Dec. 2. 

- Albrecht Penck 1906 Dec. 2. 

- Friedrich Mailer .... 1906 Dec. 24. 

- Andreas Heusler .... 1907 Aug. 8. 

- Heinrich Rubens 1907 Aug. 8. 

- Theodor IAebisch 1908 Aug. 3. 

- Eduard Seler 1908 Aug. 24. 

- Heinrich Lttders .... 1909 Aug. 5 



XXXI 



III. AuswSrtige Mitglieder. 



Phy.ik»li»cJ.-math*m»ti.che Cla.se Philosophisch . butorische Claase ^'""B^au 6 ^ 81 '" 11 " 1 

Hr. rheodorNSldelcemStT&CsbuTg 1900 Mara 5. 
Friedrich Tmhoof-Blumer in 

Winterthur 1900 Mara 5. 

Pasquale Villari in Florenz . 1900 Mara 5. 

Hr. Wilhelm Hittorf in Minister i.W 1900 Mara 5. 

- Eduard Suess in Wien 1900 Mara 5. 

- Eduard Pftuger in Bonn 1900 Mara 5. 

- Uopold Delink in Paris . . 1902 Nov. 16. 
Sir Joseph Dalton Hooker in Sun- 

ningdale 1904 Mai 29. 

Hr. Giovanni Virginio Schiaparelli in 

Mailand 1904 Oct. 17. 

- Adolf von Baeyer in MQnchen 1905 Aug. 12. 

Vatroslav von Jagic in Wien 1908 Sept. 25. 

Panagiotis Kabbadias in Athen 1908 Sept. 25. 



IV. Ehrenmitglieder. 



Datum der Kfiniglichen 

Bcatitigung 



Earl of Crawford and Balcarres in Haigh Hall, Wigan .... 1883 Juli 30. 

Hr. Mas Lehmann in Gottingen 1887 Jan. 24. 

- Friedrich Kohlrausch in Marburg 1895 Aug. 13. 

Hugo Graf von und zu Lerchenfeld in Berlin 1900 Mara 5. 

Hr. Richard SchOne in Grunewald bei Berlin 1900 Mara 5. 

Frau Elise Wentzel geb. Heckmann in Berlin 1900 Mara 5. 

Hr. Konrad von Sludt in Berlin 1900 Mara 17. 

- Andrew Dickson White in Ithaca, N. Y 1900 Dec. 12. 

Bochus Frhr. von Liliencron in Berlin 1901 Jan. 14. 



XXXII 



V. Correspondirende Mitglieder. 

I'll vsi kalis eli - mat iiema tische Classe. 



Datum der Walil 



Hr. Alexander Agassiz in Cambridge, Mass 1895 Juli 18. 

- Ernst Wilhelm Benecke in Strafsburg 1900 Febr. 8. 

Eduard van Beneden in Liittich 1887 Nov. 3. 

- Oskar Brefeld in Charlottenburg 1899 Jan. 19. 

- Heinrich Brum in Leipzig 1906 Jan. 11. 

- Otto Biltschli in Heidelberg 1897 Marz 11. 

Stanislao Cannizzaro in Rom 1888 Dee. 6 

- Karl Chun in Leipzig 1900 Jan. 18. 

- Giacomo Ciamician in Bologna 1909 Oct. 28. 

- Gaston Darboux in Paris 1897 Febr. 11. 

Sir George Howard Darwin in Cambridge 1908 Juni 25. 

Hr. Richard Dedekind in Braunschweig 1880 Marz 11. 

- Nils Christofer Duner in Upsala 1900 Febr. 22. 

- Ernst Elders in Gottingen •. . 1897 Jan. 21. 

- Rudolf Fittig in Strafsburg 1896 Oct. 29. 

- Max Furbringer in Heidelberg 1900 Febr. 22. 

Sir Archibald Geikie in Haslemere, Surrey 1889 Febr. 21. 

David Gill in London 1890 Juni 5. 

Hr. Paul Gordan in Erlaugen 1900 Febr. 22. 

Karl Graebe in Frankfurt a. M 1907 Juni 13. 

- lAidwig von Graff in Graz 1900 Febr. 8. 

- Gottlieb Haberlandt in Graz 1899 Juni 8. 

- Julius Hann in Wien 1889 Febr. 21. 

- Victor 1 Jensen in Kiel 1898 Febr. 24. 

Richard llertwig in Miincben 1898 April 28. 

Sir William Huggins in London 1895 Dec. 12. 

Hr. Adolf von Koenen in Gottingen 1904 Mai 5. 

- Leo Koenigsberger in Heidelberg 1893 Mai 4. 

- Wil/ielm Korner in Mailand 1909 Jan. 7. 

- Henri Le Cliatelier in Paris 1905 Dec. 14. 

- Philipp Lenard in Heidelberg 1909 Jan. 21. 

- Michel Levy in Paris 1898 Juli 28. 



xxxm 

Datum der WaM 

Hr. Gabriel Lippmann in Paris 1900 Febr. 22. 

- Hendrik Antoon Lorentz in Leiden 1905 Mai 4. 

- Hubert Ludwig in Bonn 1898 Juli 14. 

- Franz Mertens in Wien 1900 Febr. 22. 

- Henrik Mohn in Christiania 1900 Febr. 22. 

- Alfred Gabriel Nathorst in Stockholm 1900 Febr. 8. 

- Karl Neumann in Leipzig 1893 Mai 4. 

- Max Noet/ier in Erlangen '. . 1896 Jan. 30. 

- Wilhelm Ostwald in Grofs-Bothen, Kgr. Sachsen 1905 Jan. 12. 

- Willielm Pfeffer in Leipzig 1889 Dec. 19. 

- Emile Picard in Paris 1898 Febr. 24. 

- Edward Charles Pickeriny in Cambridge, Mass 1906 Jan. 11. 

- Henri Poincare in Paris 1896 Jan. 30. 

- Georg Quincke in Heidelberg 1879 Marz 13. 

- Ludwig Radlkofer in Munchen 1900 Febr. 8. 

Sir William Ramsay in London 1896 Oct. 29. 

Lord Rayleigh in Witham, Essex 1896 Oct. 29. 

Hr. Friedrich von Recklinghausen in Strafsburg 1885 Febr. 26. 

- Gustaf Relzius in Stockholm 1893 Juni 1. 

Theodore William Richards in Cambridge, Mass 1909 Oct. 28. 

- Wilhelm Konrad Rdulgen in Munchen 1896 Marz 12. 

Heinrich Rosenbusch in Heidelberg 1887 Oct. 20. 

- Georg Ossian Sars in Christiania 1898 Febr. 24. 

Hugo von Seeliger in Munchen 1906 Jan. 11. 

Hermann Graf zu Sohns-Laubach in Strafsburg 1899 Juni 8. 

Hr. Johann Wil/ielm Spengel in Giefsen 1900 Jan. 18. 

Eduard Strasburger in Bonn 1889 Dec. 19. 

- Johannes Struver in Rom 1900 Febr. 8. 

- August Toepler in Dresden 1879 Miirz 13. 

- Melchior Treub, z. Zt. in Kairo 1900 Febr. 8. 

- Gustav von Tschermak in Wien 1881 Marz 3. 

Sir William Turner in Edinburg 1898 Marz 10. 

Hr. Woldemar Voigt in Gottingen 1900 Marz 8. 

- Johannes Diderik van der Wools in Amsterdam 1900 Febr. 22. 

- Otto Waltach in Gottingen 1907 Juni 13. 

- Eugenius Warming in Ivopenhagen 1899 Jan. 19. 

- Heinrich Weber in Strafsburg 1896 Jan. 30. 

- August Weismann in Freiburg i. B 1897 Marz 11. 

- Julius Wiesner in Wien 1899 Juni 8. 

- Ferdinand ZirM in Bonn 1887 Oct. 20. 






XXXIV 



Philosophisch-historische Classe. Datum der Wahl 

II r. Karl von Amira in Miinchen 1900 Jan. 18. 

- Ernst Immanuel Bekker in Heidelberg 1897 Juli 29. 

- Friedrich von Bezold in Bonn 1907 Febr. 14. 

- Eugen Bormann in Wien 1902 Juli 24. 

Emile Boutroux in Paris 1908 Febr. 27. 

- James Henry Breasted in Chicago 1907 Juni 13. 

Ingram Bywater in London 1887 Nov. 17. 

- Reni Cagnat in Paris 1904 Nov. 3. 

- Arthur Chuquet in Villemomble (Seine) 1907 Febr. 14. 

Louis Duchesne in Rom 1893 Juli 20. 

- Benno Erdmann in Berlin 1903 Jan. 15. 

- Julius Euting in Strafsburg 1907 Juni 13. 

- Paul Foucart in Paris 1884 Juli 17. 

- Percy Gardner in Oxford 1908 Oct. 29. 

Theodor Gomperz in Wien 1893 Oct. 19. 

- Francis Llewellyn Griffith in Oxford 1900 Jan. 18. 

Gustav Grbber in Strafsburg 1900 Jan. 18. 

Tgnazio Guidi in Rom 1904 Dec. 15. 

Georgios N. Hatzidakis in Atlien 1900 Jan. 18. 

- Albert Hauck in Leipzig 1900 Jan. 18. 

- Bernard Haussoullier in Paris 1907 Mai 2. 

- Barclay Vincent Head in London 1908 Oct. 29. 

- Johan Ludvig Heibery in Kopenhagen 1896 Marz 12. 

Karl Theodor von Heigel in Miinchen 1904 Nov. 3. 

- Antoine Heron de VUlefosse in Paris 1893 Febr. 2. 

- Leon Heuzey in Paris 1900 Jan. 18. 

- Harald Hj&rne in Upsala 1909 Febr. 25. 

- Maurice Holleaux in Athen 1909 Febr. 25. 

- Edvard Holm in Kopenhagen 1904 Nov. 3. 

- Thtophile Homolle in Paris 1887 Nov. 17. 

Christian Hit/sen in Florenz 1907 Mai 2. 

- William James in Cambridge, Mass 1900 Jan. 18. 

- Adolf Julicher in Marburg 1906 Nov. 1. 

- Karl Jusli in Bonn 1893 Nov. 30. 

Frederic George Kenyon in London 1900 Jan. 18. 

- Georg Friedrich Knapp in Strafsburg 1893 Dec. 14. 

- Basil Latyschew in St. Petersburg 1891 Juni 4. 

- Friedrich Xeo in Gottingen 1906 Nov. 1. 

- August Leskien in Leipzig 1900 Jan. 18. 

- Emile Levasseur in Paris 1900 Jan. 18. 



XXXV 



I>atum dcr Wahl 



Hr. Friedrich Loofs in Halle a. S 1904 Nov. 3. 

- Giacomo Lumbroso in Rom 1874 Nov. 12. 

- Arnold Luschin von Ebengreuth in Graz 1904 Juli 21. 

- John Penlland Malmffy in Dublin 1900 Jan. 18. 

- Gaston Maspero in Paris 1897 Juli 15. 

- Wilhelm Meyer- Lilbke in Wien 1905 Juli 6. 

- Adolf Michaelis in Strafsburg 1888 Juni 21. 

- Lttdwig Mitteis in Leipzig .' . 1905 Febr. 16. 

- Gabriel Monod in Versailles 1907 Febr. 14. 

- Benedict™ Niese in Halle a. S 1905 Febr. 10. 

- Heinrich Nissen in Bonn 1900 Jan. 18. 

- Georges Perrot in Paris 1884 Juli 17. 

- Edmond Pottier in Paris 1908 Oct. 29. 

- Wilhelm Radloff in St. Petersburg 1895 Jan. 10. 

- Pio Rajna in Florenz 1909 Marz 11. 

- Moriz Bitter in Bonn 1907 Febr. 14. 

- Karl Robert in Halle a. S 1907 Mai 2. 

- Anton E. Schdnbach in Graz 1906 Juli 5. 

- Richard Schroeder in Heidelberg 1900 Jan. 18. 

- Emit Schiirer in Gottingen 1893 Juli 20. 

- Eduard Schwartz in Freiburg i. Br 1907 Mai 2. 

- Emile Senart in Paris 1900 Jan. 18. 

Eduard Sievers in Leipzig 1900 Jan. 18. 

- Henry Sweet in Oxford 1901 Juni 6. 

Sir Edward Maunde Thompson in London 1895 Mai 2. 

Hr. Villtelm Thomsen in Kopenhagen 1900 Jan. 18. 

- Girolamo Vitelli in Florenz 1897 Juli 15. 

- Julius Wellliausen in Gottingen 1900 Jan. 18. 

- Wilhelm Wilmanns in Bonn 1906 Juli 5. 

- Ludtny Wimmer in Kopenhagen 1891 .luni 4. 

- Wilhelm Windelband in Heidelberg 1903 Febr. 5. 

- Wilhelm Wundt in Leipzig 1900 Jan. 18. 



XXXVI 

Inhaber der Helmholtz-Medaille. 

Hr. Santiago Ramon y Cajal in Madrid (1904). 
- Emil Fischer in Berlin (1908). 

Verstorbene Inhaber: 

Emil du Bois-Reymond (Berlin, 1892). 

Karl Weierstrafs (Berlin, 1892). 

Robert Bunsen (Heidelberg, 1892). 

Lord Kelvin (Netherhall, Largs, 1892). 

Rudolf Virchow (Berlin, 1898). 

George Gabriel Stokes (Cambridge, 1900). 

Henri Becquerel (Paris, 1906). 



Inhaber der Leibniz-Medaille. 

a. Der Medaille in Gold. 
Hr. James Simon in Berlin (1907). 

- Ernest Solvay in Briissel (1909). 

- Henry T. von Bdttinger in Elberfeld (1909). 

b. Der Medaille in Silber. 
Hr. Karl Alexander con Martins in Berlin (1907). 

- A. F. Lindemann in Sidmouth, England (1907). 



Beamte der Akademie. 

Bibliothekar und Archival" : Dr. Kbhnke. 

Wissenschaftliehe Beamte: Dr. Dessau, Prof. — Dr. Ristenpart, Prof, (beurlaubt). 

Dr. Harms, Prof. — Dr. Czeschka Edler von Maehrenthal, Prof. — Dr. von Fritze. 

Dr. Karl Schmidt, Prof. — Dr. Frhr. Hiller von Gaertringen, Prof. 
Arehivar und Bibliothekar der Deutschen Commission: Dr. Behrend. 



Gedachtnisrede auf Eberhard Schrader. 



Von 

H ro - EDUARD MEYER. 



PM.-hut. Klasse. 1909. Geddchlnisr. I. 



Gehalten in der Ofl'entlichen Sitzung am 1. Juli 1909. 
Zum Druck eingereicht am gleichen Tage, ausgegeben am 27. Juli 1909. 



In wenigen Tagen wird ein Jahr vergangen sein, seit Eberhard Schrader 
aus der Zahl der Mitglieder der Akademie geschieden ist. Aber sclion 
seit 1895 hat er, durch schweres Leiden gelahmt und der Fahigkeit zu 
wissenschaftlichem Schaffen beraubt, unseren Sitzungen und Arbeiten fern- 
bleiben miissen. So liegt sein Lebenswerk abgeschlossen vor uns; sicherer, 
als es sonst wohl nach dem Hinscheiden eines Gelehrten der Fall ist, ver- 
mogen wir zu iiberscbauen, was der Mann, der der Assyriologie in Deutsch- 
land den Boden erobert hat, ftir die Wissenschaft bedeutet und gewirkt hat. 
Eberhard Schraders Leben ist in einfachen Bahnen verlaufen 1 . 
Geboren in Braunschweig am 5. Januar 1S36 als vierter und jiingster Sohn 
eines Kaufmanns, hat er in seiner Vaterstadt das Gymnasium und nach 
dessen Absolvierung 1854 das damals nocb bestehende Collegium Carolinum 
besucht, eine der ehemals zahlreicben Anstalten in norddeutschen Stadten, 
welche den Ubergang von der Gelebrtenscbule zur Universitat vermittcln 
sollten. Hier hat er unter anderem die Anfangsgrunde des Arabiscben bei 
Petri gelernt. Im Jahre 1856 ging er nach Gottingen, um sich neben 
der Theologie dem Studium der semitiscben Spracben zu widmen, unter 
Leitung Ewalds, dem er zeitlebens dankbare Verebrung bewahrt bat. 
Zahlreiche Zeugnisse bezeugen, wie groB und nachhaltig Ewalds EinlluB 
auf seine Schiller gewesen ist", trotz oder vielleicbt gerade audi infolge der 
mancherlei Wunderlichkeiten, die seinem Wesen, mochte er lebren oder 
schreiben, ein so eigenartiges Geprage gaben, vor allem durcb den Trieb, 



1 AuBer Mitteilungen des Sohns, Pastor Eli. Schrader in Reinickendorf, liabe ich 
einen Nekrolog aus der Feder des Schwiegersohns Fr. Oonze im ■Braunsehweigischen 
Magazin- Oktober 1908 sowie die Nekrologe von II. Zimmern (Ber. d. Sachs. Ges. d. Wiss. 
14. November 1908) und C. Bezold (Ztschr. f. Assyriologie lid. 22, tnit sorgfaltigem Ver- 
zeichnis aller Schriften Schraders) henutzen konnen. 

2 Vgl. J. Wellhausen, Heinrich Ewald, in der Festschrift zur Feier des 150- 
jahrigen Bestehens der Kgl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Gottingen. 1901. 

1* 



4 Meyer: 

alle sprachlichen, literarisclien, religiosen Probleme an der tiefsten Wurzel 
zu erfassen, wo er dann die absolute Wahrheit, die er erkannt zu haben 
glaubte, wie ein Prophet und nicht selten auch dunkel wie Orakelspriiche 
hinstellte. In seinen TJbungen hat er seine Schuler angeleitet, durch griind- 
liche eigene Arbeit in das Verstandnis der Schriftsteller einzudringen ; da- 
gegen fehlte ihm der Sinn fur methodische sprachliche Disziplinierung, 
wie ihn, im AnschluB an die arabischen Grammatiker, Silvestre de Sacy 
ausgebildet hatte und in Deutschland Fleischer den heranwachsenden 
Generationen der Semitisten einprligte. Auch an Schraders grammatischen 
Arbeiten und TJbersetzungen spurt man, dafi ihm eine derartige Schulung 
und die Erziehung zu scharfer Kritik gefehlt hat. Auch lag seine Begabung 
im Grunde nicht eigentlich nach der grammatischen Seite: um so mehr ist 
anzuerkennen, wie viel er trotzdem auch auf diesem Gebiete geleistet hat. 

Ewald hat, wenn auch die Bibel immer im Mittelpunkt seiner Tatig- 
keit stand, doch zugleich, wie die altere Generation der Orientalisten iiber- 
haupt, den gesamten Orient zu umfassen und als eine Einheit fur die Er- 
kenntnis der Entwicklung menscblichen Wesens in Sprache, Religion und 
Kultur zu erschlieBen gestrebt. Scbrader war zunachst wesentlich Hebraist, 
wenn er auch das Studium des Alten Testaments durch die Aufschlusse, 
welche die iibrigen semitisclien Sprachen boten, zu erganzen suchte. Mit 
welchem Erfolge er sich mit diesen beschaftigt hatte, bewies er durch 
Losung der von der philosophischen Fakultiit 1858 gestellten Preisaufgabe 
De linguae Aethiopicae cum cognatis Unguis comparatae indole universa. Auf 
Grund dieser Arbeit wurde er i860 zum Doctor philosophiae promoviert. 

Die nachsten Jahre hat er in der Heimat verlebt. Hier traf ihn, 
der kein theologisches Examen gemacht hatte, im Jahre 1862 ein Ruf 
nach Zurich, um dort als Nachfolger des nach Heidelberg berufenen Hitzig 
in der theologischen Fakultat die alttestamentliche Exegese zu ubernehmen, 
zunachst als besoldeter Privatdozent; schon im nachsten Jahre wurde er 
ordentlicher Professor. Neben exegetischen Vorlesungen las er hier iiber 
Arabisch, Athiopisch und Koptisch, und verofl'entlichte mehrere Arbeiten 
auf alttestamentlichem Gebiet 1 . Daran reiht sich die tiefgreifende Neu- 

1 Studien zur Kritik und Erklarung der biblischen Uriceschichte 1863. Die Dauer 
des zweiten Tempelbaues, zugleich ein Beitrag zur Kritik des Buchs Esra, in den Theolo- 
gischen Studien und Kritiken XL, 1867. Zur Textkritik der Psahnen. ebenda XLI, 1868. 
Ferner Beitrage zu Schenkels Biliellexikon u. a. 



Gediirhtnisrcde auf Eberhard Schroder. 5 

bearbeitung von de Wettes Lehrbuch der Einleitung in das Alte Testa- 
ment (8. Auflage, 1869), die als eine gute Zusammenfassung des Standes 
der alttestamentlichen Forschung in diesem Zeitpunkt gelten kann, kurz 
bevor sie durch die von Vatke, Reufi, Graf ausgehende, von Well- 
hausen siegreich durchgefiihrte Umwalzung auf eine ganz neue Grund- 
lage gestellt wurde. 

Aber in diese Zeit ruhiger Lehrtatigkeit, die durch angeregten Ver- 
kehr und 1865 durch die Vermahlung mit seiner Braunschweiger Jugend- 
geliebten. Ida Giltner, verschont wurde, fallt ein Ereignis, das fur 
Schraders weiteren Lebensgang entscheidend werden sollte. Dem Zuricher 
Museum waren eine Anzahl keilschriftlicher Denkmaler geschenkt worden, 
und Schrader wurde aUfgefordert, sie zu katalogisieren. Das gab ihm 
AnlaB, sich mit den Arbeiten der englischen und franzosischen Entziffei-er 
zu beschaftigen und sicli in die bis dahin erschienenen Textpublikationen 
hineinzuarbeiten, und bald fesselte ilin das neuerschlossene, fortwahrend 
aufs neue die uberraschendsten Aufschliisse gewahrende Gebiet immer aus- 
schlieBlicher. Als erste Frucht .seiner Studien erschien im .Tali re 1869 im 
23. Band der Zeitschrift der Deutschen Morgenlandischen Gesellschaft der 
Aufsatz: »Die Basis der Pmtzifi'erung der assyrisch-babylonischen Keilin- 
schriften, gepriift von Kb. Schrader." Klar und gemeinverstandlich sind 
hier die Grundlagen der P^ntzifferung und die 3Iittel dargelegt und an gut 
gewahlten Beispielen erlautert, durch die es gelungen war, die zahlreichen 
im Charakter der Scbrift liegenden Schwierigkeiten zu iiberwinden; noch 
jetzt kann dieser Aufsatz jedem empfohlen werden, der sich fiber diese 
Fragen und zugleich fiber den damaligen Stand der Ergebnisse der For- 
schung orientieren will. Er gab AnlaB, dafi der Vorstand der Deutschen 
Morgenlandischen Gesellschaft den Verfasser zu »einer erneuten und er- 
weiterten Untersuchung der Grundlagen der Entzifferung der dritten Keil- 
schriftgattung« aufforderte. Schrader, der inzwischen 1870 einem Ruf 
nach GieGen gefolgt war, hat den Auftrag angenommen: das Ergebnis 
war ein umfassendes, im 26. Bande der Zeitschrift der Deutschen Morgen- 
landischen Gesellschaft im Herbst 1872 veroffentlichtes Werk (auch separat 
erschienen): -Die assyrisch-babylonischen Keilinschriften « , in dem, nach 
nochmaliger Besprechung der Hilfsmittel, der Charakter der Schrift und 
die Grammatik der entziiferten Sprache mit eingehender kritischer Be- 
grundung systematisch dargelegt wurde, zunJichst auf Grund der in den 



fi Meyer: 

trilinguen Inschriften der Achamenidenzeit vorliegenden Texte, deren Sinn 
ja durch die persische Version feststand, doch mit Beriicksichtigung alles 
sonst ersehlossenen Materials. Wenn Schraders Werk auch nur eine Zu- 
sammenfassung der von den englischen und franzSsischen Entzifferern ge- 
wonnenen Ergebnisse sein will und in Einzelheiten nur gelegentlich neue 
Resultate geben konnte, so ist er doch gerade durch diese systematische 
Zusammenfassung vor allem in der Behandlung der Grammatik betracht- 
lich uber sie hinausgekommen und hat dadurch die junge Wissenschaft 
der Assyriologie ganz wesentlich gefordert. Die Erganzung bildet das 
gleichzeitig ausgegebene Werk »Die Keilinschriften und das Alte Testament «, 
in dem die Ergebnisse der assyrischen Inschriften, soweit sie sich mit 
dem Inhalt der biblischen Biicher beriihren und fiir deren Verstandnis neue 
Aufschliisse geben, in sehr iibersichtlicher Weise im AnschluB an die ein- 
zelnen Stellen des Alten Testaments zusammengestellt sind. TTberhaupt 
zeigt Schrader, trotz mancher Schwerfalligkeiten im Ausdruck, in diesen 
beiden Werken ein grofies praktisches Geschick; die in ihnen in Tran- 
skription und tlbersetzung, mit eingehendem Kommentar, gegebenen assy- 
rischen Texte und die beiden Werken beigegebenen Glossare 1 sind lange 
Jahre hindurch fiir jeden, der sich mit der Assyriologie beschaftigen wollte, 
unentbehrliche Hilfsmittel geblieben. 

Die Wirkung der Schraderschen Werke ist sehr weitgreifend ge- 
wesen 2 . Wenn man bis dahin in Deutschland, von wenigen ruhmlichen 
Ausnahmen, wie Justus Olshausen, Max Duncker und Johannes 
Brandis, abgesehen, der Entzifferung der babylonisch-assyrischen Keilin- 
schriften ganz ablehnend, ja nicht selten mit unverhohlenem Spott gegen- 
uberstand, so drang jetzt die Anerkennung der genialen Entdeckungen 
eines Rawlinson, Hincks, Oppert durch und man begann ihre Ergeb- 
nisse zu verwerten. Schrader war inzwischen, 1872, an die Jenenser 
theologische Fakultat berufen worden, und bier hat er zum ersten Male 

1 Das grofie Assyrian Dictionary, welches der friih verstorbene Edward Norris 
1868 begonnen hatte, ist niemals vollendet worden. Bis auf die seit 1894 erschienenen 
Handvvorterbiicher von Fr. Delit/.sch und von W. MuB-Arnold t fehlte es an einem assy- 
rischen Lexikon. 

2 Als einen Beleg fiir den Eindruck, den sie machten, darf ich wohl erwahnen, dafi 
ich als junger Student Schraders »Assyrisch-babylonisclie Keilinschriften ■< sofort nach dem 
P>rscheinen in einer Nacht durchgelesen und alsbald angefangen habe, mich an der Hand 
derselben in die keilinschriftlichen Texte hineinzuarbeiten. 



Geduchtnisrede auf Eberhard Schrader. 7 

Vorlesungen iiber das Assyrische gehalten und in Friedrich Delitzsch 
seinen ersten Schiiler gewonnen, der das Werk des Lehrers alsbald nament- 
lich nach der grammatischen und lexikalischen Seite in willkommenster 
Weise erganzte. In diese Jahre fallen zalilreiche kleinere Arbeiten, darunter 
eine Bearbeitung des vor kurzem entdeckten mythologischen Gedichts von 
der Hollenfahrt der Istar', eine eingehende Polemik gegen die von Halevy 
seit 1874 verfochtene Ansicht, das Sumerische (oder wie Schrader da- 
mals mit den englisehen Assyriologen irrtiimlich sagte, das Akkadische) 
sei keine Sprache, sondern ein von den semitischen Babyloniern erfundenes 
»hieratisches« Schriftsystem", und vorher schon ein Aufsatz iiber die Ur- 
sitze der Semiten 3 , in dem er energisch fur Arabien als Heimat der semi- 
tischen Stamme eintrat, eine Anschauung, die jetzt fast allgemein als zu- 
treffend anerkannt ist, die freilich vor ihm schon A. Sprenger auf Grund 
einer viel umfassenderen historisclien Auffassung vertreten hatte. 

Inzwischen war in Berlin durch Roedigers Tod die Professur fiir 
semitische Sprachen freigeworden, und die philosophische Fakultat bean- 
tragte in einer Eingabe vom 3 1 . Juli 1874, dieselbe fiir die Zukunft in 
eine Professur fur mohammedanische Literatur und eine fiir semitische 
Sprachen zu teilen; fiir die letztere wurde an erster Stelle Noldeke, an 
zweiter Schrader vorgeschlagen. Gleichzeitig hatte die Akademie an das 
Ministerium den Antrag gericlitet, Schrader fiir Berlin zu gevvinnen, und 
sich bereit erklart, einen Teil der dafiir erforderlichen Alittel bereitzustellen. 
In dem von Olshausen verfafiten Antrag — unterzeichnet ist er, auGer von 
diesem, von Lepsius, Mommsen, Droysen, Duncker — wird Schrader 
bezeichnet als »ein Mann von eisernem FleiB, von griindlicher und vielseitiger 
Gelehrsamkeit, von durchaus gesunder Kritik, frei von Illusionen wie von 
Vorurteilen « und als -Schiller Ewalds, aber nicht dessen Nachbeter«. Da 
die Verhandlungen mit Noldeke scheiterten, wurde Schrader am 14. Juni 
1875 zum Ordinarius in der philosophischen Fakultat und ordentlichen Mit- 
glied der Akademie ernannt. Damit war zugleich die neue Wissenschaft 



1 Die Hollenfahrt der Istar, ein altbabylonisehes Epos. Nebst Proben assyrischer 
Lyrik. 1874. 

2 Ist das Akkadische der Keilinschriften eine Sprache oder eine Schrift? ZDMG. 29, 
1875. ^g'- spater die in den Abhandlungen der Berliner Akademie 1883 veroffentlichte Arbeit: 
Zur Frage nach dem Urs[)run^e der altbabylonischen Kultur. 

3 Die Abstammung der (haldaer und die Ursitze der Semiten, ZDMG. 27, 1873. 



8 Meyer: 

der Assyriologie als ihren alteren Schwestern ebenbiirtig anerkannt und unter 
die an deutschen Hoclischulen vertretenen Facher aufgenommen. 

Indessen diese Anerkennung blieb nicht obne lebhaften Widerspruch. 
Es fallt uns jetzt schwer, die schroff ablehnende Stellung zu verstehen, 
welche so viele hervorragende Semitisten und Altertumsforscher lange Jahre 
hindurch gegen die Assyriologie eingenommen haben, obwohl der Nach- 
weis der Soliditat der Entzifferung fiir jeden, der die Augen auftun wollte, 
schlagend gefuhrt war. Man hatte erwarten konnen, die ErschlieBung 
eines neuen Gebiets, die Aussicht auf eine urkundliche Erweiterung des 
bisherigen ganz unzulanglichen Materials wiirde von den Historikern und 
alttestamentlichen Theologen wie von den Sprachforschern mit Freude be- 
grufit worden sein: aber das Gegenteil war der Fall. Die Schwierigkeiten 
der Erlernung der Schrift, die Unsiclierheit mancher Ergebnisse, die zweifel- 
losen Fehler, die dabei vorkamen, konnen nicht das Entscheidende gewesen 
sein; denn gegen die Agyptologie hat man sich niemals so ablehnend ver- 
halten, obwohl auch hier die Schwierigkeiten nicht geringer und das Ver- 
standnis der Texte urn 1875 kaum weiter fortgeschritten war und sie 
seitdem ebensoviel hat berichtigen und vertiefen miissen wie die Assy- 
riologie. Vielmehr sind zwei andere Momente von ausschlaggebender Be- 
deutung gewesen. Gegenwiirtig fallt es auch dem, der die folgende Ent- 
wicklung mit durchlebt hat, schwer genug, sich ins BewuBtsein zuriick- 
zurufen, wie unendlich vieles von dem, was wir jetzt von der Geschichte 
des alten Orients wissen, ja was fast elementares Gemeingut geworden ist, 
vor einem Menschenalter noch vollig unbekannt war. Von dem groBen 
politischen Hintergrund, auf dem sich die im Alten Testament bewahrten 
Episoden abgespielt haben, von den Einzelvorgiingen, aus denen die Aufie- 
rungen der Propheten erwachsen sind, wufiten wir bitterwenig; und immer 
von neuem muhte man sich an der Danaidenarbeit ab, aus den Nachrichten 
des Herodot, des Ktesias, des Berossos und den im Alten Testament er- 
haltenen Geschichtstriimmern einen "Qberblick der Geschichte des alten 
Orients zu gewinnen. Da traten die assyrischen Nachrichten ein. tTberall 
brachten sie, falls sie zuverlassig waren, ungeahnte Kunde, uberall aber 
traten sie mit den herkommlichen Darstellungen der israelitischen Ge- 
schichte sowohl 1 wie mit den bei den Griechen bewahrten Nachrichten 

1 dagegen keineswegs mit den wirklich geschichtlichen Nachrichten, welche das Alte 
Testament bewahrt. 



Gedachtnisrede auf Eherhard Schi-ader. 9 

und vollends mit den darauf aufgebauten Systemen in flagranten Wider- 
spruch. Begreiflich genug, daB man sich striiubte, sie anzunehmen: wie 
sehr man bisher in die Irre gegangen war, wie wenig vor allem alle 
diese griechischen Naclirichten ' von historisch verwertbarer Kunde ent- 
hielten, konnte bis dahin kein Mensch ahnen. So erklart es sich, daB 
vielen Gelehrten die geistige Elastizitat fehlte, das Neue vorurteilslos zu 
priifen und in sicb aufzunehmen: statt sich in die Elemente der assy- 
rischen Schrift hineinzuarbeiten, wodurch jeder sprachlich Geschulte so- 
fort die Moglichkeit gewonnen hatte, mit ziemlicher Sicherheit zu beur- 
teilen, was als gesichert gelten konnte", wo Reserve geboten war, klam- 
merte man sich an die scheinbaren und wirklichen Seltsamkeiten der Sclirift 
und vor allem an die bekannte Tatsache, daB die Lesung der groBtenteils 
ideographisch geschriebenen Glitter- und Personennamen sehr unsicher und 
schwankend war — vielfach sind diese Schwierigkeiten auch jetzt noch 
nicht gehoben — ; und dieselben Manner, die die zahlreichen fortwahrend 
auf alttestamentlichem Gebiet vorgebrachten Phantasien und die Ungeheuer- 
lichkeiten, zu denen liervorragende Gelehrte nur zu oft bei der Interpre- 
tation phonikischer und aramiiischer Inschriften und Siegel gelangt waren, 
mit gebuhrender Milde beurteilten, hielten den Assyriologen unnachsicht- 
lich jeden MiBgriff', jeden sprachlichen oder sachlichen Fehler, jede falsche 
Kombination vor, und glaubten mit diesen Irrtumern auch die gesamten 
Ergebnisse ihrer Entdeckungen verwerfen oder zum mindesten anzweifeln 
zu durfen. 

Dazu kam ein weiterer Umstand. Die Entzifferung der babylonisch- 
assyrischen Keilschrift ist in England und Frankreich ausgefuhrt worden; 
und in diesen Landern ist bekanntlich jede Wissenschaft, die sich durch- 
setzen und Erfolge erreichen will, darauf angewiesen, das Interesse der 
breiten Massen der Gebildeten zu gewinnen. Bei der Assyriologie war 
das um so mehr der Fall, da sie nun einmal mit dem Alten Testament 
in enger Beziehung steht, und dies ohnehin schon in England in ganz 
anderer Weise ein allgemeines Interesse erweckt als etwa bei uns. Schon 

1 abgeselien von den Fragmenten des Berossos; nur seine Dynastienliste ist noch 
limner ein ungelostes Ratsel und mit den Oaten der Denkmaler absolut unvereinbar. 

2 DaB auch miter diesem manches durch die weitere Foischung geiindert worden ist, 
versteht sich von selhst; das gilt von der Assyriologie in demselben Sinne und Umfang wie 
von jeder in lebendigem Fortschreiten begriffenen Wissenschaft. 

PhiL-Mst. Klasse. 1009. GeddchtnUr. I. 2 



10 Meyer: 

an sich locken Entzifferungsaufgaben unberufene Dilettanten an, denen (loch 
einmal, neben vielem Verkehrten, ein guter Fund gelingen mag; und auch 
bei den wirklich Berufenen kann die divinatorische Kombination, mit der 
ein Entzifferer vorgehen muB, den Sinn far strenge Kritik und methodi- 
sche Selbstsucht nicht gerade fordern: nur zu oft erweist sich hier, was 
zunachst ganz unwahrscheinlich erschien, dennoch als ein gangbarer Weg, 
ja als das einzig richtige. So ist es begreif'lich, daB die Assyriologie den 
Kinderkrankheiten der Popularitatshascherei und der wilden, ziellosen Kom- 
bination besonders stark ausgesetzt war; selbst gegen wartig hat sie die- 
selben noch nicht immer vollig iiberwunden. Diese Gebrechen machten 
sich jetzt auch in Deutschland geltend; gerade durch das ablehnende Ver- 
halten eines groBen Teils der ihr sachlich am nachsten stehenden Gelehrten 
wurde sie um so mehr in diese Bahnen gedrangt. Aber wer unbefangen 
urteilt, wird den Vorwurf, daB er diese Ausschreitungen gefordert habe, 
gegen Schrader nicht erheben konnen: gewiB war er schon seiner Natur 
nach enthusiastisch gestimmt — aber wer will ihm verdenken, daB ihn das 
gewaltige Gebiet neuer Belehrung, welches sich ihm erschlossen hatte, mit 
Begeisterung erfullte und er danach strebte, ihm die solange vorenthaltene 
Anerkennung zu erringen 1 ? — ; gewiB fehlte ihm die strenge sprachliche 
Schulung, die ihn vor manchen Mifigriffen hatte bewahren konnen, und lieB 
er sich mitunter von verwegenen Kombinationen anderer (nicht von eigenen) 
blenden, wo scharfe Kritik angebrachter gewesen ware; aber nur um so 
mehr ist anzuerkennen, daB er sich ernstlich und sehr erfolgreich bemuht 
hat, diese Kritik zu iiben, das Sich ere von dem Problematischen zu 
scheiden, und dafi seine Arbeiten, indem sie die Ergebnisse der bahn- 
brechenden Entzifferer zusammenfaBten und sichteten, zugleich eine weit 
solidere Basis fur die fortschreitende wissenschaftliche Arbeit schufen, 
als diese zu geben vermocht batten'". Dennoch ist es naturlich, daB 
die Angriffe gegen die Assyriologie sich in erster Linie gegen ihn rich- 
teten, als den Mann, der diese Wissenschaft in Deutschland heimisch ge- 
macht hatte. 

1 Gutschmid, Neue Beitrage S. 142 liiBt allerdings seine Anklagen in dem Vorwurf 
gipfeln, daB Schrader Enthusiast sei. 

2 Man vergleiche nur Schraders Arbeiten mit denen des zweifellos weit genialeren 
George Smith, der aber doch den bei seiner Vorbildung unvermeidlichen Dilettantismus 
niemals hat iiberwinden konnen. 



Gedachtnisrede auf Eberhard Schroder. 1 1 

Als Wortfuhrer dieser Stimmungen erhob sich Alfred von Gut- 
schmid. Das Erscheinen der viertcn Auflage von Dunckers Geschichte 
des Altertums (1874), bei der Schrader dem Verfasser manche Aufschliisse 
gegeben hatte und die er gegen eine Rezension Gutschmids energisch 
verteidigte, gab diesem den Anlafi zu einem scharfen Angriff gegen Schrader 
und die Assyriologie iiberliaupt, der zu Anfang des Jahres 1876 unter 
dem Titel »Neue Beitrage zur Geschichte des alten Orients. Die Assyrio- 
logie in Deutschland" erschien und die wissenschaftliche Welt aufs leben- 
digste erregte. An Umfang des geschichtlichen VVissens, an historischer 
Schulung und kritischer Begabung war Gutschmid seinem Gegner weit- 
aus iiberlegen ; daneben verwendet er alle Mittel des Witzes und der Satire, 
die er als Meister beherrschte, zu einem Sturm auf die gesamten Grund- 
festen der Assyriologie, die Hilfsmittel, die Methode, die Ergebnisse, von 
denen er nur ganz wenige mit aller Reserve als verwertbar anerkennen 
will: mit den Worten »Chaldaeos ne consulito!« schlieBt die Schrift. Es 
ist nicht zweifelhaft, dafi dieser leidenschaftliche Angriff wie ein reinigen- 
des Gewitter ^ewirkt hat : auf gar manche wunde Punkte, auf Fliichtig- 
keiten und voreilige Schliisse, auf die aus der Popularisierungssucht er- 
wachsenden Gebrechen hat Gutschmid den Finger gelegt und indem er 
die neuentstehende Wissenschaft zur Selbstbesinnung und erneuten Nach- 
priifung zwang, ihre weitere Entwicklung gefordert. Aber als Ganzes 
schieCt der Pfeilhagel, mit dem sie iiberschuttet wurde, weit fiber das Ziel 
hinaus: wenn er dem Gegner Befangenheit vorwirft, so war er selbst in 
noch weit hoherem Grade befangen. Es hat sich an ihm geracht, daB er 
gar nicht den Versuch gemacht hat, sich die Elemente der Schrift anzu- 
eignen — das war audi damals sclion weit leichter, als es dem Ferner- 
stehenden scheinen konnte — und etwa einen einfachen historischen Text zu 
lesen: seine Angriffe hatten an positiven Krgebnissen fruchtbarer sein konnen, 
wenn er hier etwas mehr Sachkenntnis besessen hatte. So aber verschliefit 
er sein Auge geradezu gegen <loch vollig gesicherte Tatsachen; es fallt auf 
ilin selbst zuriick, wenn er den trotz einzelner Fliichtigkeiten in allem wesent- 
lichen durchaus soliden Transkriptionen und Ubersetzungen Schraders die 
Werke Menants (Annales des rois d'Assyrie 1874. Babylone et la Chaldee 
1875) als Muster gegenuberstellt, Biicher, die, ganz abgesehen von den zahl- 
losen Druckfeblern, die sie entstellen, Satz fur Satz mit beispielloser Ober- 
flachlichkeit und Fluchtigkeit gearbeitet sind und in der Tat eine ver- 

2* 



12 Meyer: 

nichtende Kritik der Art, wie sie Gutschmid an Schrader zu iiben 
suchte, verdient hatten. 

Schrader hat den Fehdehandschuh aufgenommen: nach zweijahriger 
angestrengter Arbeit veroffentlichte er 1878 ein umfangreiches Werk 
"Keilinschriften und Geschichtsforschung«, vielleicht die reif'ste und ertrag- 
reichste seiner Arbeiten. Er hatte dem Gegner gegeniiber einen schweren 
Stand: die Schlagfertigkeit, die Gabe pointierter und wirkungsvoller For- 
mulierung seiner Ansichten, die Gutschmid in hervorragendem MaBe 
besaB, war ihm versagt, eine gewisse Schwerfalligkeit haftet alien seinen 
Schriften an. Aber was ihm nach der formellen Seite fehlte, ersetzte 
er durch solide Gelehrsamkeit und streng sachliche Diskussion; und die 
Ehrlichkeit einer gewissenhaften Uberzeugung, die in seiner Personlichkeit 
wie in seinen Schriften uberall hervorleuchtet, konnte die Wirkung nicht 
verfehlen. 

In den Einzelfragen hat sich natiirlich in den 30 Jahren, die seitdem 
vergangen sind, gar manches anders gestaltet, wenn auch recht viele von 
den Schraderschen Ergebnissen bestehen geblieben sind; in der Haupt- 
sache hat er seine Sache siegreich und erfolgreich durchgefochten. Seit 
dem Erscheinen seines Werks sind die Zweifel an der Zuverlassigkeit der 
Entzifl'erung verstummt; und auch diejenigen Gelehrten, welche bis dahin 
der Assyriologie ganz skeptisch gegeniiberstanden, haben seitdem ihre 
Resultate angenommen; wenn dabei Vorsicht und die bei der Verwen- 
dung fremder Ergebnisse immer gebotene Zuriickhaltung geubt wird, 
so kann das jedem, der es mit der Wissenschaft ernst meint, nur will- 
kommen sein. 

Inhaltlich liegt der Schwerpunkt des Schraderschen Werkes in zahl- 
reichen historischen und geographischen Einzeluntersuchungen ; und diesen 
Gebieten gehQrt auch die Mehrzahl der Arbeiten an, die er seitdem, vor 
allem in den Schriften unserer Akademie, veroffentlicht hat 1 . Auch der 



1 Ich erwahne von denselben: Die Namen der Meere in den assyrischen Inschriften. 
Abh. der Berl. Akad. 1877. Zur Kritik der Inschriften Tiglath-Pilesers II., des Asarhaddon und 
des Assurbanipal ebenda 1879. ^' e Sargonstele des Berliner Museums ebenda 1881. Die 
Keilinschriften am Eingang der Quellgrotte des Sebeneh-Su ebenda 1885. Zur babylonisch- 
assyrischen Chronologie des Alexander Polyhistor und des Abydenus, Ber. der Sachs. Ges. 
1880. Die keilinschriftliche babylonische Konigsliste, Sitzungsber. der Berl. Akad. 1887. Die 
Datierung der babylonischen sogenannten Arsacideninschriften ebenda 1890 (mit Nachtrag 1891). 



Gediirhtnisrede auf Eberhard Schroder. 13 

zweiten, ganzlich umgearbeiteten Auflage des Werkes » Die Keilinschriften 
und das Alte Testament^ die 1883 erschien, ist diese Richtung seiner 
Studien zugute gekommen. 

Grammatische Arbeiten hat er nicht mehr veroffentlicht ; sein Interesse 
lag eben durchaus auf der Seite der Realien, und der fortschreitenden Aus- 
bildung der assyrischen Philologie, dem Ausbau der Grammatik und des 
Lexikons, der an Friedrich Delitzsch ankniipft, hat er wohl kaum mehr 
Qberall ganz folgen konnen So erklart es sich, daB er in dem eben ge- 
nannten Werke die Bearbeitung des keilinschriftlichen Sintflutberichts an 
Paul Haupt ubertrug, und daB, als er 1899 ein neues groBes Unternehmen 
begann, die »Keilinschriftliche Bibliothek% eine aufierst dankenswerte 
Sammlung aller wichtigeren babylonischen und assyrischen Texte, zuerst 
der historischen Inschriften, in Transkription und tlbersetzung, er wohl 
noch einige assyrische Konigsinschriften selbst bearbeitet, weitaus das 
meiste aber jungeren Gelehrten (C. Bezold, H. Winckler, P. Jensen, 
F. E. Peiser, L. Abel) uberlassen hat, die er in die Anfangsgriinde des 
Assyrischen eingefiihrt hatte. 

Denn eine reiche Lehrwirksamkeit hatte sich ihm in Berlin eroifnet, 
und die neue Wissenschaft warb jetzt zahlreiche Jiinger. Wenn Schrader 
die fiihrende Stellung, die ihm in derselben zunachst zugefallen war, auf 
die Dauer nicht eingenommen und auch niemals beansprucht hat, so war 
er durch seine Personlichkeit um so mehr berufen zu einer vermittelnden 
Tatigkeit, zum Ausgleichen und Einschranken der Gegensatze, die in der 
weiteren Entwicklung nicht ausbleiben konnten: es ist gerade auch nach 
dieser Seite ein schwerer Verlust fur die Wissenschaft gewesen, daB er Hu- 
so bald entrissen worden ist. Denn was Schrader auszeichnete, war die 
innere Lauterkeit und Wahrhaftigkeit seines Charakters und die Herzens- 

Zur Geographie des Assyrischen Reichs ehenda 1890. I her Ursprung, Sinn und Aussprache 
des altbabylonischen Konigsnamens ►-f^;T >-*-} *~'A >->t;TT ehenda 1894. Das -Westland- 
und das Land Amuri ehenda 1894. — Ferner die Puhlikation der Inschrift Asarhaddons in 
dem ersten Heft der Ausgrabungen von Sendschirli 1893 (Mitteilungen aus den orientalischen 
Sammlungen der Kgl. Museen XI). — Dem Bereich der Religionsgeschichte gehoren an: 
die tr vs r , psVs und ihr aramaisch-assyriscties Aijuivalent, Sitzungsber. 1886 (init Nachtrag in 
der Z. f. Assyriologie III). Die Vorstellung vom monok^pojc und ilir Ursjirung, Sitzungsber. 
189J. — Ferner die GedSchtnisrede auf Justus Olshausen, Abli. der Berl. Akad. 1883. Eine 
vollstandige Bibliographic, einschlieClich der zahlreichen Rezensionen Schraders, hat 
Bezold gegeben, oben S. 3 Anm. 



14 Meyer: 

warme, mit der er Leben und Wissenschaft erfafite, und die er jedem ent- 
gegentrug, der mit ihm in Beriihrung trat. Auf ihr beruhte es, dafi er 
sich zu einem kraftigen, gesunden Optimismus systematisch erzogen hat, 
dafi er Widerspruch und Belehrung durch andere gern ertrug, dafi er durch- 
aus Selbstkritik iibte und nicht selten dariiber scherzte, dafi er nun einmal 
ein » Brausekopf « sci, der sich leicht zu Voreiligkeiten verleiten lasse; und 
wenn er mir einmal den sehr beherzigenswerten Rat gegeben hat, sich 
durch Einwendungen gegen eine wohlerwogene Ansicht nicht einschuchtern 
zu lassen, da man iiber diesen Einwendungen nur zu leicht die Griinde ver- 
gesse oder geringschatze, welche zur Bildung dieser Ansicht gefuhrt hatten, 
so sprach sich darin das Bewufitsein aus, dafi er selbst immer geneigt 
war, gegen diese Lehre zu verstofien. 

Schrader stand in der Vollkraft seiner Wirksamkeit, in einem reichen, 
wenn auch durch langes Leiden und friihen Tod einer eben herangewachsenen 
Tochter getriibten Familienleben: da traf im Februar 1895 den 59Jahrigen 
ein schwerer Schlaganfall, der die linke Seite dauernd lahmte. Die geistigen 
FShigkeiten hatten zunachst nicht gelitten; und in dem ersten Wort, 
welches Schrader sprach, als er wieder zu vollem Bewufitsein kam, ge- 
langte sein unverwiistlicher Optimismus zu ergreifendem Ausdruck: »es ist 
doch ein Ghick, dafi nicht die rechte Seite gelahmt ist." Aber die aufierste 
Sclionung war geboten, und die Moglichkeit zu selbstandigem Weiter- 
arbeiten ist nicht wiedergekehrt. Vorlesungen hat er in seiner Wohnung 
noch wieder mehrere Semester hindurch halten konnen, und fur diese 
Stunden trat auch die alte Frische noch wieder hervor; aber das Leiden 
schritt fort, und im Jahre 1899 mufite er sich dauernd von seinen Amts- 
pilichten entbinden lassen. Auch die langst vergriftene zweite Auflage des 
Werkes »Die Keilinschriften und das Alte Testament" neu zu bearbeiten 
war ihm nicht mehr moglich; er hat das Werk an Hugo Winckler 
und Heinrich Zimmern iibertragen, die an Stelle des Schraderschen 
Buchs ein ganz anderes gesetzt haben, das mit jenem nur den Titel ge- 
mein hat. 

So endete das mit so reichen Erfblgen begonnene Leben in langem 
schwerem Leid. Aber bewaltigen lassen hat Schrader sich nicht: statt 
zu klagen, hat er sich gefreut, dafi es ihm vergonnt war, die aufsteigende 
Weiterentwicklung der von ihm nach Deutschland verptlanzten Wissenschaft 
noch weiter verfolgen zu kdnnen, wo er selbst die Hand vom Piluge liatte 



Geddchtnisrede auf Eberhard Schroder. 15 

abziehen miissen ; unci alle neuen Erscheinungen hat er mit Freuden be- 
griiBt, auch als allmahlich auch die geistigen Krafte immer mehr abnahmen. 
Seine Gattin und seine beiden Kinder haben ihn treu gepilegt. Da wurde 
ihm im Friihjahr 1908 die Lebensgefahrtin nach kurzer Krankheit entrissen. 
Dieser neue harte Schlag hat zunachst ein nochmaliges Aufflackern des 
geistigen Lebens herbeigefuhrt. Nui" um so rascher verzehrten sich die 
Krafte, die ihm noch geblieben waren: am 8. Juli 1908 ist er sanft ent- 
schlafen. 



Gedachtnisrede auf Richard Pischel. 

Von 

H rn WILHELM SCHULZE. 



Fhil.-hi.st. Klasse. 1909. Gedachtnisr. II. 



Gehalten in der offentlichen Sitzung am 1. Juli 1909. 
Zum Druck eingereicht am gleichen Tage, ausgegeben am 24. August 1909. 



.Am zweiten Weihnachtstage ties vergangenen Jalires ist Richard Pischel 
im Hospital zu Madras einer tiickischen Krankheit erlegen, fern von der 
Hehnat und den Seinen. Keines Freundes Mund hat ihm ein Wort der Liebe 
und des Grufies auf den letzten Weg mitgeben konnen. Heute, am Leibniz- 
tage, da wir nach der Sitte der Akademie unserer Toten gedenken, rufen wir 
ihn in unsern Kreis, nicht uin Abschied zu nelimen, um sein Gedachtnis fur 
uns lebendig zu erhalten. 

Aus der Fiille des Wirkens ist er herausgerissen, weg von drangenden 
Aufgaben, lockenden Planen, auf die er sclion die arbeitgewohnte Hand ge- 
legt. Ich will erzahlen, wie ich ihn sehe, wenn ich die Summe seines Lebens 
mir riickschauend vergegenwartige. Den Menschen und den Gelehrten aus 
seines Wesens Kerne ganz zu begreifen, darf ich nicht hoflen. Split erst bin 
ich ihm nahegetreten, da er die Mittagshohe des Lebens schon iiberschritten, 
und fur weite und wichtige Wissensgebiete, die sein Geist in rastloser 
Tatigkeit bestellt hat, vermag ich den inneren Anted und die Freiheit des 
Urteils nicht auf'zubringen, die zu vollerem Verstandnis unentbehrlich sind. 

Richard Pischel, am 18. Januar 1849 zu Breslau geboren, dankt 
seine wissenschaftliche Erziehung und Vorbereitung fur den Gelehrtenberuf 
ganz den Schulen seiner Vaterstadt. Durch Stenzler, der den noch jungen 
Sanskritstudien an der schlesischen Universitat eine HeimsUitte erfolgreicher 
Arbeit bereitet hatte, ist er fur die indische Philologie gewonnen worden. 
Er hat selbst in der Allgemeinen Deulschen Biographie seines Lehrers Per- 
sonlichkeit und Verdienste pietatvoll gewurdigt. Aus Stenzlers Kalidasa- 
Studien gewinnt er die Anregung fur seine ersten textkritischen und iiberliefe- 
rungsgeschichtlichen Untersuchungen, aus der Ausgabe des indischen Dramas 
Mrcchakatika die Richtlinien seiner eigenen Prakritforschung, die ihn spater 
zu den starksten und unbestrittensten Erfolgen seines Lebens fiihren sollte. 



4 Schulze: 

Und noch in den Vedischen Studien, die sich am weitesten von dem Arbeits- 
felde des Lehrers entfernen und am sichtbarsten iiber ihn hinauswachsen, 
spurt man das stille Nachwirken des Mannes, der als Erster in Deutschland 
den Wert der von den Indern selbst geleisteten lexikographischen Arbeit be- 
griffen und durch einsiclitige Benutzung der einbeimischen Kommentatoren 
die Interpretation indischer Literaturwerke zu sicherem und exaktem Ver- 
standnis zu erziehen sicb Zeit seines Lebens bemiiht hatte. Wie weit andre 
Lelirer auf den Breslauer Studenten Einflufi gewonnen haben, vermag ich 
niclit zu erkennen. Zu den Philologischen Abhandlungen, die im Jahre 1888 
'Martin Hertz zum siebzigsten Geburtstag von ehemaligen Schiilern dar- 
gebracht' wurden, hat auch Pischel einen Aufsatz zu Petronius Satirae 62 
beigesteuert, und durch sein ganzes Lebenswerk lassen sich die Zeugnisse 
fur den dauernden Umgang mit griechischen Dichtern und Schriftstellern 
verfolgen. DaG er »bei den klassischen Philologen in die Lehre gegangen« 
und ihnen fur eine strengere Methode in der Behandlung iiberlieferungs- 
geschichtlicher Probleme zu Danke verpflichtet sei, kann man aus gelegent- 
lichen AuGerungen erschlieGen. 

Kalidasas beriilimtestem Drama, der Sakuntala, die in mehreren stark 
auseinandergehenden Rezensionen auf uns gekommen, gait Pischels erste 
selbstandige Arbeit (De Kalidasae Cakuntali recensionibus. Breslauer In- 
auguraldissertation 1870). Sie entschied die Frage nach der Zuverlassigkeit 
der uberlieferten Fassungen im Sinne Stenzlers, aber im Widerspruche 
gegen die gewichtigsten Autoritiiten jener Tage, zugunsten der sogenannten 
bengalischen Rezension, die einst von Forster nach Jones ins Deutsche 
iibersetzt und von Chezy im Original ediert, nachmals in Mifikredit geraten 
war. Die Devanagari-Rezension, fiir deren Echtheit die hervorragendsten 
Sanskritisten sich eingesetzt hatten, verfiel nach Pischels Untersuchung 
dem strengen Verdikt systematisclier Interpolation. Der lebendige und ent- 
schiedene, Widerspruch von vornherein niederschlagende Vortrag forderte 
den Widerspruch der Angegriffenen nun freilich erst recht heraus, aber die 
unverkennbaren Qualitaten der die Uberlieferung geschickt und methodisch 
sichtenden, die Varianten mit Kenntnis und Urteil wertenden Untersuchung, 
die in wohlgemuther Sicherheit, unbelastet durch allzu angstliche Wenn und 
Aber, direkt auf ihr Ziel losschreitet, zwangen auch dem Widerstrebenden 
Achtung ab, und Albrecht Weber, mit dem Pischel alsbald in eine recht 
lebhafte und nicht immer mit den freundlichsten Worten ausgefochtene lite- 



Gedachtnisrede auf Richard Pischel. 5 

rarische Fehde geriet, gab von der Hobe seines seit langem festgegriindeten 
Ansehens herab dem Anfanger das ehrende Zeugnis, dafi die Mitforscher »nach 
seinen bisherigcn so iiberaus anerkennenswerten und ausgezeichneten Lei- 
stungen von seinen Studien auf diesem Gebiete ganz Treffliches und Bahn- 
brechendes erwarteten « . Heute, nachdem sich diese Prophezeiung langst 
erfullt hat, darf man wold hinzufiigen, daS in dem nocli immer nicht end- 
giiltig ausgetragenen Streite die Vorteile einer prazisen Fragestellung und 
eines methodisch geschulten Urteils duivhaus auf Seiten des Anfangers lagen 
und dafi sich die von Pischel zunachst an einem Einzelfall studierte Frage 
in der Folge ihm selbst immer mehr zu einem Probleme von allgemeiner 
Bedeutung fur die ganze literarische (Jberlieferung in Indien ausgeweitet 
hat, dessen Losung in einem sehr viel umfassenderen Rahmen versucht 
werden mufi. 

Nach dem gliicklichen Ausgang des Krieges, der den jungen Doktor 
in einen Soldaten verwandelt und aus dem harmlosen Geplankel wissen- 
schaftlicher Polemik unvermittelt in den blutigen Ernst des Schlachtfeldes 
hinausgefiibrt hatte. folgte ein Aufentlialt in Berlin, der ilin mit Weber 
in personliche Beriihrung brachte und dadurch die entscheidende Wen- 
dung seines Lebens vorbereitete. Denn ein von Weber erwirkter Auf- 
trag unserer Akademie und der Deutschen Morgenllindischen Gesellschaft 
gewabrte die ersehnte Gelegenheit zu einer wissenschaftliclien Reise nach 
England, wo Pischel das handschriftliche Material fur eine kritische Bear- 
beitung der Sakuntala vervollstandigen sollte. Ein Jahr lang, vom Sep- 
tember 1872 bis zum September 1873, hat er in England gelebt, meist 
in London, kurze Zeit audi in Oxford. Doch wurde es ihm unendlich 
viel schwerer, im englischen Leben heimisch zu werden als unter den 
Handschriftenschatzen des India Office und der Bodleiana, die er nach 
den verschiedensten Richtungen bin fur seine wissenschaftlichen Plane 
ausbeutete. Er las sich ein in die mannigfaltigen Schriftsysteme der Inder, 
gewann Fiiblung mit den Quellenwerken der einheimischen Poetik und 
Rhetorik, sammelte neues bandschriftliches Material nicht blofi fur die 
Dramen Kalidasas. deren sudindische Rezensionen er zuerst bekannt ge- 
macht oder nach ihrem Cberlieferungswerte bestimmt hat, sondern auch 
fur seine aus der Beschaf'tigung mit den Dramen und ihrer Textgescbichte 
gradlinig erwachsenen Prakritstudien, die seinen Arbeitsplanen bald eine 
wesentlich veranderte Richtung gaben, orientierte sich mit wifibegierigein 



6 Schulze: 

Eifer, angeregt oder zum Widerspruch herausgefordert durch die gleich- 
zeitigen Arbeiten von de Garrez, Hoernle, Beames, auf dem weiten 
Gebiete der neuindischen Volkssprachen, von denen er wertvolle Hilfe 
fiir eine wahrhaft geschichtliclie Krforschung der mittelindischen Prakrit- 
dialekte erhofl'te, und dehnte sein Interesse alsbald auch auf den verachtet- 
sten und merkwiirdigsten Ableger indischen Volkstums, die Zigeuner, aus, 
denen er dann zeitlebens mit der eifrigen Liebe des Sammlers zugetan 
blieb. In dem Aufsatze fiber die Heimat der Zigeuner (Deutsche Rund- 
schau xxxvi, 1883, 353 ff.), in dessen sachlicher Darstellung die reifste 
und erlesenste Gelehrsamkeit sicli mehr verbirgt als oft'enbart, und in den 
Beitragen zur Kenntnis der deutschen Zigeuner (aus der Festschrift zur 
zweihundertjahrigen Jubelfeier der Universisat Halle, 1894), die zunachst 
mit gelassener Teilnahme Gliick und Ende einer von guten Menschen zur 
«Sittigung« der Zigeuner ins Leben gerufenen Kolonie in Friedrichslohra bei 
Nordhausen aus den Akten erzahlen, um dann in die umsichtige und 
weitblickende Erlauterung eines dort aufgenommenen Vokabulars auszu- 
miinden, hat uns Pischel zwei anziehende Dokumente seiner Zigeuner- 
studien von bleibendem Werte hinterlassen. 

Diese Ausdehnung seiner Arbeit, die sich offenbar nach einem inneren 
Gesetze seiner Natur, ganz in der Stille wie von selbst vollzog, ist charak- 
teristisch fur den ganzen Mann. Was er ergriff, wollte er beherrschen 
bis in alle seine Verzweigungen und Brechungen, beherrschen mit alien 
Mitteln des gelehrten Konnens und Wissens; die Schranken, die Tradition 
oder Bequemlichkeit der wissenschaftlichen Forschung so leicht zu Ziehen 
pflegen, hat er nie respektiert. So wird seine Arbeit zum Programm, zu 
umfassend fiir die Grenzen selbst des gesegnetsten Lebens, aber fort- 
wirkend mit der Werbekraft des einmal als notwendig erkannten wissen- 
schaftlichen Postulates. Die durch die geschichtliche Entwickelung zer- 
rissenen Verbindungsfaden zwischen den Prakritsprachen des indischen 
Mittelalters und den Volkssprachen der Gegenwart (einschlieClich des 
Zigeunerischen) in methodischer Forschung auf alien Linien wieder anzu- 
knfipfen, bleibt eine der wichtigsten, noch uneingeiosten Forderungen zu- 
gleich der indischen Philologie und der indogerinanischen Sprachwissen- 
schaft. 

Aber so weit sich auch der Vierundzwanzigjahrige seine wissenschaft- 
lichen Lebensziele steckte, er verzettelte seine Kraft nicht an Zukunftsplane 



Gedachtnisrede auf Richard Pischrl. 7 

einer uferlosen Polyhistorie, sondern verstand seine Arbeit mit den berech- 
tigten und erfullbaren Forderungen der Gegenwart in Einklang zu halten. 
Als er sich, sofort nach seiner Ruckkehr, im Wintersemester 1873/74 in 
Breslau unter den Augen seines alten Lehrers habilitierte, legte er eine 
vielversprechende Probe seiner auf die einheimischen Prakritgrammatiker 
gerichteten, im besten Sinne grundlegenden Stu<lien vor (De grammaticis 
Pracriticis), und schon im Herbste des Jahres 1874 war die Ausgabe des 
wichtigsten und reichhaltigsten unter diesen Grammatikern. des Hemacandra, 
im Manuskript druckfertig. Nur die Ungunst aufierer Verhaltnisse verzogerte 
das Ersclieinen bis 1876; der zweite Band, der die Erlauterungen bringen 
sollte, ist gar erst 1879 erschienen, nun freilich in der erweiterten Form 
einer Obersetzung, und etwa gleichzeitig mit der Ausgabe des von demselben 
Autor herriihrenden Prakritworterbuches. der Deeinamamala (Bombay 1880), 
deren Manuskript Biibler gefunden und Piscbel zur Edition iiberlassen 
hatte. P^iner von den beriilimtesten Veteranen der damaligen Sanskritphilo- 
logie, Benfey, begriifite Pischels Hemacandra-Ausgabe in den Gottingischen 
Gelehrten Anzeigen von 1876 mit Worten riickbaltloser Anerkennung als 
Erfullung der durch fruhere Leistungen rege gemachten Erwartung, als Unter- 
pfand grofierer Zukunftshoftnungen. 

Noch vor der Verofl'entlichung des ersten Bandes, zum Herbste 1875, 
war Pischel in die neubegriindete Professur des Sanskrit und der ver- 
gleichenden Sprachforschung an der Universitat Kiel berufen worden, die 
er nacb zehnjjihriger Wirksamkeit mit Halle vertauschte. Es war eine Zeit 
rubiger und begliickender Arbeit, die Grundlegung jener allumfassenden, 
stets bereiten, nie aufdringliclien Belesenheit. die alle spateren Scbriften 
Pischels auszeichnet. 

Die kritische Forschung, die er der Sakuntala zugewandt, gelangt in 
der Ausgabe von 1877 (als Manuskript vollendet am 30. Marz 1875. datiert 
vom 15. Mai 1876) zu einem vorlauligen AbsclduB. Neue Interessen kiinden 
sich um diese Zeit gelegentlich an. Mit Childers, dcm begeisterten Ver- 
ehrer Buddhas, dem wir das bis jetzt einzige Pali-Worterbuch verdanken, 
verband ihn schon seit dem englischen Aufenthalt herzliche Freundschaft. 
Nun lenken Ernst Kuhns Beitrjige zur Pali-Grammatik (1875) und die von 
Fausl)0ll begonnene fjroBe Ausgabe des Jataka (Bd. 1 1877) in steigendem 
MaBe seine Aufmerksamkeit auf Sprache und Literatur der sudlichen Bud- 
dhisten und auf den durch sie aufbewahrten Keichtum altindischer Marclien 



8 Schulze: 

und Erzahlungen. Selbst der Veda meldet sicli vereinzelt schon zum Worte 
und tritt zu den Prakrit- und Pali-Studien in lebendige Beziehung. Aber im 
ganzen steht doch das Prakrit zunachst dominierend im Mittelpunkte aller 
nach aufien sichtbar werdenden Arbeit, und in jedem Stiicke dieser Arbeit 
spurt man, daB nunmehr eine neue Kpoche angebrochen ist fiir diesen einst 
von Lassen begriindeten Forschungszweig, der fiir weite und bedeutsame 
Gebiete der indischen Literatur das grammatische Verstandnis eroffnen und 
sichern, jeder methodiscben Interpretation den Weg bahnen soil. Die noch 
vom Ausgange des Jahres 1873 datierte Abbandlung iiber die Cauraseni 
(Beitrage zur vergleichenden Sprachforschung vm) strebt fiir diesen wich- 
tigsten Dramendialekt aus der beillosen Verwirrung der handschriftlichen 
Uberlieferung beraus zu klar formulierter Erkenntnis seiner besonderen Ge- 
setze zu gelangen, und die Aufsatze iiber, die Deqicabdas bei Trivikrama, deren 
Veroffentlichung im Jabre 1879 beginnt, aber sich bis 1888 hinzieht (in 
den Beitragen zur Kunde der indogermaniscben Spracben m. vi. xm), heben 
aus der einheimischen Uberlieferung einen reichen Schatz volkstiimlicber 
Worter und Formen, denen das literarische Sanskrit kein Heimatsrecht ge- 
wahrt hat. 

Wer die ununterbrochene Folge von Rezensionen, mit denen Pischel 
seit seinen Anfangen, von 1873 bis 1886, in den Gottingischen Gelehrten 
Anzeigen die wissenscbaftliche Produktion innerhalb seines Facbes begleitet 
bat, heute im Zusammenhang iiberblickt, wird wahrnehmen, daB sich Ende 
der siebziger, Anfang der achtziger Jabre eine fur die Folge entscheidende 
Erweiterung seines Interessenkreises vollzieht. Der Rigveda, der in fremd- 
artiger Einsamkeit und doch beherrschend an der Schwelle des indischen 
Altertums steht, fordert seinen Platz zunachst neben der klassischen Lite- 
ratur, von der Pischels philologische Arbeit ausgegangen war, bald iiber 
und vor ihr. Und wie man es von dein Schiiler Stenzlers erwarten 
durfte, tritt er im Prinzip auf die Seite von Martin Haug, der gegeniiber 
der selbstherrlichen Interpretation der jungen europaischen Rigvedaphi- 
lologie das Recht der einheimischen Tradition verfocht, und Alfred Lud- 
wigs, der auch den Rigveda stets nur im geschichtlichen Zusammenhange 
mit der jiingeren vedischen Literatur betrachtet wissen wollte. Den Vedisten, 
der wie Rudolf Roth den Rigveda isolierte und (freilich mit hoher philolo- 
gischer Kunst) aus sich selbst zu erklaren strebte. den Linguisten, der in 
Grassmanns Weise die verwirrenden Ratsel des Worterbuches durch die 



Gedachtnisrede auf Richard Pischel. 9 

Etymologie zu losen unternahm, den vergleichenden Mythologen, der im 
Rigveda die ehrwurdige Urkunde eines vorindischen, indogermanischen 
Gotterglaubens zu erblicken geneigt war — sie alle wies Pischel gleich- 
maBig ab und reklamierte den Rigveda als das alteste in jedem Zuge wahr- 
haft indische Buch fur den Sanskritisten, der allein, durch beharrliche, auf 
alle Gebiete des Lebens und der Literatur ausgedehnte Lekture eingewohnt 
in indisclies Denken und Fiihlen, von den jiingeren, kenntlicheren Phasen 
der indischen Geschichte aus nach ruckwarts Anschlufi suchend, den Rig- 
veda mit der Gesamtentwicklung des indischen Volkes und seines Geistes- 
lebens in organische Beziehung zu setzen imstande sei. Die Zeitschrift 
der Deutschen Morgenlandischen Gesellschaft bringt seit 1 88 1 (Bd. xxxv) 
die ersten Proben Pischelscher Rigvedainterpretation. In den GSttingi- 
schen Gelehrten Anzeigen verstummt, gewiB nicht zufallig, drei Jahre lang 
die Stimme des eifrigsten Rezensenten : es ist die Zeit der Anpassung an 
die neuen Verhiiltnisse Ilalles (seitHerbst i 885) und zugleich derVorbereitung 
fur den ersten Band der Vedischen Studien, den Pischel in Gemeinschaft 
mit seineni jungeren Freunde Geldner 1889 in die Welt gehen licI3. Dafi dies 
Buch eine Tat war, nicht blofi im Augenblicke aufregend, sondern die rechte 
Wirkung erst fur die Zukunft verheifiend, liefi sclion die ungewolinliche 
Lebhaftigkeit und Vielstimmigkeit des Widerspruches ahnen: bedeutungs- 
lose Biicher pflegen unbeschrien in den Orkus des Vergessens hinabzusinken. 
Wer wollte heute leugnen, daJ3 die Vedischen Studien nicht bloB aufrut- 
telnd und mahnend gewirkt, dafi sie die ganze Auffassung der rigvedisclien 
Zeit und ihrer Kultur aui's tief'ste beeiniluBt, wenn nicht entscheidend urn- 
geformt haben, daB sie die Einzelinterpretation aus den Hohen idealisieren- 
der Auffassung. aus den Nebcin mythologischer oder kultischer Spekulationen 
auf den Boden einer lebendigen, anschaulichen Wirklichkeit herabgeholt, 
daB sie, aufs Ganze angesehen, ein Panier aufgepflanzt haben, das fur die 
wissenschaftliche Forderung richtunggebend bleil>en wird. auch wenn der 
einzelne dem Ideal dicser Forderung vielleicht niemals Geniige tun kann? 
Es ist derselbe hoft'nungsfrohe Wagemut, der einst den Jiingling trieb. den 
AbschluB seiner Prakritstudien erst in den modernsten Gestaltungen der 
indischen Volkssprache zu suchen, der jetzt wicder den gereiften Gelehrten 
in den Kampf lockt, um den Rigveda fur die indische Philologie zuriickzuer- 
obern, ihn ihrcin Gesamtbesitze dauernd einzugliedern und alle hemmenden 
Schranken niederzureiBen, die die aus Notwendigkeit und Zufall eigenartig 
Phil.-hist. Klasse. 190!). Gedachtnisr. II. 1 



10 Sciiulze: 

gemischte Geschichte der europaischen Sanskritstudien um ihn aufgerichtet 
hatte. 

Die Neigung zu kulturgeschichtlicher Beobachtung, die sich von der 
ersten Rezension in den Gottingischen Gelehrten Anzeigen (1873, 53, datiert 
von London, Dezember 1872: Bekranzung todgeweihter Verbrecher) bis zu 
der akademischen Abhandlung des letzten Lebensjahres ('Ins Gras beifien', 
Sitzungsber. d. Berl. Akad. d. Wiss. 1908, 445) in Schrift und Lehre Pischels 
verfolgen lafit, das stets geiibte wachsame Aufmerken auf Sagen- und Marchen- 
motive, auf Sprichworter und volksttimliche Redewendungen, auf Sitte und 
Branch kommt nun auch der Interpretation des Veda zugute. So hat 
Pischel sich sclion 1871/72, wahrend des ersten Berliner Aufenthalts, mit 
einem znm Teil in bengalischer Sprache abgefafiten indischen Traumbuche 
ernstlich beschaftigt, Parallelen aus griechischer und anderer Literatur her- 
beizuschaffen begonnen und hoffte damals, nach gleichzeitigen brieflichen 
Aufierungen, aus diesen Bemiihungen eine »ganz interessante religionsge- 
schichtliche Abhandlung « herauswachsen zu sehen, die indes nie erschienen 
ist. Aber in der Periode der eindringlichen Arbeit am Veda tragen auch 
diese Studien spate Frucht und liefern fur die Erklarung ihren bescheidenen 
Beitrag (Zeitschrift der Deutschen Morgenlandischen Gesellschaft xl, 1886, 
1 1 1 ft', und Album Kern 1903, 116). Wer aus der Gesamtheit seiner 
Schriften sich ein Bild von Pischels vorbereitender Arbeit zu machen ver- 
sucht hat, wird mit ehrlicher Bewunderung riihmen diirfen, dafi die For- 
derung, den Rigveda aus einer allseitigen und anschaulichen Kenntnis des 
ganzen indischen Lebens in Vergangenheit und Gegenwart zu verstehen, 
von einem Gelehrten erhoben ward, der in unablassiger Arbeit, in unbe- 
grenzter Lektiire bemiiht gewesen ist, sich diese Kenntnis aus alien in der 
Studierstube erreichbaren Quellen bis herab zu verschollenen Missionsschriften 
und Reiseberichten zu erwerben. Die unmittelbare Anschauung freilich von 
Land und Leuten, die personliche Beriihrung mit indischem Leben und 
indischer Wissenschaft, wie sie zum Segen der Sanskritphilologie etwa 
Kielhorn oder Btililer in jungen Jahren vergonnt gewesen ist, blieb 
Pischel versagt. Um so eifriger war er bestrebt, den Kreis seiner Belesen- 
heit nach alien Seiten bin auszudehnen und den Buchern an lebendiger An- 
schauung auch der Gegenwartszustiinde abzugewinnen, soviel sie immer her- 
geben mochten. Dafi sein, vermutlich durch die Beschiiftigung mit dem 
Buddhismus fruli gewecktes, religionsgeschichtliches Interesse weit iiber die 



Gedachtnisrede auf Richard Pischel. 1 1 

Grenzen Indiens hinausreichte, beweist die Tatsache, da!3 er in Halle sieben- 
mal in zehn Jahren (seit 1891) 'Allgemeine Religionsgeschichte' gelesen 
hat, aber das Verstiindnis des alten vedischen Gotterglaubens meinte er, in 
Abwehr vergleichender Methoden, am zuverlassigsten docli aus der Volks- 
religion des heutigen Indiens wieder gewinnen zu konnen (Gottingische 
Gelehrte Anzeigen 1894, 419; 1895, 446). So verknupfte sich seinem 
Geiste, der Indiens Entwickelung iinmer als eine unteifbare Totalitat anzu- 
schauen gewohnt war, auch hier das zeitlich Nachste init dem Fernsten, 
die lebendige Gegenwart mit dem hochsten Altertum, das wieder lebendig 
zu machen das Ziel philologischer Arbeit ist. 

In welchem Mafie es Pischel in den Vedischen Studien gelungen ist, 
dies Ziel zu erreichen, wird erst das unbefangener wagende Urteil der Zu- 
kunf't lehren. Dafi in der Rigveda-Interpretation jeder Fufibreit sicheren 
Bodens iniihsam erkampft, da6 jeder Schritt vorwarts mit der Erkenntnis 
begangener Irrtiimer oft teuer bczahlt werden mul3, dafi auf diesem mit 
Dunkelheiten und Schwierigkeiten reich iibersaten Felde heute ><nichts aus- 
gereift ist«, weder eigene noch fremde Leistung, das zeigen die Vedischen 
Studien selbst durch ihr Verfahren und erkennen sie mit ausdriicklichen 
Worten an. Andere werden linden, da 13 die programmatische Formulie- 
rung der Methode sich von Einseitigkeit nicht f'rei halt oder dal3 die Ein- 
zelinterpretation nicht so ganz selten durch Gewaltsamkeiten geschadigt 
wird, mir selbst scheint (sofern es erlaubt ist, einen Eindruck statt eines 
Urteils, zu dem ich nicht kompetent bin, auszusprechen), als ob die Be- 
deutung der zeitlichen Abstande und die umbildcnde Kraft geschichtlicher 
Entwickelung selbst fur die Stabilitat indischer Lebensverhaltnisse und in- 
dischen Denkens allzu gellissentlich herabgedmckt werde: aber was wollen 
solche Einwande besagen gegeniiber der prachtvollen Energie, die hier im 
Ringen um voiles Verstiindnis auf Schritt und Tritt lebendig sich regt, 
nie an selbstgewiihlter Stelle vorsichtig oder schwiichlich haltmacht, immer 
die begonnene Balm bis ans Ende durchlauft, des Irrtums im einzelnen iiber- 
all gewartig, des Fortschrittes im ganzen freudig gewiB? »Wenn irgendwo, 
so muB man beim Veda den Mut haben, zu irren, wenn man vorwarts- 
kommen will. Auf Unfehlbarkeit haben wir niemals Anspruch erhoben, 
nur auf das Reclit, jetzt anderer Meinung zu sein als die Begriinder der 
Vedaforschung vor vierzig Jaliren. Und in weiteren vierzig Jahren, des 
sind wir fest uberzeugt, wird man den Veda noch ganz anders verstehen, 



12 Schulze: 

als wir es jetzt vermogen.« So klingt es in ruhiger Sicherheit aus der 
Vorrede zum zweiten Bande derVedischen Studien, der 1897 fertig wurde. 
Fur den dritten und letzten von 1901 hat Pischel nur noch ein paar 
kleinere Artikel geliefert: die Prakritstudien, die altere Recbte geltend zu 
machen hatten als der Veda, drangten endlich zu einer abschliefienden 
Zusammenfassung. 

Wichtige Gebiete der indischen Literatur, der prof'anen und erst recht 
der religiosen, werden beherrscht dureh den Gebraueh jiingerer Schwester- 
formen des Sanskrit, deren Mehrzahl man herkommlich unter deni Namen 
Prakrit zusammenfaBt, obwold die Mannigfaltigkeit der zum Teil sehr 
selia rf gegeneinander abgegrenzten Varietaten eher von einer Vielheit ver- 
schiedener Prakritsprachen oder -dialekte zu reden empfiehlt. Seit Lassens 
grundlegenden Institutiones linguae pracriticae von 1837 waren neue lite- 
rarisclie Quellen , darunter solclie von uberstromendem Reichtum, er- 
schlossen worden. Fiir die Nutzbarmachung des grammatischen und lexi- 
kographischen Stories, den die indischen Gelehrten des Mittelalters auf- 
gehauft, liatte Pischel selbst schon die wesentlichste Arbeit getan. Es 
gait nun, aus der an Umfang gewaltig angewachsenen Literatur, unter 
kritischer Verwertung der von den Grammatikern aufgestellten Lehren, 
eine iiberreiche Ernte des sprachgeschichtlich interessantesten und von 
systematischer Forschung fast ganz unberuhrten Materials in die Scheuern 
zu bringen, freilich auf weite Strecken oline die hilfreiche Vorarbeit 
kritischer Editionen und deshalb unter unsligliclien Muhen, von denen die 
dureh hunderttausend Einzellieiten glatt und ungehemint fortschreitende 
Darstellung der fertigen Grammatik dem AuSenstehenden gewifi keine 
irgend zureicliende Anschauung vennitteln kann. Zu groBem Teile aus 
schlechten indischen Handschriften und Drucken, aus unzulanglichen euro- 
paischen Ausgaben mufite die fast uniibersehbare, mehr noch dureh ihre 
regellose Buntheit als ihre Menge verwirrende Fiille der spraehlichen Tat- 
sachen herbeigeschaflFt , dureh sorgsames Ablioren aller Zeugen kritjsch 
gesichert und zu dem kunstvollen Mosaik einer Grammatik zusammen- 
gefiigt werden, die in Wahrheit ein unter einer Decke vereinigtes Biindel 
mehrerer Einzelgrammatiken darstellt. Diese 1900 erschienene, von der 
Pariser Akademie mit dem Volney-Preise gekronte Grammatik der Prakrit- 
sprachen ist eine schlechthin bewunderungswiirdige Leistung, so groB- 
artig umfassend in der Anlage wie peinlich sauber in der Ausfiiihrung r 



Gedachtrtisrede auf Richard Pisehel. 13 

ein Werk, in dem nie ermfidende Geduld und stets wache Kritik den vor- 
bildlichsten Bund geschlossen haben. Zu seiner Erganzung dienen die in 
den Abhandlungen der Gesellscliaft der Wissenschaften zu Gcittingen 1902 
erscliienenen Materialien zur Kenntnis des Apabhramsa. tlber dem Lobe, 
mit dem man wahrlich nicht zu kargen braucht, wollen wir (gewiB im 
Sinne des Verfassers) nicht vergessen, dafi diese Grammatik, freilich in un- 
vergleichliclier VollstSndigkeit und Zuverlassigkeit , nur die Fundamente 
legt, auf denen die Zukunft weiterbauen soil. Pisehel hat die groBe 
sprachgeschichtliche Aufgabe, die er einst mit jugendlichem Eifer an- 
gepackt, am Ende doch kommenden Generationen iiberantworten miissen: 
von den verwandten Formen der (lurch die siidbuddhistische Tradition 
und die Inschriften vertretenen Mundarten ist in der Grammatik fast eben- 
sowenig die Rede wie von den neuindischen Volksspraclien. in deren 
schwer zu meisternde Vielgestaltigkeit die indische Sprachgeschichte schlieB- 
lich auseinandergetlossen ist. 

Pischels vielseitige Regsainkeit erschopf'te sich nicht in der auBer- 
ordentlichen Arbeitsleistung, die in den Vedischen Studien und in der 
Prakritgrammatik zwei Werke so grundverschiedener Art und Wirkung 
und doch von gleicher Lebenskraft hervorgetrieben. Er hat daneben 
Schriften der Pali- und der Sanskritliteratur ediert, in Vorreden, Rezen- 
sionen und Abhandlungen wichtige Fragen der indischen Literaturgeschichte 
und ihrer Chronoloi<ie erortert, stets aus der Fiille des Wissens und mit 
weiter ITberschau niter das Gesamtgebiet der indischen Philologie, hat 
nach Stenzlers Tode seines Lehrers Elementargrammatik durch zeitgemaBe 
Umgestaltung im Sanskritunterrichte der deutschen Universitaten lebendig 
erhalten und als Hihliothekar der Deutschen Morgenlandlschen Gesellscliaft 
(seit 1886) die Neuordnung und Katalogisierung ihrer wichtigen Biicher- 
sammlung durchgefuliit, <li<' gerade in seiner Amtsperiode durch verschie- 
dene Zuwendungen die starkste Vermehrung seit ihrem Bestehen erfuhr. 

Der Tod Albrecht VVehers hat indes mancher in Halle schon vor- 
bereiteten oder geplanten Arbeit ein Ziel gesetzt, indem er Pisehel zu 
Ostern 1902 als Nachfolger seines alten Widersachers und Forderers an die 
Universitat Berlin fiihrte und in neuen Verhaltnissen bald vor ganz neue 
Aufgaben stellte. Indien hat zu verschiedenen Zeiten gewaltige Teile des 
auBersten Orients mit der Uherlegenheit seiner Kultur und der Wirkuni;- 
seiner religiosen L(diren durchdrungen und geistig erobert. Die indische 



14 Schulze: 

Philologie, wie Pischel sie verstand, als berufene Interpretin des indi- 
scben Geisteslebens in der Mannigfaltigkeit seiner Schopfungen und Aus- 
strahlungen, wird dadurch zu einem Mittelpunkte fur die geschichtliche 
Erforschung Ostasiens. Dieser besonderen Stellung seiner Wissenschaft 
audi in der Gestaltung des Unterrichtes eine lebendiger Wirktmg fahige 
Form zu schaft'en, soweit das innerhalb der selbst an der grofiten Universi- 
tat enggezogenen Grenzen praktischer Moglichkeit zu erreichen ist, wurde 
in Berlin Pischels deutlich erkennbares Streben. Die aufsehenerregenden 
Funde in Chinesisch-Turkestan, von dessen system atischer Erschliefiung die 
Geschichts- und Sprachwissenschaft nun eine friiher ungeabnte Bereiche- 
rung zu erhoften begann, zeigten zugleicb seiner iiberall rascb und ener- 
giscb zugreifenden Tatkraft ein neues lohnendes Arbeitsziel und boten 
ihm, zum erstemnal im Leben, Gelegenheit, sich in der praktischen Or- 
ganisation einer wissenscbaftlichen Aufgabe grcGen Stils zu bewabren. Er 
erwirkte die Entsendung einer neuen, preufiischen Turfan-Expedition, deren 
erfolggekronte Durchfiihrung den 1IH. Griinwedel und von Le Coq ver- 
dankt wird (1904 — 1907). Die oft driickende Last der Geschafte, die die 
Vorbereitung der Expedition und nacb gliicklicher Heimkelir die Bergung 
und Verarbeitung ibrer ungewolmlich reiclilialtigen Ausbeute begleiteten, 
ruhte auf den Scbultern Pischels und nalnn einen betracbtlichen Teil 
seiner Zeit und seiner Arbeitskraft fiir sich in Anspruch. Dafiir genofi 
er denn freilich die Freude eines ganz groBen Erfolges, als sich das fur 
unsere geschichtliche Anschauung fast leere zentralasiatische Gebiet dank 
der fortschreitenden Entzifferung durch die aus tausendjahrigem Schutte 
wieder auferstandenen Zeugen einer untergegangenen Kultur. verschollener 
Sprachen und Literaturen iiberraschend belebte und als ein Land von welt- 
historischer Bedeutung fiir die Beriihrung und Mischung westlicher und 
ostlicher Kulturen erwies. Von alien diesen Dingen geben die in der 
Akademie gelesenen oder vorgelegten Abhandlungen der letzten Jahre (seit 
1903) Kunde. Es gelang Pischel, in den Resten eines von Griinwedel 
schon bei der ersten Expedition gefundenen Blockdruckes Fragmente des 
verloren geglaubten Sanskritkanons der nordlichen Buddhisten wieder- 
zuentdecken, aus deni die chinesischen und tibetanischen TJbersetzungen 
geflossen sind. In Handschriften, die Griinwedel und von Le Coq 
von ihrer spateren gemeinschaftlichen Expedition heimgebracht hatten, 
land er Bruchstiicke verschiedener Sanskritfassungen des buddhistischen 



Gedachtnisrede auf Richard Pischel. 15 

Dhammapada, deren kritisclie Ausgabe er fur den dritten Band der 
'Ergebnisse der Koniglich Preufiischen Turfan-Expeditionen' in Aussicht 
stellte. Mit innerer Freude eriiillte es ihn, daB nun auch Turkestan be- 
gann, »durch seine Triimmerstatten laut den Ruhm des Weisen von Ka- 
pilavastu und seiner Jiinger zu verkiinden«. Sein in dieser Zeit erschienenes 
Buchlein iiber Leben und Lehre des Buddha (1906) erzahlt in schlichter 
anspruchsloser Form von dem Furstensohne, der aus der Heimat in die 
Heimatlosigkeit ging, um die Wahrheit zu suchen und den Mensehen die 
Erlosung vom Leide des Lebens zu bringen, und von seiner Gemeinde, die 
ohne die Gewalt des Schwertes, allein durcli die stille Kraft der Lehre 
zu einer volkerbeherrschenden Macht geworden ist, deren zukunftige Lebens- 
moglichkeiten heute vielleiclit nur die konkurrierenden Kirchen mit der 
feinen Witterung des Hasses zu ahnen vennogen. In der jedes Pathos 
gesteigerter Empfindung meidenden Darstellung glaubt man uberall die 
leisen Untertone einer verschwiegenen Liebe zu den Weisen des indischen 
Morgenlandes mitschwingen zu horen, die Pischel durch alle Stadien 
seiner wissensehaftlichen Arbeit begleitet zu liaben scheint. Etwas wie 
eifersiichtige Liebe, die fremden Anspriiehen wehrt, Mint uns auch aus dem 
Kampfrufe »Indien fur die Inder« entgegen, mit dem er nicht blofi den 
Rigveda ganz fur die indische Philologie zuriickgefordert, sondern auch 
den griechischen EintluB auf die Ursprunge des indischen Dramas ener- 
gisch abgewiesen hat (Sitzungsber. d. Berl. Akad. d. Wiss. 1906. 501). Die 
Wirkung soldier Gemutsstimmung wird man auch in der Rektoratsrede 
iiber die Heimat des Puppenspiels (1900), die er in Indien suchte, und 
in seiner Abhandlung iiber den Ursprung des christlichen Fischsymbols 
(Sitzungsber. d. Berl. Akad. d. Wiss. 1905, 506 if.) nicht verkennen diirfen. 
Der gedrangte AbriB indischer Literaturgeschichte, den Pischel 1906 fur 
die 'Kultur der Gegenwart' aus iiberlegener Kenntnis der Quellen beige- 
steuert hat, klingt aus in eine abwagende Betrachtung des Wechselvor- 
haltnisses zwischen Indien und dem Westen. bei der sich die Schale zu- 
gunsten des Landes seiner Arbeit und seiner Liebe senkt. 

Der lloffnung, die Wunder dieses Landes mit eigenen Augen zu 
schauen, die das Schicksal ihm in der Jugend ein paarmal vorgegaukelt 
hatte, schien am Abend des Lebens eine spate Erfullung zu winken. Die 
gelehrte Kenntnis der Prakritsprachen war in ihrer Heimat seit den Tagen 
des Jainainonches Hemacandra allmahlich versickert und am Ende fast vollig 



16 Schulze: Geddchtnisrede auf Richard Pischel. 

versiegt. Nun sollte, nach dem Willen der indischen Regierung, der Mann, 
der mit den Mitteln der europiiisclien Wissenschaft diese Kenntnis in ihrer 
ganzen Fiille wiederhergestellt hatte, den Indern das Verlorene zuriick- 
bringen. Pischel erhielt den offiziellen Auftrag, an der Universitat Calcutta 
einen Zyklus von Vorlesungen iiber Prakrit vor einem Auditorium indischer 
Gelehrten zu halten. Es war gewiB der starkste auBere Erfolg seines 
Lebens, zugleich aber audi sein Verhangnis. Denn nur als ein kranker 
Mann sollte er das Schiff" verlassen, das ihn in die seinem Denken so 
vertraute Fremde trug, und den Boden Ceylons betreten. Nocli war er auf- 
nahmefahig f'iir die groBen Eindriicke, die die Heimatinsel des siidlichen 
Buddhismus seiner von ihren Bildern langst erfullten Seele darbot; aber 
in Madras, auf der Reise nordwarts, war die Kraft seines Korpers erschopft. 
Dort im Hospital hat er den letzten schweren Kampf mit den finsteren 
Machten der todlichen Krankheit gekampft, und nach dem Zeugnisse des 
englischen Arztes, der ihn behandelt, auch in diesem Streite die Tapfer- 
keit des Geistes bewahrt, die ein Erbteil seiner Natur war. Nun hat er 
die Ruhe gefunden in fremder Erde und doch in der Heimat all seiner 
Arbeit. Uns aber lebt er, nicht blofi in seinen Werken, die als verheiBungs- 
volle Keime vorwartsweisender Forschung der Zukunft gehoren, sondern 
auch in der unverlierbaren Erinnerung an den liebenswerten Menschen, 
den wir entbehren. 



Das Glaubensbekenntnis der Homousianer 

von Sardica. 



Von 

H™- FRIEDRICH LOOFS 

in Halle. 



Pkil.-hist. Klasse. 1909. Abh. I. 



Vorgelegt in tier Gesammtsitzung am 7. Januar 1909. 
Zum Druck eingereicht am gleichen Tage, ausgegeben am 15. Marz 1909. 



kVhon in der ersten Auflage seiner Dogmengeschichte (II. 1887 S. 240 
Anm. 3 = IP 1894 S. 238 Anm. 1) hat Hr. Adolf Harnack darauf hinge- 
wiesen, dafi die deni Synodalbrief der homousianischen Synodalen von 
Sardica bei Theodoret (/i.e. 1,8, ed. Reading p. 80, 25 —82, 50, ed. Gaisford 
p. 149 — 154) und in der lateinischen Obersetzung des Codex 60 der Ka- 
pitelbibliothek in Verona (ed. Bali.eriist, opp. Leonis III, 605 — 607) angehangte 
Glaubensformel, die als »der unzweideutigste Ausdruck der abendlSndischen 
Anschanung in der Saclie« angesehen werden musse, ihrer Bedeutung nacli 
bisher nicht geniigend geschiitzt sei. Seitdem hat zwar der vielseitig inter- 
essante rod. Veronensis die Forschnng mehrfach besehaftigt (vgl. namentlich 
Ed. Schwartz, Zur Geschichte des Athanasius II, Nachrichten der Kgl. Ge- 
sellschaft der Wissenschaften zu Gottingen, philol.-hist. Klasse 1904. S. 357 
bis 391), doch viber das symbolum Sardicense ist, abgesehen von den kurzen 
Ausfiihrungen, die ich am SchluB meiner Abhandlung fiber die Trinitats- 
lehre Marcells (Sitzungsber. d. Berl. Akad. d. Wiss. 1902 S. 777 — 781) und 
in meiner Dogmengeschichte (4. Aufl. 1906, S. 248 — 250) gegeben babe, 
nicht gearbeitet worden. Darum soil hier durch eine Rezension des Textes, 
durch nachfolgende erlauternde Anmerkungen und durch kurze Ausfiihrungen 
iiber die Bedeutung der Formel die wissenschaftliche Behandlung dieses 
interessanten Bekenntnisses eingeleitet werden. 

Eine Rekonstruktion des Textes ist das erste, das notig ist; die Formel 
harrt, wie ich schon 1902 bemerkte (Sitzungsber. S. 778 Anm. 3), noch der 
primitivsten Editorenarbeit. Auch Hr. Eduard Schwartz klagt (a. a. 0. 
S. 380 bei Nr. 16) daruber, dafi die Sardicensische eKeecicnicTeuc in Gaisfords 
Theodoret »in heillos interpoliertem Zustande« gedruckt sei: der Heraus- 
geber habe nicht einmal sein eigenes Material auszunutzen verstanden. Den 

1* 



4 L o o f s : 

»heillosen>< Text in seiner urspriinglichen Gestalt zu rekonstruieren, fehlt 
uns, wie sich unten ergeben wird, die Moglichkeit. Doch liaben wir in der 
erwahnten alten lateinischen Ubersetzung, die »Theodosius diaronus« — oder 
vielmehr richtiger (vgl. En. Schwartz a. a. 0. S. 357 Anm. 3): der erste Re- 
daktor des Materials, das in dem im 7. Jahrhundert von einem Diakon 
Theodosius geschriebenen cod. Veronensis erhalten ist — seiner Sammlung 
eingefiigt hat (t im folgenden), ein vor meiner Abliandlung von 1902 noch 
gar nicht verwertetes und von mir damals noch unterschatztes (vgl. meine 
Dogmengesch., 4. Aufl. S. 249 Anm. 1) Hilfsmittel zur Emendierung des 
griechischen Textes. Und eine zweite wertvolle, aber gleichfalls noch niclit 
ausgenutzte und von mir 1902 iibersehene lateinische Ubersetzung des Sar- 
dicense, eine Ubersetzung eines genau datierbaren Theodoret-Textes, liegt 
in dem Mauriner-Druck der liistoria tripartita (4, 24) Cassiodors vor (Migne, 
ser.lat. LXIX, 973 f '. : im folgenden c). Die beiden wichtigsten Thcodoret- 
Hss., die auch Gaisfokd benutzte, den Bndleianus And. Ell, 14 saec. XI (A) 
und den Bodleianus Auet. E 4, 18 saec. X (B) babe ich im September v. J. in 
Oxford verglichen, und von den in Betracht kommenden Seiten des cod. Ve- 
ronensis hat, da der Abdruck der Ballerini trotz seiner Sorgfalt mir Fragen 
anregte, Hr. Hans Lietzmann in Jena nach einer in seinem Besitz befind- 
lichen Photographie der Handschrift mir giitigst eine genaue Abschrift 
gefertigt. 

Dafi ich im folgenden nicbt nur mit diesen vier Zeugen zu operieren 
brauche, verdanke ich der entgegenkommenden Freundlichkeit der HH. Joseph 
Bidez in Gent und Leon Parmentiek in Liege. Ich hatte bei Hrn. Bidez 
angefragt, ob er auch fur Theodoret den Text des cod. Marcianus der historia 
tripartita des Theodorus Lector (T) kenne, dessen Bedeutung fur den Sozo- 
menos-Text er in den »Texten und Untersuchungen « dargelegt hatte («La 
tradition mannscrite de Sozomene 1908). Hr. Bidez hat dann die Liebenswvirdig- 
keit gehabt, meine Bitte weiterzugeben an seinen Freund Hrn. Parmentier, 
der fvir die Kirch en vater-Kommission eineneue Ausgabe der Kirchengeschichte 
Theodorets vorbereitet und, wie ich von ihm horte, im Manuskript schon 
fast vollendet hat. Und Hr. Parmentier hat mir nicht nur iiber den cod. 
Marcianus Auskunft gegeben : er hat das fast vollstandige Manuskript seines 
Apparats mir zur Verfugung gestellt, seinen vorlaufigen — noch nicht definitiv 
festgestellten — Text micli einsehen lassen und seine Ansicliten fiber das 
Verwandtschaftsverhaltnis der griechischen Hss. mir mitgeteilt. 



Das Glavbensbekenntnis der Homoiifianer ro?i Sardica. 5, 

Nach Einsicht in diese der Vollendung nahe Arbeit hatte icli meine 
Bemuhungen eingcstellt, hatte niclit Hr. Parmentier selbst mir lebhaft zu- 
geredet, dies niclit zu tun. In der Tat kann der Herausgeber des Tlieo- 
doret, der nur Tlieodorets Text zu rekonstruieren bat, die dem Sardicense 
gegeniiber zu losende Aufgabe gar nicht so angreifen, wie es im dognien- 
gescbicbtlichen Interesse wfinschenswert ist: fiber Tlieodoret darf er niclit 
binausgeben. Es ist audi niclit unzweckmliBig, dafi bei diesein dogmen- 
geschichtlich niclit leiclit zu wfirdigenden Schriftstfick eine Bearbeitung des 
Textes durch einen Dogmenhistoriker der pbilologischen Arbeit vorausgelit. 
Dcnnocb wfirde ich Bedenkentragen, meine erst uiit Urn. Parmentiers Material 
in ihrer jetzigen Gestalt ermoglicbte Arbeit bier vorzulegen, hatte sicb niclit 
ergeben, dafi die philologische Arbeit des The odor et-Herausgebers und die 
von dogmengescbicbtlicben Erwagungcn unterstfitztcn Bemuhungen uin den 
ursprunglichen Text der (xlaubensformel von Sardica zu verscbiedencn 
Resultaten kommen mfissen. Und so aussehliefilich alles im folgenden ver- 
wertete Wissen fiber die Lesarten der (odd. TVFI.GSNDP und ihr Verhalt- 
nis zueinander sowie zu A und B auf Urn. Parmentiers Arbeit zuriickgeht, 
so dankbar icb seinen Apparat zur Kontrolle und gelegentlicb audi zur 
Korrektur meiner Kollation von A und B benutzt babe und so I'orderlicb 
mir Hrn. Parmentiers, wenn audi noch niclit definitiven, Ansicbten iiber den 
TIieodoret-Text und die an seine erste Sendung sicb anschliefiende Kor- 
respondenz mit ilnn gewesen ist. so darf icb docb die Textform ties Sardi- 
cense, die icb im folgenden biete, als meine Arbeit ausgeben. 

Hire Eigenart erhalt diese Textform erstcns dadurcb. da!3 icb bei der 
Rekonstruktion des Textes ausgegangen bin von der im rod. Veronensis (t) 
vorliegenden vortlieodoretiscben (Iberlieferung, und zwar audi da. wo 
icb den griechischen Text. <len tier Arcbetvpus von t fibersetzt bat, nur 
(lurch eine von den griecbiscben llss. nicht unterstiitzte Ri'ickubersetzung 
gewinnen konnte, und zwertens dadurcb, dafi icb unter dem Eindruck 
der Erkenntnis, dafi der Text des Sardicense schon in der griechischen 
lis., die hinter t steht. und vollends bei Tlieodoret! - - zweifellose Kor- 
ruptelen aufweist, an einigen Stellen vor der Annahine von Interpolationen 
und Liicken sowie von wenigen und. wie ich glaube, vorsichtigen Kon- 
jekturen mich nicht zuriickgdialten babe. 

Unter den Theodoret-Hss. (im Apparat weist tt auf ibre (iesamtbeit 
bin) sind, wie Hr. Parmentier mir niitgeteilt bat und wie audi die Vari- 



6 L o o f s : 

anten beim Text des Sardicense bestatigen, drei Familien zu unterscheiden. 
Die erste ist reprasentiert durch den Oxfbrder Codex A, den BasiliensL* 
A III 18 saec. XIII (I)) und den Yaticanus Palatinus 383 saec. XIII (P). Doch 
ist die Figenart dieser Familie dadurch verwischt, dafi A nach einer der 
dritten Familie angehorigen Hs. durchkorrigiert ist: nur in den urspriing- 
lichen Lesarten von A (A 1 ), bzw. in dein unkorrigierten Text von A, den 
dann zumeist auch D und P bieten (ADF im Apparat = a), liegt der Text 
dei- ersten Familie reinlich vor. Wenn A korrigiert hat, stimmen bei dem 
I'ext des Sardicense D und F mit A 2 in so weitgehendem Mafie iiberein, 
dafi man sie fur direkte oder indirekte Abschriften von A" halten konnte, 
wenn nicht Hr. Parmentiek aid' Grand seines umfangreicheren Materials ein 
komplizierteres Verwandtschaftsverhaltnis anzunehmen sich genotigt sahe. — 
Die zweite Familie ist nur durch die Oxfbrder Hs. B vertreten. -- Die dritte 
Familie (im Apparat bezeichnet 7 die (iesaintheit der zu ihr gehorigen Hss.), 
die, nach dem Sardicense zu urteilen, der zweiten naher steht als der ersten, 
also unterhalb des Archetypus %B von der zweiten Familie abgezweigt zu 
sein scheint, wird durch eine ganze Reihe von Hss. reprasentiert: den 
Vaticanw 628 saec. XI (V), von dem der Ymetus 337, die Vorlage des 
cod. Pinii, nur eine Abschrift ist, den Parisinux 1133 saec. X J (F), den 
Angelicanus 41 saec. XII — XIII (G), den Scoria le?i$i* X III 11 saec. XII (S), 
den Athous Yatopedinus 21 1 saec. XIII (N), den Parisians 1442 saec. XIII (H) 
und den Laurentianus X, 18 saec. XI (L). Untereinander gruppiert Hr. Par- 
mentier die Hss. der Familie 7 so, dafi er V und F, die eng verwandt 
sind, mit L aus einem Archetypus herleitet, der jiinger ist als der Arche- 
typus der ganzen Familie, zu diesem also sich alinlich verlialt wie der Arche- 
typus von GSNH. In dieser letzten Gruppe gehoren wiederum G und S einer- 
seits, N und H anderseits niiher zusammen. Von H weifi ich nicht mehr als 
diese seine Zusammengehorigkeit mit N ; seine Lesarten kenne ich nicht. — 
Die von den alteren Herausgebern benutzten Hss. sind unter den genannten. 
Sehrwichtig sind neben den Theodoret-Hss. der cod. Marcianus der liistoria 
tripartita des Theodoras Lector (T) und der Text der liistoria tripartita Cassio- 
dors (c). Freilich lial T fur den Text des .Sardicense, auch abgesehen von 
seinen zahlreiehen. der Urschrift Theodors nicht anzurechnenden Auslassungen, 
mich enttliuscht: der bei Ubereinstimmung \o\\ T und c uns erkennbare Text 
Theodors ist t'ehlerhafter als der (assiodors. Dennoch ist der Wert von T 
nicht zu unterschatzen : Tc, d. h. der durch T und Cassiodor gebotene Text, 



Dag Gktubensbekenntnis der Homousianer von Sardica. 7 

ist der einer Theodoret-Hs. um 550. Diese Hs. scheint der Familie 7 naher 
zu stehen als a. und B. Cassiodor hat auch bei deni Sardicense auBer der 
historia tripartita des Theodoras Lector gelegentlich eine Theodoret-Hs. cin- 
gesehen, die auI3erhalb der (lurch B7T reprasentierten (Jberlieferung steht. 



Der Text des Bekenntnisses ist folgender: 

I . J AnOKHPYTTOMGN A£ EKEINOYC KAI ESOPIZOMEN THC KA60AIKHC EKKAHCIAC TOYC 
AIABEBAIOYM^NOYC, OTI 6E0C ECT1N AHAONOTI 6 XpICTOC, AAAA MHN AAH91N0C 9£0C OYK 
eCTIN, OTI y16c ECTIN. 2. AAAA KAI AAH0In6c YIOC OYK GCTIN, OTI reNNHT6c ECTIN AMA 

kai reNHTdc. oytuc tAp eiciieAci nocTn to "rereNNHM£NON«, omoaoi-oyntec, lie npo- 

s eino«eN' t6 rereNNHM^NON rereNHMGNON e'cTi [, kai o'ti toy Xpictoy npo aiuncjn ontoc 

aia6acin aytu Apxhn kaI t£aoc, onep oyk en kaipw, a'aaa npo riANTdc xp6noy 

exeij. 3. kai Yn6rYON ae ayo exeic And thc AcniAOc thc Apeianhc ereNNHeH- 

CAN, OYAAHC KaI OyPCAKIOC, OY TINGC KAYXUNTAI KAI OYK AM«I B A AAO YCI AETONTEC 
EAYTOYC XPICTIANOYC E?NAI KAI OTI 6 AOTOC KAI OTI TO TJNEYMA KAI eTPUJOH KAI 
■o €C*ArH KAI An^6AN6N KAI AN^CTH KAI, OnEP TO TUN AIPETIKWN CYCTHMA 4>IAON£l- 
K£T, AIA*6POYC eTnAI TAC YnOCTACEIC TOY FTATPOC KAI TOY YIOY KAI TOY ATIOY fTNSY- 
MATOC KAl £?NAI K£XU)PICm£nAC. 4. HMETc AE TAYTHN TTAPEIAHSAMEN KAi AEAIAATMEeA, 
TAYTHN EXOMEN THN KA60AIKHN KAI AlTOCTOAIKHN rTAPAAOCIN KAI niCTIN KAI 6mO- 
AOriAN ' MIAN £?NAI YFIOCTACIN. HN AYTOI 01 AIPETIKOI KAl) 0YCIAN TIPOCArOPEYOYCI. 

15 toy ttatp6c kai to? yIo? kai toy AriOY hneymatoc. kaI ei zhtoTen, TIC TOY YIOY 

1 AnOKHPYTTOM€N — Z. l8 nAT€>A < V I TOYC] -4 MH B7C I 2 AHAONOTI 6 XPICT6C 

BTt ahaon 6 Xpict6c 7 6 Xpict6c ahaon6ti « ahaon6ti (quidem) ■ ; c mhn] + AeroNTAc 

OTI Tc I 3 kai t iibergesch < tc | 4 reNHT6c tA 1 Ar^NNHTOC TcByAW ] tap 

< a I eiueACl NoelN — oMOAOroYNTec = sic enirn intelliyere coitsuerunt natum, qui fatentur t 

6AYT0YC NOCTN TON rer€NNHM€NON 6MOAOrOYCI tl (OMOAOrOYCI < BP) Tc I TO] TdN 'IV ! OMO- 

AOroYci — Z. 5 rereNHMeNON < Bl* uc npoeinoweN] toe nPoeirtON sicut supra dixerunt 1 

bri oytwc eTnoN Tc7r \ 5 rereNNHMGNON rereNHMeNON tcA- rereNNHMSNON rereNNHM^NON 

TFLGN rereNHMeNON < A'DS | kai oti — Z. 7 exei] tTcn- mit unbedeutenden Varianten. 
Doch vergleiche unten I 6 aia6acin] dederunt c xp6noy a kaipoy TB7 (t: nnn rx tem- 

pore ned aniomne tempus, c: nrm in tempore, sed habet ante snraila) !) eTPtoeH vulne- 

rable est tc ecTAYPtbeH (abgekurzt ecfp<ieH) IV 11 YnocTAceic - substantias tc oy- 

cIac T 12 AeAiAArMeeA] + ka'i « 14 Yn6cTACiN tt substanliam tc oycian T hn — 

npOCAropeYOYCl] ?r qvam ipsi r/raecisia/i appellant t <^ Tc (doch ist von deni Si\t/.e in c nominantes 
iibriggeblieben : vnarn essr svbstantiam nr/minantes patris et Jilii tt spiritus sancti) KAi"> vgl. 

die Anmerkung unten 



8 Loofs : 

■6 h yn6ctacic, gctin bmoaotoym^ncoc ayth, h hn monoy toy ttatpoc. bmoaoroymgn 
mha£ noTe nAT^PA xupic yhdy mhag yion xupic nATp6c rereNHceAi mhac gTnai ay- 
nac8ai b ecTi a6toc nNeYMA. atott&taton rAp ecTi AeYeiN noTe ttatepa mh rere- 

NHC6AI nATEPA AIA TOYTO, OTJ AHAON ^CTI nAT6>A XCOPIC Yto? MHTG dNOMAZGCeAl 
*° MHT6 eTNAI AYNAC6AI. 6CTIN AYTOY TOY YIOY MAPTYPiA »er(b €N TU rTATPI KAl 6 nA- 

thp gn gmou kai »eru kai b ttathp gn gcmgn«. 5. oyagic hmun XpngTtai t6 »re- 
reNNHM^NON« <( ). aaaa ticin i-gtgnnhm^non ; nANTAnACiN (ttacin), Xnep bPATA 

KAI XbPATA TTPOCArOPGYGTAI, TGNNHe^NTA TGXNITHN KAI XpXArrGACON KaI XrT^AGDN kaI 

k6cmoy kai toy ANepcuniNOY reNOYC, oti ohcin ' »h ttantgon tgxnTtic caiaas^ me 

>5 CO*IA« KAI »rTANTA Al' AYTOY GrGNGTO." OYA^FTOTG TAP TOY eTNAI HAYNATO APXHN 
AABgTn, OTI TTANTOTG U)N APXHN OYK GXGI AOTOC 6G0C, OYA6 nOTG YTTOM^Nei TeVoC. 
6. OY AG>OMGN TON rTATGPA YION G?NAI OYAG FTAAIN TON YION TTATe>A gTnAI " Aaa' 6 

20 Joh. 14,10 21 Joh. 10,30 24 Sap. 7,22 25 Joh. 1,3 



16 ecTiN ziehen alle Zeugen auBer t zum vorigen : bwoAoroYM^Ntoc tA'B 6«OAoroYM6N 
doc Tc/yA 2 DP ayth] ayth N h hn] hn = quam t hn h IV quae (< hn) c | wSnoy t 

m6nh 'IV < c toy itatp6c — Z. 18 cTnai aynacgai < t (ini'olge eines Homooteleiiton, denn 

das in t auf m6noy folgende xwpic rtATp6c = sine patre stand in der Vorlage nach ginai 
AYNAceAi) 6HOAoro?«eN] bwoAoroYMCNH 'IV oMOAoroYMeNcoc = indubitanter c 17 mha£] 

MHA' A? T MHAC cTnAI AYNAC9AI < B IS b ^CTI Z. 20 AYNAC9AI < T 6' ^CTI 

A6roc nNeYMA tcBF b ccti a6toc fincymatoc N be <*cti a6i~oc nATp6c GS 3 £cti a6toc nNeYMA 
L £ e'cTi aotoc finsyma oyk excoN A (5 anf Has.) DP AereiN noTe] nunc (aus unquam?) 

dicere t 19 tiatspa ' en- < t aia toyto, oti aha6n ^cti nAT^PA = quoniam quod intelliyi- 

tur pater (statt: pattern) t < -n aia toyto 6'ti aha6n Scti < c nATe>A 2 ] + enim c MHTe 

. . . MHTg] MHAG . . . MHA6 B 20 6CTIN] + enim C TOY YIOY MAPTYPIA] MAPTYpSa TOY 

y'ioy AeroNTOc « erw] kai ird) t 21 to] ton « < TB7 rereNNHM^NON] rereNHM^- 

non VF 22 <( ) hier scheint infolge eines Homooteleuton ein Satz etwa folgenden 

Inhalts ausgefallen zn sein: aaa' oyx 6aytu rereNNHMBNON AeroweN t6n A6roN, t6n nANTOTe 
onta. Vgl. die Anmerkung unten ticin (tici TF quibus c. tici BN quibusdam t ticin G Tici S) 
tTcBVFGSN < LA 2 DP rereNNHMCNON] rereNHMCNON LVFGS nANTAnACiN = omnino 

tBVFGSN nXciN 'Pc npd nANTUN LA- auf Has. DP (nXciN) vgl. Tc im vorigen nnd t im 
folgenden Xnep Ten- (bnep V) kas' Xnep = sicut t (aus nXci Xnep?) 6pata ka! X6pata t 
00 Ten- doeli ist in A das vorangestellte Xopata aus opata korrigiert 23 reNNHeeNTA] + noiH- 

thn kai LA-DP tcxnIthn] artifice (ohne Ahkiirzungsstrich) t 24 k6cmoy tTeBL« k6c«u 

VFGSN , toy XNepuniNOY reNOYC tTcLA 2 DP tco XNepconiNu reNei BYFGSNA 1 25 ^r^- 

ncto] + kaI xupic aytoy ct^ngto oyacn TGSN OYAenoTe — aabcin] nunquam enim »ft$«e« 
potent (statt poterat) accipere initium = OYAenoTe tap to (statt toy) 6?nai haynato Xpxhn 
aabcin t OYAenoTe tap toy e?NAi] oyas nANTOTe tap cTnai B\'FLA 2 oy nXNTOTe tap cTnai 

A 'DP turn enim semper esse c nXNTOTe tap cTnai oyk GSN nwc tap nXNTOTe cTnai T Xpxhn 

aabcin] ei Xpxhn £aaben Tctt 26 eebc"! + as (Anfang eines neuen Satzes) Ten- oya£ 

noTe Yno«6N£i Tc- nee suscipiaens (e aus t korrigiert?) t 27 nAAIN] iyitur (wolil aus iterum) t 



Das Glaulmisbekenntnif tier Homousianer von Sardica. \) 

*s fiathp nATHP ecn kai b yioc nATPOc yi6c. OMOAoro?MEN aynamin eTnai toy nATPOc 

TON YION. OMOAOTOYMEN \'aY>TON AOTON 960? nATPOC. nAp' ON ETEPOC OYK ECTIN. KAI 
30 TON AOTON AAH6H 9e6n KAI CO*IAN KAI AYNAMIN. AAH9H AE YION nAPAAIAbAMSN " 

aaa' oyx iiicnep o! AOinoi yioi npocATOPEYONTAi t6n yion aei-omen. oti eKeTNOi h 

AIA YtoeeciAN H TOY ANATENNAC9AI XAPIN H AIA TO KATAIIW9HNAI YIOI nPOCATOPEY- 
ONTAI, OY AIA THN MIAN YnOCTACIN, HTIC ECTI TOY nATPOC KAI TOY YIOY. "J. OMO- 

Aoro9w€N monotenh kai npuiTOTOKON ' aaaa monotenh t6n a6ton. oc n/\NTOTE hn 

3! KAI ECTIN EN TO) nATPI ' TO nPUTOTOKOC AC TO) AN9PWn(i) AIA<t>EP£l KAI TH KAINH 
KTicei, bTI KAI nPWT6T0K0C EK NEKPWN. bMOAOTOYMEN SNA £?NAI 9e6n. OMOAOTOY- 
MEN mIaN nATPOC KAI YI09 9E6THTA. S. OYAE TIC APNETtaI nOTC TON nAT£>A TOY 
YI09 MCizONA, OY Al' AAAHN YnOCTACIN OYAE TINA AIA*OPAN. AAA° OTI AYTO TO ONOMA 
. TOY nATPOC M£?z6n ECTI TOY YIOY. 9. AYTH AC AYTtON H BAAC*HMOC KAI AIE*9AP- 

•I" ME^NH EPMHNEIA' fifPHK^NAI AYT6n «l AONCIKO YCIN »ErO) KAI 6 nATHP £N ECMEN" AIA 
THN CYM*(j)NJAN KAI THN OMONOIAN. KATE>NU)M£N AE nANTEC 01 KA90AIK0I THC MCOPAC 
KAl ofKTPAC AYTUN AIANOIAC. iOCn£P ANOPUnOI ONHTOI CnEIAH AIA*£P£C9AI HPIANTO 
nP0CK£KP0YK6T£C AIXONOOYCI KAI EIC AIAAAATHN EnANEICIN. OYTUC AIACTACEIC KAI 

40 Job. 10,30 

28 Yidc nATPOC yioc - -f gctin nach itatp6c Tc Jilium patris Jilium (regiert vom 

folgenden confitemur) t aynamin gTnai toy nATPOC GSN« toy nATP6c aynamin gInai VFL 

toy nATPdc eiNAl aynamin T potenliam patris es.fr, t virtutem 1. sue patris c 29 a6ton 

I toy B nATP6c^ t -f eiwAi c- gTnai y'i6n T nAP' on] nAP 1)1' //raeler quod (aber 

vorhergeht verbum) c 30 aahsh ' Ton- vera t Aahsh ag yi6n tB-/ yi6n « kai yion 

AAH6H Tc 31 H AIA YI066CiAN H TOY ANArGNNACBAl XAPIN /lilt propter (Itloptioil'ni 

vel ob nativitatc (ohne Abkiirziingsstrich) t h ( ^ TGS) aia toyto (toyton 1)1') eeoi g(gn 
TOY (h ^n Tu VFLA-DP) ANAreNNACBAl xapin (xapiti GN) I'jr nut i/rali'i rei/i iteration is dii 
mint c 32 H-] hc T npOCAropeYONTAi Tc- cooari t (vel quod mermtur Jilii vo- 

cari 33 oy] oya£ B neipie c Yn6cTACiN" oycIan T subslantiam tc oMOAoroYMEN 

t« + kai TcB-/ 35 kai ' Tc7r < t a^ Tcit sane t AiA«e>ei (Anl'ang eines neuen 



€K 



Sat7.es Tew)] aia»op€I « kai th kainh T ae th koinh ti-7r 36' kai Tc.t: < t 

■f tun GSN'if OMOAoroYMGN — 9g6n < t 37 mIan] + eInai B noTe ■ B t6n 

nATEPA TOY YIOY MGIZONA 1 t6n MGIZONA TOY YIOY nATGPA T 3S Yn6cTACINj OYCIAN T fSSen- 

tiam c snbstant'am t oya^ tina] oyae thn GSN nee t oyag T oy aia thn BA'DI'c oya^ 

AIA THN VFLA 5 OTI '\'C~ < t 39 eCTI TOY YIOY -V T 40 GPMHNelAj • TOYTOY 

cngka Tctt (t: vorrupta interpretntio conteiidentiuin, quod 'ego et pater iiimm sumvs- propter con- 
sensum dixertt) 41 ag Tt'7« <-, tB VI ncuep tcB + tap T kai aicncp y kai cocnGP 

tap o'l a (aber in A .steht kai am Ramie unit tap oi i>t gestrichen enGiAH (enGi T) AiA«£PGceAi 
(AiA^ecipeceAi cBFGSN) (hpianto npocKGKPOYK6T6C aixanooyci (discordare noscuntur c) kai gi'c aiaa- 
aadhn ^nANCici Tc- diff'/runt. id adxolrnt, inter se et ofl'citdentis concordant, et in i/ratia rever- 
tunlur t 43 aiactacgic kai aixonoiai, sepnrntiones et discordiam (disrordia mit Abkiirzungs- 

stricli; discordiae?) t aiactacgic kai agixonoiac I! aiactacic kai aix6noia Tc/n 

PhU.-hist. Klasse. 1909. Abh. I. 2 



10 Looi's: 

44 AIXONOIAI MGTAIY TTATPOC 660? , TIANTOKPATOPOC KAI TOY YIOY HAYNANTO G?NAI A6- 

45 toycin, bnep atoftcotaton kai nohcai kai YiroAABeTN. io. hmgTc ag kai fiictcy- 

0M6N KAI AIABGBAIOYMGGA KAI OYTU) N0OYM6N, OTI I6PA OCONH 6AAAHCGN »Grd) KAI 
FTATHP £N eCM£N« AIA THN THC YFTOCTACGCJC GNOTHTA, HTIC 6CTI MIA TOY nATP6c 
KAI TOY YIOY. TOYTO AS niCTGYOMGN FTANTOTG, ANAPXCOC KAI ATGAGYTHTUC TOYTON 
MGTA TOY FTATPOC BACIAGY6IN KAI MH GXGIN MHTG XPONON MHTG GKAGIYIN AYTOY THN 
5° BACIAGIAN, OTI TTANTOTG GCT1N OYAG nOTG TOY G?NAI HP5AT0 OYAG GKAGITTGIN AY- 
NATAI. II. TTICTGYOMGN AG KAI FTAPAAAMBANOMGN TON TTAPAKAHTON t6 AHON rtNGYMA, 

bnep hmTn aytoc 6 kypioc enHrreiAATO kai gftcmyg. kai toyto niCTGYOMGN new*eeN. 
kai toyto oy nenoNeeN. aaa' b ANepwnoc, on gngaycato, on angaabgn gk MapIac 

THC nAPGGNOY, TON ANGPtOnON TON nA6G?N AYNAMGNON' OTI ANePQJTTOC 6NHT0C, 6GOC 
55 AG A6ANATOC. fTICTCYOMGN OTI TH TPITH HMGPA AN^CTH OYX b Og6c GN TU ANeP(im(i), 
AAA' AN6P0)n0C GN Tip 6GU ANGCTH, ONTINA KAI nPOCHNGTKG TO) FTATPI GAYTOY AU)PON, 
ON HAGYGGPCOCGN. TTICTGYOMGN AG OTI GYeGTCp KAIPU KAI ObPICMCNG) FTANTAC KAI rTGPI 
riANTG)N AYT6C KPINeT. 12. TOCAYTH AG GCTIN AYTUJN H ANOIA KAI TOYTO) TTAXG? CKOTU) 
H AIANOIA ACTION GKTGTY*AU)TAI. YnA MH AYNH6C0CIN IAGTn TO *U)C THC AAH6GIAC. OY 
<<° CYNIACIN £ AOTCp gTpHTAI >MNA KAI AYTOI GN HmTn GN fici « . CA*6c GCTI AIA Tl GN. 
OTI 01 XnOCTOAOl FTNGYMA AHON TOY 9GOY GAABON. AAA* OM(i)C AYTOI OYK HCAN TTNGYMA 
OYAG TIC AYTUN H AbrOC H CO<t>IA H AYNAMIC HN OYAG MONOTGNHC HN. » WCnGP « 
♦ HCiN »6rU KAI CY GN GCM6N, OYTCOC KAI AYTOI GN HmTn GN UCIN«. AAA AKPIBWC 
AIGCTGIAGN H 9GIA "DCONH ' »GN HmTn GN UCI « <t>HCIN " OYK C?neN ' »WCrT6P HMGTc GN 

46 Joh. 10,30 60. 62. 64 Joh. 17,21 



44 kai toy YIOY < B haynanto eTnai = esse potumuit (Augment wie oben Z. 25) t ayna- 
ton e'i'NAi « aynatai sTnai Tc (esse posse) eTnai aynatai B7 45 nohcai = intelliyere tTcBA 1 Yno- 

nohcai A-DP7 kai 3 C7r < tT 46 iePA «unh = sacra voce t h iepa <t>toNH Tjt sacra scrip- 

tura c e'AAAHceN] + dicrm t 47 ecweN tc + kai Tjt YnoCTACeooc] oycIac T sub- 

stantia/' t essentiae c 48 ka! toy yioy tTc kai mia toy yioy jt toyto ag t kai toyto a£ 'IV 

KAI C nANTOTE < V TOYTON C\3 B (lliicll BACIAEYeiN) < GSN 49 XP6N0N tcBA' + AIO- 

PIZONTA T-yA-DP 6KA6IYIN = defectum C ^KAEIYEIN T EKAeineiN (EKAIfieTN N) 7T mitiui t 50 6 

tTBGSN < cVFLn 5'1 kypioc tTc + kai - kai toyto nicTeYOMes neM*eeN t (< neM»eeN) 

TcBGSNA 1 < YFLA-DP 53 kai toyto oy c- < t ka! oti o eeoc oy T 55 th 

< B OYX] OYXI - L' 57 HAGYeePUCCN tTcBA 1 |- ^K THC AMAPTIAC KAI THC *eOPAC 

7A-DP kai- t'I'cBN« < VFLGS 58 cctin aytun 00 « ckotco] ckotci B kai — 

eKTeTY«AUTAl Tc7r < t HO u A6r(p Tc- ant vera t til Scan Tc- sunt vo- 

cati t 62 h Aoroc TC7 h mil folg. Hns. A < D Aoroc B sol (Maioc) t hn l 

< T 63 <t>HciN, ercb co a . aaa — Z.64 «hcin ^^ T aaa' — Z.O4 fici < VI' aaa' 
tBFGSN aaaa kai LAD iaitur c i 64 AiecTeiACN] + hoc c 6n ' < t 



Das Ghvbensbekenntnis der Ho»ionsumer von Sardka. 1 1 

65 gcmgn, era kai b ttathp«' aaa' 01 ma6htai en gaytoTc cyzytoi kai hncomsnoi 6n Sci 
th nicTeuc bMOAoriA, Tna kai eN th xapiti kai eyccBeiA th toy eeo? ftatpoc kai 

TH TOY KYPiOY KAI CUTHPOC HMWN CYTXCOPHCei KAI ATAnH GN £?NAI AYNH6WCIN. 

65 Aaa' 01 tcB« aaa' Yna 01 T<y eayto'ic — semetipsis tcBYF aytoic TLGSN« Sci 
tTc eici - (!(i th nicTecoc omoaotia; et Jichi co/ifessione c fide confessione t (aber t ist, 

zumal in den Kndsilben, suhr iliichlig f;esclirieberi) th nicTei th Omoaoha TBrcGSN th nicTei 
kai Tin OmoaoHa VFL ina kai £n] rt id in t ka'i iu Tyn kai 15 en — in c kai eYceeeiA 

T« et pietate tc kai th eYceBeiA BGSN kai esi th eyceBeiA VFL toy eeo? nATPdc TcB«GSN 
tiatpoc t toy eeo? ka'i tiatpoc VFL 



Die Disposition dieses Bekenntnisses ist keine straffe. Einer Einleitung 
(i — 3, Z.i — 12). die in einen mehr allgemeinen und sacblicben (1 u. 2, 
Z. 1 — 7) und einen rait Ursacius und Valens sich beschaftigenden Unterteil 
(3, Z. 7 — 12) zerfiillt, folgt erstens (4 — 8, Z. 12—39) das positive, aber docb 
durch polemische Erwagungen Gberall bestimmte christologische Bekenntnis, 
innerhalb dessen Unterteile schwer abzugrenzen sind (4, Einheit der Hypo- 
stase, Untrennbarkeit des Vaters und Solines Z. 12 — 21; 5, Sinn des rereN- 
NHMeNOc Z. 2 1 — 26: 6, Unterschicdenheit des Vaters und Sohnes, Sinn des 
Sohnesbegriffs Z. 2 7 — 33; 7, MONoreNHc und ftputotokoc Z. 33 — 37: 8, Job. 14. 
28 Z. 37 — 39). Darauf wendet man sich gegen die arianische Deutung der 
Einbeit des Vaters und Solines (9 u. 10 Z. 39 — 51), docb so, dafi dem po- 
lemischen Unterteil (9, Z. 39 — 45) wieder ein positiv bekennender (10. 
Z. 45 — 51) angefiigt ist. Dann schiebt sich ein Abschnitt ein (11, Z. 5 1 
bis 58), dessen von polemisclien Ausfiihrungen durchkreuzte Gedankenfolge 
an das Taufbekenntnis sich anlehnt. Und zum Schlufi (12, Z. 58 — 67) 
lenkt man zum dritten Abschnitt. zur Kritik der arianischen Deutung der 
Einbeit des Vaters und Sohnes, zuriick, indem man ausfiihrt, da 13 die Ein- 
beit der Glaubigcn mit dem Vater und Sohne keinen Analogieschlufi auf die 
Einbeit des Vaters und Sohnes zulasse. 

Im einzelnen sei folgendes bemerkt: 

Zu 1, Z. 1 — 3]. Die gleichen Gedanken sind von den Anhangem des 
Nicaenums, das den yioc als eeoc aahgin6c gk eeo? aahsino? charakterisiert, 
audi im Abendlande den Arianern oft entgegengehalten worden. Namentlicli 



12 L o o f s : 

gab das auch im Abendlande bekanntgewordene Scbreiben des Anus und 
seiner Genossen an Bischof Alexander von Alexandrien (Epiphanius, kaer. 
69, 7 ft'.) dazu Veranlassung (vgl. Piioebadius, c. Arianos 8, Migne, ser. lal. XX, 
18.D; Hilarius, de trin. 4, I2ff. und 6, 5ft'., Migne, ser. lat. X. I04fl'. und 
i6off.). Nusquam audio ab his, sagt Hilarius (a. a. 0. 6, 7 p. 161), deum 
dei filium dici, nusquam /ilium invenio ita praedicatum esse, quod filius sit; 
nomen Jilii ingeritur, ut nature taceatur, natura adimilur, ul nomen alienum sit. 
Vergleiche auch die Verhandlung mit den »Arianern« Palladius und Se- 
cundianus auf dem Aquilejenser Konzil von 381 bei Mansi III, 601 — 615, 
insonderheit p. 61 3D. 

Zu 2, Z. 31". on reNNHT6c gctin ama kai reNHToc]. Die Lesart der Aus- 
gaben oti reNNHToc gctin ama kai XrdNNHTOc wird nicht nur durch das Zu- 
sammenstimmen von t und A 1 gerichtet; sie ist auch dem Sinne nach ganz 
umnoglich: kein Arianer hat je den Sohn als at^nnhtoc bezeichnet. Da- 
gegen bringt der Text, wie ich ihn oben und schon 1902 (Sitzungsber. 
8. 778 Amu. 3) rekonstruiert halie. einen von den Anti-Arianern oft aus- 
gesprochenen Gedanken zur Geltung. vgl. Athanasius orat. c. Ar. 2, 20, 
Migne, ser. graeca, XXVI, 189A: tayton eiphkate (narnlich in dem oben 
schon angezogenen Brief an Alexander) to tennhma kai to ttoihma, rpArANTec 
reNNHe^NTA h noHieeNTA, Hilarius de trin. 6, 18, p. 170: usurpas enim. impiis- 
sime haeretice, nativitatem Jilii ad creationis voluntatem. ut non ex deo natus sit, 
sed volente eo, qui ereamt, ex crealione substiterit, Geegor Ii.lib. (vgl. A.Wilmart, 
Bulletin de litterature ecclesiastique 1906 S. 28 iff.) de fide 3, Migne, ser. lal. 
XX, 3 7 D : quern etsi nalum dicit, sed hoc dido terms, quia rursum omne quod 
natum est, factum intettigit, eo quod et nos a deo geniti appellemur, quos constat 
esse facturam. 

Zu Z. 4f. oytcoc tap eid)6Aci kta.]. Dafi die griechische Hs., auf die t 
zuriickgeht, so gelesen hat, wie ich den Text von t riickiibersetzt habe 
(doch »npoeTnoN« statt »npoeinoM6N«), wird dadurch fast gewifi, dafi der 
Text der andem Zeugen: oytcoc tap caytoyc nocTn to rercNNHweNON 6MOAoro?ci, 
oti oytcoc eTnoN sehr wohl aus dem oben gedruckten griechischen Texte 
entstanden gedacht werden kann. Unleugbar hat auch der vulgare Text 
seine Schwierigkeiten : das Saytoyc ist, wenn nicht uberfliissig. so doch an 
dieser betonten Stelle auffallig; die einander begriindenden Begriindungs- 
satze sind unschon und enthalten eine Tautologie, wenn nicht mit dem 
oti oytcoc eTnoN ein wortliches Zitat eingefuhrt wird. Uniiberwindlich aber 



Das Glaubensbekennfnifi der Homousiawr von Sardica. 1 3 

sind diese Schwierigkeiten nicht. Unsch6nes Griechisch mid Wieder- 
holungen finden sich in dem Bekenntnis auch sonst; und wenn Athanasius 
aus den Worten des Arius-Brief's an Alexander: kticma toy eeo9 TCAeioN, 

AAa' OYX UC 6N TUN KTICMATUN, rCNNHMA. AAa' OYX UC £N TUN rCNNHMATUN (EpiPHAN., 

harr.6g, 7 p. 732 D, Petavius) das Recht zu der Behauptung entnommen 
hat, die Arianer batten geschrieben »reNNHeeNTA h noiHeeNTA« (or. c. Ar. 2. 
20 p. 1 89 A), so konnen auch die Synodalen von Sardica die Wufierung 
to rereNNHM^NON rereNHMCNON gctin fur nachweisbar gehalten haben. Mud das 
Umgekehrte ist zweifellos oft von den Arianern behauptet worden. So 
schrieb Euseb von Casarea an Paulinus: oy nepi aytoy m6noy t6 tennhton 

eTNAI *HCIN H rPA*H, AAAA KAI eni TUN ANOMOIUN AYTU KATA nANTA TH «YCei' KAI 

tap kai £n' ANepunuN <ohcin • yioyc er^NNHCA kai yyuca (bei Theodoket h. c. 1,6 ed. 
Gaisford p. 35; vgl. Alexanders Bericht iiber Arius und Genossen ibid. 1, 4 
p. 1 2), und Ei'IPHami s sagt: tincc hmac boyaontai co<t>izeceAi kai AereiN Tcon t6 
reNHTdN gTnai tu reNNHTu (haer. 64, 8 p. 53 iD). Man wird daher den nach 
t gewonnenen Text nicht als sicher ausgeben konnen. Akzeptiert man 
ihn, so empfiehlt sich die oben vorgenommene Anderung des uc npoeTnoN 
in uc npocinoMGN, denn dor Singular pafit niclit in den Synodalbrief (vgl. 
das KAeuc npoeinoweN in demselben Briei'e />. 75. 3 l Reading). Zu beziehen 
ware dies rtpoeinoMCN auf die in Z. 3!'. ausgesprochene Behauptung, den 
Arianern sei der Sohn tgnnhtoc ama kai tgnhtoc. Was hier behauptet ist, 
gestehen die Arianer durch ilir gewohnheitsmaBiges Verstandnis des reres- 

NHM^NON ZU : 6MOA0rOYNT£C, UC npoeinOMCN • TO rerCNNHMENON rerCNHMCNON CCTIN. 

Zu Z. 5 — 7]. Den Satzteil kai oti toy Xpictoy npd aiunun ontoc aiaoacin 
aytu apxhn kai t£aoc, onep oyk CN kaipu aaaa npd nANTOc xponoy (oder kaipoy) 
£xe\ hat schon Theodoret so gelesen: ja schon die lis., aus der die in t 
erhaltene Ubersetzung staiumt, hot diese Worte. Dennoch konnen sie dem 
urspriinglichen Texte des Sardicense so nicht angehort haben. Erstens 
ist das Xpictoy npd aiunun ontoc im Munde der Ilomousianer von Sardica 
schwer denkbar: Marcell betonte es stark, dafi »Christus« nur ein Name 
des a6toc gncapkoc sei (Fragm. 4236 in Ki.ostermanns Ausgabe der anti- 
marcellischen Schriften Eusebs S. 192), und im Abendlande ist die Bezeicli- 
nung des a6toc acapkoc als »Christus« zwar nicht beispiellos — »Christus« 
erscheint dem Abraham und Jakob (Novatian, dr trin. 18 al. 26. Migne, 
ser. lat. 3,921 u. 19 al. 27 p. 923): admirari drum possum conditorem mundi 
Christum creanlem, sagt Hilarius (dr trin. 3, 22, Migne, ser. lai. X, 90: vgl. 



14 Loofs: 

12, 36 p. 454: creaturam Christum contendens), Christus ante virginem, schreibt 
Ambrosius (de virginibus I 5, 21, Migne, ser. lat. XVI, 195); und ahnliche 
Stellen lieBen noch manche, besonders aus Marius Victorinus, sich an- 
fuhren — , docli war auch hier im 4. Jahrliundert das BewuBtsein davon 
noch lebendig, daB »Christus« kein nomen dwinum sei, nur secundum carnis 
sacramentum dem Logos gebiihre (Synode von Aquileja 381, Mansi III, 605 C). 
Zweitens hat kein Arianer Cliristo »ein t6aoc gegeben«. Auch wenn man 
zu Hilfe nahme, was der Altnicaner Eustathius von Antiochien sagt: ttan 
thn apxhn exoN kai TSAOc eniA^xeTAi (Migne, ser. graec. XVIII, 696A) und ahn- 
lich Phoebadius, c. Avian. 2, Migne, XX, 15 A: puto, cui initium sic adseri- 
bitur, Jini obnoxius non negetur, so bliebe doch das aia6acin aytu apxhn kai 
tgaoc ein nicht recht erklarbarer Vorwurf. Drittens ergibt der Relativsatz 
bnep oyk 6n kaipu aaaa ttp6 hant6c xponoy exei, auf teaoc bezogen. einen 
baren Nonsens; schon Ciiristoi'horson empfand das, wenn er den unan- 
nehmbaren Vorschlag machte, das bnep in ocnep zu andern und thn t^nscin 
vor exei einzufiigen. Viertens endlich stelit die Behauptung, daB Cliristus, 
zwar nicht eN kaipu, aber doch rrpd hantoc xponoy einen »Anfang« gehabt 
babe — das exei (nicht ecxeN) laBt sich, da bier das cn kaipu apxhn exem ne- 
giert wird, nicht pressen — , in einem VV'iderspruch zu der in ebendiesem 
Sardicense ausdriicklicli ausgesprochencn Ansicht der Synodalen: 6 nANTOTe 
un apxhn oyk exei aotoc (Z. 26); und auch sonst hat nicht nur Marcell jede 
apxh toy e?NAi in bezug auf den Logos in Abrede gestellt (ej). ad Julium, 
Klostermann S. 215, 5), auch Phoebahu s halt denen, die schon der Prophet 
Jesaias (53, 8) als daluri initium dei crrbo ins Unrecht gesetzt habe (e. Ar. 9 
p. 19B), entgegen: quod fuit semper, non potest non fuisse (ib. 21 p. 29 G). 
Das Hervorgehen aus dem Vater, die natioitas, war nach Marcell wie nach 
Meinung der Abendlander des 4. Jahrhunderts f'iir den Logos kein Daseins- 
anfang. Liefie man das Xpictoy npo aiuncon ontoc als Interpolation oder 
als in den Text gedrungene Marginalglosse beiseit und anderte dann das 
iibrige durch Ersetzung des kai teaoc durch toy eTnai und durch Einftigung 
eines e'AABeN: kai oti aiaoacin aytu apxhn toy e?NAi, bnep (soil, to gTnai) oyk 
£n kaipu <(e'AAB6N), aaaa npo nANToc xp6noy exei, so kfime freilicli ein in diesem 
Bekenntnis moglicher Satz heraus. Allein es fehlt fur diese Anderungen 
jede handschriftliche Grundlage. Und was ware mit ihnen gewonnen? Ein 
Satz, der zwar inhaltlich unanstoBig, aber ganzlich iiberlliissig ist. Denn 
neben dem reNHTON cTnai ist das apxhn toy cTnai exeiN doch schlechterdings 



Das Glaubensbekenntnis der Homousianer von Sardica. 15 

nichts Neues. Das Sardicense wurde keinen einzigen Gedanken verlieren, 
wenn man den ganzen Satz als eine textlich vielleicht nicht intakt iiber- 
lieferte alte Interpolation ansahe. Und dicse Losung der Schwierigkeiten 
ist die einfaehste. 

Zu 3 Z. 7 — I2j. Das von mir in Z.9 fur ecTAYPweH eingesetzte eTPcoeH 
verdient nicht nur seiner alten Bezeugung vvegen (tc gegen Tn) den Vor- 
zug vor dem ecTAYPcoeH, sondern ist auch dein Sinne nach die bessere Les- 
art. Denn was soil das ec«ArH neben dem ecTAYPweH? Aber »eTPweH kai 
£c*ArH« bietet eine Steigerung; und die Wahl der VVorte erklart sich aus 
Jesaias c. 53, obwohl dort v. 5 eTPAYMATiceH und in v. 7 eni csathn hxsh steht. Ks 
ist auch das Passiv von titpiocku nicht nur bei Origenes (inloann. 32, 2 und 
3 fd. Pbeuschen 428, 35 und 429, 9), sondern auch noch im 4. Jahrhundert 
nachweisbar (vgl. Stephanus, Thesaurus s. v.). Entscheidend ist, dafi Eustathius 
von Antiochien, der in den wenigen Fragmenten, die wir haben, zweimal die 
TeTPcoMCNAi nAeYPAi Christi erwahnt (Migne, ser. yraer. XVIII, 688 C und 6S9 A), 
zweimal auch das tpucin YnoweNeiN (/>. 681B) oder tpucin y^ictacsai (/;. 6S4C) 
von dem Logos abwehrt und einmal von Christo sagt, dafi er sein cuha 
preisgegeben habe etc thn toy 6anatoy coathn (p. 689 A). — Inhaltlich hat 
Natalis Alexander (hist, eccl., Bingener Nachdruck VIII 1787, diss. 29 /;. 106) 
daran Anstofi genommen, dafi den Arianern, die doch die Hypostasen 
scharf getrennt batten, die Auschauung imputiert werde, der Logos und 
der Geist habe gelitten; das sei sabellianisch, nicht arianisch. Allein diese 
Kritik ist unberechtigt, obwohl Fuchs (Bibliothek der Kirchenversammlungen 
II, 1781, S. 145, Anna. 161) und Hefele (Konziliengesehichte I". 555) sie sich 
angeeignet haben. Da die Arianer bekanntlich den Logos, der nach ihrer 
Ansicht nur ein ccoma ayyxon angenommen hatte, als das Subjekt auch dcs 
Leidens Christi ansahen, die Synodalen von Sardica aber bis zum Ausgang 
des Geistes von dem verklarten Christus den Logos und den (ieist nicht 
unterschieden (vgl. unten zu 1 1 Z. 5 iff.), so hat der von Nataus Alexander 
angefochtene und als Beweis fur die Unechtheit des Sardicense angesehene 
Satz nicht die geringste Schwierigkeit. Im Abendlande wie bei Eustathius 
von Antiochien hat die hier den Arianern gegeniiber erhobene Anklage 
ilire genauen I'arallelen. Hii.aimis sagt (in Matth. 3 I, 2, Mk;m: IX, 1066C): 
colunl mini ex inJirmitaU corporis aerumnam spiritui adhaerere usw., und 
Eustathius schreibt: nepi itoaaoy ttoioyntai aciknynai ton Xpicton ayyxon an£i- 

AH»eNAI CtOMA . . ., INA . . . TAC TUN nAOUN AAAOIU)C£IC TU OeiCJ nePIAYANTGC nNEYMAT 



16 L o o f s : 

paaiuc ANAneiccocm aytoyc (scil. die ihnen Glaubenden) toe oyk ccti to TPeriTON 
eK thc ATPenTOY o>Yceuc reNNHeeN (Migne, ser. yr. XVIII, 689B). — Der zweite 
dem Valens und Ursacius gemachte Vorwurf weist auf Allbekanntes hin: 
die tpgTc YnocTAceic, des Vaters, Sohnes und Geistes, galten dem Arius als 
ANeniwiKTOi caytaTc (bei Athanasius, de syn. 15, Migne XXVI, 708 A; vgl. 
die ep. Arii bei Epiphanics, haer. 69, 8 p. 733B). Schon Dionys von Rom 
charakterisierte die Geistesverwandten der Arianer in seiner Zeit als etc 

TPeTc YnOCTACGIC . . . TTANTArTACI KCXOOPICMCNAC AIAIPOYNTCC THN ATIAN MONAAA (bei 

Athanasius, de decretis 26, Migne XXV, 464 A). 

Zu 4 Z. 1 2 — 14]. Dafi Vater und Sohn fund Geist] eine ytt6ctacic 
oder oycia haben, setzt bekanntlich auch das Nicaenum voraus: toyc a£ . . . 
es ctcpac YnocTAceuc h oyciac *ackontac sTnai . . . t6n yi6n to? eeo? ANAeeMATizei 
h KAeoAiKiH eKKAHciA. Marcell dachte ebenso (vgl. Kuseb, c. Marc. I, 1, 17 ed. 
Klostermann, p. 4, 2 5 f . : oycia Ae kai YnocTAcei gn) : nur Spott und Polemik 
setzt er der Behauptung von zwei oder drei gottlichen Hypostasen und 
dem -rnocTAcei xupizgin ton y'ion toy nATPOc entgegen (vgl. z. B. Fragm. 63/57 
p. 196. 29; 66/60 p. 197, 23; 76,67 p. 200, 30 u. 201, 13: 77/68 p. 201, 34). 
Auch Eustathius von Antiochien mulo so gelehrt haben: noch 362 mufitc 
man seine Anhanger, die, HroYMENOi tayton 8?nai eineTN Yn6cTACiN kai oycIan, an 
dem Bekenntnis der mia YnocTAcic f'estliielten, gegen den Verdacht schiitzen, 
dafi sie Sabellianer seien (Athan., torn, ad Ant. 6, Migne XXVI, 801 C), und 
umgekehrt mufiten die orthodox gesinnten Meletianer, die von TpeTc Yno- 
ctacgic sprachen, den Eustathianern gegenuber in Schutz genommen werden 
{ibid. 5 p. 801 AB). Und Athanasius hat, wenigstens seit seinem langen 
Exil im Abendlande, gleichfalls nur von einer oycia oder Yn6cTACic des 
Vaters und Sohnes geredet (vgl. RE :! II. 202, 35ff. u. 204, 2off.). Im Abend- 
land aber gehorte seit Tertullian die una substantia patris et Jilii zu dem 
eisernen Bestande der Tradition, und substantia entsprach sowohl der Yno- 
ctacic wie der oycIa der Griechen (vgl. oben im Apparat zu Z. 14; erst 
spater iibersetzte man oycia mit essentia (vgl. oben den Apparat zu Z. 38 u. 47). 

Zu Z. 14 hn aytoi 01 AipeTiKOi <'kai) oyc!an npocAropeYOYCi]. Dafi t {quaw 
ipsi Graeci usian appellant) nicht das Urspriingliche bietet. beweist das bei 
den Graeci sinnlose ipsi. Doch auch der Text der andern Zeugen ist un- 
brauchbar, gleichviel ob man an den lateinischen oder an den griechischen 
Text des Sardicense denkt. Denn dafi die Arianer das lateinische substantia 
nur durch oycia wiedergegeben hatten, ist ebenso unrichtig, M r ie die Be- 



Das Glauf>ensbekenntnis der Homousianer von Sardica. 17 

hauptung, ilafi sie fur vnocTAcic stets oycia gesagt batten. Sic brauchten 
yndcTACic oder oycia als Synonymon von substantia. Im griechischen Texte 
dcs Sardicense — fiber den lateiniscben Vermutungen aufzustellen, ist 
nutzlos — muB desbalb vor oycIan ein kai eingeschoben werden. Nacb 
AipenKoi konnte es um so leicbter ausfallen, je freinder den Spateren 
die Synonymitat von vnocTAcic und oycIa geworden war. — Fiir die Tat- 
sacbe, auf die das Sardicense bier hinweist, vergleiche man neben der 
oben S. 16 angefuhrten Ariusstelle (ANeniMiKToi gaytaTc ai YnocTAceic aytun) 
das Ariusfragment bei Atiianasius, or. i, 6, Migne XXVI, 24B: aaa6tpioi kai 

AM^TOXOI eiCIN AAAHAWN AI OYCIAI TOY flATPdc KAI TOY YIOY KAI TOY AHOY rfNeYMATOC, 

und fur die Eusebianer das Ma rcell fragment 81/71 p. 203, if.: erNWN ayt6n 
(scil. Napkiccon NgpwniAaoc) And tun tpaogntun tpeTc gTnai niCTeYeiN oyciac. 

Zll Z. l6 eCTIN OMOAOrOYM^NUC AYTH, H HN MONOY TOY ITATPOc]. Ill del" 

Wortwabl und in der Abgrenzung dieses Satzes gegen den vorliergebenden 
und naclifolgenden bin ich t gefolgt. Nur h Sn schliefit eine leichte Ande- 
rung des t-Textes ein. Aber diese Xnderung bestatigen die griechischen 
Hss., denn ihr hn h ist als eine Umstellung zu begreifen, die notig wurde, 
seit nacb Veranderung des bwoAoroYM^Nuc in 6MOAoroYMeN k der mit coc 
eingeleitete Nebensatz ein Verbum forderte. Sinn bat dies hn der grie- 
chischen Hss. nicht: die yti6ctacic des Sohnes ist noch jetzt die des Vaters. 
Zumal nach dem von den griecliiscben Hss. zu dem Fragesatze gezogenen 
€ctin pafit das hn selir sclileclit. — Der nach t rekonstruierte Text ist 
theologisch niclit unwichtig: er zeigt im Verein mit Z. 34 f. (oc nANTOTe hn 
... in t&> nATpi), dafi das Sardicense niclit den Origenistischen Begriff der 
Ewigkeit des Logos vertritt (ewig neben dem Vater, weil seine ewige 
Ausstrablung), sondern den Marcelliscli-Novatianischen (ewig im Vater, audi 
vor seinem Ausgehen aus ilim, seinem i-cnnhshnai). Uberrasehen kann dies 
den niclit, der die Entwicklung der Cbristologie im Abendlande kennt. 
Dennoch sei die auffallige Ubereinstimmung der Marcellischen und der 
abendlandischen Gedanken (lurch zwei Zitatenpaare belegt: oyagnoc tap ontoc 
np6TCP0N h eeoY m6noy . . . npoHAeeN 6 aotoc apactikh GNepreiA, sagt Marceli, 
(Fragin. 1 2 1 108 />. 2 1 2, iof.), und Tertullian (ado. Pvaxeam 5 ed. Kroymann 
77.233,70*.): ante omnia enim deus erat solus . . ., solus autnu, quia nihil 
aliud extrinsecus praeter ilium, und an anderm Orte Marcell: np6 tap toy 
t6n kocmon e'iNAi hn a6toc en tu nATPi. ote ag 6 ttantokpAtup eeoc ttAnta 
ta €N oypanoTc kai eni thc nomcAi npoeeeTO . . .. totg a6i~oc npoeAewN enNGTo 
Phd.-hist. Klasst. 1909. Abh. 1. 3 



18 L o o f s : 

TOY KOCMOY nOIHTHC, 6 KAI np6T£PON eNAON NOHTUC €TOIMAZU)N AYTON (Fr.lgm.60/54 

p. 196), und Tektullian schreibt ado. Praxeam 6 (ed. Kroymann p. 235, 6ft'.). 
nachdem er gesagt hat, dafi Gott zuerst in sensu suo die sophia gezeugt 
hatte: ut primum deus ooluitj quae cum sophiar ration? et sermone disposuerat 
intra $e, in substantias et species suas edere, ipsum primum protulit sermonem . . ., 
ut per ipsum fierent universa, per quern erant coy 'data et disposita immo et facta 
jam,; quantum in dei sensu. Fine Benutzung Tertullians durcli Marcell ist 
iiberaus unwahrsclieinlich ; es ist identische Tradition, die bei diesem wie 
bei jenem uns entgegentritt. Von der Ewigkeit des Logos redet ubrigens 
Tertullian noch nicht: zwar erklarte er: non sermonalis a principio, sed 
rationalis deus etiam ante principium {adv. Prax. 5 ed. Kroymann p. 233, i6f. ; 
dock vgl. zum Text Rosenmeyer, Quaestiones Tertullianeae, Diss. phil. StraG- 
burg 1908 S. 1 if.), aber er konnte nocli sagen: deus . . . non . . . pater . . . 
semper . . . ; fuit . . . tempus, cum . . . jilh/s non fuit (ado. Hermog. 3 ed. Kroy- 
mann p. 129, 3ft'.). Aber sclion Novatian hat diesen letztern Gedanken fur 
das Abendland nach ihm durcli die JJetonung des ersteren beiseit geschoben : 
cum sit genitus a patre, semper est in pa Ire. semper autem sic dicOj ut non 
innatum, sed natum probem. sed qui ante ornne tempus estj semper in patre 
faisse dicendus est; nee enim tempus Mi assignari potest, qui ante tempus est. 
semper enim in patre, ne pater non semper sit pater (de trin. 3 1 Migne III, 949 B). 
Zu Z. 1 8 b ecu aotoc nNEYMAJ. Viel Bestechendes hat die von Gaisford 
beibehaltene Lesart der alteren Ausgaben: b gcti a6toc nNe?MA oyk Ixun: 
konnte der Solin je ohne den Vater, der Geist ist (Joh. 4, 24), sein, so 
ergabe sicli der Widersinn eines aotoc nNe?MA oyk exuN. Und diese Lesart 
ist offenbar der urspriingliche Text der guten Hs. A gewesen! Allein — 
diese Frkenntnis verdanke ich dem entschiedenen Festhalten des Hrn. Par- 
mentier an der oben in den Text aufgenommenen Lesart — ist bei A eine 
richtige, urspriingliche Lesart denkbar, wenn Tc, alle anderen Theodoret- 
Hss. und t. der cod. Veronrnsis, einen andern Text bieten? Offenbar 
nur dann, wenn entweder der Familien-Arclietvpus von A einen guten 
vortheodoretischen Text des Sardicense benutzt hatte, oder wenn auch t 
keine vortheodoretische Uberlieferung bote, sondern seinen Text aus Theo- 
doret hatte. Die erstere Mogliclikeit ist an sich sehr unwahrsclieinlich 
und durcli den sonstigen Zustand des Textes von A ausgeschlossen. Auch 
die zweite Mogliclikeit ist wegen der zahlreichen Abweichungen des t-Textes 
von alien anderen Zeugen sehr unwahrsclieinlich; sie mu6 aber deshalb 



Das Glaubensbelmntni* der Homnusianer von Sardica. 19 

gepriift werden, weil t mit einigen Theodoret-Hss. falsche Lesarten teilt, 
wo andere Theodoret-Hss. den rechten Text erhalten haben. Es handelt 
sicli liier urn: I. Z. 35: tc~: AiA*e>ei a£ th koinh KTicei, rich tig T: aiao>£p£i 
kai th kainh ktIcci; 2. Z. 4 i tB < Ae : 3. Z. 45 tT < kai und allenfalls auch 
4. urn Z. 19, vo man den Apparat so konstruieren kann, dafi das in c 
erhaltene nATePA 1 in t~ zu fehlen scheint. Allein die Auslassungen 2 und 3 
miissen in t wie in T und B autochthon sein; denn'wenn sie auf den 
gemeinsainen Archetypus tTB zuriickgingen, so ware das Richtige in den 
andern Hss. unerklarlich. Und bei der Auslassung 4 liegen die Dinge gar 
nicht notwendig so, dafi in t dieselbe Auslassung zu konstatieren ist wie 
in tv. In t f'eldt das erste rrATEPA, und zwar dies allein. in T~ ist ent- 
weder das erste nATePA mit den folgenden Wort en oder — so ist's oben 
im Apparat arrangiert - das zweite rtATepA mit den vorangehenden Worten 
weggef alien. Diskutierbar bleibt also nur die unter 1 genannte, zweifellos 
falsche Lesart. Aber audi sie kann den vortheodoretischen Charakter des 
Textes t niclit verdachtigen. Denn trotz der richtigen Lesart in T kann 
auch Theodoret wie t AiA«epei ag th koinh KTice: gelesen haben; das kai th 
kainh kann einer Korrektur des Theodorus Lector entstanimen oder, wenn 
man es fur unwahrscheinlich lililt. dafi dann Cassiodor nach einer Theo- 
doret-IIs. das Falsche wieder eingesetzt hatte, als Verbesserung eines jiingeren 
Vorfahren von T aufgefafit werden. .la, aucli das ist nicht undenkbar, 
dafi Theodorets Urexemplar den richtigen Text hot, dafi aber in die 
Abschrif'ten der leicht erklarliche Feliler koinh ebenso eindrang wie in 
die Vorlage von t. Las man aber eininal koinh. so war die Einfiigung des 
Ai so notwendig, dafi sie wie in der Vorlage von t, so auch in dem 
Archetypus unserer Theodoret-Hss. den gleichen spontanen Erwagungen 
entstammen kann. Endlich ist es moglich, dafi die richtige Lesart im 
Urexemplar Theodorets nur als Marginalkorrektur Theodorets existierte 
und deshalb fast nirgends sich erhalten hat. Ist aber t vortheodore- 

tisch, so kann das in A DP zu dem ecTi aotoc hngyma hinzugetretene 
o^k exuN nur dann fur die urspriingliche Lesart gehalten werden, wenn 
man annahme, dafi ein Spiel des Zufalls dieses oyk gxujn gleichmafiig in t 
wie im Archetypus TcBy babe verschwinden lassen. Ganz unmoglich ist 
diese Annahme ja nicht, aber sie ist sehr unwahrscheinlich. Daher ist 
«o ecTi aotoc nN£YMA« als die (lurch die Oberlieferung gebotene Lesart an- 
zusehen. Sie kann auch die urspriingliche sein: denn unubersetzbar ist 

3* 



20 Loofs: 

sie niclit. Phoebauius schreibt — und der Gedanke ist wahrlich nicht 
singular, vielmelir ist's oft gesagt, Gott sei nie aaotoc gewesen — : qui 
probaverit sine verbo, sine sapientia, sine ratione, sine virtute^ sine spiritu 
aliquando patrem fuisse, is probacit cum patre et in patre filium ante omne 
principium non fuisse; tamen nescio, si his tirtutitus carens pater possit dens 
did (c. Ar. 1 6 p. 25 B). Es wire! also wold das b ecn a6toc nNe?MA mit 
dem mha£ eTnai aynacoai zusammenzunehmen sein: »noch das sein konnte, 
was sowohl der Vater wie der Sohn ist, namlich aotoc und nNe?MA«. — Sobald 
man ein b einfiigt — b ecn {b) aotoc hneyma — oder das a6i~oc im Sinne 
von b aotoc versteht, konnte audi iibersetzt werden: »d. h. wir bekennen, 
der Logos ist Geist«. Allein zunaclist steht der Artikel nicht da; und 
dann spricht gegen diese inhaltlich (vgl. Z. 53ft'.) sehr gut in das Sardi- 
cense passende Erklarung der Umstand, da!3 die Pradizierung des yioc als des 
aotoc, von der nachher ganz ausdriicklich die Rede ist (vgl. Z. 22 mit Anm., 
Z. 26 u. 29), hier unvorbereitet in den Nebensatz bineinschneien wurde. 
Zu Z. 1 8 — 20 ATonuTATON — £N gcmgn]. Hier ist der ursprungliche 
Wortlaut des Sardieense nicht mebr mit Sicherheit zu rekonstruieren, ob- 
wohl nur die Worter nicht sicher sind, die in Z. 19 zwischen nAT^PA 1 und 
nATepA 2 gestanden haben. Alle Hss. haben hier Lucken: T scheidet 
ganz aus, weil alles zwischen dem AYNAceAi in Z. 18 und dem aynacoai 
in Z. 20, dies letztere eingescldossen. fclilt; in den Theodoret-Hss. ist weg- 
gefallen, was Z. 19 auf nAT^PA 1 bis bin zu nATGPA" (inkl.) folgte; in c vermifit 
man ein regierendes Verbum zu dem mit nATepA" beginnenden Satze (patrem 
enim sine filio neque nominari nee esse potuisse); es muB hier Z. 19 zwischen 
TTAT6PA 1 und nAT^PA" etwas ausgefallen sein; t Itestatigt dies: sein Text (absu?-- 
dus enim est. nunc d'uere patrem non firisse. quoniam quod intelligitur pater sine 
Jilio. nee nuncupari neeesse posse, est ipsius usw.) bietet vor rtAT^PA 2 die Worte 
quoniam quod intelligitur ; aber t selbst hat Z. 19 nATGPA 1 nicht, und da nach 
diesem fta-t^pa' auch alle andern Hss. eine Lvicke aufweisen, so ist die An- 
nahme, dafi in t nur das eine Wort ttat^pa 1 ausgefallen sei, nur eine der 
moglichen Annahmen. Dennoch wird man zunaclist versuchen im'issen, ohne 
solche Erganzungen auszukommen, die keine der Hss. bietet. Die Frage ist 
demnach, ob allein das von t gebotene quoniam quod intelligitur die Stelle 
verstandlich macht. Was besagt dies quoniam quod intelligitur? Man wird 
zunaclist versucht sein, das quod intelligitur mit dem folgenden pater zu- 
sammenzunehmen. Allein dann miiBte im folgenden statt des auch von 



Das Glauhensbekenntnis der Homousianer von Sardica. 21 

alien andern Hss. bezeugten Infinitivs (posse) ein Verbum finitum stehen. 
Fur diesen Inlinitiv braucht man einen Akkusativ vnul mu6 dahcr annehmen 
— was bei der Sorglosigkeit des Schreibers von t gerade in bezug auf 
abkurzbare Endsilben gar keine Schwierigkeiten hat — , daB pater in t 
verschrieben ist fur patrem (vgl. c). 1st aber -patron zu lesen, so mufi 
intellUjitur als das Verbum gefafit werden, zu dem der Akkusativ cum In- 
finitiv patrem — posse das Subjekt ist. Als griechisches Aquivalent bietet 
sich dann ein ahaon 6ctin oder dgl. Doch was soil dann das quoniam quod? 
Quoniam steht in t zumeist fur on, einmal (Reading/?. 77, 22) fur eneiAH, 
einmal (p. 76, 32) fur aia to mit dem Infinitiv: aia to mh aynac6ai = quo- 
niam non poterant. Dasselbe aia to mit dem Infinitiv ist an einer andern 
Stelle (80. 1 2) dureh propter quoit mit dem Verbum finitum wiedergegeben. 
Dahcr wflrde ein propter quod intelliijitur einem aia to ahaon gTnai entsprechen. 
Ist nun qm quod aus propter quod korrumpiert? In Majuskelhandschriften 
ist das nicht sehr wahrscheinlich. Oder ist quoniam quod ebenso gebraucht 
wie propter quod? Das ist ebenfalls unwahrscheinlich. Oder ist das quoit 
nur irrig cingeschoben. scit aus dem patrem ein pater geworden war? Das 
ist, wenn die Einfugung auf cine der Vorlagen von t zuriickginge, an sich 
nicht unmSglich ; doch daB die Schreiber der V T orf'ahren von t mehr ge- 
dacht batten als der y;anzlich gedankenlose Schreiber von t, ist nicht sehr 
wahrscheinlich. Nach alledem ist's zwar nicht unmoglich, aber auch nicht 
sehr wahrscheinlich, daB dem quoniam quod iin (iriechischen ein aia to 
kta. entsprach. Reclit wold denkbar aber erscheint es mir nach der ganzen 
Art des Ubersetzers, daB er ein griechisches aia toyto oti durch quoniam 
quod wiedergegeben hatte. — Fur den Sinn der Stelle ist's nicht gleichgiiltig, 
ob man mit eincm aia t6 ahaon gInai oder mit cincm aiA toyto, oti ahaon 
tci\ im (4riechischen rechnet. Eine Erklarung ist freilich in beiden Fallen 
moglich. FaBt man aia to kta. als Begriindung des vorigen, wie t es getan 
hat, so ergibt sich, gleichviel ob man aia to ahaon gTnai, oder aia toyto 
oti ahaon 6cti vorzieht, der Sinn: denn die -- unserm eben ausgesprochenen 
Bekenntnis entgegenstehende — Annahine, daB der »Vater« je nicht Vater 
gewesen ware (d. h. keinen Sohn gehabt hatte), ist widersinnig, weil es 
off'enbar ist, daB von einem »Vater« nur da gesprochen werden kann, wo 
ein Sohn ist. Eine zweitc Erklarung ist nur moglich, wenn man das 
quoniam quod als Wiedergabe eines aia toyto oti ansieht. .Alan kann namlich 
dann mit aia toyto einen neuen Satz beginnen lassen, (lessen Verbum das 



22 Loofs: 

ecTiN aytoy toy yioy maptypia ist ; und der Sinn ware dann: »deshalb, nam- 
lich, weil Vater und Sohn (wie eben in dem atoitutaton tap kta. gesagt 
ist) offenbarlich zusammengehoren, bezeugt der Sohn selbst« usw. Das 
on ahaon kta., das bet der ersten Erklarung Begrundung ist fur die 
Widersinnigkeit des (xegenteils, wiirde hier zu einer Wiederaufnalime 
der in dem AToncoTATON tap kta. ausgesprochenen, der Begrundung kaum 
bediirftigen Wahrheit. Fur und gegen beide Erklarungen lafit mancherlei 
sich geltend raachen. Audi deshalb, dainit die zweite nicht ausgeschlossen 
werde, habe ich das aia toyto oti ahaon gcti dem aia to ahaon gTnai vor- 
gezogen. Doch mochte ich mich nicht geradezu durch die Interpunktion 
des Textes fiir diese zweite Erklarung entscheiden. Ich bin bei der Inter- 
punktion, die eine Entscheidung forderte, der ersten Erklarung gefolgt, 
weil sie der Satzabgrenzung der Hss. entspricht. Wein keine dieser Er- 
klarungen genugt, der mufi mit der Moglichkeit rechnen. die zweifellos vor- 
liegt, dafi in t Z. 19 aufier dem nATePA 1 noch weitere Worter ausgef'allen seien. 
Ich habe Erganzungen, die moglich waren, erwogen, z. B.: atoficotaton tap 
ecTi AereiN noTe nATePA mh rereNinceAi jtat£pa. < ax&pictoc oyn 6 yioc toy itatpoc) 

AIA TOYTO OTI AHAON GCTI KTA. (bzW. AIA TO AHAON gTnAI KTA.) oder: . . . MH rere- 
NHC9AI nATGPA. <XU)PIC AG YIOY AAYNATON GCTI rTAT6PA rerGNHCeAl,) AIA TOYTO KTA. 

(bzw. aia to kta.). Allein keine dieser Erganzungen (deren zweite noch das 
fur sich hatte, dafi sie den Ausfall des hatepa — rereNHceAi" in t nach dem 
rereNHceAi sehr begreiflich erscheinen liefie) ist ein wirklicher Gewinn: die 
Gedankenfuhrung wiirde vielleicht durchsiclitiger, aber audi breiter werden. 
Zu 5 Z. 2 1 — 25]. Der Absatz hat, wie die Korrekturen in L und A 
beweisen, sclion in alter Zeit dem YerstJindnis Schwierigkeiten bereitet. 
Intakt ist meines Erachtens die Stelle niclit; der Text, den die griechischen 
Hss. ergeben. gibt meines Erachtens keinen Sinn. Die lateinische t)ber- 
setzung in t aber jfiihrt auf einen Abweg. Ihr strut (= KAeAnep) an Stelle 
des Anep Z. 22 legt die Vermutung nahe, es werde hier dagegen polemisiert, 
daft einigen das rereNNHMeNON von dem Logos in demselben Sinne gebraucht 
erscheine, wie die opata kai aopata alle npocAropeYeTAi reNNHeeNTA. Allein diese 
Vermutung verdient niclit verfolgt zu werden. Teils weil der Gedanke, 
der so hier vermutet wird, schon Z. 3 ft', zuruckgewiesen ist, teils weil dann 
eine zwiefache, jedem ErgSnzungsversuch unzugangliche Liicke — vor 
KAeAnep und vor tgxnIthn — angenommen werden mufite, mit unserm Texte 
also nicht auszukommen ware. Das strut in t mufi auf einen Lesefehler oder 



Das Glaubensbekenntnis der Homousianer von Sardica. 23 

auf erne irrige Korrektur zuriickgehen. Vor andern Besserungsversuchen 
inul3 man den Gedankengang sich klar inachen. Ini vorigen ist die ewige Zu- 
gehorigkeit des Solines zvim Vater behauptet. Nun begegnet in;in dem Ein- 
vvande, dal3 man dabei das von dem yioc feststehende rereNNHweNON eTnai aufier 
acbt lasse. Die Deutung dieses rereNNHweNON gTnai hatte in der Tat fur die 
Sardicenser ihre Schwierigkeit. Demi die Origenistische Vorstellung der 
ewigen Zeugung teilten sie nicht. Haben sie die Mareellische Deutung 
des 6 kypioc eKTice mg apxhn 6au>n aytoy auf den geschichtlichen llerm (vgl. 
Marcell, Fragm. 109 u. 11/10 p. 187) und die Beziehung des reNNHei-iNAi 
auf die Geburt ins Fleisch ubernommen? Unser Text gestattet trotz seiner 
Diirftigkeit, diese Frage zu verneinen. Kannte die Zeit noch eine andere 
.Moglichkeit einer nicht-arianiscben Erkllirung des rereNNHweNoc? Gkeuor von 
Illiberis weiB von einer: errata est ergo sapientia, sagt er, iinmo i/enita. non 
sibi, ijuae temper irat. sed his, quae ah <-a fieri oportebat (tie fide 2, Mk;ne, 
ser. /«/. XX, 36(;). Nun liat Gregor von Illiberis. wie unten deutlich werden 
wird. das Sardiceuse gekannt und in de fide mebrfach desscu Gedanken 
reproduziert. Es wird daher, da das genita his, quae ab ea fieri oportebat, 
auffallig an das ticin (oder ticin) rereNNHMCNON und an das reNNHe^NTA texnithn 
des Sardiceuse erinnert. nicht zu kiihn sein. die Stelle des Sardiceuse. von 
der wir sprechen, nacb den Worten Gregors von Illiberis zu erklaren und 
zu einendieren. Es mufi dann vor aaaa ticin eine alte Liicke angenommen 
werden, in der etwas gesagt war, das deni »nonsibi. quae semper erat« Gregors 
entsprach. Man kann den Ausfall dieser Worter auf ein Homooteleuton 
zuruckfuhren, wenn man die Liicke vermutungsweise etwa so erganzt: 
aaa' oyx cayto) rereNNHMeNON a^tomgn ton aoton t6n nANTOTe onta. Diese Ergan- 
zung hat, abgesehen davon, dafi sie Sinn hineinbringt in die Stelle. nocli 
den zwiefachen Yorteil. daft sie audi fur das folgende rereNNHweNON ein Sub- 
jekt liefert und die Argumentation in Z. 26, die das nANTOTe onta wieder 
aufnimmt, verstandlicher macht. An die erganzten Worte schlicBt sich das 
aaaa kta. dann als weitermhrende Frage an; es ist also tIcin zu akzentuieren. 
Zu der Frage pafit audi das nANTAnAciN sehr gut: es wird zur Einleitung 
einer Antwort oft gebrauclit. Xacli dein nANTAnAciN mufi ein nAciN eingefugt 
werden. Es ist fur den Sinn unentbehrlieh, und sein friiher Ausfall ist 
nacb dem nANTAnAciN sehr begreiflicb. Ja, vielleicht ist das ttacin in T 
kein verstiimmeltes nANTAnAciN. sondern das nacb Ausfall des nANTAnAciN 
gebliebene nAciN. Und das KAeAnep in t kann ganz wohl mis eineni nAci Anep 



24 Loofs: 

entstanden sein. Wenn ich schliefilich zur Verdeutlichung des Sinnes der 
Stelle cine freie Ubersetzung gebe, so gestatte icli mir, das reNNAceAi durch 
das inhaltlich gleichbedeutende (vgl. Marcell, Fragm. 36/31, p. 190) »von 
Gott ausgehen « wiederzugeben ; denn dann liifit sich im Ueutschen der 
seltsame Dativus commodi besser verstehen: »Niernand von uns (audi Marcell 
nicht; vgl. Sitzungsber. 1902 S. 774) levy net das rereNNHweNON. Aber nicJit 
sick zu gut (d. h. so, dafi er dadurch den Daseinsanfang erlialten hatte) denken 
wir den Logos von Gott ausyegangen; er ist ja stets. Wem zu gut denken wir 
ihn denn von Gott ausgegangen? Schlechterdings allem zu gut, teas sichtbar und 
unsichtbar ist, hervoryeyanyen aits Gott a/s den Bildner auch der ErzenyeU usw. 
Zu Z. 25 — 26 oYAenoTe tap toy eTnai kta.]. Hier bin icli bei der 
Feststellung des Textes t gefolgt. Dafi der Gedankengang so klarer wird, 
als es in dem — ubrigens mannigfacb variierenden — Texte der griechi- 
schen Hss. der Fall ist, bedarf kaum einer Erlauterung. Die Abweisung 
der Deutung des rereNNHM^NON eTnai auf ein apxhn toy gTnai aabgTn ist nach 
dem Kontexte hier die Hauptsache: sie koinmt in t in dem Hauptsatze 
zur Ausspraclie, in Tc7r nur in einem Nebensatze (ei apxhn Saabem). Uber- 
dies lauft in Tc- der Begriindungssatz (cm kta.) auf eine Tautologie hinaus; 
und das eeoc ag OYAenoTe Y-now^Nei t£aoc, das die griechischen Hss. als be- 
sondcrn Satz bringen, ist hier sinnlos: nicht von Gott, sondern von dem 
Logos ist hier die Rede. Aber nicht allein der Gedankenzusammenhang 
entscheidet fur t. Dafi der Satz nut oyag begonnen hat, dafur zeugen 
auch BVFLA 2 . Ihr oyae ttantotg aber ist nicht moglich, weil das ttantotc 
die folgende Begriindnng, wie schon gesagt, zu einer Tautologie macht. 
Das oyag noTe von t wird also auch hierdurch empfohlen. — Inhaltlich 
entspriclit das hier Gesagte sowohl Marcellischen wie abendlandischen Ge- 
danken, obwohl Marcell wie die Abendlander, mit dem Gedanken einer 
ewigen Zeugung nicht rechnend, ein Ausgehen des Logos aus Gott im 
Laufe der oikonomIa (d. i. der Heilsgeschichte im weitesten Sinn) annahmen: 
denn sie betonten, dafi der von Gott vor der Weltzeit ausgegangene Logos 
ewig sei in Gott (vgl. oben S. 17I'.), einen Anfang des Seins also nicht 
gehabt babe. So charakterisiert Marcell den Logos, der vor der Welt- 
schopfung in Gott war, dann aber von Gott ausging (vgl. Fragm. 60/54 
p. 196), als Xei CYNYnApxcoN tu nATpi kai MHAenconoTe apxhn toy e?NAi ecxHKUic (ep. 
ad Jut. p. 215, 5; vgl. Fragm. 103,92 p. 207, 2 7 f . ) ; und Phoebadius sagt 
von dem Ausgehen des Logos aus Gott, seinem ortus habens initiuni lit nati- 



Das Glaubensbekenntnis der Homousianer von Hardica. 25 

vitate, in statu non habeas: ex deo utnascibili deus nascibilis exivit. units ab una. 
cerus a vero. plenum a plena: ae sic naseendo hi his, quae semper erant, nan 
eoepit esse (c.Ar.w p. 21B); das dare initiunt dei verba ist ihni arianische 
Ketzerei (ib. 9 p. 19 B u. 17 p. 25 D). Vgl. audi das, was oben S. 1 <S iiber 
die von Novatian her laufendc abendlandische Tradition gesagt ist. 

Zu 6 Z. 27 — 28]. Der Gedanke ist so oft ausgesprochen. da!3 er nicht 
belegt zu vverden braucht. Hilarius sagt, unabhangig voin Sardicense, fast 
wortlich dasselbe: nam et pater pater est, ft films films (de trin. 7. 39 p. 232B): 
audi Gregor von [lliberis win! kaum unsern Text im Auge haben, wenn 
er schreibt: qui* catholicoruni ignorat patrem cere esse patrem, filium vere 
filium (de fide, prooem. Migne, XX, 33 A). 

Zu Z. 28 bMOAoroYMGN aynamin]. Dal3 der Logos die aynamic eeo? 
nATPbc sei, ist, weil 1 . Kor. 1. 24 (Xpicton eeoV aynamin kai co« an) sich da- 
tiir anfuhren liefi. audi von den Origenisten oft gesagt. Doch ist es von 
.Marcell und von den Abendlandern, die schon bei Novatian von der vis 
divi/iilatis emissa in filium lasen (de trin. 31 p. 952 A), im Tnteresse des Mono- 
theismus besonders betont: eru akpibwc MewAeHKA. sagt Marceu., oti aaiai- 
pgtoc kaI axwpictoc Sctin, h aynamic. toy nATp6c 6 yioc (ep. ad, I id. p. 215. 30f'.: 
vgl. Fragni. 73/64 p. 198. 31), und Phoebaoius: aeternae enim substantiae vis 
non facta est a deo, sed egressa a deo (c. .\r. 16 p. 24D) und Gregor von 111 i - 
beris: virtus dicitur. quia vere de deo et semper cum deo est (de fide 6 ]>. 42 D). 

Zu Z. 29 f. oMOAoroYweN ton (vielleicht alter Fehler fiir ayton) aoton 
eeoY itatp6c, nAP on eTepoc oyk gctinJ. Marceu, (Fragm. 55,50 p. 194, 28 
u. Fragni. 79*69 p. 202. 22ft'.), Hilahius (de trin. 5. 38f. p. 1 5 5 f .) und Gregor 
von Hliberis (de fide 7 p. 44 AB) beschaftigen sicli gleicherweise mit der 
christologischen Bedeutung von Baruch 3, 3 5 - — 3 7 : oytoc eeoc hmun, oy 
AoncertceTAi eTepoc npoc ayton' eseYpe fiacan 6aon emcTHMHc kai gaukgn 
aythn j Iako)8 tu nAiAi aytoy kai j |cpaha tco HTAnHM^NO) yit' aytoy' mgta toyto 
im thc thc w«eH kai cn toTc ANepwnoic cynan£ctpa»h (Libri apocr. ed. Fritzsciii: 
1 87 1 p. 99) und .les. 45, 14: oti en coi eeoc cctin kai oyk cctin eeoc nAHN coy. 
Man konnte dalier denken. daJ3 audi diese Stelle des Sardicense entsprechend 
zu erklaren sei: nAP on (soil, aoton) ctcpoc (scil. eeoc) oyk cctin. Docli ware 
das kunstlich, da die einfachere Krklarung: fiap' on (scil. a6ton) ctcpoc (scil. 
Aoroc) oyk ecTiN durch Marcells Brief an Julius (p. 214, 30: *aci . . . ctcpon 
aytoy aoton eiNAi) uwd durch zwei Marcellfragmente. die gegen das »Aoroc kata- 
xphctikojc oNor.AceeiC" sich wenden (45 39 11. 4640 p. 193). empfohlen win! 
PhU.-hist. Klass, . 1'JO'J. Abh. I. 4 



26 Loofs: 

Audi eine andere Stelle aus Marcells Brief an Julius: oytoc y!6c. oytoc 
aynamic, oytoc co*ia (p. 2 15,8) klingt hier (Z. 30) im Sardicense nacli. 

Zu Z. 31 — 33 oti eKeT.Noi h aia YioeeciAN h toy ANAreNNAceAi xapin h aia 
to KATAiiueftNAi yioi npocAropeYONTAi]. Nach den grieehischen Hss. ware der 
Text zu rekonstruieren, wie Gaisford ihn bietet: oti ckcTnoi h aia toyto 

eeOI e?6N TOY ANAreNNAC6AI XAPIN H AIA TO KATAII0O6HNAI YIOI nPOCArOPCYONTAI. 

Aber — ganz zu schweigen von dem unschonen aia toyto . . . toy ANA- 
reNNAceAi xapin — pafit dies an diese Stelle'? Freilich findet sich auch bei 
Hilarius gleichzeitige Polemik gegen das filius ex adoptione und das deus 
ex nuncupatione: fillum idcirco nuncupe.% non quia ex deo natus est, sed quia 
per deion crealus est, quia et homines religiosos appellatlone liujus nominis diynos 
a deo habitos memineris; turn porro el non alia rondlrlone del nomen Indulgeas, 
quam ea, qua dictum est »Eyo dlxl: dii estis et Jilll altlsslml omnes*, ul utatur 
diynatione, in vocabulo nuucupantls, non naturae in nomine verltate, sitque tecum 
ex adoptione filius, deus ex nuncupatione (de trln. 6, 18 p. 171 A; ahnlich ibid. 
4, 3 p. 98 A). Allein an unserer Stelle ist nach dem Gedaukengange nur 
von dem Sohn-Sein die Rede, nicht von dem Gott-Sein. Desbalb ist das 
aia toyto eeoi gTgn bier nicbt an seinem Platze. Dagegen vermifit man in den 
grieehischen Hss. in diesem Zusammenhange den Begriff der adoptio; denn 
das »nos adoptione filllj Me nutura* (Victorin, adv. Ar. 10, Migne VIII, 1045G) 
klingt sonst durch alle sinnverwandten Ausfiihrungen hindurch (vgl. z. B. 
Hilarius, de trln. 6, 23. 25. 40 und ofter). Der Text von t bietet den Be- 
griff; und wenn man nach t den grieehischen Text rekonstruiert, so ge- 
winnt man einen Wortlaut, der recht wohl als der Ausgangstext auch fur 
die falschen Lesarten aia toyto eeol eTeN toy (oder: eeoi h en tu) gedacht 
werden kann. Zweifelhaft kanu meines Erachtens nur sein, ob auch das 
von t (out . . . eel . . . eel), aber nicht allein von t, gebotene zweite der 
drei A beibehalten werden kann. Schon ist es nicht, dafi zwischen das 
aut-aut (h aia YioeeciAN . . . h aia to kataiiughnai) noch ein »oder« (im Sinne 
von re/) eingeschoben ist. Allein umndglicli wird es niemand nennen 
konnen; und das, wenn auch nur partielle, Zusammentreflen von t mit 
VFLA'DP (h gn) wiegt uni so melir, je zweifelloser das eTeN, das die Qbrigen 
grieehischen Hss. bieten (c: erunt), eine falsche Lesart ist. Ich habe des- 
balb das zweite h nicht gestrichen. 

Zu 7 Z. 33 — 36 oMOAorpYMeN MONoreNH — nckpcon]. Dieser Absatz ist 
einer der interessantesten im Sardicense. Und zwar desbalb, weil er rein 



Das Glaubensbekenntnis der Homovsianer von Sardica. 27 

Mareellisch ist. Was fiber das MONoreNHC gesagt wird, ist freilicli ebenso- 
gut abendlandiscli wie Mareellisch — schon oben S. 1 7 f. ist dieser Mar- 
cellisch-abendlandische Begriff der Ewigkeit dcs Logos besprochen — ; aber 
das fiber das ttputotokoc Bemerkte ist genau so nur bei Marcell nachweis- 
bar. Denn das ist sell>st dem vuleSren Texts aregenfiber zweifellos, dafi 
liier im Gegensatz zu den Arianern, die den Logos sowohl nacli Job. 1, 14. 18 
als MONoreNHC wie naeli Kol. 1, 15 als nptoTOTOKOc ftAchc KTicewc bezeichneten 
(vgl. z. B. Asterius bei Marcell, Fragm. 3 p. 186), l)ebauptet wird, das 
npuTbTOKoc d er S tel le des Kol s serb r i e fs beziehe sicli auf den M e n s c h e n 
Jesus. Nun ist zwar audi iin Abendlande das fipcototokoc in Rom. 8, 29 
auf den Men seh en Jesus bezogen: secundum, quod homo /actus est, secundum 
gratiam, quae in eo erat, Jilius dei primogenitus, sagt Pelagius (zu Rom. S, 29 
Migne, ser. fat. XXX, 685 A), und Augvstin stimmt bier mil Pelagius fiberein: 
secundum itl, quod unigenitus est. non habet fratres, secundum id autt < in, quod 
primogenitus est, fratres rocare dignatus est omnes, qui post ejus et per ejus pri- 
matuni in dei gratia m renascuntur per adoptionem jiliorum {de fide et symb. 4, 6, 
Migne XL, 185 und ahnlieh expos, quarund. propos. 56, Migne XXXV, 2077; 
vgl. audi, was Hii.arius, de trin. 12, 15 /;. 441 fiber Israel als primogenitus jilius 
dei im Unterschied von dem unigenitus ausfuhrt). Allein daffir, da 6 aueh 
das npcoTOTOKoc ttAchc KTicecoc in Kol. 1,15 auf den Menschen Christus 
bezogen sei, kann ieh kein abendlandisches Zeugnis beibringen. AVie Ter- 
iti.i.ian (adc. Praxeam 7 p. 235, 2 1 ed. Kroymann) und Cyprian (testim. 1 p.63, 16 
ed. Hartel), so haben audi alle Spateren diese apostolische Aussage auf 
den praexistenten Christus gedeutet. Der Kontext der Kolosserstelle 
(be ecTiN eiK(i)N toy ocoy toy aopatoy, fiputotokoc nAcHc KTicewc, oti gn aytw 
£ktic6h ta fianta) maclit das begreiflicb genug. Marceli,, der audi die 
eiKUN toy eeo? toy aopatoy nur in dem geschichtlichen (christus land 
(Fragm. 92 82 /;. 205) und selbst das in aytw eKTiceH ta itAnta nur von 
diesem verstanden wissen wollte (Fragm. 4 — 6 p. 186), — er bezog audi das 
npcoTOTOKoc ttAchc KTicewc auf t6n gn aytu (scil. tu Aoru) kticocnta ANepconoN 
(Fragm. 8 p. 186) als den Anfanger einer neuen Menschheit: oy toinyn oytoc 
6 XnuTATOc a6toc npo thc eNANepunHcewc »npu)T6TOKOC attAchc KTiceu)c« uin6macto 
(ndic tap aynat6n t6n Aei onta ttpcototokon gTnai tinoc;), aaaa ton nptoTON »kai- 
n6n ANeptonoN". eic on ta fiAnta ANAKe*AAAi(i)CAceAi eBOYAHeH 6 eeoc, toyton m 
ogTai tpa*ai ttpcototokon ftAchc onomAzoycin KTicecoc (Fragm. 6 /;. 186). Als 
Beweis fur diese Deutung fuhrte er Kol. 1, iS an: oy m6non toinyn thc 

r 



28 Loots: 

KAINHC KTICetoC FTPWTOTOKON AYTON 6 ATIOCTOAOC £?NAI <t>HciN, AAAA KAI nPU)T6TOKON 
£K N£KPU)N, Al'oYAGN £T£P0N, £WOl AOKeTN, AAa'Yna AIA TOY "ITPWTOTOKOY TUN N£KPCON«, 

onuc kai »tip(ot6tokoc ttachc KTiceuc ei'pHTAi, rNcoceHNAi AYNH9H (Fragm. 2 
p. 185). Wer diese MarceUstellen kennt und dann bedenkt, da 6 Marcell 
selbst zu den Synodalen von Sardica gehorte, ja dafi die Verfasser des 
Synodalbriefes, den unset- Bekenntnis beschliefit. eben erst das Buch Mar- 
cells gelesen zu haben erklaren (p. 78, 7 ft'. Reading), der wird nicht zweif'el- 
liaft dariiber sein konnen. dafi unsere Stelle nach Marcell zu erklaren ist. 
Das schliefit ein, dafi statt des koinh kticei (tC7r) mit T kainh kticei zu lesen 
und das aiaoepei mit t und gema.fi einem bei Marcell vielf'acli nachweisbaren 
Sprachgebrauch (vgl. Rettberg, Marcelliana S. 1 2 nota und Klostermanns 
Index) im Sinne von atiinet ail zu verstehen ist. Sclion 1902 (Sitzungs- 
berichte S. 779) liabe ich daher den Text dieser Stelle des Sardicense im 
wesentlichen ebenso rekonstruiert wie oben, obwohl ich damals nicht wufite, 
dafi schon Valesius die Lesart kainh des cod. T bekannt gemacht und ge- 
billigt hat. Nur das kai vor kainh kticei f'ehlte 1902 in meinem Vorschlage. 
Man kann audi noch heute dariiber schwanken, ob dies kai von T (= und 
zwar im besondern) festzuhalten ist. Ich habe es auf'genommen. weil in 
Zweifelsfallen der konservativere Anschlufi an die Hs. das Gewiesene ist. 
Dagegen ist mir nicht zweifelhaft, dafi dem ae nach aiasepei trotz seiner 
guten Bezeugung (tc~) keine Pietat gebiihrt. Denn in dem Texte. der dann 
herauskame: ... to ttputotokoc ae tu ANepionco. aia*epei ae th kainh kticei 
(so Reaping), schvvebt das tio ANepionco in der Luft, und die Einfugung des 
Ae war eine natiirliche Folge der Substituierung des koinh fur kainh und des 
lalschen VerstJindnisses von aia<de>ein. - Dafi das kai in Z. 36 mit Tc- gegen 
t aufzunehmen ist. ergibt .sich aus dem oben zitierten Marcellf'ragment 2. 

Zu Z. 36I'. bMOAoroYMeN 6na £inai oeon]. Den halbeii und ganzen Ari- 
anern gegenuber fuhlte nicht nur Marcell sich als Anwalt des Monotheismus 
(Fragm. 75/66 — 7768 p. 20of.); allc Altnicaner empfanden so, auch die 
Okzidentalen, vgl. z. B. »Origenes« d. i. Gtregor Ieliber. (vgl. A. Wilmabt, 
Bulletin de litterature ecclesiastique 1906 S. 249 ft'.) t^oct. ed. Batiffol i i p. 1 18, 2: 
unus est enim deus el sermo ipsius, i. e. dei jilius: Phoebapiits, r. Ar. 15 
p. 24 B: unus (deus) jam non erit. nisi in jiafre deo jilius deus sit. 

Zu 8 Z. 37 — 39 oyae tic apneTtaI noTe ton tiatgpa meizona]. Das Johannei- 
sche Jesuswort (14, 28), dafi der Vater grofier sei als der Sohn. hat .Mar- 
cell wahrscheinlich — mis i'ehlt das Erkenntnismaterial nur auf' den 



Das Glaubensbekenntnis der Homousianer von Sardiea. 29 

geschichtlichen Christus, den »Sohn«. bezogen. Im .Vbendlande hat man 
noch im 4. Jahrhundert sich nicht gescheut, auch von dem Logos dies 
auszusagen. Aber man polemisierte gegen die arianische Anschauung, der- 
gernaB major pater dicitur. non ea differentia, qva Jilio pater major est, sed 
omnibus dicinae yloriae l>on'is major (Phoebadius, c. Ar. 2 p. 14D). Als die 
katholische Wahrheit haben Phoebadius (/. c. u. 13 p. 22G u. 15 p. 23 D), 
Vmtokinus (adv. Ar. 1, 13 p. 1047 c'). Hilakius (de trin. 3, 12 p. 82 B; dc 
syn.64. p. 524 A u. 69 p. 526B) u. a. den Arianern den (iedanken entgegen- 
gehalten, den Phoebadius (15 p. 23D) mit den kurzen Worten »patris vet 
Ji/ii nomine* [pater major, Jilnis minor], Hilarius durcli folgende Ausfuhrung 
ansdriickt: est enim major pater Jilio. sed ut pater filio, generation?, non yenere ; 
Jilins enim est et ex eo exivit; et, licet paternae nuncupationis proprietas differat. 
(amen natura non differt [in psalm. 138, 17, ed. Zingerle p. 756, 26ft*.). Den- 
selben Gedanken mussen wir im Sardicense erwarten. Dann kann das thn 
vor aiaoopan (Z. 38), das alle Hss. auBer T bieten T hat blofi oyag — 

nicht die rechte Lesart sein, denn eine aia»opa (d. h. Verschiedenheit, nicht 
l)loB: Unterschiedenheit) kann. abgesehen davon, daB das onoma toy tiatpoc 
meTzon ecu. nicht einmal so weit zugegeben worden sein. daB ein GroBersein 
urn ihretwillen negiert ware. Es wird daher oyag tina aiaoopan zu lesen 
sein. Diese Konjektur ist jedenfalls leichter als die Christov-horsons, die mit 
vielen alteren anch Gaisford iibernommen hat: oy ai Aaahn aia«opan. 

Zu 9 Z. 39 — 45]. *Unum sumus« plerique irreliyiosoriun ad voluntatis 
tantum concordiam retlu'erunt. sagt Hilakius (in psalm. 138, 17 ed. Zimjeri.k 
p. 756, 1 6 f.) ; Marcel 1. sticht die gleiche Anschauung l>ei Asterius aui 
(Fragin. 73/64 p. 199 f.). Polemik gegen diesen arianischen Gedanken trift't 
man l>ei alien nicht allzu wortkargen A nti- Arianern. Ober das Selbstver- 
standliche hinausgehende AnklSnge an das Sardicense sind inir nirgends aul- 
gefallen. DaB Z. 42 f. der Text von t verderbt ist, kann nicht zweif'el- 

haft sein. Docli wird aus t und B der Plural aiactAcgic kai aixonoiai . . . 
haynanto (hier B: aynatai) aufzunehmen sein. und zvvar nicht nur wegen 
des, wenn auch unvollkommencn, Zusainmentreffens von t und B, sondern 
auch deshalb, vveil die Endsilbe von haynanto in dem aynaton gTnai von 
ADP wiedergefunden werden kann. 

Zu 10 Z. 45 — 51. — In Z. 46 iePA *unh £aaahc£n wird der Text von t, 
obwohl Z. 64 eeiA »unh Subjekt ist. dadurch empfohlen, daB auch in dem 
Keferat fiber die bekampfte Anschauung (Z. 40) Christus als der liedende 



80 L o o f s : 

eingefuhrt wird. — In Z.48 ist das zweite m!a der griechischen Hss. (vor toy 
yioy) eine der spatern (Jrthodoxie (den tpeTc YnocTAceic) entsprechende falsche 
Korrektur (vgl. Matth. 27, 38), die Theodoras Lector nur deshalb nicht 
brauchte, weil er hier, wie sonst, Yn6cTACic durch oycIa ersetzt hat. — Z. 49 
isl das aiopIzonta nach xponon meines Erachtens schon nach dem Zeugnis der 
Hss. zu streichen; das habere ternpus ist auch sonst in diesem Sinne nach- 
weisbar: nee habit tempu.% quod est intemporali patri eonyenitum per naturam 
(Phoebad., c. Ar. 11 p. 21B; vgl. Novatian oben S. 18). Die Korrektur des 
von den Theodoret-Hss. gebotenen eKAeineiN in eKAemN nach c und zum 
Teil auch T macht das vordein unpassende doppelte mhtg verstandlich. 

Zu 11 Z. 52 kai toyto nicTeYOMeN neM«eeNJ. Das bezieht sich nicht auf 
die Sendung des Geistes am Pfingstfest, sondern, obgleicli dies in unserm 
— vielleicht hier lfickenhaften oder » korrigierten « — Texte nach dem 
erreMYeN auf'fallig ist, nach Ausweis des Folgenden auf die eNANepunHcic. 
DalS das Gottliche in dem geschichtlichcn Christus das hngyma eeo? gewesen 
sei, babe ich als Marcells Anschauung sclion 1902 nachgewiesen (Sitzungsber. 
S. 772). Audi bei dem Altnicaner Kustathius von Antiochien finden sic!) 
Stellen, die in dieselbe Riehtung weisen (vgl. meine Dogmengesch. 4. Aufl. 
S. 242 Anm. 10 und oben S. 15). DalS im Abendlande diese Vorstellung 
eine alte, von Hernias und Tertullian lierlaufende Tradition hat. ist durch 
Hrn. Waldkmar Maciioi.z (Spuren binitarischer Denkweise im Abendlande 
seit Tertullian. Dissert, theol. Halle 1902) erwiesen. Noch Lactanz ist von 
ilnn mit behandelt worden. Und ein .Vufsatz desselben Herrn fiber das 
Nachwirken dieser Tradition bei Prudentius wird im nachsten Heft der 
Theologischen Studien und Kritiken ersclieinen. Ich beschrlinke mich 
deshalb hier darauf, das Andauern dieser Anschauung im Abendlande bei 
solchen Theologen des 4. Jahrhunderts darzutun, die ihren Platz zwischen 
Lactanz und den grazisierenden Okzidentalen haben, welche die 
alexandrinische Vorstellung von der Ewigkeit der tpiac im Abendlande 
durchgesetzt haben, — Ambrosius und Augustin. Auch Hilarius gehort, 
obwohl er nach seinem Exil eine griechisch beeinflufite Logoslehre ver- 
treten hat, nicht nur mit seinem vor seinem Exil geschriebenen Matthaus- 
kommentar in diese Reihe : in seiner Geistlehre zeigen noch seine spateren 
Schriften ein deutliches Nachwirken der altera abendlandischen Traditionen. 
Ebenso ist bei Marius Victorinus, so stark er unter griechisch-neuplatonischen 
Einilussen steht, unverkennbar, da6 die »Lehre« ihm in ihrer abendlandi- 



Das Glaubensbekenntnis der Homousianer von Sardica. 31 

schen Auspragung zugekommen war. Den Nachweis selbst kann ich (lurch 
bloBe Zitate geben: einer weiteren Erlauterung bedurfen diese Stellen nicht: 
Hilarius in Matth. 3, 1 p. 928 A: nam quod in desertum ductus est, signi- 
Jicatur libertas spiritus sancti hominem suum jam diabolo offerentis (vgl. 2, 5 
p. 927 A: in faruulatum spirilus corpus assumptum): ibid. 12, 17 p. 9S9B: 
extra veniam est (vgl. Matth. 12, 31) in Christo negare, quod deus sit, ct con- 
sistentem in eo paterni spiritus substantiam adimere; de trin. 2, 26 p. 67 B: 
spiritus sanctus desuper veniens virginis interiora sanctijicavit et in his spirans . . . 
naturae se humanae carnis immiscuit (vgl. 2, 24 p. 66 AB mit der nota editoris); 
ibid. 4, 41 p. 126B: proprium dei Jilio eat, ne praeter eum deus sit, proprium 
deo patri est, ne absque eo deus quisquam sit; in psalm. 138, 21 ed. Zingerle, 
p. 758, 2 9f. : cum enim ait »quo ibo a spiritu suo*, tempus illud, quo et ipse 
spiritus in spiritu paternae gloriae ante adsumptioncm hominis mansit, ostendit. — 
Victor wus'adv. Ar. 1,8, Migne. ser. lat. 8 p. 1044C: Jesus enim est spiritus: 
U). 1, 13 p. 1 048 A: non poterat venire a6toc in occulto, hoc est spiritus sanctus: 
ib. 1, 59 p. 1085 A: Jilius sanctus spiritus . . .; a6toc art tern Jilius, qui est spiritus 
sanctus; ib. 3, 12 p. 1 108C: quis icjitur est spiritus sanctus? id est aotoc, units 
enim rnotus et ideo dictum »et si discedo et praeparo vobis, rursiis venio« (Job. 14, 3); 
if). 3, 14 p. 1 109 B: Jesus enjo spiritus sanctus; . . . deus substantialiter spiritus; 
if). 3, \8 p. 1113C: si deus et Chr'tstus unum, cum Christus et spiritus unum, 
jure tria unum. — Phoekadius, c. Ar. 17 p. 26 A: sciant et ilium (scil. 
fdium zur Zeit von Kxod. ^^, 20) suo nomine invisibilem fuisse ut sermonem, 
ut spiritual; ib. 1 1 p. 21B: lotus (scil. pater) enim dedit (scil. Jilio) totum, ut 
secundum spiritus rirtuteni totus esset in toto: ibid. 16 p. 25 C: aut enim pater 
(Tedendus est cum jilio suo initium fuisse sortitus . . .. et erit auctor huic illorum 
initio nescio quis tertius deus, aut etc. — Gregor Illib., de Jide 5, Migne, 
ser. lat. XX, 41 B: in patre et jilio unitate/u substantiae credas .... sice lumen 
de lutnine dims . . ., sice spiritual de spiritu; ibid. 8 p. 47 C: cum hominem 
indiure d'ujnatus est, non lahem aeternitati intulit. ut spiritual in carnem nadaret; 
. . . non utique sic exinanitum occipitalis, ut aliud, quam quod fue rat, idem spiritus 
jieret; coram, in cant. ed. Gotth. Heine, Bibliollwca anecdotorum I, Leipzig 1S48 
lib. 2 p. 149: spiritus sanctus cum pura et Integra came eortjunctus; il>. lib. 4 
p. 158: spiritus de pariete corporis clamavit ad patrem. 

Diese Gleichsetzung von spiritus und Logos-Sohn ist nicht binitarisch 
gemeint, sondern ist, wie bei Marcell (vgl. Sitzungsberichte 1902, S. 772 IT.). 
aus "okonomisch-trinitarischenx Gedanken zu erklaren: vom Vater geht 



32 Loofs: 

der Solin, der Logos oder Geist, aus; von dem auferstandenen Herrn dann 
der spiritus sanctus, der in der Kirche waltet. Man konnte das schon aus 
dem starken Einflusse schlieBen, den Tertullian, vornehmlich seine Sclirift 
adv. Praxeam (vgl. meine Dogmengesch.. 4. Aull., S. isgf.), wenn aucli nicht 
auf Hilarius und Victorinus, so doch auf andre Abendlander noch im 
4. Jahrhundert ausgeiibt hat: Piioeisadius weist c. Ar. 5 p. 16 C, 1 1 p. 2 1 B 
und 20 p. 28 C und ofters wortliche Entlehnungen aus Tertullian auf, und 
in der altercatio Heracliani vom Jahre 366 (ed. Caspari, Kirchenhistorische 
Anecdota 1883. S. 131 — 147) sind S. 143!'. elf ganze Zeilen wortlich dem 
Apologeticus Tertullians entnonimen. Es tritt aber diese okonomiscb-trini- 
tarische Anschauung, wie die folgenden Zitate belegen mogen, auch in 
eigenen Ausfuhrungen abendlandischer Theologen des 4. Jahrhunderts uns 
entgegen: Phoebauius, c. Ar. 22 p. 30 A: tenenda est igitur regula . . ., quae, 
imam in duabus person is substantiam servans, dispositionem divinitatis (vgl. 
Tertullian ado. Prax. 2 p. 229, 28 f. ed. Kroymann) agnoscit . . ., infilio secunda 
persona, denique do minus : »petam«, inquitj «a patre meo et aliurn adcocaturn dabit 
vobis*. sic alius a Jilio spiritus, sicut a patre filius. sic tertia in spiritu ut in 
lilio secunda persona; Gregorius Illib., de Jide 8 p. 48 C: credimus immutabilem 
et inconvertibilem, verbum et spiritual, i. e. filium dei, qui cum hominem induit, 
non statum. vertit . . ., sed illuvias ejusdem corporis aeterno claritatis suae lumine 
illustravitj ut ad nos per tramitem corporis ejus lux sancti spiritus et aeternac 
vitae gratia redundaret ; ibid p. 49 A : misit nobis spiritum sanctum de propria 
sua et ipsa una substantia .... »de meo*. inquitj » accipiet « ,• ex eo ntique, quod 
est filius, quia et filius de eo, quod pater est; tract. 20 ed. Batiffol p. 209 f. : filius 
dei ideo primum venit ad rirginem. ut hominem sibi exinde in virginis utero 
plasmaret. . . . proinde necesse fuit. ut prius ad ilium hominem, quern dei sermo 
induerat, spiritus sanctus adveniret et sic per ipsum quasi de fonte virtutum ad 
nos quoque distributa ejusdem spiritus sancti gratia redundaret (vgl. 15 p. 166, 6f. 
mit Marcell, Fragm. 23/20 — 26 21. /?. 1 88 f. sowie Tertullian adv. Mar- 
cionein [V, 24 ed. Kroymann p. 499. 23 fr". und Sitzungsberichte 1902, 
S- 773)- — Hilarius in Matth. 9, 6 p. 964 B: rnulier (Matth. 9, 20) fimbria m 
cestis per fidem festinal attingere, donum videlicet spiritus sancti, de Christi cor- 
pore modo fimbriae exeuntis, mm apostolus conversata contingere (vgl. 14. 19 
p. 1003 B). — Victorinus, adv. Ar. 1, 15 p. 1049 B: quod a Christo spiritus 
sanctus: insuffiavit Christus et dixit: accipitr spiritum sanctum (.Job. 20, 22): 
ibid. 1. 1 3 j». 1048B: spiritus a Christo accipit, ipse Christus a patre, et idcirco 



Das Glaubensbekenntnis. der Romousianer von Sardica. 38 

et spiriim a patre. - Bei Marcell (vgl. meine Dogmengesch. S. 246f.) und in 
der alten kleinasi;itischen Theologie, von der er abhangig war (vgl. a. a. 0. 
S. 1441'. u. S. 103), bei Tertullian (vgl. ;i. a. 0. S.160) und Novatian (vgl. 
a. a. 0. S. 190) waren diese Vorstellungen von dem Werden der tpiac im Laufe 
der Heilsgeschichte verbunden nut dem Gedanken eines dereinstigen YVieder- 
aufgehens des Logos (und Geistes) in dem Vater und dem in der Aufnahme 
aller Gotteskinder in die Einheit mit Gott bedingten (vgDInEXAEUs 5, 36. 2 ed. 
Harvey U, 429) Aufhciren der besondern Herrschaftsstellung <les Menschen 
Jesus. Ja, es lafit sich niclit leugnen, dafi diese an i.Kor. 15.28 angelehnten 
Gedanken innerlich zusamniengehoren mit den fiber die oikonomia disponents 
unitaiern in trinitatem (Tertcxman, adv. Praxeam 2). Die Synodalen von Sardica 
kannten diese Lehre Marcells. Wer dies nicht schon daraus herleiten will, dafi 
sie Marcells Buch gelesen batten (vgl. oben S.28), der braucht, urn sich davon 
zu iiberzeugen, nur zu horen, mit welch diplomatischer Klugheit sie Marcell 
verteidigen: oVTe tap And thc ahac Mapiac. toe aytoi (scil. 01 nep) Gyc^bion) 

AlABEBAKbCANTO, APXHN 6AIA0Y TU 6C0Y AOTU. OYTC T^AOC £xeiN Th(N BACIA€IAN AYTOY . . . 

ferPAYe (p. 78, 13 ft'. ed. Reading)! Das war richtig, denn der anapxoc a6toc 
behalt nach Marcell stets — auch dann, wenn er wieder in Gott ist — 
seine gottliche Herrschaftsstellung (Fragm. 1 17 104 p. 210. 2^): aber es war 
sehr »klug« gesagt. denn von dem tw a6t(j cNWAeic ANepconoc gait nach 
Marcell, was die Eusebianer ihm vorwarfen. Auch ihr eignes Bekenntnis 
haben die Sardicenser mit gleicher Klugheit fonuuliert: der oytoc. von dem 
sie bekennen, dafi seine Herrschaft keiner zeitlichen Begrenzung unterliege 
(Z. 48 f.), ist der yi6c, der mit dem Vater in der Einheit der yfioctacic steht. 
Darf man aus dieser Stellung zu .Marcell und aus dieser klugen Formulierung 
des Bekenntnisses scldiefien, dafi auch die Abendlander von Sardica noch 
die alten Traditionen von dem Wiederaufgehen der tpiac in der Einheit 
Gottes festhielten? Gewifi nichr von alien wird man dies annehmen 
durfen; es hat zu alien Zeiten Theologen gegeben. welche die auf sie ge- 
kommenen Traditionen nicht durchdaehten. Phoebadius und Gregor von 
Illiberis z. B. haben in der Tat diese Gedanken vielleicht niclit gehabt, 
jedenfalls sie nicht verraten. Doch dafi einige der fiihrenden Abendlander in 
Sardica noch in diesen alten Traditionen standen, kann man meines Er- 
achtens mit Sicherheit behaupten. Denn diese Traditionen lebten im Ahend- 
lande noch in dem Menschenalter nach der Synode von Sardica. Marius 
Victorini s ist von ihnen erreicht und hat sie in seiner Weise verarheitet : 
Phil.-hist. Klasse. 1909. Abh. I. •"> 



3 4 Looks: 

evacuatis enim omnibus, sagt er.(adc. Ar. i, 39 p. 1070D), requiescit actica potentia 
(d. i. dor aotoc) c/ w«7 m ?jpso rf^o secundum quod est esse et secundum quod 
est quiescere, in aids autem spirituatiter secundum suam el potentiam et subslantiam, 
et hoc est »ut sit dens omnia in omnibus «, non enim omnia in unoquoque, sed 
deo existente in omnibus; et ideo omnia erit deus, quod omnia erunt deo plena 
(vgl. 36 f. p. io68f.). Und dafi Victorin hier in der Tat altere, in seiner Zeit 
noch lebende, nicht von ilun nur ausgegrabene Traditionen verarbeitet hat, 
beweist der Umstand, daG dieselben Traditionen in seltener Scharfe bei Zeno 
von Verona uns entgegentreten. Er stellt (lib. II tract. 6, Migne, ser. lal. XI, 
402 ff.) 1. Ivor. 15, 24 ft*. zusammen mit Luc. 1.32 (regni ejus non erit finis) 
und Sap. 3, 4 ft". (reynabit dominus eorum in perpetuum) und sagt dann 
(3 j». 405 A B): quid hoc est? si in perpetuum regnut, Paulus err av it; si tradi- 
tnrus est regnum, isti mentiuntur. absit! nullus hie error _, diversitas nulla est. 
Paulus enim de hominis assumpti temporali loculus est regno . . . ., hi 
autem ad principalem vim retulerunt, in cujus perpetuitate commanens in aetemum, 
a patre filius regnum nee accepit aliquando, nee posuit; semper enim cum ipso 
regnavit. Nicht minder beweisend ist die ungeheuere Vorsicht und ge- 
winnende Zuriickhaltung, mit der Hii.arius (de trin. 11, 2 1 ff . p. 414 f.), 
wissend, dafi sehr viele (plerique c. 21) anders dachten als er, seine kiinst- 
liclie Erklarung von 1 . Kor. 15, 24 ff. vortragt. Wenn er sagt: si qui ergo 
profundam hanc arcanae scientiae dispensationem aider intellexerunt et per nos 
rectum aliquid et probabile afferetur, non pudeat eos secundum apostolum (Philipp. 
3,15) per revelationem del sapere perfecte, neque magis ament veritatem nescisse, 
quam oderint permansisse non veris (c. 24 p. 416B), so wird man meines Er- 
achtens nicht verkennen konnen, dafi die Andersdenkenden, um deren Zu- 
stimmung so geworben wird, nur Parteigenossen gewesen sein konnen. 
Ja, durch die eigne Erklarung des Hilarius — nos conformes gloriae corporis 
sui facti regnum dei erimus: non enim ait »tradet suum regnum*, sed -»tradet 
regnum*, .... nos itaque tradet in regnum (c. 39 p. 424 B) — klingen die alten 
Traditionen hindurch. — ¥,s verrat sicli also im Sardicense durch die Gleich- 
setzung von aotoc und nNe?MA das bei Marcell wie im Abendlande der Zeit 
zu konstatierende Andauern alter ungebrochener okonomisch-triniterischer 
oder strong monotheistisch-trinitarischer Anschauungen. 

Zu S.53 — 55 kai toyto oy n^noNeeN kta.]. Audi hier sind's alte Tra- 
ditionen, die sich geltend machen. Im Orient klingen sie bei Marcell, 
der nach Fragm. 73/64 p. 199, 7 11*. sie gekannj und jedenfalls teilweise 



Das Glaubensbekenntnis der Homousianer con Sordico. 35 

gebilligt hat, minder deutlich uns entgegen als bei dem andern uns leidlicli 
bekannten orientalisclien Altnicaner, Eustatbius von Antiochien (vgl. meine 
Dogmengesch. S. 262 und oben S. 15). Im Okzident herrschten sie noch 
bei alien echten Okzidentalen in eben der Form, in der sie bei Tertullian 
nacliweisbar sind : adeo saloa est utriusque proprietas substantia?; ut et spiritus 
res sua segerit in illo, id est virtutes ... et vara passiones suas funcla sit . . . 
denique et moriua (ode. Prax. 27 p. 282, iff.); sufjlcit nihil spiritum dei passum 
esse suo nomine (ibid. 29 p. 286, 2 if.); haec vox (Matth. 27, 46) vox carn'is el 
animae, i.e. hominis, non sermonis nee spiritus (ibid. 30 p. 287, 121*.). Dafi 
selbst bei Amurosius und Augustin diese niton Traditionen noch gelegent- 
lich in die Ilolie kommen, ist bekannt (vgl. meine Dogmengesch. S. 2861'.). 
Hilarius und Victorin bieten sie gleichfalls nur durchkreuzt von anders- 
artigen; aber sie bieten sie docli gelegentlich: clamor ad deuiu (Matth. 27, 46) 
corporis (NB. nicht: hominis) vox est recedentis a se verbi dei contestata dissi- 
diuin, sagt Hilariis (in Matth. 3$, 6 p. 1074!'.; 31, 3 p. 1067 A geht das 
^spiritus passio cum corporis passione* vielleicht auf den menschlichen 
Geist Jesu): und Victorin schreibt adv. Ar. 1, 14 p. 1048C: non est intelligere 
quod paler passus est, neque inim ipse (scil. a6toc). sed ho/no ejus. In ur- 
sprungliehcr Kraft alter linden wir die alten Traditionen bei Phoebadius und, 
wo er nicht griechischen Vorbildern folgt, bei Gregor von Illiberis. Phoe- 
badius schreibt r. Ar. 4 p. 16B: duces caeci! . . . non distinguentes dominicae 
potentiae dup/icem statum in sua unumquemque proprielate distantem. et quidquid 
de ho mine ejus dictum est. deo applicatis. id ipse deus homini imbecilUtate societur 
und in c. 5 p. 16, wo Tertulmans spiritus res suas regit et caro passionibus suis 
functa est ubcrnoinmen ist. lieiBt es am Schlulo: ideo autem passibilem volunt 
dici, ne et impassibil'is credalur. Kndlicli wiederholt Phoebadius c. 18 p. 26 I) 
Tertulmans scimus enim nihil spiritum dei passum. dumiaxat suo nomine, quia 
irnpassibi/is deus, und sagt in fast wortlichem AnschluG an das, wie ich 
glaube, ihm bekannte Sardicense: non ergo passibilis dei spiritus. licet in homine 
suo passus (il>. 18 p. 27 A). Gregor von Illiberis spricht die gleichen An- 
schauungen fast mit den Worten des Sardicense aus, das ihm zweifel- 
los bekannt war (vgl. die Anm. zu Z. 55 ff.): quern (scil. Christum) etsi 
passum credimus et sepultum , non ipse spiritus oder dgl. mufi feblen). sed 
homo ille passus est. quern Jilius del suscepit, quern induitj quern portarit; . . . 
nam constat immortale esse, quod dei est, hominis quod caducum (de fide 8 
p. 48 CD). 



3fi Loofs: 

Zu Z. 55 — 58]. Diesen Abschnitt hat Gkkgorius von Illiberis {de fide 8 
p. 48 f.) last wortlich zitiert: tertia quoque die resurrexit, non deus in liomine, 
set! homo polius in deo (so statt des in deum der Ausgaben der cod. Nov., 
Spicilegium Cusinense I. 1888 p. 24b), ascendit in coelos, obtulit patri mo ho- 
minem ilium gratissimum munus. consedit ad dexter am pair is .... exinde praefinilo 
tempore venturus, vivos mortuosque judicature. Hatten diese Gedanken nur 
hei den spateren Antiochenern Parallelen, so konnte man verkennen, daB 
audi sie auf alter Tradition rulien. Docb schon Kistatiiiis von Antiochien 
sagt: ANepunoc toy Xpictoy, ek NeKPioN ereiPOweNoc. yyoytai kai aosazgtai (Mignk, 
ser. yraec. XVIII, 685 C), und im Abendlande werden einzelne der an dieser 
Stelle des Sardicense ausgesprochenen Gedanken noch spater laut: interpellare 
dicitur. dum semper patri hominem, quern suscepil, quasi nostrum pignus ostendit, 
sagt Pet.agius (zu Rom. 8, 34, Migne, ser. /at. XXX, 685 1)), und bei Pacian (serrno 
de hapt. 3, Migne, ser. /at. XIII, 109 1 15) finden wir: C'hristus adceniens hominemi/ue 
susc.ipiens ipsum ilium hominem de potestafe peccati purum et innocentem deo primus 
exhibuit. — Zu dem absolut gebrauchten HAeYeepcoceN in Z. 57 vgl. Joh. 8, 
32. 36; Gal. 5, 1: Victokinus, ado. Ar. 3, 3 p. 1101: assumptus ergo homo 
lotus, et assumptus el liberatus est; Zi:\o, lib. 2, tract. 11,4. Migne. ser. lot. 11, 
425: in passione Christ i. quod per Adam deliquerat, per Christum libera tur. 
Der Zusatz eK thc amaptiac kai thc «6opac in yA 2 DP ist wahrscheinlich von 
einem gedankenlosen Leser gemacht (doch vgl. die oben angefuhrte Stelle 
aus Pacian). 

Zu 12 Z. 58- 6 7 J. Eine ahnliche Erorterung iiber Job. 17. 21 gibt 
Hilaeius de trin. 8. 1 1 p. 243. - Am SchluB ist der Text des Sardicense 
vvieder nicht sicher. Ich habe in Z. 66 nach t. wo f'reilich das ut nach 
et steht. das i'na eingefiigt, weil die Konstruktion dann geschlossener wird. 
Wer diese Einfugung gutbeiBt, muB auch die dem Sinne nach gewiB 
empi'ehlenswerte Anderung des th nicTei. th omoaoha in th nicTecoc bwOAoriA 
liilligen, obwobl die handschrii'tliche Bezeugung dieser Lesart zu wiinschen 
iibriglafit. 



Das Glaidwnsbekenntnix der Homousianer von Sardica. 37 

DaG dies Sardicensc ein » unzweideutiger Ausdruck der abendlandischen 
Anschauung in der Sache« ist (Hahnack, Dogmengescli. IP S. 238 Anin.i), 
werden meine Anmerkungen bestatigt haben. 

Aber darin gelit die dogmengeschichtliche Bedeutung des Bekenntnisses 
nicht auf. Es ist mehr als ein Ausdruck der abendlandischen Vorstellungen 
urn 343. Die in ihm uns entgegentretende weitgehende Ubereinstimmung 
der abendlandischen Traditionen mit den llberlieferungen, in denen 
Marcell von Ancyra stand, wirf't auf* die gauze altere Dogmengeschichte ein 
sehr lehrreiches Licht. Und in diesem Lichte wird ineines Erachtens (vgi. 
schon Sitzungsber. 1902 S. 781) erkennbar, dafi vor den in dem pluralisti- 
schen Monotheismus der Apologeten wurzelnden Vorstellungen von einer 
ewigen guttliclien Dreiheit, die durcli den EinllulS des Origenes und des 
Neuplatonismus zur Herrsehaft in der Kirche kamen, und vor der aus der 
Vulgarfrommigkeit geborenen, von den ganzen und halben Arianern ge- 
teilten mythischen Auf'fassung der gncapkwcic toy a6toy eine Anschauung 
in der Kirche weite Geltung hatte, deren » okonomisch-trinitarische « G-e- 
danken zum Monotheismus, deren Vorstellungen von dem geschichtlichen 
Christus zu einem wahrhaft menschlichen I.eben Jesu besser pafSten. als 
es die » orthodox « gewordene Lehrweise tut. 

Ja, audi darin erschopft sich die dogmengeschichtliche Bedeutung 
des Sardicense noch nicht. Es beweist auch dies, dalS diese altere An- 
schauung nocli 343 als die orthodoxe, ja als die (lurch das Nicaenum 
approbierte sich ansah. Denn das Sardicense vvollte eine authentischc 
Erklarung des Nicaenum sein. Und es war in der Tat nichts Geringeres. 
Schon die Rolle, die Hosius, Marcell und Kustathius von Antiochien in 
Nicaa gespielt haben, rechtfertigt dies Urteil. Es kann aber audi durch ein 
sehr bedeutsames Zeugnis gestiitzt werden, das ineines Wissens in diesem 
Sinne noch nicht verwertet ist. Ei.sf.h von Casarea berichtet in seinem 
noch in Nicaa geschriebenen Brief'e an seine Gemeinde von Kaiser Kon- 
siantin. dessen EinllulS auf den (Jang der Dinge in Nicaa anerkannt ist: 

(\AH && b eeOOIA^CTATOC HMUN BACIAGYC TO) AOTO) KATeCKGYAZe KAI KATA THN 

eNeeoN ayto? r^NNHCiN t6 np6 itantcon aiconcon gTnai ayton ' enei kai nprn 
eNepreiA reNNHefiNAi, aynamgi hn gn tu nATPi XreNNHTcoc, ontoc toy 
nATp6c Xei nATp6c (Theodoret, h. e. l, I 2, 1 7 ed. Gaisford p. 69). Diese kaiser- 
liche Ausfuhrung pafit genau zu der Deutung, die das Sardicense dem Ni- 
caenum hat zuteil werden lassen! Da IS das Nicaenum die Anschauung der 



38 Loofs: 

Origenistischen Recliten, soweit sie (wie die Alexandriner) das 6moo*cioc 
zu akzeptieren geneigt war, niclit ausschliefien wollte, ist freilich zweifel- 
los (vgl. meine Dogmengesch. S. 242). Aber geboren sind seine Forraeln 
aus den abendlandischen Traditionen, die denen, welche Marcell und 
Eustathius erreicht batten, ursprungsverwandt waren. 

Das Sardicense ist das erste und letzte offizielle Daseinszeugnis dieser 
bald veralteten » Orthodoxies. Dafi es niclit ganz obne Wirkung geblieben 
ist im Abendlande, beweisen Plioebadius und Gregor von Illiberis. Aber 
selbst diese Tlieologen benutzen das Bekenntnis nur stillscbweigend. Atha- 
nasius, der scliwerlich je von dem Bekenntnis erbaut gewesen ist, bat es 
spater verleugnet (vgl. Tlieol. Studien und Kritiken 1909 S. 291 f.); und 
die grazisierenden Okzidentalen, welclie die Flut der Origenistischen Tradi- 
tionen in das Abendland hineinleiteten, haben — nocb bereitwilliger als 
Euseb von Vercelli 362 in Alexandria (vgl. Studien und Kritiken a. a. O. 
S. 292) — es aufgegeben. Hilarius, der das Bekenntnis gekannt haben 
mufi, erwahnt es nirgends, wahrend er die sardicensische Formel der Kuse- 
bianer in de synodis 12, 33 f. p. 506 f. wohlwollend zur Sprache bringt(!); 
er gibt (Fraym. 2 p. 632!?.) die epishda synodalis der Homousianer von Sar- 
dica wie Athanasius (apo/. r. Ar. 44ft'., Migne XXV, 324ft'.) obne diesen 
iliren Schlufi. Audi Marius Victorious gedenkt des Sardicense nicht, be- 
ruft sicb nur auf das Nicaenum (adc. Ar. 1, 28 p. 1061 B; 2, 9 p. 1095!'.; 
2, 12 p. 1098B). Wold aber haben diese beiden altesten der grazisierenden 
Tlieologen des Westens fruher als der offizielle Okzident von der Bundes- 
genossenschaft mit Marcell sicb zuriickgezogen. Marius Victorinus stellt 
ilin nielirf'acli mit Photin zusammen (adv. Ar. 1 , 2 2 p. 1 056 A; 1 , 28 p. 106 1 C; 
1, 45 p. 1075B) und charakterisiert seine Anschauung in wesentlicher Uber- 
einstimmung mit Marcells orientalischen Gegnern als eine »Haresie«, quae 
a Maria dicit coepisse Christum . . . vel non ipsum aoton induisse carnem, sed 
assumpsisse hominem, ut eum ipse a6toc regeret {ib. 2, 2 p. 1089D). Und Hilarius 
sagt (de trin. 7. 3 p. 20 1 B), versteckter zwar, aber docb unmifiverstandlich : 
in/pie multos ad unius dei professionem Galatia nutrint. 

DaG diese Loslosung der Abendlander von den alteren orthodoxen 
Traditionen sich niclit obne Schwierigkeiten und nicht obne Verhandlungen 
vollzogen hat, ist mit Sicherheit anzunehmen. Aber wir wissen von diesem 
Prozesse, wenigstens von seinen wichtigsten, in die funfziger und sechziger 
Jahre fallenden Phasen, nichts. Das Scbicksal der orthodoxen Beschliisse 



Das Glaubembekenntnis der Homousiamr von Sardica. 39 

von Sardica in den nachsten 20 Jahren nach 343 ist uns — auch fur die 
Beurteilung der Kanones will das beherzigt sein — ganz unbekannt. Sollte 
es nicht nur einer Konstruktion der Unwissenheit, sondern richtiger abend- 
ljindischer Tradition entstainnien. wenn Sulpicius Severus sagt: rutcti Arriani 
istiusmodi occasionem (scil. an der, wie Sulpicius meint, h are ti sell en Lehre 
Marcells) conspirant penitus Sordirensis synodi decreta subvertere (chron. 2, 37, 2 
ed. Halm p. 90, i8f.)? 



Nordionische Steine. 

Mit Beitrageii von Dr. Paul Jacobsthal. 
Herausgegeben 

von 

IT ULRICJI VON \Y1LAM0WLTZ-M( OLLENDORFF 



P/al.-hist. Klasse. 190!). Abh.il. 



Vorgelegt in der Gesamtsitzung am 10. Juni 1909. 
Zum Druck eingereicht am gleichen Tage, ausgegeben am 20. August 1909. 



Uie Reise nach Chios mid Erytlirai, fiber deren Hauptergebnisse Hr. Dr. 
Jacobstlial im folgenden bis S. 24 selbst berichtet, ist von mir angeregt 
worden, um das Material fur Faszikel 6 des zwolften Bandes unserer In- 
scriptiones Graecae zu vermehren, der die beiden eigentlich zu Asien ge- 
horigen Inseln Samos und Chios mit Dependenzen umfassen soil. In Chios 
war das Gymnasium unzuganglich ; dieser unertragliche Zustand wird sich 
hoffentlich andern, seitdem die Inschriften in der Aghna XX unzureichend 
publiziert sind 1 . Sonst fand sich nicht viel, was unmittelbare Veroftent- 
lichung verdiente, aber das Kopf'stiick einer Gesetzespyramide solonischer 
Zeit, das ich auf Tafel II abbilde, lohnt alle Muhen und Kosten reich- 
lich: ohne die Dazwisclienkunft Hrn. Jacobsthals wiirde der Stein vor- 
aussichtlich, wie so viele andere, zugrunde gegangen sein. 

Der Besuch von Erytlirai war nicht nur darum angezeigt, weil viele 
Steine, die in Chios auftauchen, von dort stammen, was sich hier an N. 5 
wieder gezeigt hat, sondern weil ein so uberaus ergiebiger und fur die 
Funde verhangnisvoller Boden, der von der HeerstraBe abliegt, moglichst 
hiiufig besucht werden miifi; denn was nicht in den Kunsthandel nach 
Smyrna konnnt, geht zugrunde, und es gilt die Gewinnsucht der Bauern 
zugleich anzustacheln und zu ziigeln. Die unwirtliche Mimashalbinsel ist 
ungenugend bekannt, das Alexanderheiligtum (Strabon 644) immer noch 
nicht fixiert. Fiir Erytlirai selbst, dessen imponierende Burg die Vignette 
nach einer Pbotographie von Hrn. Jacobstlial zeigt, besitzen wir wenigstens 
die Planskizze von G. Weber, Ath. Mitteil. XXVI, Taf. V, die in dem reich- 
haltigen Artikel Erytlirai von A. Biirchner in Pauly-Wissowas Real- 
enzyklojjjidie wiederholt ist. 



1 Vgl. dariiber B. Haussoullier, Rev. de jiliil. XXXIII 9. 



4 VON WlL AMO WITZ-Mo ELLENDORFF : 

Wir veroff'entlichen aus Erythrai nur das Mitteilenswiirdigste; anderes 
kann bis auf eine zusammenfassende Arbeit warten; gem heben wir es 
fur die Tituli Asiae minoris des osterreichischen Institutes auf: koina tA 
tun *iao)n. Die Abklatsche und Photographien, die Hr. Jacobsthal mit- 
gebracht hat, haben mir erlaubt, alles genau nachzuarbeiten und vielfach 
weiterzukommen. Daher habe ich viele Urkunden selbst bearbeitet, und 
aucli sonst kreuzen sich unsere Beitrage, was ich nach Moglichkeit be- 
zeichne. Da die Uberlieferung mit aller erreichbaren Sicherbeit festgestellt 
werden konnte, die Abklatsche aber in unserem Archive fiir die Kontrolle 
der Mitforscher bereitliegen, konnte die Publikation sich kurz fassen. Die 
Miihe der Entziff'erung hat der Bearbeiter getragen: der Leser soil den 
Text lesen, nicht den Stein. Was macht es denn fiir einen Unterschied, 
ob eine Urkunde auf Stein oder Papyrus oder Pergament iiberliefert ist? 
Ich habe an Editiones principes von Texten aller dieser Uberlieferungen ge- 
arbeitet; nicht die Spezialisten, sondern die Philologen haben zu entscheiden, 
die aus Theorie und Praxis wissen, daB die Wege sich nach dem Ziele 
richten sollen. Die Aufgabe des Herausgebers ist, alles zu tun, damit er 
die Uberlieferung feststelle, und seine Leser iiber diese und die Grenzen 
der Zuverlassigkeit zu unterrichten. Wer aber an dieser Feststellung weiter- 
arbeiten will, der muB auf den Stein oder Papyrus genau so zuri'ickgehen, 
wie es seit langer Zeit bei einer mittelalterlichen Handschrift gefordert 
wird. Aber neunundneunzig von liundert hesern wollen und konnen nur 
auf dem Boden des Textes bleiben, der i linen geboten ist. Fiir die archro- 
logia fiyurata kann ich mir wenigstens denken, daB man die Abbildung jedes 
Stiickes wiinscht; die Ubertragung dieses Prinzipes auf die beschriebenen 
Steine, die von Archaologen aufgebracht ist, triigt starke Mitschuld daran, 
daB die inschriftlich erhaltenen Urkunden so viel weniger gelesen werden als 
sie sollten. Freilich haben aucli die Epigraphiker im Faksimilieren von wert- 
losen Krakelfufien das Unmenschliche geleistet. GewiG, gilt es die Weih- 
geschenke von der Burg Athens oder von Olympia, an denen die Inschrift 
nur ein Teil des Monumentes ist, so soil das Monument publiziert werden; 
die Inschriftsammlung mag von ihm reproduzieren und exzerpieren, was sie 
nicht entbehren kann: das Monument im ganzen sprengt ihren Rahmen. 
Aber die unvergleichlich wichtigsten Urkiinden sind Steinkopien von Akten- 
stiicken der Archive. Auf diese kommt es an; um sie zu lesen, mufi man 
die Steinschrift und ihre Geschichte kennen, die ein Teil der allgemeinen 



Nordionische, Steine. 5 

Schriftgeschichte ist: diese darzustellen , ist eine dringende Forderung 
der Wissenschaft. Jeden Stein abzubilden ist so unsinnig, wie es die 
Faksimilierung jedes Papyrus ware. Der Typendruck in Majuskel ist eine 
Tauschung; das wissen die Sachverstandigen. Aber auch die Scliriftprobe 
in Photograph ie bringt nicht den Nutzen, den auch icli von ihr erhofft 
hatte, und verteuert unverhaltnismafiig. Natiirlich darf man nicht in den 
Radikalismus der Pedanten verfallen, sondern muB in jedein Falle das Ziel 
ins Auge fassen. Ein Stuck wie der kypbic von Chios verlangt eine mecha- 
nische Reproduktion ; fi'ir den Paan an Asklepios, dessen Umschrift die 
Zeilen des Originals aufgeben nniG, war Majuskeldruck das kiirzeste: er tut 
ja nicht so, als gabc er die originalen Schriftformen. Aber in der Kegel 
reicht die Minuskel bin; sie liefern zu konnen, babe ich keine Miihe des 
Lesens gesclieut, so widerwiirtig sie mil" wurde. Da trcnnen wir freilich 
die Worter und tun Lesezeichen von uns hinzu; manchmal bleiben selbst, 
die besser fort (N. 19. 20): dafi all das unverbindliche Zutat ist, iin Homer 
und Sophokles, iin Neuen Testamente und im Nonnos nicht minder als 
bier, muS nachgerade jeder Leser wissen. Will er an der Kritik mittun, 
so inufi er es aucb im Homer und Sophokles fortdenken. Die Zutaten 
sollen das Lesen erleichtern; also Spielereien, wie die Einfuhrung der Psilose, 
sind zwecklos oder vielmehr verwirrend: wie kann man einen ionischen Text 
init ihr ausstatten und einen hellenistisch-attischen desselben Ortes nicht? 
Aber Buchstaben durfen nicht wie Akzente zugesetzt oder vertauscht werden: 
die Gottinger Dialektinschriften storen dadurch gerade das grammatische 
VersUindnis, dem sie einseitig dienen wollen. Der Leser soil lesen was 
der Schreiber schrieb und verstehen was der Vcrl'asser ineintc; beides soil 
man ihm so be<|uem zubihren wie mdglich. 

Hr. Tli. VViegand hat mir freundliclist wahrend der letzten Jalire in 
Absclirift und vorzuglichen Abklatschen eine Anzahl schoner Steine zuge- 
stellt, die zum Teil nun iin Berliner Museum sind, wo ich sie verglichen 
babe. Endlich schien sich eine altionische (nschrift von Halone bei Kyzikos 
bier gut anzureihen, deren Abklatsch Urn. K. W. Hasluck verdankt wird. 

6. Juni 1909. Ulricli von Wilamowitz-Moellendorff, 




1 1 . v I Hi *•',''* v i I IHm 

Fig. 1. Die Burg von Erytlirai. 



Bericht von Dr. Paul Jacobsthal. 

Im Auftrage der Epigraph ischen Kommission der Akademie der Wissen- 
schaften habe ich im April und Mai 1907 Chios und Erytlirai besucht und 
im August mit einer Unterstiitzung der Athenischen Abteilung des Kaiser- 
lich Deutschen Archaologischen Instituts noch einmal die nepAiA von Chios, 
vor allem die Mimashalbinsel bereist. Die Wege wurden mir durch Emp- 
fehhingssehreiben des Kaiserlich Ottomanischen Gesandten in Athen, Rifaat- 
Bei, sowie durch die notigen Verfugungen des Wali des Wilajets Aidin an 
die lokalen Behorden geebnet. In Chios erf'reute ich mich der wirksamen 
Unterstiitzung des Mutessarif Hussein-Bei und des Kaiserlich Deutschen 
Vizekonsuls Hrn. Dr. Ornstein. Stets stand mir der Gymnasiarch Hr. 
N. Pappadakis, korrespondierendes Mitglied unseres Athener Instituts, 
freundschaftlich mit Rat und Tat zur Seite. Allen diesen sei hier offent- 
lich der schuldige Dank gesagt. Chios erwies sich im ganzen wiederum 
unergiebig. Hingegen spcndet der Boden von Erytlirai Steine in reichstem 
Mai3e, von denen die meisten, soweit sie nicht in den Kunsthandel nach 
Smyrna kommen, verbaut oder zerschlagen zugrunde gehen. Eine Ver- 
einigung der Inschriften in der Schule, die ich anzuregen suchte, scheiterte 
an dem Parteiwesen im Dorf'e und eben audi daran, da!3 die Bauern durch 
die Nahe Smyrnas und die haungen Besuche der Kunsthandler zu genau 



von Wilamowitz-Moellendorff: Nordionische Sterne. 7 

wissen, dafi Inschriften Handclsobjekte sind. Mancher der hier publizierten 
Steine wird der Selbstlosigkeit und dem Interesse des KunctantTnoc Apim- 
n^THc verdankt. 

Skulpturen. 
Relief aus groBkristallinischem parischem Manner in Chios (Taf. I, i). 
Rechts vollstandig, an alien anderen Seiten gebrochen. H. 0.19 m, Br. 
O.16 m, T. 0.08 m. Die obere Abschlufillache des Steines ist nirgends 
erhalten. Die Zapfenlocher fur das Mittel- und das rechte Seitenakroterion 
sind erhalten. Die ursprungliche Gesamtbreite des Reliefs berechnet sich 
folgendermaBen : Z. 1: von 1 zu 1 0.027 m > Br. des A 0.006 in. Z. 2: Gesamt- 
liinge 0.03 1 m, Br. des r 0.00S m. Bei Annahme der naturlichon Erganzung 

AUAHPI2IKAIYriE]IAI 
KATEPITA]rHN 

betragt unter Beriicksichtigung des leeren Raumes von 0.07 in hinter der 
Inschrift, den wir entsprechend audi davor annehmen, die ursprungliche 
Breite des Steines 7 + 18 + 7 cm = 0.32 m. In der zweiten Zeile bleibt 
nur Raum von acht Buclistal>en fur einen Eigennamen. DaB das Verbum 
des Weihens fortbleibt, ist Stil in den Weiheformeln kat' onap, kat 1 eniTATHN 
usw. Dargestellt ist im Relief ein Pinax (im lichten IT. 0.1 m, Br. 0.09 m) 
auf einer dorischen Saule, deren Kapitell erhalten ist, und auf dem Pinax 
Asklepios und Ilvgieia in zwei beziehungslos nebeneinandergestellten Typen 
praxitelischer Kunstrichtung. Der Asklepios ist im Standmotiv jenem 
Typus gleich, dem Wolters AM. 1892. ill'. Taf. II (Rein ach, Rep.de la 
stat. II, 31, 2) seine kunstgeschichtliche Stellung angewiesen hat, alles im 
Sinn eines Spiegelbildes vertauscht. Eine wesentlichere Abweichung liegt 
in der Art der Bekleidung: die EntbloBung ist hier keine so vollige, in- 
dem der Mantel Schulter und Oberarm auf der Seite des Standbeins deckt. 
Unter den erhaltenen Asklepiosstatuen linde ich, was nicht wundernimmt, 
keine wirkliche Pmtsprechung. Die Gottin hingegen stimmt weitgehend 
iiberein mit der Hygieia der Glyptothek (Furtwangler, Beschr. Nr. 310, 
abgeb. Clarac pi. 556, 11 74. Keplik in Toulouse, abgeb. Reinach, Rep. 
de la stat. II 298, 5), deren Entstehung im Kunstkreis des Praxiteles Furt- 
wangler mit Recht vermutet. Ob die rechte Hand der Gottin auf un- 
serem Belief, wie es nach MaBgabe der Statuen wahrscheinlich ist, eine 
Schlange hielt, ist bei dem zerriebenen Zustand dieser Partie nicht zu sagen. 



8 von Wil a mo witz-Moellendorff: 

Neben dem saulcngetragenen Pinax llifit die berechnete Gesamtbreite 
des Reliefs links nur Raum fiir den aufrechtstehenden Gott. Im iibrigen 
steht cs uns frei, zur Bereicherung der Darstellung und zur nachdriick- 
licheren Charakterisierung des Schauplatzes unten vor dem Saulenschaft 
einen Altar zu erganzen (vgl. Svoronos, Das Athenische Nationalmuseum 
Taf. XXXVIII). 

Kult des Asklepios ist bislang, sowcit ich das Material ubersehe, fiir 
Chios durch den Stein opoc J AcKAHniACTQ>N AM. 1888, 178, 25, saec. IV — III, 
und Kult der Hygieia durch den Hymnos des Likymnios bezeugt, der kaum 
50 Jahre alter ist als unser Relief. Wenn Likymnios singt: AinAPOMMATe 

MATGP YYICTA, 6PONC0N CGMNUN AndAAUNOC BACIAGIA n06£INA, nPAYTGAUC '"YrieiA, 

so weiB er nicbts von einer Verbindung mit Asklepios, und Hygieia ist 
ihm cine matronale Gottheit, »die ein Kiinstler, der ahnlich empfand, in 
der Weise der Eirene des Kepliisodot gebildet haben wurde« (von Wila- 
mowitz, Isyllos S. 193). Wenn wir hier auf unserem Relief niclit sebr 
lange danach neben dem inzwischen aus Attika gekommenen Asklepios 
Hygieia als eine jugendliche Madchengestalt nacb der Weise praxitelischer 
Kunst gebildet linden, so ist das eben ein Beweis dafiir, wie machtig 
bildende Kunst auf die Umgestaltung religioser Vorstellungen und Kulte 
einwirkt 1 . 

In Erytbrai sah ich an Skulptur auBer einigen Grabreiiefs, deren Photo- 
graphien und Beschreibung ich an Hrn. Pfuhl abgab, ein ansehnliches 
Fragment eines iiberlebensgrofien, schreitenden Lowen aus Marmor, guter 
Arbeit, wenn auch in traurig zerbrochenem und abgeriebenem Zustand. 
Erhalten der Rumpf und die Oberschenkel der Hinterbeine, der rechte vor- 
schreitend, der linke zuriickgesetzt. Der Torso lag sudlich des Aleon auf 
dem Grundstiick des Ahmhtpioc Antconioy NTkoc. Dicht bei dem Lowen sehr 
sorgfaltig gearbeitete Blocke von Basen, der eine mit Versatzmarke B und 
T; ein anderer mit feiner Profilierung zeigt auf der Oberseite zwei Diibel- 
und zwei Klammerlocher, zwischen den Dubellochern in kuisiven Schrift- 
formen epooc, Name des Steinmetzen oder allenfalls eine Anweisung fiir den 
Arbeiter, an dieser Stelle der Basis die Statue eines Eros zu versetzen. 



1 Sielie A. Kortes Ausfiihrungen in AIM. 1893, 253 iiber die analogen Yorgange in 
Rlianmus und Oropos, wo Hygieia nur unter dem Einflufi der athenisclien Weihreliefs an 
die Seite des Amphiaraos tritt, weil der athenische Steinmetz neben dem Heilgott auch die 
hilfreiche Gottin anbringen wollte, die er mit ihm zu verbinden gewohnt war. 



NordioniscJie Steine. 9 

Ferner zwei Exemplare des bekannten kleinasiatischen archaischen 
Typus einer in einem Naiskos thronenden Gottin. Beide aus einheimischem 
Trachyt, das eine auf der Akropolis vor Hagia Matrona, H. 0.49 in, Br. 
0.32 m, T. 0.35 m, sehr verwittert, neuerdings ancli noch geweifit, das 
andere iiber der Tur von Hagios Pantelemon verbaut. Ungefahre H. 0.37 m, 
Br. 0.24 in. Bisher ist der Typus an folgenden Orten belegt: Klazomenai 
(Louvre), Arch. Anz. 1899, 14, 43; Marseille, d. h. Phokaia, Conze, 
Arch. Anz. 1866, Taf. B zu S. 303. Jetzt ist die ganze Serie beschrieben 
und abgebildet von Esperandieu, Kecueil gen. d. bas-rel. d. 1. Gaule 
Romaine Nr.46; Kvme, Reinach, BCH. 1889, Taf. 8, S. 545. Aus dem 
italischen Kvme wird ein Exemplar stammen, das kiirzlich oline Angabe 
einer Provenienz aus den Kellern des Neapeler Museums hervorgezogen 
wurde. Amorgos (?) Arch. Anz. 1898, 53 und Osterr. Jahresh. 1899, 200. 
(Den Hinweis auf dieses Stiick verdanke icli einer freundlichen Mitteilung 
von P. Wolters.) Wenn Reinach a. a. 0. einige dieser Darstellungen als 
Kybele bezeichnet, so mag das fur alle die Falle, wo ein Attribut die Gottin 
deutlich erweist, und audi fiir die eine oder die andere Darstellung gleichen 
Fundortes richtig sein. Wir haben aber nicht das Recht, von vornherein 
allerorten dieser einfachsten Darstellung einer sitzenden Frau in einem 
Naiskos dieselbe Bedeutung zuzusprechen, und es ware vorschnell, die 
Erythraischen Exemplare fiir Kybeledarstellungen auszugeben. 

Grabsteine. 

Es seien aus der Menge der Grabsteine, die ich in Erythrai sah, nur 
die herausgehoben, die durch Inhalt, Fundort oder Form ein Interesse bieten. 

1. In Reisdere sah ich den von Lithri verschleppten Grabstein des 
AnoAA6AOToc TTAPMeNONTOc mit dem Psephisma des Koinon tun j Iconun von 
Hiller von Gartringen, Inschr. v. Priene 536 nach der unzureichenden 
Publikation Fontriers abgedruckt. Marmorstele, oben gebrochen, nahe 
der Bruchstelle undeutliche Spuren von Relief, vielleicht von einem Kranz 
herruhrend 1 . II. 0.81 m, Br. 0.525 in, B. II. 0.012 — 0.018 m, Zeit: erste 
Halfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. In Z. 2 gibt der griechische Ileraus- 
geber 9ewpoAOKOYNTu>N enoii, Wilamowitz bei Hiller vennutet j £py- 

1 Kleinasiatische Belege fiir die Sitte, Tote durch einen Kranz zu eliren s. Wolters, 
Ath. Mitt. 1898, 270, vgl. 1908 432. 

Phil.-hist. Masse, 1909. Abh. II. 2 



10 VON WlL A MO WITZ-MOELLENDORFF : 

gpaioic, was sich mit clem Raum nicht vertragt. Sehr wohl aber entspricht 
den stark verwischten Schriftziigen llYeioic. Die TTaniconia T7y6ia kennen 
wir von milesiscliem Kupfergeld der Salonina: Mionnet, Descr. d. mod. 
Ill, 812, vgl. Head, Corp. numm. S. 505. 

2. Siidlich des Aleon, auf* dem Acker des Anactacioc "Acbgctac Marmor. 
II. 0.385 m, Br. 0.42 m, T. 0.345 m. Auf der Unterseite ein runder Zapfen 
von 0.08 in Durchm., B. II. 0.022 in. Fein eingeritzte Linien zur horizon- 
talen Ausrichtung der Buchstaben. Zeit: erste HSlfte des 4. Jahrhunderts 

v. Chr. (Taf. 1, 2). 

""6cao)no[c ' 

3. Nordlich von Erythrai am Wege nach Moldovan. Kalkstein. 
H. 0.555 m > H. 0.28 m, T. 0.18 m 

""Itwn. 

4. Erythrai. Gefunden auf dem Felde des Ahmhtpioc Mammonhc. Mar- 
mor (?). II. 0.34 m, Br. 0.49 m, T. 0.27 m, B. H. 0.025 m. Ahmhtpioc 
eynoAGMOY. Meine Abschrift reicht nicht aus, um sagen zu konnen, ob 
dieser Ahmhtpioc GynoAeMOY mit dem gleichnamigen Mann in der Miinchener 
Namenliste (Lamprecht Nr. 12, 30) identisch ist oder dessen Grofivater. 

5. und 6. Gefunden im Hinterland von Erythrai bei dem verlassenen 
Kloster des Hagios Johannes. Hier verlafit der Weg, der von Erythrai 
nach Balyklawa und Vurla fiihrt, eine Schlucht, und es offnet sich eine 
kleine, wohlbewasserte Ebene. die zur Siedelung einladet und in der auch 
heute noch die Bauern von Lithri einige gute Weinberge und Acker haben, 
die sie allerdings von Lithri aus bewirtschaften. Langs des Weges liegen 
zahlreiche Graber, die von den Bauern unter Mitwirkung der Smyrnaer 
Kunsthandler ileiBig ausgebeutet werden; ich sah einen hier gefundenen 
t, r oldenen Ohrschmuck, der dem 5. bis 4. Jahrhundert entstammt. Damit 
scheint mir auch die Technik der Mauerziige iibereinzustimmen, die bei 
der Bpycic toy Atioy j Icjannoy, wo sich die erwahnte Schlucht offnet, zutage 
liegen. Besonders kenntlich ist ein langer NNW-SSO verlaufender Mauer- 
zug und ein turmartiger Bau in dem Weinberg des fecopnoc Kapamixaahc. 



1 I Der Name ist an sich merkwiirdig, da £C9a6c zur Namenhildung in der Regel nicht 
verwandt wird; aber auch daB das e ausgestoBen ist, hat Bedeutung: es ist aolisch. Grenfell, 
Greek Pap. (1896) 12 ist das Testament eines Apytwn j £c6Aaaa, und einmal ist Gcaaaac ge- 
schrieben, 39 verso 13. Wil.]. 



Nordionische Steine. 1 1 

Hier haben wir eine der Komen der Erythraer im Binnenlande zu suchen, 
deren wir mehrere aus den attischen Tributlisten mit. Namen kennen (vgl. 
Lamprecht S. 7ff.). Eine andere hat Judeich AM. 1891, 286, mit Wahr- 
scheinlichkeit bei Zeitiinler angesetzt. 

5. Eingebaut in eine Terrassenmauer in dem erwahnten Weinberg des 
Kapamixaahc. Kalkstein. IT. 0.75 m, Br. 0.50 m, T. nicht mefibar, B. IT. 0.02 
und 0.03 m. UnsorgfaTtige Schrift des friihen 4. Jahrhunderts. 

"A*POAICIH At 

Die beiden letzten Buchstaben in groben Ziigen von spaterer Hand. 

6. Nabe dem vorigen auf dem Felde des Iwannhc 4>oyfnapac. Kalk- 
stein. IT. 0.61 m, Br. 0.37 m, T. 0.31 m, Zeit wie Nr. 5. 

- - - NAI 

7. Gefunden bei Tsiguralan, das 1.5 km ostlich von IT. Johannes in 
einer kleineren und weniger begunstigten Ebene liegt. Heute hausen dort 
zehn arme griecbische Bauernfamilien, von den fruheren turkischen Be- 
wohnern zeugt der Name und ein kleines Mesarlik, von der antiken Siede- 
lung die Inschrift, die scbwerlich anderswoher, z. B. von II. Johannes, ver- 
scbleppt sein wird. Aucli hier mag man eine der Komen ansetzen. Uber- 
hau])t schreibt im steinigen Binnenlande der Erythraia die Natur dem 
Menscben die Wohnpliitze so genau vor, dafi die modernen Siedelungen 
ziemlich genau die Statten der antiken bezeichnen werden. Kalkstein. 
H. 0.48 m, Br. 0.28 m, T. 0.265 m > B. IT. 0.02 m. 

Ahmhtpih 

8. Nordlich von Meli an der Kiiste in der eecic Burnutschuk, deren 
genauere Lage dadurch bestimmt ist, dafi der Leuchtturm von Pascha-Adasy 
unter 4 von W auf S erscheint. Kalkstein. IT. 0.45 m, Br. 0.35 m, T. 
0,34 m. Unten Zapfen wie bei Nr. 2. Zeit 4. Jahrhundert v. Chr. 

j Aghnaia[oc. 

Zu diesen Grabsteinen fiige man noch zwei schon fruher bekannte: 
der eine jetzt in der Bauhiitte von H. Matrona, veroffentlicht von Lebas 
et Waddington, Asie Mineure 37 und richtiger BCH. IV, 158, 5 TToeeiNHc 
tpoooy. H. 0.72 m, Br. 0.34 in, T 0.265 m - I^ er andere veroffentlicht von 
Weber, AM. 1901, 118, 5. IT. 0.6 m, Br. 0.5 in, T. 0.46 m. 'Hthcictpato. 

2* 



12 von Wilamowitz-Moei. lendorff: 

Man iiberblicke nunmehr die Mafie all dieser Grabsteine: es fehlt 
vollig die flache Stele. Es sind vielmehr Blocke, deren GrundriB sicb dem 
Quadrat mehr oder minder nahert, deren Holie bald die Breitenausdehnung 
betriichtlich uberragt, so daB sich die Erscheinung einem Pfeiler nahert, 
bald ist die Erstreckung in die Breite groBer als die Holie: dann ist TpArrezA 
eine entsprechende Bezeiclmung. 

Nicht anders liegt es fur Chios. Hier ist die Beobachtung von einer 
gewissen Bedeutung, weil nun die beiden dekorierten Grabsteine Nr. 1 1 
und i6, denen man wegen ihrer Form und Dekoration stets Interesse ent- 
gegengebraclit hat, aus ihrer Vereinzelung treten 1 . 

Das, was AM. 1906, 4i5ff. fur Samos ervviesen worden ist, ist in seiner 
Geltung also auch auf Chios und die Erythraia auszudehnen, nur daB hier 
der sprachliche Ausdruck der Tatsaehe, den ich in dem stehenden Dativ 
der samischen Grabinschriften zu erkennen glaubte, fehlt. Es ist also in 
diesen drei ionischen Landschaften vom 5. bis ins 3. Jahrhundert 2 ein 
Grabstein iiblich, der nach seinen wechselnden Proportionen bald als Grab- 

1 Ich setze die mir bekannten chiischen Grabsteine dieser Form in alphabetischer 
Reihenfolge hierher; die nachgestellten Zahlen geben in Zentimetern Holie. Breite, Tiefe an. 

1. j A««imnhctoc J AnoAAUNiAOY. AM. 1888, 1 78, Nr. 31. 48:46:33. 

2. Acxpoc. Ebendort Nr. 28. 46 : 43 : 43. 

3. Ahm(onaktoc. BCH. Ill, 325, Nr. 19. 20.5:56.5::'. 

4. "GKATAiH Mnhceoc. Ebendort Nr. 15 und SGDI. 5675. 45.5:50.5:43.7. 

5. l £pwea). Ebendort Nr. 13 und SGDI. 5676. 46:47:18. 

6. HPAKAeuoc rToYAYcoNOC. Ebendort Nr. 21 und SGDI. 5677. 30:35::'. 

7. L HponYeoY toy *iaaioy toy Mikkyaoy k.t. a. SGDI. 5656. 50:33:18. InBechtels 
Text fehlt durch ein Versehen hinter InnoTicoNOC toy Gkaoy. Ubrigens ist es kein .Register', 
sondern ein zu Beginn des 5. Jahrhunderts gesetzter sehr beachtenswerter Grabstein eines 
vornehmen Chiers mit 14 Ahnen, die wir keine Veraulassung haben fiir fingiert zu halten. 

8. 9e6A0T0c 4>yicoy [«ypcoy:' Wil.]. AM. 1888, 178 Nr. 30. 37:53:30. 

9. KPATinnoc AHMOKPiTOY. Ebendort Nr. 27. 43:48:22. 

10. AykomAahc J AcTYKAeoc. BCH. III. 325, Nr. 16 und SGDI. 5678. 48:50:36. 

11. Mhtp6aupoc GeoreiTONOc. AM. 1888, 199. 89.5:48:48. 

12. Mhtpoacopoy toy "Opintoy. Ebendort S. 178 Nr. 29. 60:50::'. 

13. riYPeu. BCH. III. 325, Nr. 20 und SGDI. 5680. 42:55:50. 

14. <J>iAeoc. Ebendort Nr. 14 und SGDI. 5681. 47:46:36. 

15. -- SNHIAOC OlKAGOC -- TYNAIK6C. SGDI. 5682. 67:70::'. 

16. Dekorierter Stein, Name fehlt. AM. 1888, 195. 52:32.5:29.5. 

2 Mit Sicherheit lassen sich nur Nr. 11 und 16 der chiischen Steine, die auch schon 
(lurch ihren figiirlichen Sclnnuck eine Sonderstellung einnehmen, dem 3. Jahrhundert zu- 
vveisen. Vgl. Bruckner, AM. 1888,369. Alle ubrigen gehoren ins 5. und 4. Jahrhundert. 



Nordionische Steine. 



18 



altar, bald als Pfeiler zu bezeichnen ist. Die Schmucklosigkeit all dieser 
Steine, das Fehlen selbst der einfacbsten Profilierung ist bei der sorg- 
faltigen Ausfuhrung und bei der erweisbaren Vornehmheit einiger Namen 
so auffallig, dafi ich die Ursacbe nur in beschrankenden Grabgesetzen 
zu erblicken vermag. Unsere Beobachtung erweist sicli von Nutzen zur 
ricbtigen Beurteilung einer verwandten Gattung von Monumenten, der 
Grabpfeiler, deren Existenz Pl'ulil, Arcb. Jahrb. 1905, 70 ff. aus den Dar- 
stellungen der kleinasiatiscb-bellenistiscben Grabreliefs erschlossen hat. Sie 
sind bei einer Hohe von etwa 1.50 m wie schlanke Anten proportioniert 
und profiliert. Von ibnen unterscheiden sicb unsere Grabsteine durcb das 
Fehlen von Profilen, die geringere absolute Hohe — die grofiten erreichen 
kauin 1 m — und die abweichende Proportionierung, indem sie alle denk- 
baren Ubergange zwiscben Trapeza, Altar und Pfeiler durcblaufen. Trotz- 
dem sind sie nicbt voneinander zu trennen, wie denn aucb Pfubl, a. a. 0. 71 
bereits den chiischen Metrodorstein beranzog; nur liegt jetzt kein Zwang 
mebr vor, mit Pf'uhl, dem dieses Material nocb nicbt zu Gebote stand, 
aid kleinasiatische Grabturmbauten als letzte Wurzel der bellenistiscben 
Pfeiler zuriickzugeben, sondern sie erklaren sicb jetzt ungezwungen als 
eine Fortbildung von Ansatzen, die in den kleinasiati- 
schen Grabsteinen der voraufgehenden Jahrhunderte 
geboten waren. 

DaB die altarformigen unter den von uns be- 
bandelten Grabsteinen fur ein richtigcs Verstandnis 
der italiscben archaischen und dam it der romiscben 
Grabaltare wesentlich sind, sei bier nur angedeutet. 

Unter den ervthraischen Grabsteinen der belle- 
nistiscben Epoche verdient eine Gruppe besondere 
Beacbtung, als deren besten Vertreter wir liier die 
sebr sorgfaltig gearbeitete Giebelstele des 'AntaToc 
Mgaantoy abbilden. Marmor H. 0.775 in, Br. 0.25 m, 
B. H. 0.017 111, 2. Jahrhundert v. Chr. 

Genau in der Mittelachse des Steins ist ein auf- 
recbtsteliendes Efeublatt llacb eingetieft, und inner- 
halb des Blattes ein kreisrundes Loch durcb die Stele 

in ilirer ganzen Dicke hindurchgetrieben : es war das Blatt offenbar in 
Bronze eingelegt und zur siclieren Befestigung war in das kreisrunde Loch 



Fig. 2. 




AN TAI O Z ME AAN TO Y f 
XAIPE 



(O) 
T 



14 VON WlL A MO WITZ-MOELLEN D RFF : 

ein Holzkeil getrieben, in den ein Dorn des Blattes eingriff. Ganz ent- 
sprechend gearbeitete Efeublatter auf zwei anderen Stelen, nur mit dem 
Untersclnede, daB das kreisrunde Loch fehlt. Die eine wohl gleicher Zeit 
entstammend 

L GKATAIA 'ApTGMIACOPOY. 

Marmorne Giebelstele H. 0.985 m, Br. 0.41 m, B. II. 0.02 in. Die andere 
schien mir — ich konnte sie nur fliichtig skizzieren — jiinger zu sein 

- - AOIA [x]aTp£ 

H. 0.475 m, Br. 0.27 m. Ebenfalls in diesen Zusammenhang gehort die 
Stele mit AhmhtpIa Monimoy xaTpg, deren Inschrift G.Weber AM. 1901, 
1 18, Nr. 7 veroft'entlicht hat. Auch diese Stele zeigt an der gleichen Stelle 
eine Einarbeitung dreieckiger Gestalt; es laBt sich nicht sagen, was hier 
eingelegt war. 

Technisch bieten zu unseren Stelen die Weihungen an die Artemis 
Orthia aus Sparta mit ihren eingelcgten Bronzesicheln die beste Parallele 
(s. Annual of the British School at Athens 1905/06, S. 358 ff.). Welche 
Bedeutung aber kommt dem Efeublatt zu? Denn der Gedanke, daB wir 
es hier mit einem Interpunktions- oder SchluBzeichen wie auf romischen 
Inschriften zu tun hatten, erscheint mir schon durch die GroBe des Blattes 
und die Stelle, an der es erscheint, ausgeschlossen. Das Efeublatt ist 
gleich dem Efeukranz dionysisches Symbol. Ptolemaios IV. Philopator trug 
am eigenen Leib ein Efeublatt eingeritzt, offenbar aia thn cyrreNeiAN np6c 
ton eeoN, denn Dionysos ist der Archegos des Geschlechts (s. Monum. Adul. 
Dittenb. OGI. 199; AM. 1902, 162). Die alexandrinischen Juden zwang 
er, sich das gleiche Symbol einbrennen zu lassen 1 . So mochte ich in 
dem Efeublatt unserer Grabsteine das Signum der Dionysiasten sehen, die 
die Bestattung vollzogen 2 . Dann sagt das Blatt kurz, was ein attisches 
Grabepigramm (AM. 1892, 272) poetisch so formuliert: 

EKTEPICAN eePAnONTGC AGPCIOPONOC AlONYCOY 
AYTtOI KICCO*OPC0l toyto xapizomgnoi. 



1 Ktymol. Magn. s. v. Taaaoc b <t>iAoriATG)P TTTOAeMA?oc • aia to «yaaoic kiccoy KATecTix- 
6ai uc 01 taaaoi. Die zweite Tatsaclie Makkab. Ill, 2, 29 toytoyc tg AnorPA<>>OMeNOYc xapac- 
ceceAi kai aia nYP6c eic to ccoma hapachmcoi Aionycoy kicco«yaa(oi. Beide Stellen von Wo Iters, 
Hermes 38, 266 angefiihrt und in das rechte Liclit geriickt. 

2 Vgl. iiber das Bestatten durch Kultgenossenschaften Ziebarth, Das grieehische 
Vereinswesen S. 17. 



Nordionische Stp'me. 15 

Oder ein tanagraischer Grabstein in Prosa (IG. VII, 686): oyton eeAYAN 

TY AlUNIOYCIACTH. 

Bei dieser Auffassung ist allerdings zu erwagcn, dafi sich das Symbol 
audi auf Grabsteinen von Frauen findet 1 . 

Auf einen anderen Weg der Erklarung weist G. Loeschcke. Er 
mochte glauben, daS nicht das eingelegte Bronzeblatt selbst, sondern die 
Inschrift darauf die Hauptsache war und dem Bestatteten die Zugehorig- 
keit zu irgendeiner Gemeinschaft bescheinigte. Dafi diese eine dionysische 
war, folge nicht unbedingt aus der Form des Blattes. Loeschcke er- 
innert an die mit £ls:Y<t>0£ beschriebene Tessera in Gestalt eines Blattes, 
die auf der rf. Vase, Munchen 805 (abgeb. Ann. d. Inst. XX tav. d. agg. G) 
Iason dem greisen Konig iibergibt. Ferner zieht er die beiden Hermen 
jugendlicher Barbaren von Welschbillig heran, die an iliren Ilalsketten ein 
hangendes Blatt tragen, ebenso wie eine kleine Bronzebuste des Trierer 
Museums: dies Blatt bescheinige doch auch wold den Tragern, zu welcher 
Familie sie gehoren (Hettner, Die rom. Steindenkmaler d. Provinzialmus. 
zu Trier Nr. 813 und 814). 

Weihungen. 

1. Gefunden auf demselben Grundstiick wie das Psephisma des Apel- 
lias (7) bei der Miihle des Aleon in Krythrai. Basis aus rotlicliem Trachyt, 
unten gebrochen. 36 cm hoch, 44 cm breit und tief. Unter der Deckplatte 
auf alien vier Seiten ionisches Kymation, darunter Peristal). Obenauf 3.5 cm 
tiefe, exakt eingeschnittene Vertiefung von unrcgelmaBig polygonalem Grund- 
rifi zur Einlassung einer Marmorplinthe bestimmt. Schone Buchstaben des 
5. Jahrhunderts. 



1 [Plutarcli, Mor. 6 1 id schreibt an seine Fran, urn sie i'il>er den Verlust eines Tochter- 
chens zu tn'isten : an den gemeinen Trostgrund, dafi die Vernichtiing ini Tode alles Leiden 
(|uittmache, zn glanlien, kqayci ce o nATPioc A6roc ka! ta myctika cymboaa tun nepi ton Aio- 
nycon 6priACMfiN, a CYNiCMeN Xaahaoic oi koinunoyntec. Wit' werdeii mit den dionysischen 
Mysterien rechnen mussen, die in den Bacchanalen Roins eine so hedenkliclie Ausartnng er- 
hielten; anch in der Poesie jener Zeit liabe ich ihre Spuren aut'gezeigt, Ilerin. 34, 635. So 
klar in Krythrai das Epheublatt symbolisch ist, und so sicher es in den gemeinen Inschrift en 
der Kaiserzeit leeres Ornament, schlieLMicli Interpunktion ist, kann das Ornament aus der 
Symbolik stammen. Klien publiziert Rubensohn, Archiv fur Papyrusf. V 164 eine In- 
schrift aus Agypten. Weihung an die Dioskuren aus der Zeit des Augustus .darunter ein 
Kpheublatt-. Wil.] 



V 



16 



von Wil amowitz-Moellendorff: 



Fig. 3. 




A-.R.O AAfir'l AS A0 
1 O 0j| A NT- F. f\J\ 

M K E K : £ V -f a 

E AV T^" 



J An6AA0)Ni AeA* 

INIUI : 0AN6AIK 
OC 0IAHT£(OiX 
[NJ^eHKGN : GYXCO 

^ahn i ylnep gayto 



Der AnoAAUN Agasinioc gehort natiirlicli zum AeA*iNioN, dem Hafen an 
der Ostkiiste von Chios, Erythrai gegeniiber, so wie der Attoaawn Kaykacgyc 
und er Koiaoic, deren Priestertiimer ans der grofien Verkaufsurkunde Ditten- 
berger 6oo bekannt sind, zu Kaykaca und KoTaa auf Chios. Vgl. iiber 
diese Beziehungen erythraischer Kulte zu chiischen Ortlichkeiten Bechtel 
zu GDJ. 5692 \ 

2. Gefunden auf dem Acker des Aamttpoc Teupr. Katza*apac in Erythrai. 
Trachytpfeiler. 67.5 cm hocli, 33 cm breit, 18 cm tief; unten, wo der 
Pf'eiler in der Erde saB, vergroBert sicli die Dicke auf 23 cm, B. H. 
2 — 2.5 cm. Schrift aus dem Ende des 4., allenfalls Anfang des 3. Jahr- 
hunderts. 

I E P O N 

AnoAAni-Jos 

NE4>EAIAEnrJ 

3. Chios. Kalamoti. Haus des Kcjnct. TTatzatoc. Gelblicher Kalk- 
stein. 39.5 cm hoch, 30.5 cm breit, 12.5 cm tief, B. H. 4 — 5 cm. 



1 [GewiB ist es moglich, daB Phanodikos dem Delphinios von Chios huldigte, aber 
fiii- notwendig halte ich es nicbt, da diese ^niKAHCic des Gottes panhellenisch ist. Sehr merk- 
wiirdig ist, dafi gyxwah noch im lebendigen Gebrauche ist, da wir es fast ausschlieBlich in 
der Poesie finden ; nur aus dem besonders stark ionisch gefarbten zweiten Buche Herodots 63 
ist eYXtoAAC ^nueAeoNTAC notiert. Wil.] 



Nordionkche Steine. 
Fig. 4. 



17 




l lepoN Axgauioy TTpecBcoNWN. Ahnliche Heiligtiimer von Genossenschaften 
z. B. BCH. V. 224, Nr. 12 u. 13; es gibt sie aus vielen Gegenden. Ob 
aber die NeoeAiAAi von Erythrai und die FTpecBcoNec von Chios, deren Name 
als Gentilicium an sicli bemerkenswert ist, eine xiaiactyc oder ein Geschlecht 
bildeten, lafit sich zur Zeit nicht erkennen. 

4. Aus der Landschaft von Erythrai ist ein Grenzstein bervorzulieben, 
gewachsener Fels, eine Stunde nordostlich von Kadi-Ovadjik am Ab- 
hange des Gebirges. Auf der einen Seite hat einf'ach OP gestanden; jetzt 
ist ein Kreuz in das O gekratzt, ein Apex an den Fufi des P und selir 
grofi Ci zugefiigt. Auf der (iegenseite steht 16POY in Buchstaben des 
3. Jahrhunderts. Auf der dritten Seite hat KoonctantTnoc ApiMneTHc aa*naioy 
abgeschrieben, was mir wegen ungunstiger Beleuchtung verborgen blieb. 
Phil.-hi.st. Klasse. 1900. Abh. II. 3 



18 



VOX W I I, A M O W I T Z - 31 O E L L E N D O K F F : 



Eine unniitze Hand hat auf einen kleinen Felsen daneben icopy als Kopie 
von lepo? eingekratzt. Der Grenzstein hat Wert, da Thukydides VIII, 
23 und 31 ein Aa*noyc erwahnt, in das sich Vertriebene aus Klazomenai 
begaben. (Plinius, N. H. V. 29 interkre vims Baphnus.) 



Beitrage zum Bau der Stadtmauer in Erythrai. 

Fkj. 5. 




5 A. Chios, in der eic\c TTAAnA bei Ziphias am Wege nach L Ar. Teupnoc. 
H. 0.68 m, Br. 0.48 m. Buchstabenhohe + Zwischenraum 1 cm. Die Buch- 
staben stehen erst von 32 ab ctoixhaon, aber nicht in 48. 

- 0N[.]0Y a[p]a[x]m[Ac nJeNT^KO^NTA jN . A 

aJotoc AnasimAnapoy kai Ynep toy ftatpoc AnaiimA[napoy apax] 

MAjC XIAIAC KAI ANAPAC nGNTAKOCIOYC, NlKATOPAC TTpHIa[aOc] 



Nordionische Sterne. 19 

5 ['Hp6ao]tOC CkyMNOY a[pa]xm[ac] [gk]a[t6n], A'n[aPa1c AATYnToYC 
22 Zeilen zerstiirt, nur in (I itnd 27 Spit mi. 

]toy [ 

.... JONOM^ 

3° ]c kai AycL . . .loc k[ 

Jaupoc Oi[aokp]ato[yc 

ANAP AC AATYnOYC [a ' I aTkOCIO YC 
]o[Yj ANAPAC CKATON \ 

"AneAAiKWNToc j 

35 J ANAPAC CKATON n[eNTHKONTA 

ANAPAC CKJaTON nCNTHKONTA 1 

Apictciaoy anap'ac 

njCNTAKOCIOYC Ka 

AjnoAAUNioc TTATpeftoc 

4° AiPAXMAC neNTAKOCjIAC 

anapac |aatynoyc aiakoc'ioyc 
AamacIctpatoc 

AljONYClOY ANAPAC "!"[ 
ANAPAC - KOjCIOYC AnOAAOAOofpOC 

45 KAI YFICP THjC TYNAIKOC ApHTH^C 

YnOZYTIA £IHKONt[a 

apaxJmac ckaton Kcjm[ 
OjY apaxmac xia[ iac 
Chacjnoc f 
5" apaxmac ckaJt6n, anTapac 

[D;i icli die Abschrift an der Hand von Abklatscli tmtl Pliotographie 
umgearbeitet habe, niufi Lcb die Verantwortung tragen; V. 1 und 4 gebe 
icli keine Reste weiter an; erst wenn man die Worter gefunden hat, deutel 
man sie einigermaften. Das ist erreichbar, wenn ich auch viele Stunden 
vergcblich daran gewandt habe. Die Zcilenlange ist durch 3, 4 nur schein- 
bar gegeben. Im Untersch iedc von B ist vor jedem neuen Posten, also 
dem Namen im Nominativ, hier cine Stelle frei in 3, 38, 42, 47; danach 
ist 50 erganzt. 29 vor zwei FuBe von Hasten, wie von TP. Der Name 
V. 5 von Jacobsthal gefunden. 49 Chacon kommt als Name in einer atti- 
schen Burgerfamilie des 4. Jahrhunderts vor, Kircliner 12630: er wird zu 
dem thrakischen Chayc gehoren. VVil.J 

3* 



20 VON WlL A M o w it z-Mo e llen dorff : 

5B. MoycgTon kai biba. thc £YArreAiKHc cxoahc a' S. 76, Nr. 41 in 
Minuskeln im ganzen sehr zuverlassig publiziert, jetzt im Homereion in 
Smyrna befindlich; Bechtel hat in SG-DI. 5691 einige sprachlicli inter- 
essierende Namen aus ihr wiedergegeben 1 . Beide Inschriften sind von 
einer Hand. Dafi A in den meisten Zeilen ctoixhaon geschrieben ist und 
vor jedem Posten eine Stelle freilaGt, kann man nur dahin deuten, dafi 
dor Schreiber noch sorgfaltiger schrieb, also wohl etwas friiher. Natiir- 
lich geh6rten beide Steine zu derselben Wand. Spater ward ihnen denn 
aucl) das gleiche Schicksal zuteil, man arbeitete sie zu byzantinischen 
Saulen urn, deren MaGe genau iibereinstimmen. Von der Schrift blieb nur 
ein sclimaler Streifen iibrig, der sicb oben oder unten verbreitert (s. die 
Abbildung). Denn wahrend bei A Schrift und Saule gleich orientiert sind, 
nabm bei B der byzantinische Steinmetz keine Rucksicht auf die Schrift- 
richtung, so dafi die Insclirift am SaulenfuB begann und beim Kapitell 
endigte. Eine weitere Beschadigung erfuhr die Insclirift nocb spaterhin, 
indem man Diibellocher zum P^insetzen von Schranken hineintrieb. 

Eine dritte Insclirift auf einer Saule derselben byzantinischen Kirche 
— die MaBe stimmen vollig, auch das Diibelloch fur die Schranke steht an 
derselben Stelle — wurde ebendort gefunden und liegt in einer unzureichen- 
den Abschrift des Kanellakis, des bekannten chiischen Lokalantiquars, 



1 [Zu verbessern nach dem Abklatsch 24 [anapac aaJtyi-ioyc. 55 [XaJpmhc fTAPMeNiTAAOC ; 
der Name Xapmhc in Chios belegt GDI. 5657, 5658; 60 zu ergiinzen [ka'i AAeA]<t>oi, el>enso 
69 Knde kai aae[a*-] [ich erkenne auf dem Abklatsch 60 nur 01, aber 69 aaga Wil.]. 71 fT6c- 
eu[N] 76 AcriAcioY; der Name auf Chios GDI. 5659, wenn der Stein nicht wegen GonAeiAHC 
und eonoAewoc aus Krvthrai stamint, und AeHNA XX S. 230. [Ich habe die Abklatsche 
ganz nachgelesen und notiere das Wichtigere: 20 Kaiai[moy] nicht bestiitigt; die zerstorte Stelle 
gestattet Ka[£i]ah[moy]. 22 Abklatsch unklar, aber kaapi- scheint richtig abgeschrieben, also 
eine Ableitung von Kaapioc. 28, wo Jacobsthal die Abschrift PISBAS zu j Apicbac ergiinzen 
will, ist mii" gerade das B mehr als fraglich, das schlieBende i gar nicht zu sehen, j A]picta- 
scheint denkbar, 31 [9]eyaoto-, 32 -oaneyc. 38 steht 10c j Icaaioc da, wenns auch aus j Icaaoc 
verschrieben sein mufi. 44 -nyc ANAiiAeu steht wirklich da; zu konibinieren mit [AJinnyc, 
Aghna XX S. 20 r, 29, vielleicht aus Kiythrai, der Name in dieser (Jegend sehr bemerkens- 
wert. Kbenso 61 j Acmic Kthcia, was natiirlich nicht Kthciacopoy, sondern Kthciahmoy oder 
Kthciaoc ist. 78 Anaiiaiopoy sicher, wird aber nicht jemanden bezeichnen, der iiber Geschenke 
herrscht, sondern ein Kind, das der Anax gibt, durch falsche Analogie statt Anakt6aupoc. 
54 steht jetzt als Nominativ wirklich 'Gpmanapioc, wie kopiert war; aber ap durch Korrektur 
auf dem Platz eines Buchstabens, und auch das n scheint nicht intakt, vielleicht nocli mehr. 
Also ist auf den befremdenden Namen kein Verlafi. Al>er Ckamanapioc, was man erwartet, 
kann auch nicht beabsichtigt gewesen sein. VVil.l 



Nordionische Steine. 21 

vor; der Stein scheint zugrunde gegangen zu sein. Ob der Stein nach Chios 
oder Erythrai gehort, ist aus den Namen, soweit ich selie, nicht zu entnehmen, 
so (lafi wir auBerstande sind, die Frage zu beantworten, ob die Steine in 
ihrer urspriinglichen Gestalt oder schon als bvzantinische Saulen uber die 
StraGe von Chios wanderten. Neuerdings ist der Stein in der Aohna XX, 
S. 214 mit der Angabe eYPicKoweNON gn tu *poypio) publiziert, die schon 
deshalb mit MiBtrauen zu betrachten ist, weil man in Chios stets auf die 
Frage, wo eine Inschrift gefunden sei, als Antwort erha.lt: c to kactpo. 
In unserem Falle wird die Glaubwiirdigkeit der von Kanellakis an- 
gegebeneu Provenienz dadurch erhartet, daB der Stein A, der, wie bemerkt, 
von demselben Bauwerk herriilirt, von mir nocli bei Zi<t>iAc gesehen wurde '. 
Im folgenden halten wir uns nur an A und B. Bechtel hat die 
provenienzlos aus der Sammlung Gonzenbach in die evangelische Schule 
gelangte Inschrift B durch Gleichsetzung des Bicon TTveeA (Z. 23) mit dem 
gleichnamigen Magistrat auf der Bronzemiinze BMC. coins Ionia S. 126, 
Nr. 85 nach Erythrai gewiesen und mit Wahrscheinlichkeit in dem - hc 
J ApxeANAKToc (Z. 68) den Aamaahc ApxeANAKTOc auf BMC. coins Ionia S. 129, 
Nr. 1 1 1 wiedererkannt'. Gegen dicse Lokalisierung ist der Fundort des 



1 [Ks ist nicht glaublich, dafi der Abdruck auf einer selhstiindigen Abschrift heruht, 
denn er stimmt in offenbaren Kelilern zu der Kopie des Kanellakis, die namentlich in der 
Anordnung der Zeilen zuverliissiger ist. Ks war ein wichtiges Dokunicnt, zwei Kolumnen; 
von der zweiten sind die Zeilenanfange da, in denen Volksnainen ausgeriickt vor Personen- 
nainen stehen, T6aio[i] 2, Kapyctioi 2 (der zweite Eyaicon t[i]m[apx]oy), Gyboeic 2. |K]e?oi 
j Apicto»un Geo- e< Kophc jac. abgeschrieben c»a] ahmapatoc ei j Ioyaia[o]c, TlenAPHeioi 1. Hpa- 
KAeiuTAi scheinbar 10, unglaublich. zumal das Trachinische Herakleia zu verstehen ist; viel- 
leicht ist in der Mitte der 10 A(o[Pieic; zu verstehen. Dann ist ausgeriickt AIN, d. h. Ain[ian6c], 
wo wieder 10 zuviel sind, und am Knde zeigen ^1 o- und ei, daB ein Kollektivname 
vorherging, dem die einzelnen Stadte subsummiert waien. \'ermutlich ist die diitte Zeih^ 
nnter Ain als Af|Ta)A[oi zu fassen ; kopiert ist toa. Dann wird es wieder dentlicli Aoao- 
[nec] 2. GeccaaoI 4. /Aakeaonec 10, endlich Apx, wohl Apkaasc. Deutlich ist eine gewisse 
geographische Ordnung. Man wird zuerst an eine Liste von np6=EeNOi denken; dann miifite 
der Stein von Chios sein, denn fiir Enthrais Handel sind es viel zu viel. Aber sie konnen 
anch Soldner sein, IG. II 963 hietet z. 1!. cine Analogic. Cnd der Stein niiifi doch in i\c.r 
Cmarlieitung zur Saule nach Chios gekommen sein: der elienso bearlieitete H ist gewiB nicht 
in Chios, sondern in Krythrai gefunden. In der ( iulaternot werden die Krythriier die 
Namen eines gemieteten Ililfskorps zum Danke aufgezeichnet halxm. Vielleicht gelingt es 
(ielelirteren, die Zcit aus den wichtigen politischen Angahen zu fixieren, daB Karystos nelien 
einem koin6n GYBoeuN und Korcssia als (ilied des koinon KeiuN erscheint. Kin CeAEYKeyc in 
der letzten Zeile der linken Kolmnne verhiitet, zu lioch hinaufzugehen. Wil.] 

* [- ahc ist auf dem Abklatsche kenntlich. \Vil.| 



22 von Wilamowitz-Moei. lendokff: 

neuen Steines, 8 km von der Kuste im Inneren von Chios bei dem hoch- 
gelegenen Ziphias, keine Instanz — obwohl eine Verschleppung so weit 
ins Land hinein als ein mahnendes Beispiel zu beherzigen ist — , denn 
eine eingehende Priifung der aufgezahlten Namen befestigt Be elite Is Ansatz. 

Unsere Inschrift gibt ein Vorzeichnis von Beitragen zu einem offent- 
lichen Ban: das zeigen die YnozvriA (A 47) und die melirfach vorkommen- 
den anapgc AATYnoi. Die 400 — 500 anapec, die von einzelnen Burgern ge- 
stellt werden, sind Sklaven, die unqualifizierte Arbeit leisten, und zwar 
offenbar die Arbeitstage gerechnet, so da 6 anapgc neNTAKOcioi ebensowohl 
die funftagige Leistung von 100 Arbeitern, wie die bunder ttagige von funf 
bedeuten kann: denn kein Erythraer besafi 500 Sklaven. 

Da wir durch eine Reibe namenreicher Inschriften, die gerade nacb 
der prosopographischen Seite von Gabler (Erythrae, Berlin 1892) ein- 
gebend bearbeitet worden sind, fur die erste Halfte des 3. Jahrhunderts 
recbt gut unterriebtet sind, so ist von vornherein anzunehmen, dafi wir in 
der Lage sind, manchen der bier verzeichneten Notabeln zu identifizieren 
oder wenigstens in wahrscheinlichen genealogischen Zusammenhang mit 
anderen zu bringen. 

Zuniichst einige Beziebungen ungewisser Natur. Monimoc B14 und 
Apictooun / v \onimoyB48 mogen in die Faniilie geboren, deren Stammbaum 
Gabler S. IOO konstruiert hat. Zu Apicteac Apict - - B 59 vergleiche man 
Apicthc ApicTe?, der sicb 277 ein Priestertum kauft (Dittenberger, Syl- 
loge 600, 54 und 58, Gabler S. 85). Fcrner liegt es nahe, in B 4 £ynA- 
eiAHC [ , 'Hpoa6toyJ zu schreiben und ihn Vater oder Sohn des "Hpoaotoc 
G-rnAeiAOY sein zu lassen, der unter der Hieropoiie des Epigonos, also 276, 
eine Biirgscbaft leistet (Dittenberger, a. a. 0. 600, Z. 79/80.) Ein TTATPeYc 
AnoAAUNioY leistet unter der Hieropoiie des Agasikles, d. h. nacb Gabler 
um 275 fur seinen Bruder die vorgeschrieliene Biirgscbaft (a. a. 0. Z. 89). 
AnoAAUNioc FTATPefcoc] finden wir in A 39 Ckymnoc l Hpoa6toy in dem Miin- 
cbener Verzeicbnis (Lamprecht, De rebus Erytbr. Nr.XII), das Gabler S. 95 
zwisclien 268 und 260 setzt. [ l Hpoao]toc Ckymnoy ist mit Wabrscheinlichkeit 
A 5 zu lesen. Es erbebt sicb die Frage, in welchem Verbiiltnisse steben die 
Eupathides, Apollonios, Herodotos unserer Inschrift zu jenen Herodotos, 
Patreus und Skymnos, die 277 — 260 in der Akme sind? Die IdentitJit des 
Bion und Damales mit den Beamten auf den Miinzen tragt nichts zur Losung 
der Frage bei. Denn wenn Head die Miinzgruppe mit Bicon TTYeeA zwischen 



Nordionische Stelne. 23 

387 uiul 300, die mit Aamaahc Apxganaktoc zwischen 300 und 200 setzt, 
so laCt sich, wie mich K. Regling belehrt, und wie mir Abdriicke, die 
er mir in gewohnter Hilfsbereitschaft iibersandte, bestatigen, fur die erste 
Gruppe die untere Grenze leicht bis 250, und fur die zweite Gruppe die 
obere Grenze bis 330 verschieben, gerade weit genug, urn diesen beiden 
Kongruenzen fur eine genauere Datierung alien Wert zu nehmen. 

So sind wir denn vollig auf die Vergleichung der Schrift mit den 
datierten Urkunden dieser Jahrzehnte angewiesen. An solchen kommen 
in Betracht: 

1 . Die wenigen Zeilen des Seleukospaans, unten N. 1 1 vom Jahre 28 1 80. 

2. Das Ehrendekret fur dieneunStrategen(I)ittenberger,Sylloge2 10), 
bald nacli 278 zu setzen'. 

3. Die Aufzeicbnung der Priestertumcrverkaufe, die etwa die Jahre 
279 — 266 umspannt (s. Gabler S. 95). 

4. Der Brief des Konigs Antiochos an die Erythraer (Dittenberger, 
Orient. 223, der aucli der Schrift nach nur von Soter stammen kann. 

5. Die Munchener Namenliste (Lamprecht, a. a. 0. Nr. 12 = Christ, 
Sitzungsberichte der Bayr. Akad. 1866, S. 246), von der A. Relmi mir 
freundlichst einen Abklatsch sandte. 26S — 260 (vgl. Gabler S. 95). 

Obwohl man bei so feinen Unterscheidungen leicht individuelle Ver- 
schiedenheiten der Schreiberhande in ein Alter und -lunger umsetzt, so 
mochte es mir doch scheinen, als ob unsere beiden Inschriften trotz einer 
gewissen Zierlichkeit der Charaktere urn ein vveniges vor diesen Komplex 
datierter Inschriften gehoren. 

Icli mochte demnach unsere Inschrift + 300 ansetzen. Es waren dann 
also die Manner, die 277 — 260 im olfentlichen Leben stehen, die Sohne 
der Generation, deren Beitrage zu einem off'entlichen Bau wir hier ver- 
zeichnet finden. Es mufi ein groCes Werk gewesen sein, denn allein die 
Addition der auf dem schmalen Ausschnitt des einst breiten Steines er- 
haltenen Posten ergibt eine bedeutende Summe an Geld und Arbeitskraften. 

1 [Von dem Stein ist das oliere Stiick im Museum von Smyrna erhalten; Jacolisthal 
hat einen Aliklatsch mitgebracht. I);is verstuminelte untere Stuck ist von Dr. J. Keil wieder 
aufjuefunden, der mir freundlichst einen Abklatsch zugesendet hat. Die Schrift ist so schcin, 
wie man sie erwartet; an den Brtichstellen ist manchmal ein Buchstabe mehr zu erschlieBen, 
alles gleichgiiltig; icli notierc nur die Schreibung 30 ANANrejAAi]. W'il.] 



24 VON WlL AMO W ITZ-MOE LLENI) ORFF : 

Gabler S. 93 hatte vorgeschlagen, den Kopf einer erythraischen 
Inschrift eV leponoio? Aamaaoy tgixun enicTATAi thc ANTinAAAHc toy tcixoyc, 
(moyc. k. BiBAioe. II, 1878, S. 63, Nr. 148) mit dem Miinchener Verzeichnis 
zu verbinden. G. Weber, AM. 1901, 110 hat die Unmoglichkeit dieser 
Vermutung dargetan. Der Smyrjiaer Inschriftenkopf gehort ins ausgehende 
vierte Jahrhundert, da entstand die groBe hellenistische Stadtmauer. In 
denselben Jahren geschah die katacka«oh thc AKPonoAecoc, die Entfestigung 
der Altstadt; denn das Dekret fur <£>anhc MNHCieeoY, das davon spricht 
(Sylloge 2 1 1), wird von Dittenberger, aber nicht ohne Bedenken, so 
tief, von Weber mit Unrecht in die Mitte des Jahrhunderts geruckt; wenn 
es anch in seiner etwas weitraumigen Stoicbedonschrift noch der alteren Weise 
folgt, so stehen die Buchstabenformen, vor allem [M und das kleine n doch 
entscbieden der soeben zusammengestellten Gruppe naher als dem Hermias- 
vertrage von 345 und was sich um ihn ordnet. 

Nacb allem diescm ist es verlockend, unsere beiden Steine, die wir 
um 300 anzusetzen vorschlugen, als ein Verzeichnis der Beitrage zum 
Mauerbau aufzufassen. Dieses gewaltige Werk — es sind viber 4000 laufende 
Meter — hat sich natiirlich iiber Jahre erstreckt. Es ist demnach keine 
Schwierigkeit, wenn die Buchstaben des Smyrnaer Inschriftenkopfes alter 
sind als die Schrift unserer beiden Steine. Aamaahc "Apxeanaktoc B 68 wird 
dann doch wohl identisch mit dem eponymen teponoioc der Smyrnaer In- 
schrift sein. 

So weit Dr. Jacobsthal; im folgenden fiihre ich das Wort und be- 
zeichne, was ich von ihm iibernehme. Seine Vermutung, dafi der Mauer- 
bau 300 fallt, ist sehr ansprechend; ich halte sie audi fur richtig, aber 
sie muB sich erst darin bewahren, dafi der Mauerbau um 300 in der Ge- 
schichte Platz hat. Erythrai hat wahrend des 4. Jahrhunderts iiberall 
Anschlufi gesucht, wo es hoffen konnte, von Persien frei zu kommen, bei 
Konon, Athen (IG. II 33 mit Wilhelm, Herm. 24, 117; 699), 3Iaussollos, 
Hermias. Es hat Autonomie und Steuerfreiheit durch Alexander erhalten 
und unter Antigonos behauptet; das erkennt Antiochos (Dittenberger, 
Or. 223) ausdriicklich an. Zwar nicht ein personlicher Besuch, wie in 
Priene, aber doch eine personliche Beziehung hatte Alexander fur Erythrai ge- 
wonnen ; er hat aueh den Isthmos durchstechen lassen wollen (ein titanischer 
Einfall, der ihm nur in der Feme kommen konnte) und sein panionisches 



Nordionische Steine. 25 

Heiligtum auf erythraischem Gebiet erhalten. So dankte er den Spriichen 
der neuen erythraischen Sibylle Athenais, die seine Gottlieit verkiindete; 
wir horen da von durch Kallisthenes bei Strabon 8 1 4. Antigonos, erst als 
Satrap, dann als Konig der Oberherr der Stadt, lieB ihr die Steuerfreiheit, 
bielt sie aber als einen Stiitzpunkt seiner Macht besetzt, so dafi feindliche 
Unternehniungen wiederholt hier zum Scheitern kamen (Diodor 19, 60. 20, 
107). Daraus folgt nicht die Existenz der Stadtmauer, die ja auch fur 
hellenistisch gilt; eine feste Burg reicbt aus. Das sehr fein geschriebene 
Dekret fur Phanes, der die Burg gebrochen hat, kann also erst nach der 
Schlacht von Ipsos fallen, aber moglichst nahe, die Mauerbauinscliriften 
also in die neunziger Jahre 1 . Lysimachos hat der Stadt die Steuerfreiheit 
genommen; der patriotische Aufschwung, der zur Zerstorung der Burg und 
der Befestigung der Stadt aus eigenen Mitteln fuhrte, kann nicht in die 
Zeit dieser Abhangigkeit fallen, muB also vielmehr von Lysimachos nieder- 
geworf'en sein. Also erschlieBen wir folgenden Gang der Ereignisse: bei 
dem Zusammenbruch des Antigonidenreiches erhielt Lysimachos zwar die 
Anwartschaft auf Asien, besafi aber nicht sofort die Macht, diese Erb- 
schaft anzutreten. Die Griechenstadte sollten erfahren, dafi oline die schiit- 
zende Gewalt eines Herren das Chaos eintrat. DaB ein Tyrann sich drei 
Jahre lang in der Burg von Priene hielt, haben wir aus den dortigen 
Steinen gelernt; wirkliche Ordnung hat dort erst Lysimachos geschaffen. 
Ephesos hat er begunstigt und ihm seine Mauern gebaut. Lebedos hat 
er mit Teos vereinigt. Erythrai hat einen anerkennenswerten Versucli ge- 
macht, sich auf die eigenen FiiBe zu stellen ; aber das fuhrte nur zum 
Verluste der bevorzugten Stellung, die der Burgerschaft die Mittel zu ihrer 
Erhebung gegeben hatte. Ganz begreiflich, daB sie dem Sturze des Ly- 
simachos zujubelte, und sie mag den Paan fiir Seleukos gleich 2S1 be- 
schlossen haben, wie Ilion die Ehrung fiir Seleukos, Dittenberger, Or. 
211; dort muBte er freilich selbst durchpassieren. Gleichzcitig miissen auch 
die Spiele CeAevKeiA beschlossen sein, die in einigen Inschriften erwiilint 
werden. Sicher ist freilich nichts; der rhodische Stein IG. XII 1 , 6 ist ver- 



1 Phanes hat Geld gegeben, urn die >Suldaten wegzultringen und die Burg zu schleifeu«; 
die Solduer liefien sich also mit Geld abfinden. Das paBt selu- gut, wenn ihr lierr Anti- 
gonos eben gefallen war. Leugnen kann icli nicht, dafi die Schrift mich etwas iingstlicli macht; 
auch wird hier nacli philippischen Stateren gerechnet, in der Mauerliauinschrift nach Dracli- 
men. Aber jede andere Koniliination i'ulirt zu noch schwereren AnstoBen. 

Phil.-hist. Klasse. 1909. Abh. II. 1 



20 VON W I I, A M O W I T Z - M O E L L E N I) O K F F : 

schollen, die Schrift ungeniigend bekannt, und daB der eponymo Beamte von 
Erythrai denselben Namen fuhrt wie einer der Verkauf'surkunde, Syll. 660, 
die in die Galaterzeit fallt (die Datierungen Gablers sind mir zu genau), 
zwingt nicht. In dem Beschlusse derselben Zcit, Syll. 200, hat Foucart 
die CeAGYKeiA oline zwingende Grande cingesetzt. So )>in ich etwas skep- 
tisch; die Erythraer scliweigen von der Elirung des Selenkos, als sie die 
Herstellung Hirer Autonomic und Steuerfreiheit von Antiochos erbitten. 
Dies kann erst geschehen sein, als er an der Kiiste etwas zu sagen hatte, 
nicht vor dem Ende der siebziger Jahre; den panionischen Kult liat er 
erst gegen Ende seines Lebens erbalten. 281 — 270 war also wieder Chaos 
und Not in Erythrai; aber die Burger haben sich brav gehalten, sind 
audi nicht verarmt. Wieder vergleicht man Priene mit Nutzen. 

Unberiicksichtigt gelassen babe ich Syll. 1 39, einen verschollenen Stein, 
<ler in Chios aufgetaucht ist, aber auf das an sich glaubwurdige Zeugnis von 
Kumanudes nach Erythrai gesetzt wird; wenn nur seine Gewahrsmanner 
glaubwiirdig waren. Ediert hat ihn Kirclihoff nach einem Abklatsche, 
den er wie alle anderen weggeworfen hat, Monatsber. 1863, 265. P> gibt 
an, daB die Schrift nicht ctoixhaon war und ungleiche Zeilen hatte, setzt 
ihn aber in die Mitte des 4. Jahrhunderts. Davon kann keine Rede sein, 
wenn er aus Erythrai war; dafur kennen wir jetzt dessen Schrift gut ge- 
nug. Aber es ist auch die Sprache dem 4. Jahrhundert nicht zuzutrauen. 
Der Inlialt ist, daB ein Zcoiaoc Xiaaoy besondere Fiirsorge fur die Statue 
eines Tyrannenmorders 0iaitoc oder 4>iaItac (-thc) beantragt, die wahrend 
einer Oligarchenherrscliaft schlecht behandelt war 1 . Niemand kann be- 
haupten, daB so etwas nur vor Alexander passieren konnte. Aus Erythrai 
wissen wir ziemlich viel, dennoch mochte ich nicht versichern, daB das 
Felilen anderer Zeugnisse solche Wirren in den neunziger Jahren des 3. Jahr- 
hunderts ausschlosse. Nur ist mir die Herkunft des Steines zu unsicher, 
denn daB auf ihm Exetasten vorkommen. die in Erythrai eine wichtige Be- 
liorde sind, ist kein Beweis ; die gab es auch anderswo. Der Tenor der In- 
schrift weicht von dem der ervthraischen durchaus ab; ich hoft'e, daB andere 
aus ihren Formeln oder Namen die wahre Herkunft erschlieBen werden. 



1 Es ist die Inschrift, in welcher die Patina an einer Bronzestatue als ein Zeichen 
abscheulicher Verwahrlosung bezeichnet wird, was Dittenberger gebiilirend hervorbebt: 
ein so nn/weideiitiges Zeugnis. dafi die Ai'eliaologen rnliig alle anderen daneben fabi'en lassen 
diirfen. 



Nordionische Steine. 27 

6. Ehrenbeschlufi fur Maussollos. 

»In der Schule, linke obere Ecke einer Tafel aus blaulichem Kalk- 
stein.« Jac. Schonste klare Schrift ctoixhaon. SpaBhafterweise ist dies 
das linke Eckstuck, das dem Psephisma fur Maussollos (Le Bas-Wadding- 
ton, Asie 40, Dittenb., Syll. 107) fehlt. Jenes Hauptstiick ist nun zu- 
grunde gegangen, aber die gute Abschrift gestattet die- Zusammensetzung 
der Texte. Es waren 23 — 25 Buchstaben in der Zeile, Silbentrennung. 

CAOIGN THI BOYa[hI. CTPATHTCilNj 
TNUMH ' M AYCCIOAAON [£ | K At[oMNU 

Myaac ea, enei anhp ArAe6c ere 

N£TO n £PI THN nOAIN THN ""GpY 

6pai con, e?NAi edepr^THN thc 
n6A ecoc kai npoEeNON kai rroAi 

THN , KAI eCTIAOYN KAI eKTTAOYN 
KAI nOAC^MO KAI efPHNHC ACYA6 i. 
KA ij ACnONAei KAI ATC^AeiAN KA i 

n pogapIhn, taota a£ gInai ao 

TO) I KAI GKrONOIC USW. 

Berichtigt ist nur der Eingang, wo freilich Foucart Z. 1 nicht mit 

thi boyahi kai tui AHMcoi, Mayc. sicb mid anderii hatte einbilden diirfen, die 
Erganzung gefunden zu baben : es ist kaiun glaublich, wie rascb ein Textus 
receptus ungepriift kanonisch wird. Erythrai hatte also scheinbar um 356 
eine Verfassung, die selbst die Erteilung des Biirgerrechts dem Rate viber- 
liefi, also auch ohne den Scliein der Demokratie. Doch daran glaube ich so 
schwer, dafi icb eher annehme, dafi unten die Sanktion (lurch das Volk folgte. 
Auch die ungewohnlichc Fhrung fur Phanes (Dittenb., Syll. 211) tragt 
noch die Form einer Vorlage an den Rat (a£a6x6ai thi boyahi: es ist unerlaubt, 
einen Schreibfelder zu dekretieren, weil man die rechtlichen Konsequenzen 
nicht ziehen mag): aber die Sanktionsformel eAOieN thi boyahi kai tcoi ahmcji 
zeigt, dafi das Volk doch selbst hat ja sagen diirfen. AVer im Kate den 
Antrag stellte, ist liier nicht ganz sicher: nPYTANeu>N geht ebensogut in den 
Text wie ctpathtun, und spater sind es beide Kollegien zusammen mit den 
hier noch subalternen Exetasten, die gewohnlich den Antrag f'ormulieren, 
fiber den das Plenum des Rates und spater auch des Volkes abstimmt. Ein- 
gesetzt babe ich die Strategen, weil sie in dem Vertrage mit llermias die 

4* 



28 VON WlL AMO WIT Z-MOELLRNDOEFF : 

Exekutive allein vertreten. Und die Ehrung des Maussollos und seiner Frau 
ist in Wahrheit ein wichtiger politischer Akt, Eintritt in die Schutzsphare 
des Satrapen, unter den sich auch Chios gestellt hatte. 

So klein das Bruchstiick ist, es gibt von dem AuBeren der Urkunde 
fiir Maussollos hinreichende Vorstellung; von dem Vertrag mit Hermias, 
der etwa ein Jahrzehnt j linger ist, hat Hr. Cecil Smith auf Hrn. Jacobs- 
thai s Bitten einen Abklatsch gesandt. Dieser selbst hat auBer den neuen 
Funden auch die in Smyrna aufbewahrten Stiicke abgeklatscht, so da6 
mir von ctoixhaon Urkunden aus Erythrai vorliegen (die gleich zu publi- 
zierenden nach Hauptpersonen bezeichnet): Maussollos, Hermias, Apellias, 
Phanes, Telesidromos, die beiden von Bechtel (Ion. Inschr., Taf. 4, 5) 
abgebildeten Steine, von denen der erste ein umfangreiches Verzeichnis 
von offentlichen Wegen und Wasserlaufen ist 1 (ich nenne es nach dem 
ersten Ortsnamen Malyeia) das Asklepiosgesetz und das fiber die Kyr- 
banten' 2 . Gerade angesichts dieser Fiille mufi ich erklaren, dafi die Schrift 
sehr wenig hilft. GewiB, Phanes und Telesidromos weist sie tief nach 



1 Der Abklatsch, der Bechtel zur Verfiigung gestanden hat und von diesem in 
seiner zweiten Bearbeitung (GDI. 5690) von neuem zu Rate gezogen ist, gibt nicht alles; 
ich konnte hier und da, namentlich auf der Riickseite, Buchstaben und Striche zufugen, am 
Ende Reste von 4 Zeilen; aber ich verzichte auf Gleichgultiges. Vorderseite, Maaycihi mit Iota 
19 aia eYNYMWN, aber das u aus korrigiert. Es war also ein Schreibfehler begangen; verinut- 
lich sollte es aia gywnymcon sein. 23 sicher aia £ymaia[oc] oder -con. Ich sehe keinen (irund, 
nPlNeYC als Ortsname zu f'assen; es ist Eichenhain. 19 atto tcon eHrecoN tun j Actyanaktoc kann 
gar kein Ortsname sein, sondern ist die Schleiferei des Astyanax. Wo wir eHTANU und einrto 
haben, kann uns ein Nomen eHrAi neben GHrANAl nicht wundern. Riickseite 6 APXHreTeY wird 
das Heiligtum des Griinders Erythros sein. Vor allein aber was ist die Urkunde:' Sie z'ahlt 
oaoi ahm6ciai auf, daneben yaata kai yapo[ppoai], denke ich; Vorderseite 16 stcpon Yno 
doch wohl ein yawp. Ich denke, das sind offene Wasserlaufe und verdeckte Kaniile. Der 
Staat hat Recht und Pilicht fur diese offentlichen Anlagen iibernommen und verzeichnet sie 
daher, urn sich gegen die Adjazenten zu sichern. Ein merkwiirdiges Stiick. 

2 \ T erloren ist der wichtige alteste BeschluB fiir Konon (Le Bas 39) und das Weih- 
epigramm Le Bas 38 = GDI. 5693, in dem noch ein = oy steht. Bechtel hat den 
ersten Namen Ae[d)]eePCHC sehr schon hergestellt, ist aber auf einen ungliicklichen Einfall 
von Rofi zuriickgekommen, weil er einen singularen Namen NHTHS nicht anerkennen will. 
Und darum sollen wir nA?c Zcoiaonhthc in Zcoiaoy 'Onhthc auflosen. So schreibt kein Grieche. 
Nhthc ist nhithc: das Iota war den Erythraern stuinin und sie haben es oft genug weg- 
gelassen. nhithc betont man jetzt bei Thukydides, der sicherlich auch nhithc gesprochen 
hat. Ob der Erythriier seinen Namen hiervon abgeleitet hat oder ebendaher, wo die nhitai 
nYAAl von Theben den ihren herhatten, kann ich nicht sagen. Der Vers beweist iibrigens. 
daB Zcliiaoc gesprochen ward; wir wollen also nicht ZcoIaoc akzentuieren. 



Nordionische Steine. 29 

unten: aber da ist die Sprache audi schon attisch. Sonst macht Hermias 
den jungsten Eindruck, so da(3 ich alles andere der ersten Halfte des Jahr- 
hunderts zuweise; am iiltesten sieht wold Apellias aus. Mit Buchstaben- 
formen ist nichts zu maclien: n ist genau in das Normalquadrat gepreBt 
in Asklepios und Kyrbanten, sonst meist mit erhobenem zweiten Beine. 
In Malyeia ist die Schrift eng zusammengedrangt, die Fiifie von Buch- 
staben wie T y reichen selir tief hinab, so dafi o neben t sehr klein er- 
scheint Hier und sonst kann einzeln cine Verdickung der Enden gerader 
Linien beabsicbtigt erscheinen, die docb meistens fehlt. Reines ctoixhaon 
und seine Beeintrachtigung durch die Silbentrennung gehen nebeneinander 
her. .Tenes zeigt Maussollos, Apellias, Kyrbanten und die beiden spaten 
Pbanes, Telesidromos : dieses auBer Hermias und Asklepios schon der ver- 
lorene Stein des Konon. Beides hat also nebeneinander gegolten. Apellias, 
Maussollos, Malyeia verwenden noch einzeln o und 6 fur Diphthonge. Die 
Sprache ist in alien ionisch, bis auf Hermias hinab; ipoc nur in Apellias 
und Asklepios, sonst iepoc. Und doch, wer den Asklepios neben den 
Kyrbanten sieht, kann seine zierliche Schrift nur fur jiinger halten. So 
zwingt gerade unser Reich turn zur Zuruckhaltung des Urteils. 

\l 7. Uesetz des Apellias. 

• Gefunden, oft'enbar verschleppt, bei der auf der Weberschen Karte 
eingetragenen Miihle, die der Aleon unweit seiner Quelle treibt. Stele 
rotlichen Trachytes, 16 cm dick, 138 cm hoch, nach oben sich verjungend, 
unten am Bruch 71.5 cm breit, oben 60 cm. Die Inschrift steht auf der 
unteren Halfte; die obere ist nur bossiert, off'enbar lur die Ausarbeitung 
eines Reliefs." .lac. Schonste klare Schrift, alter zuin Teil sehr stark ver- 
waschen : ctoixha6n, 24 Buclistaben, keine Silbentrennung, aber aus un- 
erfindlichem Urunde V. 9 und 16 die letzte Stelle frei. 

AneAAiAC eineN ' ocoi hah etpa 

MMATGYCAN An6 XaAKIAG ... AG 
eN, TOYTUN MH EieTNAI TPAMMAT 
GYCAI £TI MHAeNI MHA6MIHI AP 
5 XHI, MHA£ TO AOinON rPAMMATGY 
GN e£e?NAI MHAGNI nAGON H AflA 
I THI AYTHI APXHI MHAG TAMIHI 



30 VON WlL A M O W ITZ- MOELLENDORFF : 

8 FIA^ON H GNI MHA^ AYO TIMaTc TO 
N AYT6N ' OC a' AT rPAMMATGYCHI 

10 h angahtai h elrmi h eniYH«ic 

HI KATAPHTON Te AYTON e?NAI K 
Al ATIMON, KAI 6<t>e!A£N AYTON e 
KATON CTATHPAC GKnPHIANTCON 
AG o\ eiGTACTAI H AYTOI 6<t>£lA 
15 6NTCON ' APXGN A£ TOYTOIC MHNA "A 

ptgmiciwna en' iponoib TToce 
oc. 
Zwei Zeilen Absland; datin in yleicher Sclirift 
e'AOieN thi boy[ahi 

CHTAI TPAMMA 
HAHN 6*e[lA 

Ins Auge fallt sofort die verzweifelte Liicke am Ende der zweiten 
Zede. Die beiden letzten Zeiclien konnen ebensogut ao sein; aber ihre 
Deutung wird man nicht leicht bezweifeln. Dagegen vorher hat audi Hiller 
von Gaertringen niclits sicherzustellen vermocht, obwohl mehrere Ab- 
klatscbe vorliegen. Jeder ervvartet Xaakiagooc, und man kann Spuren des 
C linden wollen; dagegen tauschen die, welche der erste Blick vorher aui' 
Q. deuten mochte: die scharfe Stellung der Buchstaben untereinander hilft 
wenigstens negativ. Ich glaube Spuren zu bemerken, die hier ein Y gut 
annehmen lassen, und Xaakiagy von Xaakiahc ist sprachgemafi, der Name 
audi. Daliinter lassen sich die Reste zu eKAeeN kombinieren. Gefordert 
ist der Sinn huh' a ChaJc'uJa (kiuccps. ANueeN gibt den Sinn. paBt in den 
Raum, aber widerstreitet den Resten. ANeKAeeN, das Herodot mit den alten 
Attikern teilt, hat angkac neben sich, dessen Betonung verschieden an- 
gegeben wird, also unbekannt war: es ist bei Hippokrates und in der 
alien Komodie belegt'. In der bekannten Verbindung koapiahc ANeKAeeN 



1 Daft Aischylos sich die Synkope XrKAeeN eilaubt hiitte, ist eine falsche antike Auf- 
fassung von Again. 3, wo XrKAeeN koimo)M£NOC, anf den ai-kaaec liegend, durcli die Vergleichung 
kynoc aikhn sichergestellt ist. Ans den Scliolien zu diesein Verse stammt die Hesycliglosse 
ArPiAeeN, d. i. ArKAeeN und Bekker An. 337. Hitmen. 369 ist XrKAeeN ein liingst beseitigter 
Schreibfehler. Clioeph. 317 tyxoim' an eKAeeN so gut wie iiberliefert, pafit allein in den 
Sinn und audi in den Vers, sobald man den Aberglauben der Entsprechung Silbe fur Silbe 
abgelegt hat. 



Nordionische Steine. 31 

erklaren die Grammatiker das Wort ei apxhc; ihre Etymologic von e'KAeeN, 
die in der Erklarung makpoogn steckt, ist unverbindlich ; der Gebrauch zeigt, 
dafi m;in es wie ANueeN, angkac wie anu verwandte. Audi fur uns ist die 
Herleitung unklar. Da ware es wichtig, wenn hier eKAeeN sicher stiinde; 
»weitber von Chalkides« konnte wohl die geforderte Bedeutung annelimen. 
Und jede Prufung der Abklatsche bestarkt meinen Glauben. 

Die Schrift setzt in der Infinitivendung nocli eN und einmal o fur oy 
in en 5 iponoib, dies in der Psilose ionisch wie das ganze. Bemerkenswert 
MH-GTi 4, wo man den Zusatz der Negation an dein Adverbium erwartet; 
8 timaTc im Sinne von apxaTc, das doch schon daneben vorkommt. Archaisch 
ist der Stil uberhaupt. 6c an rpAMMATeYcm, das ist der Gewahlte, h aneahtai 
ist er auch, aber so gut ANAipeTceAi apxhn auf den pafit, der eine Verant- 
wortung iibernimmt, gewobnlich ist es sicher nicht; ich liabe keinen Beleg. 
h etnHi h eniYH«icHi ist nielit liiehr der Gewahlte, sondern wer ihn vor- 
schlagt oder als Vorsitzender in der Wahlversammlung ihn zur Wahl bringt. 
Denn so ist das elier zu deuten, als auf* die Derogierung des vorliegenden 
Gesetzes. Der Zuwiderhandelnde soil »vcrflucht und ehrlos (d. h. atimu- 
phtoc nacli Swobodas treffenden Darlegungen Qber die Acht) sein und soil 
hundert Statere zahlen«. Da sind die alten leergewordenen Formeln bei- 
behalten, obwold die feste Mult praktisch die einzige Strafe gewesen ist, 
wie sie denn fur die saumseligen Kxekutivbeamten allein genannt wird. 
Der Inlialt des Gesetzes ist einfach; die Schreiber waren gewahlie Beamte, 
batten aber toils melireren Beamten zugleich, teils Aviederbolt demselben 
Bureau gedient, so daB sie zu starken EinfluQ erlangt batten: dein wollte 
man steuern. Zumal die tamiai miissen ein jeder seinen besonderen Schreiber 
gebabt haben, wo denn Kumulierung nahelag, so dafi bier selbst verboten 
wird, daB derselbe Mann in verschiedenen Jahren Schreiber in verschiede- 
nen Kassen wiirde. Wir kennen aus Athen das Verbot der Iteration fur 
alle biirgerlicben Beamten, das sicberlicli auch erst in der Demokratie all- 
mablich ausgebildet ist'. Dort half man sich durch die standigen Yno- 
rPAMMATeTc ANTirPA«eTc u. dgl., am liebsten unfreie, um die Maschine in Gang 
zu balten. In einem kleinen Orte wie Erythrai war das Aufgebot an 



1 Kin erythraischer Stein des 5. Jahrhunderts, jetzt im Louvre, von dem ich eine un- 
vollkominene Kopie aus Smyrna seit einigen Jahren liesaB, eine zuverlassige der Freundscliaft 

utiseres korrespondierenden Mitglieds Ilin. B. IIaissoii i.ii.r verdanke, lint die Iter.-iti les 

8chreil)erauites schon fiir ein liestiniintes Amt verboten. 



32 VON W I L A M O W I T Z - M O E L L E N D O R F F : 

Gemeindebeamten vollends unverhaltnismafiig grofi, und dies Mittel der 
Korruption zu steuern wird die Erledigung der Geschafte nur gehindert 
haben. Der Eponym hiefi l"T6c(c)ic, aus TToceiAWNioc verkiirzt. 

Was hier aufgezeichnet ist, kann nur als Gesetz bezeichnet werden. 
Es steht auch kein gaoign thi boyahi oder gar tui ahmui dabei; dennocb 
ist der Antragsteller zwar bier, aber nie in einem Psepbisma dieser Zeit 
genannt. Wir wissen ja, dafi nicht nur die Gesetzgeber, denen die Ge- 
meinde diese Aufgabe erteilt batte, die Solon und Charondas, als Verfasser 
von Gesetzen genannt werden, sondern auch ein nomoc Kannconoy in Atben, 
eine phtpa J 6niTAAA (Epitadeus kann er nicht geheifien baben, wenn ihn die 
meisten beute auch so nennen) in Sparta als solcbe bezeichnet wurden. Es ist 
aber kaum moglich, dafi die Antragsteller fur ein Gesetz, das das Volk in nor- 
maler Weise angenommen hatte, weitere rechtliclie Verantwortungen trugen, 
wie es bei Psephismen mindestens denkbar war. In Erythrai ist die Nennung 
des einzelncn um so auffalliger, da die Psephismen von Beamten beantragt 
zu werden pflegen, so dafi die demokratische Initiative der phtopgc kaum 
gestattet war. Diese praktisch bedeutsamen Dinge verlangen nach einer 
zusammenfassenden Bearbeitung; Vorberatung durch die Beamtenschaft, so 
dafi selbst der Rat zuriicktritt oder ausgeschaltet wird, ist zuerst in Asien, 
dann immer weiterhin wahrend der hellenistischen Zeit aufgekommen; und 
selbst die Vorstellung, dafi ein Rat iiberall bestand oder doch eingriff, 
scheint unhaltbar. 

Das Psephisma, das unter dem Gesetze stand, mag sich auf denselben 
Gegenstand bezogen haben, ist aber ganz unkenntlich: hahn wird Rest 
eines Namens sein. Dafi nur der Rat beschlofi, entspricht dem zu 6 Be- 
obachteten. 

8. Priestertum der Kyrbanten. 

»Linke obere Ecke einer Marmorplatte, gefunden am Siidabhang der 
Burg, 29 cm hoch, 34.5 cm breit. « Jac. Schone klare Schrift, 28 Buch- 
staben ctoixhaon ohne Rucksicht auf Silbentrennung. 

6 TTPIAMGNOC KAI H nPl[AM6NH THN I6p] 
HT6IHN TUT KyPBANTCOn[ C£Tj 

ai tui opricoi tui l '6pchc [kai 

OPHC KAI 0AN1AOC, HM M£n[ 

5 nACi, ei AG mA, oTc eeAHi ka^ 



Nordionisc/ie Strine. 33 

6 HI KATA TO YH*ICMA' 01 A6 r/piAMGNOIj 

tac lePHTeiAC tgagyci k'ai 

IGYCI KAI A0YC0YCI TOy[c TGAGYMeN 

OYC MGN anhp anapac h a[g tynh tyna 
■ ° Tkac, rePA ag aaygtai a] 

C OSOAOYC, KPHTHPICMo[ 

c, kai tom n6Kor kai to [ckgaoc egnwn 

Ae tgagymgnwn An' gk[act 

eiuN TpeTc apaxmac[ 

>5 KAI TO CKGAOC TO TTA! TTaJ 

PATI6GMGN0N ka'- 

10 Das letzte a kann audi a sein; ebenso 15. Von 17 unsichere 
Reste. Die Buchstabenzahl durch die sicheren Krgjinzungen 1, 6, 8, 9 
gegeben, die Jacobsthal gefunden hat. [onischer Dialekt, Psilose scheint 
13 vorzuliegen. Bemcrkenswert ist zwar nicht et ag mh korrespondierend 
niit hm m6n, wold aber oic ecAm ohne an. Die Krganzung stofit auf ungewohn- 
liche Schwierigkeiten. Wcin sind 6 die Kaufer durcli a6 gegeniibergestellt? 
Ich kann nichts linden als eben diese Personen einzeln. Da ihre Pflichten 
erst von 6 an erscheinen, und was vorhersteht in ihrein Belieben bleibt, 
scheint zuerst ein Kecht gestanden zu haben, das ihnen durch ihr Priester- 
tum erwuchs, ich denke die Teilnahme an dem option der Herse usw., die 
also nicht rnit den Kyrbantes identisch sind. Worauf gcht ttaci 5? Ich 
kann nur denken, so ungern ichs tue, da6 optioic zu verstehen ist, obwohl 
dann vor jedeni Gottesnamen tui erwartet wird. Der Singular option ist 
iiberhaupt bisher in wirklichem Griechisch unerhort. Also etwa ttapacthcgtai 

TUI dPricdl THC L '£PCHC KAI OPHC KAI 0ANIAOC HM MGN AYT6c O^AHI TTACI. 

V. 5 schlagt L. Ziehen, den ich als den hesten Kenner dieser Sakral- 
inschriften befragt habe, kai gttibAaahi vor. Oanic betrachte ich als ein 
Femininum, wie es die beiden anderen sind; die mittlere schwerlich eine 
koph, eher eine -xoph oder -atoph. Die Amtspflichten der Priester sind klar 
bis auf das -izgin; Ziehen schlagt gnsponigyci vor, was sachlich fur die 
Korybantenweihen pafit; aber das Wort ist nicht gut; Platon redet von 
der epoNucic. Ich erwarte den Begriff der Entsiihnung, Reinigung. Das 
Gesetz des Apellias zeigt, da!3 die Buchstabenzahl nicht immer unverbriich- 
lich eingehalten ward, aber dadurch wird eine Krganzung wie a^atnigyci 
Phil.-htit. Klasse. WOO. Abh. II. 5 



H4 von Wi lamowitz-Mokij-endorkf: 

nicht minder willkurlich. DaB 9 der Artikel vor anapac fehlt, zeigt, dafi 
toyc tgagymgnoyc anapac noch als eins empfunden ist. Nachher wirkt die 
Bindung der beiden ttpiamgnoi darin nach, dafi der Singular steht, denn 
10 aatgtai anhp (was ja anhp sein konnte) wiirde nachher die tynh fordern, 
die man schlecht unterbringen kann. Mir gefallt An' actoy tpcTc oboaoyc, 
kphthpicmoy ag tgccgpac. Das Ansetzen eines Mischkruges, aus dem doch 
getrunken wird, kann passend eine besondere Sportel bringen; die heilige 
Handlung kennt jeder aus der Kranzrede 259, die an sicli einleuchtende 
Erklarung gibt Photius. Auf den Burger hat mich die Erganzung der 
Fremden 12 gefuhrt, die mir gefallt, und dann erwartet man » von jeder 
Dienstleistung«, also ohne die Unterscheidung des kphthpicm6c. Ein Wort 
lindet sicli aber schwer; doch ist wold An' gkUcthc tun atnJgicon denkbar. 
Danach wiirde man kai tom noKON fur sicher halten, wenn es nicht um 
einen Buchstaben zu kurz ware. 1 5 erwarte ich to nA - - Ae to nAPATiee- 
mgnon, so da(3 etwas, das auf den Altar gelegt ward, dem Geweihten oder 
dem Weihenden gehoren sollte. 

Diese Kyrbanten wiirde man an sicli geneigt sein, mit irgendwelchen 
der Korybanten zu identifizieren, deren Priestertiimer in der Liste Syll. 600 
vorkommen. Sicherheit gewahrt eine merkwiirdige Entdeckung, die mir 
Hr. Dr. Josef Keil zuvorkommend mitgeteilt hat, zugleich mit einer 
kleinen aber so scharfen Photographic, dafi sie voile Kontrolle gewahrt. 
Gedruckt ist b 95 kopybantcon Gy^ponigiun kai Gaagicon eni Gaagco "Icduc 
e [teiJcgn J ANTinATPoc, was man sich wirklich eingeredet hat zu verstehn. 
c 154 hat man wenigstens kahpon6moc oyca tun Apictomenoy toy MHTPOAU){eKeN 
tht rYNAiKeiAN HroPA)poY kata AiAeHKHN die eingeklammerte Zeile als fremd- 
artig ausgeschieden. In Wahrheit hat der Schreiber b 95 den Satz ge- 
schrieben kopybantcon Gy^ponigiclin kai Gaagicon GnieAAGcocGcoc g'ng kgn thn tynai- 
kgian htopacgn "ANT.nATPOc, aber die erste Zeile in Rasur, die zweite als 
ihre unmittelbare Fortsetzung auf der rechts anstofienden, damals noeh un- 
beschriebenen Seite der vierseitigen Stele. Der nachste Posten ist tcon 
anapgicon htopacgn Apictokahc. V. 1 06 wird wieder das Priestertum kopyban- 
tcon eAAGicoN anapgicon verkauft. Nun kann niemand zweifeln, da(3 das »weib- 
liche Priestertum « eben das der Kyrbanten ist, von denen wir in der 
neuen Inschrift lesen. Das ist ausnahmsweise GmeAAGicocccoc gngkgn von 
einem Mann erworben. Wenn dann gleichzeitig ein anderer das Priester- 
tnni tcon anapgIcon kauft, so kann niemand die mannlichcn Korvbanten mehr 



Nordionische Stelne. 35 

verkennen, und unsere Kenntnis der Damonen macht einen unverachtlichen 
Fortschritt: die Herse usw. unserer Inschrift sind am Ende doch weibliche 
Korybanten. Das neuc Ratselwort emeAAeucic hangt natiirlich mit dem 
Namen Kopybantgc Gaagioi zusammen, die dann unmoglich von einem Gaahc 
abgeleitet sind, sowenig wie die anapgToi von einem j Anap£ac. Uberhaupt 
konnen die nach ihren sterblichen Stiftern benannten Kollegien von Rhodos 
unmoglich Belege abgeben fur Gotter, die nacli den Stiftern ihres Kultes 
benannt waren, obwohl dieser Gedanke Foucarts sinnreich ist und Bei- 
fall gefunden hat. eAAeioYN kann nur heifien zum eAAeioc machen, und 
wenn diese Korybanten Gaagioi sind, so ist die emeAAeiucic eine Prozedur, 
die diese ilire Eigenschaft wiederlierstellt uder auf'f'rischt. Urspriinglich 
wird sie dieselbe sein wie die der aaic gaagia und mit eAAAeiN zusammen- 
hangen; aber das genaue ist mystisch, mindestens fur mich. Nur so viel 
crschlietit man nach Analogien, dafi die Geweiliten die Eigenschaft der 
Gottheit uberkommen, wenn sie niclit gar selbst Gotter, Korybanten werden; 
die enieAAeitocic geht sie also audi an. Bei Hesych stelit oder bei Diogenian 
liat docli gestanden: oaacioc kaoapoc. Diese Korybanten sind aber auch 
6Y»PONieioi, also von einem 6y*p6nioc abgeleitet. Da das niclit gut ein 
Menscli sein kann, ist es eben ein Gott, in der grammatischen Bildung von 
einem £y«pu)n und einer Gy4>p6nh und £y*pocynh geschieden, und- das ist 
niemals bedeutungslos ; aber diese Damonen zeigen doch, dafi es auch einen 
Damon 6y<i>p6nioc geben konnte. Die Mystik wage icli niclit zu entratseln: 
nur ist es eben Mystik. 

9. Bescliluf3 fur Telesidromos. 

» Gefunden in der eecic Alan. Runter Kalkstein von Geredje (das ist 
der Name des Dorfes 11. 0. von Lithri, dem auf dem Kiepertschen Itinerar 
ein Kragezeichen beigefiigt ist), 37 cm liocli, 25 cm breit; reclits gebrochen. 
Uber der Inschrift in ganz llachem Relief ein Kranz, ganz wie fiber dem 
Dekret fur Phanes, Dittenbcrger, Syll. 2 1 1 . « Schrift noch sclion, aber 
sclion Ansatz zur Verdickung der Knden. charakteristisch O, in Krythrai noch 
niclit bemerkt. Anfang 3. Jahrhunderts. ctoixhaon, 35 Buchstaben, keine Sil- 
bentrennung. 

eJAOieN THI BOYAHI KA i TUI AHMCOI, CTPATHTUNj 

nPYTANGUN eieTACTu[N tnumh ' eneiAH TeAeci| 
apomoc Ggyawpoy Xaak'iaeyc GYNOYC OJN kai n] 

5* 



BC) VON WlL A M O WITZ - M OELL ENDORFF : 

4 P06YM0C AIATeA£T TtOI [aHMUI TWI J 6pYePAia)Nj 

5 KA] XPeiAC nAP€ICXHT[AI ToTc ENTYTXANOYCI,] 
AGA0X9AI TWI AHIMGJI ' [enAINGCAl MEN AYTOhl] 
KAI CT£<t>ANWCAI [xPYCGJI GT£«ANG)I AP6THC Gn] 
[SKA] KAI GYNOIa[c - - 

Die richtigen Ansiitze zur Erganzung, die Jacobstlial gemacht hatte, 
habe icli init Sicherheit zu Ende gefvihrt, nur 2 und 6 lassen sich ohne 
Verletzung der Buchstabenzahl nicht so erganzen, da 13 derselbe Name ein- 
tritt, wie docli zu erwarten. Ich habe ihn 2 mit Wahrscheinlichkeit er- 
ganzt; was 6 stand, mochte icli daliingestellt sein lassen: men ayton geht 
an, wenn vor ettain^cai als Interpunktion freier Raum war. Bei dem Chal- 
kidier denke ich lieber an einen EubSer als an das Dorf des Mimas Xaa- 
KiAeTc, obwohl auch das damals selbstandig gewesen sein kann. 

10. Bruchstiick eines Elirendekrets. 

In der Schule. Bruchstiick, rechts vollstandig, blaulicher Kalkstein. 
Schone Schrift, zweite Halfte 4. Jahrhunderts ; auf dem Bruchstiick, das 
Bechtel, Ion. Inschr. Taf. 5 (GDI 5688) abbildet, sind die Formeln identisch, 
aber die Schrift befremdlich jiinger, auch wenn man die Mangel der Nach- 
zeichnung abrechnet. T hat Haken an dem Querstrich, z fast parallele 
AuBenstriche. ctoixhaon, 18 Buchstaben. 



toic aaaoic eJyeptgta 

IC, £?NAI a' AjYTOTc KAI £ 
CnAOYN KAJl EKTTAOYN KA 
5 i TTOAEMOy] KAI EIPHNHC 
ACYAI KAI 1 ACnONAI KAI 
a!kAC nPOJAIKOYC KAI £ 

riAP - - 

2 — 7 nach dem Dekret fur Maussollos und dem ahnlichen Bruchstiick 
GDI 5688 ' von Jacobstlial erganzt; dort folgt noch Proedrie. Washier 
stand, habe icli nicht gefunden. Dort stehen die normalen Formen acyaei 
kai AcnoNAei; aber sie wechseln, seit Archilochos amicgi gesagt hat. 



1 Darin lautet es tpayai ac taota ka] seTnai ec to AeHNAloN. worin Bechtel mit 
Unrecht Auslassung von ec cthahn aniiiiiinit; dann docli gleicli auch eeiNAi aythn. oder 



Nordionische Steine. 37 



ii. Gesetz fur den Asklepioskult. 

• Marmorplatte, oben und unten gebrochen, 0.488 m lioch, 0.397 m 
breit, 0.1 m dick, auf beiden Scitea beschrieben. Sorgfaltigstes ctoixhaon 
mit Silbenteilung, 30 Buchstaben. Gefunden im Dorfe bei dem Hause des 
GeoAtopoc Tkatzoynhc." Jac. Jetzt im Berliner Museum; die Abschrift babe 
icli wiederbolt naehgepriift. Tjber die Zeit, die ich auf 380 — 360 schatzen 
mochte, oben zu Nr. 6. Die Orthographie ist wie man sie erwartet: be- 
merkenswert, daB ev und eo in demselben Worte wecbselt, Ruckseite 25.31. 
Der Grund dieser ionischen Schreibung war, da6 man ev anstofiig fand, 
weil man y niclit mehr u sprach (wie auf dem Festland iiberall aufier 
Attika und in lonien zur Zeit des Epos), wohl aber eo meistens einsilbig. 

»Die Vorderseite entbalt die Opferordnung fur den Kult des Apollon 
und Asklepios. Dessen Kult in Erythrai bezeugten bisher nur die Kupfer- 
miinzen der Sabina, lulia Mammaea und des Gallienus, die das Bild des 
Gottes auf dem Revers tragen. Br. Mus. Coins Ionia Erythrai Nr. 256. 
268. 271. Auch Priester begegnen nirgends. Jac.« Die Aufnahme des 
Kultus durcb die Gemeinde und die Bestellung des Priesters muB in der 
Urkunde vorangegangen sein. Text umstehend. 

4 J AcKAH r niO>lj, 5 GKA^TePUl T(dl 66(01?], 6 KAI HN GY^HI - -j, J eYGTU KAI - -, 
8 [nPOjTIG^NAI Ka'i " -, 9 r MHjA£ AireilOl M;HA£, IO "AcKAHniUI TU)[- - II eYGTO) 

6koTa [an, oder auch ohne an, eeAm Jac.]. Es war das Ziegenopfer unter- 
sagt, vgl. Isyll. 86, und noch anderes, das ich nicht raten will. »6koTa' der 
erste inschriftliche Beleg fur das ionische k.« Jac. 12. 13 erganzt Jacobs- 
thai tui J AnoAA0)Ni ka[i twi AcKAHmuii £pmhjthn cynsygin ip . ., nicht unwahr- 
scheinlich, vgl. 22, aber nicht sicher. Das letzte Wort iniifite dann ipon 
sein, denn an ipgT durfte er nicht denken. 13 [hn as boyn byh twi AJ (14) 
ndAAUNi h twi AcKA^Hniioi, eni thn tpaj (i5)nezAN nAPATieeTco r[S>\ eeuii gkat^pcoi] 

(l6) BOIOC TPeTc CAPKAC <[aI CnAATXNA KAI (17) TUI IPG? AY ' OBOAOYC. So siclld' 



lieber anageinai. Es ist untadelliaft, zu sagen •dies aufschreiben und in den Tempel nieder- 
lejj;eii ■• , niimlicli aufgesclirieben. Wer kann verlangen, dati mitgesagt und mitprotokolliert 
vvird, worauf geschrieben wirdl' Die erhaltene Stele brauclit gar nicht gemeint zu sein; die 
kann der Geehrte nacbtraglich irgendwo aufgestellt haben. 

1 opnic 6'kuc stelit in einem Grabgediclite aus dem i. Jalirhundert n. Chr. bei Latyscliew 
(Materiali usw. 89 — 91). Wat/.inger, Siidrussisclie Grabsteine 319. Vers 9; aber das ist 
Nachalunuiig des Kallimaelios, die dort gleich in dem ersteii Worte abaae hervortritt. 



38 



VON WlLAMOWITZ-MoELLENDORfK 



Vorderseite. 



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Nordionische Steine. 39 

Riickseite. 



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i Y i H A A K A . . 
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ANAiKAAP I ONAA I MoNAKAE I No TAT ON 
I E P A I A N 

YMNEITEEPIiPONAAIiAPoAAftNOiKYANOPAOKAMOY 
PAIAAiEAEYKONONAYTOirEINAroXP'.^AYPAi 
[ ]..NEITEMHAIAOE£OE..[ ] 

■9 In (Ifin r von ETAITAI ist ein keines schiefes N spiiter unten zugefiigt. 



40 von Wil amo witz-Moellendorff: 

von J;ic. erganzt; die Gotter liaben wolil jeder seinen »Tisch«, auf den 
seine Opfer gelegt werden; diese Tische sind wohl die bumoi, 35; es be- 
kommt aber immer der andere auch seinen Anted. Hier wird mit Rind- 
opfer gerechnet; die Opferordnung unten Nr. 12 tut das nicht, sondern kennt 
nur das Opfer eines ausgewachsenen (t^acon) und eines saugenden Tieres 
(taaaghnon), wobei in der Regel an ein Schaf zu denken ist. Danacli sind die 
folgenden Zeilen zu verstehen und zu behandeln. Zu nierken, dafi die Opfer- 
stiicke beim Rinde capkcc. bei dem Kleinvieh kpca heifien. Die Schreibung 
boioc wiirde man in Attika fur zweite Halfte des 4. Jalirbunderts in Anspruch 
nelnnen; fiir Ionien konnen wir solche Scldiisse nocb nicht wagen. 17 hn [a£ 
tcoi eTepcoi tj ( 1 S) peon gyh tcacon, nAPATie r eTU tcot€pcoi] (19) eni thn TpAnezAN tpia 
kpc[a kai cnAATj (20) xna kai tcoi ipeT oboaon. Was der Hauptempfanger des 
Opfers bekoinmt bleibt als notorisch ungesagt, und aus nAPATioeTco ist fiir 
das letzte Glied der allgemeinere Begriff aotco zu entnehmen. tcot6pcoi mit 
Psilose ziehe ich dem attiscben gatcpcoi vor. 20 hn a\s i-aaagh] (21) non 

6YHI, TPIA KPGA KAI CnAAN[xNA" HN Ae] (2 2) GYCTA 6YHI, «60Tr KAI ePMHTHN n^APATl] 

(23) octco tcoi eecoi eKATeptor oca ag eni [thnJ TpAnezAN nAPATeefii, tayta gTnai 
re (24) pa tcoi ipeT. Alles von Jac. erganzt, der zu Spmhthc vergleiclit Hesych 
l 6cmhc . . . neMMAToc gTaoc KHPYKioeiAec; es war also ein geflochtener Week. 
gycta ist also dem Sinne der Wurzel und dem homerischen Gebraucbe 
gemafi was der Athener gymiamata nennt. Jac. meint, hiermit ware die 
Hesychglosse gycta gycia gerecbtfertigt ; das kann nur zugegeben werden, 
wenn man sie zugleicb als bis zuin Unverstande verstiimmelt anerkennt, 
denn wer gycta wirklich verstand, konnte nicht » Opfer « als Erklarung 
geben. 

25 OTAN AG H nOAIC THN GYCIHN 

tcoi 'AcKAHniui noifii, ta thc noAecoc 

nPOTCGYCGAI YnCP nANTUN, IAIC0THC AC 
MHAGIC nPOGYCTO) CN THI eOPTHI, ANA AC 
TON AAAOT XPONON nPOGYGTO) KATA TA 

3° nporerPAMMCNA 

Die Bestimmung ist an sich einleuchtend; npoefem ist eigentlich »friiher 
opfern«, aber oft abgegriffen, hier nicht ganz logisch formuliert. ana mit 
dem Akkusativ fiir Zeitbestimmungen ist als spezifisch ionisch aus Herodot 
sehr bekannt. 



Nordionische Steine. 41 

3° OCOI A6 erKATAKOIMH 

eeNTec eyciHN attoaiaojci tui j Ackah 

nidil KAI Tlil AnOAAtONI H eoiAMGNOI 6Y 
CIHN AnOAIAUCIN, OTAN THN IPHN MO? 

pan eniefli, nAiidNizeiN itpwton nepi 

35 TOM BUMON TOY AfTOAACONOC TONAe TOM 
nAIUNA eCTPIC' 

Sehr schon ist der Ubergang vom Plural zu dem Singular eniefli; die 
iph moTpa ist hier der vom Tarif vorgeschriebene Teil, den die Gotter ab- 
bekommen, nicht ein bestimmtes Stuck des Leibes wie in milesischen Opfer- 
ordnungen, Sitzungsber. 1906. 259, Abhandl. 1908, Sechster Bericht tiber 
Milet, 28. »ecTpic ist cine schone Bestatigung far Wackernagels riclitige 
Interpretation der literarischen Stellen (Kuhns Zeitschr. 28, 133), wenn 
es einer solclien noch bedarf. Ilier im Ritual ist es selbstverstandlich, dafi 
es keine Latitude gibt, sondern eben, nicht mehr und nicht weniger als 
dreimal'. Jac. « 

Fur die privaten Opf'er wird also verordnet, da(3 bei der Darbringung 
der geweihten Opferstucke dreimal um den Altar geschritten (getanzt) 
werden soil und gesungen 

ih nAiUN" oj, ih nAiuN (dies dreimal) 
[S] (a;nai ""Attoaaon oeiAeo koypcon 
♦eiAeo 

Wie weit das Lied an Apollon noch ging, ist unbestimmbar ; da Askle- 
pios noch bedacht werden mufite, ist ein Paan gefolgt, der beim Uin- 
tanzen seines Altares zu singen war. Das Gebet an Apollon fordert ihn 
auf, die Jugend zu schonen als aagiIkakoc. AnoTPonAToc (wie er in Erythrai 
hiefi 12, 2), weil er sclbst Pest und Tod senden kann, wie in der Ilias'. 
Asklepios lelmt sich an seinen Kult an. Den Ruf des Piian will ich nicht 
metrisch schematisieren : ih fiakon ist fur Herakleides Pontikos ein iambisches 
Metron und ebensogut ein daktvliseher Dimeter gewesen (Athen. 701 f.). 
Zwischen je zweien soldier Rule ertont ein lang-gezogenes 0; ich messe seine 



1 Jadobsthal hat dem entnehmen wollen, daB der Kult gelogentlich einer Pest ein- 
gefiihit ware. Das ist zu vie] geschlossen, da ja das Lied fiir alle Zeiten eingefiihrt wird, 
also dem dauertiden VVesen des Gottes entsprechen muB. 

Phil.- hiit. Klas.se. 1900. Abh. II. <i 



42 von Wil amowitz-Moellendorff: 

Lange nicht. Audi die ersten Worte des Liedes fugen sich verschiedenen 
Messungen. 

Auf der Riickseite steht iiber dem spaten Nachtrag ein uns bereits 
bekannter Hymnus an Asklepios (V. 16 — 33), ohne Uberschrift. Abcr das 
Lied, das ihm vorhergeht und durcli eine halbe leere Zeile getrennt ist, 
geht auf dieselbe Form des heiligen Rufes ienAiAN aus wie der Asklepios- 
hymnus. Die Annahme ist unabweisbar, dafi es der zugehorige Apollon- 
liymnus ist, der also mindestens V. 4 — 15 umfafit. Der Schlufi von V. 3 
war leer; davor ist niclits kenntliches erhalten; man kann nicht einmal 
sicher sagen, da!3 es nicht zu dem Hymnus gehorte, oder ob es Prosa 
oder Poesie war. Immerhin konnen diese Lieder zu dem Paan der Vorder- 
seite nicht gehoren, den jeder private Opferer dreimal singen sollte. Dies 
wird also das Lied sein, das die Gemeinde bei ihrem feierlichen Opfer 
(lurch einen Chor vortragen lafit, der ja audi als koypoi angeredet wird; 
dem entspricht auch die Erweiterung zu Ehren des Seleukos hier und 
die Fiirbitten, mit denen man das Asklepioslied in Agypten erweitert hat. 
Kenntlich ist von dem Apollonliede ein Refrain, ih ih nAicoN in ungleichen 
Absatzen V. 4. 8. 12. Vor dem ersten lies! man - xopoi. Danach makaipa 

- - an J AnoAA0) - - xpychaakatoc (oder welcher Kasus es war; drei Buch- 
staben fafite die letzte Silbe) - ai eeAi (- ai eeXi?). Das wird doch wohl die 
Geburt Apolls durch Leto angegangen haben, oder sie kam lieber erst nacli 
dem zweiten Refrain, wo eine Anzahl weiblicher Wesen aufgezahlt waren, 

- oc eoKAPnoY Te 01 ag ce^IiPAi ie - - aotika xgpcin und wieder nach dem 

Refrain - [XNeJTeiAAC j 'Attoa[aon] - - AsaooTc; wo iibrigens die Reste so un- 
sicher sind, daB ich vor dem Stein auch - napoic fur moglich hielt. - - ienAiAN. 
Damit ist nichts anzufangen: Daktylen erkennt man aber wie in dem Askle- 
piosliede, und in -01 Ae ce^flpAi scheint ein Hiatus ganz wie dort zu- 
gelassen. 

Fixr den Hymnus an Asklepios haben wir die Niederschrift aus dem 
agyptisehen Ptolemais vom Jahre 100 n. Clir. und die zu dieser stimmenden 
karglichen Reste einer Niederschrift aus dem athenisclien Asklepieion, die 
noch jvinger ist und praktisch ohne Wert 1 . Der Hymnus des Makedonios 
(IG III 171 a) stellt sich als eine Uberarbeitung dieses Hymnus dar, die fur 



1 Der Hymnus von Ptolemais, tadellos erhalten, ist publiziert Revue archeol. 1889, 70, 
das athenisclie Exemplar, IG III 171c, ward sogleich von E. Ziebarth erkannt; herge- 



Nordionische Steine. 43 

diesen selbst aber audi nichts lehrt. Es hat an sicli keine geringe Be- 
deutung, ein Kultlied zu kennen, das um 360 v. Chr. mit dein neuen Gotte 
seinen Einzug in Erythrai gehalten hat, zwei Menschenalter spater bei der 
Griindung von Ptolemais am oberen Nil angestimmt ward (denn die da- 
malige Welt verlangte sicherlich sofort nach einem Kultlokal des Heilands 
in einer Neustadt) und dort 400 Jahre nnd wer weiG wie viele mehr in 
Gebrauch blieb; es wird an hundert und aber hundert Orten ebensolange 
gesungen sein, wofiir ja Athen einen Beweis liefert. Die Veranderungen des 
Textes samt seinen Zusatzen bieten ein anderes auch nicht geringes Interesse. 
Icli setze nun den Text her, wie er sicli durch Erythrai ergibt; die 
Erganzungen, die in Klanimern stehen, liefert Ptolemais, dessen Varianten 
unten stehen; doch ist die Entstellung, soweit sie das lyrische a durcli das 
attische e ersetzt, beseitigt und nicht weiter beriicksichtigt. Orthographische 
Variante ist eigentlich auch eYAYreT fur ewe'i; der Thesaurus liefert schon 
Belege genug, die sich sehr leicbt vermehren lassen. 

TTaiana kayt6,mhtin AGICATG 

koypoi [Aatoiaan l GKjATOn, lerrAiAN, 

be meYa xap[ma bpotoTcJin ereiNATo 

Mixeeic gm 4>i[a6thti K opuniai cn tai tai 0AerYeiAi, 

5 'lHnAl]AN, AcKAHniON, 

aaImona kaeino^taTjOn, tenAiAN. 



stellt hat es E.Preuner, Rhein. Mus., 11^ 315. Men Nachtrag von Ptolemais seize icli gleich 
liierlier: 

NeiAOY Ae poac auihc makap aiaioyc 

KAI TAIA6 n6A6l 6AA0C AMBP<klON 

nAcm T£ atan6n ka£oc AirYnTui. 

XAJpe moi (L TTaian in £maic ey«Poci taica' aoiaaic 

xaFp 2 TTYei 1 AnoAAON. 

Die Ana paste, das MaB der spaten liieratisclien Poesie, sind angellickt; die Interpola- 
tion, die ihren Ganj; zerstort, entstainmt dein Irrtnm, sie losgelost zu denken, denn den 
Infinitiv regiert a6c aus der let/.ten Strophe des Paans. Der darauf folgende freigebaute 
choriambisclie Tetrameter oder Priapeus (- ->" - ..._..._, _ ; wer meine choriam- 

bischen Dimeter verstanden hat, wird sich nicht vvnndern) reicht in alte hieratisehe Forinel- 
poesie zuriick; ieh babe mit iliin ein attisches Skolion verbessert (in Kaibels Atheniins 694I1). 
Der letzte I'herekratens stimmt dazu: ein soldier Anruf konnte dein nAlcoNizeiN der Privaten 
in Erythrai entsprechen. Wir di'irfen ihn dreist fiir den panhellenischen Knit des Pythiers 
in Anspruch nehmen. 

6* 



44 von Wil am o witz-Moeliendoeff: 

7 [to]? ag kai gsgtgnonto Maxawn 

KAI TToJaaJaGIPIOC ha' IaCCi), IGTTAIAN, 

A1Va[a t'] eoconic TTanakgia tg, 
io J HnioNAC nA?Aec cyn atakaytcoi e6AreT "YneiAi. 
ihttaian "AcKAHmdN, 
aaimona ka61notaton, igttaian. 

xaTp£ moi, Yaaoc a' gttinicgo 
tan aman noain gypyxopon, igttaian, 
15 aoc a' hmac xaipontac opan *aoc 

AGAIOY AOKIMON CYN Ar"AKAYTQ)l gyatgT ^YriGiAi. 
mnAiAN Ackahtti6n 

AAIMONA KAGINOTATON, IGnAIAN. 

2 ie u le ttaian Pt 4 Der Schreiber von E liatte erAi tai 0a. fur 

ausreichend gelialten, den Nasal in errAi also der Aussprache iiberlassen; 
eine spate Hand hat ein n unter das r gesetzt. Pt laBt mit Absicht errAi 
fort. 8 j Iacu> j Akgcw tg ttoayaaitoc £0 ig ttaian Pt 9 Ataaia E, AIVaa 

Pt 10 gyaytgT Pt 11. 12 Ackahttig, aaTmon kagin6tatg Pt 14 amgt^pan 

n. GY. IG U) IG TTAIAN Pt l6 AOKIMOYC Pt GYAYTG? Pt 17. l8 Wie II Pt 

Also der einzige Fehler in E ist, da 13 der Name AItaa Ataaia ge- 
sclirieben ist, ein deutlicher Beleg, wie unbekannt diese Person war; ver- 
bessern wiirde man es aucli oline Pt mit Hilfe des Metrums. amctgpan Pt I 3 
ist niclit schlechter als tan aman, aber gewohnlicher. Von den Entstellungen 
in Pt ist 16 interessant, weil darin eine gewisse Wandelung der religiosen 
Stimmung liegt. Der Dichter bittet darum, mit frohem Mut schauen zu 
diirfen *Aoc agaioy aokimon cyn ytigiai, ein Sonnenlieht, das halt, was man 
von ihm erwartet, aokimon, probehaltig, denn es hat Gesundheit zur Gelei- 
terin. Freilich sagt man aokimoc am haufigsten von Menschen, und zvvar 
im Sinne von »angesehen«, auch wohl »ansehnlich« ; aber aokimoc ymnoc 
Pind. N. 3, 11, m6pon aTpu aokimcoc noAYnGNefi Aisch. Pers. 547 »ich erhebe 
das Geschick der Erschlagenen wie sich gebiilirt mit viel Klagen«\ Das 
zeigt, dafi hier nichts ganz singulares steht; aber allerdings ist xaIpontac 
opan *Aoc hgaioio etwas gewohnliches; erst der Zusatz gibt dem Bedeutung, 



1 Kin allerdings verbreitetes MiBverstandnis findet das gewohnliche a6kimoc auch 
Pers. 87 a6kimoc a' oytic eipreiN kyma, wo in Wahrheit a6kimoc gleicli fipocaokimoc ist. 



Nordionische Steine. 45 

dafi das bloBe Leben kein echtes Gut ist, aa6kimon, wenn die Gesundheit 
fehlt, die Asklepios verleihen kann und soil. Der Hymnus des Ariphron 
an Hygieia erklart das genauer. Pt bittet den Gott, urn das Sonnenliclit 
freudig scliauen zu lassen aokimoyc, acceptos als ANepconoYC gyaokiac: da 
ist das Verhaltnis zwischen dem Glfiubigen und seinem Gotte in der Rich- 
tung entwickelt, die der Diinkel der Juden und Christen als ihre spezi- 
fische Frommigkeit in Anspruch nimmt. Rein formal ist das Einsetzen des 
Vokativs 1 1 und 1 6 : der Dichter hatte sich erlaubt, den Akkusativ, der 
5 einfach Objekt war, in der Wiederholung von dem Rufe ihftaian ab- 
hangen zu lassen, gleich als ware das eine Interjektion wie <JS. V. 8 ist 
eine weitere Gottlieit eingefiigt; 10 und 14 sind lediglich metrische Er- 
weiterungen; beides mufi im Zusammenhang mit VersmaB und Inlialt be- 
sprochen werden. 

Das VersmaB der Strophe ist 



Davon werden die beiden letzten Zeilen als Refrain wiederholt und 
am Schlusse des zweiten Verses steht immer (wie am Scldusse der ganzen 
Strophe) ienAiAN, das so behandelt wird, als beganne es mit einem Konso- 
nanten: auch die lonier werden da mindestens versucht haben, einen scharfen 
Hauch zu sprechen. Deutlich sondern sich so drei Perioden, innerhalb 
deren man Synapliie anerkennen wird, denn 4 Kopconiai gn tai respondicrt 
mit ll atakaytui gya-, und 9 rfANAKeiA Te J Hn. mit 15 opan <>aoc aea-; mit 
anderen Worten, es ist der Hiat hinter vollem Daktylus ganz so erlaubt 
wie im Hexameter vor der bukolischen Diarese; in dem Hymnus an 
Apollon scheint aucli -01 ag ce ^Hpai gestanden zu haben. Man wird sich 
das fur das kata aaktyaon £Taoc der Lyrik hinter das Ohr schreiben. Wir 
haben also erst neun Daktylen (4 + 5), dann elf (44-5 + 2), und der 
Spondeus im drittletzten Fufie lafit den tTberschufi von zwei Daktylen 
scharf in das Ohr fallen. Endlich ein iambischcr Dimeter 4- daktylischer 
Tetrameter. Hier ist kein Bau nach Stollen und Abgesang; bier lassen 
sich die Summen der Daktylen audi nicht durch 2 dividieren; es sind 
wirkliclie Daktylen. Wer die iihnlichen Lieder des Dramas auch so anzu- 



46 VON WlLA MO WITZ-MOELLENDORFF : 

sehen gewohnt ist, wird eine kraftige Bestiitigung seiner Beobachtungen 
in dieser Strophe finden. 

In der Fassung von Ptolemais ist die erste Strophe durch Erweiterung 
von 2 und Verkiirzung von 4 wirklich zu zwei gleichen Stollen von 4 + 6 
Daktylen gemacht; der Hexameter wird den Sangern als solcher erwiinscht 
gewesen sein. Ihn hat man audi im zweiten Verse der dritten Stroplie durch 
Zusatz erreicht; aber die notige Strcicliung in dem vierten Verse ist ebenso 
unterblieben wie in dem der zweiten Strophe. Da hat eine groBere Erwei- 
terung im zweiten stattgefunden, die zwar audi einen Hexameter erzeugte, 
ha' j Iacu J Ai<ecco Te ttoayaaitoc, w ie raian; aber einen uberschiissigen Dimeter 
davor bestehen liefi. Das Ganze ist also unbefriedigcnd gelilieben: nur Will- 
kiir, auf die sich niemand verlassen konnte, hatte versuchen konnen, Stro- 
phen herauszuschneiden. Aber den SchluB durfte man und konnte man 
niachen, daB urspriingliche strop] liscbe Gliederung zerstort ware. 

Der Inhalt ist »Jiinglinge besingt den Paan Apollon, der den Asklepios 
erzeugt hat«. »Des Asklepios Kinder sind die und die mit Hygieia«. 
»Komme gnadig in unsere Stadt (Asklepios) und la(3 uns gute Tage schauen 
mit Hygieia«. Von Apollon geht es aus; an seinen Kult lehnt sich der 
des Asklepios, der ja in der dritten Strophe wirklich als ein neuer Gott 
zuzieht. Dem entspricht das Ritual in Erythrai, entspricht noch der letzte 
Nachruf des Liedes in Ptolemais (wo Apollon gar der Pythier ist). Damit 
ist gesagt, dafi dieser Asklepios nicbt von Athen kommt: da hat er mit 
Apollon kcine Verbindung; audi nicht aus Epidauros, dessen Genealogie 
wir kennen; von da kommt er ja audi als Schlange. »Im Lande der 
Phlegyer hat Apollon diesen Asklepios gezeugt« ; das ist also seine oder 
seiner Mutter wirkliche Heimat, Thessalien, Trikka, wie es im Homer und 
Hesiod stand. In der zweiten Stroplie werden die nApeAPOi des Gottes auf- 
gefuhrt, die ja als neue Diimonen mitkoinmen und Anteil an dem Kulte 
des neuen Hauptgottes haben. Wo und wann diese x^uswahl und Be- 
nennung der nApeAPoi stattgefunden bat, ist unbekannt; die beiden Sohne 
stammen aus Homer; Aigla gehort zu der wirklichcn, Kpione zu der ver- 
breiteten falschen Etymologic des Asklepiosnamens, dem diese Form doch 
audi Homer und Hesiod allein gegeben batten. Ob Iaso und Panakeia 
eigene und altere Bedeutung batten, ist unbekannt. Hygieia ist nicht ein- 
geordnet und ist noch nicbt so recht zu einer mythologischen Person ge- 
worden; so ist das im wesentliclien geblieben. Aber wenn es so blieb, 



Nordionische Steine. 47 

so gait eben das Ritual der Asklepiosteinpel, die uns Erythrai reprasentiert. 
Es ist wertvoll, dafi in Kos die Aigla feldt, wahrend alle andern da sind 
(Herodas 4), aber in den Iamben des Hermippos alle diese Asklepioskinder 
aufgezjihlt waren 1 , denn die Iamben sind ziemlicb genau zu derselben Zeit 
gedichtet, da der neue Gott nach Atben kam. Uas Ritual existierte also 
bereits, vielleicht audi das Lied; aber dieses schwerlich schon lange, 
wenigstens klingt niclits darin nach den Zeiten der groloen ehorischen Lyrik. 
Aber in Ptolemais sowohl wie in Atben hat man das Kultlied erweitert, 
um einer neuen Gottin Platz zu schaflen; hinter Iacu steht AKeccb tg tioaya- 
aitoc, gerade sie direkt auch fur die athenische Niederschrift gesichert, und 
Makedonios sagt 

HA' "IaCU) Axecd) T£ KAI AfrAH KAI TTANAKeiA 

""HnioNHC eyrATPec cyn APinp£rn~coi "YneiAi. 

Man wird die gemeinsame erweiterte Vorlage sehr hoch hinaufdatieren, 
und Akgco), die in der Literatur bis auf eine unrubrizierte Suidasglosse 
J Hni6NH verschollen ist, hat in dem Asklepieion des Peiraieus neben Iaso 
und Panakeia ihren Kult schon im 4. Jahrhundert, IG III 651. 

Unter dem Asklepiosliede, rait dem also urspriinglich die Urkunde 
zu Ende war, ist in der Schrift des guten 3. Jahrhunderts nachgetragen 

ymneTtg eni cnoNAATc An6AA0)N0c kyanohaokamoy 

FTaTaA C^AGYKON, ON AYTOC rEINATO XPYCOAYPAC 

Nerre MHAiAeecee - 



Weiter ist nichts zu lesen, dies aber, wenn auch zum Teil sehr miihsam, mit 
leidlicher Sicherheit. Die Daktyloepitriten sind einfach. Auf den Einfall 
mh AAeecee kommt man leicht, aber das Iota liiBt sich schlecht wegdispu- 



1 Schol. Aristoph. Pint. 701. \ - r1. Isyll 90. Jacobstlial moclite die dort zitierte Stelle 
des Aristides direkt auf den Hymnus zuiiickfiiliren. Aber wenn dieser in seiner Rede auf die 
Asklepiaden (28, 22 K.) in den Namen stiinmt, so gilit das nur einen triigerischen Schein des 
Anklanges, der entstelien mufite. sobald nur das Ritual, an das er sicli hielt, dasselbe war. Es 
ist aber schon wertvoll gentig, diesen SchluB fiir Smyrna (oder Pergamon) zu /.iehen; daB dann 
auch der Hymnus dort gesungen ward und dem Aristides gelaufig war, ist allerdings ein weiterer, 
kaum abweisbarer SchluB. Die Affiliation der Ileiligtiimer darf man sich nicht durch rasches 
Generalisieren ordnen. In Mytilene hat Asklepios den llaupttempel ; von da kann er sich 
sehr wohl nach Mysien verbreitet haben. Nach Lesbos aber kann der Weg direkt von Thessa- 
lien gegangen sein und vielleicht schon sehr frt'ih. 



48 VON Wl L A MO W ITZ-MOKLLENDORFF : 

tieren, und dann bleibt immer der unertragliche Imperativus Aoristi neben 
n(\. Also da komme icb nicht iiber das Gestandnis der Ratlosigkeit hinaus. 
Die Aufnahme des Seleukos in den Kult seines Vaters Apollon kann, wie 
Jacobsthal sofort gesehen hat, nicht vor seinem Siege iiber Lysimachos 
erfolgt sein, und dann bleibt bis zu seinem Tode nur eine Spanne weniger 
Monate, der Winter 281 80. Die Schrift paCt dazu. Ich mochte allerdings 
nicht fur ausgeschlossen halten, weder dafi man auch ein paar Jahrzehnte 
spater so schreiben konnte, noch dafi der Kult des Seleukos nach seinem 
Tode diese Form erhielt; einfacher ist indessen Jacobsthals Annalime. 

12. Etat der Ausgaben fur Opfertiere. 

Bruchstiick einer Trachyttafel, die auf alien Seiten beschrieben war, 
21 cm dick; die grofite erhaltene Hohe 32 cm, die groBte erhaltene Breite 
rechts von der Schmalseite 24 cm, links 23 cm. Klare, aber ungleiche Schrift 
der ersten Hlilfte des 2. Jahrhunderts. 1m Kunsthandel erworben, jetzt im 
Berliner Museum. Abklatsch und erste Abschrift von Th. Wiegand, der 
die Provenienz erkannt hat. 

Schmalseite. 

[ l £kathi?J xoipoy h, t£t[apthi] 

vacat "AnoAAUNi Xn[oJ 
[TPojnAiui l 6pmsT (i)nnicoi t[aaa] 
|6h]nun ayo ic, rToceiA(iN[ij 
innicoi TeAeioY ka, '"Hpa 
5 KAeT kaaainikcoi TToceiAco 
ni AC<t>AAeicoi AnoAAUNi j Ap 

TGMIAI TOTc eN TCOI TTYACONI 
TGAeiCON TGCCAPC0N P, 

[njeMnTHi "HpakagT j Ap€thi A 

■o [«p]oAITHI CTPATeiAl TGAei 

[un] TP1C0N OB. EKTHI "PcOMHI T£ 

[aJgIoy ka koinon, GBAOMHI 
AnoAAWNi FTYeicoi eniKUMicoi 

TGAGiOY KA, TeCCAPGCKAl 
'5 A6KATHI ArXiANAKTI TEAei 



Nordionische Steine. 49 

"6 OY KA, neNTGKAIAe KATH I 

ApTCMIAI AflOBATHPIAI Tg 

A6IOY KA, AnOAACONI Aht[oT] 

TAAAOHNUN AYO IC, EKKAI 
*° [AJGKATHI AoHNA! FIOAIAAI t[gJ 

Vjeioy ka, taTc onicee eeATJc] 
[xJoipoy h, baciagT Anti6xco[iJ 

[e]lC 6YC1AN KBS KOINON, 4>AN r A] 

Tr]6pA etc sycIan n, 6kto)k[ai] 
25 [ajGkathi taTc onicee eeUTc ej 
n]i nANNYXiAOC xoipoJy h, nai] 
[npjoTePAi eic thn kat[a mhna] 

[eYCIJAN TOTC BAC^IAGYCI Te, 
[a£IOY i KA KoflNON, 



". 



i vgl. 48 25. 26 \kr\b\ Wiegand, nicht unmoglich 26. 27 vgl. 41. 

Rechle Breitseite. 
-;«•[• J 

J APT£M r iAI - - BAClJ 

AICCH|^ - - yJ 

nePAeiif j 

Aeiui J An6AA^uNi Ail?j 

35 BOYAAIOJI TEA^G TToceiAuiNi AcJ 

♦AAeiUI rAAA6 r HN ------ ----- TGAeij 

OY KA, All CtOTHPI iJ2 r - ] 

Nl TGAeiOY KA, £KK A f l AGKATH I --- TGAGIOy] 

KA, ApT^MIAI AhTOT rAAA9H[NCi)N AYO IC ------- TAAA6HJ 

4° NO? H, THI KoPHI KPIOY KA [- -] 

NAI nPOTEPAl EIC THN KATA m[hNA OYCIAN ToTc BACIAeYCI TGAeiOY KA KOIN6NI 

KAI eiC OYCIAN BACIAG? AnT|6x[(jJI KBS KOINON, AhlMHTPlj 

J 6a£YCINIAI TGAeiOY KA, KA . F - - - - - -J 

nOTAMUl AaCONTI TeAClOY KA [ rAAAGHNOYJ 

45 H feKTHI All CujTHPI AeHNAI njOAIAAl':' ] 

[eeoTc] nACi kai nACAic TeAeicoN 6[ktu c, Tej 

[AeiOY] KA, AnOAAUNI APTEMIAI r[AAA9HNCi)N AYO ic, ] 

Phil.-hist. Klasse. 1909. Abh. II. 7 



50 von Wil amo witz-Moei, i, kndorff: 

48 [TeAelojY ka, l 6kathi xoipoy h, [ ] 

[TeAeiofy KA, AC [ ] 

50 [K6phi k]pioy k[a- - THl] 

30 Unsichere Ansatzspuren des ersten Buchstabens, kaum t, und des 
dritten, wold geradc Hasta 33 Ob die Gottheit mannlich oder weiblich 

war, unbestimmbar 37 ccjthp!o)[i liegt nahe, ist aber ungewohnlich; vom 

D. nur der charakteristische linke Seitenscbwanz 41 Von mhna nur die 

erste Hasta, also kein sicheres m 43 Am Schlusse ka und eine deutliche 

Hasta, wold ka! 45 Hier ist vom linken Rande schon ein Stuck abgestoBen, 
aber man siebt vox* dem verstiimmelten, aber sicheren h nocb etwas leeren 
Raum; es hat also wohl nichts in der Liieke gestanden 48. 49 Hier 

sehr deutlicb die Ungleiebheit der Schrift; es kann beide Male nur TCAeioY ge- 
standen haben, aber in der zweiten Zeile stebt y um einen Buchstaben vor. 
49 Die Buchstaben hinter ka scheinen absichtlich getilgt; vor dem Stein mehr 
als vor dem Abklatsche kann man ihre Existenz bezweifeln; der zweite vor 
dem a scheint audi ein a oder so etwas gewesen zu sein ; von c nur die 
oberste Ecke 50 pio ist sicher, obwohl nur die obersten Teile erhalten 

sind, y unsicher, k pafit zu den schwachen Ansatzen. 

Linke Breitseite. 



"JOY H, 
TAAA6H 



I J 

[ ](i)l TCAeiOY 

[ ] BACIACT ANTI 55 

[oxcoi ----- ----- .Jh j Cibyaah[i 

[- Jcoi hpo)i apn[I] 

|oy -------- Ji '"GpMeT Ka[. .] 

[ Tyjxhi TCAeiu)[N] 

[- - CKKAIACKATHI ---------- ApT^MIAI KAi Ah 60 

[ TOT rAAAGHNUN AYO I C ----------- Th]| KOPHI KPI 

OY KA, ] KAI J 6CTIAI 

[------- NAI nPOTCPAl ------ rAAJAGHNOY H, 

[KAI efC THN KATA MHNA 9YCIAN ToTc BACIACYCI TCACiOY Ka] KOINA, 

[ - rAAA|6HN0Y H, BACIAcT 6 5 



Nordionische Steine. 51 

[- - - - tgtapthi "HpakagT kaaainikJwi rfoceiAWNi Ac 66 

[<t>AAeid)l AnOAAUNI ApTGMIAI TOTc GN TCOI TTYAUNI TeA]eiO)N TGCCAPCON P, 

[n^nnTHi .... rAAAeHNWN ayo ]ic', l HpakaeT kai Apgthi kai j A 

r «POAITHI CtPATGIAI TeAGlUN TP1WN OB, £ K T H I L P](I)MHI TGAGIOY KA KOINON, 

[- - GBAOMHI AnjOAAUNI 'GbAOMAIUNI rTYeiUI 7" 

[TeAeioY ka, ------- -j Aptemiai AhtoT '"Gkathi i~a[aa] 

[ghnwn - - Ahmhtpi '6agyciJn!ai TGAeiOY ka, Zhni ka[. . 

[------ -- tJcagioy ka, Aag£anap[ui 

[- KOINON - -]a£T KAI J 6niMAX0)l TGAe[i 

[o)N ------ j u £pA\eT AroPAicoi TeA^ei 75 

[OY KA BACIAjd AnTIO 

55 Audi apn[oc] allenfalls moglicb 70 Am Rande war Raura fur 

zwei Buchstaben frei 76 Antio[xo)i hat schwerlich voll in dieser Zeile 

gestanden ; die Ausfullung des abgestoBenen Randes ist kaum zu bcrechnen. 

Die einzelnen Posten sind dadurch abgesetzt, daB vor uiul h inter den 
Zahlzeichen freier Raum ist, dessen Ausdebnung wechselt; ieli babe der 
Obersichtlicbkeit wegen die Tagzahlen gesperrt. Die Ausdehnung der Breit- 
seiten ergibt sicli aus der Wiederkebr derselben Opfer V. 5 — 8 in 66. 67, 
9 — 12 in 68. 69, 26 — 28 in 41. 42, wahrscheinlich audi 64; auch 39. 
40 und 60. 61 korrespondieren ; die Schwankungen der Bucbstabenzahl 
sind belanglos. Die Monatstage gehen auf der Schmalseite vom 4. bis 18. 
in einer Reihe fort, dann folgt 26 eine rlitselliaf'te Bezeiclmung des Datums, 
die sich aus 41 erganzt nai npoiepAi: hochstens ein Bucbstabe (dann ein 
Vokal), melir konnte da gestanden haben. Das nacbste Datum vor 4 1 ist 
der sechzebnte, das nachste dahinter, vier lange Zeilen daliinter, der sechste. 
Auf der linken Breitseite erscheinen Daten erst dureli die Erganzung, die 
aber fast sicher ist; dann stelit nai npoiepAi vom sechzelmten so weit ent- 
femt wie auf der vorigen Seite, nnd cs folgt der vierte. Da balte icb die 
Deutung n'oymhnI;ai npoTe>Ai f'iir geboten, obwohl sie in doppelter Hinsicbt 
befremden wird. Der neue Mond bezeichnet zwar in Athen aucb den Tag 
vor dem Neumond mit als gnh kai n£a, aber bier ist siclier der erste Mo- 
natstag gemeint: die Erganzung eic thn kata [mhna] gycian ist kaum abzu- 
weisen und bestatigt die Deutung von nai. Scbwerlicb bedeutet die Be- 
zeicbnung »erster Neumond" mebr, als dafi man in Erythrai aucb am 
zweiten Markt bielt, so da!3 aus eineni postridie kalendas eine noymhnia yctgpa 

7* 



52 von Wilamo witz-Moellendorff: 

geworden war, die als Geschaftstag keine Opfer bekam. Die Abkiirzung 
selbst ist unbezeichnet; ich gebe nichts darauf, dafi 41 hinter nai etwas 
mehr Raum frei ist als gewohnlich. Sie ist ein neuer Beleg. dafi Traubes 
Nomina sacra in der Ableitung des Gebrauches von den Juden feblgegriffen 
liaben ; aber das war ja durcb BA(ciAe)Yc ba(ci)a!c u. dgl. auf Stein, Metall 
und Papier scbon ausgemacht 1 . Auf Papier wiirde hier die Endung ai iiber 
der Zeile stelien ; an der Auslassung inmitten des Wortes ist ja iiberliaupt 
nichts Besonderes, sondern allein an der Schreibung der Flexionsendungen. 
Die Papyrologen von Fach miissen einmal eine Doktrin und Geschichte 
der Abkiirzung in der Kursive geben, moglichst init dem Blick iiber die 
Zaune Hirer Spezialdisziplin. Das Ziel ist eine Darstellung des Schriftwesens 
im ganzen, wie sie fur das lateinische Mittelalter Traube hatte geben konnen. 

Wir liaben also die Ausgaben fiir einen Monat vom vierten und etwas 
vorlier an 1 — 26; den Anfang des folgenden 26 — 28; von einem dritten 
stammt 30 — 40, einem vierten 41 — 50, einem itinften 51 — 63, einem 
sechsten 64 — 76. DaG irgendwo, etwa von der Schmalseite zur rechten 
Breitseite, ein AnschluI3 ware, also derselbe Monat von 26 — 40 reichte, 
ist unwahrscheinlich. Ks l;i6t sich also die Reihenfolge der Seiten nicht 
feststellen. Dafi die Monatsnamen nicht genannt waren, ist gewiC befrem- 
dend und das Fehlen von Opfern in der letzten Dekade ebenfalls; allein 
das ist eben so. 

Das Wesentliche an dem Verzeichnis sind die Kosten der Opfer, die 
in jedem Falle angegeben sind. Bei den Monatsopfern fur die Konige, dem 
fur Bom, das zweimal (11.69) ;IU1 <len sechsten fiillt, und einem fur An- 
tiochos, das 23 am sechzehnten ist, erscheint der Vermerk koinon, den 
man bei dem Opfer fiir Alexander", 73, und bei denen, die Antiochos an 



1 Eine eben erscheinende tiiclitige Dissertation aus Upsala (A. Nelson , Die hippokra- 
tisclie Schrift n. <t>YC<2>N 1909) weist S. 69 Traubes Hypothese zuruck und versucht, Va- 
rianten der Hippokratesiiberlieferung durch die Annahme soldier Kontraktionen zu erklaren. 
Wenn das nicht unmittelbar durchschlagt, so tut es die Berufung auf den Londoner Papyrus 
der MeNWNeiA allerdings. Ich notiere aus Platon Hipp. I 289a aaacoi fiir anq seit Bekker 
verbessert: aber Plotin IV 6, n hat jenes gelesen. Also die Abkiirzung von ANepconoc saB 
schon damals in einem so w ohlkonservierten literarischen Texte fest. BA(ci;AeiAC hat das 
oxyrhynchische Kxemplar des Symposions 2o8d 5. eyr atjhp steht auf einem pontischen Grab- 
stein bei Latyschew, Material. Arch. Russ. N. 9, 89 — 91 S. 57. Wer sucht, wird viel finden. 

- Kr fiihrt hier nicht die Bezeichnung Koiiig, wohl aber in der Verkaufsurkunde 
Syll. 600, 102. In der Stiftungsurkunde des Antiochoskultes, die wir in dem Klazomenischen 
Exemplar besitzen (I)itten berger, Orient. 222), hcil.it er 6 ee6c. 



Nordionische Stelne. 53 

anderen Tagen erhalt (41. 55. 76 ') erganzen wird. Von selbst leuchtet 
ein, dal3 diese Opfer im Namen und auf Kosten des koinon j Iconun gebracht 
werden, dessen Kult des Alexander und Antiochos wir kennen. Da das 
Bundesheiligtum Alexanders auf dem Gebiete von Erythrai lag, besorgt 
diese Stadt die Opfer, wie Priene die des Panionions. Ganz natiirlich ist, 
dafi Roin hinzugetreten ist, vermutlich 189, nicbt frulier. Seitdem sind 
die Konige von Pergainon die Oberherren der Stadt, wenn sie audi frei ist; 
ihr Kult wird in dem Monatsopfer fur "die Konige « stecken. Eine Konigin 
32 ist unbestimmbar. Die Fortdauer der Opfer fur Antiochos, ihre groBe 
Zald und der Mangel eines Distinktivs bei dem Namen ist bemerkenswert; 
es mag doch wenigstens Antiochos Theos audi bedacht sein. Da 23 und 
42 kein Opfertier fur Antiochos gekauft wird, sondern 22+ Drachme fin- 
em Opfer angewiesen, eine Summe, die in die Skala nicht paBt, war wold 
eine Stiftung vorhanden, deren Zinsen fur diesen Kult bestimmt waren. 
Ein gleiches mochte man bei Phanagoras 2 annehmen, dem zu opfern gar 
80 Drachmen ausgeworfen sind. Ich halte ihn fur einen Erythraer (der 
Name ist hier wie in Teos belegt), dessen Kult der Staat eingefiihrt oder 
doch ubernommen hat, und mochte Anchianax 15 und Epimachos 74 eben- 
so beurteilen; dieser erseheint hier neben einem Dativ -agi, der sicher nicht 
baciaeT war (das steht vor dem Namen), elier l HpakaeT; Epimachos kommt 
auch in der Verkaufsurkunde Syll. 600,62 vor. Freilich konnten Anchianax 
und Epimachos auch wold Heroen mit symbolischen Namen sein; Phana- 
goras aber nicht. Ob 57 -u>i hpui einen Heroennamen oder, was ich vorziehe, 
tcoi hpcoi war, bleibt ungewiB; ich vermute in ihm den eponymen Grander, 
den APXHreTHC, oben S. 28 Anm. Der Staat Erythrai verehrt also auBer den 
eben angefiihrten Gottern den Zeus als cojthp 37, mit Athena (noAiAc) 45, 
auch wold als boyaaToc 35. In einem Kulte lautet der Dativ Zhni; diese 
DifFerenzierung kehrt in der Verkaufsurkunde wieder. Aide ArroTPonAioY 115 
neben Zhn6c *hm!oy 26^. Poseidon ist Vnnioc 4, ac*aagToc oft. Apollon 



1 Keiner scheint der vierte gewesen zu sein, der Geburtstag des Konigs, dessen Feier 
die Stiftungsurkiiride vorschreibt. 

2 23 4>ANAr6pA eic eyciAN ; es ist das einzige Iota, das feldt, aber ein (ienitiv ist doch 
weder sprachlich noch sachlich annehmbar. 

3 In Chios ist eben (Ashna XX 225) das Bruchstuck eines iep6c nomoc herausge- 
kommen, darauf steht Moipgcon kai Zan6c woiPHreTeco; da ist die Form belegt, die Herodian 
(Cramer, An. Ox. Ill 237) den MeTAreNecTepoi AioAeTc und loowec zuschreiht, mit der rich- 
tigen Bemerknng, daC diese sie den Xolern entlehnt batten. 



54 VON WlL AMO WITZ- MO ELLEN DORFF : 

XnoTPonAToc 3 ; am siebenten, der also delpliisch ist, heifit er TTveioc eni- 
kumioc 1 14, eBAo«Aid)N fT^eioc 70. Besonders oft erhalten zwei aus der Trias 
Apollon Leto Artemis ein Opfer. Apollon und Artemis werden noch be- 
sonders gn tui nYAUNi verehrt, 7. 68. Artemis allein als AnoBATHPiA 7. Hermes ist 
befremdenderweise Ynnioc gerade am 4., der ihm besonders gehort. Sonst 75 
XroPAToc und 58 ka[tax60nioc] oder KAJeHrewuN?] DemeterEleusinia43, 72? Drei- 
mal h Koph. Der Unterwelt werden wohl auch die onicee eeAi angehoren, 
die am 16. ein Scliwein bekommen und am 18. bei dem Nachtfest wieder 
eins. Herakles bekommt in zwei Monaten etwas am 4. als kaaainikoc, am 
5. mit j Apeth und j A*poa1th ctpatgia. Hestia 62, Hekate 48 und 1? fur sich 
ein Schwein, mit Artemis und Leto 72 ein Lamm. Geol nANTec kai ttacai 
46 deuten auf ein Pantheon, das icli aus hellenistisclien Griindungen kenne; 
das Opfer ist das grofite. Endlich die in Erythrai allein bodenstJindige 
Sibylle, 56 und der heimische FluBgott 44. 

So haben wir im wesentlichen die allgemein hellenischen homerischen 
Gottheiten; selbst die nyeoxpHCToi der Verkaufsurkunde und der Asklepios, 
die ja wohl anderswo einmal vorgekommen sein werden, sind fur den 
Staatskult zweiter Ordnung. Und von den Auslandern, der Gottermutter, 
den Kabiren, den Agyptern, dem Priap keine Spur; selbst Dionysos, der 
natiirlich einmal bedacht gewesen sein mufi, da es ein Theater gab, fehlt 
mit seinem ganzen Kreise. Burggottin ist Athena, wie wir wuBten und 
in einer ionischen Stadt erwarten; ebenso hat Poseidon die erwartete Be- 
deutung, wenn er auch nicht gerade als Helikonier vorkommt. Artemis 
XnoBATHPiA ist die HrewoNH, die mit den Ioniern an der fremden Kiiste aus- 
stieg 1 . Apollon mit seinen beiden Begleiterinnen wird viel verehrt, nicht 
ohne delphischen EintluB, der ja selbst fur Milet gilt. Hermes und Hestia, 
wie wir erwarten. Hera tritt zuriick; Samos wirkt hier nicht; sie kommt 
nur in der Verkaufsinschrift als tgagia vor. Demeter und Kore fehlen 
nicht: sie sind die Gottinnen fiir die Frauen wie an der Mykale. Mystisch 
diirften nur die onicee eeAi sein, deren Ratsel ich nicht anpacke. Den 
hier aufgefiihrten Herakles miissen wir als den berufenen Gott ansprechen, 
von dem uns Tempel und Kultbild schon bekannt waren. Er wird auch nicht 
von dem verschieden sein, dessen Priestertum 1920+ Drachmen kostete, 
600, 86. Da ist die Begleitung von Arete und einer streitbaren Aphrodite 

1 Ygl. Panionion 27. 



Nordionische Steine. 55 

(diese Gottin fehlt sonst) hochst mcrkwurdig. Die Ausdeutung dieser zwei 
weiblichen nApeAPOi ist nicht althellenisch: a))er wenn Herakles den Tag vor- 
her als kaaainikoc verelirt ward, am folgenden mit Ap£th und A*poaith, so hat 
er jene himmlische apgth nun erlangt, deren Besitzes er sicli selbst als 
Olympier bei Sophokles riihmt (Philokr. 1420), und die A*poa!th soil durch 
das Beiwort kriegerisch herakleisch werden: gemeint ist diese Ausdeutung 
in dem Sinne, in dem er Hebe zur Gattin erhalt. Aber springt nicht audi 
in die Augen, wie diese nApeAPOi zu den Gottinnen Ap£th und l Haonh 
werden konnten, zwischen denen der AagiIkakoc ws'ihlt wie "AAesANAPOc? 
Wahlen liefi diesen der Dichter der Kyprien, den Herakles der Sophist: 
der echte Gott hat sie beide genommen, wie der junge Goethe es ihm 
zugetraut hat. In Wahrheit wird bier eine vorgriechische Trias hellenisiert 
sein wie die uni Apollon; die AopoaIth dPATeiA ist aus Mylasa bekannt, 
und die ctpatonikIc von Smyrna wird aus ihr mit RQcksicht auf Stratonike 
umgedeutet sein. In diesem Kulte allein haben wir etwas Vorgriechisches 
in Erythrai, das ja selbst im Namen griechisch ist. Etwas Aolisches ver- 
mag ich niclit zu erkennen. Da der Staat sicli in seinen Kulten so kon- 
servativ verhalten hat, wird es bedeutsam, dafi die letzte Dekade, ja eigent- 
lich die Monatshalfte des abnehmenden Mondes fast leer an Festtagen ist: 
Koph und die Onicee eeAi sind in ihr reeht am Platze. Hochst merkwurdig 
ist audi, daB ganze Reihen von Opfern in verschiedenen Monaten wieder- 
kehren, nicht immer an denselben Tagen. Nur das Neumondsopfer fur die 
Konige geht durcli, wie wir es erwarten muBten. Wieviel wQrden wir 
nach vielen Seiten lernen, wenn wir ein solches Kultverzeichnis vollstandig 
besaBen. 

Die Preise der Opfertiere sind in ein festes Verhaltnis gebracht; 
8 Drachmen wurden fur Lamm (rAAAeHNON, an Ferkel kaum mitzudenken), 
und Schwein (Ilekate und die bnicee eeAi) gezahlt, 24 fiir das teagion, das 
Scliaf und den Bock (kpioc nur an Koph). Kind und Ziege kommen gar 
nicht vor. Vier Vollopfer werden zu 100 Drachmen gerechnet. 

Die Urkunde verzeichnet also die Ausgaben fur Opf'er, welche die 
Staatskasse von Erythrai zu leisten hatte: der Kassierer hatte diese Liste 
vor sich und zahlte von Tag zu Tag: da war die Auslassung der Monats- 
namen wenigstens ertraglich; er muBte nur noch einen Kalender daneben 
haben. Wir lernen also die eeoi ahmocioi oder AHMOTeAeTc von Erythrai 
kennen und konstatieren mit Uberraschung, aber bei einigein Nachdenken, 



56 VON WlL AMO \V ITZ-MOELI. ENDORI'F : 

ohne dafi sich ein Zwcifel regt, wie wenige von diesen unter den iephtgTai 
erscheinen, deren Priestertiimer der Staat etwa 60 — 80 Jahre friiher ver- 
kaufte. Das waren teils Lokalgotter, teils solche, die wohl zugelassen, 
aber nicht vom Staate dotiert waren; den Verkauf der Pfriinden behielt 
er dagegen schon wegen der Stempelgebiihren in der Hand. In beiden 
Urkunden erscheinen aufier Alexander Herakles und Epimachos nur der 
Flufi Aleon (liier 44, dort 21), l €pmhc atopaToc (75, dort 102) und vielleicbt 
J ArA6H tyxh (59, dort 87), wenn Wiegand sie liier nut Recht erganzt, was 
bei der Fiille verschiedener Beinamen unsicher bleibt. Naturlich sind melir 
Identifika'tionen moglich oder audi wahrscheinlich, aber zur Zeit unbe- 
weisbar. 

13. Ehrenbeschlufi von Antiocheia fiir erythraische Ricliter. 
Marmorstele, links gebrochen, 57 cm hoch, 40 cm grofite Breite, schone 
scharfgeschnittene Scbrift, um 200 oder wenig spater. Im Kunsthandel 
erworben, jetzt im Berliner Museum. Abklatsch von Th. Wiegand, der 
so scharf ist, dafi die Vergleicbung des Steines so gut wie nichts er- 
geben hat. 

[(ahmoy) rNO)(M)]iH" eneiAH 01 ei' j £py6pcon nAPArsNOM£No[i] 

[M6TA(neMnT)]oi AlKACTAi, 0£Y<t>ANHC 0ANEY, "GxEAHMOC 
[ J £]rTAMEINCON ZcOfTYPOY THM nPOCH^KOYJCAN 

[(citoya)hn enjoiAcANTO nepi tun aikcon kai tcom [nAPJA 
5 [rPA<t>uN ka(i t)]con opkcon kai £*p6n[tic]an bncoc ttA[ntec 01 en] 
[taTc 4>iao]timiaic ontec TYxoNTec tu[n Tccon en (toTc)j 
[(Artoc)i kata] mhoena Tp6noN eaattcoococin ' bn[(coc o)yn] 

[(KAI a)hM0c] 0>AINHTAI MNEIAN FTOIOYMENOC TCOM *iAono 

[ncoc kai aik]aicoc kpinAntcon tac kpicgic KAI AlicOC THC T[e] 

10 [nA(TPIAOc)] THC ATIOCTEIaAcHC AYTOYC KAI TOY AHMOY 

|tOY METAJTTEMYAMENOY, oY Te Xn6 TOY NYN EIC THM FTOAIN 
[hMCON nAPjAriNOMGNOI AlKACTAi EIAOTEC TAC FIPOCHKOY 

[cac tima]c yttapxoycac toTc XrAeoTc ANAPACI npoic 

JTWNTAI t]cON AIKAICON META nACHC CTTOYAHC" A£a6x6AI 
■5 [tCOI AHMCo]l" YnAPXEIN 9eY*ANH J £xEAHM0)l J 6nAMEINONI "GpY 
[ePAioiC nOAJlTEIAN KAI EYEPTECIAN KAI FTPOEAPIAN EN ToTc 
[Arcocr CT£]<t>ANO)eHNAI A£ AYTOYC XPYCCOI CTE*AnC0I ME 
[(t') ANArOPEYJCECOC EN TCOl ATCONI TCOl CYNTEAOYM^NCOI ToTc A] 



Nordionisclie Stet/te. 57 

•'I [ONYCIOIC, aJnATPASHNAI AG TO YH<t>ICMA TOAG GIC CTHAHN Al 
20 [eiNHN KAI AjNATGeHNAI THN CTHAHN £N TCS I IGPIOI TOY AlTOA 

[aconoc' thjN Ae erAOciN thc cthahc kai thc anai~pa*hc 

[TOY YHt>ijCMAT0C nOIHCACOAl AlONYCION TON CPrOAOTHN' 
[xeiPOTojNHOHNAI AG KAI rtPCCBCYTHN OC AlTOICd TO YH4>ICMA 

eic thN: 'Gpygpaigjm noAiN kai ANArreAeT tcji ahmgji eV oTc 01 
=s [aikac]tai timwntai kai Aiiucei aoynai TonoN eN -Si 

h cthaih cTAOHceTAi Yno toy Antioxgun ahmoy, £n hi ana 

[rPAOHjCGTAI TO ANTirPA*ON TOY YH*iCM ATOC, KAI THN CTH 
[AHN AjNAeHCOl £N TUI A nOAeiXGHCOMeNU) Toncoi • TO A£ ANH 
[aUMA^ TO GIC TAC CTHAAC KAI THN ANATPA<t>HN TCJM YH4>IC 
30 "maTUJn AOYNAI TOYC ITOJAHTAC AlONYCIU) T£ TWI CPTOAOTH 

1 kai tui AipeJeHcoMeNui npecBGYTH And tun npocoAUN twn 

[GIC TAYTA AjFIOTeTArM^NCON KAI TTCPieCOMeNOJN MCTA ta npo 

[ OMOiujc Ae kai to ecoweNON cithpccion tcji npec 

[bgythi . eAOse toT c npoeAPOic hpggh rrpecBCYTHc TopriAC. 

Zu dieser Urkunde mufite gleich die Inschrift 90 aus Magnesia hinzu- 
genoinmen werden, ein BeschluB desselben Antioeheia in einer gleiclien An- 
gelegenheit aus derselben Zeit. Sie erganzen einander. Icli habe V. 1 — 20 
in runde Klammern gesetzt, was aueli in Magnesia fehlt; spater hat dieses 
nur zu empfangen, nicht zu geben 1 . Die Abweichungen innerhalb des- 
selben Fonnulars sind belehrend, auch wo sie unbeabsichtigt sind. V. 4 
hat der magnetische Schreiber den Artikel vor nAPArpA«(oN ausgelasseu, und 
sicherlich wiirden die Statistiker mit Massen gleich fehlerhafter Stellen be- 
legen, dafi der Artikel fehlen durfte. Das neue Exemplar kann sie eines 

1 Der Stein ist zur Zeit un/.uganglieh; die Revision vviirde vermutlicli nur bestatigen, 
was man so selmn deutlich sielit. daB der Herausgeber die Liicken lifter falsch bereclinet 
hat. Ivs ist zu lesen 9/10 M6TA[ne« nToc AfKACTHC. 1 1/12 [twn 6'pk](i>n, i 2/13 «iao[timaic], 18/19 
[01 Te An]6 toy nyn, 19/20 [ei A6Tec], 20/2 i toic ArAeoic [an apaci^n, 24/25 kai [ey eprejCJAN. 26/27 

[CTE«AN(i)[l M6TA] ANArOPGYCeUC, 31 [AnOAAtoNOC]. 32/33 ^PrfOAOTHN X6IP0T0NHeHNAl] 

34 [eic thn /AArNHciwN it6ain] kai ANArreAeT tcoi ah[«coi ev oic] 

[0 AIKACTHC TIMATAI KAi All[a)Cei] AOYNAI T6[nON £n Si H CTH] 
|AH ANACTA6HCeTAI YFtd TOY ANTIOX^eUN AHMOY, 6[H HI ANArPA] 
[»HC6TAI T6 ANTITPA0ON TOY YH«IC>\ATOC, K[AI THN CTHAHN 
[ANA9HC6I EH T&l AnOAeiXeHCOM€N(Ol] T6[ncoi. 

Wahrscheinlich wird auch 19 riAPAriNOMeNOi auf deni Steine stehen: wenigstens ware 
nAPAreNOMENoi Schreibfehler. 

Plul.-hisl. Klasse. 1909. Abh. II. 8 



58 VON WlLAMO W I T Z - M OELLENDORFFI 

Bessercn belehren. V. 7 schreibt man in Erythrai eAATTwewciN, in Magnesia 
gaacc. Das erste wird feiner gewesen sein, aber darin war Freiheit. Sie 
gilt audi fur das Zusetzen des verstummten Iota, selbst hinter 10, wo es 
sich am langsten hielt. Die i-laute sind nocli ganz korrekt gesclirieben ; 
der Dativ Gsyoanh geht nicht die Aussprache an, sondern die Ausglei- 
chung der Flexion in den Nomina auf -hc. V. 10 thc nATPiAoc thc Ano- 
ctgiaachc aytoyc; da lafit Magn. das Pronomen weg, das fehlen kann. V. 14 
mgta ttachc cnoYAfic: in Magn. npoeYMiAC, Homonyme, npoeYMiA verbindlicher. 
V. 17 en toTc Aruci: Magn. fiigt zu oTc h ttoaic TieeTAi. V. 20 fur anat€6hnai 
hat Magn., wenn die Spuren richtig gedeutet sind, anacta6hnai, beides 
gleich gut. Sacliliclie Zusatze bietet Magn. gleicli im Anfang, wo der mcta- 
neMnToc aikacthc gekommen ist kata (so besser als aia) to ai6p9wma to ky- 
pueeN yfto toy ahmoy. was darauf deutet, dafi die Gemeinde damals eine 
Korrektur der Reclitsverhaltnisse fur besonders notwendig hielt. Man 
hat damals aber nur einen Richter beruf'en. Dein wird nachgeriihmt, daB 
manche sich vertragen haben und zur 6monoia zuriickgekehrt sind; das 
ist diesmal nicht geschehen, vielleicht weil eben nur die laufenden Privat- 
handel zu entschciden waren. Dem groReren Verdienste entsprechend er- 
halt der Richter das Riirgerrecht audi fur seine Nachkommen und wird 
das Volk der Magneten fur seine Auswahl besonders belobt. 

Wo das Antiocheia lag, ist nicht bezeichnet; es wird aber doch wohl 
das njichste sein, das am Maander. Fur die Verfassung einer solchen jun- 
gen Griindung lernt man gern etwas ; leider sind die interessantesten Satze 
verstiiinmelt. Am Kopfe steht ahimoy tnumh : darin liegt, dafi die Samt- 
gemeinde den Beschlufi gefafit hat, und das war nach gemeingriechischem 
Recht unumganglich, da nur sie einen Burger kooptieren kann. Aber wie 
der Beschlufi zustande kam, bleibt unklar. tnumh ptlegt technisch der 
Antrag, das formulierte npoBOYAGYMA, nicht die Sanktionierung zu sein. Nun 
steht am Schlufi vor der Wahl des Gesandten, die erst aid' Grund dieses 

Beschlusses vor sich ging, toTc npoeAPoic, und es ist kein Zusammen- 

hang nach oben: so habe ich feAOse vermutet. Das miifite also eigentlich 
korrespondierend mit tnwmh die Sanktion bedeuten, so dafi nicht das Volk, 
sondern eine Behorde, die seine Versammlung leitete, die Genelnnigung 
erteilte. Das ware sehr merkwiirdig; fur unmoglich halte ich es nicht. 
Moglich ist aber auch, dafi die Terminologie nur lassig angewandt ist. 
Das bleibt immer bestehen, dafi nicht ein einzelner Burger den Antrag 



Nordionische Steine. 59 

stellt. sondern cine Behorde dies besorgt; wir haben ahnliches in Erythrai 
selbst bemerkt. I );is (ield, das die Ehrung kostet. sollen die ncoAHTAi zahlen, 
das sind die Verpachter der Steuern. denen also die Obliegenheiten der 
XnoAeKTAi und tamiai zugleich zufielen, und zwar Xno tun ftpocoacon tun eic 
[tayta] XnoTeTArMeMUN; icli glaube, man wird sich um des Kaumes willen 
bei dem farblosen tayta beruhigen miissen. Es war also ein Posten der 
laufenden Einnabmen fur solche Zwecke angewiesen: man hatte eine Art 
Ktat. Gezahlt aber soil das aus diesem Posten werden von dem, was 
mgta ta npo - - ubrig sein wird. Ich finde das Wort niclit, das kiirzer war 
als npoNeNOwoeeTHMGNA, npocoiKONOMHMGNA u. dgl. VVenn man statt [omoicoJc ag 
ein [npdjc Ae wagt, geht vielleiclit npoeYH«icM£NA in den Kaum. Die Her- 
stellung der Stele besorgen, d. h. vergeben die Poleten nicht; daf'ur bat 
der Staat einen e'proAOTHC. Die Prozesse, die anhangig gemacht waren. 
sind aIkai und nAPArPA*Ai, beides aus Athen gelaufig; aber aucb opkoi, ein 
BegriiT, den icli nicht sicher fasse; ich denke, es wird die attische Ynw- 
mocIa sein. ein Eid, der in gewissen Fallen die Aburteilung Iiinausschob. 
Von stilistischen Wendungen fallt auf V. 6 oi eN taTc *iaotimiaic ontgc 
ffir die streitenden Parteien, ein sebr milder Ausdruck, zu dem man von 
»iAOTiMeTceAi und ANTKMOTineTceAi npoc tina komnien konnte. Ferner ctg- 
♦anucai CTe<t>ANui meta an AropeYCGuc. Endlicli 01 Xno toy nyn nAPAriNOMONoi 
»von jetzt ab«. 

14. — 16. Aus dem Gymnasium. 

14 "Fragment einer Marmorbasis mit FuBprofil, gefunden in der e£cic 
Djami-Bogliaz am Wege nach Vurla, 37 cm hocb.« .lac. Umdeiche Schrift, 
etwa 100 v. Cbr. oder spater. 

- - . £nhc 

- - MATP^AC AlONYClOY . 
[«IAOnOJNIAI OlAOKPATHC KpATeOY . 
nOAYMjAeiAl AnOAAOAWPOC 
5 pHpAKAECOTOY . 

eYjeiiAi Ckymnoc AionycIoy . 

r £Y]TAIIAI AfTATOYPIOC 

[ApjiCTinnoY . j 6*hbcjn p t6soy 
r AiNeiAC Aftoaaoawpoy . 

■" ! AKO NTIOY APTOMIAUPOC 

s* 



GO VON WlL AMO WITZ-MOELI, ENDORFF: 

" [ANJeecTHpioY . ottaomaxiac 
[AmJmunioc ArAecoNoc. 

[aNa]pWN AAMFIAAI XIAIACTYC 
[. .] . P . . 0>N KAI AAMFIAAAPXHC 
15 [TTamJgIAOC 0ANNOeeMIAOC 

Die Urkunde gehort in die Verzeichnisse der Preise, die bei dem 
jahrlichen Sehlufiexamen des Gymnasiums verteilt sind. Da die Volks- 
schule sich bei den Griechen im AnschluB an die militarische Ausbildung 
der Epheben entwickelt hat, an den TJbungen des Gymnasiums aber auch 
Erwacbscne teilnehmen, haben die Preise verschiedene Bedeutung. Der 
Gegenstand ist soeben fordernd, nicht erschopfend von E. Ziebartli, »Aus 
dem griecliisclien Scliulwesen« behandelt. Hier stehen bis V. 8 die Preise 
far die piaTaec, die Scliulkinder ; V. 1 stand ein Examensgegenstand, V. 2 der 
Vater des - gnhc. Der Lebrer dieser Klasse bat die Facher in den Dativ 
gestellt; der der Epheben, die nur in militarischen Kiinsten ausgebildet 
wurden, in den Genitiv. Den Schlufi macht der Fackellauf der Manner 
(p ist leidlich sicher); leider ist der Name der Chiliastys niclit festzustellen, 
Jacobsthal hat - pcocjn abgeschrieben, das ist auch moglich, aber pgiun 
oder gar - peion scheint auch denkbar. <t>ANNoeeMic ist ein Familiengenosse 
des gleiclmamigen Mannes, Syll. 660, 28: diese Familie sclirieb im Gegen- 
satze zu dem vorherrschenden Gebrauche der Erythraer *ano - jiolisch mit 
doppeltem n. 

15 und 16. »Zwei Steine, gefunden bei L Ar. TTANTeAeHMUN auf dem 
Acker des T. TKArKAC, wo Mauern aus dem Boden aufstehen. 

1 Y M M A X O N I H N - - - 
f Y M N A 2 lAPXH [canta] 
OINEOI 
und 

M H T P P. n A A H [n - - 

r V M N A K I A [pxhcanta] 
Sie zeigen vielleicht den Platz des Gymnasiums." Jac. 

17. Kiinstlerinschrift. 

»Block graublauen Marmors, unten zwei Diibellocher, gefunden am 
Abhange der Burg unter "Ar. AAatpcona, 69 cm breit, 62 cm liocli, 31 cm tief. 
35 cm unter der Kiinstlerinschrift eine Zeile ausradiert. « ,Iac. 



Nordionische Steine. 61 

AHMHTPIO^AHMHTPIOYMArNHCEfOHSEN 

Das charakteristische v ist sehr weit auseinandergezogen ; es beweist 
Entstehung im 2. Jahrhundert, und der ganze Duktus stimmt zu. Jacobs- 
tlial zieht die Insclirift von Magnesia 344 heran, Ahmhtpioc Ahmhtpioy 
enoiei] zu Hause konnte der Mann seine Heimat gar nicht nennen. Hier 
ist freilich n gleichschenklig, steht einmal A, und ist der gauze Duktus 
jiinger: aber das schliefit die Identitat der Kunstler nieht aus. Kerns 
Heranzieliung eines Rhodiers Demetrios, der einen Bildhauer zum Sohn 
hatte, I(; XII 1, 121, war immer haltlos. 

18. — 20. Grabschriften. 

18. Weitie Marmortafel, 12 cm dick, links gerade Seitenflaclie mit 
Brucb; grofite Holie nach dein Abklatsch 18 cm; grofite Breite 26 cm, eiu, 
* y iiberragend. Abklatsche sowohl von Wiegand wie von Jacobsthal. 

! OKT]cOKAIAeX£TH AAIMWN H^PnAie m' A<t>GIAHC 

0utin6n neNeoc epeYAMSNOici [ni<p6N .; 

oynoma a' ectin £mon YeYAtoNYMON" oy tJayky <t>erroc] 

aaa' Aiahn ecopaii aytpon enixeoNioic. 

Darunter im Abstand von 4 cm: 

<t>0)TIN£ Aakunoc 
XPHCTE XaTpG 

V. 1 von a) wenig erhalten, aber so viel, dafi es als sicher bezeichnet 
werden konnte; von h eine Hasta. 3 von r eine Hasta. 4 das p hat fast 
keinen Kopf gehabt. Eine solche Schrift ist kaum datierbar; die Aspira- 
tion in a£x£th und das abusive Iota in ecopui deuten aber auf die Jahre 
50 v. Chr. bis 100 n. Chr. 

19. »6rabstele, scliwarzer Marmor, 10 cm dick, 12 cm hoch, 19 cm 
lireit, unten Bruch, oben horizontales AbschluGpron'l in Kymaform." Wie- 
gand, der von dieser und der folgenden Insclirift Abklatsche geschickt 
hat. (irobe ungleiche Sclirift, zuweilen schwalbenschwanzige Apices. Der 
Stein war vorher schon einmal beschrieben; man erkennt aber von der un- 
vollkommen abgeschliffenen Sclirift hochstens hier und da einen Buchstaben. 

HPAKAIAHC 
HPOAOTOY 
X A I P E 



G2 von Wilamo witz-Moellendorff: 

20. Oberer Teil einer Grabstele, grSfite Hohe 33 cm, ungleiche, groBe 
grobe Schrift, etwa 2. Jahrhundert n. Chr. 

X A I P E 
E Y T Y X I A H 
O E o A n P o Y 

Prora in ganz flachem Relief. 

21. Grabepigramm von Samos. 

Samos (Tigani) gefunden in der Nekropolis. Grabstein aus weiBem, 
braunlich verwittertem Mannor, oben gebrochen, unten Zapfen zum Ein- 
lassen, H. 0.61 m, Br. 0.47 m. Das Totenmahlrelief hat auf den Knaben, 
(lessen Grabstein es schmuckt, keine Beziehnng. Schrift urn 100 v. Chr. 
Abklatsch und erste Abschrift von Wiegand. 

[YyjxoAinHC ttoayaakpyc J 6rmpAT0Y gngAag kgTtai 
[ko]?poc, ttatpi AinuN niKpA town nAeeA 
[mjatpi tg nAMnAHOYN ePHNUN toon' er ag aoxgiac 
[cojaTna ctytgphn eic Aiaan gtgkgn. 

5 "APTI TAP GI UMCON nOPrTAMATA 6HKAT0 KOYPOC 

kaI nAPe<t>HBeiHC gigt^agi tt^pata 

AAKIM0N 6N CTH9GCCIN GXCON <t>PGNA ' rTArKPATICOl AG 

AieeuN nIkan hpato kyaAaamon ' 

H AG BIOY CTPGFTTGIPA AINOY KAWCTHPI BIA1CJI 
10 AAoTPA 0IAUNI BIOY niKPON G6HK6 T6AOC ' 

AAKPYXAPHC AiAAC TAP ANAPTTACGN OYA' YMGNAIUN 
AAAOYXON <t>IAIHC TG>YIN AGIPAMGNON. 
MlNCOC GN GNATOTCI AIKACTYAC GSOXA KPGINCON 
TON NGON GYCGBGCON XtOPU) GNATAAICON. 

Der Knabe hatte die Kindertracht, nopnAwATA nach der Fibel, die den 
Chiton auf der Schulter zusammenhalt, benannt, eben abgelegt und stand 
noch am Ende des Schuljahres in der untersten Klasse des Gymnasiums, 
den riAP6«HBoi. Er hatte hier fur das nArKpAnoN im Schauturnen einen 
Preis erhalten. Jedes Zeugnis iiber diesen Schulbetrieb, dessen hochste 
Ausbildung in das 2. Jahrhundert fallt, ist wertvoll, wenn man die Situation 
wirklich fassen kann. 



Nordionische Steine. 63 

Der Poet beherrseht den Stil .seiner Zeit, in tier eine breite, mit neuen 
oder seltenen und vom gewShnlichen Gebrauche abgebogenen Wortern 
gezierte Behandlung den Mangel an neuen Gedanken und echter Empfin- 
diing verdecken soil; es ist der Stil, den Leonidas aufgebracht hat und der 
nun bei Antipatros und Meleagros herrscht. Die Steine geben fast reichere 
Belege als die Anthologie; langst mahne ich vergeblich, die Stilgeschichte 
des Epigramms zu verfolgen. Kunstworte: YYxoAirmc, nArniArieyc adjektivisch, 
aakpyxaphc. aikactyc, dies wohl aus altionischer Poesie aufgegriffen. Hochst 
merkwurdig 0nat6c im Sinne von TeeNeuc, was man (">fter beanstandet hat. 
Leere Breite ttikpa r6coN nAeeA fur tooyc, e< aoxgihc coaTna eTexeN, eieieAei 
nePATA. Pretios: eNArAAizeiN eYceBWN xcopui fur eNTieeNAi; der GenuB des 
ym^naioc ist der Daduch zur Freundscliaft. d. h. die Hochzeit (bei der die 
Fackeln brennen) oder vielmehr die Ehe fiihrt (lurch die a*poaicioc 6miaia 
zur *iaia : das ist die Beurteilung der Popularphilosopliie; das (iescliick 
ist durch das Spinnen des gewaltsamen Fadens (d. h. des Lebensfadens, 
der den Menschen BiAzeTAi) die dpenTeiPA bioy: es gibt dem Leben eine 
plotzliche Wendung, eine katactpo*h. Nicht fein, und nicht nur fiir unser 
Gefuhl, ist die Wiederholung von sioc 9 und 10, das erstemal allgeniein, 
das zweite von dem Leben dieses Menschen. Fast ganz musterhaft ist der 
Versbau: nur 9 fehlt die bukolische Diaresc; da ist aber die weibliclie 
Mittelzasur sehr kraftig. Im letzten Pentameter ist aber doch ein scbwerer 
Diphtliong oder vielmehr Vokal in der ersten Kiirze des Daktylus verkiirzt; 
vermutlich wirkt da eine alte Formel. 

22. Grabstein von der Insel Ilalone. 

Hr. J. W. Hasluck berichtet eben im J. II. St. XXIX 6 iiber die 
Mannarainseln, die er nach vielen Jahrzehnten als erster Europaer besucht 
hat. Zu ihnen gehort Aaunh, deren llauptort den Namen bewahrt hat, 
wahrend die Insel Pascha Limani genannl wird (Steph. Byz. Becbikoc aus 
einem kyzikenischen Lokalschriftsteller Diogenes, Plinius N. II. V. 151). 
Sie setzt das Gebirge von Arkonnesos westlich fort und an ihrer dem 
Festland nachsten Eckc hat die alte Stadt gelegen, deren Polygonalmauern 
zum Toil erhalten sind; jetzt ist der Name auf den llauptort an der West- 
kiiste iibertragen, wahrend die alte Stadt Kuklia heifit. In ihrer Kirche 
der H.Trias hat Hr. Hasluck einen archaischen Grabstein gf'funden, der 
allerdings zuvor bemerkt und ediert war, aber die Schrift T1poik6nnhcoc von 



64 



VON WlLAIO W I T Z - M E L L E NDOIf F F : 



Fig. G. 




oinem Geistlichen des Patriarchates, 
M. Manuel Gedeon (1894), war nicht 
nach Europa gedrungen. Hr. Has luck 
erwahnt seine Entdeckung S. 1 7 und 
auch, dafi er uns zwei Abklatsche des 
selir verriebenen Steines gesandt hat. 
Audi dem Museum von Konstantinopel 
hat er Mitteilung gemacht; hoffentlich 
wird der Stein gerettet. Wir statten 
unsern Dank ab, indein wir den Stein, 
gezeichnet nach dem Abklatsch von 
W. Liibke, publizieren. Das erhaltene 
ist 0.27 m breit, 0.34 m hoch. 

MaNAPUJNJoC TO cjfiMA TO MNHCinTOAefMO' 
MAXO.MGNOC Ae AneeANfe. 
Darin hat Hiller chma erkannt. 

Mandron ist im 6. Jahrhundert ge- 
fallen, wobl nocli vor der Perserzeit; damals zogen die Ionier bereits die 
Prosa in den Inschriften vor. Die Wortstellung ist die bekannte schon 
archaische. Der Zusatz in schlichter Prosa zeigt dieselbe Sinnesart wie 
das lakoniscbe en noAewtoi; in Versen heifit es klangvoll uagto a' ew noAe- 
mcoi. Der Name Mandron zeugt far die Herkunft; Ivyzikos und Umgegend 
ist von Milet besiedelt, und der Manapoc ist sicherlich der Maander. Die 
Schrift bictet nichts bemerkenswertes. 



WPcfoM 




25. Kypbic von (Jliios (Tafel II). 

»Gefunden unterhalb des Dories GoAonoTAMi, verbaut in die Stiitz- 
niauer der neuen Chaussee, welche die Stadt Chios mit dem Suden ver- 
bindet. Der Stein ist nach vielen Fahrlichkeiten in den Handen der tiirki- 
sclien Behorden gesichert. Ein Pfeiler rotlichen Trachytes, der sich nach 
oben etwas verjiingt, also genau ein kypbic, unten gebrochen, hoch 72 cm, 
breit oben 76.5 cm, 17 cm tief. « Jac. Mehrere Abklatsche und Photo- 
graphien liegen der Abschrift zugrunde. Die Obertlachc ist ungenugend 
geglattet, die Buchstaben mehr ausgekratzt als eingemeifielt, so da6 ihre 
Ziige sich von andern Rissen oft kauin unterscheiden. Die Grofie der 



Nordionische Steine. 65 

Zeichen wechsclt von 2 bis 4 cm: das boyctpo<j>haon macht bei der Wen- 
dung keine Schleife melir, sondern die Zeilen sind parallel. Auf der linken 
Schmalseite, der letztbeschriebenen, stehn zwei rechtslaufige Zeilen iiber- 
einander: vielleicbt war die erste Nachtrag. Die Bildung der Bucbstaben 
ist nicht im Typus, aber in der Ausfiihrung ungleich. n hat den rechten 
Schenkel bald kiirzer, bald ganz gleicb lang, ebenso M und A: n liegt 
manchmal ganz schrag, bald stehn beide Schenkel auf der Grundlinie: 
E hat zuweilen fast die spatere norinale Form, bald hangen die Seiten- 
striche so stark iiber und sind so lang, konvergieren auch wold, daB man 
ein oben verletztes E mit A oder auch K verwechseln kann. P hat bald 
den Haken so tief herabgezogen und die Hasta so kurz, ila!3 es den AA 
ahnlich wird, bald zieht es sie ganz tief. T und I sind so schmal, daB 
sie kaum mehr Raum als 1 brauchen. o liat naturlich das Kreuz, X ist 
aufrechtstehendes Kreuz, <t> verlangert den geraden Strich nicht iiber das 
Rund. Ein Rund gelingt dem Steinmetzen nicht immer, so daB sich Ecken 
bilden, die an verletzten Bucbstaben tauscbcnd wirken. t. hat bald drei, 
bald vier Striche: beabsichtigt ist uberall gebrochene, nicht gebogene Linie. 
Ich habe niemals daran geglaubt, daB das dreistrichige t auf eine andere 
phonikische Grundfonn zuriickginge als das vierstrichige, und chronologische 
Schliisse auf diesen Unterschied zu bauen immer abgelehnt. Wenn man 
oft lesen muB, daB ein vicrstrichiges Sigma, wohl gar aufierbalb Athens, 
auf die zweite Ilalfte des 5. .lahrhunderts deutete, so ist das eine Regel, 
die Kirchhoff auf das eine Monument der attischen Quotenlisten gebaut 
hat; sie vertragt selbst fur Athen nicht die Verallgemeinerung. Regeln, 
die man aus einer Tabelle ablesen ki'mnte, wird es fur die Altersbestim- 
mung nie geben, fur die archaische Zeit vollends nicht, wo feste Daten 
kaum existieren. Hier ist der allgemeine Eindruck, daB ein ganz primi- 
tives Schriftstuck vorliegt; aber H ist often, das zieht herab; ? ist vor- 
handen (sonst, soviel ich weiB, nur in Abu Simbel), das zieht hinauf. 
Alles in allem, urn 600 wird der Stein geschrieben sein, ein Bruder der 
solonischen Gesetzespyramiden, eher alter als jiinger. 

Ein Unterschied zwischen der Vorderseite und rechten Scbmalseite 
und den beiden andern ist die Interpunktion, die hier durch den Dojniel- 
punkt die Worter, die in der Rede al)gesetzt wurden, sorgfaltig scheidet; 
wo sie jetzt nicht mehr sichtbar ist, kann und wird sie vorhanden ge- 
wesen sein. Die andern beiden Seiten kennen sie nicht. Man kann also 
Phil.-hist. Klasse. 190!). AOL II. 9 



(i() VON Wl L A M O W I T Z - M E L L E NllOK I F : 

denken, dafi diese spater oder doch von anderer Hand geschrieben waren, 
zumal die Schrift etwas gleichformiger wird. Aber tief gehen die Unter- 
schicde nicht: es konnte auch derselbe Schreiber sich's bequemer machen. 
Die Schrift darf man nur nacli den Photographien beurteilen; die 
Zeichnung der rechten Schmalseite ist nacli dem Abklatsch gemacht. Die 
Lesung zu verbessern, kann nur vor den Abklatschen gelingen. Die Ab- 
schrift mit iliren Typen wird aber ftir die meisten so viel liefern. wie zur 
Schatzung der Sprache notig ist. 

Vorderseite. 

ka;thsistihsahmo 

I233AAV©=?AqTHq 

o N : H P E I : HMf A^N.iHHAP 

AX3A:MftV3AI2AaH: \A ft + 

5 SISTIHs;:AnoAOTn:AHMA 

ENAHMOKEKAHMENO 

* H H H : IATAMITIA:IOAA 

MOSHNTAP-AAOIO 

i Von den ersten vier Buchstaben nur die untere Halfte erhalten ; 
auch £A moglich; Interpunktion vor ahm kann dagewesen sein 4 hinter 
aeka Ansatz, der gut nur zu z pafit 6 ton e iiberwiegend wahrschein- 
lich, ton 0, ton p nicht ganz unmoglich 7 vor ahmo stand sicher kein 
Punkt, vielleicht dahinter. Es kann [hn men] ahmo k. gewesen sein 8 T 
in ata 1 ist nachgetragen, so daB es das a undeutlich macht 9 hn fast 
sicher; tap ist es nicht, schien aber die einzige Kombination der iiber- 
lieferten Striche, die ein Wort ergab. 

Die Schrift ging von unten nach oben, vo sie umbog: es gehoren also 
immer zwei Zeilen zusammen, dazwischen unbestimmbare Lucken. 

i. 2. - - ka thc 1ctihc ahmo phtpac *yaacccjrn - - 

3.4. - - on : hpgi : h j, m£a(a)£n : ahmapxwn : h baciagycon : aeka [ctathpac] - - 

5.6. - - thJc ictihc : XnoAOTco : ahmapxgcon : 6ittphiai : ton e - - 

7.8. - - GN AHMO KGKAHM6NO AAoT, Al TIMATAI, nPHc[c£N Oder nPHCC£TC»)] - - 
9. - - MOC HN TAP AAOT 6 - - 

Ob h ictIh das nPYTANeToN ist, die koinh gctia toy ahmoy, oder die Gottin 
dieses Herdes, ist nicht zu sagen, da i . 2 der Sinn gar nicht zu fassen 



Nordionische Steine. 67 

ist, 5. 6 die Abgrenzung der Satzglieder unsicher bleibt. Asyndeton ist 
denkbar, vgl. Riickseite 2. phtph kannten wir freilich aus der Odyssee 
als Vertrag (Horn. Unt. 280). und es ist auf Kypros. in Sparta, in Klis 
fur nomoc aaoc cynghkh gebriiuchlich ; aber da6 es in Ionien die von dem 
Volke gegebene oder mit ihm vereinbarte Konstitution. die nomoi, bezeiclinet, 
ist doch cine (Iberraschung. Ebenso der ahmapxoc neben dem baciagyc oder 
vielmelir den baciaeTc: man erschlieBt eincn Beamten oder ein Kollegium, 
das aus dem Vertrauen oder der Walil des Volkes neben den altberechtigten 
Konigen steht. wie der apxcon Athens neben dem baciagyc. Dieser ionisclie 
ahmapxoc wiirde in den meisten Orten des Mutterlandes aamioptoc heiBen. 
In dieser Bedeutung kannten wir ilm nur aus Neapel; von da haben die 
tribuni pMtis Roms ihren griecliisclien Namen. Vielleiclit waren ihnen die 
Demarchen von Cbios verwandt; doch tritt auch der Gegensatz bervor. 
Das Gesetz hier scheint die Ubergriffe dieser Beamten und die Provocatio 
von ilirem Sj)ruche an das Gericht anzugehen. Ratselhaft bleibt hpgi V. 3. 
Man erwartet eine Verbalfbrm, und hipgi konnte passen, obwohl neben dem 
Imperfekt der Versuch mit eweAAeN nicht melir besonders bezeiclinet zu 
werden brauclite. Das Fehlen des Iota wiirde zwar merkwiirdig sein, aber 
das ist in Ionien Iiinter h so friili verklungen, da0 es nicht befremden 
diirf'te. Dagegen ei, wo nur hpe oder hpgn sprach- und scliriftgemai3 ist, 
schliefit diese Deutung beinahe aus. es ware denn Hpei f'iir hipg ver- 
schrieben. An hpci fur l 'Hphi ist noch weniger zu denken. Nun kann 
h ja h sein, also ein kurzer Vokal, a oder e, koaleszieren. Aber so viel 
icli sehe, liilf't auch das niclits: nur ein Prasens rechtfertigt ei, und das 
ist neben h "Waagn ausgeschlossen, audi ein Konjunktiv wie h A'pei. Icli 
babe angenommen, daB in eweAAGN das a nur einmal geschrieben war, ob- 
wohl cc immer doppelt geschrieben wird. Denkbar ware wold auch, da!3 
m^aao) in Chios einen Aorist gmgaon hatte. HSchst befremdend ist ahmapxun 
statt ahmapx^wn, durch BAciAeYUN gesicliert: also selbst mit einem o-Laute ver- 
schliff sich so f'riih sclion das e, durchaus nicht immer; es wird noch Gene- 
rationen king inkorrekt gewesen sein: aber der Unterschied der Aussprache 
vom Attischen war doch noch geringer als wir annahmen. Von 5. 6 ab 
handelt es sich um die geringeren Mult-en, die wie die eniBOAAi in Athen 
ohne weiteres vollstreckbar sind, und die hoheren, die endgiiltig erst das 
Gericht auferlegt. ahmoy k€kahm^noy bezeiclinet die boyah ahmocIh enieuioc 
der Riickseite; diese vertritt das gauze Yolk nicht anders als die 201 Richter 

9* 



f>8 VON Wl L A M O WITZ-MoELLEN I) R I' F 1 

in der athenischen Demokratie. Es scheinen dann zwei Bedingungen im 
Ausdrucke unterschieden, hn XaoT und ai timatai ; schwerlich ist ein tieferer 
Unterschied in dem hypothetischen Verhaltnis ; das Wechseln der Partikel 
dient nur der Deutlichkeit. ai hielten wir im Homer fiir aolisch ; das wird 
es ja sein. aber wir sehen, der Dichter hSrte das in Chios, und dann um 
so sicherer zu Ilause in Smyrna, weil eben die Bevolkerung gemischt war; 
er hat also ai gesehrieben, weil er es sprach. XaoT mit kurzem o ist geradezu 
bezeugt in Eretria, GDI. 5314, aiaoT als Konjunktiv bei Herodas 2. 59, wo 
Meister mehr Belege beibringt: bei Herodot 1, 84 steht aaui fest. 

Rvickseite. 

f KKAAES82 E £ 
MHAHHTHHA08 
O S I H N THITPITHI 

id ni AMoAa^i^ 

5 BOAHATEPESG 
^HISOMHAHn 
PlSfllOS A E KT 
TAT^OJHT^TH 
o <f> V AHSTATA A . 
.0 HAATK^JHST. 
M O K A I A I K A £ . . 
A X»3 H A I A S . . 
HTOI r E N2N. . 
H 3 O / H M O . . 
15 A S A S E P . . . . 
. . .<*$ 

Hier ist die Flache gliicklicherweise mit horizontalen Zeilen beschrieben, 
so daB der Satz zusammenhangend fortlauft 1 1 von i hinter aika ein 

Ansatz, zu gering, um den Buchstaben ganz sicher erschliefien zu lassen, 
ebenso 12 vor dem ersten c; dagegen 14 ist vor der obere Ansatz des 
Querstrichs von t gut zu sehen 16 sind die beiden Buchstaben leidlich 

sicher und eine Hasta davor; sonst nur wertlose Keste. 

eKKAAececo ec boahn thn ahmocihn ' thi tpIthi es l £baomaiu)n (5) boah Are- 
pececo h ahmocih enietoioc agkth neNTH90NT' Xno <>yahc ta j' aa[a(io)a] npAcceN 

TA AHMO KAI AIKA^C OKo]cAI AN EKKAHTOI r£NU>N [t( I 5)aI tJ 6 MHNOC TTACAC £11 - - 



Nordionische Steine. 69 

»- - so appelliere er an den Volksrat; am dritten Tage nach dem Siebner- 
feste werde der Volksrat versammelt, der Strafgewalt hat, ausgewahlt, funf- 
zig aus der Phyle, neben der Durchfuhrung der andern Volksgeschafte die 
Prozesse alle (zu entscheiden), soweit in ihnen appelliert ist wahrend des 
Monats. « 

Das letzte Verbum em - wage ich niclit zu raten; vielleicht liiefi es 
spgar vorher kai aika[zgn o]cai. esAOMATA gibt es also je,den Monat; es ist 
das Fest, nach dem Apollon in Ionien u €baomaToc. l £baomaiwn lieiBt. Diese 
Versammlung mit Strafgewalt ist eine kypia, die jeden Monat tagt; sie fallt 
auf den neunten. Hire Kompetenz ist zu multieren, dementsprechend audi 
die Entsclieidung in den Prozessen zu treffen, in denen die provocatio ad 
populum erfolgt ist, die hier ganz die ad iudicium ist; eKKAAeTceAi ist das 
attische goienai; ecoiAzeiN oder ahnlich wird man gesagt haben, wo man in 
Atlien zhmioyn sagt; ecom kannten die Grammatiker aus sparsamen Belegen 
bei Homer und Archilochos. In lebendigem (lebrauch ist es bei Pliokern 
und Lokrern, also Einwanderem, die es doch word vorgefunden batten. Die 
Versammlung heifit boyah. weil sie niclit eine Plenarversammlung aller Be- 
rechtigten ist, sondern eine Vertretung; aber sie ist ahmocih, weil sie aus 
der Summe der Berecbtigten gewahlt ist: 50 aus der Phyle; genau so bat 
Atlien audi seine boyah ahmocIh gewahlt, die nel)en die boyah ei "Apgioy nAroY 
trat, die aus bevorzugten , lebenslanglichen, also in der Zahl niclit be- 
schrankten Mitgliedern bestand. Audi fur Chios f'olgt aus dem Zusatze 
ahmocih die Exisienz einer anderen boyah, z. B. einer boyah repoNTWN, wie 
bei Homer. 

Rand ist links; V. 2 steht das letzte a auf einem Brocken, der anpa!3t; 
nur ein Abklatscb zeigt es, darunter unsichere Reste; die ersten drei Hasten 
sind audi niclit genauer bestimmbar; ich deute sie auf hi. liatte lange hn fur 
wahrscheinlich gehalten; audi die 

heiden letzten Buchstaben sind un- #' '' 

sicher, von a nur die oberstc Spitze, Recbte Schmalseite. 

ein Punkt oben vorher moglidi. ~~T~7. ~~y~ — ~ ~\ 



»■ 




JiltAT'RP,! 



ahkapxwi : ctathp[ac - - -] hn Ae 
aaikhtai nAPA[AABjHi a' hkkahtoc, a'ika- 

zgn - -] Erganzung nur exemplikativ ; \^A H iiC^ H T^$ *■■' 

aber klar ist, daf3 der Inlialt zu der -*-->^~- 

O S 10 1) 10 II ,~ 

Riickseite geliort. 



70 



vox Wilamowitz-Mokllendorff: 

Fig. 8. 
Linke Sclimalseite. 




Rand ist rechts. V. i vor dem schon verstiimmelten ersten c unsichere 
Spuren: audi das letzte ist unvollstandig. V. 4 am Ende freier Raum, SchluB 
der ganzen Urkunde. 

Cmiciunoc - - cjn opkia eniTAMNeTU 90 - - [bJaciaeycin 

Es ist nicht zu raten, wer das Eidopfer bringen soil, auch nicht, ob 
eni in dem Verbum bedeutet, daB das Opfer als Zugabe zu etwas bestimmtem 
gebracht werden soil oder im allgemeinen Zugabe ist: im letzten Falle 
konnte man einen Nachtrag anerkennen. 

Der erste Eindruck von einer solchen Urkunde wird Enttauschung sein: 
es ist gar zu wenig verstandlich, und was wiirde sie nicht sprachlich und 
sachlich lebren, wenn sie einigermafien vollstandig ware. Und docb er- 
wage man, zumal wenn man sicb eingestanden hat, wie wenig wir wissen, 
was doch aus ihr folgt. Wir kennen die Phylenzahl nicht, aber sie sind 
in gleichem Verhaltnis wie (lurch Kleisthenes in Athen in dem »Volksrate« 
vertreten, und dieser spricht Recht, gerade fiber die Spruche des Beamten. 
Also das Volksgericht ist in Chios begriindet: man ahnt zum mindesten, 
wie es in Athen zugleich mit dem Volksrate aufkommen konnte. Ist etwa 
die boyah zuerst haiaia gewesen? Dieser Rat muB jeden Monat einmal 
tagen und er hat auch ta ahmoy zu besorgen. kann also mindestens in die 
Vervvaltung eingreifen. Das allgemein griechische Bestreben, den Beamten 
als Vollstrecker des Volkswillens zu binden, nicht als selbsttatigen Ver- 
trauensmann 1'rei schalten zu lassen. ist deutlich, deutlich auch, daB das 
Volk seinen ahmapxoc neben oder vor die Konige gesetzt hat. Das timacsai 
ti xph nAeeTN h AnoTeTcAi ist bereits Gebrauch. Wir sehen ollenbar eine 



Nordtonische Steine. 71 

demokratische Bewegung, ahmoy phtpac, wir sehen sie ihr Recht auf- 
zeichnen, unci das zur Zeit des Pittakos unci Solon 1 . Vielleicht ist dies 
das wichtigste ; denn wir sind nicht gewohnt, von ionischen Gesetzen zu 
reden noch bei Solons Verfassung die Herleitung von den holier zivilisierten 
Vettern jenseits des Meeres zu erwagen. Den Grieclicn war ja von den 
Gesetzen niclits melir bekannt. auch nur zu wenig von den Stadtgeschichten 
der Ionier. Wenn sie von Nomotliesie reden, gilt es meistens clem Zivil- 
rechte. unci fur dieses hat auch Pittakos, dessen Gesetze sein Landsmann 
Theophrast kannte, keine Bedeutung: das kommt auBer von Solon von 
Charondas her, aus clem westlichen Kolonialland — in das doch chal- 
kidische Anregung ebenso gegangen ist wie nach Athen. GewiC, nicht 
fur sein Zivilrecht, aber wohl fur die Demokratisierung der Verfassung 
konnte Solon aus Ionien etwas holen: da sind die Kampfe um den Staat 
entsprechend fruher durchgefochten, ganz wie die um den Glauben unci 
die Sitte. Stark mag die Hoffnung nicht sein durfen, da!5 wir noch ein- 
mal zu sehen bekommen. wie sich die hellenische Staatsverfassung in Ionien 
gebildet hat; aber ein soldier Fund weckt doch diese Hoffnung; unci vor 
alien Dingen, die Erkenntnis muB durchdringen, wenn auch ein Blick. 
der uber Herodot unci Thukydides nicht hinausreicht, das nie zugeben 
wird, dafi der Grund fur die Organisation der griechischen Gesellschaf't 
unci des griechischen Staates in Ionien gelegt worden ist, nicht anders als 
fur Poesie und Philosophic 



1 Icli wage eine vor etlichen Jahren gefaCte Vermutung hier auszusprechen : jener 
Ephesier Hermodoros, den seine Biirgerschaft vertrieb und Herakleitos bewunderte, hat Ge- 
set/.e geschrieben, und dies, nicht das eine Heraklitwort, das freilich jet/.t allein sein Gedachtnis 
erlialt, hat Yeranlassung gegehen, in dem unbekannten und fiir uns gleichgiiltigen Hermodoros, 
<lessen Statue Varro auf dem romischen Markte sail, einen Gesetzgeber Koms zu finden. 
Man sucht doch fur Varro einen besseren Anhalt als die Heraklitstelle; die Traditionen findet 
man bei V. Bosch, I)e XII tabularum lege 58. Ich ziehe liierher eine Ilesychglosse ckyaikaI- 
TToAewuN nAP' "Gpmoaupcoi rerPA«eAi <t>Hci "YnoAHMATA ae <t>opeiN thn ^AEYe^PHN ckyaikac aeykac 
kai «aC9ahtinac«. Also I'oleiiion /.itieit einen Hermodoros, der ionisch schreibt, und /.war 
V'orschriften fur die weibliche Tracht. Mindestens pafit das fiir einen Gesetzgeber der Zeit 
Anakreons. Was Pre Her /.um Polemon beibringt, ist nichtig; was ich vortrage, freilich 
auch nur ein Kinfall. 



K. Prevfi. Akad. d. Wissensch. 



Phil.-hist. Abh. 1909. 





von Wilamowitz-Moellendorff: Nordionische Steine. 

Taf. I. 



K. Preu/3. Akad. d. Wissensch. 



PhU.-hist. Abh. 1909. 





von Wilamowitz-Moellendorff: Nordionisehe Steine. 

Taf. II. 



ANHANG. 



ABHANDLUNGEN NICHT ZUR AKADEMIE GEHORIGER 

GELEHRTER. 






Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 

VI. 

Ini Anftrage der Deutsche!) Kommission 

entworfen von 

ihrem auBerordentliclien Mitglied 

Prof. Dr. BERNHARD SEUFFKRT 

in Giaz. 



Phil.-hist. Klasw. 190!). Anlumy. Abh. I. 



Vorgelegt von Urn. Schmidt in der Sit/.ung der phil.-hist. Classe am 22. October 1908. 
Zum Druck verordnet am 29. October 1908, ansgegeben am 6. Mai 1909. 



VI. Die Werke von 1762 -1812. 

1. Chronologie. 
2. Halfte 1783-1812. 

760. 

1782 Oktober — 1783 Dezember. Clelia und Sinibald. Eine Le- 
gende aus dem zwolften Jahrhundert. Merkur 1783 1, 3 — 29. 
97 — 129. 2,121 — 141. 4,97 — 120. 212 — 230. Handschrift des 
1. u. 2. Teils in der Herzogl. Bibliothek in Gotha. Chart. B. 1301: 
3 1 Bll. 8° von Wielands Hand, 8 von Schreiberhand, 1 Bl. 4 mit 
Veranderungen, wohl vom Ilerzog August von Gotha. Chart. B. 
141 3: 10 Bll. 8° von Schreiberhand. Vgl. Wagner, Merckbriefe 2, 217. 
Bottiger, Literar. Zustande u. Zeitgenossen 1, 182. Kohler, Archiv 
f. Litteraturgesch . 5, 78 ft". Muncker, Sitzungsberichte der Bayer. Aka- 
demie der Wissenschaften 1 903 Heft II S. 1 2 5 f. 

761. 

1783 Januar 1. An Die Durehlauchtigste Herzogin Anna Amalia. 

In der ersten Stunde des Jahrs 1783. Handschrift, eigenhandig, im 

GroBherzogl. Hausarchiv Weimar. Gedruckt Euphorion 1, 699 703. 

Vgl. ebenda 703 ft'. 

762. 

? 1 783 Januar 1. An Karl August. Handschrift, eigenhandig, im GroB- 
herzogl. Hausarchiv Weimar. Ohne Uberschrift. Gedruckt: Freundes- 
gaben f. C. A. II. Burkhardt S. 144 — 146. Vgl. Euphorion 1, 7 14 f. 
Die Datierung ist unsicher; jedenfalls fallt das Gliickwunschgedicht 
hinter die Erscheinung des Oberon. Moglicherweise ist es zum 3. Sep- 
tember 1 78 1, dem Geburtstag des Herzogs, gedichtet: auch damals 
erwartete man einen »Prinzen der Jugend« in Weimar. 

1* 



4 B. Seuffekt: 

703. 

1783 Januar. Nachrichten. Merkur Umschlag zum Januarheft S. 1. 2. Und 

so fortan. 

764. 

! 783 1788. Anzeiger des Teutschen Merkur. Vorerinncrung 

zum Anzeiger des Teutschen Merkur S. I. II. Zum Teil wieder- 

holt aus Nr. 750. Vgl. Einlage nach Nr. 837 und Nr. 917. 

705. 

1783 Februar i6ff. An den Herrn G** v. M***. Abschrift in der Konigl. 
offentl. Bibliothek in Dresden ; da ruber geschrieben : Herzog von Wurtem- 
berg. Gedruckt: Bottiger, Literar.Zusta.nde und Zeitgenossen 1, 181. 
Vgl. Freundesgaben f. C. A. H. Burkbardt S. 146. 

766. 

1783 Februar 16 ft". Buquet an die G*** v. G***h***. Auf demselben Blatt 
wie Nr. 765 uberliefert; darflber geschrieben: Grafin v. Holicnheim; 
Unterschrift von frenider Hand: Wieland. Vgl. ebenda 1 . 

767. 

1 783 Februar. Zusatz zu Beytrag zur Gescbichte der Selbst-Kntzundungen. 
Unterz. d. H. Merkur 1, 162. 

768. 

1783. Anzeige. Unterz. Hofrath Wieland zu Weimar. Anzeiger S. XVIII. 

XIX. 

769. 

1783. Beilagezettel zum Anzeiger vom Februar. Unterz. d. H. 

770. 

1783. Antworten an unsere Correspondenten. Unterz. W. Anzeiger 

S. XXXII. 

771. 

1783 Februar — Marz. Cantate zur Geburtsfeyer des Durchlauchtig- 

sten Erbprinzen Carl Friedrich von Sachsen-Weimar und 



1 Das Freundesgaben fur C. A. H. Burkardt S. 146 erwahnte Epigramm aus Gruber, 
Wielands Leben 4, 196 ist ein Reimbrieflein, das nur zu den Briefen gehort. 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. 5 

Eisenach. Unterz.W. Merkur i, 177 — 183 (falsch paginiert, rich tig 
S. 201 ft'.). Eigenhandige Handschrift im GroBherzogl. Hausarchiv Wei- 
mar; sie hat im Titel noch den Zusatz: Der Durchhiuchtigsten Her- 
zogin und Landes-Mutter Luise unterthiinigst gewidmet von G. M. 
Wieland. Die Cantate wurde am Kirchgangtage, 9. Marz 1783, abends 
im Saale beim Hofkonzert nach der Musik des Kapellmeisters Wolf von 
der fiirstlichen Hofkapelle gesungen. Abgedruckt auch in: Sammlung 
von Reden und Ghickwunschungs-Gedichten auf die Geburth des Carl 
Friedrich, Weimar, Dornberger, 1783 8.946°. Verse daraus zitiert 
Merkur 1794 1, 296 (= Nr. 1 139). Vgl. E. v. Bqjanowski, Louise GroB- 
herzogin von Sachsen -Weimar, Stuttgart und Berlin 1903, S. 141. 
Wagner, Merckbricf'e 1, 374. Euphorion 1, 715. Freundesgaben f. C. A. 
H. Burkhardt S. 1 46 f. 

772. 773. 

1783. Einleitung und Ubersetzung der Verse auf die Geburt des 
Durchlauchtigsten Erb-Prinzen Carl Friedrich . . . von Herrn D'Ansse 
de Villoison ... Unterz.W. Merkur 1, 192 — 194. 196. 197. Einzel- 
druck (4 ; nicht Handschrift wie falschlich Freundesgaben f. G. A. II. 
Burkhardt S. 147 steht): Idillion auf die Geburt des Durch- 
lauchtigsten Erbprinzen zu Sachsen Weimar und Eisenach. 
Aus dem Lateinischen des Herrn von Villoison, iibersetzt von \y******. 
Abgedruckt auch in Dornbergers Sammlung (s. Nr. 771) S. 30 f. Ferner 
Epistolae Vinarienses 1783 S. 1 1 3 f . : Mitteilung von Robert F.Arnold 
in Wien. 

?774. 
1783 Marz. Uber die politische Rathlichkeit des geistlichen Coe- 
libats. Merkur 1, 240 — 247. Nicht unterz. Kniipft an Nr. 725 S. 28 
an. Ich komme auf die Vermutung nur wegen Nr. 779. 

?775. 
1783. Anekdoten. Merkur 1, 250 252. Nicht unterz. Die Zuweisung 
dieser Anekdoten an Wieland ist mir weniger sicher als die anderer; denn 
sie sind aus dem Leben, nicht aus auslandischen Biichern aufgegriffen, 
und Inhalt und Stil sind fast zu harmlos fur Wieland. 



6 B. S E U F F E R T I 

776. 

1783. Anmerkungen zu Beschlufi der Scenen im Elysium. Merkur 1, 

255. 262. 263. 

777. 

1783. An Alle, welche Inserate f'iir den Anzeiger des T. Mer- 
kurs einsenden. Unterz. D. H. Anzeiger S. XL VIII. 

778. 
1783 April. Musophili Naclitrag zu seinem Versuche iiber die 
Frage: was ist Hochteutsch? An den H. des T. Merkurs. Merkur 
2, 1 — 30. S. 1 unterz. Musophilus, alias Philomusos; S. 18 Musophi- 
lus. S. 19 ft". Zusatz des llerausgebers. Unterz. W. (Die Paginierung 
des 1. Bogens ist verdruckt: S. 307 — 320; vgl. Umschlag zum April- 
heft S. 4.) 

?779. 

1783. Von der Titulatur: Haupt der Christenheit und pabst- 
liche Heiligkeit. Merkur 2, 72 — 74. Nicht unterz. Ob Gruber 
recht hat, den Artikel 48, 167 ff. in die Werke aufzunehmen? Die 
Anmerkung zum Titel sagt: Aus einer handschriftlichen zuverlassigen 
Nachricht. Die Stil mahnt mich niclit an Wieland. 

780. 
1783. Berichtigung einer Stelle in der Berliner Monatsschrift. 
Unterz. D. H. Merkur 2, 88. 

?781. 
1783. Anzeige von [J. F. E. Albrecht,] Liebe ist ein wunderlich Ding, 
Hamburg 1783. Anzeiger S. LII. LIII. Nicht unterz., aber Inhalt und 
Form Wielandisch. 

782. 

1783. Beilagezettel zum Aprilheft des Anzeigers. Unterz. Weimar, den 

2 6sten Marz 1783. d. II. 

783. 
1783 Mai. Einleitung zu Noch ein Paar Proben einer Ubersetzung des 

Juvenals in reimfreyen Versen. Merkur 2, 154 — 158. Nicht unterz., 

aber sicher von Wieland. 



Prolegomena zu einer Wieland -Ausgabe, 7 

784. 
1783. Anmerkung und Zusatz zu Morgen-Gedanken eines Madchens. 
Merkur 2, 167. 169 — 174. 

?785. 
1783. Anekdote. Merkur 2, 180. 181. Nicht unterz., aber aus dem 
Franzosischen entlelmt, Wielandisch. 

?786. 787. 
1783. Anzeigen von Etwas das Lessing gesagt hat, Berlin 1782. An- 

zeiger S. LXV. LXVI. Herder, Vom Geiste der Ebraischen Poesie, 

Dessau 1782, 1783. Anzeiger S. LXVI. LXVII. Beide nicht unterz., 

aber wohl von Wieland. 

788. 
1783 Juni — Juli. Antworten und Geiyenfragen auf einige Zweifel 

und Anfragen eines neugierigen Weltburgers. Unterz. W. 

Merkur 2, 229 — 245. BeschluG der Gegenfragen an den fragenden 

Weltbiirger. Nicht unterz. Merkur 3, 87 — 96. 

789. 
1783 Juli. Anmerkungen zu Auszug eines Schreibens aus Wien, an den 
Herausgeber. Unterz. d. H. Merkur 3, 72. 80. 

?790. 

1783 August. Schreiben an einen Freund zuD". Datiert: Weimar, 
den 1 sten August 1783. Merkur 3, 167 — 170. Nicht unterz. Warum 
Diintzer diese Anzeige der Sammlung von Gedichten auf die Gcburt 
des Erbprinzen von Sachsen -Weimar Wieland bestimmt zugewiesen 
hat, weifi ich nicht; ich hore Wielands Ton nicht darin. 

?791— 8. 

1783. Anzeigen von I. [Claudius,] Asmus omnia sua secum portans, Breslau. 
Anzeiger S. CXIII. CXIV. II. Mendelssohn, Psalmen, Berlin 1783. 
Anzeiger S. CXIV. GXV. III. [Engel,] Anfangsgriinde der Theorie der 
Dichtungs-Arten, Berlin 1783. Anzeiger S. CXV— CXVII. IV. Hesse, 
Beytrag zum Forschen nach Licht und Recht, Berlin 1783. Anzeiger 



8 B. Seuffket: 

S. CXVII— CXIX. V. Literatur- und Volkerkunde [hg. v. Archenholz] 
Bd. 3, Dessau 1783. Anzeiger S. CXX — CXXII. VI. Morschel, Ge- 
schiclite der Mark Brandenburg, Berlin 1783. Anzeiger S. CXXII bis 
CXXIV. VII. Kayser, Briefe des L. A. Seneka, Dessau 1783. An- 
zeiger S. CXXIV. VIII. Roos, Bibliothek fur Padagogen und Erzieher, 
Giefien 1783. Anzeiger S. CXXV. CXXVI. Alle nicht unterz. Duntzer, 
Hempelausgabe 38, XVI. 429 Anm. 441 Anm. 570 Anm. 572 Anm. 
37, 638 Anm. hat fiir alle Stiicke Wielands Autorschaft angenommen, 
fur I — V zweifellos, fiir VIII unverkennbar. Ich halte III. und VIII. 
sicher fiir Wielands Eigentum, die iibrigen fur wahrscheinlich (I wegen 
Nr. 542) ilim zuzuschreiben, auBer VI. fiir das niclits spricht, als dafi 
es zwischen Wielandschen Anzeigen steht. 

799. 

1783 September. Zusatz des Herausgebers zu Etwas von den Deisten 
in Bolimen. Merkur 3, 257 — 266. 

800. 

1783. Einleitung zu Erne Probe der Blumauerischen travestierten Aeneis. 
Merkur 3, 266 — 268. Nicht unterz., aber sicher von Wieland. Vgl. 
Duntzer, Hempelausgabe 38, 445 Anm. 

?801. 

1783. Anekdote. Merkur 3, 286. 287. Nicht unterz.. sclieint aus einer 
Pariser Zeitung entlehnt zu sein, wohl von Wieland. 

802. 

1783 Oktober. Anmerkung zu Uber die Convulsionisten zu Paris. Unterz. 

W. Merkur 4, 56. 

803. 
1783. Die Aeropetomanie. oder Die Neuesten Schritte der Franzosen 

zur Kunst zu tliegen. Unterz. W. Merkur 4, 69 — 96. Vgl. Wagner, 

Merckbriefe 2, 228 if. 233 f. 

?804. 
1783 Dezember. Anekdote von Unsrer lieben Frau von Sales. Merkur 
4, 282 — 284. Nicht unterz. Enthalt franzosische Zitate; wohl von 
Wieland. 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. 9 

805. 

1783. Der Herausgeber an die Abonnes und Leser des T. Mer- 
kur. Unterz. Wehnar den 2 osten December 1783. Wieland. Merkur 
4, 284—287. 

?806. 

1783. Anzeigen von I. Cicero's drey Biicher von den besten Gesetzen, 
ubersetzt von J. M. Heinze, Dessau und Leipzig 1783. II. Desselben 
Drey Gesprache des Sokratiscben Philosophen Aescliines, in angezeigtem 
Verlage 1783. III. Von ebendemselben Xenophons Sokratische Denk- 
wiirdigkeiten, Weimar 1783. Anzeiger S. CLXXVII — CLXXX. Die 
drei Biicher sind in einer Anzeige zusammen besprochen. Nicbt 
unterz. Duntzer, Hempelausgabe 37, 620 Anm.: »unzweifelhaft von 
Wieland verfaBt.« 

807. 

1783. Zusatz zu Nachricht die (Euvres de Voltaire betreffend. Unterz. 
Wieland. Anzeiger S. CXCIV. 

808. 
17S3. An unsere Correspondenten und Alle welche Inscrate fur den 
Anzeiger des T. Merkurs einsenden. Unterz. Weimar, den 24. Decbr. 
1783 d. H. Anzeiger S. CC. 

809. 

i784Januar — Mai. Clelia und Sinibald. Unterz. W. Merkur 1, 34 bis 

49. 2, 41 — 56. 97—125. 

810. 
i784Januar 1. Anecdote aus dem Olymp. am iten Januar, im Jahre 

1784. Eigenhandige Handschrift im GroBherzogl. Hausarchiv Weimar. 

Gedruckt: Deutsche Diclitung hg. v. 0. E. Franzos, Dresden 1890 8, 

254 — 256. Vgl. Euphorion 1, 7101". Freundesgaben fur C. A. H. Burk- 

hardt S. 147. 

811. 
1784 Januar — Februar. Die Aeronauten oder Fortgesetzte Naclirichten 

von den Versuchen mit der Aerostatischen Kugel. Merkur 1, 69 bis 

96. 140 — 170. 

Phil.-hist. Klasse. 1909. Anhany. Abh.I. 2 



10 B. Seuffebt: 

812. 
1784 Januar. Allgemeine Vorerinnerung des II. zu Neue Biichcr. 
Anzeiger S. I — V. 

813. 

1784. Anzeige von La Roche, Pomona. Unterz.Wieland. Anzeiger S. XV. 
Vgl. Horn, Briefe an S. La Roche S. 243. 25of. 

814. 

1784. An das Publicum. Unterz. Der Herausgeber. Anzeiger S. XVI. 

815. 

1784 Februar. Schreiben an den H. d. T. M. nebst der Antwort, 
die im Jahrgange 1782 befindliche Briefe an einen jungen Dichter 
betreffend. Merkur 1, 170 — 179. Uas Schreiben S. 1 70 ff. Unterz. 
B. den 8ten Febr. 1 784. G. W. F. S. Antwort des Herausgebers S. 1 75 ff. 
Ich halte das Schreiben auch fur Wielands Eigentum ; vgl. dasselbe Ver- 
steckspiel Nr. 749a. 752. 

? 816—823. 
1784. Neue Bucher. Anzeiger S. XVII— XXXII. 1. Garve, M. T. Cice- 
ros Abhandlung von den menschlichen Piiichten, Breslau 1 783 S. XVUff. 
(vgl. Anzeiger S.I). 2. Historisch-Genealogischer Calender fur 1784, 
Leipzig S. XXIII ff. 3. Gartencalender auf das Jahr 1784 hg. v. Hirsch- 
feld S. XXV ff. 4. Retzer, Choice of the best poetical pieces of the 
most eminent English Poets S. XXVlIf. 5. Ayrenhof, Cleopatra und 
Antonius, Wien 1783 S. XXVIII f. 6. Chph. Bachmann |Levin Chr. 
Fr. Sander], Geschichte meines Freundes, Bernhard Ambrosius Rund, 
Hamburg 1784 S. XXIX f. 7. [verdruckt: 8.] Job. Otto Thiessens Ver- 
such einer Gelehrten-Geschichte von Hamburg, Hamburg 1 783 S. XXXI f. 
8. [verdruckt: 9.] Monatliche Beytrage zur Bildung und Unterhaltung 
des Burgers und Landmanns, Prag 1783 S. XXXII. Nicht unterz. 
Diintzer, Hempelausgabe hat 40, 841. 38, 574 Anm. 576 Anm. 36, 
306 Anm. 38, 447. 448 Anm. XVI. fur das 1. 2. 4. (vgl. Denkw. 
Briefe 2, 72.) 5. (der Schreiber spricht als der H.ferausgeber].) 6. Stuck 
Wieland mit Sicherheit als Verf. festgestellt, fur die andern ihn ver- 
mutet. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausyabe. 1 1 

824. 

1784 Marz. Marc-Aurel an die Romer. Nacli dem Englischen der 
Mss. Knight. Merkur 1, 193 — 195. Nicht unterz. Vgl. Prolegomena III 
Nr. 36. Freundesgaben fur C. A. H. Burkhardt. S. 147 f. (zu berichtigen). 
Kinzeldrucke haben sich in der Ilofbibliothek und der FideikommiB- 
bibliolliek in Wien nicht gefunden. 

825. 

1784. Bricfe an einenjungenDichter. Merkur 1,228 — 253. Nicht unterz. 

826. 

1784. Nachricht von einer neuen Rechen-Maschine, welche Herr In- 
genieur-IIauptmann Miiller zu Darmstadt in abgewichnem Jahre erfunden 
hat. Merkur 1,269 — 275. Nicht unterz. Vgl. Wagner, Merckbriefe 2, 233. 

827. 
1784. Anmerkung zu Auszug aus einem Briefe. Merkur 1, 285. Nicht 
unterz., aber von Wieland. 

828. 
1784. Nachricht an das Publikum eine vorgebliche Rathsel- 
Aufgabe betreffend. Anzeiger S.XXXIIIf. Nicht unterz., aber von 
Wieland. 

? 829. 
1784. Anzeige von L. H. v. Nicolai, Vermischte Gedichte, Berlin und 
Stettin 1783. Anzeiger S. XXXIV— XXXVIII. Nicht unterz. Von 
Duntzer, Hempelausgabe 38, 450 Anm. Wieland zugewiesen. 

? 830. 
1784 April. Das Narren- und Eselsfest. Ein Beytrag zur Geschichte der 
Sitten und Gebrauche. Merkur 2, 79 — 81. Nicht unterz. VonGruber48, 
1 64 in die Wcrke aufgenommen. Ich zweitle an Wielands Anteil an diesem 
einem »ehrlichen Franzosen« nacherzahlten Stiicke wie bei Nr. 779. 

831. 

1784 Jubilatemesse. Wielands Clelia und Sinibald. Eine Lcgende 
aus dem zwolften Jahrhundert. Weimar 1784. In Commission in der 
Hofl'mannischen Buchhandlung. Vgl. Umschlag zum Aprilheft des Merkur 

2* 



12 B. Seuffert: 

S. 3. — Die Buchausgabe sollte urspriinglich in der Buchhandlung der 

Gclehrten, Dessau 1783 erscheincn, wie ein undatierter Brief Wielands 

an Bertuch mit ausfuhrlicher Anordnung iiber das Titelkupfer ergibt 

(ungedr.). 

832. 

1784 Mai. Anmerkungen zu Schreiben an den H. d. T. M. die Mont- 

golfierischen Versuche mit dem Luftball betreffend. Merkur 2, 172. 

174. Nicht unterz., aber von Wieland. 

? 833. 

1784. Anekdoten vom Heiligen Martin. Merkur 2, 186 — 189. Nicht 
unterz. Von Gruber in die Werke 48, 134 aufgenommen. Mir ist 
Wielands Anted, obwohl ihm sonst die Anekdoten zugehoren. zweifel- 
haft. Vgl. Nr. 779. 830. 

834. 

1784. Ankiindigung: Wielands Auserlesene Gedichte. Jena. Unterz. 
Wieland. Anzeiger S. LXV— LXVIII. 

835. 

1784. Nachricht. Anzeiger S. LXXX. Nicht unterz., redaktionell. 

836. 837. 

1784. Wielands auserlesene Gedichte (= B s ) Erster Band . . . Neue, 
durchaus verbesserte Ausgabe. Jena gedrukt und in Commission bei 
Joh. M. Mauke 1784. Vorrede Bl. 2 a — 4'' datiert: Geschrieben zu 
Weimar den 1 6 Aprill 1 784. Mvsarion in drey Biichern S. 1 ff. Olympia. An 
I. D. d. V. H. v. W. g. H. z. B. [Ihre Durchlaucht die Verwitwete Herzogin 
von Weimar geborene Herzogin zu Braunschweig] Den 2 4sten October 
1777. I — III S. 79 ff. Die erste Liebe. An Psyche S. 9 1 ff. Gedanken 
bey einem Schlafenden Endymion S. 1 1 3 ff. Der verklagte Amor. Ein 
Gedicht in vier Gesangen S. 1 33 ff. Der Monch und die Nonne. Ein Ge- 

dicht in zwey Gesangen S. 209 ft'. Vorbericht S. 2 1 1 f. Zweyter 

Band Griechische Erzahlungen. Endymion S. 1 ff. Avrora und 

Zefalvs S. 27 ft". Das Urtheil des Paris S. 75ft. Combabvs S. 109 ft. 
Aspasia S. 147 ft'. — Gandalin oder Liebe um Liebe. Ein Gedicht in 
acht Biichern S. 167 ft". (Davor ist ein nicht beziffertes Titelblatt ein- 
geklebt.) — Bd. 1 hat keine Norm; Bd. 2 bis Bogen M die Norm: 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. 1 3 

Wielands griech Erzahl., von Bogen N an: Wielands auserl. Ged. Vor 
die Bogen beider Biinde wurden neue Titelblatter gesetzt gleichen Wort- 
lauts bis auf die Firma: Leipzig bey Weidmanns Erben und Reich i 784. 
Vgl. Buchner, W. u. Weidmann S. 79 ft'. 103. Ausgew. Briefe 3, 360. — 
Es gibt von B b Ausgaben auf starkerem und auf schwacherem Papier. 

Kinlage. 1784 Juni — 1788 Ende. Die kurzen Rezensionen far den Mer- 
kuranzeiger sind zumeist von K. L. Reinhold verfaBt: Ernst Reinbold, 
Karl Leonhard Reinhold, Jena 1825, S. 25. Zeitsclirift f. deutsches 
Altertum Anzeiger 13, 261. Vgl. Nr. 917. 

837 a. 
1784 Juli. Zusatz zu Hahns Ankiindigung der CEuvres complettes de 
Mr. le Comte de Buffbn. Unterz. Weimar, den 24 Julii, 1784. Wie- 
land, H. S. Hofratli. Anzeiger S. CXII. 

838. 
1784 August — September. Ankiindigung einer allgemeinen Litera- 
tur-Zeitung. Unterz. Geschrieben im August 1784. Die Societat 
der Unternehmer der allgemeinen Literatur-Zeitung. Anzeiger S. CXXXI 
bis CXL1II. Druckfehler S. CXLVIII f. Uber Wielands Anteil vgl. Bot- 
tiger, Literar. Zustande u. Zeitgenossen 1, 184. 265. 269. 271 — 274. 
P^uphorion 14, 156. Danach ist auficr den Wieland zugehorenden 
Einleitungsworten S. CXXXI der Text S. (XXXII — CXXXV unten von 
Wieland aufgesetzt; das darauf folgende wohl von Bertuch und .Schiitz; 
auch dies muG aber der Zusammengehorigkeit wegen, etwa mit kleinerer 
Schrift, in die Werke aufgenommen werdon. Dagegen hat Wieland 
an Anzeiger S. CXLVIII— CL Anderweitige Nachricht, die mit dem 
Jahre 1785. angehende Allgemeine Litteratur-Zeitung betrett'end, gewiB 
keinen Anteil und ebensowenig am Vorbericlit, der zum 1 . Bande 
der Jenaer Litteraturzeitung ausgegeben wurde. - - Hier soil noch be- 
merkt werden, daB Bottigers Aufierung, Literar. Zustande u. Zeitgenossen 
1, 185 nicht so verstnnden werden darf, als ob Wieland die Rezen- 
sion von K. E. Mangelsdorff, Hausbedarf der allgemeinen Geschichte der 
alten Welt Litteraturztg. 1 795 4, 1 7 1 und 1 796 1, 539 verfafit hatte, was 
inhaltlich und formal unmoglich ist ; die im Druck ausgelassenen nachsten 
Worte der Handschrift Bottigers: » War Olympia keine StadtV Soil 



14 B. Seuffert: 

man niclit Piraus schreiben?« ergeben, dafi Wieland sicli lediglicli 
Bedenken machte iibcr einige sachlicben Aufierungeri dcs Rezensenten. 

839. 

1784 September. Auszug aus einem Schreiben des Urn. Mercier 
an den Herausgeber des T. M. einen Artickel in No. 4. des Grauen Un- 
geheuers betreffend. Unterz. d. H. Merkur 3, 277 — 282. 

840. 

1784 Oktober 24. An Olympia. den 24. October 1784. C Bd. 9 Eigen- 
handige Handschrift Wielands im GroBherzogl. Hausarchiv Weimar. 

Freundesgaben fur C. A. H. Burkbardt S. 148. 

841. 

1784 November. Anmerkung zu An den Hrn. Herausgeber des T. M. 

Uber das Reisen, und jeinand der nacb Anticyra reisen sollte. Unterz. 

d. H. Merkur 4, 155 — 1 5 7- 

? 842. 
1784. Anekdote von Garrik. Merkur 4, 191. Nicbt unterz. Von 

Duntzer, Hempelausgabe 40, 841 Wieland zugewiesen. Vgl. oben 

Nr. 243. 

843. 

1784. Bericbtigung der Erzahlung, unter dem Titel: ein Prob- 

cben von Officialarbeit teutscher Justiz: im T. Merkur, Monat 

August dieses Jahres. [3, 186 If.] Unterz. d. H. Merkur 4, 192. 

844. 

1784. Nachricbt. Umschlag zum Novemberbefte des Merkur S. 4. 

? 845. 

1784 Dezember. Anekdote. Merkur 4. 286. 287. Niclit unterz.; durf'te 
so gut wie Nr. 842 Wieland zuzuweisen sein. 

846. 

1785. Wielands kleinere prosaische Scbriften (= A 5 ). Erster Band. 
Neue, verbesserte Ausgabe. Leipzig, bey Weidmanns Erben und Reich. 
1785. Verzeichnis der in diesem Tbeil enthaltenen Stiicke Bl. 2 lb . 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. 15 

I. Tiber das Verhaltnis des Angenehmen zum Nuzlichen S. iff. II. Bo- 
nifaz Scbleicbers Jugend-Geschichte S. i 7 ff. III. Uber die vorgebliche 
Abnahme des menschlicben Gescldecbtes S. 70 ff. IV. Gedanken uber 
die Ideale der Alten S. 1 1 7 ff. V. Was ist Wahrheit? S. 224ft". VI. Phi- 
losophie die Kunst zu leben und die Heilkunst der Seele S. 238 ff. 
VII. Etwas von den altesten Zeitkiirzungs-Spielen S. 253 ff. VIII. Uber 
den Charakter des Erasmvs von Rotterdam S. 301ft'.- IX. Wie man 
liest. Eine Anekdote S. 321ft'. X. Aesopus und Solon S. 328 f. 
XI. Die sterbende Polyxena des Euripides S. 329 ft". (richtig S. 330 ft.). 
— Vgl. Bucbner, Wieland und Weidmann S. 103. — Es gibt von A 5 
Ausgaben auf starkerem und auf schwacherem Papier. 

847. 
1785 Januar. Nachtrag zu No. IV. Briefe iil)er die Gebirgslehrc. 
Unterz. Weimar, den 20sten Janner 1785. d. H. Merkur 1, 89 — 91. 

848. 
1785. Antwort an einen unserer Correspondenten die Scbacb- 
Maschine des Urn. v. Kempelen betreffend. Unterz. d. II. Mer- 
kur 1, 96. 

849. 

1785 Februar. Nacliricbt. Umseblag zum Februarheft des Merkur S. 4. 

850. 

1785. Anmerkung zu [Reinliold,] Schreiben des Pfarrers zu *** an den 
H. des T. M. Uber eine Recension von Herders Ideen zur Philosophie 
der Geschichte der Menschheit. Unterz. d. II. Merkur 1, 148. 149. 

851. 

1785. Anmerkungen zu Auszug eines Briefes aus Paris. Merkur 1, 180. 

185. 189. Nur die letzte mit W. unterz., aber aucli die ersten siclier 

von Wieland. 

852. 

1785. Anmerkung zu Sclireiben der Ilerausgeber der Encyklopadiscben 
Sammlung von Nacbdriicken an den Ilerrn Hofratli Wieland. Unterz. 
d. H. Anzeiger S. XVII. 



1(5 B. Seuffeet: 

853. 

1785. Nachricht an unsere Correspondenten. Unterz. Weimar den 
20sten Febr. 1785. Die Expedition des T. Merkurs. Anzeiger S. XXXII. 

854. 
1785 Marz. Anmerkung zu [Hackert,] Schreiben an einen Freund iiber 
ein in Rom verfertigtes Gemahlde des Hrn.Wilhelm Tisehbein. Unterz. 
d. H. Merkur 1, 229. 230. Wieland hat das gauze Schreiben uber- 
arbeitet: Wagner, Merckbriefe 1, 442. 

855. 
1785 April. Nachricht. Umschlag zum Aprilheft des Merkur S. 4. 

856. 

1785. Vorbericht des Herausgebers zu Friederich, Situazion des Se- 
llers Aliba bey Zoroasters Grabe. Merkur 2, 30 — 32. 

857. 
1785. Vorbericht des Herausgebers und Anmerkung zu Z..d..r, 
An das Volk. Aus dem Franzosischen des Hrn. Thomas. Merkur 2, 
76 — 78. 85. Die Anmerkung unterz. W. 

858. 

1785 Mai Mitte bis Juni Ende. B'" Dritter Band. Leipzig, bey Weidmanns 

Erben und Reich 1785. S. 272: Jena, gedruckt bey Johann Michael 

Maucke. — Oberon. Ein Gedicht in zwolf Gesangen. Erster bis Siebenter 

Gesang. AndenLeser. Datiert: Geschrieben zu Weimar den 18. Novemb. 

1 784. Bl. 2 a — 4 b . VierterBand Oberon. Achter bis Zwolfter 

Gesang S. 3 ff. Geron der Biederherzige. Eine Erzahlung aus Konig Artus 

Zeiten S. 1 79 ff. An den Leser S. 181 — 1 86. Fiinfter Band — 

Vermischte Erzahlungen. Schach Lolo, oder das gottliche Recht der Ge- 
walthaber. Eine morgenlandische Erzahlung S. iff. Das Wintermahrchen. 
Nach einer Erzahlung aus dem ersten Theile Tausend und einer Nacht 
S. 43 ff. [Einleitung] S. 43. 44. Hann und Gulpenhe, oder Zuviel ge- 
sagt ist nichts gesagt. Eine morgenlandische Erzahlung S. 1 1 1 ff. Des 
Maulthiers Zaum. Eine Erzahlung nach einem Fabliau des Chretien 
de Troyes S. 1 2 5 ri'. Der Vogelsang oder die drey Lehren S. 191 ff. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 17 

Pervonte oder die Wunsche S. 2 1 3 ff. Der Wettstreit zwischen Mahle- 
rey und Musik S. 257 ff. Uber eine Magdalene von Oeser nach Cignani 
gezeichnet. 1781 S. 2 6off. — — Sechster Band — — Idris und 
Zenide. Ein romantisches Gedicht in fiinf Gesangen. An den Leser 
Bl. 2* — 4 b . — Vgl. Ausgew. Briefe 3, 367. 

859 '. 

1785 Mai. Actenstucke zur Osterreichischen Nachdruckerge- 
schichte. Unterz. W. Merkur 2, 154 — 172. Vorbericht des Her- 
ausgebers 8.154 ft'. Vgl. Ausgew. Briefe 3, 369. Buchner, Wieland 
und Weidmann S. 91 f. 

860. 

1785 Juni. Anmerkung zu Sch — z, Zwolf prosaische Fabeln. Unterz. 
d. H. Merkur 2, 204. 

861. 

1785. Anmerkung zu Kleine Wanderungen durch Teutschland, in Briefen 
an den Doctor K*. Unterz. d. H. Merkur 2, 272. 

862. 

1785 Juli. Anmerkungen des Herausgebers zu A., Etwas zum Be- 
huf des Nachdrucks. Merkur 3, 87 — 96. 

? 863. 
1785. Anzeige von J. B. Alxingers sammtliche poetische Schriften, Leipzig 
1784. Anzeiger S. CXIII — CXVI. Nicht unterz. Duntzer, Hempel- 
ausgabe 38, XVI vermutet Wielands Urheberschaft ; ich halte Rein- 
hold fur den Verfasser; vgl. aber Nr. 1190. 

? 864. 
1785. Anzeige von Retzer, Choice of the best poetical pieces of the most 
eminent english Poets. Anzeiger S. CXVI. Nicht unterz. Wielands 
Autorschaft zu vermuten, weil auf Nr. 819 Bezug genommen wird. 

? 865. 
1785. Zusatz zu Ankiindigung von Schubarts samtliche Gedichte. An- 
zeiger S. CXX. CXXI. Nicht unterz. Uiintzer, Hempelausgabe 40, 842 
weist ihn Wieland zu. 



1 Die Kritik ut>er Schillers Don Carlos vom 8. Mai 1785, G ruber, Wielands Leber) 
4, 2 1 2 ff. gehort sen den Briefen. 

PhU.-hist. Klasse. 190!). Anhang. Abh. I. 3 



18 B. Seuffkrt: 

860. 

1785. Ankundigung von Auswahl der schonsten und sinnreichsten Geister- 
Feen- und Zaubermahrchen, aus verschiedenen Sprachen, neuiibersezt 
[= Dschinnistan]. Unterz. Winterthur, den I4ten Julii 1786. Hein- 
rich Steiner und Comp. Anzeiger S. CXXI — CXXV. GewiB von 
Wieland, wenn er sich audi absiclitlich versteckt, wed er Dschinnistan 
anonym herausgeben wollte; erst vor dem 3. Bande hat er sich dazu 
bekannt. 

867. 
1785 August. Anteil an Reinhold, Herzenserleichterung zweier Menschen- 
freunde iiber Lavaters Glaubensbekenntnifi. Leipzig u. Frankfurt 1785. 
Vgl. Zeitschrift f. deutsches Altertum Anzeiger 13, 263. 

868. 
1785. Anmerkungen zu A. Wrch., Virgils fiinfte Ekloge frey iibersetzt. 
Merkur 3, 132. 136. Nur die zweite ist d. H. unterz., die erste kann 
vom Ubersetzer stammen. 

869. 

1785. Vorbericht und Nachschrift zu Von einer neuen Ubersetzung 
der Ovidischen Verwandlungen. Unterz. W. Merkur 3, 186. 187. 192. 

870-872. 
1785. Anzeigen von J. Nik. Gotz, Vermischte Gedichte, Mannheim. 
Unterz. W. Anzeiger S. CXXVII— CXXX. Joh. Hnr. Vofi, Gedichte, 
Bd. 1, Hamburg. Unterz. W. Anzeiger S. CXXX— CXXXII. Vgl. Aus- 
gew. Briefe 3, 368. Fromm, Herzog Leopold zu Braunschweig, der 
Menschenfreund, Berlin 1785. Unterz. W. Anzeiger S. CXXX1II. 
CXXXIV. 

873. 
1785 September. Uber die Rechte und Pflichten der Schrift- 
s teller in Absicht ihrer Nachrichten, Bemerkungen, und Urtheile 
iiber Nationen, Regierungen, und andre politische Gegenstande. 

Unterz. W. Merkur 3, 193 — 207. 



Prolegomena zu einer Wieland -Ausyabe. 19 

874. 875. 
1785 September — 1786. Vorrede von Herrn Hofrath Wieland zu 
Allgemeine Damenbibliothek. Eine freye Ubersetzung des franzosi- 
schen Werkes dieses Namens. . . . Erster Band. Leipzig, bey Weid- 
manns Erben und Reich 1786. Unterz. Geschrieben zu Weimar, den 
30. September 1785. C. M. Wieland. S. HI —XXI. Wieland unterstiitzte 
nach S. XLX den Bearbeiter Reinhold mit seinem Rathe und seiner 
Aufsicht. Das Nothigste von der Chronologie. Ebenda S. 175 
bis 228. Von Wieland neu ausgearbeitet: Zeitschrift fur deutsches 
Altertum Anzeiger 13, 262. — Angekiindigt hatte Reinhold die Damen- 
bibliothek 20. Janner 1785 Anzeiger des T. Merkur S. XXV ff. Vgl. 
Buchner, Wieland und Weidmann S. 88. 92. 93. 100 f. 104. 106 f. 
Ernst Reinhold, K. L. Reinhold S. 30 f. 

876. 

1785 Oktober. Anmerkungen zu Ausziige aus Briefen. Unterz. W. 
Merkur 4, 85. 91. 

877. 
1785. Nachricht den Debit des T. M. furs Jahr 1786. betreffend. 
Unterz. Weimar, den 24sten October 1785. Die Expedition des T. 
Merkur. Anzeiger S. CLXXIV. Ebenso S. CXCVII1 und mit veran- 
dertem Datum S. CCXIV. 

878. 
1785 November. Nachricht. Umschlag zum Novemberheft des Merkur 
S. 2. Unterz. Die Expedition des Teutschen Merkur. Und so fortan. 

879. 

1785. Berichtigungen. Anzeiger S. CLXXV — CLXXVII. Nicht unterz., 
aber vom Verfasser der Nr. 859, also Wieland. 

880—885. 

1785 Friihling oder Sommer — 1 786. Dschinnistan oder auserlesene 

Feen- und Geister-Mahrchen, theils neu erfunden, theils neu 

iibersezt und umgearbeitet. Erster Band. Winterthur, bey Heinrich 

Steiner und Compagnie. 1786. Vorrede S. Ill — XVI. I. Nadir und 

3* 



20 B Seuffebt: 

Nadine S. i — 50. II. Adis und Dahy S. 51 — 112. III. Neangir und 
seine Briider, Argentine und ihre Sch western S. 1 1 3 — 217. IV. Dor 
Stein der Weisen oder Sylvester und Rosine S. 218 — 279. V. Ti- 
mander und Melissa S. 280 — 322. — Es gibt Ausgaben gleichen Satzes 
mit und ohne Kupfer. Vgl. Prolegomena III Nr. 43 — 45. 47 — 50. 59 
bis 61. S. 41 ft". Bottiger, Literar. Zustande u. Zeitgenossen 1, 166. 
K.O.Mayer, Vierteljahrschrift f. Litteraturgesch. 5, 5 1 9 fF. 

886. 
1785 — 1786. A s Zweyter Band. 1786. S. 406: Jena, gedrukt bey Johann 
Michael Maucke. Verzeichnis der in diesem Theil enthaltenen Stficke 
S. 1 f. I. Dialogen. Im Elysium. Erster Dialog. Diokles. Lucian 
S. 3 — 13. Zweyter Dialog. Lucian, Diokles, hernach Panthea S. 14 
bis 36. Dritter Dialog. Phaon, Nireus, hernach Sappho und zulezt 
noch Anakreon S. 37 — 52. II. tlber die Lage und den Gesichtspunct 
worm wir uns in Absicht auf Erzahlungen von Geistererscheinungen 
befinden (im Inhaltsverz. betitelt: Etwas iiber die Erzahlungen von G.) 
S. 53 — 75. III. Briefe an einen Freund iiber die beriichtigte Anek- 
dote von J. J. Rousseau, Marianen und dem entwandten Bande. 1780 
(im Inhaltsverz. betitelt: Briefe fiber J.J.Rousseau, M. u. s. w.) S. 76 
bis 149. IV. Nachtrag zu den vorstehenden Briefen fiber J. J. Rousseau 
S. 150 — 173. V. Patriotischer Beytrag zu Teutschlands hochstem Flor 
veranlafit durch einen im J. 1780 gedrukten Vorschlag dieses Nahmens 
S. 174 — 202. VI. u. VII. Gesprache fiber einige neueste Weltbegeben- 
heiten im Jahre 1782 (im Inhaltsverz. betitelt: Gesprache zwischen 
Walder und Diethelm). Erstes Gesprach S. 203 — 265. Zweytes Ge- 
sprach S. 266 — 298. VIII. Sendschreiben an einen jungen Dichter 
S. 299 — 338. IX. Ursprung der guten und schlechten Dichter nach 
der alten nordischen Mythologie S. 339 — 344. X. Christine von 
Pisan S. 345 — 387. XI. Margarite von Valois, Konigin von Navarra, 
als Schriftstellerin S. 388 — 402. XII. Cardinal Du Perron und Fra 
Paolo Sarpi S. 403 — 406. 

887. 
1786 Januar. Anmerkung zu Anzeige von Jacobi, Uber die Lehre des 
Spinoza, Breslau 1785. Unterz. d. H. Anzeiger S. III. 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. 21 

888. 

1786 Februar. Anmerkungen zu Brief'e aus Rom, iiber neue Kunst- 
werke jeztlebender Kiinstler. Merkur 1, 178 unterz. d. H. 1, 184 — 186 
unterz. W. 

889. 

1786 Marz. Vorbericht des Herausgebers des T. M. und Anmer- 
kungen zu Briefe eines Maurers an seinen Freund bey Gelegenheit 
der Berliner Monats-Schrift vom Jahre 1785. Merkur 1, 244 — 247 
unterz. W. 248 unterz. d. H. 249. 251. 252. 254 — 256. 257. 258. 
259. 261. 262. 266. 271. 272. 274. 283. Diese nicht unterz., aber 

sicher von Wieland. 

890. 

1 786 April 1. An Madam Ackermann als Alceste. Am isten April 1786. 
Unterz. Wieland. Ephemeriden der Litteratur und des Theaters. Dritter 
Band. Berlin, bei Friedrich Maurer, 1786. 26. Stuck. Berlin den isten 
Juli 1786. S. 409. 

?891. 

1786 April. Anzeige von Blumauer, Freymaurer-Gedichte. Anzeiger S. LIII. 
L1V. Nicht unterz. Diintzer, Hempelausgabe 38, 473 Anm. nimmt die 
Anzeige fur Wieland in Anspruch, ich fur Reinhold. 

892. 893. 

1786 April — Oktober. Vorreden zu Allgemeine Damenbibliothek Zweyter 
und Dritter Band 1786. 2, III — XX Vorrede. Unterz. Weimar, den 
12 April 1786. Wieland. 3, III — VI Vorrede. Unterz. Weimar den 
1. Octob. 1786. W. Vom 4. Band an verschwindet Wielands Name 
vom Titel. 

894. 

1786 Mai. Zusatz zu An Ilerm Hofrath Wieland, nebst einer vor kurzem 
gehaltenen Freymaurer-Rede. Unterz. W. Merkur 2, 113. 114. 

895. 

1786. Anmerkung zu Moriz. Unterz. d. H. Merkur 2, 114. 115. 

896. 

1786. Anmerkung zu St**l, Des Grafen Magalotti Nachrichten von China. 
Unterz. d. H. Merkur 2, 165. 



22 B. Seuffkrt: 

897. 

1786. Anmerkung zu Blumauer, Mcin Dank an Stoll. Unterz. W. Mer- 
kur 2, 190. 

898. 

1786 Juni. Anmerkung zu St"l, Die Bekehrung der barbarischen VSlker 

zum Gliristenthum. Unterz. W. Merkur 2, 205. 

899. 

1786. Anmerkung zu Archenholtz, Bemerkungen iiber Pitt und Englands 

gegenwartige Lage. Unterz. d. H. Merkur 2, 281. 

? 900. 

1786. Anzeige von Retzer, Choice of the best poetical pieces of the 
most eminent english Poets. Vol. IV. Vienna 1786. Anzeiger S. 
LXXXVI. LXXXVII. Nicht unterz. Bezieht sich auf Nr. 819. 864, 
also wohl von Wieland. 

901. 

1786 Juli. Anmerkung und Zusatz zu Schreiben an Herrn Hofrath Wie- 
land, bey Einsendung des folgenden Aufsatzes. Merkur 3, 69 unterz. 
d. H. 78. 79 unterz. W. 

902. 

1786. Anmerkung zu St — 1, Ein kleiner Beytrag zur Geschichte der See- 
Kriege. Unterz. W. Merkur 3, 82. 

903. 

1786. Vermuthliche Auflosung des Problems wie der Graf Ca- 
gliostro seine hermetische Weisheit von Egyptischen Prie- 
stern bekommen haben konne. Unterz. W. Merkur 3, 93 — 96. 

? 904. 

1786. Anzeige von Fielding, Geschichte des Thomas Jones eines Findel- 
kindes, Leipzig 1 786. Anzeiger S. XGVII. XCVIII. Nicht unterz. Nach 
Brief an Goschen vom 22. Mai 1786 scheint Wieland der Verfasser zu 
sein, wozu audi der Ton der Anzeige stimmt. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 23 

905. 

1786 August. Anmerkungen zu Ankiindigung eines in der Schweitz aus- 
gesezten patriotischen Preises. Merkur 3, 181. 194. Nur die letztere 
unterz. d. H. 

90G. 

1 786 September. Zusntz des Herausgebers zu Friedrieh der Grofie. 
Unterz. W. Merkur 3, 243 — 249. 

907. 

1786. Anmerkungen zu Briefe aus Cassel. Merkur 3, 275 unterz. II. 
276 unterz. d. H. 

? 908. 

1 7S6. Anmerkungen zu C. C. S., Etwas fiber die frubzeitigen Begrabnissc. 
Merkur 3, 277 — 280. 282—285. Nicht unterz. Von Diintzer, Hempel- 
ausgabe 40, 843 Wieland zugewiesen; ich sehe keinen Grand dazu. 

909. 

1786. Anmerkungen zu Sch., Epistel an Herrn .1**. Unterz. d. H. Mer- 
kur 3, 288. 289. 

910. 

1786 Oktober. Anmerkung zu Auszuge aus einem Briefe aus Schemnitz. 
Merkur 4, 96. Niclit unterz., aber redaktionell. 

911. 

1786 Oktober 24. Impromtu am 24st. October 1786. Eigenhandige 
Handschrift im Grofiherzogl. Hausarchiv Weimar. Unterz. W. Eine 
Handschrift im Scbillermuseum in Marbacb: Das Schillermuseum in 
Marbach, Stuttgart 1906 S. 1 1. Gedruckt: Freundesgaben fur C. A. IT. 
Burkhardt S. 148. 149. Vgl. Euphorion 1, 711, wo irrig 1787 ge- 
druckt ist. 

912. 

1786 November. Anmerkung zu Hufeland, Neue Aussicht zu Vertilgung 
der Blattern. Merkur 4, 181. Nicbt unterz., aber redaktionell. 

913. 

1786. Anmerkung zu Schink, Sinngedichte. Merkur 4, 191. Ebenso. 



24 B. Seuffert: 

914. 

1786. An die Verfasservon Sinngedichten. Unterz. W. Merkur4, 192. 
Das Reimpaar ist durch einen langeren Strich von den Proben aus 
Schinks Schriften getrennt als die Proben untereinander; ich bezielie 
also die Unterschrift nur hierauf. Immerhin bleibt zu priifen, ob sich 
das Reimpaar nicht doch bei Schink findet und die Unterschrift also 
besagen soil, Wieland habe die Proben ausgehoben. 

?915. 

1786. Ankiindigung von Sammlung der (xedichte des Herrn Gotter. 
Anzeiger S. CXC. CXCI. Nicht unterz. Wegen eines Hinweises auf 
Merkur 1773 von Wieland zum mindesten iiberarbeitet. 

916. 

1786. Anmerkung zu Nachricht von der . . . neu errichteten von Kurz- 
bek-Mansfeld- und Cottaischen Letterngiesserey. Anzeiger S. CXCIII. 
Nicht unterz., aber von Wieland. 

917. 

1786. Verbesserung. Unterz. W. Anzeiger S. CXCVIII. Erwahnenswert 
nur als Zeugnis, dafi Wieland die Redaktion des Anzeigers nicht an 
Reinhold abgetreten hat. 

918. 
1786 Dezember. Nachrichten. Unterz. W. Merkur 4, 294. 295. 

919. 

1787. B 5 Siebenter Band. 1787. Clelia und Sinibald. Oder die Bevolkerung 
von Lampeduse. Eine Legende S. 3 ff. La Philosophic endormie. 
Eine philosophische Farce. In einem Aufzug S. 2i9ff. Vgl. Ausgew. 
Briefe 3, 374 1 . 

1 Geschichte der Formel: Gott helf dir! beym Niesen. Herausgegeben vom 
Herrn Hofrath Wieland. Lindau im Bodensee. In Kommission der Fritzschischen Buch- 
liandlung. 1787. Der Aufsatz ist im Merkur 1785 2, 173 — 189 G. unterz., also nicht von 
Wieland verfaBt. Ob Wieland wirklich Herausgeber des Sonderdruckes ist? Ich halte fur 
moglich, dafi Wieland als Herausgeber des Merkur audi fur diesen (um einen Anhang ver- 
mehrten) Abdruck aus dem Merkur herhalten mufite. Jedenfalls hat Wieland nichts dazu 
getan ; wie sollte er zu der Lindauer Firma kommen ? Das Stuck gehort nicht in die Werke 
und ist Goedeke, Grundrifi 6, 207 Nr. 112 zu streichen. 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. 25 

920-924. 

1787. Dschinnistan. Zweyter Band. 1787. I. Hiramelblau und Lupine 
S.i — 18. II. Der goldene Zweig S. 1 9— 60. (Ein Abdruck: Jahrbucli 
zur belehrenden Unterhaltung fur Damen von J. J. Ebert. Fur das 
Jahr 1799. Leipzig S. 89ff.) III. Der Druide, oder die Salamandrin 
und die Bildsaule S. 61 — 145. IV. Albotlede S. 146 — 176. V. Per- 
tharit und Ferrandine S. 1 77 — 25 1 . — Den Rest des Bandes bearbeitete 
Einsiedel. Zu IV vgl. Zeitschrift f. deutsche Philologie 21, 336. 

925. 

1787 Januar — Februar. Gedanken aus Veranlassung eines Briefes 
des Herrn D. Bicker in Bremen an Herrn Hofrath Baldinger 
iiber Lavaters Magnetismus. Unterz. W. Merkur 1, 82 — 96. Be- 
schluB der Gedanken iiber Hrn. I). Bickers Schreiben an Herrn Hofrath 
Baldinger. Unterz. VV. Merkur 1, 172 — 185. Vgl. Ausgew. Briefe 
3, 373. Prohle, I.essing, Wieland, Heinse S. 246. 

926. 

1787 Januar. Anzeige von Thalia hg. von Schiller, Leipzig 1786. An- 
zeiger S. I — III. Nicht unterz. Von Diintzer, Hempelausgabe 38, 464 
Anm. Wieland zugewiesen. Mit Recht, wic die Anknupfung der 
Nr. 946 an diese beweist. Audi hat Wieland Goschen am 14. .Ia- 
nuar 1787 baldiges Lob der Thalia versprochen. 

927. 

1787 Februar. Anmerkung zu Zuruf eines Mannes in der Wiiste an 
teutsche Freymaurer. Unterz. W. Merkur 1, 186. 

928. 

1787. Anmerkung zu K. F. Splittegarb, Etwas zur Rechtfertigung der 
bisherigen teutschen Rechtschreibung. Merkur 1,190. Nicht unterz., 
aber sicher von Wieland. 

929. 
1787 Marz. Anmerkungen und Zusatz des Herausgebers zu J . . b, 
An Herrn Sr., Verfasser des Schreibens iiber das Recht des Stiirkern. 
Merkur 1, 239. 246. 248. 251. 254. 259—262. Die 3. — 5. An- 
merkung sind nicht unterz., das iibrige mit W. 
Phil.-hi.it. Klasse. 190i). Anhany. Abh. I. 4 



26 B. Seuffert: 

930. 

1787 April. Noch Ein paar Worte von dem Herausgeber zu 
Alxinger, Hekabe, Ein Trauerspiel des Euripides. Unterz. W. Merkur 
2, 59. 60. 

931. 

1787. Anmerkung zu (den Gedichten) Der Vorsatz 1784 und Aussichten 
1784. Unterz. W. Merkur 2,96. 

932. 933. 

1787. Anzeigen von Dalberg, Der Moncb v. Carmel, Berlin u. Leipzig 
1787. Anzeiger S. XL — XLIII. K. W. Rammler, M. V. Martial is, Leipzig 
1787. Anzeiger S. XLIII. XLIV. Beide nicht unterz., aber sicher von 
Wieland, die erstere aucb von Diintzer, Hempelausgabe 38, 474 Anm. 
fiir ihn beansprucht. 

934. 

1787 Juni. Anmerkung zu Lied bey Aufhebung des Lotto. Unterz. d.H. 

Merkur 2, 285. 

935. 
1787. Zusatz des H. d. M. zur Spenerschen Nachricht von Ge- 

schichte der Seereisen und Kntdeckungen im Siidmeer 6. Bd., Berlin 

1787. Anzeiger S. LXXXI— LXXXIII. 

936. 

1787 Juli. Anmerkungen zu Beschlufi der Abhandlung des Abbts Clavi- 
gero iiber die Thiere der neuen Welt, gegen die Herren von Biiflbn 
und von Pauw. Unterz. W. Merkur 3, 32. 43. 

937. 

1787 August — Oktober. Eine Lustrcise in die Unterwelt. Merkur 3, 
1 08 — 141. Die Lustreise in Elysium fortgesetzt von S. 141. des August- 
monats. Merkur 4, 3 — 28. Beide nicht unterz. 

938. 

1787 August. Anmerkung zu Rousseaus Lebre von den Wundern. 
Unterz. W. Merkur 3, 173. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausyabe. 27 

939. 
1787. Anmerkung zu tlber die Thierarzeneykunst und Herm Kersting. 
Unterz. d. H. Merkur 3, 184. 

940. 941. 

1787. Anzeigen von Alxinger, Doolin von Maynz, Leipzig u. Wien 1787. 
Anzeiger S. CV— CX. F. W. (Jotter, Gedichte, Gotha 1787. Anzeiger 
S. CX — CXII. Beide nicht unterz. Wielands Urheberschaft der ersten 
gesichert durch seinen Brief an Goschen vom 3. September 1787; die 
der zweiten an sich sicher. 

942. 

1787. Anmerkung zu Ankundigung der Zeitungen fur Rechtsgelehrte. 
Unterz. A. d. H. Anzeiger S. CXVIII. 

943. 

1787. Anmerkung zu Ankundigung von Neueste Religionsbegebenheiten. 
Unterz. d. H. Anzeiger S. CXIX. 

944. 

1787 September. Anmerkungen und Zusatz zu W — rf, Olivier Mac- 

Allesters sonderbare Nacbrichten. Unterz. d. II. Merkur 3, 236. 

244. 246. 

945—947. 

1787. Anzeigen von G6the*s Schriften Bd. 1 — 4, Leipzig 1787. An- 
zeiger S. CXXI — CXXIII. Scliiller, Dom Carlos, Leipzig 1787. An- 
zeiger S. CXXIII — CXXV. Eschenburg, Uber W. Shakespear, Zurich 
1787. Anzeiger S. ('XXV. CXXVI. Nur die zweite W. unterz., aber 
audi die andern sicher von ihm. Vgl. Diintzer, Hempelausgabe 38, 

476 Anm. 36, 285. 

948 '. 

1787 September 20. An den Freiherrn Ernst von Manteufel. Wei- 
mar, den 20. September 1787. Gedruckt: Originalien hg. von G. Lotz 



1 In diese Zeit fallt der s pater wiederholt aufgegriffene Plan zur Autobiographie. 
Vgl. Bottiger, Literal-. Zustande u. Zeitgenossen 1, 184. Diintzer, Hempelausgabe 38, 659 
Anm. Steinberger, Vossische Zeitung 1904 Sonutagsbeilage Nr. 31. 

4* 



28 B. Seuffert: 

4. Febi'uar 1829 Nr. 27 Sp. 209. 210. Mir unbekannt. Nachgewiesen 
von Alfred Rosenbaum und August Sauer. 

949. 

1787 Oktober 24. Impromptu. Am 24.sten October 1787. Eigenhan- 

dige Handschrift im Grofiherzogl. Hausarchiv Weimar. Unterz. W. 

Gedruckt: Freundesgaben f. C. A. H. Burkbardt S. 150. Vgl. Eupho- 

rion 1 , 711. 

950. 
1787 Oktober. Zusatz zu Ankiindigung einer Sammlung der vorziig- 

liclisten Engliscben Geschichtschreiber, Weltweisen und Dicbter. Unterz. 

W. Anzeiger S. CL. 

951. 

1787 November. Sendschreiben der Exegetischen und Philantro- 
piscben Gesellscliaft zu Stockholm an die Gesellschaft der ver- 
einigten Freunde zu Strafiburg, fiber die einzige geniigliche Erkla- 
rung der Phanomene des thierischen Magnetismus und Somnam- 
bulismus. Merkur 4, 153 — 158. Unterz. W. S. 159 — 190 Uber- 
setzung des Sendschreibens mit Anmerkungen Wielands auf jeder 
Seite, aufier 159. 163. 167. S. 190 — 192 AbschluB unterz. W. Es 
ist das Ganze in die Werke aufzunehmen. 

952. 953. 

1787. Anzeigen von Pandora, oder Kalender des Luxus und der Moden 
fur 1788, Leipzig. Anzeiger S. CLXXIII— CLXXVI. E. Gmelin, Uber 
Thierischen Magnetismus, Tubingen 1 787. Anzeiger S. CLXXVI. Beide 
unterz. W. 

954. 

1787 Dezember. Anmerkungen zu S., Volksgedichte der Esthnischen 
Nation. Unterz. W. Merkur 4, 242. 251. 

955. 

1787. Der Herausgeber An die Leser des T. M. Unterz. W. Mer- 
kur 4, 286. 287. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 21) 

956. 

1787 Dezember 31. An Se. Durchlaucht d. II. F. v. B. u. L*** den 
31. December 1787. (Herzog Ferdinand von Braunschweig und Lfine- 
burg.) Eigenhandige Handsclirift im GroBherzogl. Ilausarchiv Weimar. 
Unterz. W. Gedruckt: Freundesgaben f. C. A. H. Burkhardt S. 150. 151. 

957. 
? 1 788. Gedicht an einen Prinzen, ohne Uberschrift. Eigenhandige 
Handschrift im GroBherzogl. Hausarchiv Weimar. Gedruckt: Freundes- 
gaben f. C. A. H. Burkhardt S. 152. Zeit und Adresse mochte ich 
jetzt nicht einmal so vorsichtig bestimmen, wie a. a. 0. geschah. 

958. 

1788 Januar. Anmerkung zu Schiller, Der Abfall der vereinigten Nieder- 
lande von der spanischen Regierung. Unterz. W. Merkur 1, 3. 4. 

959. 

1788 Januar — Februar. Anmerkungen zu Apologie des Aufsatzes fiber 
Rousseaus Lehre von den Wundern. Unterz. W. Merkur 1,61. 189. 

959 a. 

1788 Januar. Anmerkungen zu Weland, Uber Wunder. Unterz. W. 
und d. H. Merkur 1, 62. 76. 

960. 

1788 Januar — Juli. Gedanken von der Frey licit fiber Gegenstande 
des Glaubens zu philosophiren. Unterz. W. Merkur 1. 77 — 93. 
Fortsetzung der Gedanken u. s. w. Merkur 1, 195 — 226. Fortsetzung 
der Gedanken .... in einem Schreiben an Herrn P. Z***. Merkur 1 , 
549 — 567 1 . BeschluB der Gedanken u. s. w. Merkur 2, 3 — 28. Vgl. 
E. Ranke, Festgabe zum 90. Geburtstag Leopolds v. Ranke. Zur Be- 
urtheilung Wielands. Marburg am 21. December 1885 S. 2 2ff. Vgl. 
Nr. 602. 

1 Das 1. und 2. Vierteljahr sintl durchpaginiert, so daB dieser Jahrgang bibliographisch 
nur 3 Bande zalilt. 



HO B. Seuffert: 

961. 

1788 Februar. Anmerkung zu Nochmaltge Darstellung ties exotei-ischen 

Beweises der Existenz Gottes, aus dem Urspriuig des Menschenge- 
schlechts. Unterz. W. Merkur 1, 184. 185. 

962. 
1788 Marz. Anmerkung zu I). J., Probe einer Ubcrsetzung von Spensers 
Feenkonigin. Unterz. W. Merkur 1, 249. 

? 963. 

1788. Ankundigung einer Ubersetzung von Savary, Tagebucb einer 
Keise durcb die Levante, Leipzig, Goschen. Anzeiger S. XXX. XXXI. 
Nicht unterz. Wahrscheinlich von Wieland, weil dieser vom Sep- 
tember 1788 an daruber mit Goschen korrespondiert. Vgl. Prole- 
gomena III S. 1 7 und unten Anm. zu Nr. 986. — Das W. unter 
Nr. 964 wird audi hierher gehoren, wie zu der dazwischenstehenden 
Ankundigung von Wielands Lucian-Ubersetzung (s. unten die Nach- 

trage). 

964. 

1788. Anzeige von Sammlung der vorzfiglichsten englischen Geschicht- 
schreiber, Weltweisen und Dichter, Basel. Unterz. W. Anzeiger 
S. XXXI. XXXII. 

965. 

1788 April. Anmerkung zu Ktwas fiber Form, Geist, Charakter, Sprache, 
Musik und Tanz der Ehstnischen Nation. Beylaufig etwas fiber die 
Schonheit der teutschen Damen in Ehstlant. Unterz. W. Merkur 1, 344. 

966. 

1788. AnmerkungzuG — e, Giebt esMitteldas menschliclie Leben weit fiber 
das natiirliclie Ziel desselben zu verlangern? Unterz. W. Merkur 1, 366. 

967. 

1788. Anmerkungen zu Vom Ubergewicbt des Guten. Ein Dialog. 
Unterz. W. Merkur 1, 381. 384. 

968. 

1788. Nachricbt. Anzeiger S. XL. Nicht unterz., redaktionell. 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. 31 

969. 

1788 Mai. Anmcrkungen zu [Broxtermann,] Benno, Biscliof von Osna- 
briick. Unterz. W. Merkur 1, 434. 445. 

970. 

1788 Mai — Juni. Nachtrag des Herausgebers des T. M. zur Ge- 
scbichte des angeblichen Adepten, Nikol'aus Flamel. (S. 
Teutsch. Merk. April 1788, S. 254 [richtig: 354] u. f.). Unterz. W. 
Merkur 1, 460 — 472.485 — 521. Angekiindigt Nr. 966. Vgl. Diintzer, 
Hempelausgabe 35, 6. 

971. 

1788 Mai. Vorbemerkung und Zusatz zu L. B. v. Hirschen, Erklarung. 
Anzeiger S. LIII. LVI. Der Zusatz unterz. d. H. 

972. 

1788 Juli. Peregrin. Ein Auszug aus Lucians Nachricliten von deni 
Leben und Ende dieses Scb warmers. Merkur 2, 61 — 96. Vorbericlit 
S.61 — 67. Nicht unterz. 

973. 

1788 Juli. Zusatz zu J. H. VoB, Ankiindigung von Virgils Landbau. 
Anzeiger S. LXXXV1I. Nicht unterz., aber von Wieland. 

974. 

1788 August — November. Das GeheimniB des Kosmopolitenordens. 
Unterz.W. Merkur 2, 97 — 115.3,121 — 143. Einleitung 2, 97 — 102. 

975. 

1788 August. Peregrin und Lucian. Ein Dialog im Elysium. Unterz. 

W. Merkur 2, 176 — 190. Vgl. Lucians Werke, iibers. von Wieland 

3, 109. Bottiger, Literar. Zustfinde u. Zeitgenossen 1, 15 if. 161. 

Ausgew. Briefe 4, 29. Ernst Ranke, Festgabe 1*. Leopold v. Ranke 

S. ioff. 

976. 

1788. Antwort an einen Genannten und Ungenannten. Unterz. 
Weimar, den 9ten August, 1786 [lies 1788J. W. Merkur 2, 191. 
192. Der Genannte ist A. v. Klein: Euphorion 14, 157. 



B2 B. Seuffert: 

977. 

1788 September. Oberon. Ein Gedicbt in Zwolf Gesangen. Neue 
und verbesserte Ausgabe. Leipzig, in der Weidmannschen Bucli- 
handlung 1 789. Bl. 2 a b Vorrede unterz. Weimar, den 1 . Sept. 1 788. W. 
Vgl. Zeitschrift f. deutscbes Altertum Anzeiger 13, 264 ft". Buchner 
Wieland u. Weidmann S. 123. 

978—980. 

1788 September — Oktober. Briefe iiber einige neueste Begeben- 
beiten. 1. An den E. P*** B. 0. zu 0***. Unterz. W. Merkur 
2, 191 — 214. Briefe iiber neueste Begebenbeiten. 2. An Herrn 
von *** zu Br***. Merkur 3, 84—89. 3. An Ebendenselben. 
Unterz. W. Merkur 3, 90 — 93. Die zwei letzten geboren zu Nr. 960. 

981. 

1788 Oktober. Anmerkung zu Bronners Klagen beym Tode Salomon 
Gefiners. Unterz. d. H. Merkur 3, 50. 

982. 

1788 November. Anmerkungen zu Avthentische Gescbichtserzahlung 
des Krieges, den die Ottomannisclie Pforte im Jahr 1785 mit den 
Beys in Agypten gefuhrt hat. Unterz. W. Merkur 3, 169. 170. 171. 

983. 

1788. Anmerkung zu Weland, Apologie der Moglichkeit der Wunder 
gegen einen zweyten Anonymus. Unterz. W. Merkur 3, 186. 187. 

984. 

1788 Dezember. Anmerkung zu D. S., Uber [Gerstenbergsj Minona oder die 
Angelsacbsen, ein tragisches Melodrama. Unterz. W. Merkur 3, 207. 

985. 

1788. Der Ilerausgeber des T. Merkurs an die Leser am Schlusse 
des Jahres 1788 nebst einer kleinen llerzenserleicbteruug. Untei-z. 
W. Merkur 3, 294 — 301. 



Prolegomena zu einer Wieland -Ausgabe. 33 

986 l . 
1789. Comische Erzahlungen. o. 0. 1789. Dazu S. 1426*. Combabus. 
S. 1 7 7 ff . Aspasia. Vielleicht Nachdruck. 

987. 

1789. Wielands auserlesene Gedichte. Erster Band. Neue, noch- 
mals verbesserte Ausgabe. Leipzig, in der Weidmannschen Buch- 
handlung. 1789 (= B 6 ) Bl. 2 a Inhalt. Bl. 3"— 5*' Vorrede ausB*. Inhalt 
aucb sonst wie Nr. 836. Vgl. Buclmer, Wieland u. Weidmann S. 129. 
Durch Untertitel waren die Biindcben audi zum Einzelverkauf ein- 
gerichtet; wenigstens kenne ich solclie Exemplare des 1. und 7. Bandes. 

988 -991. 

1789 bis Marz. Dschinnistan. Dritter Band. 1789. S. Ill — XII Der 
Herausgeber an die Leser (Kolumnentitel: Vorrede) unterz. Weimar 
den 18. Merz 1789. Wieland. I. Der eiserne Armleuchter. Ein 
Turkisches Mahrchen S. 1 — 21. II. Der Greif vom Gebiirge Kaf. 
Ein Morgenliindisches Mahrchen S. 22 — 34. VI. Der Palast der 
Wahrheit (halb von Wieland) S. 168 — 291. An dem Bande haben 
Einsiedel, Liebeskind und die Verfasserin von 'Adele und Theodor 
mitgearbeitet. Liebeskind gehort an: Lulu oder die Zauberilote 
S. 292 ff., welches Stuck jedoch unter dem Titel: Lulu oder die Zauber- 
ilote von Herrn Hofrat Wieland, Wien 1 79 1 erschienen ist. 

992. 

1789 Januar — Marz. Die Musenalmanache fiir das Jahr 1789. 
Unterz. W. Merkur 1, 88 — 112. tlber die Musenalmanache 1789. 



1 Wieland uberwacht J. .S. G. Scliorchts Tausend und Kin Tag, Persische Erzahlungen. 
A. d. Franzosischen ubersetzt, Leipzig, Weidmann 1 788/1 789 3 Bde. Ob auch die ebenda 
1790 erscheinende t^bersetzung desselben: Tausend und Eine Viertelstunde? Vgl. Buchner, 
Wieland und Weidmann S. 122. 128. Schoreht ist nach einem Briefe Wielands an Gosclien 
vom 26. Februar 1789 auch der Ubei-setzer von: Fortsetzung ties Zustandes des alten und 
neuen Egyi>tens. Aus dem Franzosischen des Uerrn Savaiy. Briefe iiber Griechenland. 
(2. Titel: Savarys Reise nach Griechenland und Bemeikungen iiber die Tiirken. Aus dem 
Franzosischen.) Leipzig, Goschen 1789. Am 1. Marz 1789 wird Wieland von Gosclien ge- 
beten, die Vorrede dazu zu vollenden. Das mir aus der Universitatsbibliothek in Wien 
vorliegende Exemplar entlialt keine Vorrede; nichts weist in dem Bande auf einen Anteil 
Wielands bin. 

Phil.-hist. Klasse. 1909. Anhany. Abh. I. 5 



H4 B. Seuffert: 

(Fortgesetzt von S. 221. [lies: 112] des vorigen Monats.) Nicht 
unterz. Merkur 1, 220 — 223. BeschluB des Artickels fiber den 
Vossischen Musenalmanach 1789. (S. Februar S. 220.) Unterz. W. 
Merkur 1, 321 — 336. 

993. 
(1788 — ) 1 789 Marz — Dezember. Die geheime Geschichte des Philo- 
sophen Peregrinus Proteus. In einem elysischen Dialog zwi- 
schen Peregin und Lucian. Merkur i, 131 — 164. 256 — 282. 2, 
38 — 70. 302 — 326. 3, 3—42. 4, 179 — 204. 251—270. Die ersten 
2 Stiicke nicht, die folgenden W. unterz. In der Anm. zu 1 , 131 
wird auf Nr. 975 als Anfang verwiesen. 

994. 

1789 Februar. Anmerkungen zu Fortsetzung des ungedruckten Journals 
eines Reisenden von den Jahren 1784 und 1785. Unterz. W. Merkur 
i, 188. 196. 

995. 

1789. Ein Paar Worte fur die Jesuiten. Als Zugabe vom Heraus- 
geber d. J. |= des Journals] zum IV. Artickel dieses Monats [d. i. «l[age- 
mann?], Historische Nachrichten von der sogenannten Andacht zum 
Herzen Jesu]. Unterz. W. Merkur 1, 208 — 220. 

996. 

(1788 Dezember — ) 1 789 Ostermesse. Gedanken von der Freyheit iiber 
Gegenstande des Glaubens zu philosophieren. Neue, ver- 
besserte Ausgabe. Von C. M. Wieland. Leipzig, bey Georg Joachim 
Goschen, 1789. S. 2 Motto. S. 3. 4 An den Leser. S. 5 — 14 Send- 
schreiben des Verfassers an Herrn P. X. Y. Z****. S. 1 5 ff . Gedanken 
u. s. w. — Wieland hat diese neue Auflage am 2. und 22. Dezember 
1788 Goschen angetragen. 

997. 

1 789 Ostermesse. Von der natilrlichen Moral. Aus dem Franzosischen des 
Hrn. M** von Hrn. Sch** iibersezt. Herausgegeben und mit einigen 
Anmerkungen begleitet von C. M. Wieland. Leipzig, bey Georg 
Joachim Goschen, 1789. S. II Motto aus Boileau franzosisch und in 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. B5 

Versen iibersetzt, unterz. W. S. VII- — XXVI Vorrede des Heraus- 
gebers. Unterz. Geschrieben zu Weimar den 5 ten April 1 789. Wieland 
Anmerkungen: S. 5. 26. 29. 30. 39. 40. 41. 43. 54. 58. 59. 61. 65 
66. 78. 79. 82. 83. 86. 90. 91. 94. 96. 100. 102. 108. 117. 120 
121. 125. 145. 147. 156. 157. 158. 160. 161. 162. 164. 169. 170 
171- 173- '74- 1 75- 176. 178. 179- 183. 184. 185. 189. 190. 193 
196. 197. 198. 199. 200. 201. 202. 203. 204. 205. 207. 208. 213 
214. 222. 225. 226. 228. 234 unterz. W. Die eine M. unterzeiclinete 
Anmerkung S. 1 9 1 diirfte voni Verfasser Jakob Heinrich Meister stam- 
men, falls nicht ein Druckfehler fur W. vorliegt. AuBerdem sind 
noch zehn nicht unterzeiclinete Anmerkungen da: S. 18. 34. 56. 103. 
106. 109 — ill. 187. 223. 233. 237: von diesen gehoren die S. 103 
ganz und die S. 109 ft', gewiB zur Halfte Wieland; und vielleicht 
noch andere. Eine Vergleichung mit der franzosischen Ausgabe von 
1788 wird zeigen, was nicht von Meister herruhrt; schwerer wird 
sich bestimmen lassen, ob der Ubersetzer Georg SchultheB Anmer- 
kungen beigesteuert hat. Wieland hat die Ubersetzung iiberarbeitet, 
so daC laut S. XXV er allein fur ihre Mangel verantwortlich ist. 
Am 26. Februar 1789 hat er von Goschen die Aushangebogen ver- 
langt, um die Vorrede zu schreiben. — Vgl. Zeitschrift f. deutsches 
Altertum Anzeiger 13, 267—270. Goschen, The life and times of 
G.J. Goschen, London 1903, 1, 348. Goschen, Das Leben G. J. G6- 
schens fibers, v. Fischer, Leipzig 1905, 1, 261. 

998. 

1789 April. Ein paar Goldkorner aus — Maculatur oder Sechs Ant- 
worten auf sechs Fragen. Unterz. Timalethes. Merkur 2, 94 — 105. 
Wieland bekennt sich als Verfasser Merkur 1791 3, 123 u. 125. — 
Leo Liepmannssohn Berlin Antiquar. Kat. 164 Nr. 2378 hat ein Mer- 
kurexemplar zum Verkauf gestellt, in das der hier angegriffene Goech- 
hausen reichlich Anmerkungen geschrieben hat. 

? 999. 
1789 Juli. Zusatz zu: Uber die bildende Nachahmung des Schonen 
von Carl Philipp Moritz, Braunschweig 1788. Merkur 3, III. Nicht 
unterz. Ich halte nicht das gauze Stuck, aber den durch den Tren- 



30 B. Seuffert: 

nungsstrich abgeteilten SchluB fur Wielands Eigentum mit Riicksiclit 
auf Nr. 1003. Der Zusatz ist (lurch einen stark ercn Strich vom Vor- 
herstehenden abgetrennt, als von der sich anschlieBenden Nummer: 

? 1000. 

1789. Anzeige von Sammlung der vorziiglichsten Englischen Schriftsteller. 

Bd. 9 ft'. und Hume's History of England, Basel. Merkur 3, 112. 

Nicht unterz. Mit Rucksicht auf Nr. 950 und 964 doch wohl von 

Wieland. 

1001. 

1789 August. Anmerkung zu Franz v. Kleist, Das Lob des einzigen 

Gottes. Unterz. W. Merkur 3, 129. 

1002. 

1789. Anmerkung zu Jfagemann?], Nachrichten von dem Leben, und 
den Schriften des Abbe Galiani. Unterz. W. Merkur 3, 199. 

1003. 

1789. Anmerkung zu K. Ph. Moritz, Anktindigung des Mythologischen 
Lehrbuchs. Unterz. W. Merkur 3, 224. 

1004. 

1789 September. Uber die RechtmaBigkeit des Gebrauchs wel- 
chen die Franzosische Nation dermalen von ihrer Aufkla- 
rung und Starke macht. Eine Unterredung zwischen Walther 
und Adelstan. Unterz. W. Merkur 3, 225 — 262. 

Allgemeines iiber Wielands Revolutionsschriften : Bottiger, Lite- 
rar. Zustande u. Zeitgenossen 1, 139. 157. 161. 166. 1 75 f. 183. 184. 
187. 219 (nur als ein paar Belege fur seine Denkart). Raumers Histor. 
Taschenbuch 10, 441ft". 447 ft. 452. Gubitz' Gesellschafter 1826 
Nr. 181 S. 915. In Trapp's Schleswigischem Journal, Altona finden 
sich Erorterungen iiber Wielands Politik 1792 1, iff. 110 ft*. 1793 I, 
459 ft. 3, 261ft. 479 ft. Seuffert, Miinchner Neueste Nachrichten 1889 
Nr. 446. 448. H. v. Koskull, Wielands Aufsatze fiber die franzosische 
Revolution. Riga 1901. Klein, Studien z. vergleich. Litteraturgesch. 
4, 148 ft'. Vogt, Der goldene Spiegel u. Wielands politische Ansichten, 
Munckers Forschungen zur neueren Litteraturgeschichte Bd. 26, 1904. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 37 

1005 — 1007. 

1789 Mai — Oktober. Historischer Calender fur Damen fur das Jahr 1790 
von Archenholtz und Wieland. Leipzig bey G. J. Goschen. S. 190 
bis 247 Die Pythagorischen Frauen. Unterz. Wieland. S. 248 
bis 285 Aspasia. Im Inhalt S. 351 Wieland als Verfasser genannt. 
S. 286 — 328 Julia. Unterz. Wieland. — Am 25. Mai 1789 schreibt 
Wieland, er gehe an die Arbeit fur den Damenkalender. Auf einem 
vom August 1789 datierten Extrablatt zum Septemberheft des Merkur 
kiindigt Goschen das P>scheinen fur Oktober an. Vgl. Archiv f. Litte- 
raturgesch. 11, 402 ft*. Akademische Blatter 1, 69 ft'. Urlichs, Charlotte 
v. Schiller 1, 628. 

1008. 

1789 Oktober. Kosmopolitische Addresse an die franzosische Na- 
tionalversammlung von Eleutherius Philoceltes. Merkur 4,24 — 60. 

1009. 

1789 Oktober — Dezember. Ankiindigung von Der Neue Teutsche Merkur. 
1790. Unterz. Weimar den 26sten Octob. 1789. Wieland. Merkur 
4, 211 — 213. Vgl. Merkur 1788 3, 296. — Die Jahrgange des Neuen 
Teutschen Merkur werden in 3 Bande geteilt statt in 4 » Vierteljahre« 
wie bisher'. 

1010\ 
1790. B 6 Zweyter Band. 1790. Inhalt wie Nr. 837. 

1011. 

1790 Januar 1. An Anna Amalia. Reimbrief. Eigenhandige Iland- 
schrift im GroBherzogl. Hausarchiv Weimar, ohne Uberschrift. Ge- 
druckt: Weimars Album S. 96. Vgl. PreuBische Jahrbiicher 65, 563. 
Freundesgaben f. C. A. II. Burkhardt S. 153. P^uphorion 1, 711. 

1012. 

1790 Januar. Zusatz zu [Biirde,] Probestiicke einer neuen Ubersetzung 
von Miltons verlornem Paradiese. Unterz. W. Merkur 1,18. 19. 



1 Die Consolidation. Kin Gesprach, Merkur 4. 284 — 295, konnte von Wieland her- 
riiliren. Aber den N'anien des einen Unterredners Wahnnund vervvendet v. K[noblaucli] 
1790 1, 48 ft'., den icli audi fur den \'erf. der Consolidation halten inochte. 

- An Bertuchs Blauer Bibliothek aller Nationen, Gotlia 17906""., hat Wieland keinen 
Anteil, soviel icli selie; Herausgeber, wie behauptet wurde, war er gewifi nicht. 



38 B. Seuffeet: 

1013. 

1790. Faustina. Ein Seitenstuck zu Aspasia und Julia im historischen 
Calender fur Damen 1790. Unterz.W. Merkur 1, 19 — 26. Vgl. Bot- 
tiger, Literar. Zustande u. Zeitgenossen 1, 1 97. 199. 

1014. 

1790. Anmerkungen zu Die Feinde der Aufklarung. Unterz. d. H. 

Merkur 1, 27. 29. 

1015. 
1790. Grescliichte der Trogloditen. Unterz.W. Merkur 1, 33 — 47. 

Vorbericht S. 33 f. Erstes Buck S. 34ff. Die versprochene Fortsetzung 

wurde nicht geliefert. 

1016. 
1790. Anmerkung und Zusatz zu v. K|noblauch|, Uber reelle und per- 

sonliche Majestat. Die Anm. unterz. d. H. Ein Wort uber Mac- 

cliiavels Fiirsten (Als Zusatz zum Ende des vorstehenden Dialogs.) 

Unterz.W. Merkur 1, 48. 59. 60. 

1017. 

1790. Anmerkungen zu J., Nachrichten von der Litteratur der Tiirken. 
Unterz.W. und d. H. Merkur 1, 62. 78. 

1018. 

1790 Januar — April. Der Teutsche Parnafi. Merkur 1, 104 — 112 
unterz. W., 204 — 216 nicht unterz. BeschluB der Recension des 
Vossischen Musenallmanachs von 1790 Merkur 1, 439 — 445 unterz. W. 

1019. 

1790. Nachricht. Merkur Umschlag zum Januarheft S. 3. Und so fortan. 

1020. 

1790 Februar. Anmerkung zu Grundlinien einer Gescliichte der Bau- 
kunst. Unterz. W. Merkur 1, 122. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. B9 

1021. 

1790 Marz. Die zwey wichtigsten Ereignisse des vorigen Monats. 
Unterz. W. Merkur 1, 315 — 328. 

1022. 

1790. Zusatz des Herausgebers zu Auszug aus einem Schreiben einer 
ungenannten Dame an den Herausgeber. Unterz. W. Merkur 1 , 

330—332. 

1023. 

1790 Mai. Nachricht. Unterz. Die Expedition des Teutscben Merkur. 
Merkur Umschlag zum Maibeft S. 2. Und so fortan. 

1024. 

1790 Mai— .Tuni. Unparteyiscbe Betrachtungen iiber die derma- 
lige Staats-Revolution in Frankreich. Unterz. W. Merkur 2, 
40 — 69. 144 — 164. 

1025. 
1790 Juni. Anmerkung zu Politiscb-pbilosopbische Gesprache. Unterz. 
d. H. Merkur 2, 170. 

1026-1031. 

1790 Juni — September. Vermischte Briefe iiber allerley Littera- 
rische und andre Gegenstande. Unterz. W. 1. A. F. S. V. L. R. 
[= An Frau Sophie von La Roche]. Merkur 2, 191 — 200. 2. An 
Herrn ***. Merkur 2, 200 — 209. 3. An Herrn " zu D. Merkur 2, 
209 — 216. 4. An H. D. S. und 5. An Ebendenselben. Merkur 2, 
309 — 321. 6. An Herrn ***. Uber die neidich mitgetheilten Proben 
einer Borussias. Merkur 3, 93 — 103. 

1032. 

1790 Juli. Anmerkung zu Schulz, Fortsetzung der Briefe iiber das Palais 
Royal zu Paris. Unterz. d. H. Merkur 2, 252. 

1033. 

1790. Anmerkungen zu J., Nachrichten von dem Ritterorden der lustigen 
Briider. Unterz. d. H. und W. Merkur 2, 262. 274. 



40 B. Seuffert: 

1034. 

1790. Anmerkung zu [Jenisch,] Probe eines Heldengedichts, Borussias. 
oder der siebenjahrige Krieg. Unterz. d. H. Merkur 2, 278. 

1035. 

1790 August. Zufallige Gedanken iiber die Abschaffung des erb- 
lichen Adels in Frankreich. Unterz. W. Merkur 2, 392 — -424. 

? 1036. 

1790 September. Bruchstiicke zur Charakteristik des Herzogs- 
Regenten von Frankreich, Philipps von Orleans, und seiner 
Zeit. Merkur 3, 9 — 23. Nicht unterz. Der Auszug aus einem franzo- 
sischen Werk, z. Tl. anekdotisch, von Belang fur die Revolution, stammt 

wohl von Wieland. 

1037. 

1790. Der vierzehnte Julius. Ein Gottergesprach. Jupiter Olympius, 
St. Ludwig. Hernach Jupiter Horkius und Pluvius, zwey Subdele- 
gierte des Olympischen Jupiters. Unterz. W. Merkur 3, 58—90. 

1038. 

1790 Oktober. Anmerkung zu Hier. S., Antonius und Kleopatra, ein 
Melodrama. Unterz. d. H. Merkur 3, 161. 

1039. 

1790. Zusatz zu Ankiindigung von J. H. Schroter, Selenotopographische 
Fragmente. Unterz. Weimar 30. Sept. 1 790. Wieland. Merkur 3,216. 

1040. 

1790 Oktober 24. An Olympia. Am 24sten October 1790. Unterz. W. 
Merkur 3, 302— 305. Eigenhandige Handschrift im Gi-ofiherzogl. Haus- 
archiv Weimar. Vgl. Preufi. Jahrbiicher 65, 564 f. Freundesgaben f. 
C. A. H. Burkbardt S. 153. Euphorion 1, 711. 

1041. 

1790 November. Anmerkung zu von Knoblauch, Politisch-philosophische 
Gesprache. Unterz. W. Merkur 3, 231. 232. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausyabe. 41 

1042. 1043. 

1790 November - Dezember. Ein Gottergesprach. Jupiter. . . . Juno. . . . 
Unterz.W. Merkur 3, 270 — 283. Der olympische Weiberrath. 
Ein Gottergesprach. Juno. Semiramis. Aspasia. Livia Augusta. 
Konigin Elisabeth von England. Unterz.W. Merkur 3, 321 — 365. 

1044. 

1790 Dezember. Anmerkung zu Kotzebue, Einige Zfige aus dem Leben 
des guten Musaus. Unterz. W. Merkur 3, 374. 

1045. 

1790. Anmerkungen zu v. H., Schreiben aus Paris an den Herausgeber 
des Teutschen Merkurs. Unterz. W. und D. II. Merkur 3, 392. 395!'. 
404. 409. 

1046. 

1790. Anmerkung zu B., Uber Liebe als Leidenschaft. Unterz.W. Mer- 
kur 3, 414. 

1047. 

1790 Mitte — 1791 Ostermesse. Geheime Geschichte des Philosophen 
Peregrinus Proteus. Von C. M. Wieland. 2 Tlieile. Leipzig, bey 
Georg Joachim Goschen, 1 7 9 1 . 2, 424: Leipzig, gedruckt bei Christian 
Friedrich Solbrig. Tl. 1 S. 3 — 14 Vorrede. S. 15 — 42 Auszug aus 
Lucians Nachrichten von Peregrins Lebensende. S. 43 ff. Peregrin 
und Lucian. Ein Dialog im Elysium. — Am 28. Juni 1790 fragt 
Wieland bei Goschen an, ob der Druck schon begonnen sei; am 
28. Januar 1791 erhalt er 17 Bogen; wieviel Goschen Manuskript zum 
2. Teil brauche, um ihn dem ersten gleich groB zu machen? Am 
24.Februar 1 791 stellt Wieland den SchluB des Manuskripts fur 10 Tage 
spater in Aussicht. Zur Ostermesse erschienen laut Kundmachung 
Goschens hinter Historischer Calender fiir Damen f. d. J. 1792. 

1048. 

1790 — 1 79 1 Ostermesse. Neue Gotter-Gesprache von C. M. Wieland. 

Leipzig, 1791. bei Georg Joachim Goschen. S. 268: Berlin, gedruckt 

bey Johann Georg La ngh off'. I. Hercules. Jupiter S. iff'. II. Diva Julia, 

bekannter unter dem Nahmcn Livia Augusta, und Diva Faustina. 

Phil.-hist. Klasse. 190!). Anhwiy. Abh. I. 6 



42 B. Seuffert: 

Hernach D. Augustus und D. Marcus Aurelius S. 1 9 ff . III. Jupiter 
Olympius, Lychnis, ein Bildhauer, und Athenagoras S. 47 if. IV. Juno. 
Livia S. 60 ff. V. Hecate, Luna, Diana S. 7 2ff. VI. Jupiter, Juno, 
Apollo. Minerva, Venus, Bacchus, Vesta, Ceres, Victoria, Quirinus, 
Serapis. Momus und Mercur S. 83 ff. VII [irrig: VI]. Flora. Antinous 
S. 1 1 1 ff. VIII. Jupiter. Numa. hernach ein Unbekannter S. 1 2 1 ff. IX. Ju- 
piter, . . . Juno . . . S. 152 ff. X. Jupiter Olympius, Set. Ludwig. Her- 
nach Jupiter Horkius und Pluvius ... S. 1706". XI. Jupiter Olympius. 
Merkur. Numa Pompilius. Set. Ludwig. Heinrich IV. Zuletzt noch 
der Schatten Ludwigs XIV. S. 187 ff. XII [irrig: XI]. Juno. Semiramis. 
Aspasia. Livia. Koniginn Elisabeth von England S. 2 1 3ff. — Nach Klees 
Ausgabe, Bibliographisches Institut 2, 328, sind Nr. 1 — 8 wahrschein- 
lich schon 1789 geschrieben. Am 28. Januar 1 79 1 erhalt Wieland 
drei Druckbogen von Goschen. Zur Ostermesse erschienen laut Goschens 
Kundmachung hinter Historischer Calender fur Damen f. d. J. 1792. 
— Nr. V hat Anna Amalia ins Italienische v'ibersetzt; Handschrift von 
ihrer Hand im Germanischen Nationalmuseum in Niirnberg. Zu Nr.VIII: 
Bottiger, Literar. Zustande und Zeitgenossen 1, 240 oben ist eine Stelle 
der Handschrift ausgelassen, wonach der Unbekannte Jesus ist. — 
Zum Texte ist vielleicht zu beriicksichtigen : Dialogues des Dieux de 
Mr. Wieland. Traduit de l'Allemand par L. C. D. V. [= Du Vau]. 
A Zuric chez H. Gessner MDCCXCVI; denn nach S. Ill ist die Uber- 
setzung sous les yeux memes de l'auteur entstanden ; vgl. Bottiger, 
a. a. 0. 2, 163. 

1049. 

1 79 1. B 6 Dritter — Fiinfter Band. 1 79 1 . Inhalt wie Nr. 858. 

1049 a. 

1791 Januar — Februar. Ausfiihrliche Darstellung der in der Franzo- 
sischen Nazional-Versammlung am 26 u. 27 Novbr. 1790 vor- 
gefallenen Debatten. Merkur 1, 1 — 80. Fortsetzung und Be- 
schluG der Debatten in der franzosischen Nazional-Versammlung am 
1 2 ten November. Merkur 1 , 123 — 162. Epilogus des Herausgebers 
Merkur 1, 163 — 169. Nur das dritte Stuck ist W. unterz. ; es ist 
aber das Ganze Wielands Arbeit. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausyabe. 4H 

1050. 

1791 Februar. Anmerkung zu Zayland, Epistel an J. v. Kaltenthal. Unterz. 
d. H. Merkur 1 , 121. 

1051. 
1 791. Anmerkungen zu Uber die Konigs-Probe [von H. Demme] irn 
neuen teutschen Merkur. Merkur 1, 182. 186. Nicht unterz., aber re- 
daktionell. 

1052. 
1791. Anzeige von Schiller, Historischer Calender fur Dainen, fur das 
Jahr 1791. Unterz. W. Merkur 1, 197 — 211. 

1053. 

1 791 Februar— April. Anzeige von V06, Musen-Allmanach fur 1 791. Mer- 
kur 1, 211 — 222. 436 — 444. Das 2. Stiick unterz. W. 

1054. 

1 79 1 Februar. Anzeige von Bruce, Reise zur Entdeckung der Quellen des 
Nils, Leipzig 1790. Unterz. W. Merkur 1, 222 — 224. Vgl. Buchner, 
W. u. Weidmann S. 131. 

1055. 

1 791 Marz — April. Anmerkungen zu J., Auszug aus des P. Eustachio 
Delfini Nachrichten von der Expedizion der franzOsischen Flotte in 
Ostindien. Unterz. U. H. und W. Merkur 1, 287. 402. 

1050. 

1791 Marz. Anmerkungen zu Schilling, Menschenwurde. Unterz. W. 
und Anmerkung des Ilerausgebers. Merkur 1, 329 — 331. 337. 

1057. 

1 791 April. Anmerkung zu v. H***g, Klagen eines Junglings. Unterz. 
W. Merkur 1, 413. 

1058. 
1791. Anmerkung zu V., Physischtheologischer BeweiG vom Daseyn 
Gottes. Unterz. W. Merkur 1, 416. 

6* 



44 B. Seuffkkt: 

1059. 

1 791. Anmerkung und Zusatz des Herausgebers zu Auszug aus 
einem Schreiben eincs Reisenden an den Herausgebcr dieses Journals. 
Unterz. W. Merkur 1,420. 423 — 435. 

1060. 

1 791 Mai. Anmerkung zu E. v. B., Tiber einige zum Gliick der Ehe 110th- 
wendige Eigenschaften und Grundsatze. Unterz. W. Merkur 2, 63 f. 

1061. 

1 791 Juni. Anmerkung und Beysatz des Herausgebers zu Proben 
einer neuen Ubersetzung der Aeneis. Unterz. d. H. und W. Merkur 
2, 171. 1 791'. 

1062. 

1791. Schreiben der Revoluzions-Gesellschaft in London an die 
Gesellschaft der Gonstituzions-Freunde in StraBburg. (Aus 
dem Englischen iibersetzt.) Nebst Zusatz des Herausgebers. Merkur 
2, 219 — 224. Im Zusatz sagt Wieland, dafi er das Aktenstiick mit- 
geteilt habe, also ist er der Ubersetzer. 

1063. 

1 791 Juli — August. Anmerkungen und Zusatz des Herausgebers 

des T. M. zu Jfagemann], Leben und Thaten Josephs Balsamo, des so 

genannten Grafen Cagliostro. Unterz. W. Merkur 2. 225. 226. 231. 

232. 233. 237. 239. 240. 254. 259. 263. 265. 268. 279. 282. 284. 

286. 289. 293. 317. 341. 342. 347. 348 f. 350. 355. 358. 360. 362. 

3 6 5- 375- 377—3 8 5- 

1064. 
1 79 1 Juli. Anmerkungen zu A — z, Sendschreiben an Hrn. L. R. v. 

M . . s . . b . g in R. Merkur 2, 3281". 331 f. 333 — 335. Die erste und 

letzte unterz. W. 

1065. 

1 791 August. Anmerkungen zu W. v. S., An meinen Plato. Unterz. W. 
Merkur 2, 386. 404 f. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausyabe. 45 

1066. 
C791. Anmerkung zu Medon [= Neubeck], Elcgie in den Ruinen einer 
Abtey geschrieben. Unterz. W. Merkur 2, 415. Vgl. Nr. 1076. 

1067. 

1791 Anhang des Herausgebers des Teutschen Merkurs zu dem 
vorstehenden Auf'satze [d. i. Bemerkungen iiber einen im 9ten 
Stuck des Journal v. u. f. Teutschland vom Jabr 1791. befindliclien 
Aufsatz an Europens Fiirsten, die f'ranzosische Revoluzion betreffend]. 
Merkur 2, 427 — 443. 

1068. 

1 791 September. Anmerkungen zu v. Gfoechhausen], Bestimmtere Ant- 
wort auf das Sendscbreiben . . . iiber das Buch Meines Vaters Haus- 
Chronika betitelt. Unterz. W. und Wieland. Merkur 3, 45. 122 — 125. 

1069. 

1791 Oktober. Erklarung des Herausgebers iiber die in 6ten Mo- 
natsstiick des T. Merk. 1791 auf der lezten Seite befindliche 
Note. (= Nr. 1062.) Unterz. W. Merkur 3, 113 — 149 (rich tig: 
I43—179)- 

1070. 

1 79 1 Oktober 10. Vorrede zu Schiller, Historischer Calender fur Damen 
fur das Jahr 1792, Leipzig bey G. J. Goschen. Unterz. Weimar den 
10. October 1 79 1 . Wieland. S. 1 — 32. Vgl. Archiv f. Litteraturgesch. 
1 1, 4 1 off. 

1071. 

1 791 Oktober 24. An Olympia, (die verwitwete Herzoginn Amalia von 
Sachsen Weimar) zu ihrem Geburtstage den 24 October 1 79 1 in ein 
Exemplar der damahls erscbienenen neuen Gotter-Gesprache. Unterz. 
Wieland. Prometheus, hg. Leo von Seckendorf und Jos. Lud. Stoll. 
Wien, in Geistinger's Buchhandlung. 1808. Ersten Bandes, erstes Heft 
S- 54- 55- Eigenhandige Eintragung in das im Besitz der GroCherzogl. 
Bibliothek Weimar befindliche Exemplar der Neuen Gottergesprache, 
Leipzig 1791. (Die Gottergesprache waren schon zur Ostermesse er- 



4(5 B. Seuffert: 

schienen.) Handschrift zum Verkauf gestellt: Borners Auktionskatalog 
Nr. LXXXI, Leipzig 1905, Nr. 690. Vgl. Freundesgaben f. C. A. H. 
Burkhardt S. 153. Euphorion 1, 7 1 1 f . 

1072. 

1 791 November 5. Grundsatze, woraus das Mercantilische Ver- 
hliltniB zwisclien Schriftsteller und Verleger bestimmt wird. 
Unterz. Weimar, den 5. Novemb. 1791. C. M. Wieland. Buchner, W. 
u. Weidmann S. 135 — 145. Figenhtindige Handschrift im Archiv der 
Weidmannschen Buchhandlung in Berlin. Vgl. Goschen, The life and 
times of G. J. Goschen 2, 38. Ubers. v. Fischer 2, 37. 

1073. 

1 791 November. Anmerkung zu Burke, Das Recht der Volker. Unterz. 

der Herausg. Merkur 3, 258. Vielleicht gehort auch die Anm. 3, 225f 

Wieland zu. 

1074. 

1 791. Uber zwey Kammern in Frankreich, nach Giidin und andern. 
Nebst einem Zusatz des Herausgebers. Unterz. W. Merkur 3, 311 — 325. 
Ich glaube, dafi nicht nur der Zusatz S. 3 2 3 fi". von Wieland herriihrt, 
sondern auch der Aufsatz selbst. 

1075. 

1 791. Anmerkung zu Probe eines Lehrgedichtes. Unterz. W. Merkur 

3>328. 

1076. 

1 79 1. Anmerkung zu Neubeck, Am Grabe Martin Opitzens von Boberfeld. 
Merkur 3, 336. Nicht unterz., aber gewifi von Wieland, weil auf 
Nr. 1066 Bezug genommen wird. 

1077. 

1 791 Dezember. Anmerkungen zu v. Knoblauch, Fine Anekdote die be- 
kannt zu werden verdient. Unterz. W. Merkur 3, 443. 444. 

1078. 

1792. B 6 Sechster Band. 1792. Inhalt wie Nr. 858. 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. 47 

1079. 

1792. Oberon. Ein Gedicht in Zwolf Gesiingen. Neue unci verbesserte 
Ausgabe. Leipzig, 1792. in tier Weidmannschen Buchhantllung. — 
Hiervon kenne ich ein en Doppeldruck. 

1080. 

1792. Vorrede zu Thessalische Zauber- und Geister-Mahrchen. Aus dem 
Franzosischen tier Mademoiselle A'on Lussan iibcrsetzt von J. S. G. S. 
[= Schorcht]. Erster Tlieil. Zittau und Leipzig, bey Johann David 
Schops, 1792. S.I — VI. Unterz. Wieland. Diintzer, Herapelausgabe 
36, 167 und 40, 857 gibt nach Gruber, Wielands Werke 48, 77 die 
falsche Jahrzahl 1800; eine neue Auflage der Marchen aus diesein 
Jalire kenne ich nicht. 

1081. 

1792 Januar. Anmerkung zu v. Knoblauch, Ankunft der Karthager auf 
der Insel tier Gorillen. Uiiterz. W. Merkur 1, 5 2 1*. 

1082. 

1792. Sendschreiben des Herausgebers des T. M. an Herrn P.** zu 
****. [Prof. Kggers in Kiel.] Unterz. W. Merkur 1, 64 — 1 12. 

1083. 

1792 Februar. Das Merk wurdigste aus der Session der franzosi- 
scben Nazional-Versammlung vom 25sten December 1 79 1 . 
Merkur 1, 146 — 159. Durch die d. H. unterz. Anmerkung 1, 147 be- 
kennt sich Wieland als Verfasser. 

1084. 

1792. Anmerkung zu Epistel an Herrn Geh. ITofrath Ring in Karlsruhe. 
Unterz. W. Merkur 1 , 1 5 9 f. 

1085. 

1792 Marz. Anmerkungen und Zusatz zu Einige Anmerkungen zu Urn. 

Ilofrath Meiners Briefen iiber die Schweiz. Merkur 1, 280. 282. 283 

bis 290. 292. 293. 295. 296. 298 — 306. Nur tier Zusatz ist W. 

unterz. Die Verfasserschaft der Anmerkungen ergibt sich aus der erst en. 



48 B. Seuffkrt: 

1086. 

1792. Was ist vermoge der Konstituzion ein Bauer und ein Hand- 
werksmann in Frankreich? von Herrn C. Condorcet. Merkur 
1, 315 — 320. Der Auszug stammt von Wieland, wie die W. unterz. 
Anmerkung 1, 320 beweist. Vgl. Nr. 1088. 

1087. 

1792 April. Anmerkung zu B . . . n, Theokrits drittes Idyll. Unterz. W. 

Merkur 1, 339. 

1088. 

1792 Mai. Betrachtungen iiber des Hrn. Condorcet. Erklarung, 
was ein Bauer und Ilandarbeiter in Frankreich sey. Unterz. 
W. Merkur 2, 19— 44. Nachtrag. Unterz. W. 2, 44- — 58. Vgl. Nr. 1086. 

1089. 

1792. Anmerkung zu Schiibler, Leibnitzisclie Hermaen. Unterz. W. Mer- 
kur 2, 871*. 

1090. 

1792. Anmerkung zu Gottfr. Herder, Abschied an einige Schulfreunde. 

Unterz. W. Merkur 2, 99 f. 

1091. 
1792 Juni. Anmerkung zu J., Vertheidigung des Machiavelli Staats- 

sekretars der ehemaligen Republik Florenz. Unterz. W. Merkur 2, 199. 

1092. 

1792 Juli. Anmerkung und Zusatz des Herausgebers zu dem vor- 
ste lien den Sendschreiben [= E[ggers], An den Herausgeber des 
T. M. Antwort auf das Sendschreiben desselben, im 1 sten Stuck des 
T. Merkur 1792 (= Nr. 1082)]. Unterz. W. Merkur 2, 228. 277 — 305. 

1093. 

1792. Anmerkungen zu F. Haug, Sinngedichte. Unterz. W. Merkur 2, 
322. 325. 326. 327. 

1094. 

1792. Nachricht. NB. iiber Druckfehler. Merkur 2, 328. Niclit unterz., 
aber redaktionell. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 49 

1095. 

1792 August. Franzosische Korrespondenz. 1. Schreiben eines fran- 
zosischen Aktivbiirgers an den Herausgeber des T. M. Merkur 2, 
352 — 368. 2. Antwort des Herausgebers. den 26. Jun. 1792. Mer- 
kur 2, 368 — 390. 3. Zweytes Schreiben an den Herausgeber. Mer- 
kur 2, 391 — 403. Nur zu dem mittleren Artikel bekennt sich Wie- 
land als Verfasser; ich glaube aber, dafi auch die andern ihm zu- 
gehoren, er hat ja auch sonst die Fiktion des Schreibens an sich selbst 
gebraucht, friiher und spater (z. B. Nr. 778. 1 1 59). Jedenfalls miifite 
er die fremden Zuscliriften ganz in seinen Stil iibertragen haben. 

1096. 
1792. Einige Anmerkungen des Herausgebers zu vorstehender 
Probe der Borussias [von Jcnisch, Eilfter Gesang]. Unterz. W. 
Merkur 2, 428 — 437. 

1097. 
1792. Kuge einer in No. 198. des Moniteur Universe! publicier- 
ten ungeheuren Unwahrheit. Unterz. W. Merkur 2, 437 — 439. 

1098. 

1792 September. Anmerkungen zu [Herm. Chrn. Gottfr. Demme,] Nocli 
Etwas aus den Papieren des Pachter Martins und seines Sohnes. 
Merkur 3, 68. 80 — 82. Die erste nicht, die zweite W. unterz. 

1099. 

1792. Zusatz des Herausgebers zu A. Weinrich, Uber eine neue Art 
des Drama. Unterz. W. Merkur 3, 98 — 101. 

1100. 

1792 Oktober. Zusatz zu Conz, Theokrits zweyte Idylle. Unterz. W. 
Merkur 3, 1 26. 1 27. 

1101. 

1792. Schreiben an einen Korrespondenten in Paris. W. den 24-sten 
Sept. 1792. Unterz. W. Merkur 3, 192 — 223. 
Phil.-hist. Klasse. ll)0i). Anhany. Abh. I. 7 



50 B. Seuffebt: 

1102. 

1792 November. Anmerkung zu BesclduB der Betraclitungen iiber den 
Gang der sich entwickelnden Empfindungsarten. Unterz.W. Merkur 

3. 26 3- 

1103. 

1792. Der Minister der innerlichen Angelegenheiten, Roland, 
an die Pariser. (Aus dem Franzosischen iibersetzt.) Merkur 3, 
263 — 275. Die Ubersetzung l>at Wieland zum Verfasser, wie die 
ebenso wenig unterz. Anmerkungen, die auch Diintzer, Hempelausgabe 
40, 848 Wieland zuschreibt, deutlicli zeigen. 

1104. 

1792. Die franzosische Republik. Unterz.W. Merkur 3, 275 — 329. 

1105. 

1792. Anmerkung zu v. R., Die nicht erfullte Bitte. Merkur 3, 336. 
Nicht unterz., aber von Wieland. 

1106. 

1792 Dezember. Anmerkung zu S. — , Betraclitungen eines Landpredigers. 
Unterz. d. H. Merkur 3, 360. 

1107. 

1792. Anmerkungen des Herausgebers zu Einige Bemerkungen iiber 
das Sendschreiben des Herausgebers des teutschen Merkurs, an Hrn. 
P . . . zu .... im isten Stuck dieses Journals 1792. (= Nr. 1082.) 
Unterz.W. Merkur 3, 361 — 363. 372 — 432. Vgl. T. Klein, Studien 
zur vergleich. Litteraturgesch. 4, 1565". 

1108. 

1792. Anmerkungen zu Der Verfasser der vorstehenden Bemerkungen 
(= Nr. 1 107) an Herrn Hofrath Wieland. Unterz. W. Merkur 3, 434. 
435- 43 8 - 439- 44°. 44*- 443- 

1109. 

1792. Anmerkung zu Die Burger von Frankfurt an den Frankiscben 
Burger und General Ciistine. Unterz.W. Merkur 3, 447. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 51 

1110. 
1793 Januar. Betrachtungen iiber die gegenwartige Lage des 
Vaterlandes. Merkur I, 3—55. Nicht unterz. 

1111. 

1793. Anmerkungcn zu C. M., Schreibon an den Herausgeber des T. M. 
nebst der Antwort. Unterz. W. Merkur 1, 85— SS. 88—99. 

1112. 

1793. Anmerkung zu [II. Demme?] Gebal und Abdalla. Unterz. D. II. 
Merkur 1, 123. 

1113. 

1793 Februar. Anmerkungcn zu v. Kfnoblauch], Zufallige Gedanken 
iiber die Frage: kann ein Fiirst, ohne Einwilligung der Nazion, einen 
Krieg anfangen? Unterz. D. H. Merkur 1, 167. Icli halte auch die 
nicht unterz. Anmerkungen 167 — 171 fur Wielands Eigentum. 

1114. 

1793. Fur und Wider. Ein GSttergesprach. Jupiter. Juno. Minerva. 
Unterz. W. Merkur 1, 185 — 209. 

1115. 

1793. Anmerkung zu U., Selbstverklagung. Unterz. W. Merkur 1, 209. 

1116. 

1793 Marz. Zusatz zu Probe einer neuen Ubersetzung des Lukrezischcn 
Gedichtes von der Natur der Dingo. Unterz. W. Merkur 1, 232-235. 
Vgl. Prolegomena III Nr. 67. 68. 

1117. 

1793. Anmerkung zu E., Uber die Alleinherrschaft. Unterz. W. Merkur 

1. 3°4— 3°7- 

1118. 

1793. Anmerkung zu Proben Einer neuen Ubersetzung der Essais de 
Montaigne. Merkur 1, 307. Nicht unterz., aber von Wieland. Vgl. 
Diintzer, Hempelausgabe 40, 849. 

7* 



52 B. Seuffert: 

1119. 

1793 Mai. Uber toutschen Patriotismus. Betrachtungen, Fragen und 
Zweifel. Unterz. W. Merkur 2, 3 — 21. 

1120. 

1793. Anmerkung zu K. St., Uber Schillcrs Lied an die Freude. Unterz. W. 
Merkur 2, 27. 

1121. 
1793. Anmerkung zu v. Salis, An ein Thai. Unterz. W. Merkur 2, 60. 

1 122, 

1793. Anmerkung zu Nochmahlige Proben einer Neuen Ubersetzung des 
Lucrez [von Joli. Heinr. Meineke]. Unterz. W. Merkur 2, 72. 

1123. 

1793. Anmerkungen zu F. B. B — r, Geist der Furopiiischen Kriminal- 
gericlite, eine Ode. Unterz. W. Merkur 2, 74. 77. 78. 

1124. 

1793. Anmerkung zu Etwas iiber die Neuliche Gemalde-Ausstellung in 
Dresden. Unterz. D. H. Merkur 2, 88. 

1125. 

1793. Anmerkungen zu v. G. geb. v. H., An den Verfasser des Ge- 
diclits: das Walzen. Unterz. W. Merkur 2, 95. 96. 97. 

1126. 

1793. Anmerkung zu Gg. Frd. Werner, Eine Nachricht, welche alien, 
denen Wahrheit etwas werth ist, nicht gleichgiiltig seyn kann. Merkur 
2, 98. Nicht unterz., aber redaktionell. 

1127. 

1793 Juni. Anmerkung zu K. Str., Die Gesellschaft der freyen Manner. 
Unterz. W. Merkur 2, 143. 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. 5 3 

1128. 

1793- Anmerkungen zu Uber die Vortheile des Systems der Galanterie 
und Erbfolge bey den Nayren. Unterz. W. Merkur 2, 183. 190. 

1129. 

1793. August — September. Fragmente aus Briefen vermischten 
Inhalts. 1 — 4. Unterz. W. Merkur 2, 360—378. 3, 44 — 68. 
Brief 5 wurde Prolegomena III Nr. 70 aufgenommen; vgl. S. 47. 

1130. 

1793 September. Anmerkungen und Ein Paar Anmerkungen des 
Herausgebers fiber Scharlotte Korday. Unterz. W. Merkur 3, 
68f. 7 if. 73f. 79 — 98. — Zeitschrift f. d. deutschen Unterricht 17, 
601 wird aucb der Aufsatz ohne Begriindung Wieland zugewiesen. — 
Zu Frankfurt und Leipzig 1793 erschien: Brutus und Corday. Fine 
Unterredung. Nebst einem Anhang iiber die franzosische Revolution; 
und iiber Charlotte Corday; von Wieland. Der Anhang ist diese 
Nummer. 

1131. 

1793. Anmerkung und Antwort des Herausgebers zu M., Apologie 
der teutschen Lettern. Unterz. W. Merkur 3, 99. 106 — 112. 

1132. 

1793 Oktober. Anmerkungen zu Neuer merkwiirdiger Beweis des 
Daseyns und der gefahrlichen Thatigkeit einer franzosisch-teutschen 
Aufruhrer-Propaganda. Unterz. W. Merkur 3, 113 — 115. 128. 132. 
138. 14 1 f. 144. 147. 1 48 f. '. 

1133. 

1793. Anmerkung zu Gotthold Friedr. Staudlin, An das gallische Volk. 
Unterz. W. Merkur 3, 211. 



1 Verbesserung von Martin Hemken's Gedicht An den Prinzen von Koburg. 
Merkur 3, 199—206: Bottiger, Literal'. Zustande und Zeitgenossen 1, 151. 



54 B. Seuffekt: 

1134. 

1793 Oktober 24. Der Herausgeber des T. Merkur an das Publi- 
kum iiber eine neue Ausgabe seiner sammtlichen Werke. 
Unterz. Weimar, den 24. Okt. 1 793. C. M. Wieland. Merkur 3, 320 — 322. 
Ebenso Journal des Luxus und der Moden hg. v. Bertuch und Kraus 
1 793 8, 608 f. Und sicher noch an andern Orten. — Schon 1784 Merkur 
Anzeiger S. LXVIIf. war eine Gesamtausgabe in Aussicht gestellt 
worden. — Vgl. Goschens Ankiindigung Merkur 3, 435 — 439 = 1794 

1, 109 ft'. — Intelligenzblatt zum Journal des Luxus und der Moden 
hg. v. Bertuch u. Kraus 8, CLXXXIXfl*. und an andern Orten. — 
Vgl. Prolegomena I. Bottiger, Literar. Zustande u. Zeitgenossen 1 , 1 44. 
168. 176. 181 f. (vgl. 150). 186. 196. 202. 227. Buchner, Wieland 
u. Weidmann S. 123ft. Ders., Wieland u. G. J. Goschen, Stuttgart 
1874 S. 9ft. Goschen, G. J. Goschen 2, 30ft'. Ubers. von Fischer, 

2, 30ft'. Die Weidmannsche Buchliandlung an Goschen, Leipziger Zei- 
tung 5. November 1793; Goschen an Weidmann, ebenda 27. No- 
vember 1793. 

1135. 

1794. B 6 . Siebenter Band. 1794. Inhalt wie Nr. 919. 

1136. 

1794. Wielands kleinere prosaische Schriften. (= A 6 ). Erster 

. . . Zweyter Band. Neue, verbesserte Ausgabe. Leipzig, in der 

Weidmannschen Buchliandlung. 1794. Inhalt wie Nr. 846. 886. 

1 137. 

1794 Januar — Februar. An die Freunde der Wahrheit. C. N. C. P. J. 
Merkur 1, 89 — 101. BeschluB der Addresse eines Ungenannten an die 
Freunde der Wahrheit. Merkur 1, 113 — 125. Zusatz vom Heraus- 
geber. Merkur 1, 125 — 159. Wieland bekennt sich Anmerkung 1, 
89 als Ubersetzer des Aufsatzes. Die Anmerkungen 1, 114. 115. 117. 
119. 121. 122 sind W. unterz. 

1138. 

1794 Marz. Anmerkung zu Mund, Uber den Verfasser der .... im 
vierten Buche der Tibullischen Elegien befindlichen kleinen Gedichte, 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 55 

nebst einer Probe von einer metrischen Ubersetzung derselben. 
Unterz. W. Merkur i, 273. 

1139. 

1794. Etwas zur Berubigung der Patriotischen Burger in ***. 
Unterz. W. Merkur 1, 274 — 296. 

1140. 

1794. Anmerkung zu Auszug eines Briefes aus Sicilien. Unterz. W. 
Merkur 1, 297 — 299. 

1141. 

1794. Anmerkung zu J. H. VoG, Mytbologiscbe Briefe. Unterz. W. 
Merkur 1, 305. 306. 

1142. 

1794. Briefe vermischten Inhalts. 6. An Herrn R. B. J. G. Apo- 
logie fur die neuerlich von mir angenommenen Vcranderungen in der 
teutschen Orthograde. Unterz. W. Merkur 1, 315 — 324. 

1143. 

1794 April. Anmerkung zu An Ihren unvergefilichen Lehrer Reinhold 
bey seiner Abreise nach Kiel, Seine Scliuler. Unterz. W. Merkur 1,319 
[ricbtig: 419]. 

1144. 

1794 Mai. Anmerkung zu Proben einer neuen fTbersetzung des Or- 
lando furioso in reimfreyen jambiscben Stanzen. Unterz. W. Merkur 

2, 43—45- 

1145. 

1794. Anzeige eines merkwiirdigen neuen Werkes iiber die 
Franzosiscbe Revoluzion. Untei'z. W. Merkur 2, 87 — 98. 

1146. 

1794 Juni. Uber Krieg und Frieden. Unterz. W. Merkur 2, 181 — 201. 

1147. 

1794 August. Uber den Vorscblag unsre bisberigen Demoisellen 
kiinftig FrJiulein zu betiteln. Unterz. W. Merkur 2, 401 — 408. 



5)0 R. Seuffert: 

1148. 

1794 September. Anmerkung zu Ch. v. Benzel, Uber die Rechte der 
Wahnsinnigen. Unterz. der Herausgeber. Merkur 3, 85. 

1149. 

1794. Anmerkung zu H. . ., Bertulf und Bertha. Romanze. Unterz. 
W. Merkur 3, 105. 

1150. 

1794 Mai — Oktober. Vorbericbt zu C. M. Wielands Sammtliche 
Werke. Leipzig bey Georg Joachim Goschen. 1794. (C=C C C 3 C 4 
vgl. Prolegomena IV S. 56.) C Band 1 S. Ill — VIII. Und entsprecliend 
in den andern Ausgaben. Der Vorbericht wird am 18. Mai zum Druck 
abgesandt; nach Goschens Anzeige, Merkur 1794 3, 11 if., vom Sep- 
tember sollte die 1 . Lieferung aller Ausgaben in einigen Wochen er- 
scheinen. — C 2 1, 3 — 10. C 3 1 , 1 — 18. C 4 i, 1 — 10: » Beforderer dieser 
Ausgabe « ; jedesmal sind andere Personen verzeichnet. — In C 34 schliefien 
sich daran untereinander verschiedene Anmerkungen des Verlegers uber 
den Druck. — Von einzelnen (alien?) Banden der C erschienen Sonder- 
abdrucke. Ich verzeichne bier und fortan nur auffalligere Unterschiede 
der C-Drucke, nicht Titelvarianten u. dgl. 

C Band 1 — 5. 1794- Vgl. Prolegomena I S. 1 7 f . Bd. 1 — 3: 
Geschichte des Agathon in drey Banden. (Bd. 1 Voraus: Vorbericht zur 
ersten Ausgabe. — Vorbericht zu dieser neuen Ausgabe. — Inhalt. 
— Uber das Historische im Agathon.) C" bringt die Anmerkungen 
als FuBnoten zum Text; in C 2 und C 3 sind sie hinter der Einleitung 
Uber das Historische und hinter jedem Buche, in C* alle auf einmal 
am BandschluB abgedruckt. 

Bd. 4. 5: Der neue Amadis in zwey Banden. (Bd. 4 Voraus: 
Zwei Citate aus Joannes Sarisberiensis und Ah! quel Conte! — Vor- 
bericht der ersten Ausgabe von 1 7 7 1 . — Vorbericht zu der gegen- 
wartigen Ausgabe.) C" -3,4 bringen nach Gesang 1 — 3. 5. 8. 9. 12. 13 je 
Varianten und Anmerkungen, nach Gesang 4. 6. 7. 10. 11. 14 — 18 
nur je Anmerkungen ; C* bringt alles am Schlusse des Bd. 4 und der 
Dichtung. 

Bd. 5 (C S. 1 47 ff.) : Der verklagte Amor. Ein Gedicht in funf Ge- 
siingen. (Voraus: Vorbericht.) C" -3-4 bringen nach Gesang 1. 4 Va- 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 57 

rianten (die zu 4 fehlen in C 3 ) und Anmerkungen, nach Gesang 2. 3 
nur Anmerkungen. C 2 hat die Varianten und Anmerkungen am Scldusse 
des Bd. 5 gesammelt. 

1151. 

1794 November. Anmerkung zu Schaubach, Woher haben die Griechen 
ihre ersten astronomischen Begriffe? Unterz. W. Merkur 3, 310. 

1152. 

1794 Dezember — 1795 Marz. Die Wasserkufe odor der Einsiedler und 
die Seneschallin von Aquilegia. Unterz. \Y. Merkur 1795 1, 239 bis 
270. Vgl. Ausgew. Briefe 4, 3 5 1'. Prolegomena I S. 19. 

1153. 1153 a. 

1794 — 1795 Ostermesse. C Band 6. 7. 1794. C Band 8 — 10. C 2-4 
Band 6 — 10. 1795. Vgl. Prolegomena I S. 18 f. Merkur 1795 2, 112. 
Bd. 6. 7 : Der goldne Spiegel odor die Konige von Scheschian. Eine 
walire Geschichte aus dem Scheschianischen iibersetzt. (Voraus: Zu- 
eignungssclvrift des sinesischen Ubersetzers an den Kaiser Tai-Tsu. — 
Einleitung.) Vgl. Buchner, Wieland u. YVeidmann S. 131. 

Bd. 8 : Geschichte des weisen Danischmend und der drey Ka- 
lender. Ein Anhang zur Geschichte von Scheschian. Cum notis 
Variorum. (Voraus: Inhalt. » Keine Vorrede « . ) Vgl. Buchner, Wie- 
land u. Weidmann S. 131 f. 

Bd. 9: C ohne Untertitel, C 2-4 : Gedichte. Inhalt: Musarion. — ■ 
Aspasia oder die platonische Liebe. — Gedichte an Olympia (und 
zwar: Nr. 1 153a: neue VVi dmungs verse ohne Uberschrift ; I. Zweyer- 
ley Gottergliick. am 24. Oktober 1777. II. Wettstreit der Mahlerey 
und Musik. (im Jahre 1 781.) III. Am ersten Tage des Jahres 1782. 
IV. Am 24. Oktober 1784. V. Am 24. Oktober 1790). — Die erste 
Liebe. An Psyche. Im Jahre 1774. — Sixt und Klarchen oder der 
Monch und die Nonne auf dem Madelstein. Ein Gedicht in zwey Ge- 
sangen. 1 775. (Voraus: Vorbericht). Das Leben ein Trauin. Eine Trau- 
merey bey einem Bilde des schlafenden Endymion. 1 7 7 1 (und zwar: 
Das Leben ein Trauin. Beylage zu dem vorstehenden Gedichte). — 

Bruchstucke von Psyche einem unvollendet gebliebenen allegorischen 
Phil.-hist. Klasse. 1909. Anhang. Abh. I. 8 



58 B. Seuffert: 

Gedichte. 1767 (Voraus: Vorbericht). — Nadine. Eine Erzahlung in 
Priors Manicr. 1762. — Erdenglfick. An Chloe. 1766. — Celia an 
Damon. Nach dem Englischen. Collection of Poems Vol. Ill p. 140. 
Bd. 10: Die Grazien. Ein Gedicht in sechs Buchern. 1769 
(Voraus: An Danae. Geschrieben im Jalire 1769). — Komische Er- 
zahlungen (Diana und Endymion. Eine scherzhafte Erzahlung. 1762. — 
Das Urtheil des Paris. Eine scherzhafte Erzahlung nach Lucian. 
1764. — Aurora und Cefalus. Eine scherzhafte Erzahlung. 1764). — 
Kombabus oder was ist Tugend? Eine Erzahlung. (Voraus: Vorbe- 
richt. — Am SchluB: Varianten. — Anmerkungen.) — Schach Lolo, 
oder das gottliche Recht der Gewalthaber. Eine morgenlandische Er- 
zahlung. 1778. — Zu Kombabus vgl. Prolegomena I S. 7. 

1154. 

i795Januar. Anmerkung zu Gay, Der Maler. Unterz. W. Merkuri,iio. 

1155. 

1 795 Februar. Anmerkung zu Ch. v. Benzel, Die Binde der Themis. 
Unterz. W. Merkur 1, 132. 

1156. 

1795. Zusatz des Herausgebers zu Auszug aus einem Briefe. Unterz. 
Wieland. Merkur 1,217. 2 1 8. 

1157. 

1795 Marz. Anmerkung zu Morgenstern, Plato und Rousseau. Unterz. W. 

Merkur 1 , 271. 

1158. 
1795. Zusatz des Herausgebers zu Auszug aus einem Briefe aus 

Hamburg. Unterz. W. Merkur 1, 329. 330. 

1 159. 

1795 Mai — Dezember. Briefe fiber die Vossische Ubersetzung des 
Homers. Erster und Zweyter Brief. Merkur 2, 105 — 111. Fort- 
setzung der Briefe fiber die Vossische Ubersetzung Homers. Dritter 
Brief. Unterz. X. Vierter Brief. Antwort auf den Vorigen. Unterz. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 51) 

W. Merkur 3, 400 — 436. Wieland fingiert hier Briefwechsel (wie 
Nr. 1095), die Unterschrift X ist kein Versehen, Avie Duntzer, Hempel- 
ausgabe 37, 95 Anm. 1 meinte; Wieland hat sich zu dem Briefwechsel 
Merkur 1797 1, 176 bekannt, und da dieser eine Fortsetzung der 
Maibriefe ist, so riihren auch diese, obwohl nicht unterz., von ihm her. 

1160. 

1795 Juli. Anmerkung zu F. v. Ortel, Tiber das Gesetz der Veredlung 
in der Dichtkunst. Unterz. W. Merkur 2, 323'. 

1161. 

1795 Michaelimesse — 1796. C" -3 Band 1 1 — 15. C 4 Band 1 1 — 13. 1795. 
C 4 Band 14. 15. 1796. Vgl. Prolegomena I S. 19. Merkur 1795 2, 
112. Bd. 11. 12: Die Abenteuer des Don Sylvio von Kosalva. In 
zwey Banden. C" bringt die Anmerkungen als FuBnoten zum Text, 
C'~* am SchluB jedes Buches. 

Bd. 1 3 : Nachlafi des Diogenes von Sinope. Aus einer alten 
Handsel) rift. (Voraus: Vorbericht des Herausgebers. Geschrieben im 
Jahre 1769. — Zusatz. Am SchluB: Die Republik des Diogenes [mit 
Zwischentitelblatt].) 

Bd. 13 (C" S. 247ft'.): Gedanken fiber eine alte Aufschrift. 1772. 
C' 2 haben die Anmerkungen unter, C 3 4 hinter dem Text. 

Bd. 14: Beytrage zur geheimen Geschichte der Menschheit. 

1. Koxkox und Kikequetzel, eine Mexikanische Geschichte. Ein Bey- 
trag zur Naturgeschichte des sittlichen Menschen. 1769 und 70. — 

2. Betrachtungen fiber .J. J. Kousseans iirsprfinglichen Zustand des 
Menschen. 1770. — 3. Uber die von J. .1. Rousseau vorgeschlagenen 
Versuche den wahren Stand der Natur des Menschen zu entdecken. 
Nebst einem Traumgesprach mit Prometheus. 1770. — 4. fiber die 
Behauptung, daB ungehemmte Ausbildung der menschlichen Gattung 
nachtheilig sey. 1770. 5. Uber die vorgehliche Abnahme des 
menschlichen (Jeschlechts. 1777. 

Bd. 15: Vermischte prosaische Aufsatze. 1. Reise des Priesters 
Abulfauaris ins innere Afrika. — 2. Die Bekenntnisse des Abulfauaris 



1 Die Anmerkungen zu Die Zauberlaterne Merkur 3, 34. r86, niclit unterz., konnten 
von Wieland stainmen, walirsclieinlicher alter void Herausgeber der Zauberlaterne. 



60 B. Seuffeet: 

gewesenen Priesters der Isis in ibrem Tempel zu Memfis in Nieder- 
Agypten. Auf funf Palmblattern von ihm selbst gescbrieben und 
aus des beruhmten Evemerus Beschreibung seiner Reise in die Insel 
Pancbaa gezogen. — 3. Stilpon. Kin patriotisches Gesprach iiber die 
Wahl eines Oberzunftmeisters von Megara. Allen aristokratischen 
Staaten, die ibre Regenten selbst erwahlen, wold raeinend zugeeignet. 
1774. — 4. Bonifaz Schleichers Jugendgeschichte oder kann man ein 
Heuchler seyn ohne es selbst zu wissen? Kine gesellschaftliche Unter- 
haltung. 1776. — 5. Briefe an einen Freund iiber eine Anekdote 
aus J.J. Rousseaus geheimer Gescbichte seines Lebens. 1780. — 
Nachtrag zu den vorstebenden Briefen iiber J. J. Rousseau. 1782. — 
6. Freymiithige Gespracbe iiber einige neueste Weltbegebenheiten. 
Gebalten im Jahre 1782. — 7. Patriotiscber Beytrag zu Deutscb- 
lands hochstem Flor veranlafit durch einen unter diesem Titel im 
J. 1780 im Druck erscbienenen Vorschlag eines Ungenannten. 

1162. 

1795 Oktober 24. An die Durchlauchtigste Herzogin Anna Amalia 
am 24ten October 1795. Eigenbandige Handschrift im GroBberzogl. 
Hausarehiv Weimar. Absclirift im Goecbhausen-Nachlafi Bl. 434. 
Gedruckt Eupborion 1, 712. Vgl. Freundesgaben f. G. A. H. Burkbardt 

s. 153- 

1163. 

1795 Oktober. Zusatz des Herausgebers zu Hufeland, Ein Wort iiber 
den Angriff der razionellen Medicin im N. T. Merkur. August 1795. 
Unterz. W. Merkur 3, 153 — 155. 

1164. 

1795. Anmerkung zu F. v. Kopken, An Teutschlands Iloraz des vorigen 
Jahrhunderts. Unterz. d. H. Merkur 3, 202. 

1165. 

1795. Antworten an Ungenannte. Unterz. W. Merkur 3, 213 — 215. 

1166. 

1795 November. Anmerkung zu C. Rudolphi, Mein Ich. Unterz. d. H. 
Merkur 3, 273. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 61 

1167. 1167 a. 

1795. An die Abonnenten und Leser des T. M. 2 Stiickchcn. Unterz. 
W. M,erkur 3, 327. 32 7 f. 

1168. 

1795 Dezember. Der Herausgeber des T. M. an die Leser. Unterz. 
W. Merkur 3, 436. 437. 

1169. 

1795 — 1796 Herbst. C Band 16-25. 1 796. Vgl. Prolegomena I S. 191'. 

— Bd. 16: Cyrus. Ein unvollendetes Heldengedicht. Fiinf Gesange. 
Aufgesetzt im Jahre 1756 und 57. — Araspes und Panthea. Eine 
Geschichte in Dialogen, nach dem Xenofon. 1758. (Voraus: Vorbericlit. 

— Personen.) 

Bd. 1 7 : Idris und Zenide. Ein romantisches Gedicht. Fiinf Ge- 
sange. 1767. (Voraus: Vorrede.) 

Bd. 18: Erzahlungen und Mahrchen. Gei-on der Adeliche. Eine 
Erzahlung. (Voraus: An den Leser.) -- Die Wasserkufe oder der Ein- 
siedler und die Seneschallin von Aquilegia. Nach einer alten Erzahlung 
in Le Grand's Contes devots pour servir de Suite aux Fabliaux et 
Contes du treizieme Siecle, etc. (Voraus: [Prolog].) — Pervonte oder 
die Wiinsche. (Der 3. Teil neu gedichtet.) — Das Wintermahrchen. 
Nach einer Erzahlung im ersten Theile von Tausend und Einer Nacht. 
1776. (Voraus: Prolog. Dann: Der Fischer und der Geist. — Der 
Konig der schwarzen Inseln.) Ilann und Gulpenheh oder zu viel 

gesagt ist nichts gesagt. Eine niorgenlandische Erzahlung. — Das 
Sommermahrchen. (Erster Theil: Des Maultliiers Zaum. Eine Erziih- 
lung. — Das Sommermahrchen. Zweyter Theil.) — Der Vogelsang 
oder die drey Lehren. Zu Pervonte vgl. Prolegomena IS. 24. 

Bd. 19. 20: Geschichte der Abderiten. (Voraus: Vorbericlit. — 
Inhalt. Am SchluB: Der Scldiissel zur Abderitengeschichte 1 7 8 1 .) 

Bd. 2 1 : Gandalin oder Liebe urn Liebe. Ein Gedicht in acht 
Biichern. 1776. (Voraus: Schema der Verse. — Prolog.) — Klelia 
und Sinibald oder die Bevolkerung von Lampeduse. Ein Gedicht in 
zehn Biichern. 1783. (Voraus: Einlcitung.) C hat die Anmerkungen 
als Fufinoten, C ' nach den einzelnen Biichern. 



(52 B. Seuffert: 

Ed. 22. 23: Oberon. Ein romantisches Heldengedicht in zwolf 
Gesfingen. (Voraus: An den Leser. — Nach jedem Gesange Variantcn. 

— Am Schlufi: Glossarium iiber die im Oberon vorkommenden ver- 
alteten oder fremden, auch neu gewagten Worter. Wortformen nnd 
Redensarten.) 

Bd. 24: Vermischte Aufsatze, literarischen, filosofisehen und hi- 
storischen Inhalts. I. Sendschreiben an einen jungen Dichter. Ge- 
sclirieben im Jahre 1782. — II. Was ist Wahrheit? — III. Filosofie 
als Kunst zu leben und Heilkunst der Seele betrachtet. — IV. Uber 
den Hang der Menschen an Magie und Geistererscheinungen zu glauben. 

— V. Uber die altesten Zcitkiirzungsspiele. — VI. Uber die Ideale 
der griechischen Kunstler. VII. Die Pythagorischen Frauen. — 

VIII. Ehrenrettung dreyer beriihmter Frauen des Alterthums der As- 
pasia, Julia und jiingern Faustina. — Vgl. zu I Prolegomena I S. 7. 

Bd. 25: GSttergesprache. Vorbericht. Inhalt. I. Jupiter und Her- 
kules. II. Diva Julia ehmals Livia Augusta — Diva Faustina — 

die Jiingere — D. Augustus, und D. Markus Aurelius. III. Jupiter 
Olympius, — d. i. die Bildsiiule desselben zu Olympia — Lycinus, 
ein Bildhauer und Athenagoras. IV. Juno, Livia — D. Julia. V. Pro- 
serpina, Luna, Diana. VI. Jupiter, Juno, Apollo, Minerva, Venus, 
Bacchus, Vesta, Ceres, Viktoria, Quirinus, Serapis, Momus und Merkur. 
VII. Flora, Antinous. VIII. Jupiter, Numa, bernach ein Unbekannter. 

IX. Jupiter und Juno. X. Jupiter Olympius und Sankt Ludewig, ehe- 
mals Konig von Frankreicb , bernach Jupiter Pluvius und Jupiter 
Horkius, zwey Subdelegierte des Olympischen. XI. Fortsetzung des 
vorhergehenden Ges2>rachs, zwischen Jupiter, Sankt Ludewig, Numa 
und Heinrich IV. von Frankreich. XII. Juno, Minerva und Jupiter. 
XIII. Juno, Semiramis, Aspasia, Livia, und Elisabeth, Konigin von 
England. 

Bd. 25 (C S. 277 ff.): Gesprache im Elysium. I. Diokles, Lucian. 
II. Lucian, Diokles, bernach Panthea. III. Faon, Nireus, hernach Saffo, 
zuletzt noch Anakreon. 

1170. 

1796 Januar. Zusatz des Herausgebers zu An Hrn. Rath D. Hufeland 
in Jena. Unterz.W. Merkur 1, 92 — 94. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 63 

1171. 

i 796. Vorbemerkung zu Wittenberg und Bottiger, Beylage zu dem V. Ar- 
tikel im Novemberstiick des T. M. 1795 [= Bottiger, Uber die Fort- 
dauer der Schroderschen Theather-Unternehmung in Hamburg]. Unterz. 
W. Merkur 1, 94. 95. 

1172. 

1796 Januar — April. Die Musen- Almanaclie fur das Jahr 1796. 
Unterz. W. Merkur 1, 108 — 112. 215 — 229. 436—451. 

1 1 73. 

1796 Februar. Anmerkung zu Grater, Uber einige groSe Kleinigkeiten 
in der teutschen Sprache. Unterz. W. Merkur 1, 148. 

J 174. 
1796 Marz. Anmerkung zu . . . dt, Einige Zweifel iiber die in den 
Wolfischen Prolegomenis zum Homer aufgestellte Hypotbese. Unterz. 
W. Merkur 1, 328. 329. 

1175. 
1796 April. Anmerkung und Zusatz zu J. I). Falk, Die Helden. Unterz. 
W. Merkur 1, 382 — 387. 

1176. 
1796. Anzeige von «]. .1. Hottinger, Salomon GeBner, Zurich. Unterz. W. 
Merkur 1, 452 — 454. 

Einlagc. 1796 Mai 2 3 — September 10 war Wieland auf der Reise in die 
Schweiz. In dieser Zeit fuhrte Bottiger die Redaktion des Merkur 
und behielt sie audi nachher in der Hauptsache bei. Vgl. Nr. 195. 
Wie weit Wieland nocb vorgerichtet batte, kann ich nicht feststellen; 
er war mit der Vorbereitung von C so belastet, dafi Fursorge fur 
den Merkur nicbt gerade wahrscheinlich ist. Also sind von bier an 
die Unterzeicbnungen d. II., II. u. dgl. keine Beweise fur Wielands 
Autorscbaft. .la, Bottiger (oder war damals schon Weyland sein Ge- 
hilfe?) bat sogar mit W. unterzeicbnet: so die Anmerkung zu J. v. 
Hammer, Von den letzten Dingen, Merkur 2, 2251'. laut Bottiger, 
Uiterar. Zustande u. Zeitgenossen 2, 157; und danacb docb wobl audi 



(>4 B. Seuf f e r t : 

die im Merkur 2, 382. 3, 3 f . Ich vcrzeichne hier bis zu der Zeit, 
wo kcin Zweifel mehr an Bottigers Urheberschaft bestehen kann, was 
dem Herausgeber zugehort und nieht mit B. bezeichnet ist, mit Aus- 
nahme dessen, was ich inhaltlich oder formal fur sicher Wielandisch 
halte; vielleicht gelingt es noch Wielandsches Gut daraus zu sieben: 
Merkur 1796 2, 160. 165. 169. 183. 3, 28f. (W., sicher Bottiger). 
112 (W., vielleicht Wieland). 309 f. 329 (der Inhalt wiirde fiir Wie- 
land sprechen, aber die Form »Anm. d. Herausg. « spricht fiir Bot- 
tiger). 1797 1, 3 f • (vgl. Bottiger, Literar. Zustande u. Zeitgenossen 1, 
205). 50. 52. 54f. 61. 152. 155. 158. 159. 160. 166. 3, 205 [richtig 
305]. 1798 1,15. 299. 390 f. (trotz Anspielung auf Wielands Wilibald 
von Bottiger). 2, 168 (Diintzer, Hempelausgabe 40, 857 weist sie Wie- 
land zu). 242. 27 1 f. 312. 3, 66f. 1 7 1 f . 18001,3. 3 > 204 (Bottiger, 
vgl. 3, 116). 1801 2, 3f. 62. 127. 1802 2, 191 (Bottiger, vgl. 2, 167). 

215- 3> 79f- 

1177. 

1796. Agathodamon. Aus einer alten Handschrift. [Vorwort:] Hege- 
sias von Cydonia an seinen Freund Timagenes. — Erstes — zweites 
Buch. Attisches Museum 1796. 1 1, 111 — 152. 2, 153 — 212. Vgl. 
zum Museum Prolegomena III Nr. 77. Zur Entstehung des Agatho- 
diimon Prolegomena I S. 2 1 . Gubitz" Gesellschafter 1826 Nr. 1 80 S. 905. 
Bottiger, Literar. Zustande u. Zeitgenossen 1, 161. 198. 232. 235. 
240. 241. Ernst Ranke, Festgabe zum 90. Geburtstag Leopolds v. 
Ranke S. 1 3 ff. 

1178. 

1796 November. Anmerkungen zu Briefe aus Paris an den Heraus- 
geber des T. Merkurs. Unterz. D. H. Merkur 3, 287. 288. 

1179. 

1796. Bitte des Herausgebers des N. T. Merkurs an alle, welche 
die Zeitschrift bisher gehalten haben und fortzusetzen, oder sie kiinftig 
anzuschaft'en gedenken. Unterz. Weimar den 8ten Novemb. 1796. 
Wieland. Merkur 3, 327. 328. Wiederholt, aber um den SchluB- 
absatz gekiirzt und vom 8. December 1796 datiert: Merkur 3, 420 
bis 422. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 65 

?1180. 

1796 Dezember. Der neue Froschmausler und eine neue Blumen- 
lese Slterer Lieder. Merkur 3, 409 — 415. Nicht unterz. Der 
Hinweis S. 414 auf Wielands Besprechung der Musenalmanache vom 
Januar 1797 (= Nr. 1 1 83) macht Wielands Verfasserschaft moglich ; 
allerdings konnte Bottiger im Dezember diesen Januarbeitrag Wielands 
schon besitzen oder sicher erwarten ; und die Ausdruckswei.se scheint 
mir niehr die seine als die Wielands zu sein. Die darauf folgende 
Anzeige hat Bottiger mit B. unterz. 

1181. 

1796 — 1797. C" Band 26. 1796. (? 3 ~ 4 Band 26. 1797. C Band 27 — 30. 
1797. Vgl. Prolegomena I S. 2of. Bd. 26: Singspiele und Abhand- 
lungen. I. Alceste, ein Singspiel in funf Aufziigen. — II. Rosemunde, 
ein Singspiel in drey Aufziigen. (Voraus: Vorbericht der ersten Aus- 
gabe.) — III. Die Wahl des Herkules, ein lyrisches Drama. — - IV. Sing- 
gedicht, zur Geburtsfeier des Durchl. Ilerrn Erbprinzen Karl Friederich 
zu Sachsen -Weimar und Eisenach. - - V. Das Urtheil des Midas. Ein 
komisches Singspiel. In einem Aufzuge. — VI. Versuch fiber das 
deutsche Singspiel und einige daliin einschlagende Gegenstande. Ge- 
schrieben iin Jahre 1775. — VII. tlber einige altere deutsche Sing- 
spiele die den Nalimen Alceste fuhren. . . . Aui'gesetzt im Jahre 1773. 

— VIII. Nachtrag zurGeschichte der schonen Rosemunde. — IX. Richard 
Lowenherz und Blondel. Eine Anekdote aus der alten Gesehiehte der 
provenzalischen Dichter. 1777. 

Bd. 27. 28: Peregrinus Proteus. (Voraus: Vorrede zur ersten Aus- 
gabe von 1 79 1 . — Inhalt. Auszug aus Lucians Nachrichten vom 

Tode des Peregrinus.) Vgl. Prolegomena I S. 24. 

Bd. 28: Einige kleine Aufsatze. (C S. 223^".) p]ine Lustreise ins 
Elysium. 1787. -- Antworten und Gegenfragen auf die Zweifel und An- 
fragen eines vorgeblichen Weltburgers 1783. 

Bd. 29: Vermischte Aufsatze. 1. Uber den freyen Gebrauch der 
Vernunft in Glaubenssachen sammt einer Beylage. 1788. (Voraus: An 
den Leser. — Sendschreiben des Verfassers an Ilerrn P. X. Y. Z****.) 

— 2. Aufsatze welche sich auf die Franzosische Revoluzion von 1789 
beziehen, oder durch dieselbe veranlafit wurden. Geschrieben in den 

Phil -hist. Klasse. 190'.). Anhany. ALL I. 9 



66 B. Seuffert: 

Jahren 1789 — 94. I. Fine Unterredung zwischen Walther und Adel- 
stan. August 1789. II. Kosmopolitische Addresse an die Franzosische 
Nazionalversammlung. Oktober 1789. III. Zufallige Gedanken iiber 
die Abschaffung des Adels in Frankreich. Julius 1790. IV. Send- 
schreiben an Herrn P. E. in K. Januar 1792. V. Die Franzosische Re- 
publik. September 1792. VI. Betrachtungen iiber die gegenwartige 
Lage des Vaterlandes. Januar 1793. VII. Worte zu rechter Zeit, u. s. w. 
Fragmente von Briefen an Freunde. VIII. t)ber Deutschen Patriotismus 
1793. IX. Uber Krieg und Frieden. 1794. 

Bd. 30: Vermischte Aufsatze. Die Aeropetomanie. Im Oktober 
1783. — Die Aeronauten. Im Januar 1784. — Uber die Rechte und 
Pflichten der Schriftsteller in Absicht ihrer Nachricbten und Urtheile 
iiber Nazionen, Regierungen, und andere offentliche Gegenstande. 1785. 
— Das Geheimnifi des Kosmopoliten-Ordens. 1788. (Voraus: Einlei- 
tung.) — Nikolas Flamel, Paul Lukas und der Derwisch von Brussa. 
Historische Nachrichten Untersuchungen und Vermuth ungen. Ein Bey- 
trag zur Geschicbte des Unsichtbaren. 1788. (Voraus: Einleitung.) — 
Der Stein der Weisen. Eine Erzahlung. Als Zugabe zu Nikolas Flamel. 
1786. — Die Salamandrin und die Bildsaule. Eine Erzahlung. Als 
Gegenstiick der Vorgebenden. 1787. — Unterredungen mit dem Pfar- 
rer von ***. 1775. (1. u. 2. Unterredung.) 

1182. 

1797. AgathodJimon. Unterz. W. Drittes Buch. Attisebes Museum I 
3, 1 — 70. — Zu S. 15 ft'. Druckbandschrift im Goethe- und Schiller- 
archiv, Emminghaus-Stiftung. 

1183. 

1797 Januar — Februar. Die Musen-Almanache fiir das Jahr 1797. Ein 
Gesprach zwischen einem Freund und Mir. Unterz. W. Merkur 1, 
64 — 100. Die Musenalmanache. Fortsetzung der im ersten Stiick dieses 
Jahrs angefangenen Unterredung. Unterz. W. Merkur 1, 167 — 204. 
Vgl. Bottiger, Literar. Zustande u. Zeitgenossen 1, 204 f. 253. — Die 
Besprechung des Xenienalmanachs ist abgedruckt als Anhang zu Je- 
nisch, Litterarische Spiefiruthen. Weimar 1797. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausyabe. (57 

1184. 
1797 April. Vorbcmerkung zu Penzel, Probe einer Ubersetzung der 
Pucelle d'Orleans. Unterz. W. Merkur 1, 330—333. Eigenhandige 
Handschrift dazu in der Konigl. offentl. Bibliothek Dresden. 

1184 a. 

1797 April 30. C. M. Wieland An die Kaufer seiner sammtlicben 
Werke — die Supplemente betreffend. Unterz. W., den 30. 
April 1797. 8 Bll. unbezift'ert. (Erhalten z. B. Universitatsbibliothek 
Miinchen: 8° P. germ. 313 Bd. 30, nach gutiger Mitteilung Schnorrs v. 
Carolsfeld.) Vgl. Diintzer, Hempelausgabe 38, 660. 40, 855. 

1185. 
1797 Mai. Erklarung an das Publikum. Unterz. Weimar, d. 2. May 
1797. Wieland. Merkur 2, 92. 

1186. 

1797 August. Zuverlassige Nacbricbt von der Behandlung La Fa- 
yettes und seiner Familie im Verbafte zu Olmiitz. Unterz. W. 
Merkur 2, 381 — 383'. 

1187. 

1797 Oktober. Nachricht. Unterz. Wieland. Eingelegter Zettel zum Mer- 
kur, Oktoberheft. 

1188. 

1 797. Anmerkung zu B. F. v. P., Ein Gesprach. Unterz. W. Merkur 3,114. 

1189. 

1797 November. Anmerkung zu Klopstock, Der Wein und das Wasser. 
Unterz. W. Merkur 3, 193. 194. 



1 Die Aus/.iige ans Briefen. Ausliindisclie Korrespondenz 2, Merkur 3, 74 — 84, enthalten 
ein Schreiben aus Paris im July 1797, das W. unterz. ist; ich lialte dies fur die Chiffre eines 
I'ariser Korrespondenten, obvvohl Wieland den Brief aus fran/.osischen Zeitungen zusammen- 
gestellt und also fingiert liaben kdnnte. Vgl. Merkur 1803 1, 79!'., wo Wieland nicht der 
Korres])ondcnt sein kann, und 1804 1, 155 ft"., wo s ' cn ^ er Pariser init W . . r unteischreibt. 

9' 



08 B. Seuffert: 

1190. 

1797 Vorerinnerung zu Probestiick aus Alxingers neucr Ausgabe des 
Doolin von Maynz. Unterz. W. Merkur 3, 232 — 236. 

1191. 

1 797. Ein Schreiben von Hrn. General de la Fayette und den Herrn 
La Tour Maubourg und Biireaux-Piisy, an den Herausgeber des 
T. M. mit Vorbericbt und Zusatzen von dem Letztern. Merkur 3, 241 
bis 246. Kopie eines Scbreibens des Hrn. La Fayette, La Tour Mau- 
bourg und Biireaux-Piisy an den Herausgeber des T. Merkur. Uber- 
setzung. Noten. Unterz. W. Merkur 3, 246- 255. 

1192. 

1797 Dezember 19 — 1799 Anfang. Adversaria angefangen den 19. De- 
cemb. 1797. C. M. Wieland. Eigenhandig beschriebenes kleines Heft 
im Goethe- und Scliiller-Archiv, Einminghaus-Stiftung. Titel auf 1 . und 
letzter Seite, einmal mit dem Beisatz: Dulces ante omnia Musae. Ent- 
halt allerlei Notizen, aus denen ich wichtigere aushebe. Vgl. Prolego- 
mena III Nr. 8 1 . 

a) Tiber die franzosische Revolution. 

b) Notizen f'iir die Zusammenstellung von C. 

c) Zu Aulus Gellius, Noctes Atticae, iiber Lais. 

d) 1799. Sujets zu den Ossmanst. Unterhaltungen. Klassen der Auf- 
satze. I. Historische Darstellungen. II. Kleine Novellen. III. Poe- 
tische Erzahlungen. IV. Dialoge. V. Briefe. VI. Filosofische 
Darstellungen. I. Klasse. 1. Uionys. Dion und Timoleon. 2. So- 
lon. [Vgl. Diintzer, Hempelausgabe 40, 852.] II. Klasse. 1. Celie. 
Das Sujet aus einer Erzahlung dieses Nahmens in der Academie 
der Mad. Villedieu Tom. IV p. 190. 2. Ein egoistischer Liebhaber. 
DieGrundziige des Sujets genommen aus besagter Akademie S. 223. 
[vielleicht: Narcissus u. Narcissa Nr. 1222.] — Vgl. iiber den Plan 
der Osmantinisclien Unterhaltungen Bottiger, Literar. Zustiinde u. 
Zeitgenossen 1, 240. 

e) Aristipp. Uber die Demokratie der Athener . . . Uber die Sokra- 
tiker . . Uber den Hang des Menschen . . zum Genufi olme Muh . . 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausyabe. 69 

f) Stellen aus Plutarch und Diodor. Sic. z. Tl. von fremder Hand 
eingetragen. 

g) Buchertitel: Nitsch und Haberfeld, Vorlesungen iiber die Class. 
Dichter der Romer . . . Ficlite v. d. Bestimmung des Menschen . . 

h) Griechische Worter. 

i) Reichsanzeiger 1 800 Nr. 69 . . . 

k) Verzeichnis der attischen Monate . . . Chronologica. 

1) Fragen. Z. B. Was war die alte Komodie? 

in) Gegen Friihjahr 1799 koinme Walpoles Horaz heraus. 

n) Aus Journal de Paris 1798. 

o) Allerlei kleinere Notizen. Z. B. Die Menschen binde aneinander: 
Sympathie der Sinnesart, Gleichformige Grundsatze, Interesse . . . 

1193. 

1 797 — 1798. C Supplemente Band 1. 1797. C Supplemente Band 2 — 6. 
C'~* Supplemente Band i — 6. 1798. Vgl. Nr. 1192b. Prolegomena I 
S. 21. Suppl. Bd. 1: Die Natur der Dinge oder die vollkommenste 
Welt. Kin Lehrgedicht in sechs Buchern. 1 75 1 . (Voraus: Vorbericht zur 
dritten Ausgabe von 1770 (mit einigen Auslassungen und Zusjitzen.) — 
Moralische Brief e in Versen. 1752. (Voraus: Vorbericht der dritten 
Ausgabe. — Zusatz bey der gegen wartigen Ausgabe.) 

Suppl. Bd. 2: Der Anti-Ovid. (Voraus: Vorbericht der dritten 
Ausgabe von 1770. Zusatz bey gegenwartiger Ausgabe.) — Er- 

zahlungen. 1752. (Und zwar: Vorbericht zur zweyten Ausgabe. — 
Zusatz. — Einleitung. — Balsora. — Zemin und Gulindy. — Serena. 
— Der Unzufriedne. Melinde. - Selim und Selima.) — Briefe 

von Verstorbenen an hinterlassene Freunde. 1753. (Und zwar: 
1. Alexis an Dion. 2. Lucinde an Narcissa. 3. Charikles an Laura. 
4. Theagenes an Alcindor. 5. Eukrates an Filedon. 6. Theanor an 
Fadon. 7. Eurikles an Filotas. 8. Theotima an Melinde.) 

Suppl. Bd. 3.: Die Prufung Abrahams in drey Gesangen. 1753. 
(Voraus: Vorbericht.) - Sympathies 1754. (Voraus: Einleitung.) — 
Psalmen. 1755. (Voraus: Vorbericht.) — Der Friihling. Im Mau- 
des Jahres 1752 aufgesetzt. Hymne auf Gott. 1754. (Voraus: 
Vorbericht der Ausgabe von 1762. — [Neuer Vorbericht:] Am 
1. Jul. 1797.) 



70 B. Skuffert : 

Suppl. Bd. 4: Krinnerungen an eine Freundin. 1754. — Das 
Gesicht des Mirza. 1754. — Timoklea. Ein Gespnich iiber schein- 
bare und wahre Schonheit. 1754- (Voraus: Vorbericht.) — Pla- 
tonische Betrachtungen fiber den Menschen. 1755. — Gesicht von 
einer Welt unscbuldiger Menschen. Episode aus einem nicht zu Stande 
gekoinmenen Werke. 1755. — Theages. Uber Schonheit und Liebe. 
Ein Fragment. 1760. — Lady Johanna Gray, oder der Triumf der 
Religion. Ein Trauerspiel. 1758. 

Suppl. Bd. 5: Klementina von Porretta. 1760. Ein Drama aus 
Richardsons Geschichte Sir Karl Grandisons gezogen. — Pandora. 
Ein Lustspiel mit Gesang in zwey Aufziigen. 1779. (Voraus: Vor- 
bericht. — Zu C nach dem Personenverzeichnis eine »Nachricht fur 
den Buchbinder«, weil mit Pandora die Seitenzahlung neu mit 1 be- 
gonnen hat. Vgl. hierzu: Exemplar des 1 7/9er Druckes mit Korrekturen 
von Wielands Hand im Goethe- und Schiller-Archiv, nach B. Suphans 
Mitteilung aus der Zeit von September 1797 bis Februar 1799; die 
Schauspielernamen fur eine Weimarer Auffiilmmg mit Musik sind 
beigeschrieben. Dazu vgl. Wieland an Bottiger 16. Marz 1798 (un- 
gedruckt): Wieland erwartet Kranz, den die Sache am nachsten an- 
gehe, und Bottiger, damit sie die Pandora vorlesen horen.) — Die 
Bunkliade oder die Quintessenz aus Johann Bunkels Leben, Bemer- 
kungen und Meinungen. 1778. — Ausziige aus Jacob Forsters 
Reise um die Welt. 1778. 

Suppl. Bd. 6: Athenion, genannt Aristion, oder das Gliick der 
Athener unter der Regierung eines vorgeblichen Filosofen. 1 78 1 . — 
Litterarische Miscellaneen. (Und zwar: 1. Antwort auf die Frage: 
was ist eine schone Seele? — 2. Uber etwas, das Platon gesagt 
haben soil und nicht gesagt hat. — 3. Rechtfertigung eines schonen 
Wortes des Pompejus. — 4. Die Kunst aufzuhoren. — 5. Die ster- 
bende Polyxena des Euripides. — 6. Uber eine Stelle des Cicero, 
die Perspektiv in den Werken der Griechischen Mahler betreff'end. 
— 7. Uber eine Stelle im Amadis de Gaule. — 8. Uber Alexander 
Dow's Nachricht von den Fakirn in Ostindien. — 9. Anmerkungen 
iiber A. Dows Nachrichten von der Religion der Braminen. — 
10. Uber das VerhaltniB des Angenehmen und Schonen zum Niitz- 
lichen. — 11. Uber Christine von Pisan und ihre Schriften. — 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 71 

12. Margarite von Valois, Konigin von Navarra, als Schriftstellerin. 
(Zu n. u. 12. vgl. Prolegomena I S. 7 f . 20.) — 13. Loyse Labe, ge- 
nannt La belle Cordiere. — 14. Pernette du Guillet, genannt La 
Cousine. - 15. Ausziige aus einem merkwiirdigen Buche des funf- 
zehnten Jahrhunderts, Thresor de Tame betitelt. — 16. Der Belials- 
prozeB.) — Briefe an einen jungen Dichter. 1784. (Zweyter und 
Dritter Brief.) — Uber die Frage Was ist hochdeutsch? und einige 
dam it verwandte Gegenstande. 1782. (I — III.) — Mark-Aurel an die 
Romer. Aus dem Engliselien der Mss. Knigbt sehr f'rey iibersetzt. 

1784. — Die Titanomacbie oder das neue Heldenbuch. Kin bur- 
leskes Gedicht in so viel Gesangen als man will. 1775. 

1194. 

1798. Geschicbte des Agatbon. Neue Ausgabe. Krster — Vierter 
Theil. Leipzig, in der Weidmannischen Buchhandlung 1798. — Ab- 
druck von Nr. 1 1 50, zu dem sicb die Firma als Verlagshandlung von 
Nr. 208 fur berecbtigt liielt; Wieland bat kaum einen Anted. 

1195. 

1798 Februar — Juli. Gespriicbe unter vier Augen. Krstes Gesprach 
zwischen Geron und Sinibald. Uber die Vorurtbeile. Merkur i, 105 
bis 129. Zweytes Gesprach, uber den neufrankischen Staatseid »Hal3 
dem Konigthum!« Merkur 1, 259 — 288. Drittes Gesprach. Was 
ist zu tliun? Merkur 1, 355 — 383. Viertes Gespracb, iiber Demo- 
kratie und 3Ionarcbie. Merkur 2, 3 — 48. Fiinftes Gesprach. Was 
wird endlich aus dem alien werden? Merkur 2, 201 — 222. Alle W. 
unterz. aufier dem fiinften Gespracb. — Zu diesem Handschrift in der 
Konigl. offentl. Bibliothek Dresden. - Vgl. Bottiger, Literar. Zustande 
u. Zeitgenossen 2, 175^ Denkw. Briefe 2, 98. Goethe, Briefe IV 1 3, 132. 
Bemerkungen uber die Wieland'schen Gesprache unter vier Augen im . . . 
Merkur . . . 1 798 in rechtlicher und politischer Hinsicht. Nebst einigen 
Betrachtungeu, iiber die wichtigsten Gegenstande des Rechts und der 
Politik. Leipzig, 1799. Bey Johann Wilhelm Kramer; die ersten vier 
Gesprache sind abgedruckt und mit Vorerinnerungen und Bemerkungen 
begleitet, das funfte wird nur besprochen. 



72 B. Seuffert: 

1196. 

1798 Marz. Nachschrift zu Gries, Sonette. Unterz. W. Merkur 1, 

3 J 5— 3i7- 

1197. 

1798 Oktober. Fragment eines Gesprachs zvvischen einem un- 
genannten Fremden und Geron. Unterz. W. Merkur 3, 10 1 — 116. 

1198. 

1798. Nachschrift zu Gries, Probe einer neuen Ubersetzung des Tasso 
Unterz. W. Merkur 3, 152. 153. 

1199. 

1798 Oktober — November. Meine ErklJirung iiber die in Num. 223. 
des K. P. Reichs-Anzeigers d. J. eingeriickte Beschwerde 
eines Augsburgers. Unterz. Gesclirieben zu Ossmanstiitt, im 
Weimarischen, den 20. Oktober 1798. Wieland. Merkur 3, 305 — 307. 
Handschrift bei Brief an Bottiger vom 2 1. Oktober 1798 in Konigl. 
oft'entl. Bibliothek Dresden. — Der hier verheiBene Carton zu Merkur 
1, 41 3 f. wurde mit dem Dezemberheft des Merkur ausgegeben. 

1200. 

1798 Dezember. Wielands Antwort: Rehnbrief an die Furstin zu 
Wied. Unterz. Wieland. Aus dem Nachlasse der Furstin Luise zu 
Wied, Frankfurt a. M. Gedruckt mit Andraeischen Schriften. 1828. 
S. 2 1 1 f . Das Datum ergibt sich aus der Zuschrift der Furstin vom 
November 1798. Vgl. Freundesgaben fur C. A. H. Burkhardt S. 153. 

1201. 

? 1 798. Bruchstiick eines Dialogs zwischen Merkur, Basilia, Jupiter, 
Republik u. s. w. Eigenhandige Handschrift im Goethe- und Schiller- 
Archiv, Emminghaus-Stiftung. 3^ Seiten. Den Inhalt beziehe icli 
auf die politische Situation von 1798. 

1201a. 

1799. Revolution von Syrakus. Bruchstiick. Kigenhandige Hand- 
schrift im Goethe- und Schiller- Archiv, Emminghaus-Stiftung. 16 Bll. 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. 73 

8°, zusammengeheftet. Vgl. Nr. 1192(1 I 1. Bottiger, Literar. Zu- 
stande u. Zeitgenossen 1, 240; hieraus ergibt sich die Datierung. 

1202. 

1799. C. M. Wieland uber den frankischen Staatseid, HaB dem 
Konigthum. Weimar, 1799. — Weil in Weimar erschienen, falls 
der Verlagsort niclit fingiert ist, doch wohl mit Wielands Billigung. 

— Die Schrift wurde September 1799 von der Bucherzensur in Wien 
verboten. 

1203. 

1799. Musarion, oder die Philosophic der Grazien. Kin Gedicht 
in drey Buchern. Neue Ausgabe. Leipzig, in der Wcidmannischen 
Buchhandlung. 1799. S.Vff. An Herrn Creyfisteuereinnehmer Weisse 
in Leipzig. Unterz. Warthausen, den 15 ten Marz 1769. Wieland. 

— Kin Kampfdruck um den Verlag wie Nr. 1 194. 

1204 l . 
1799. Psyche. In Nr. 1203 S. XV— XVIII. 

1205. 

1799 Januar. Beylage des Herausgebers zu v. R., Uber Dr. Posselts 
Allgemeine Zeitung. Unterz. W. Merkur 1, 12 — 25. — Vgl. Bottiger, 
Literar. Zustande u. Zeitgenossen 1, 241 f. Allgemeiner Litterarischer 
Anzeiger 22. Marz 1799 Nr. 46 Sp. 459 f. 

1206. 

1799 April. Anmerkung zu Gleim, Der Schafmann und das Schaf. 
Unterz. W. Merkur 1, 317. 

1207. 

1799 Mai. Ein Wort liber Herders Metakritik zur Kritik der 
reinen Vernunft. Unterz. W. Merkur 2, 69- —90. Eigenhandige 
Handschrift in Konigl. offentl. Bibliothek Dresden. — Vgl. Uber Herders 



1 Die Kunst mit Mannern gliicklicli zu seyn, ein Almanach ftlr das Jahr 1800 nacli 
Gotlie, Lafontaiue, Rousseau und Wieland. Berlin, Olimigke d. J. entlialt nacli der Allge- 
ineinen Literaturzeitung 1800 2, 550 nichts von oder fiber Wieland. 

PhU.-hUt. Klasse. 190!). Anhany. Abh. I. 10 



74 B. Seuffert: 

Metakritik und deren Einfuhrang ins Publikum durcli den Hermes 
Psychopompos. Leipzig, Roch u. C. 1799. Auch u. d. T. : Send- 
schreiben eines Freundes der kritischen Philosophic an einen Freund 
der Philosophic iiberhaupt, Herders Metakritik und Wielands Emp- 
fehlung derselben betreffend. — Allgem. Litter. Anzeiger 26. Sep- 
tember 1799 Nr. 151 Sp. 1502. 

1208. 

1799 Juli 10. Anzeige der Herausgeber des Neuen Teutschen 
Merkurs an das Publikum. Unterz. OBmanstatt, den 10. Jul. 1799. 
C. M. Wieland. Beiblatt zum Oktoberlieft des Merkur. Wiederholt 
Intelligenzblatt zu dem Neuen Teutschen Merkur 1 . 1. Stuck. Januar 
1800 S. If. (Anzeige, daB Bottiger Gehilfe bei der Redaktion sei, 
dafi Wieland den Selbstverlag aufgebe und den Verlag an Gebr. 
Gadicke in Weimar tiberlasse.) 

1209. 

1 799 September. C Band 31.32. Vgl. Prolegomena I S. 2 1 f. Merkur 1 799 3, 
94 f . Beide Bande erschienen auch in Sonderdrucken 8°. — Bd. 3 1 : 
Gesprache unter vier Augen von C. M. Wieland. (Inhalt. — 
Vorbericht. — I. Was verlieren oder gewinnen wir dabei, wenn 
gewisse Vorurtheile unkraftig werden? — II. tlber den Neufrankischen 
Staatseid: »HaB dem Konigthum!« — III. Nahere Beleuchtung der 
angeblichen Vorziige der reprasentativen Demokratie vor der mon- 
archischen Regierungsform. IV. Was ist zu thun? — V. Ent- 

scheidung des Rechtshandels zwischen Demokratie und Monarchic — 
VI. Die Universal-Demokratie. — VII. Wiirdigung der Neufrankischen 
Republik aus zweyerley Gesichtspunkten. — VIII. Was wird endlich 
aus dem alien werden? — IX. tlber die offentliche Meinung. — 
X. Traume mit offnen Augen. — XL Blicke in die Zukunft. — 
XII. Fragment eines Gesprachs zwischen einem ungenannten Fremden 
und Geron.) — November 1 799 von der Bucherzensur in Wien verboten. 
Bd. 32: Agathodamon in sieben Biichern von C. M. Wie- 
land. (Voraus: Hegesias von Cydonia an seinen Freund Timagenes.) 



1 Von 1800 an ist dem Merkur ein Intelligenzblatt beigegeben, mit dem die Heraus- 
geber nielits' zu tun iiaben; es entbalt Bucliliandlungsinserate. 



Prolegomena zu elner Wieland-Ausgabe. 75 

1210. 

1799 — 1801. C Bd. 33. 34: C"- 2 1 800 (Miehaelimesse). C 3 ' 4 i8oi. Aristipp 
und einige seiner Zeitgenossen. Herausgegeben von C. M. Wie- 
land. Erster und Zweyter Band. Nacli beiden Biichern Anmerkungen, 
nach dem 1. audi: Erklarendes VerzeichniB der in diesen Briefen 
vorkommenden Griechischen Worter und Nahmen, welche nicht als 
allgemein bekannt vorauszusetzen sind. Vgl. Pi-olegomena I S. 2 2f. 
Ill Nr. 86. Handscliriftliches : Nr. 1 1 92 c, e, h, k. — Eigenhandige 
Entwurfe im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar, Emminghaus-Stif- 
tung: 1. In dem Hefte, das Nr. 1201a enthalt; zu C 33, 132. 88. 
269. 295. 297. 2. Ferner Entwurfe auf 4 Bll. 4" und 14 Bll. 8°. — 
Vgl. Bottiger, Literar. Zustande u. Zeitgenossen 1, 240. Gubitz' Ge- 
sellschafter 1826 Nr. 180 S. 906 f. Nr. 185 S. 933. F. H. Jacobis 
Auserles. Briefwechsel 1, 28. Horn, Briefe an S. La Roche S. 160. 
Ausgew. Briefe 4, 250. Wagner, Merckbriefe 1, 182. Deutsche Rund- 
schau 1887, Jahrg. 13, Heft 11 S. 205 f. E. Ranke, Festgabe f. 
Leopold v. Ranke S. 8 ff. G. Wilhelm, Zeitschrift f. d. osterreich. 
Gymnasien 1901, Heft 4. — Die GroCherzogl. Bibliothek Weimar be- 
sifczt ein Exemplar mit Widmung an Anna Amalia vom 24. Oktober 1 800. 

1211. 

1800. Agathon und Hippias ein Gesprach im Elysium. Nach dem 
»Inhalt« auf dem Heftumschlag »von W. «. Attisches Museum 1800 

III 2, 269 — 295. 

?1212. 

1800 April. Nachricht. Unterz. W. Merkur Umschlag zum Aprilheft S. 2. 
Durch die Anmerkung Merkur 1800 3, 116, die doch wohl dieselbe 
Person betrifft, alter B. unterzeichnet ist, wird Wielands Urheberschaft 
zweifelhaft ; es ist ubrigens eine inhaltsleere Notiz. 

1213. 

1800. Meine Erkliirung iiber einen im St. James Chronicle, Ja- 
nuary 25, 1800. abgedruckten Artikel, der zur tlberschrift hat: 
Prediction concerning Buonaparte, mit dem Beysatz: the following Dia- 
logue is now circulating in the higher Circles; the observations are of 
the pen of a foreign Minister. Unterz. Wieland. Merkur 1, 243 — 276. 

10' 



7G B. Seuffert: 

1214. 

1800 Mai 5. Idee eines allegorischen Gemaldes. Unterz. 0[fiman- 
statt], den 5. Mai 1800. Wieland. Westermanns illustrierte deutsche 
Monatshefte 1884. Jhrgg. 28, Bd. 55, S. 834. 835. Vgl. Freundes- 
gaben f. C. A. H. Burkhardt S. 154. 1 

1215. 

1800 August. Tiber Herders Kalligone. (An einen reisenden Freund.) 
Unterz. W. Merkur 2, 259—277. 

1216. 

1 800 Dezember. Vorbericht des Herausgebers des T. M. zu B — t, Probe 
einer Ubersetzung der Gesprache des Abbe Galiani fiber den Getraide- 
liandel. Unterz. W. Merkur 3, 243 — 246. Wieland bat aucb an der 
Ubersetzung gebessert: 3, 246. 

1217. 

1801 — 1802. C Band 35. 36: C 1 " 3 1801. Band 35 C 4 1801. Band 36 
6 M i8o2. Aristippund einige seiner Zeitgenossen. Herausgegeben 
von C. M. Wieland. Dritter und Vierter Band. Nacb beiden Biicbern 
Anmerkungen, nacb dem 3. aucb: Fortsetzung des erklarenden Ver- 
zeicbnisses der in diesen Briefen vorkommenden Griechiscben Worter. 
Vgl. Prolegomena I S. 23. 

1218. 

1 801 Februar. Anmerkung zu [J. Ghpb. Scbmidt|, Lied beim ScbluB des 
achtzebnten Jahrbunderts. Unterz. W. Merkur 1, 81. 82. 

1219. 

1801 April. Uber Herders Adrastea. Unterz. W. Merkur 1,312- — 315. 
Laut Vorwort von Bottiger veroffentlicht aus einem Briefe Wielands; 

1 Der Artikel Uber Prof. Eobison in Edinburg. (Aus dem Briefe eines Englanders.) 
Merkur 2, 249 — 254 ist W. unterzeichnet; das bedeutet docli wohl den Schreiber des Original- 
briefes; oder sollte Wieland eine Zuschrift iibersetzt und bearbeitet liaben? Der Brief steht 
nicht iinter den sonstigen Briefausziigen, ninmit also eine auszeiclmende Stellung ein ; Bottigers 
Anmerkung ist kaum so aufzufassen, als ob er die Bericbtigung von Wieland erhalten habe. 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. 11 

d. i. an Caroline Herder 24. Mara 1801; s. Ausgew. Briefe 4, 254 ff. 
Originalhandschrift des Briefes in der Konigl. Bibliothek in Berlin. 
Vgl. Knebels Literar. NachlaB 2, 338. 

1220. 

1802 April, Uber Herders Adrastea I — IVtes Stuck. Unterz.W. Mer- 
kur 1, 277 — 298. Eigenhandige Handsclirift zu S. 296 unten bis 298 
oben im Goethe- und Schiller-Archiv, Emminghaus-Stiftung. 

1221. 

1802 Mai 6. Vorrede zu Aiinar und Lucine. Herausgegeben von S. G. A. 
Lutkemuller. Braunschweig, 1802 bei Friedrich Vieweg. Theil 1 
S. I — VIII: Statt einer Vorrede Auszug eines Briefes von Wieland 
an den Verleger. Unterz. Ofimanstatt, den 6 ten May 1802. Wieland. 
(Die genaueren Angaben aus dem seltenen Buche verdanke ich Dr. 
Karl Polheim.) Eigenhandige Handsclirift des Entwurfs im Goethe- 
und Schiller-Archiv, Emminghaus-Stiftung '. 

1222. 1223. 

1802 Herbst. Narcissus und Xarcissa aus einer Handsclirift das Pen- 
tameron von Rosenhain betitelt. Von C. M. Wieland. Taschenbuch 
liir 1803. Braunschweig, gedruckt und verlegt bei Friedrich Vieweg 
S. 1 — 74. Vorbericht [= Einleitung in die Rahmenerzahlung des 
Pentameron] S. 3 — 16. — Wieland an Bottiger 15. November 1802 
(ungedruckt): er sei im Januar 1802 auf den Plan des Pentameron 
gekommen; babe zwei Sti'icke an Vieweg geschickt, der habe aber 
nur Narcissus pro 1 803 gedruckt, das zvveite fur 1 804 aufgespart. 
Am 26. Januar 1803 (an Bottiger; ungedruckt) hatte Wieland auf 
sein Verlangen Daphnidion, das zweite Stuck, halb gedruckt, hall) 
im Manuskript zuriickerhalten, um daran zu andern, und schickte es 
wieder an Vieweg. Dieser sandte am 6. April 1804 den vor einem 
Jahr fertiggestellten Druck, das Taschenbuch habe pro 1 804 nicbt 



1 Knebel schreibt Wieland die Urheberscliaft von Ul>er Thuiskon, ein Heldengedicht 
in zwanzig Gesangen. Mcrkur 1802 3,95 — 125 gewiC mit Unreclit zn: Bottiger, Literar. 
Zustande und Zeitgenossen 2. 228. 



78 B. Seuffert: 

erscheinen konnen, jetzt sei alles vorbereitet. Es erschien aber auch 
1 804 Wielands Daphnidion nicht, Vicweg gab das Taschenbuch zu- 
uliclist auf. Nach Mitteilung der Verlagsbuchhandlung findet sich in 
ih rem Archiv nichts fiber das Werkchen. Danach ist Diintzer, 
Hempelausgabe 40, 859 zu berichtigen. — Wieland an Bottiger 6. Ja- 
nuar 1 803 : seit Vollendung des Pentameron sei er mit Menander be- 
schaftigt. — Vgl. fiber den Rahmen: M. Goldstein, Die Technik der 
zykliscben Rahmenerzahlungen Deutschlands, Diss. Berlin 1906, S. 19 IT. 
Zu Narcissus Nr. ii92d II 2. Mayer, Vierteljahrschrift f. Litteratur- 
gesch. 5, 512 f. 

1224. 

1803 — 1805. Erzahlungen und Dialogen von Ludwig Wieland. Heraus- 
gegeben von C. M. Wieland. Erster Band. Leipzig, bey G. J. 
Goschen. 1803. Zweyter Band. Ziirich, bey Heinricb Gefiner. 1805. — 
Wieland hat dazu nichts beigesteuert, entgegen der Meinung Knebels: 
Goethe-Jahrbuch 10, 124. 

1225. 

1803 Juli 18. An die liebenswiirdige Prinzessin von W. Am 
18. Juli 1803. Von C. M. Wieland. Der Freimuthige oder Berlinische 
Zeitung fiir gebildete, unbefangene Leser. 1. August 1803, Nr. 121, 
S. 48 1 . — In das in meinem Besitze befindliche Exemplar soil 
v. Maltzahn die Kollation der mir unbekannten Originalhandschrift ein- 
getragen haben. Abschrift im Goethe- und Schiller-Archiv, Emming- 
haus-Stiftung (nicht im GroBherzogl. Hausarchiv wie Freundesgaben f. 
C. A. H. Burkhardt S. 154 irrig steht). — Vgl.iiber die persoiflichen Be- 
ziehungen Schroder, Caroline Erbprinzessin von Mecklenburg-Schwerin, 
Schwerin [1901], S. 6. — Der Druck, den Joseph Baers Frankfurter 
Bucherfreund Jhrgg. 4, Nr. 7. 8, Nr. 9480 ankiindigt, ist wohl der im 
Freimiithigen. 

1226. 1227. 

(1802 — )i8o3 Herbst. Rosalie und Hulderich oder die Entzauberung 
und Die Novelle ohne Titel. Zwey Erzahlungen aus dem Pen- 
tameron von Rosenhain. Von C. M. Wieland. Taschenbuch fiir das 
Jahr 1804. Der Liebe und Freundschaft gevvidmet. Frankfurt am 
Mayn, bey Friedrich Wilmans. S. 1 — 72. Einleitung S. 3 f. Rosalie 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. 79 

S. 5 ff. Rahmenerzahlung S. 33 ft'. Die Novelle S. 40 ft. Berichtigung: 
Riickseite des Inhalts. Rahmenerzahlung S. 66 ff. — Beim Kupfer zu 
Rosalie lautet der Titel: Tauschung und Wahrheit. Eine Erzahlung. 
Zur Novelle vgl. oben Nr. 439. 

1228. 1229. 

(1802 — )i8o3 Herbst. Freundschaft und Liebe auf der Probe und 
Die Liebe ohne Leidenschaf't. Zwey Erzahlungen aus dem 
Pentameron von Rosenhain. Von C. M. Wieland. Taschenbuch auf 
das Jahr 1804. Herausgegeben von Wieland und Goethe. Tubingen, 
in der Cotta'schen Buchhandlung. S. 1 — 86. Rahmenerzahlung S. 3 ft'. 
Freundschaft S. 6 ff. Rahmenerzahlung 8.53 ft". Die Liebe 8.58 ft'. 
Rahmenerzahlung S. 84 ft'. - — Vgl. zu Freundschaft: Vierteljahrschrift 
f. Litteraturgesch. 2, 467 ff. Vollendet kann diese Novelle wegen 
der Anspielung (8. 33) auf das franzosische Ehescheidungsgesetz vom 
2 1 . Marz 1 803 (Code Napoleon, Livre premier, Titre VI, promulguc 
le 3 1 mars 1 803) erst nach diesem Datum sein. — Es fallt auf, daB 
Wieland auch jetzt noch den Gesammttitel Pentameron festhalt, da 
cr doch schon sechs Erzahlungen dafiir bestimmt liatte und die gleich- 
zeitige Veroffentlichung von Nr. 1223 ervvarten muBte. 

1230. 

1803 Anfang — Herbst. Taschenbuch fur 1804. Menander und Gly- 
cerion von C. M. Wieland. Tubingen in der .1. G. (Cotta'schen Buch- 
handlung. Vorbericht S. Ill — VI. Vgl. Nr. 1223 iiber die Datierung. 
Knebels Literar. NachlaB 2, 217. Vierteljahrschrift f. Litteraturgesch. 
2, 3072". (Menander und Glycerion von C. M. Wieland, Frankfurt und 
Leipzig 1804 ist Nachdruck.) 

?1231. 

1803 November. Zusatz des Herausgebers des T. M. zu TJber eine 
neue teutsche Bearbeitung des Baylischen Dictionnaire, nebst einer 
Probe. Merkur 2, 514 — 516 (im 2. und 3. Band dieses Jahrgangs sind 
die Seiten durchgezahlt). Duntzer bezeichnet llempelausgabe 40, 859 
diesen Zusatz jedenfalls irrig als letzten Beitrag Wielands zum Merkur. 



80 B. Seuffert: 

Ich zweifle sogar, obWieland der Verfasser des Zusatzes ist, da Bottiger 
zum gleichen Artikel S. 505 cine Anmerkung setzte, also doch wold 
auch den Zusatz gab. 

1232. 

1803 .Tuni— 1805. Vorrede und Anmerkungen zu Die deutschen Volks- 
mahrchen von Johann August Musaus. Herausgegeben von C. M. 
Wieland. Gotba, bey Carl Wilhelm Ettinger. 1804. Zweiter bis 
Funfter Theil 1805. Vorrede [Teil I] S. Ill— X. Unterz.: Geschrieben 
zu Weimar am 12 Jun. 1803. C. M. Wieland. Anmerkungen: 2, 12. 
3,223. 2531". 256. 261. 280. 293. 4, 1 1 6 f . 1251*. 129. 246. Diese 
sind W. unterz. Es stammen aber aucb noch andere, nicht unterzeich- 
nete, von Wieland, z. B. 5, 99; es bleibt also zu untersuchen, welche 
Anmerkungen neu hinzugekommen sind. — Wieland bat auch den 
Text gereinigt: 1, VIII f. — Vgl. M. Midler, J. K. A. Musaus, Jena 1867, 
S. 66. R. Andra, Studien zu den Volksmarchen der Deutschen von 
Musaus, Diss. Marburg 1897, S. 49. 50. 53. 

1233. 

1804 August. Anmerkung und Verbesserung zu Stimme aus Italien 
uber Herders Tod. Giuseppe Capecce-Latro, Ad Amaliam Aiigustam 
und Ubersetzung. Merkur 2, 237 — 241. Anm. Unterz. D. H. Vgl. 
Freundesgaben f. C. A. H. Burkhardt S. 155. 

1234. 

1804 bis Herbst. Krates und Hipparchia ein Seitenstiick zu Menander 
und Glycerion von C. M. Wieland. Zum Neujahrs-Geschenk auf 1805. 
Tubingen, in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. — Das Original- 
manuskript dazu besaB K. W. Bottiger in Erlangen: Literar. Zustande 
u. Zeitgenossen 2, 243. Ein Teil des von ihm benutzten Wielandi- 
schen Briefwechsels ist ins Germanische Nationalmuseum in Nirrnberg 
gekommen; mir sind da nur Briefe zuganglich gemacht worden. — 
Vgl. Vierteljahrschrift f. Litteraturgesch. 2, 312. (Der Druck Krates und 
Hipparchia. Von C. M. Wieland. Ein Seitenstiick u. s. w. o. 0. 1 805 
ist gewifi Nachdruck.) 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. 81 

1235. 

1804 November. Anrede an die durchlauchtigste Frau Erbprin- 
cessin. Einzeldruck 3 SS. 8". — Veroffentlicht : Taschenbuch flu- 
Weimar. Aufs Jahr 1805. Weimar, imVerlage der F. S. pr. Hof- und 
Stadtbucbdruckerei: S. 127. 128 u. d. T. Anrede der Sprecberin der 
Gesellschaft an die Frau Erbprinzessin. Nach S. 24 iiberreichte am 
10. November eine Gesellschaft junger Frauenzimmer'ein Gedicht, docb 
wold die » Anrede «. Vgl. L. Preller, Ein furstliches Leben, Weimar 1859, 
S. 91. Freundesgaben f. C. A. II. Burkhardt S. 155. Euphorion 1, 716. 

1236. 1237. 1237a. 

(1802— ) 1805 Oktober. C" Band 37. 38. 1805. Vgl. Prolegomena I S. 23 f. 
Bd. 37: Euthanasia. Drey Gesprache fiber das Leben nach dem 
Todc. VeranlaBt durcb D. I. K. W**ls Gescbichte der wirklicben Er- 
scheinung seiner Gattin nach ilirem Tode. Herausgegeben von C. M. 
Wieland. — Vgl. E. Ranke, Festgabe fur Leopold v. Ranke S. 29 If. J. K. 
Wot/.el, Antwort auf das Sendschreiben des Superintendenten Job. 
Heinrich Helmuth nebst Abfertigung des Hofraths Wieland und Con- 
sorten, Leipzig 1805. A. H. Schott, Disquisitio argumentorum de im- 
mortalitate animi in Wielandi Euthanasia expositorum, Tubingae 1807 
(nach Goedeke, mir unbekannt). Bemerkungen uber Wielands Eutha- 
nasia, Leipzig 1 8 10. F. Richter, Die neue Unsterblichkeitslehre. Sup- 
plement zu Wielands Euthanasia, Breslau 1833. 

Bd. 38: Das Hexameron von Rosenhain herausgegeben von 
C. M. Wieland. Vorbericht eines Ungenannten S. 1 — 20. Enthalt inner- 
halb des Rahmens: Narcissus und Narcissa. Dafnidion. Die Ent- 
zauberung. Die Novelle ohne Titel. Freundschaft und Liebe auf der 
Probe. Die Liebe ohne Leidenschaft. — Das Goethe- und Schiller- 
Archiv, Emminghaus-Stiftung, besitzt zwei eigenhandige Handschriften 
Wielands, die durch die Namen Rosalinde, Wunibald, Amande ihre 
Zugehorigkeit zum Hexameron bekunden: 1. 5 SS. 8° eine Zauberer- 
geschichte, die nicht im Hexameron enthalten ist (= Nr. 1237a). 
2. 3 SS. 4" Bruchstiick einer Reinschrift derselben Geschichte. 

1238. 

1805. Oberon. Ein Gedicht in Zwolf Gesangen von C. M. Wieland. 

Neue und verbesserte Ausgabe. Leipzig, 1805. in der Weidmanni- 
PkU.-h.ist. Klasse. 1909. Anliany. Abh. I. 1 1 



82 B. Skuffket: 

schen Buchhandlung. An den Leser S. Ill ff. Varianten S. 315 ft'. 
Glossarium iiber die im Oberon vorkommenden veralteten oder fremden , 
auch neu gewagten Worter, Wortformen und Redensarten S. 343 ff. 
Kampfdruck wie Nr. 1194. 1203. 

1239. 

1805 April — 1806. Journal fur deutsche Frauen von deutschen Frauen 
geschrieben. Besorgt von Wieland, Scliiller, Rochlitz und Seume. 
Erster und Zweiter Jabrgang. Leipzig bey Georg Joachim Goschen, 
1805. 1806. Wieland ist nur mit seinem Namen auf dem Titel be- 
teiligt; von 1807 an zog er den Namen zuriick. Vgl. Horn, Briefe an 
S. La Roche S. 329. Planer und Reifimann, Seume S. 45 7 f. 459. 

1240. 

1806 Februar 16. An Maria. Journal des Luxus und der Moden 1806 
S. 162. — Abschrift in Grofiherzogl. Bibliothek Weimar. Handschrift, 
nach Mitteilung von Dr. A. Pick in Meseritz, im Besitz des Weingrofi- 
handlers Heinrich Hiille (in Firma Gebr. Ramann) Erfurt: An Ihre 
Kaiserliche Holieit die Frau GroBfiirstin Maria Erb Princessin von 
S. W. u. E. — Vgl. L. Preller, Ein furstliches Leben S. 98. Freundes- 
gaben f. G. A. II. Burkhardt S. 156. Euphorion 1, 716. 

(1241.) 

1806 Februar. Lied an die Brunquell. Nicht bekannt. Vgl. Freundes- 
gaben f. C. A. II. Burkhardt S. 156. 

1242. 

1806 April 23. An Herrn Direktor Tischbein. Friedr. v. Alten, Aus 
Tischbeins Leben und Briefwechsel. Leipzig 1872. S. 102. 103. Ab- 



schriften: im Grofiherzogl. Ilausarchiv Weimar und im Gocchhausen- 
Nachlafi. Vgl. Freundesgaben f. C. A. H. Burkhardt S. i56f. 

1243. 

1806 Marz — Ilerbst. Vorrede und Anmerkungen zu Melusinens Sommer- 
Abende von Sophie von la Roche, llerausgegeben von CM. Wieland. 
ITalle, im Verlage der N. Societats-Buch- u. Kunsthandlung 1806. Der 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. 83 

Herausgeber an die Leser. Unterz. Weimar am 5 ten September 1806. 
W. 4 Bll. Anmerkungen : S. XV. XVI. 23. 107. 142. 143. 258 teils 
W., teils 11. unterz., 201 nicbt unterz. Nach Bl. i b f. bat Wieland 
grammatikaliscbe Kleinigkeiten des Textes gebessert. — Vgl. Horn, 
Briefe an S. La Roche S. 334 — 345. 

1244. 

1806 Dezember 6. Grabinschrift fur Ofimanstatt. Facsimile der Hand- 
schrift: Journal fur Luxus und Mode 18 13 Tafel zu S. 228. Vgl. 
Deutsche Rundschau 1887 Jhrgg. 13 Hf't. 11 S. 214. 



1245. 

1805 — 1808. Anmerkungen zu Diilons des blinden Flotenspielers Leben 
und Meynungen von ihm selbst bearbeitet. Herausgegeben von C. M. 
Wieland. Erster und Zweyter Theil. Zurich, bey Heinrich GeBner. 
1807. 180S. 1,20. 25. 219. 258. 267^ 271 — 274. 2801". 284. 315. 
319. 370. 382. 390. 437. 2,8. 80. 82. 83. 176. 360. 3961*. 429. 
Wieland an H. Gefiner 19. Januar 1806: er hatte herkulische Arbeit, 
das Originalmanuskript auszubessern, hat vieles, ganze Seiten wegge- 
strichen, Perioden gekurzt, Verbindungen und Ubergange gemacht; lieB 
die Handschrift mit seinen Korrekturen kopieren, schickte ein Drittel 
des 1. Teiles Januar, bis 2. Marz den Rest des ersten Teiles, am 2 1. Juli 

1806 wieder Manuskript. Die Veroffentlichung sollte zur Ostermesse 

1807 erfolgen, wurde durcli Krieg aufgehalten. — Vgl.Weimarer Sonn- 
tagsblatt 1856 S. 425!'. 

1246. 
1807 Februar 15. An die Grofifiirstin Maria Paulowna. Datiert: 
15. Februar 1807. L. Preller, Ein furstliches Leben S. 98. Eigenhan- 
dige Handschrift im Goechhausen-NachlaB. Abschrift von Wilhelmine 
Schorcht im Goethe- und Schiller- Archiv, Emminghaus-Stiftung. — Vgl. 
Freundesgaben f. C. A. H. Burkhardt S. 157. Euphorion 1, 716. — Ein 
Begriifiungsgedicht bei der Ruckkehr der Erbprinzessin nach Weimar 
am 12. September 1807 ist zu erwarten, niir aber nicht bekannt ge- 
worden. 

11* 



84 B. Seuffert: 

1247. 

i 807 September. Anmerkung zu H[insber]g, Probcn aus einer Ubersetzung 

des altteutschen Gedichtes, das Lied der Nibelungen. Unterz. W. Mer- 
kur 3, 17. 18. 

1248 1 . 

1808 Juli. Vorbemerkung zu Hinsberg, Nocb eine Probe einer neuen 
Ubersetzung des Niebelungen Liedes. Unterz. W. Merkur 2, 173. 174. 

1249. 

1809 Februar 10. Aufruf an edlc Menschen-Freunde! Unterz. Wei- 
mar, den 10. Februar 1809. C. M. Wieland, Herzogl. Sachsen Wei- 
marischer Hofrath. Beylage zu No. 12. des Weimarischen Wochen- 
blatts vom 1 1 . Februar 1 809. Uber andere Abdrucke und Verzeichnifi 
der rnilden Beytrage zur Unterstiitzung einer ungliicklichen 
Familie im P**schen vgl. Mitteilungen des osterreich. Vereins fur 
Bibliothekswesen 1906, 10, 7811*. 

1250. 

1809 Oktober 24. Betracbtungen uber den Zweck und Geist der 
Freimaurerei. Von dem E. W. Br. Wieland vorgetragen am Stiftungs- 
feste den 24. Oct. Analecten der gerecbten und vollkommnen Frey- 
maurer-Loge Amalia zu Weimar. Gesammelt von Johannis 1809 bis 
1 8 10 und zum Besten der Armen als Manuscript fur Briider abgedruckt. 
Weimar am Johannis-Feste. 1810. S. 28 — 40 als Nr. III. Eigenbandige 
Handschrift in der Loge zu Weimar. Entwiirfe, eigenhandig in Goethe- 
und Schiller- Archiv, Emminghaus-Stiftung: 12^- SS. 4 und i\ SS. 4 . 
Weitere Drucke: Minerva. Taschenbuch fiir Freimaurer. 1827 u. 1828. 
Berlin 1827. Gedruckt bei A. W. Schade S. 13— 27. Minerva. Taschen- 
buch fur Freimaurer 1828. Berlin. Druck vom Br. Willi. Ludw. 
Wesche in Frankfurt a. M. S. 7 — 21. [Wernekke,] W. und die Loge 
Amalia. Weimarische Freimaurer- Analekten, XIV. Heft. Weimar 1902 
S. 16 — 25. Ich f'uhre diese Drucke bei den Logenreden Wielands an, 
weil einer auf die Handschrift zuriickgreifen konnte. Vgl. R. Fischer, 



1 Die 1808 bei Degen in Wien erscliienene Prachtausgabe des Musarion in Fol. hat Wie- 
land in Briefen bewundert; als echter Druck ist sie nicht anzusehen. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 85 

Deutsche Geistesheroen in ihrer Wirksamkeit auf dem Gebiete der Frei- 
maurerei, Leipzig 1 88 i , S. 99ff. Geiger, Im neuen Reich 1881 Nr. 38. 
Fr. Scholz, Westermanns Monatshefte 1901 Jhrgg. 45 Hft. 539 S.639f. 

1251. 

1809 November. Anmerkung zuHinsberg, Aus dem Liede derNiebelungen. 
Unterz. W, Merkur 3, 133. 134. 

1252 '. 

i8ioJanuar 19. An die Durchlauchtige Prinzessin Caroline. Am 
19. Januar. 18 10. Banddruck. Veroft'entlicht : Journal des Luxus und 
der Moden Februar 1810 S. 9 if. Abschrift von Wilhelmine Schorcht 
im Goethe- und Schiller-Archiv, Emmingliaus-Stiftung. — Uber die 
Uberreichung des Gedichtes: Journal des Luxus 11. d. M. 1810 S. 90. 
Vgl. Freundesgaben f. C. A. H. Burkhardt S. 1 5 7 f . Euphorion 1, 715!'. 
Schroder, Caroline Erbprinzessin von Mecklenburg-Schwerin S. 2 1 f . 
— Goethe, Briefe IV 21, 182. Zeitung fur die elegante Welt 1835 
Nr. 1 30. (Ein Abdruck stent, wie mir Dr. Stumme in Leipzig und Dr. 
Polheim in Graz, die mich mit manchen Nachweisen freundlich unter- 
stiitzten, nachgewiesen haben in Apollonion. Ein Taschenbuch zum 
Vergniigen und Unterricht auf das Jahr 18 10 und 181 1 [von Leon, 
Kreil und Ratschky] Wien, Gedruckt bey Anton Straufi S. 89 — 91, u. 
d. T. Am VerlohniCtage Ihrer Durcld. der Prinzessinn Caroline von 
Sachsen -Weimar mit Seiner Durchl. dem Erbprinzen von Mecklenburg- 
Schwerin. Am 19. Januar, 18 10.) 

1253. 

1810 Februar 16. Merlin's weissagende Stimme aus seiner Gruft im 
Walde Brosseliand am i6ten Februar 1786. Ihro Kaiserlichen 
Hoheit der durchlauchtigsten Frau GroBlurstin Maria Pawlowna ver- 
mahlten Erbprinzessin von Sachsen -Weimar am 16 ten Februar 18 10 
unterthanigst zu FuGen gelegt. 4". Abdruck: Preller, Ein fiirstliches 
Leben S. 101 ff. Vgl. Freundesgaben f. C. A. H. Burkhardt S. 158. Eu- 



1 Einen 4°-Druck der Musarion 1810 fand ich in einem Antiquariatskatalog ange- 
ktindigt; gewifi kein echter Druck. 



SO B. Seuffkrt: 

phoiion i, 7 1 6 f . Journal des Luxns unci der Moden April 1810 S. 202. 
— Zu dem Maskcnzug »V6lkerwandemng« schcint Wieland trotz Goe- 
thes Aufforderung (Briefe IV 21, i82f.) nicht beigesteuert zu liaben. 

1254. 

18 10 Juni. Anmerkung und N. S. [Nacliscbrift] des Herausgebers zu 
J. G. W. Neuendorff, Die Liebe der Waldsanger. Versucb einer treuen 
Ubersetzung aus dem Englischen des Jakob Thomson. Unterz. W. Mer- 
kur 2, 91. 97. 98 '. 

1255. 

181 1. C" Band 39. 181 1. Vgl. Prolegomena I S. 24. Menander und Gly- 
cerion. Geschrieben im Jahre 1 803 . (Voraus Vorbericbt.) Krates und 
Hipparchia. Ein Seitenstuck zu Menander und Glycerion. Geschrieben 
im Jahre 1 804. 

1256. 

1 8 1 1 September 3. Wie verhalt sich das Ideal der Freimaurerei 
zu ihrer dermaligcn Beschaffenheit, und was ist in dieser Riick- 
sicht die Obliegenheit der Gesamtheit derselben sowohl als ihrer ein- 
zelnen Glieder? Weimarische Freimaurer-Analekten XIV. Heft. 1902 
S. 26 — 36. — Nach dem Logenprotokoll wurde die Abhandlung vom 
Br. Wieland iiber die Frage: Was ist das VerhaltniB des Ideals der Frei- 
maurerei zu direr dermaligen Gestalt? am 3. September 181 1 vom Br. 
Weyland verlesen. 

1257. 

1812 nach Februar 11 und vor Marz 6. Verse zur Geburt des ersten 
Sohnes der Prinzessin Caroline v. Mecklenburg. Deutsche 
Dichtung 1890 8, 256 nach der im Besitz der Freiin von Konig in Stutt- 
gart befindlichen eigenhiindigen Handschrift. Ich habe, irregeleitet 
durch cine Beischrift von fremder Hand, das Gedicht, das keine Uber- 
schrift hat, sei an die Prinzessin selbst gerichtet, es a. a. 0. undFreundes- 
gaben f. C. A. H. Burkhardt S. 154!" unter dieser Adresse gegeben. (Und 
danach Schroder, Caroline Erbprinzessin von Mecklenburg-Schwerin 
S. 6f.) Es ist aber zweifellos die Freundesgaben S. 1 58 f. als unbekannt 
bezeichnete Dichtung. 



1 Das Ende des Merkur meldet allein Bottiger in einer Anmerkung zum Dezember- 
lieft 1810 3, 213 und auf einem beigeklebten Zettel. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 87 

1258. 

1812 Oktober 24. Uber das Fortleben im Andenken der Nachwelt. 
EineVorlesung in der Loge Amalia im Orient von Weimar gehalten 
an ibrem 48. Stiftungstage den 24. October 1812 voin Br. Wieland in 
seinem 8osten Jahre. Wieland's Todtenfeier in der Loge Amalia zu Wei- 
mar am 18. Februar 181 3. Gedruckt als Manuscript fur Bruder. Bei- 
lage VII. Eigenhandige Handschrift in der Weimarer Loge. Entwurf 
im Goethe- und Schiller- Arch iv, Emminghaus-Stiftung, 8 SS. 4 . Weitere 
Drucke: Minerva wie Nr. 1 250 S. 28—40 und S. 22 — 34; Weimarische 
Freimaurer-Analekten 1902 Heft XIV S. 37 — 47. — Vgl. Goethes Bricfc 
IV 23, 313. Trotz des Ausdrucks »Aufsatz« bezieht sich die Aufierung 
auf diese Freimaurerrede, wie sich aus Goethes Briefwechsel mit einer 
an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit ergibt; denn Goethe hatte 
Knebel die » Todtenfeier « ubersendet, in der ja die Rede abgedruckt ist. 

2. Bilderschmuck. 

1764. Don Sylvio Nr. 138. Kupfer anf Titelblatt. 

1768. Musarion Nr. 151. Dgl. Von Oser, weil es mit der Manier von 

dessen Radierungen zu Winckelmann, tlber die Nachahmung iiber- 

einstimmt. 

1768. Idris Nr. 152. Dgl. Wohl von Oser. — (Chodowiecki hat Kupfer 
hiezu gezeichnet: Kalender mit Taschenbuch zum Nutzen und Ver- 
gniigen furs Jahr 1790, Lauenburg und Gottingen.) 

1769. Musarion Nr. 154. 7 Kupfervignetten auf Titel und im Text, drei 
davon S. 56. 96. 128 ohne Namen, die ubrigen: auf dem Titel, auf 
S- 3- 59- 99 "Stock fecit. « 

1770. Diogenes Nr. 162. Kupfertitel und 3 Kupferblatter zu Stuck 14. 
35. 37; 9 Kupfervignetten: auf dem Titel, auf S. 73. 109. 147. 165. 
227. 246. 247. 304: alle von Oser. Vgl. Archiv f. Litteraturgesch. 

5> 198. 
1770. Beitrage Nr. 163. Titelkupfer. 
1770. Grazien Nr. 166. Kupfertitel und 6 Kupferblatter; das 1., 2., 3. 

und 7.: Oeser inv. Geyser sc. ; das 5.: G. sc; das 4. und 6. sowie 

8 Vignetten S. 38. 68. 84. 134. 164. 190. 191. 206 ohne Unter- 

schrift. 



88 B. Seuffert: 

i 77 i. Amadis Nr. 168. 19 Kupferblatter, 4 Vignetten auf beiden Titeln 
und als SchluBstiicke ; 13 der Blatter mit Schrift: Oeser inv. 

1772. Don Sylvio Nr. 182. Kupfervignetten auf beiden Titeln, Kupfer- 
bliitter vor jedem Bucli. Nach den Erfurtischen Gelehrt. Zeitungen 
2 1. Juli 1772 S. 435 sind die Kupfer von Mechau erfunden, von Geyser 
gestochen. 

1772. Goldner Spiegel Nr. 183. 4 Kupferblatter, 4 Titelvignetten ; bei 
einem Blatt: G[eyser] sc. 

1773. Agathon Nr. 208. 4 Kupferblatter, 4 Titelvignetten. Das Kupfer 
zum 2. Teil: M[echau] inv. G[eyser] sc. — (Der Gottinger Musen- 
almanacb auf 1773 enthalt Kupfer zum Agathon.) 

1774. Alceste. Siehe zu Nr. 228. Kupfertitel. 

1 78 1. Oberon Nr. 687. Oe. [Oser] del. B. [Bause?] sc. — (Koch, sechs 
Zeichnungen zu Oberon : Merkur 1 800 Intelligenzblatt November, 
S. LX. — Chodowiecki zeichnete 1 2 Bilder 1 2". — Prellers Oberon- 
bilder: Weimars Album S. 302 ff. — Hoffmeister, Ramberg S. 49 
Handzeichnung Nr. 212; es gibt auch ein Aquarell von R., nach dem 
Weinrauch einen Stich gemacht hat. — Neureuther: Deutsche Rund- 
schau August 1885 S. 278. 282. — Clofi u. a.) 

1 78 1. Abderiten Nr. 701. Vor jedem Teil ein Kupferblatt: Mechau del. 
Geyser sc. und auf beiden Titeln Vignetten. 

1786 — 1789. Dschinnistan Nr. 880 ff. 920ft'. 988ft". Kupfervignetten auf 
jedem Titel, vor jeder Erzahlung, im ersten Teil zuweilen auch am 
Schlusse eines Marchens: Schellenberg fecit. 

1789. Oberon Nr. 977 und 1792 Nr. 1079. Kupferblatt: J. M. Kraus del. 
Geyser sc. 

1789. Komische Erzahlungen Nr. 986, vielleicht Nachdruck. Kupfer- 
vignette auf dem Titelblatt. 

1790.' Peregrinus Proteus Nr. 1047. Ein (vielleicht zvvei) Kupferblatter: 
H. Lips inv. et fee. 

1794 — 1802. C 4 Nr. 1150. 1 1 5 3 . 1 1 6 1 . 1169. 1 1 8 1 . 1209. 1210. 1217. 
Vor jedem Bande von C 4 , mit Ausnahme der Supplementbande, ist 
ein Kupferblatt. Die zu Bd. 1 — 28 hat H. Ramberg entworfen und 
gezeichnet; zu Bd. 29. 31. 32 J. Schnorr v. Karolsfeld, zu Bd. 33 — 36 
H. F. Fiiger; vor Bd. 30 steht Wielands Portrat: A. Graff pinx. J. F. 
Bause sc. 1797. Die Steelier sind: J. S. Klauber Bd. 1. 9. 14. 24; 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. 89 

Geyser 2; D. Berger 3. 7. 8. 11; J. F. Bause 4. 13. 17. 30; J. Penzel 
5; CI. Kohl 6. 12. 21. 29; E. G. Kruger 10. 15; H. Guttenberg 16; 
John (vielleicht zweierlei: ein J. und ein H.) 18. 22. 23. 25. 27. 28. 
31 — 36; J. M. Schmuzer 19; H. Lips 20. 26. — Vgl. Hoffmeister, 
Ramberg S. 76 Nr. 319. — Bottiger, Literar. Zustande u. Zeitgenossen 
1, 154. 176: Wieland tadelt Rambergs Kupfer. Mit Recht. — Fiiger: 
Seume, Spaziergang nach Syrakus, 2. Auil. 1805, S.27. — Die Kupfer 
erschienen audi allein: Allgemeine Litteraturzeitung 1800 1, 1 ft'. 9 ft'. 
Spater wurden sie in kl. 8" nachgestochen und vermehrt, fur die 
Grubersche Ausgabe: Kupfer -Sammlung zu Wieland's sammtliehen 
Werken. 49 Blatter. Leipzig und Sorau 1 824 ft'. bey Friedrich Fleischer. 
Vgl. J. G. Gruber, C. M. Wielands Selbst-Scliilderung in der Erlaute- 
rung der die letzte Ausgabe begleitenden Kupfer-Sammlung. Leipzig 
1826, bey Friedrich Fleischer. 
1803. Rosalie Nr. 1226. Kupferblatt: W. Jury, inv. del. et fee. 

1803. Novelle Nr. 1227. Ebenso. 

1804. Krates Nr. 1234. 2 Kupferblatter ; das erste: Fr. Kaiser fee. Weimar. 
1808. Musarion 1808: Anmerkung zu Nr. 1248: Kupfer zu Beginn jedes 

Buches. Agricola del. John sc. 

Es ist moglicb, dafl in den mir vorliegenden Exemplaren lllu- 
strationsblatter fchlen. — Uber verschiedene Bilder zu Wielands Wer- 
ken vgl. Journal des Luxus und der Moden 1801 16, 43 ft*. 1803 18, 
590 f. Auch Pandora auf 1789 Weimar. 0. F. Walzel, Prager deutsche 
Studien 9, W. Schlegel und G. J. Goschen S. 9. Ich liabe die zahl- 
reichen lllustrationen nicht gesammelt, auch die in Nacbdrucken niclit, 
und weise nur auf einzelnes bin. Sie sind nicht nur fur die Beliebt- 
heit einzelner Werke bezeichnend, sondern auch fiir die Anregung lehr- 
reich, die Wieland durcli gesprochene Gemalde den Zeichnern gab. Ein 
in Kunstgeschicbte bewanderter Literarhistoriker findet bier eine dank- 
bare Aufgabe. — Zur Wiederbolung in der neuen Ausgabe empf'ehlen 
sich nur die Zeichnungen von Oeser, allenfalls Proben von Mechau, 
Stock, Schnorr und Fiiger. 

Wielands Portrat: P. Weizsacker, Bildnisse Wielands, Stuttgart 
1893. Nacblese zu den Bildnissen Wielands, Stuttgart 1898. Neue 
Funde, Wieland-Bilder betreffend, Allgemeine Zeitung 1902 Beilage 
Nr. 161. 

VhU.-hist. Klasse. 100!). Anhany. Abh. I. 12 



90 B. Seuffert: 

3. Verteilung der Werke auf neue Bande. 

Abweichungen von der Grundlage der Verteilung, der Chronologie, 
sind wie friiher (vgl. Prolegomena II S. 63 f. Ill S. 43 f.) aus inneren und 
iiuBeren Griinden notwendig ; Kompromisse sind hier noch weniger zu ver- 
meiden als beim Ansatz einzelner Nummern der Chronologie. 

Die Zahlung der Bande schliefit an die der Jugendscliriften an (Prole- 
gomena II S. 66 ff.). Wie hier, so habe ich auch im folgenden die noch nicht 
aufgefundenen Stiicke nicht eingereiht. 

Band 6—9 umfafit die Amtszeit in Biberach und Erfurt. Hier blieben 
Prosa und Poesie tunlichst nach der Zeitfolge gemischt. Musarion mu!3te 
trotz der richtigen Bemerkung Prolegomena I S. 8 durch den einen Band 
fiillenden Agathon von den Komischen Erzahlungen getrennt werden: die 
Gleichzeitigkeit lafit sich eben nicht zum Ausdruck bringen. Selbstver- 
standlich wurden die Erfurtischen gelehrten Zeitungen mit kleiner Ab- 
weichung von der Erscheinungszeit aneinandergereiht. 

Band 10, mit der Ubergangszeit von Erfurt nach Weimar beginnend, 
uberholt in der zweiten Halfte schon die Zeit von Band 1 1 , weil die iiber 
sieben Jahre sich hinziehende Abderitengeschichte nicht beim Anfang der 
Abfassung eingeschoben werden durfte. 

Von Band 1 1 an trennte ich prosaische und metrische Werke ; die 
oft kurzen Versgedichte waren zwischen den Prosastiicken erdrackt worden. 
Parallel zu Band 12. 13 lauft Band 14. 15. 

In diesen beiden Banden habe ich in zeitlicher Folge diejenigen Prosa- 
schriften vereinigt, die Wieland in den Ilauptteil seiner Werke gestellt 
hat. Er hat nicht alles hierher gesetzt, was er schon zuvor fur seine 
Sammlungen prosaischer Schriften ausgehoben hatte, er hat manches dazu- 
gesetzt, was da iibergangen war. Diese sorgsame, iiberarbeitete, allerdings 
nur bis zum Erscheinungsjahr des ersten C-Bandes reichende Auslese durfte 
denn doch nicht zwischen die vielen kleinen Notizen der sonstigen Prosa 
eingeteilt werden, ohne in ihrer Wirkung beeintrachtigt zu werden. 

Was an kleineren Prosaschriftcn Wieland in die Supplemente von C 
gab oder nicht in C aufnahm, folgt in den Banden 21 — 25, deren Inhalt 
also wieder synchronistisch zu Band 12. 13 und Band 14. 15 und zu 
den Prosadichtungen, Werken und Reden in Band 16 — 20 verlauft. Diese 
Summe, eine Art Supplemente, unter denen aber mancher fur C zu spat 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 91 

gekommene bedeutende Aui'satz sicli findet, an den SchluB zu stellen, ist 
auch aus technischen Griinden niitzlich: ihr Umfang lafit sich nicht be- 
rechnen, weil der Herausgeber erst feststellen mufi, wieviel er aus den 
Artikeln mitteilen mufi, zu denen Wieland Anmerkungen und Zusatze ge- 
fiigt hat. Die Verteilung, die ich nach Schatzung vorlaufig vorgeschlagen 
habe, kann einen Band zuviel, aber auch einen Band zuwenig beanspruchen. 
An der Zeitfolge ist festzuhalten. Sie durch Gruppenbildungen zu durch- 
brechen, wie ich Prolegomena I S. 9 in Aussicht genommen hatte, um den 
Merkur als Kinheit erscheinen zu lassen, empfiehlt sich nicht; es macht 
keinen wesentlichen Unterschied, ob Wieland den Merkurbeitrag eines 
Fremden oder das Buch eines andern einfiihrt und erlautert, ob er Vor- 
berichte zum Merkur oder zu seinen Sammlungen, ob er fur jenen oder 
fur eine andere Zeitschrift schreibt. 

Nur weniges glaubte ich ausschalten und in Anhange verweisen zu 
sollen: 1. Alles was sich lediglich auf den Debit des Merkurs bezieht. 
2. Alles was nicht eine dauernde Einrichtung des Merkurs ankiindigt, 
sondern nur eine nebensachliche redaktionelle Mitteilung ist und iiberdies 
keinerlei Meinungsaufierung enthalt, also z. B. die Verschiebung eines Ar- 
tikels aufs nachste Heft betrifft. Benierkungen mit einein Urteil, sei es 
auch nur nebenher gefallt und ohne besonderen Wert, bleiben im Haupt- 
text; und wo solche Anmerkungen bei einem Stiicke mit rein redaktio- 
nellen gemischt sind, kommen alle dahin. 

In die Anhange aller Bande, nicht blofi der letztcn, wird gestellt: 
1 . Alles was bisher nur vermutungsweise Wieland zugeschrieben wird. 
Hier mufi der Herausgeber noch selbstandig untersuchen, in den Haupt- 
text aufnehmen, was er als Gut Wielands erkennt, aus den Anhangen 
streichen, was Wieland abzusprechen ist. 2. Der handschriftliche Nachlafi, 
soweit er nicht in die Lesarten eines Werkes zu verarbeiten ist. 3. Akten- 
stiicke, Gutachten', Personliches. Man hatte hieraus einen eigenen Band 
bilden und ihm die Anstellungs-, Entlassungs- und Auszeichnungsurkunden 
sowie das Verzeichnis der Wielandschen Bibliothek beifugen und den Band 
durch das Generalregister fiillen konnen. Ich halte fur richtiger, die Ur- 
kunden (wie auch Stammbuchblatter) den Briefen anzugliedern, die von 



1 Nr. 565 habe ich, weil sie Krfurter Verhaltnisse behandelt, am Schlusse des Bd. 9 
vorweggenonimen. 

12* 



92 B. Seuffert: 

Wieland verfafiten Gutachten den Werken clironologiscli anzuhSngen und 
diesen auch das »Verzeichnifi der Bibliothek des verewigten Herrn Hof- 
raths Wieland, welche den 3. April 1815 und die folgende Tage .. zu 
Weimar offentlich versteigert werden soil. Weimar 1814a, jedoch in al- 
phabetischer Ordnung beizugeben sowie auch die clironologiscli gereihtcn 
Daten aus den Ausleihbuchern der Weimarer Bibliothek' : sie sind Hilfs- 
mittel literarhistorischcr Bearbeitung der Werke, wie die Subskribenten- 
verzeichnisse wichtige Zeugen fur ilir Publikum sind; beides gehort zu 
dem Apparat. 4. Endlich ist es wunschenswert, dafi im Anhang Proben der 
Kompositionen der Wielandschen Singspiele und Kantaten gegeben werden. 
Wieland war musikalisch genug, seine Dichtungcn fiir den vorgesehenen 
Komponisten und die erwarteten Sanger einzurichten ; die kiinstlerische 
Gestalt der Dichtung wird also zuni Teil aus der Komposition erklart und 
ihre Wirkung auf die Zeitgenossen ist danach zu beurteilen. 

Die Prolegomena IV vorgezeichneten Grundsatze der Herausgabe be- 
durfen einiger Erganzungen. 

Der Text wird von Band 6 ab in der jiingsten Fassung abgedruckt, 
also nach C (C 37 — 39), wo dieses felilt, nach A oder B oder sonstiger 
ecliter Veroffentlichung. Das zieht die Irrefubrung nach sicli, dafi der 
spat iiberarbeitete Text in die Zeit der ersten Gestaltung gesetzt wird : die 
Lesarten bringen die Berichtigung hierfiir. Unebenheiten sind nicht zu 
vermeiden; z. B. erscheint der nachmals unterdruckte Ganymed in alter 
Fassung neben den wiederholt durchgefeilten anderen Komischen Erzah- 
lungen. 

Vor die Texte treten die alteren Vorreden, auch sie in ihrer spatesten 
Fassung. Da ich nicht alles kollationieren konnte, babe ich vielleicht Vor- 
berichte doppelt gebuclit und starkerc Umarbeitungen als neue Vorreden 
betrachtet. Hier und sonst — denn es werden sich in die mit vielen 
Unterbrechungen verfafite Bibliographic Unebenheiten und Irrtiimer trotz 
aller Achtsamkeit eingeschlichen haben — wird der Herausgeber meine An- 
gaben verbessern. 



1 Nach v. Bojanowskis Mitteilnng ist in der GioBlierzogl. Bibliothek in Weimar ein 
Akt vorhanden, worin die der Bibliothek gehorigen Werke in Wielands BiichernachlaB von 
Vulpius verzeichnet sind. — Die Jenaer Universitatsbibliothek besitzt keine AnsleihbOcher 
aus jener Zeit. — A\is der Dresdner Bibliothek hat Wieland eine Tristan-Handschrift ent- 
lielien; ob auch anderes weifi ich nicht. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 93 

Was zum Verstandnis Wielandischer Zusatze und Amnerkungen notig 
ist, wird in kleinerer Schrift dem Texte vorangedruckt; der Herausgeber 
hat die lieikle Aufgabe zu losen, zwischen dem Zuviel und Zuwenig das 
richtige Ma6 zu treffen; uberall soil der Benutzer der Ansgabe Wielands 
Worte vollig verstehen kdnnen, ohne auf den Originaldruck zuriickzugreifen. 

Stuckc ohne oder ohne geniigende Uberschrift sind verstandlich zu 
betiteln (ohne Klammern; was der Herausgeber neu zugibt, wird in den 
Lesarten kenntlich gemacht). Bei alteren Vorreden ist das Datum des 
ersten Erscheinens beizufiigen. Wo die Titel der verschiedenen C-Drucke 
voneinander abweichen, wird die Fassung des Druckes gewahlt, der dem 
ganzen Texte zugrunde gelegt wird (vgl. Prolegomena I S. 15). Wo zwischen 
der Fassung des Titels im Texte und im Inhaltsverzeichnis der Druck- 
vorlage Unterschiede bestehen (z. B. C25, bei Titelblatt und Inhalt von B, 
bei den Inhaltsverzeichnissen auf den Heftumschlagen und am Schlusse 
der »Vierteljahre« und Bande des Merkur), wird die vollere Form gewahlt. 
Text und neues Inhaltsverzeichnis bekommen die gleiche Titelfassung, die 
Unterschiede werden nur in den Lesarten vermerkt. Hier sind auch die 
Titel der Sammelbande von C beim ersten Stuck der Reihe zu verzeichnen, 
ebenso die Stelle, die jedes Werk in einer Sammlung einnimmt. Inter- 
punktion und Abkiirzungen der Titel sind einheitlich zu regeln, z.B. C 25. 
Die Abulfauarisstiicke werden zum rlaupttitel »Beytrage zur geheimen Ge- 
schichte der Menschheit* wieder dazugezogen, sie sind in C nur wegen 
der Ubcrfiillung des Bandes 14 abgetrennt worden. Die Ankiindigungen 
und Titel der Fortsetzungen fallen weg, sind aber, wenn sie verschiedenen 
Wortlaut haben, wie haufig im Merkur, bei den Lesarten zu buehen. Wo 
eine Fortsetzung versprochen wird, aber nicht folgt, wird die Bemerkung 
im Texte mitgeteilt, damit der Leser sofort erkennt, daB er ein unvoll- 
endetes Stiick vor sich hat. 

Die Miscellaneen, Anzeigen u. dgl. im Merkur sind bald romisch, bald 
arabisch beziffert: so audi Unterteile in C, z. B. Band 24. 25 romisch. 
14. 15 arabisch. Die Ungleichheit ist zu beseitigen und uberall das ara- 
bischc Zahlenzeichen zu bevorzugen (wie ja audi von Band 6 ah alle Antiqua- 
Vorlagen in Fraktur abgedruckt werden). auBer wo der Zifrcnrwechsel ver- 
schiedene Grade der Einteilung anzeigt. 

DaB in den Lesarten die Doppeldrucke der Firmen Orelli-Gessncr und 
Weidmann zu beachten sind, ergibt sich aus der Einlage nach Nr. 152. 



94 B. Seuffert: 

Bei den ErlSuterungen der kleinen prosaischen Schrifteu ist auf die 
wiederholte Behandlung der gleiclien Sache, z. B. der Anzeige eines weitei-en 
Bandes desselben Buches. zu verweisen: hierfiir hat Duntzer durch seine 
sachliche Ordnung der Hempelausgabe und durch Anmerkungen reichlich 
vorgearbeitet. 

SchlieBlich sei bemerkt, dafi diese Prolegomena die Herausgeber nicht 
eigener Nachforschung entheben. Trotz fast dreifiigjahrigen Sammelns ist 
mir gewiB einzelnes entgangen. Handschriften werden noch auftauchen, 
nachdem nun endlich die Aufmerksamkeit auf Wieland gelenkt ist. Der 
Bottiger-Nachlafi in der Kgl. offentl. Bibliotliek zu Dresden und im Ger- 
manischen Nationalmuseum zu Niirnberg war zu der Zeit, als ich ihn 
durchgesehen habe, noch nicht vollig geordnet. Er kann so gut noch 
einiges bergen (z. B. die Handschrift zu Nr. 1234), als in der Stadtbibliothek 
zu Zurich und im Schaffhausener Gefiner-Nachlafi manches von dem uner- 
miidlichen Prof. Dr. Julius Brunner gefunden worden ist, was mir nicht 
vorgelegt worden war. Die Mainzer Zensurakten konnen AufschluB fiber 
die unterdriickten sechs Bogen der Nr. 183 geben, die Leipziger Zensur- 
akten viber die in ihrem Bereich verlegten Biicher. Solche neuen Funde 
werden der Ordnung in Banden, wie ich sie nun fur die Werke von 1 762 
bis zu Wielands Tod vorschlage, leicht einzufiigen sein. 

Band 6. 

1. Nadine. Nach Nr. 1 153 der Chronologie. — Lesarten: Nr. 135 (Schmids 

Vorerinnerung ist abzudrucken). 159 (= 129. 130). Heinse, Anm. 1 
zu Nr. 313 ist vielleicht zu beachten. 

2 . Don Sylvio. Nach Nr. 1 1 6 1 . Voraus : Nachbericht des Herausgebers 

Nr. 138. An die Leser Nr. 182. — Lesarten: Nr. 138. 182. 

3. Komische Erzahlungen. Diana, Aurora, Paris nach Nr. 1 1 5 3. Juno 

nach Nr. 149. Voraus: Cajus Plinius Secundus an seinen Freund 
Ariston Nr. 141. — Lesarten: Nr. 141 (zuerst h, dann 141, danach 
allenfalls Anm. 2 zu 141). 149. Vielleicht 158. 313. Dazu etwa 
Heinse, Anm. 1 zu 313. 837. Vielleicht 986. Dann 1010. 

4. Zuschrift an David Biedermann Nr. 145. Vgl. Nachtrag unten S. 109. 

Anhang: AktenmaBige Erzahlung Nr. 134. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 95 

Band 7. 
Agathon. Nach Nr. 11 50. Voraus: Vorbericht zur ersten Ausgabe Nr. 
1 150. An die Leser Nr. 208. Vorbericht zur neuen Ausgabe Nr. 
1 1 50. Tiber das Historische Nr. 11 50. — Lesarten: Nr. 142. 146 
(die stilistischen Anderungen im Druckfehlerverzeichnis sind zu buchen). 
208 (zuerst H). Vielleicbt 1 194. Anhang zu Lesarten : Ankiindigungen 
in Erfurtische gelehrte Zeitungen 1772 S. 198ft*. und Deutsche Litte- 
raturdenkmale 7. 8. 1 7 3 f" . 47 2 f. 657. Subskribentenverzeichnis Nr. 208. 

Band 8. 

1. Aspasia. Nach Nr. 1153. Voraus als Vorbericht die Anmerkung S. 1 20 

von Nr. 143. — Lesarten: Nr. 143. 446. 837. Vielleicbt 986. Dann 
1010. 

2. Krdengliick. Nach Nr. 1153. — Lesarten: Nr. 144. 160 (= 129. 130). 

3. Idris. Nach Nr. 11 69. Voraus: An Herrn P. R. in E. Nr. 152. Vor- 

rede Nr. 1169. — Lesarten: Nr. 147. 152. 858. 1078. 

4. Endymions Trauni. Nach Nr. 150. — Lesarten: Vielleicbt Nr. 150a. 

5. Musarion. Nach Nr. 1153. Voraus: An Herrn Weific Nr. 154. — Les- 

arten: Nr. 151. 154. Vielleicbt 161. Dann 169. 837. 987. Vielleicbt 
1203. 

6. Psyche. Nach Nr. 11 53. Voraus: An Herrn WeiBe Nr. 165 S. 191ft'. 

Vorbericht Nr. 1 1 53. — Lesarten: Nr. 155. 165. 272. Vielleicbt Nr. 
1204. 

7. Prolog zu Soliman. Nach Nr. 157. 

8. Sokrates mainomenos. Nach Nr. 1161. Voraus: Vorbericht und Zusatz 

Nr. 1 161. — Lesarten: Nr. 162. 187. Vielleicbt 710. 

9. Beitrage zur geheimen Geschiehte der Menschheit. Nach Nr. 1 1 6 1 . 

Voraus: Vorbericht Nr. 163. Stuck 1 — 5 aus C14, dann 2 Stixcke 
Abulfauaris aus C15. — Lesarten: Nr. 163. Zu Stuck 5: Nr. 468. 
846. 1 136. 
Anhang: Nachricht iiber den Katasterismos Nr. 148. 

Band 9. 
1. Conibabus. Nach Nr. 1 153. Voraus: Vorbericht Nr. 1 1 5 3 • — Lesarten: 
Nr. 164. 314. Etwa Anm. 1 zu Nr. 566. Dann 837. Vielleicbt 986. 
Dann 1010. 



9fi B. Seuffert: 

2. Grazien. Nach Nr. 1153. Voraus: An Danae Nr. 1 1 53. — Lesarten: 

Nr. 166. 

3. Amadis. Nach Nr. 11 50. Voraus: An drei Kunstricliter Nr. 167. Motti 

und Vorberichte zur ersten und neuen Ausgabe Nr. 1 1 50. — Les- 
arten: Nr. 168 (77, 177101- Druck, Merkur, Korrekturexemplar). 

4. Leben ein Traum. Nach Nr. 1153. — Lesarten: Nr. 170. 218. 446. 

837.987- 

5. Amor. Nach Nr. 11 50. Voraus: An den Leser Nr. 281. Vorbericht 

Nr. 1 1 50. — Lesarten: Nr. 192 (Dazu aus der Zuschrift S. 8f„). 281. 
282. 568. 837. 987. 

6. Gedanken iiber cine alte Aufschrift. Nach Nr. 1161. — Lesarten: 

Nr. 172. 

7. Vorwort und Anmerkungen zu S. La Roche, Sternheim. Nach Nr. 169. 

8. Erfurter gelehrte Anzeigen: Nr. 156. 171. 173. 177 — 181. 185. 189. 

Anhang: 1. Erfurter gelehrte Anzeigen: Nr. 156a. Einlage a — dd nach 
Nr. 177. 2. Universitatsakten: Einlage nach Nr. 161 und Nachtrag 
unten S. 109. Nr. 565 A. 3. Erziehungsplan Nr. i8877. 

Band 10. 

1. Der goldne Spiegel. Nach Nr. 11 53. Voraus: Der Herausgeber an 

den Leser Nr. 183. Zueignungsschrift und Einleitung Nr. 1 1 5 3. Am 

Schlusse: Nr. 184. — Lesarten: Nr. 183. 

2. Ballet Idris. Nach Nr. 186. 

3. Aurora und Ballet. Nach Nr. 190. 191. — Lesarten: T. Merkur 1773 

1. 34- 

4. Alceste. Nach Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 194 und T. Merkur 1773 

1, 6 if. 2, 22 1 ft". Nr. 209. 236. 

5. Bricfe iiber Alceste. Nach Nr. 200. Danach: Nr. 212. 228. 262. — Bei 

Lesarten Hinweis auf T. Merkur 1773 2, 221 und Nr. 229. 

6. Celia = Chloe. Nach Nr. 1 1 53. — Lesarten: Nr. 198. 

7. Wahl des Herkules. Nach Nr. 1181. Voraus: Vorbericht Nr. 219. 

Zum SchluB: Nr. 220. — Lesarten: Nr. 214. 215. 219. 220. 237. 

8. Neujahrswunsch. Nach Nr. 238. 

9. An Mde. Koch. Nacli Nr. 239//: siehe Nachtrag unten S. 109. — Les- 

arten: Nr. 239 kaum notig. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgale. 97 

10. Epitaphium fur Landgrafin Karoline. Nach Nr. 269 und Nachtrag 

unten S. i09f. 

11. Die erste Liebe. Nach Nr. 11 53. — Lesarten: Nr. 270. 271. 446. 

837.987- 

12. Midas. Nach Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 310. 

13. Das Kamel. Nach Nr. 349. 

Anhang: Musikprobe zu Alceste Nr. 228. Hinweis auf Nr. 262. 



Band 1 1. 

1. Abderiten. Nach Nr. 1169. Voraus: Vorbericht Nr. 385. Einleitunt>' 

zum 2. Teil Nr. 385 S. 226ft'. An den Leser Nr. 539. Auszug aus 
einem Schreiben Nr. 548. Vorwort Nr. 649 S. 81 — 87. Nachschrii't 
Nr. 652 S. 2 1 1 ft', (richtig 227ft'.). Vorbericht Nr. 1169. — Lesarten: 
Nr. 233. 234. 385. 539. 569. 649. 701. Zum »Schliissel« ist zu kol- 
lationieren Nr. 233 3, 3 51'. Nr. 385. 

2. Stilpon. Nach Nr. 1161. — Lesarten: Nr. 283. 

3. Danischmende. Nach Nr. 1 1 53. Voraus: »Keine Vorrede« Nr. 1153. — 

Lesarten : Nr. 311. 

Band 1 2. 
Dichtungen I. 1775 — 1779. 

1. Sixt und Klarchen. Nach Nr. 1 153. Voraus: Vorbericht Nr. 1 153. — 

Lesarten: Nr. 329. 446. 837. 987. 

2. Seraphine. Nach Nr. 356. 

3. Titanomachie. Nach Nr. 1 1 93. Lesarten: Nr. 370. 

4. Die jiingste Niobetochter. Nach Nr. 382. 

5. Wintennarchen. Nach Nr, 1 1 69. Voraus: Prolog Nr. 1169. — Les- 
arten: Nr. 383. 493. 858. 1049. 

6. An AmalieTischbein. Nach Nr. 387. — Lesarten: Nachtrag unten S. 1 10. 

7. An Psyche. Nach Nr. 446. — Lesarten: Nr. 388. 

8. Gandalin. Nach Nr. 1 169. Voraus: Versschema und Prolog Nr. 1 169. 

— Lesarten: 413. 446. 493. 837. 1010. 

9. Roseinunde. Nach Nr. 1 1 8 1 . Voraus: Vorbericht der 1. Ausgabe Nr. 

1181. — Lesarten: Nr. 443. 444. 567. 622. 
Phil.-hist. Klasse. 190!). Anlumg. Abh. I. 13 



98 B. S E U F F E R t : 

10. Geron. Nach Nr. i 169. Voraus: An den Leser Nr. 1 169. Zum SchluC: 

Erlauterungen Nr. 493. — Lesarten: Nr. 447. 493. 858. 1049. 

11. Sommermarchen. Nach Nr. 1169. — Lesarten: Nr. 483. 493. 568. 

858. 1049. 

12. An Olympia. Nach Nr. 1 1 53. — Lesarten: 497. 568. 837. 987. 

13. Vogelsang. Nach Nr. 1169. — Lesarten: Nr. 502. 568. 858. 1049. 

14. Philosophic endormie. Nach Nr. 1 135. Voraus: Prologus Nr. 568. — 

Lesarten: 503. 568. 919. 

15. Hann. Nach Nr. 1169. — Lesarten: Nr. 505. 858. 1049. 

16. An Anna Amalia. Nach Nr. 522. 

17. Schach Lolo. Nach Nr. 1 1 5 3 . — Lesarten: Nr. 525. 568. 858. 1049. 

18. Pervonte. Nach Nr. 1169. Voraus: Einleitung Nr. 526. — Lesarten: 

Nr. 526. 858. 1049. 

19. Stabat mater. Nach Nr. 579. 

20. Pandora. Nach Nr. 1 193. Voraus: Vorbericht Nr. 1 193. — Lesarten: 

Nr. 596. Korrekturexemplar. 

Anhang: 1. Edwin Nr. 415. 2. An Chesterfield Nr. 437 a: Nachtrag 
unten S. 1 10. 3. Logogryphe Nr. 5 10 und 521. 4. Charaden Nr. 523. 
524. 5. Musikprobe zu Rosemunde Nr. 444. 

Band 13. 
Dichtungen. II. 1780 — 18 12. 

1. Oberon. Nach Nr. 1169. Voraus: Widmung Nr. 686. An den Leser 

Nr. 1 169. Vorrede Nr. 977. Zum SchluB: Glossarium Nr. 1169. — 
Lesarten: Nr. 618. 619. 687. 858. 977. 1049. 1079. Etwa 1238. 
Hinweis auf Nr. 614. 

2. Auf Maria Theresia. Nach Nr. 660. 

3. An Olympia. Nach Nr. 1049. ~ Lesarten: Nr. 661. 858. 1049. 

4. Cantate an Luise. Nach Nr. 666 oder 667. 

5. An Olympia. Nach Nr. 1153. — Lesarten: Nr. 704. 751. 858. 1049. 

6. An Olympia. Nach Nr. 1 1 53. — Lesarten: Nr. 711 (zuerst H). 

7 . An Olympia. Nach Nr. 712 H. 

8. Clelia. Nach Nr. 1169. Voraus: Einleitung Nr. 1169. — Lesarten: 

Nr. 760 (zuerst H und h). 809. 831. 919. 1135. 

9. An Anna Amalia. Nach Nr. y6iH. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausyabe. 1)9 

10. An Karl August. Nacli Nr. 762 H. 

11. Auf den Herzog von Wurtemberg. Nach Nr. 765/1. 

12. Auf Franziska von Hohenheim. Nach Nr. 766 A. 

13. Cantate auf den Erbprinzen. Nach Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 771 

(zuerst H). 

14. Villoisons Gedicht auf den Erbprinzen. Nach Nr. 773. Voraus: Ein- 

leitung Nr. 772. — Lesarten: Nr. 772. 

15. An Olympia. Nach Nr. 810H. 

16. Marc Aurel. Nach Nr. 1193. — Lesarten: Nr. 824. 

17. An Olympia. Nach Nr. 11 53. — Lesarten: Nr. 840 H. 

18. An Mde. Ackerinann. Nach Nr. 890. 

19. An Olympia. Nach Nr. gi\H'. — Lesarten: H 2 . 

20. Epigramm. Nach Nr. 914. 

21. An den Freiherrn von Manteufel. Nach Nr. 948. 

22. An Olympia. Nach Nr. 949//. 

23. An den Herzog von Braunschweig. Nach Nr. 956//. 

24. An einen Prinzen. Nach Nr. 957//. 

25. An Anna Amalia. Nach Nr. 1011/Z. 

26. An Olympia. Nach Nr. 1153. — Lesarten: Nr. 1040 (zuerst II). 

27. An Olympia. Nach Nr. 1071 Prometheus oder II'. — Lesarten: IP. 

28. Wasserkufe. Nach Nr. 1169. Voraus: Prolog Nr. 1 169. — Lesarten: 

Nr. 1 1 5 2 . 

29. An Olympia. Widmungsverse. Nach Nr. 1153a. 

30. An Anna Amalia. Nach Nr. 1162H. — Lesarten: h. 

31. An die Fiirstin zu Wied. Nach Nr. 1200. 

32. An Karoline. Nach Nr. 1225. — Lesarten: II h. 

33. An Maria Paulowna. Nach Nr. 1235. — Lesarten: Taschenbuch. 

34. An Maria Paulowna. Nach Nr. 1240. 

35. An Tischbein. Nach Nr. 1242. — Lesarten: h'h*. 

36. Grabinschrift. Nach Nr. 1244. 

37. An Maria Paulowna. Nach Nr. 124.6 If. — Lesarten: h. 

38. An Karoline. Nach Nr. 1252. — Lesarten: h Journal. 

39. Merlin. Nach Nr. 1253. 

40. An Karoline. Nach Nr. 1257//. 

Anhang: 1. Idee zu einem allegorischen Gemalde Nr. 12 14. 2. Musik- 
probe zur Kantate Nr. 771. 

13' 



100 B. Seuj-fert: 

Band 14. 
Prosaische Schrif'ten. I. 1774 — 1783. 

1. Ober altere Singspiele Alceste. Nacb Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 229. 

2. Unterredungen. Nach Nr. 1181. Voraus: An den Leser Nr. 341. — 

Lesarten : Nr. 341. 

3. Versuch fiber das deutsche Singspiel. Nach Nr. 1181. — Lesarten: 

Nr. 353. 

4. Bonifaz Schleicher. Nach Nr. 1161. — Lesarten: Nr. 420. 846. 11 36. 

5. Ideale der Alten. Nach Nr. 1 169. — Lesarten: Nr. 486. 846. 1136. 

6. Richard LOwenherz. Nach Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 500. 

7. Nachtrag zur Rosemunde. Nach Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 504. 

8. Was ist Wahrheit? Nach Nr. 1169. Voraus: Nr. 511. — Lesarten: 

Nr. 512. 513. 846. 1 1 36. 

9. Philosophic als Kunst zu leben. Nach Nr. 1 169. — Lesarten: Nr. 514. 

846. 1 136. 

10. Rousseau -Anekdote und Nachtrag. Nach Nr. 1161. Vor dcm Nach- 

trag einzuschalten Nr. 624. 625. — Lesarten: Nr. 623. 886. 1 1 36. 

11. Beitrag zu Deutschlands Flor. Nach Nr. 1161. — Lesarten: Nr. 626. 

886. 1 136. 

12. Dialoge im Elysium. Nach Nr. 1169. — Lesarten: Nr. 653. 654. 713. 

886. 1 136. 

13. Zeitkurzungsspiele. Nach Nr. 1169. — Lesarten: Nr. 662. 846. 1136. 

14. Hang zur Magie. Nach Nr. 1169. — - Lesarten: Nr. 692. 886. 1136. 

15. Gesprache fiber Weltbegebenheiten. Nach Nr. 1 161. — Lesarten: Nr. 

724. 725. 886. 1 136. 

16. Briefe an einen jungen Dichter. Nach Nr. 1169. 1193. — Lesarten: 

Nr. 732. 733. 825. 886.1136. Hinweis auf Nr. 815. 

17. Antworten und Gegenfragen. Nach Nr. 1 1 8 1 — Lesarten: Nr. 788. 
Anhang: Zu Stuck 14 dieses Bandes: Nr. 693. 

Band 15. 
Prosaische Schriften. II. 1783 — 1 794. 

1. Aeropetomanie. Nach Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 803. 

2. Aeronauten. Nach Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 811. 

3. Rechte und Pflichten. Nach Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 873. 

4. Lustreise ins Elysium. Nach Nr. 11 Si. — Lesarten: Nr. 937. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 101 

5. tlber den freien Gebrauch derVernunft. Nacli Nr. 1181. Voraus: An 

den Leser und An H. P. X. Y. Z. Nr. 1 18 1 . — Lesarten: Nr. 960. 979. 
980. 996. 

6. Nicolaus Flamel. Nach Nr. 1181. Voraus: Einleitung Nr. 1181. — 

Lesarten: Nr. 970. 

7. Kosmopoliten-Orden. Nach Nr. 1 181. Voraus: Einleitung Nr. 1 181. — 

Lesarten: Nr. 974. 

8. Unterredung. Nach Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 1004. 

9. Pythagorische Frauen. Nach Nr. 1169. — Lesarten: Nr. 1005. 

10. Ehrenrettung dreier beriihmter Frauen. Nach Nr. 1 169. — Lesarten: 

Nr. 1006. 1007. 10 1 3. 

11. Kosmopolitische Adresse. Nach Nr. 1181. -- Lesarten: Nr. 1008. 

12. Erbadel. Nach Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 1035. 

13. Sendschreiben an Eggers. Nach Nr. 1 181. — Lesarten: Nr. 1082. Hin- 

weis auf Nr. 1092. 1 107. 1 108. 

14. Republik. Nach Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 1 104. 

15. Gegenwarti»e Lage. Nach Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 1110. 

16. Patriotismus. Nach Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 1119. 

17. Worte zur rechten Zeit. Nach Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 1129. 

18. Krieg und Frieden. Nach Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 1 146. 



Band 16. 
Dschinnistan. 

1. Ankundigung. Nach Nr. 866. 

2. Vorreden. Nach Nr. 880. 988. 

3. Nadir. Nach Nr. 881. 

4. Adis. Nach Nr. 882. 

5. Neangir. Nach Nr. 883. 

6. Stein der Weisen. Nach Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 884. 

7. Timander. Nach Nr. 885. 

8. Himmelhlau. Nach Nr. 920. 

9. Zweig. Nach Nr. 921. 

10. Salamandrin. Nach Nr. 1 1 8 1 . — Lesarten: Nr. 922. 

11. Alboflede. Nach Nr. 923. 

12. Pertharit. Nach Nr. 924. 



102 B. Seuffekt: 

13. Armleuchter. Nach Nr. 989. 

14. Greif. Nach Nr. 990. 

15. P;ilast der Wahrheit. Nach Nr. 991. 

Band 17. 

1. Peregrinus Proteus. Nach Nr. 1 181. Voraus: Vorrede zur 1. Ausgabe 

und Auszug aus Lucian Nr. 1181. — Lesarten: Nr. 972. 975. 993. 
1047. 

2. Gottergesprache. Nach Nr. 1 169. — Lesarten: Nr. 1042. 1037. 1043. 

1048. 1 i 14. 
Anhang: Zu Stuck 2: Nr. 1201 H. 

Band 18. 
i. Agathodamon. Nach Nr. 1 209. Voraus: Hegesias an Timagenes Nr. 
1209. — Lesarten: Nr. 1177. 1182 (zuerst II). 

2. Gesprache unter vier Augen. Nach Nr. 1209. — Lesarten: Nr. 1 1 95 

(zuerst H). 1 1 97. 1202. 

3. Aristipp. Erstes Buch. Nach Nr. 12 10. Am Schlufi: Erklarendes 

Verzeichnis Nr. 12 10. — Lesarten: H. Dazu Widmung an die Her- 
zogin Nr. 1 2 10. 
Anhang: Zu Stuck 3: Nr. 1192//. 1201a H. i2ioi/, soweit nicht in den 
Lesarten verwendet. 

Band 19. 
Aristipp. Zweites bis viertes Buch. Nach Nr. 12 10. 121 7. Am Schlusse 
des 3 . Buches : Erklarendes Verzeichnis Nr. 1 2 1 7 . 

Band 20. 

1. Hexameron. Nach Nr. 1237. — Lesarten: Nr. 1222. 1226. 1228. 

1229. 1227. Hinweis auf Nr. 1223. 

2. Menander. Nach Nr. 1255. Voraus: Vorbericht Nr. 1255. — Lesarten: 

Nr. 1 230. 

3. Krates. Nach Nr. 1255. — Lesarten: Nr. 1234. 

4. Euthanasia. Nach Nr. 1236. 

5. Zweck und Geist der Freimaurerei. Nach Nr. 1250. — Lesarten H' H*. 

6. Ideal der Freimaurerei. Nach Nr. 1256. 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 103 

7. Fortleben im Andenken. Nach Nr. 12582!*. — Lesarten: //' (Ent- 
wurf). Todtenfeier. 
Anhang: Zu Stuck 1: Nr. 1237a. 

Band 21. 
Kleine Schriften. I. 1773 — 1 776. 

Nr. 193. 197. 199. 201 — 207. 210. 211. 213. 216.' 217. 221 — 223. 
225 — 22S. 230 (Nr. 229 in Bd. 14). 231. 241. 1193 (Was ist cine 
schone Seele? Lesarten: Nr. 242). 243. 1 1 93 (Cicero iiber Perspektive. 
Lesarten: 244). 245. 246. 232. 249. 250. 252 — 261. 263 (Nr. 262 
in Bd. 10). 264 — 268. 273 — 275. 277 — 280. 293. 297. 298. 300. 
301. 308. 309. 316. 1 193 (Wort des Pompejus. Lesarten: 317). 
1 193 (Verhaltnis des Angenelimen und Schonen zum Niitzlichen. Les- 
arten: 318. 320. 846. 1 1 36). 1 193 (Plato. Lesarten: 319). 1193 
(Amadis de Gaule. Lesarten: 321). 1 193 (Die Kunst aufzuhoren. Les- 
arten: 322). 1193 (Polyxena. Lesarten: 323. 846. 1136). 324 — 326. 
327 zweite Halfte. 328. 330. 335 — 337. 340.342. 1 193 (Dow fiber 
Fakire. Lesarten: 343). 1 1 93 (Dow fiber Brahminen. Lesarten: 344). 
I 1 36 (Skalden und Barden. Lesarten: 345. 886). 346 — 348. 350 bis 
352- 354- 357- 3 6 4— 3 6 9- 372 — 381. 389—394. 396—412. 414. 
416 — 418. 1136 (Aesopus und Solon. Lesarten: 419. 846). 421 bis 
428. 432 — 434. 436. 437. 440. 441. 1 136 (Erasmus. Lesarten: 442. 
846). 

Anbang: 1. Debit des Merkur: Nr. 196. 240. 299. 315. 386. 2. Redak- 
tionelle Einzelheiten aus dein Merkur: Nr. 195 Merkurtitel und Motto 
(Lesarten: Titel bis 1S10). 224. 251. 284. 339. 371. 395. 404. 
429 — 431. 435- 3- Wieland obne Sicberheit zugeschriebene Stficke: 
Nr. 247. 248. 276. 285 — 292. 294 — 296. 300 Anm. 1. 302 — 307. 
326 Anm. 1. 331—334. 338. 355. 358—363. 43 8 - 439- 

Band 22. 

Kleine Schriften. II. 1777 — 1779. 
Nr. 446 (Vorbericht). 452-454. 1 1 36 (Perron und Sarpi: Lesarten: 455. 
886). 456—467. 469—475. 477 — 479. 481. 482. 484. 487—491. 
494—496. 498. 499. 501. 507 — 509. 529— 538. 1 193 (Forsters Welt- 
reise. Lesarten: 540. Hinweis aufNr. 538. 635). 1193 (Bunkeliade. 



104 B. Seuffert: 

Lesarten: 541. Ilinweis auf 485. 573). 542 — 547. 549 — 553. 555. 
556. 558- 563- 564- 570—573- 580-582. 585—590- 594- 595- 601. 
606 — 608. 610. 612. 614 — 616. 
Anhang: 1. Redaktionelle Einzelheiten aus dem Merkur: Nr. 451. 476. 
480. 492. 559. 591. 592 und Anm. 599a. 2. Wieland ohne Sicher- 
heit zugeschriebene Stucke: Nr. 485. 506. 515 — 520. 527. 528. 
554- 557- 560—562. 574—578. 583- 584- 593- 597 — 599- 600. 
602 — 605. 609. 611. 613. 617. 

Band 23. 

Kleine Schriften. III. 1780 — 1785. 

Nr. 632— 635. 637. 641 — 646. 655. 656. 662 (mit Ausschlufi von Merkur 1 , 
50 if. 135 ft'., die in Bd. 14 iibergingen; Thresor de l'ame und Belials- 
prozefi nachNr. 1193 mit Lesarten: 662). 657. 659. 1136 (Wie man 
liest. Lesarten: 663. 846). 664. 665. 669. 671. 674 — 676. 1193 
(Christine v. Pisan. Lesarten: 677. 886. 11 36). 1193 (Konigin von 
Navarra. Lesarten: 678. 886. 11 36). 1193 (Loyse Labe. Lesarten: 
679). 1 193 (Pernette du Guillet. Lesarten: 680). 744 — 747. 681. 
683. 684. 689 — 691. 1 193 (Athenion. Lesarten: 694). 695. 696. 
697 A. 698 h oder nach Taschenbuch. 6ggH. 700. 702. 705. 714. 
720. 727. 730. 735. 748. 749. 750 (Lesarten: 764). 1 1 93 (Was ist 
Hochdeutsch? Lesarten: 752. 778). 753— 759. 764 der erste Absatz. 
770. 776. 780. 783. 784. 789. 799. 800. 802. 805. 807. 812. 813. 
815. 826—828. 832. 834. 835. 987 (Vorrede. Lesarten: 836). 838. 
839. 841. 843. 847. 848. 850—852. 854. 856. 857. 859—862. 
868—872. 874—876. 879. 

Anhang: 1. Debit des Merkur: Nr. 620. 743. 763. 768. 814. 877. 878. 
2. Redaktionelle Einzelheiten aus dem Merkur: Nr. 621. 658. 668. 
673. 685. 688. 707. 708. 718. 719. 726. 728. 729. 767. 769. 777. 
782 808. 837a. 844. 849. 853. 855. 3. Wieland ohne Sicherheit 
zugeschriebene Stucke: Nr. 627 — 631. 636. 638 — 640. 647. 648. 
650. 651. 670. 672. 682. 703. 706. 715 — 717. 721 — 723. 731. 

734- 73 6 —742. 749a. 774- 775- 779- 781. 785—787- 790— 798- 
801. 804. 806. 816—823. 829. 830. 833. 842. 845. 863—865. 
4. Verbesserungen zu Anna Amalias Psyche Nr. jogH. Anteil an 
Kcinholds Herzenserleichterungen Nr. 867 wenigstens zu verzeichnen. 



Prolegomena zu einer Wieland -Amyabe. 105 

Band 24. 
Kleine Schriften. IV. 1786 — 1 79 1 . 
Nr. 887 — 889. 892 — 894. 896 — 899. 901. 903. 905 — 907. 909. 916. 
918. 925—930. 932— 936. 938—942. 944—947. 950—955. 958 
bis 959a. 961. 962. 964—967. 969. 973. 976. 978. 982 — 985. 
99 2 - 995- 997- 99 s - 1001 — 1003. 1009. 1012. 1014 — 1018. 1020 
bis 1022. 1024 — 1033. 1038. 1041. 1044 — 1046. 1049a — 1070. 
1073— 1077. 

Anhang: 1. Debit des Merkur: Nr. 1019. 1023. 2. Redaktionelle Einzel- 
heiten aus dem Merkur: Nr. 895. 902. 910. 912. 913. 917. 931. 
943. 968. 971. 981. 994. 1034. 1039. 3. Wieland ohne Sicherheit 
zugeschriebene Stiicke: Nr. 891. 900. 904. 908. 915. 963. 999. 1000. 
1036. 4. Gutachten iiber Verlagsverhaltnis Nr. 107 2 H. 

Band 25. 
Kleine Schriften. V. 1792 — 1810. 

Nr. 1080. 1081. 1083 — 1093. io 95 — iio 3- 1 105 — 1109. 1 1 1 1 — 1 1 1 3 . 
1 1 1 5 — 1 1 1 8 . 1120 — 1 1 2 3. 1 1 25 — 1 1 28. 1130 — 1 1 34. 1 1 3 7 — 1 1 45. 
1147 — 1 150 (Vorbericht). 1 1 5 1 . 1 1 54 — 1 160. 1 1 63 — 1167. 1 1 68. 
1 170 — 1 176. 1 178. 1 183. 1 184 (Lesarten: H). 1184a. 1186. 1 1 88 
bis 1 191. 1 196. 1198. 1 199 (Lesarten H). 1205. 1206. 1207 (Les- 
arten: H). 1208. 121 1. 1213. 1 2 1 5. 1216. 1 2 1 8. 1 2 19 (Lesarten: H). 
1220 (Lesarten: //). 1221 (Lesarten H). 1232. 1233. 1243. 1245. 
1247 — 1249. 1 25 1. 1254. 

Anhang: 1. Redaktionelle Einzelheiten aus dem Merkur: Nr. 1094. 11 24. 
1167a 1 1 79. 1 185. 1 187. 2. Wieland ohne Sicherheit zugeschriebene 
Stiicke: (Einlage nach Nr. 1 1 76). 11 80. 121 2. 1 23 1 . 3. Adversaria 
Nr. 1 1 92//. 4. Revolution von Syrakus Nr. 1201a H. 

Anhang zu den Lesarten: 1. Beforderer von C 2 " 4 Nr. 1 150. 2. Wielands 
nachgelassene Bibliothek. Ausleihregister der Weimarer Bibliothek. 

Inhaltsverzeichnis und Register zu alien Banden. 



Phil.-hist. Klasse. 190V. Anhany. Abh. I. 14 



OG B. Seuefert: 



Nachtrage zu Prolegomena II, III und V. 

(Vgl. Prolegomena III 8.49!'.) 

Zu Proleg. II. Fur Nr. 8 vgl. Ermatinger, Die Weltanschauung des jungen 
Wieland. Frauenfeld. 1907. 

Nr. 12. Eine Abschrift bot 1907 A. Lorentz, Leipzig, Biichermarkt Nr. 66 
als Beiband zu Nr. 1045 Briefe von Verstorbenen 1753 aus. 

Nr. 14. Sielie Mitteilungen des osterreich. Vereins fur Bibliothekswesen 1906 
Jhrgg. 10. Heft 2 S. 76!?. — Vgl. M. Doll, Studien zur vergleich. 
Literaturgesch. 1908 8, 4016°. 

Nr. 27. Die Handsehrift ist in den Besitz des Schwabischen Schillervereins 
iibergegangen. 

Nr. 35. Die Handsehrift ist wold Reinschrift: Euphorion 14, 232. 

Nr. 39 und 40. Vgl. Teutscher Merkur 1778 2, 283. 

Nr. 43. Die Handsehrift ist von Bodmer geschrieben. Mitteilung von 
Julius Brunner in Zurich. 

Nr. 48 Einlage d) und 

Nr. 58 siehe unten bei Nr. 97. 

Nr. 68. Eigenhandige Handsehrift Wielands in der Stadtbibliothek Zurich. 
Mitteilung von J. Brunner. — Danach also, und nicht nach Rings 
Abschrift, wie S. 75 angegeben werden muBte, ist die Anzeige zu 
drucken. 

Nr. 7 2 . Wie zu Nr. 1 2 . 

Vor Nr. 75 und S. 75 nach Stuck 13 ist einzureihen: Erwiderung Wielands 
auf J. G. P. Mollers Anzeige der Abhandlung vom Noah (Freymuthige 
Nachrichten, 6. November 1754). Eigenhandige Handsehrift Wielands 
in der Stadtbibliothek Zurich. Mitteilung von J. Brunner, der audi 
feststellte, daB sie in den Freymuthigen Nachrichten nicht veroffent- 
licht wurde. (Vermutlich wegen der gleichzeitigen Grandisonfehde.) 
Bei den 3 Blattern (1 Doppelblatt und 1 einfaches) dieser Hand- 
sehrift liegt noch 1 einfaches Blatt von Wielands Hand. Der Text 
beginnt: »Es herrscht seit geraumer Zeit«; und die Erwiderung hat 
auch mit »Es« anfangen sollen, das eine Zeile fiir sieh bildet und 
gestrichen wurde. Das Einzelblatt konnte der Entwurf einer Ein- 






Prolegomena zu einer Wieland- Ausyabe. 107 

leitung zu der Erwiderung sein, Aveil auch cs sich gegen Kritiker 
wendet, die, oline Grunde anzufuhren, verurteilen. Aber ich weifi 
nicht, ob Wieland Grund hatte, Moller einen »beruhmten« Mann zu 
nennen; gegen einen solchen wendet sich der Entwurf gerade, als er 
mitten im Satze abbricht, nachdem vorher Leute von Ansehen, Ruhm 
und Titeln allgemeiner angegriff'cn worden sind. Zu Nr. 70 oder 88 
kann sie nicht gehoren, weil sie nicht ironisch ist noch Briefform hat. 

Nr. 75. Hr. stud. Arthur Hordorft* in Leipzig hat in einer noch ungedruckten 
Arbeit nachgewiesen, dafi zum Grandison in Gorlitz Satze und Satz- 
teile aus Leipziger und Ziiricher Zeitschrif'ten, Werken und Brief en 
verwendet sind. Darauf ist bei den Erlauterungen zu achten. 

Nr. 77. Wieland bekennt sich als Verfasser der Dunciade Teutscher Merkur 
1797 1, 201. Vgl. Bottiger, Literar. Zustande und Zeitgenossen 1, 221. 

Nr. 79. Die Handschrift ist jetzt in der Stadtbibliothek Zurich. 

Nr. 84. Gesicht des Mirza bildet aueh das erste Stuck der Versuche in 
moralischen Erzahlungen 1757, Leipzig, Laukische Buchhandlung. 
Kaum mit Wielands Erlaubnis. 

Nr. 97. Johannes Leo, Johann George Sulzer und die Entstehung seiner All- 
gemeinen Theorie der Schonen Kiinste, Berlin 1907, vermutet S. 67 fur 
die Artikel »Naiv« und Gedanken iiber die Idylle unter dem Schhig- 
wort »Hirtengedicht« Wielands Verfasserschaft: Sulzer, Allg. Theorie 
der Sclionen Kiinste, Leipzig 1 7 7 1 , Erster Theil S. 538. 539; 1774, 
Zweyter Theil S. 804 —-80S. Mit Rucksicht auf Nr. 58, die dadurch 
zugleicli erledigt wird, ist die Urheberschaft Wielands fur den Artikel 
Naiv gesichert; er ist also S. 74 in Band 4 nach Stiick 7 oder nach Stiick 
15 einzureihen. Die Gedanken iiber die Idylle nuissen mit Nr. 48 Ein- 
lage d), fiir die Wielands Autorschaft zu priif'en bleibt, verglichen wer- 
den; die Berufung auf <lie Minnesanger erregt wei>;en der verwandten 
Nr. 59 kein Bedenken: Bachtold, Geschichte der deutschen Litteratur 
in der Schweiz S. 588 nimint allerdings den Artikel Hirtengedicht ganz 
fur Bodmer in Anspruch. Dieses Stiick ist also etwa als Anhang zu 
Band 4 mitzuteilen. 

Nach Nr. 103 und S. 75 Band 4 nach Stiick 16 ist einzureihen: Neuer Vor- 
bericht zu Der Tod Adams Ein Trauerspiel. Zweyte Auf'lage 1757. o. 0. 
Unterz. Wieland. Vgl. Mitteilungen des osterreich. Vereins f. Biblio- 
thekswesen 11, 97 ft". 



108 B. Skuffert: 

Nr. 104. Vgl. MeiBner, Bodmer als Parodist. Diss. Leipzig. Naumburg a. Saale 

1904 S. 39 ff. 
Nacli Nr. 109 und S. 76 Band 5 nach Nr. 7 ist einzureihen: Theorie und 

Greschichte der Redekunst. Anno 1757. Conradi Ottii. Giitige Mit- 

teilung von Prof. Dr. Julius Bruiincr in Zurich voni i3.Dezember 1905. 

Vgl. Nationalzeitung Berlin 1907 Nr. 200 Erich Schmidts Bericht in 

der Gesellschaft fiir deutsche Litteratur voni April, wo auch von einer 

weiteren Nachschrift: »t)bersicht iiber die vornehmsten Staaten Europas « 

die Rede ist. 
Nr. 112. Den Druck des Gesprachs weist mir Dr. H. Heidenheimer in Mainz 

freundschaftlich in der Zeitung fur die elegante Welt 1829 Nr. 193 nach. 
Nr. 1 1 5 und Proleg. Ill S. 50. Die Nachrichten des Verfassers der Empfin- 

clungen eines Christen. An die Leser der Bibliothek der Schonen Wissen- 

schaften und freyen Kiinste sind nun gedruckt Euphorion 14, 2286°. 
Nr. 117. Nach einem undatierten Briefe Wielands an Breitinger verlangte 

dieser von ihm die Ubersetzung der Apologie des Sokrates. 
Nach Nr. 119. Nach Heinsius existiert ein Druck der Empfindungen eines 

Christen. Zurich, Cefiner 1759. Wohl Sonderabdruck aus Nr. 119. 
Nach Nr. 124. 1m Oktober 1759 schreibt Wieland an Breitinger: »Nur 

nehnie ich die Freyheit Ihnen den Plan einer Schrift zu schicken, an der 

ich, wenn selbiger Dero Beyfall erha.lt, diesen Winter arbeiten mochte.« 

Der Plan liegt nicht mehr bei dem Briefe. 
Seite 60. Die Hoffnung auf Aufschlusse aus den Ziiricher Zensurakten war 

triigerisch; Prof. Dr. J. Brunner hat sie auf meine Bitte freundlichst 

durchsucht und nichts gefunden. 
Zu Proleg. Ill vgl. R. Ischer, Ein Beitrag zur Kenntnis von Wielands Uber- 

setzungen. Euphorion 14,242 ft'. 
Nr. 33. Vgl. Stemplinger, Wielands Verhliltnis zu Horaz. Euphorion 13, 

473 ft". Ders., Das Fortleben der Horazischen Lyrik seit der Renaissance, 

Leipzig 1906, zeigt, wie viel Wieland den Oden des Horaz verdankt; im 

Register sind die Stellen aus Wielands Werken fur die Erlauterungen 

vieler Bande aufzuschlagen. 
Nr. 46. Ankiindigung von Wielands Ubersetzung der Sammtlichen Werke 

des Lucians. Teutscher Merkur Anzeiger Marz 1788 S. XXXI. Nicht 

unterz., aber von Wieland. Ist in die Lesarten zu Band 7 aufzu- 

nehmen. 



Prolegomena :u einer Wieland-Ausyabe. 109 

Nr. 78. Zur Einleitung unci zu den Anmerkungen zu Die Panegyrische Rede 
des Isokrates sind Druckfehler verzeichnet : Heftuinschlag S. 3 des Neuen 
Teutschen Merkurs April 1796, wo auch die Beilage einer Landkarte 
von Hellas fur das 2. Heft des Museums versprochen wird. Diese Be- 
merkungen erlauben auch die genauere Datierung des Druckes. 

Nr. 92. Druckhandschrift von Sclireiberhand aus Gefiners Nachlafi in Stadt- 
bibliothek Zurich. Mitteilung von J. Brunner. 

Nr. 93. Druckhandschrift von Sclireiberhand. Ebenda. Mitteilung von 
J. Brunner. 

Nr. 96. Bruchstiick der Druckhandschrift von Sclireiberhand. Ebenda. Mit- 
teilung von J. Brunner. 

Nr. 99. 100. Cicero-Handschriften. 1. 2 SS. 4 Cicero's Briefe an Atticus. 
Nr. 537 des Ratal. 99 von Max Harrwitz, Berlin 1905. 2. Neue Abschrift 
zu Band 4 S. 52S — 530 im Besitz des Vereins fur Runst und Altertum 
in Biberach a. RiB. Freundliche Mitteilung von H. Reinhold Schelle 
daselbst; ihm verdanken die Prolegomena uberhaupt ergiebige F5rde- 
rung. 3. Eigenhandige lis. Wielands. 2 SS. 4", zu Band 5 S. 8 — 10, 
im Besitz der Public Library of the City of Boston. Mass. U. S. A. 
Den Nachweis und ein Photogramm der lis. verdanke ich der Giite des 
H. L. Mackall in Baltimore. 4. Ilandschriftliches Stuck aus einer 
Vorrede und ein halbes Blatt Obersetzung. Stargardt, Berlin, Rata- 
log 226 Nr. 1075!". Mitteilung von Karl Polheim. — Fur Cicero vgl. 
R. Ideler. Zur Sprache Wielands. Sprachliche Untersuchungen im An- 
schluB an Wielands Obersetzung der Briefe Ciceros, Berlin 1908. 

Zu Proleg. V. Nr. 145. Rlob, Schubart, Ulm 1908 S. 103!'. schreibt 
Schubart den Angrifl" auf Wieland zu : kaum mit Recht. 

Einlage nach Nr. 161. Bericht Wielands an die Regierung zu Erfurt, die 
Ernennung einiger Professoren betr., d. d. Erfurt 18. August 177 1: 
H. A. Erhard, Oberlieferungen zur vaterlandischen Geschichte alter 
und neuer Zeit, Magdeburg 1827, Heft 2 S. 1 14 — 125. Mitteilung des 
mehrfach hilfreichen II. Dr. Emmerich Gerhard Stumme in Leipzig. 

Nr. 239. Eigenhandige Handschrift Wielands »An Alceste«, vollstandiger 
als der Druck. In Besitz von Carl Schiiddekopf in Weimar, dem ich 
auch andere freundscliaftliche Unterstutzung verdanke. 

Nr. 269. Ein Druck mit romischen Majuskeln in inskriptionsmaGiger Weise 
wurde auf Wielands Bestellung von Bertuch hergestellt, wie ich aus 
PhU.-hist. Klasse. li)09. Anhang. Abh. I. 1") 



110 B. Seuffert: Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. 

undatierten Stiicken des Briefwechsels beider (ungedruckt) ersehe. Der 
Druck, den Wieland zur Revision erhielt, sollte nach Karlsruhe ge- 
sendet werden, wo die Tochter der Landgrafin lebten. Vielleicht ist 
er also im dortigen Hausarchiv oder im liessisclien zu Darmstadt zu 
finden. — Freund Heinrich Heidenheimer in Mainz unterrichtet mich, 
dafi es nur ein Denkmal der Landgrafin gibt, das im Herrengarten 
zu Darmstadt errichtete, von Friedrich d. Gr. gestiftete, mit der be- 
kannten lateinischen Inschrift. 

Nr. 387. An Madem. Amalie Tischbein. Unterz. W. den 16. Jenner. Fak- 
simile der Handsclirift : Deutsche Dichterhalle, hg. von Oskar Blumen- 
thal, Leipzig, Hartknoch, 1873 S. 150. Mitteilung von Dr. Stumme. 

Nach Nr. 437 ist einzureihen: Nr. 437 a. An Mylord Chesterfield. Skizze 
von Wielands Hand. Gedruckt: Erich Schmidt, Sitzungsberichte der 
Kgl. PreuBischen Akademie der Wissenschaften 1909 S. 2141". 



Arbor iuris ties friiheren Mittelalters 
mit eigenartiger Komputation. 



Von 



Prof. emer. Dr. MAX CONRAT (COHN) 

in Heidell>erg. 



Phil.-hist. Klaxse. 1909. Anliany. Abh. II. 



Vorgelegt von Urn. Brnnner in der Sitzung der phil.-hist. Klasse am 27. Mai 1909. 
Zuin Druck verordnet am 10. Juni 1909, ausgegeben am 2ti. August 1909. 



i. Cod. Vatic. Lat. 1352 Sacc. XI enthalt die zuletzt von Maafien 1 
ausfiihrlicher beschriebene gallische Kanonensammlung in vier Buchern. 
Innerbalb des 4. Buches 2 findet sich als Fol. 62 ein Blatt, das sicli durch 
SuBerliche und innerlicbe Merkmale als ein Einscbiebsel der Handschrift 
kennzeicbnet. Aufierlich insbesondere durcb kleineres Format und diinneres 
Pergament sowie durch jiingere, indessen schwerlich iiber die Wende des 
1 1 . Jahrhunderts hinausgehende Schriftziige, wie es auch einen besonderen 
Stempel der Vatikanischen Bibliothek besitzt. Innerlich, indem es den 
Verlauf des Textes durch vollige Unzugehorigkeit des Inhalts unterbricht. 
Dieser Inhalt ist, sovveit ich sehe, bis heute in der Literatur unbeachtet 
geblieben, besitzt indessen, wie mir scheint, einiges Interesse, so da6 sich 
eine ihm gewidmete Untersuchung, wie sie den Gegenstand der folgenden 
Abhandlung bildet, wohl rechtfertigen lJiBt. 

2. Das Blatt enthalt ein sogenanntes Stemma cognationum und, sich 
daran anschlieGend, eine darauf beziigliche Ausftihrung. Ich wende meine 
Auftnerksamkeit zunachst dem ersteren zu, das sich auf der Vorderseite 
iles Blattes befindet. Es llifit sich, wie ja Stemmata so having die Figur 
eines Baumes haben, seine Gestalt gleich falls als ein solcher auffassen ! , 



1 Gesch. d. Quellen u. (1. Lit. d. can. Rechts im Abendl. I 852(7. 

- Das vierte Buch, das sich audi allein, und zwar im AnschluB an die Dacheriana, 
findet, ist herans^fKetien von K. L. Ricliter, Marburger Programm 1843 unter dem Titel 
I)e antiqua canontim collectione, (]uae in (^odd. Vat. 1347 et 1352 continetur. net- Text ist 
nacli Cod. Vatic. 1347 wiedergegeben, unter Berucksichtigung der in Cod. Vatic. 1352 sich 
fiudenden Aliweichungen in der Note. Dazu gehort die Einfiigung einer Konstitution des 
Codex Justinianus (4, 66, 2) zu Kap. 301, wobei zu bemerken ist, daB sie die Gestalt der 
Suinma Perusina hat. 

a Obschon es an dergleichen, wie bliitterahnlichen, von den Schnittlinien der auBeren 
Quadrate auslaufenden Zeiclien, lehlt. .Solche finden sich z. B. in Cod. Vercell. (vgl. S. 6). 

1* 



M. Con rat : 



tritavi pater 
tritavie mater 

VII 












tritavus 
tritavia 

VI 


tritavunculus 
trimatertera 

VII 




abavus 
abavia 

V 


abavunculus 
abinatertera 

VI 


abavunculi 

abmatertere 

filii 

VII 




atavus 
atavia 

II1I 


adavunculus 
admatertera 

V 


adavunculi 

admatertere 

filii 

VI 


adavunculi 

admatertere 

nepotes 

VII 








proavus 
proa via 

III 


proa vun cuius 
promatertera 

IIII 


proavunculus a 

promatere 

filii 

V 


proavunculus a 

promatertere 

nepotes 

VI 


proavunculi 

promatertere 

pro nepotes 

VII 






avus 
avia 

11 


avunculus 1 ' 

magnus mater- 

tera magna 

III 


propius c sobri- 

nus propia 1 ' 

sobrina 

IIII 


sobrini 
8obrine 

filii 

V 


sobrini 

sobrine 

nepotes 

VI 


sobrini 

sobrine 

pronepotes 

VII 




pater 
mater 

I 


avunculus 
niatertera 

II 


consobrimis 
consobrina 

III 


consobrini 
consobrine 

filii 

IIII 


consobrini 

consobrine 

nepotes 

V 


consobrini 

consobrine 

pronepotes 

VI 


consobrini 

consobrine 

ad nepotes 

VII 


filius 
filia 

I 


das i 


" Lies proarmi 
id durchstricheu 


■idi. b Die 
' Lies pr 


Handsclirift bat adttvunculus, j 
o/mns. '' Lies propria. 




nepos 
neptis 

11 




pronepos 
proneptis 

III 


edoch 


adnepos 
adneptis 

1111 




abnepos 
abneptis 

V 




trinepos 
trineptis 

VI 




trinepotis 

filius 

trineptis filia 

VII 





Arbor iuris des friiheren Miltelalters. 5 

freilich nicht als ein vollstandiger Baum, sondern als das aus Stamm und 
reenter Seite bestehende Teilstiick eincs Baumes; demgemaft wird dann 
auch in jenem begleitenden Texte die Darstellung als Arbor bzw. als Pars 
media »eines« Arbor — Jurist enbrauch gil>t dem Worte in dieser Verbindung 
mannliches Geschlecht — bezeichnet. Das Nebenstebende gibt ein Bild dieser 
Darstellung, das sich nur in den Mafien und in den Schnorkeln niclit streng 
an die Vorlage bait und unzweideutige Abkiirzungen aufiSst, wozu noch 
zu bemerken ist, daG sowobl die Ziffcrn, die den je ein Quadrat ein- 
nehmenden Vervvandtenklassen, und zwar iiberall, beigefiigt sind, als auch 
die Bezeichnungen dieser Klassen in den mit der Ziffer sieben charakteri- 
sierten Quadraten mit Minium geschrieben sind. Soweit der Text fiir 
fehlerhaft gelten mu6, ist hierauf in der Note hingewiesen. 

3. Indem ich micb einer Betrachtung unseres Stemma zuwende, be- 
ginne ich mit dem Hinweis auf den zu allererst ins Auge fallenden Saeh- 
verhalt, dafi es niclit einen vollstandigen, sondern nur einen balben Stamm- 
baum darstellt. Von vornberein ist dann anzunelnnen, dafi das Stiick von 
einer einen vollstandigen Arbor darstellenden Figur aligeteilt wurde, wie 
dieser Umstand iiberdies in der auf den Arbor bezuglichen Erorterung aus- 
drucklich anerkannt ist (1 arborem . . subdividere curavimus). Hierauf weist 
indessen auch der Inbalt des Stemma selbst, insofern er sich in der Seiten- 
linie lediglich mit der von der Aszendenz weiblichen Geschlechts abstanirnen- 
den Verwandtschaft beschaftigt; muBte dies als das Ergebnis einer Be- 
schrankung, die sich der Urheber eines Stemma selbst auferlegt, sehr 
sonderbar erscheinen, so verrat die auf Einbeziehung der durch die mann- 
liche Aszendenz vermittelten Verwandtschaft gerichtete Absiclit der Um- 
stand, dafi im Stamme neben den weiblichen Aszendenten die mannlichen 
aufgefiihrt werden, z. B. Pater und Avus neben Mater und A via. Es ist 
dann aber der ganze Arbor, von dem unser Stuck abgetrennt ist, sogar 
erhalten geblieben, und zwar stellt sich schon ohne eine auf Vollstandig- 
keit gerichtete Nachforschung, die sich schwerlich der Miihe lohnen wurde, 
eine reiche Uberlicferung heraus. Einmal findet sich dieses Stemma 
in Handschriften von Isidors Etymologien, und zwar gegen SchluB des 
neunten Buches, von wo aus es in die Ausgaben iiberging' und so ins- 



1 Ich habe eingesehen die Ed. .1. B.Perez et J. Grial, Madrid 1599, ferner I) 11 
Breul, Paris 1601. und Lindemann in Otto, Corpus Grninm. Lat. III. 



6 M. Con rat: 

besondere audi in tier des Arevalo (III 450) bzw. deren Abdruck bei 
Migne, Patrol. Eat. (82, 361 und 362), unter der Uberschrift De gradibus 
generis humani, als zweites der den SchluB des sechsten Kapitels von 
Bucb 9 bildenden drei Stemmata zu linden ist. Es begegnet dann weiter in 
Handschriften des Breviars, woraus es Haenel in seine Ausgabe dieses 
Rechtsbuchs (Lex Romana Visigothorum hinter S. 457 Forma II) aufge- 
nommen hat'. Ferner hat es sich aber auch vereinzelt in sonstigen Hand- 
schriften erhalten, wie 2 in Cod. 122 des Kapitelarchivs von Vercelli Saec. X 
(Fol. 1 5 7 r ) 3 un d m einer Handschrift der Exceptiones Petri, dem Cod. 
Taurin. I) V 19 Saec. XII (Fol. 96 v )'. Eine Wolfenbiittler Handschrift, Cod. 
83. 2 1 Aug. 2 (2855) Saec. X. enthall (Fol. 1 72') das Stemma in einer spiiter 
(S. 23) noch zu beriihrenden eigenartigen Verbindung. Einigermafien lafit 
sich schliefllich eine weitere tlberlieferung in den die Bestrafung der Nonne 
Duda betreffenden Erorterungen der Akten des zweiten Konzils von Douci 
vom Jahre 874 erblicken'; denn die darin einem Arbor iuris legis Ronianae 



1 Die Ubereinstimmung init dem genaiinten Stemma in den Etymologien ist von 
Haenel, a. d. i. Text a. O. S. XXIV, erkannt. 

2 Auf diese tlbereinstimmung mit dem genannten Stemma in den Etymologien ist von 
mir in Geseh. d. Quellen u. Lit. d. Rom. Rechts im friili. Mittelalt. 1 631 (Nachtrag zu S. 316, 
4 unter a hingewiesen. 

3 In einer Handschrift von Juliani Epit. 

4 Mit dem Stemma in den Etymologien ist das des Cod. Taurin., welche Handschrift 
hier mit der alten Signatur (II II 5) bezeichnet wird, zusammengestellt von Schrader, 
Instit. libri IV zu I. 3, 6, 9 (Krit. Note, unter Schema geneal. [S. 452]). Es mag noch er- 
wahnt werden, daB auch die Prager Handschrift des Petrus (zu 1, 6) nach Stintzing, 
Gesch. d. popul. Lit. d. lom.-kan. Reclits in Dentschl. S. 151, Note 2, ein entsprechendes 
Schema enthalt. Man selie ferner Sitz.-Ber. d. Kgl. Bair. Akad. d. Wissensch. 1869 I 12 und 12a. 

5 Ich lasse den beziiglichen Text nach Mansi, Sacr. Conci!. Nova et Ampl. Coll. XVII 
285. der aufSirtnond zuriickgeht, und nur in der Interpunktion abweichend, folgen. Kon- 
jekturen, wo er mir entweder der handschriftlichen ^ r orlage niclit zu entsprechen oder eine 
fehlerhafte Vorlage benutzt zu haben sclieint, lasse ich in Klammern folgen. Et arbor iuris 
legis Romanae. ecclesiasticis concordans legibus. a praecedenlibus et subsequentibus. dextra 
laevaque, usque ultra (ad) septimum gradum neminein nemini legaliter sociari permittit et 
filii, qui ex t;i!i coniugio iiascuntur, in hnereditatem secundum legalem censuram legitime 
non adniittuntur. Sciendum est etiam, quia propinqui filii vel filiae ex ]>arte patris agnati 
vocantur, ex parte autem matris cognati appellantur, et patris frater vel soror patruus et 
amita, patrui vel amitae filius patruelis, patrui vel amitae filia amitina, et sic agnatio ex 
parte patris usque ad septimam generationem vadit. Frater matris avunculus dicitur, soror 
matris matertera, avunculi vel materterae filius consobrinus, avunculi vel materterae filia 
consobrina, consobrinae filius sobrinus consobrini vel consobrinae filia sobrina (consobrini 



Arhor iuris des frukeren Mitlelalters. 7 

zugeschriebenen Ausfuhrungen zeigen in ganz eharakteristischen Punkten 
eine vollkommene Obereinstimmung mit unserem Stemma, so daB man 
ersteren fur dieses wird halten miissen 1 . DaB nun dieses Produkt der voll- 
standige Arbor iuris ist, von dem das Stiick der vatikanischen Handschrift 
abgetrennt wurde, lftfit sicli mit Sicherheit dartun: denn es ist in der Tat 
ein Arbor iuris, und /.war ein neben den Verwandten in der direkten 
Linie, die Verwandtschaft, um es kurz auszudriickeiv sowohl Kx parte 
patris als audi Kx parte matris umfassender, somit vollstandiger Arbor; 
wenn sodann die reelite Tliilf'te dieses vollstandigen Arbor, die die von 
der Aszendenz weiblichen Geschleclits abstammenden Verwandten auffuhrt, 
mit unserem Stueke der vatikanischen Handschrift identisch ist, wie sollte 
dann niclit die linke, die die durch die Aszendenz mannlichen Geschleclits 
vermittelte Verwandtschaft einschlieBt, diejenige Partie sein, die mitjener 
den vollstandigen Arbor gebildet hat, zurnal wo sicli jene linke Halfte, 
wie sich ergeben wird (vgl. den folgenden Abschnitt), als vollkoinmen der 
Darstellung der rechten Halfte gemaB aufgebaut erweist, und sich die be- 
riilirte Aufnahme der Aszendenten mannlichen Geschleclits im Staimn sehr 
einiacli als aus einem zweiteiligen, zur Linken die mannlichen, zur Rechten 



vel consobrinae filiu.s filia statt consobrinae filhis - — sobrina), et sic cognatio ex parte matris 
usque ad septimam generationem procedit. Patris pater avns, avi pater proavus, proavi 
pater abavus, abavi j>ater atavus, atavi pater tritavus, tritavi pater pater tritavi vocatur. 
Matris muter avia, aviae mater proa via, proaviae mater abavia, abaviae mater atavia, ataviae 
mater tritavia, tritaviae mater mater tritaviae dicitur. Avi Crater propatruus, propatrtii Alius 
propatruelis, et sic ex parte avi cognatio usque ad septimam vadit generationem. Aviae 
frater maior (magnus) avunculus, aviae soror matertera magna, avunculi (a. magni) lilius 
proprius sobrinus, materterae (m. uiagnae) filia propria sobrina, inde sobrini et sobrinae 
(s. tilii), et sic usque ad septimam generationem cognatio ex parte aviae vadit. 

1 Der Arbor iuris legis Romanae sing, wie sicli aus dem Note 5 (S. 6) abgedruckten Texte 
ergibt, nach oben und nach unten (a praecedentibus et subsequentibus), zur Rechten und 
zur Linken, bis zum siebenten Grad und liatte. wie sich aus der Hervoi'hebung des Gegensatzes 
von Seitenverwandten Kx parte patris und Kx parte matris und dementsprechender Aufzahlung 
der Verwandten schliefien liiBt, einen darauf basierten Aufbau. Ungenannt bleiben von der 
Seitenverwandtschat't Frater und Soror nebst deren Deszendenz. Die gleiclien Krscheinungen 
kehren, wie sich im folgenden Abschnitt zeigen wird, in dem Arbor iuris, der den Gegen- 
stand unserer Eriirterungen bildet, wieder. Kbenso verhalt es sich, wenn der Ausdruck 
Sobrinus nur mit Bezug aul* Verwandte Kx parte matris gebraucht wird. Ks konimt noch 
hinzu, daB die Verwendung von Propatruus fur den Patrons magnus, von Propatruelis fur 
Patrui magni filius, wie sie in den Akten begegnet, audi in llandschriften unseres Stemma 
wiederkehrt (vgl. Note h und i in dem zu S. 9 abgedruckten Stemma). 



8 M. Conrat: 

die weiblichen Aszendenten auffuhrenden Stamme, wie er in unserem voll- 
standigen Arbor vorliegt, herubergenommen erklaren liifit. Die Annahme, 
dafi sich das vatikanische Stemma mit dem zweiteiligen Stamm und der 
rechten Halfte des vollstandigen Arbor deckt, stiitzt sich auf Vergleichung 
mit letzterem Stuck, und diese Vergleichung hat sich nicht lediglich auf 
seine Erscheinung in den Drucken beschrankt 1 , sondern insbesondere band- 
scbrif'tliche Uberlieferung zu Rate gezogen, und zwar die Uberlieferung in 
einigen, darunter audi alteren Handscbriften der Etymologien 2 , sowie in 
den oben erwShnten Manuskripten, in denen das Stemma einzeln sich 
ftndet, den Codd. 83. 21 Aug. 2" (2S55), Vercell. und Taurin 3 . Kine sich 
nicht vollig deckende t)l)erlieferung, natiirlicb, wie ja in kaum einer anderen 
Literaturgattung, insbesondere infolge des Umstandes, dafi einzelne Ver- 
wandtennamen einander sehr nabe kommen bzw. sicli nur durch die Vor- 
dersilbe unterscheiden, der Text so viele fehlerhafte Lesungen aufweist 
wie in derjenigen der Stemmata. Und ebenso, und zwar aus dem gleichen 
Grunde, eine sich nicht vollig mit dem Stiicke der vatikanischen Hand- 
scbrift deckende Uberlieferung. Diese zeigt, im Vergleich mit der Uber- 
lieferung in dem vollstandigen Arbor iuris, wie mir scheint, einen relativ 
guten Text; insbesondere bat sie im siebenten Grad der Linea directa 
inferior eine annahernd richtige Lesung, namlicb Trinepotis filius trineptis 
filia, statt einer auf den achten Grad beziiglichen Bezeicbnung (vgl. Note o 
und p in dem umstebend zu S. 9 abgedruckten Stemma) erhalten. Es 
kSnnte dann dieser Sachverhalt leicht die Folge kritischer Bemuhung sein, 
und man mocbte meinen, dafi letztere dem Verfasser der das Stemma 
begleitenden ErOrterung zu verdanken ist, wenn diese damit beginnt, 
dafi ilir Autor — er spricbt im Pluralis maiestatis — den Arbor unter 
Gottes Beistand einer vollstandigen Korrektur unterworfen babe (1 Igitur 
arborem . . ad plenum deo iuvante correximus). Nicht sowohl fehlerhaft, 
als vielmebr irrig ist der Text der vatikanischen Ilandschrift, wenn Ver- 



1 In den Drucken, sowohl der Etymologien als auch bei Ha en el, konnte leicht ein 
eklektischer und gelegentlich verschlimmbessei'ter Text vorliegen. 

2 Es sind zwei Wolfenbiittler Handscbriften, namlich Cod. 64 Weiss. 2 (4148) (Fol. 141') 
8aec. VIII und Cod. 2 Weiss. (4086) (Fol. 113') Saec. XI, ferner der Cod. Einsiedl. der Ety- 
mologien (137) Saec. X/XI, schlieClich Cod. Monac. Lat. 22227 (Fol. 95 v ) Saec. Xll. 

3 Cod. Vercell. und Taurin. sind mir aus Faksimiles bekannt, und zwar, was Cod. 
Taurin. anlangt, aus dem Faks'unile des Cod. Tub. M. C. 312 fasc. Ill n. 2, einer Abschrift der 
Turiner Handschrift. 



Arbor iuris des fri'theren Mitlelallers. 9 

wandtennamen, die sich nur durch die Vordersilben Ab und Ad unter- 
scheiden, ihre Platze vertauscht haben, so da(3 z. B. in der geraden Liiiie 
Abnepos und Abavus statt um einen Grad vor. urn einen Grad hinter 
Atnepos und Atavus erscheinen; denn ans der das Stemma begleitenden 
Erorterung ergibt sich, dafi ihr Yerfasser diese Reihenfoige fur die richtige 
hielt (2 scala . . <pie a patre ad avuni ad proavum ad atavuni ad abavum ad 
tritavum . . gradatim deducit, turn a filio ad nepotem ad pronepotem ad ad- 
nepoteni ad abnepotem), welche irrtiimliche Auffassung sicli auf einen Fehler 
seiner Vorlage grunden wird. Mit Bezug auf die linke Seite des Arbor 
ist ein relativ guter Text, wie er von der rechten in der vatikanisehen 
Handschrift vorliegt, nicht vorhanden; sclion in der vielleicht altesten Hand- 
schrift, die uns von don Etvmologien erlialten ist, dem dem 8. Jahrhun- 
dert angehorigen Cod. 64 Weiss. 2" (414S), ist der Status der Oberlieferung 
ein fiberaus tiefer. Immerhin wird doch auch hier das Untemehmen, den 
authentischen Text zu restituieren, nicht als hoffnungslos gelten konnen. 
Das Nebenstehende stellt die Ausfuhrung dieses Versuches, mit Bezug auf 
den vollstandigcn Arbor, von dem das Stemma der vatikanisehen Handschrift 
abgetrennt worden ist, dar; soweit der aufgenoinmene Text sich auf Kon- 
jektur oder nur vereinzelte Oberlieferung stiitzt, begleiten ihn in der Note 
Mcinerkungen iiber die beachtenswerteren Abweichungen in Drucken und 
Handschriften', die sich ubrigens iiberwiegend aus dem Umstande werden 
erklaren lassen, dafi Text des Stemma an die falsche Stelle geraten ist. 
Die den Verwandtenklassen beigefugten, den Grad bezeichnenden Ziffern 
tinden sich fast in alien Oberlieferungen. 

1 Ich bediene inicb dabei der folgenden Zeiclien, wozu ich l)emerke, dafi eine Hand- 
sel 1 rid mit orthograpbisch korruptem Text dem naclistvenvandten Texte zugeschrieben ist. 
A = Cod. 83. 21 Aug. 2 
E = Cod. Einsiedl. 
I = Isidori Etym. 

1 = Ed. Arevalo 

2 = Ed. Du Breul 
M = Cod. Monac. 

T = Cod. Tanrin. 
Vat. = Cod. Vatic. 

V = Cod. Vercell. 
W 1 = 64 Weiss. 2" (4148) 
VV 2 = 2 Weiss. (4086) 
Phil-hist. Klasse. 1909. Anhany. Abh. II. 2 



10 M. Conk at: 

4. An die Konstatierung der Tatsache, daB wir in dem Stemma dor 
vatikanischen Handschrift die Ilalfte eines mehrfach erhaltenen Arbor feu 
sehen haben, sei ]iier eine, soweit niclit schon der blofie Augenschein 
ausreicht, vollstiindige Beschreibung angekniipft, die wir indessen, schon 
11111 seiner Unvollstlindigkeit widen, auf den vollstandigen Arbor, wie er 
soeben restituiert worden ist, zn eratrecken gut tun. Dabei darf bier der 
Begriff des Stemma cognationum im allgemeinen und des Arbor iuris im 
besonderen als bekannt vorausgesetzt werden. Derjenige, dessen verwandt- 
schaftliche Bezieliung zu den im Stemma aufgefuhrten Verwandten ange- 
geben wird, ist niclit genannt. Die Aufiuhrung geschieht derart, daB 
den Stamm die Verwandtscbaft in der geraden Linie, die Aszendenz 
mannlichen Geschlechts zur Linkcn, diejenige weiblichen Geschlechts zur 
Rechten einnimmt, wahrend, um im Bilde zu bleiben, die Aste der Seiten- 
verwandtschaft vorbelialten sind, die Aste zur Rechten den Deszendenten 
der Aszendenz weiblichen Geschlechts, die Aste zur Link en der durch die 
Aszendenz mannlichen Gescldechts vermittelten Verwandtscbaft. Im Qbrigefl 
mag daran erinnert werden (vgl. S. 6 u. 7), daB die Vater des Concilium 
Duziacense vom Jabre 874 unseren Arbor als Arbor iuris legis Romanae 
bezeichnen: lfiBt schon der Umstand, dafi er mit der Lex Roniana Wisigo- 
tborum, aber auch selbst, daB er in Isidors Etymologien uberliefert ist, seine 
Bezieliung zum romischen Recht erwarten, so ist jene Charakterisierung durch 
das Gallische Konzil, dessen Mitglieder das Romische Recht durchaus nicht 
liloB vom Horensagen kannten 1 , fiir die Annahme, daB er auf dem Boden 
des Romischen Rechts steht, geradezu entscheidend. So ist demgemaB 
die verwandtschaftliche Beziehung, die im Stemma dargelegt wird, die 
Nfihe des Grades, was ganz im Sinne des Romischen Rechts den nach 
der erforderlichen Zahl von Zeugungen sich bestimmenden Rang innerhalb 
der Verwandtscbaft bedeutet, so daB sowohl in der geraden Linie als 
auch in der Seitenlinie die Person eines Verwandten stets um einen Grad 
nalier steht als sein durch sie vermittelter Deszendent. Es wird Vei-- 
wandtschaft bis zum siebenten Grade aufgefuhrt, bzw. durch Ziffern kennt- 
lich gemacht, wie ja auch die Schriften romischer Juristen (Paulus Sen- 
tentiae 4, 11 und Paulus D. 38, 10, 10, 18) in ihren Darstellungen der 
Verwandtschaftsbeziehungen die Verwandten bis zum siebenten Grad auf- 



1 Vgl. a. d. S. 6 Note 2 a. O. I, 22. 



Arbor iuris des frilheren Mittelalters. 1 1 

fiihren. Auch die Verwandtenbezeichnungen stimmen, worauf icli noch 
zuriickkommen werde (vgl. S. 36 u. 37, mit den roinischen durcliaus uberein, 
wobei indessen zweierlei zu bemerken ist. Einmal, daB das Wort Sobrinus 
nur mitBezug auf Verwandte, die vou der Aszendenz weiblichen Geschlechts 
abstammen, somit auf der rechten Seite des Steinma sicb linden, in sofort 
nlher zu besehreibender Weise gebrauclit wird: auf der linken Seite des 
Steinma wird fur den sogenannten Proprior sobrinus sobrina, das ist bier 
Sob 11 und Tochter des Patruus magnus und der Ainita magna, die Bezeichnung 
Patrui magni amitae magnae (ilii gebraucht, wahrend die Sobrini als Patrui 
magni amitae magnae nepotes bezeichnet werden. Hinsichtlicb der ent- 
spreehenden Abkommlinge der Aszendenz weiblichen Geschlechts beiBt es 
fur Proprior sobrinus sobrina vielmehr Proprius sobrinus propria sobrina, 
wenigstens in samtlieben Oberlieferungen, auBer gerade in der vatikaniscben 
Handsclirift, wo sicli Propius sobrinus propia sobrina findet, indessen offenbar 
einen Schreibfehler darstcllt: hingegen werden deren Abkommlinge nicht so- 
wolil Sobrinen, sondern Kinder von Sobrinen, Sobrini sobrinac lilii, sowie 
deren weitere Deszendenten Sobrini sobrinae nepotes und Sobrini sobrina e 
pronepotes genannt. Man mag sicb diese Verwendung des Wortes .Sobrinus 
damit erkl&ren, dalS die Lesart Proprius sobrinus propria sobrina sehr fuglich, 
ja kaum anders als im Sinne des eigentlicben Sobrinen verstanden werden 
konnte, woraus sicb dann fur ibre Deszendenten die Bezeichnung von 
Naelikominen der Sobrinen (Filii Nepotes Pronepotes) ergeben muBte. 
Hingegen latit sicb die ausschliefiliche Verwendung von Sobrinus sobrina 
(\ir Personen der Verwandtschaft von der einen Seite, Ex parte matris, 
aus dem Umstande erklaren, dafi <ler Verfasser vermeiden wollte, den 
gleichen Ausdruck liir zwei Verwandtenklassen, die gerade in dem fur 
den Aufbau des Steinma entsebeidenden Punkte differierten, zu verwenden. 
Audi in Hinsicbt der Komputation tritt zunacbst nicbts zutage, was auf 
die Benutzung einer bestimmten andern als der roinischen hinweist. 1ns- 
besondere ergeben die den Verwandtenklassen beigefiigten Zifl'ern keine 
sogenannte kanoniscbe Komputation, wie z. B. Gescbwisterkinder — Pa- 
truelis amitinus consobrinus -— , die nach dieser im zweiten Grade ver- 
wandt sind, im Steinma dem dritten Grade zugeschrieben werden, was 
freilich, worauf ich sofort zu sprechen komme, auch der romiscben Be- 
recbnungsweise nicht entspricht. Ebensowenig kann davon die Rede sein. 
daB eine Komputation in Krage koinnit, bei der die Person, uin deren 

2* 



12 M. Conrat: 

verwandtschaftliche Beziehung zu den im Stemma aufgefuhrten Verwandten 
es sich handelt, mitgezahlt wird, oder umgekehrt, wie es besonders in 
dem bekannten Text aus dem Dekrete von Burchard von Worms (VII, 10) 
— Filius et filia, quod est frater et soror, sit ipse truncns. Illis seorsum 
seiunetis , ex radice illius trunci egrediuntur isti ramusculi , nepos et 
neptis primus - — zutage tritt, in der Linea recta erst Nepos et neptis 
als erster Grad gelten: Nepos et neptis sind in unserem Stemma der 
zweite Grad, wie aber uberhaupt in der direkten Linie niclit allein nicht 
nach einem bestimmten anderen, als nach romischem Reeht, sondern viel- 
mehr nach eben diesem komputiert und mit Tritavi pater bzw., wie erwahnt 
worden ist (vgl. S. 8), mit Trinepotis filius als mit dem siebenten Grade 
abgeschlossen wird. Mit der Komputation in der Seitenlinie hat es aber 
seine besondere Bewandtnis: der siebente Grad namlich, mit dem der 
Zift'er nach auch bier abgeschlossen wird, ist dieses nicht nach romischer 
Komputation, vielmehr kommt den beziiglichen Verwandtenklassen der 
a elite Grad zu. Es erklart sich dies damit, dafi als der dem Grade nach 
niichstc Seitenverwandte nicht Bruder und Schwester, sondern Vaterbruder 
und -schwester bzw. Mutterbruder und -schwester aufgefuhrt werden. 
Nehmen dann diese Personen, die nach romischer Komputation im dritten 
Grade verwandt sind, den zweiten Grad ein. so mufiten alle weiter ent- 
fernten Seitenverwandten einen urn einen niedrigeren Grad als nach 
romischem Kecht haben, demnach, worauf bereits hingewiesen ist, die 
Geschwisterkinder nicht dem vierten, sondern dem dritten Grade und die 
in unserem Stemma den Abschlufi bildenden, dem achten Grade zuge- 
horigen Verwandtenklassen vielmehr dem siebenten angehSren. Hiugegcn 
werden die Geschwister in dem Stemma nicht nur nicht dem zweiten Grade 
zugeschrieben, sondern fehlen ganzlich, mit ihnen aber audi ihre Nach- 
kommenschaft. Im Punkte dieses merkwiirdigen Sachverhalts zeigt die 
gesamte Uberlieferung vollige Ubereinstimmung. Zieht man in Betracht, 
dalS die Anordnung der Seitenverwandtschaf't in Reihen von Quadraten 
geschieht, die sich aus einem Seitenverwandten, dem Geschwister des im 
Stamme anschiefienden Aszendenten und der Deszeudenz dieses Geschwisters 
zusammensetzen, so la.fi t sich der geschilderte Sachverhalt dahin formulieren, 
dafi unser Stemma eine Darstellung gibt, als sei die mit dem Bruder und 
der Sell wester anhebende Keihe, die Geschwislerreihe, ausgefallen: ware 
sie vorhanden und an Pater Mater angesehlossen, und wiirden inlblgedessen 



Arbor iuris des frilheren Mittelatters. 13 

die iibrigen Rcihen um eine Stufe hoher geriickt sein, so ergabe sich, daB 
audi das erste Glied der Rcihe zur Deszendenz der im Stamme anschieBenden 
Person gehorte. Ob anzunehmen ist, daB der Arbor iuris, wie er uns zur 
lialfte in der vatikanischen Handschrift und in seiner ganzen Gestalt 
mehrfach vorliegt, auf diese Weise entstand bezw. dafi ilnn ein Stemma, 
dem die Gescbwisterreilie nicbt fehlte, zugrunde gelegen hat, wird spater 
(vgl. S. 37 u. 38) erortert werden: soviel aber ist ganz siclier, daB es 
nicht angeht, bejahendenfalls in unserem Stemma nichts weiter als den 
korrumpierten Text eines solchen Produkls zu erblicken, somit eine Kr- 
sclieinung, die literarisch gar nicht in Betracht kam, nicht ein literarisches 
Produkt fur sich, das, sei es auch infolge von Korruption eines anderen 
vollstlindigeren, entstanden ist. Wie sollte ein Stiick, das so weit ver- 
breitet und mit so stark benutzten Biichern, wie das Breviar und die 
Etymologien, verkniipft war, niebt auch als solcbes zur Geltung gekommen 
sein? Zudein ergeben die Verhandlungen des Concilium Duziacense, daB 
das Stemma, das auch hier in der die Gescbwisterreilie entbehrenden Gestalt 
in Betracht gekoininen ist (vgl. S. 7 Note 1), geradezu of'h'zielle Anerken- 
niing gefunden hat. wie es audi als Arbor iuris legis Romanae bezeichnet 
wird. Krscheint es demnacb fiber alien Zweifel, daB unser Stemma, wie 
es eben im Punkte der Gescbwisterreilie gestaltet ist, Geltung besessen 
hat, so darf man auch die Annahme dieses Sachverhalts nicht von einer 
befriedigenden Beantwortung der Frage abhangig machen, wie man sich 
die iii dem Stemma verwendete eigentumliche Komputation zurechtgelegt 
hat. Dennoch muB diese Frage gestellt, mag aber dahin formuliert werden, 
wie man annehinen konnte, daB die Verwandtschaft mit Vaterbruder und 
-sell wester, mit Mutterbruder und -sch wester als Verwandtschaft im zweiten 
Grade zu gelten hat: der Kinf'achheit halber, wahrend eine befriedigende 
Antwort zugleich auch liinsichtlich aller weiteren Grade dient. Folgende 
Vorstellung konnte jener Annahme zugrunde liegen. Das Verliiiltnis zum 
Geschwister bildet die erste Stufe, den erste] t Rang, die erste Klasse, den 
ersten Grad Gradus — im Verlialtnis der Seitenverwandten, bildet den 
Primus gradus ex transverso. Schlagt man zu dieseni einen Gradus den 
einen Gradus hinzii, der im Verhaltnis des einen (Jeschwisters und seiner 
Kinder besteht, so ergeben sich in der Tat fur das Verhaltnis zu Patruus 
amita avunculus inatertera zwei tirade. Man darf gegen die vorgeschlagene 
Begriindung der in Frage stehenden Komputationsvveise nicht einwenden, 



14 M. Conrat: 

da 13 sich bei dieser Verwendung von Gradus das Wort aus Graden in ver- 
schiedenem Sinne zusammensetzt: es bezeichnet beide Male die gleichen 
nur leichten Bedeutungswechsel aufweisenden Begriffe, und beide Male 
grimdet sich der Sachverhalt des Primus gradus auf den Umstand, daB 
das Verwandtschaftsverhaltnis die geringste Zalil, namlich das eine Mai 
cine und iin anderen Fade, im Verhaltnis von Geschwister zu Geschwister, 
zwei Zeugungen erfordert. Es ware zu wiinsclien, wenn sicli fur die vor- 
geschlagenc Erklarung der im Stemma begegnenden Komputation eine aus- 
druckliche Anerkennung nachweisen liefie, und tatsacldich ist eine solcbe, 
wie mir scbeint, audi vorhanden. In der Ausgabe der Etymologien des 
Arevalo (III, 451)' mulct sich, an den in Rede stehenden Arbor iuris 
nacli cincm Zwischensatz (9, 6, 29) sich anschlicBend, ein weiteres Stemma, 
das in den alteren Ilandscbriften fehlt, auch sonst nur selten vorkommt 
und wold sichcr nichtisidorisch ist". Hier best man, iibrigens in hochst 
eigenartiger graphischer Darstellung 3 , unter anderem die f'olgende Aus- 
luhrung' 1 : primus gradus ex transverse a patre ad infra. / frater patris mei 
mild patruus est. / soror patris mei michi amita est. / secundus gradus 
patrui et amite filii. / tertius gradus patrui et amitc nepotes. / quartus 
gradus patrui et amite pronepotes. / quintus gradus patrui et amite abne- 
potes. Dieser Partic schlieSt sich mit den einleitenden Worten Primus 
gradus ex transverso a patre ad supra, — Primus gradus ex transverso 
a matre ad infra, — Primus gradus ex transverso a matre ad superiora 
Entsprecbendes an. Ich vcrstehe die Worte Primus gradus ex transverso 
a patre . . , frater patris mei mild patruus est und Soror patris mei michi 
amita est in der erstcn Ausiuhrung dahin, dafi der erste Grad Ex trans- 
verso, vom Vater aus gereebnet, das ist der Bruder und die Schwester 



1 Das Stuck steht audi in der Ed. I)u Brenl. 

2 Bei Arevalo, a. a. 0. Ill, 447. Note 27, heifit es, dafi nur die dort an erster und zweiter 
Stelle abgedruckten Stem mat a in den altesten Handschriften sich finden (nach Angabe von 
J. Grial [vgl. S. 5 Notei]): nach den mir zute.il gewordenen Auskunften (vgl. S. 27 Note 3) 
trifl't es freilich nicht ganz zu. 

3 Das Stemma besteht aus einer Heilie konzentrischer Kreise. Von der Peripherie 
des innersten Kreises laufen zehn Radien auf die Peripherie des aufiersten Kreises, so daB 
zehn gleich groCe Sektanten entstehen. Den Kaum eines Sektanten riimmt der Text der 
einzelnen ^usfiihrungen ein. 

4 Ich gebe sie nach Cod. Krlang. 359 (Kol. io4 v ) Saec. X1I1 wieder, dessen Text 
im wesentlichen mit den Ausgaben iibereinstimmt. 



Arbor iuris des fruheren Mitlelalters. 1 5 

<lcs Yaters des Ego, des letzteren Patruus A mil a ist, und das iibrige dem- 
gemafi: ja ich glaube, dafi uberhaupt eiue andere Auslegung dieser Texte 
sich nicht bietet. 

5. Icb gehe nunmehr zu der das Stemma begleitenden Erorterung 
iiber. Sie ist anscheinend von gleicher Hand wie der Arbor iuris gc- 
sclirieben, in den recbten Winkel, den Aste und Stamm des balben Arbor 
bilden, hineingesetzt und auf der Riickseite des Blattes rait sieben Zeilen 
gr<W3ercr Schrift fortgefuhrt, wahrend etwa zvvei Drittel des Blattes un- 
beschrieben bleiben. Ich lasse den Text, (lessen Entzifferung keinerlei 
Seliwierigkeiten bereitet, nacli der Vorlage folgen : nur sind die Abkiirzungen 
aufgelost und werden unzweifelhafte Febler, unter Vermerkung des lland- 
scbriftlichen in der Note, durch den mittels Konjektur gewonnenen Text 
ersetzt. Mit Bezug auf Interpunktion und hinsichtlich des Gebrauchs von 
Initialen ist nicbt sowobl die Riicksicht auf den Status der Handschrift, 
als vielmelir auf die Lesbarkeit des Textes mafigebend gewesen 1 . Zur Er- 
leicbteruiig beim Zitieren Jiabe icli den Text in Paragraphen geteilt. 

1 Igitur nrborera (piam fratrum dilectioni ad plenum deo iuvante 
correximus, quo agnatos cognatos<[ue Augustus diligentissime distin- 
guens tinuni ordinem elTecit, hanc propter parvulos subdividere cura- 
vhnus, quatinus in parte media ludentes lactis discant experiii ' dul- 
cedinem, donee ad solidum integerrime arboris cibum valeant pervenire, 

2 quoniam totuin fere continct quod est in consanguinitate. Itaque 
haee arbor sicut est area, <piod generationes sanctas in se clausas 
continet, ita tibi scala erecta est, que a patre ad avum ad proavum 
ad atavum ad abavum ad tritavum ad tritavi patrem gradatim deducit, 
turn a filio ad nepotem ad pronepotem ad adnepotem ad abnepotem 

3 ad trinepotem ad trinepotis filium, turn ad ceteros ex obliquo. [gitur 
noii\ gradulos, karissime frater, arbori adiectos minio comptitatos 
Vsidonnn dictante Gregorio, ut iam relatum est, adauxisse. qui dum 
stirpes liereditarias describeret, nee illos qui in sexto, nee eos qui 
usque ad deciinum hereditari decreverunt, emulatus est. sed quo- 
dammodo quasi mediain viam eligens in septimo successionis gradu 

1 expeririri 



1 Soweit Zweifel bestehen koiinon, oh mit tier Interpunktion der Sinn des Antora 
wiedergegelien wird, ist im l'olgenden davon die Kede. 



16 M. Conrat: 

4 cum Iustiniano b pausavit. Qui licet in sexto videatur gradu arboris 
quievisse, septimum tamen servavit in succession um diffinitione, sicut 

5 in tercio elementorum libro apparet. Quod beatus Calixtus commc- 
morat dicens: eos autera consanguineos dicimus, quos divini et seculi 
legos consanguineos appellant et in hemlitate suscipiunt nee repellere 
possunt. 

l> Iustiniana 

6. Der vorstehenden Wiedergabe des Textes mag sich seine Erlaute- 
pung anschlieScn, die sich sogar mit einer eingehenden Untereuchung 
verkniipfen mufi, soweit mit seineni Verstandnis Schwierigkeiten verbunden 
sind. Es empfiehlt sich dabei, iin wesentlichen dem Laufe der Ausein- 
andersetzung zu folgen. Sie beginnt mit dem bereits in Bezug genommenen 
Satze, in dem der Verfasser erklart, den Arbor unter Gottes Beistand 
einer vollstSndigen Korrektur unterzogen zu liaben (i Igitur arborem quam 
fratrum dilectioni ad plenum deo iuvante correximus), was, wie wir sahen, 
am ruglichsten in dem Sinne verstanden wird, dafi nach dem Verfasser 
der Text des Stemma, wie er uns in der vatikanischen Handschrift vor- 
liegt, von ihm zuvor einer kritischen Revision unterzogen worden ist: 
heiBt es dabei, diese Arbeit sei den Brudern zu Liebe vorgenommen wor- 
den, so wird sich Gelegenheit bieten, darauf zuriickzukommen (vgl. S. 27). 
Der Autor bemerkt dann weiter, seine Rede im Pluralis maiestatis fort- 
setzend, da(3 er um der jungen Leute willen — wortlich der kleinen 
Kinder halber — eine Teilung bzw. Losung des Arbor vollzogen liabe, 
und zwar in dem Punkte, wo Augustus, der Agnaten und Kognaten auf 
das sorgfaltigste unterscheide, eine einzige Ordnung geschaffen habe (1 . . . 
<luo agnatos cognatosque Augustus diligentissime distinguens unum ordinem 
effecit, banc propter parvulos subdividere curavimus): damit ist dann aus- 
gesprochen, dafi jene trotz Unterscheidung von Agnaten und Kognaten 
vorhandene Verkm'ipfung zu' einer Einheit in der vatikanischen Handschrift 
(lurch den Verfasser getrennt und gelost worden sei. Dieses Verstandnis 
des Zusammenhanges der Slitze, das audi in der gewahlten Interpunktion 
seinen Ausdruck findet, gibt einen sehr plausiblen Sinn. Wird mit Bezug 
auf den vollstandigen Arbor iuris dem Augustus neben peinlichstem Aus- 
einanderhalten von Agnaten und Kognaten ihre Verbindung, die dann 
(lurch den Verfasser in dem Stemma der vatikanischen Handschrift auf- 
gehoben sei, zugeschrieben, so kann damit niclits anderes gesagt sein, als 



Arbor iuris des friiheren MUtehlters. 1 7 

daB der Ban jenes vollstandigen Stemma von dem Augustus herrtihrt, 
Augustus naturlich. im Sinne eines romischen Kaisers: jedcs andere Ver- 
standnis mit Bezug auf dasjenige. was Augustus niit dem Stemma zu tun 
geliabt hat, erscheint widersinnig. Wird ferner die Operation, die der 
Verfasser selbst an dem alten Stemma, vorgenommen haben will, als cine 
lAsung der Verkniipfung von Agnaten und Kognaten charakterisiert, so 
ergiht. sicb, daB der Autor, dessen Werk, wie wir wissen, in einer Tren- 
iiung der Verwandten bzw. der Deszendenz von Aszendenten maunlichen 
und weiblichen Geschlechts, bestanden liat, die Ausdriieke Agnat und Kognat 
fur den Gegensatz dieser Verwandten gcbraucht, naturlich in dem Sinne, 
daB die Deszendenz von Aszendenten mannlichen Geschlechts unter Agnaten, 
weiblichen Geschlechts unter Kognaten verstanden werden soil. Die gleiche 
Verwendung der Ausdriieke Agnat und Kognat begegnet mit Bezug auf unser 
Stemma im Concilium Duziacense vom Jahre 874, wo die Agnaten als Pro- 
pinqui Hlii vel filiae ex parte patris, die Kognaten als solche Ex parte 
matris be/.eichnet werden. Eine Ausdrucksvveise, die ich der Kiirze halber 
zur Bezeiclinung des in Krage kominenden Gegensatzes bereits angewendet 
babe, obscbon sie nur dann zutreft'end ist. wenn man, neben Propinqui 
filii vel filiae im Sinne der blutverwandten Kinder und Nachkommenschaft, 
Pater und Mater als Parens masculus und Parens femininus "auf'faBt oder 
die Bezeicbnungen Pars patris und Pars matris ortlich, namlich als Vater- 
oder Mutterseite des Arbor begreif't. Der Gebrauch der Ausdriieke Agnat 
und Kognat in dem genannten Sinne hat an und fiir sich nichts besonders 
Auffallendes, obscbon er dem Altertum nicht bekannt ist. Er deckt sich 
weder mit der klassischen Bedeutung der Worte, die ja uberhaupt keinen 
Gegensatz bezeichnen, nocb mit der niodifizierten I^edeutung, die den Worten 
Agnat und Kognat in spaten Quellen des Ivomischen Rechts, insbesondere 
der Interpretation des Breviars zukommt; denn danach stehen sie sich zwar 
gegenuber, indem Agnat der durch einen Mann, Kognat der durcli eine 
Person weiblichen Geschlechts vermittelte Verwandte ist, jedoch in anderer 
Weise, als in der Verwendung, die hier mit Bezug auf unser Stemma be- 
gegnet, so daB z. B. die Kinder der Amitina, die nach unserem Stemma 
Agnaten sind, im Sinne der Interpretation nicht zu ihnen gehoren. Doch 
mag gerade ihr bezuglicher Text — Paulus 4, 8, 1 Agnati sunt qui per 
virilem sexum descendunt, cognati autem qui per femineum — zu der in 
Rede stehenden Verwendung der Ausdriieke AnlaB gegeben haben, indem 
Plul.-hist. Klasse. 190!). Anhany. Abh. II. 3 



18 M. Conrat: 

die Worte Qui per virilem, qui per feinineum sexuin descendunt statt von 
don durcli mannliches l>zw. weibliches Geschlecht vermittelten Verwandten, 
von Deszendenten mannlicher bzw. weiblicher Aszendenten verstanden 
vvurden 1 . Will nun der Autor jene Losung um der jungen Leute widen 
vorgenommen haben, so wird dies weiter dahin crklart, dafi diesen, bevor 
sie sicb niit dein ganzen Arbor vertraut machen, eine weniger umfassende 
Aufgabe, die Beschaftigung mit dem balben Stemma zugemutet werden 
solle, welclie Ilalfte eben in dem Arbor der vatikanischen Handschrift vor- 
liegt. Der Verfasser bedient sicb dabei eines hochst eigentiimlichen Bibles: 
die Losung diene dazu, damit die mit dem halben Stemma Spielenden 
lernen mogen, die Siifie der Milch zu kosten, bis sie zu der festen Speise 
des ganzen Arbor gelangen konnen (i . . quatinus in parte media ludentes 
lactis discant experiri dulcedinem, donee ad solidum integerrime arboris 
cibuni valeant pervenire); eine Redewendung, die in letzter Linie, — wie 
sclion die Bezeichnung der Jugend als Parvuli 2 — oftenbar auf Worte des 
Hebraerbriefs (5, 12 — 14) zuriickgeht (facti estis (piibus lacte opus sit, 
non solido cibo. omnis enim, qui lactis est particeps, expers est sermonis 
iustitiae; parvulus enim est. perfectorum autem est solidus cibus) 3 . Dieser 
vollstandige Arbor enthalt namlich, so heifit es, beinahe alles, was an 
Blutvervvandtschaft vorhanden ist (1 . . quoniam totum fere continet quod 
est in consanguinitate) : das » beinahe* (fere) ist wold berechtigt, wenn man 
in Betracht zieht, dafi die Geschwister und deren Deszendenz im Stemma 
fehlen, wobei freilich zweifelhaft ist, ob der Verfasser mit diesem Worte 
darauf liinweisen wollte. 

Hieran schliefit sicb dann eine Vergleichung, die zur Charakterisierung 
des Stemma dienen soil, an. Eine Vergleichung einmal mit einer Area, 
aus dem Grunde, weil der Arbor die Generationes sanctae in sich ge- 

1 Vgl. meine Schrift Der Westgoth. Paulus S. iooff., 105 Note 288. Z11 dem gleichen 
Ergebnis mag auf italienischein Boilen (vgl. z. L5. Expositio ad libr. Papiens., § 3 zu Rotliar. 
153) ein Text wie I. 3, 5, 4 gefi'ilirt haben. Auch bei dei - Erwabnung von Agnaten und 
Kognaten in der von der Komputation handelnden Dekretale Alexanders II. (c. 2, §3, C. XXXV 
q. 5) konnte dieses Verstiindnis zugninde liegen. 

2 Dieses Wort mit der Nuance der Unreife und Unkunde. 

3 Das Bild begegnet, meist nach dem ersten Ivorintberbrief (3, 2), im Mittelalter hiiiifig. 
Man vergleiche bei Alcvin (MG Epist. Ill 160 [Ep. m] u. 165 [En. T13]), bei Pascliasius 
Radbertus (a. a. O. VI, I, 134 [Ep. 3]), bei Papst Nikolaus 1. in Responsa ad cons. Bnlg. 
(Kap. 4) (Mansi, a. d. S. 6 Note 5 a. 0. XV 404), schliefilicb audi a. d. 8. 21 Note 2 a. O. S. 749. 



Arbor iuris des fruheren Mittelalters. 19 

schlossen halte (2 Itaque haec arbor sicut est area, quod generationes sanctas 
in se clausas continet): die Area offenbar im Sinne einer Arche, wie es die 
Arche Noah ist, und im Hinblick auf diese, die Generationes aber im Sinne 
von Generationen, Geschlecbtern, in der — heiligen — Siebenzald', die 
speziell aucb in der Erzahlung der Sintflut eine groBe Rolle spielt". So- 
dann wird der Arbor mit einer Treppe, Skala, verglichen, die stufenweise 
vom Vater zum GroBvater aufsteigend, bis zum Vater des Tritavus, Tritavi 
pater, fiilirt, ferner vom Sohn entspreehend bis zum Solme des Trinepos, 
und sehlieBlieh in derLinea obliqua zu den ubrigen Verwandten (2 . . ita tibi 
seals erecta est, que a patre ad avum ad proavum ad atavum ad abavum 
ad tritavum ad tritavi patreni gradatim dedueit, turn a filio ad nepotem 
ad pronepotein ad adnepotem ad abnepotein ad trinepotem ad trinepotis 
filiuni, turn ad ceteros ex obliquo). DaB bei der Auffuhrung der Ver- 
wandten Bezeichnungen, wie Abnepos und Atnepos, Abavus und Atavus, 
ill re PlStze vertauscht haben, wurde bereits frulier bemerkt; fur die Ver- 
wandtschait in der Seitenlinie wird der Ausdruek Ex transverso vermieden 
und statt dessen von Ex obliquo gesprochen. 

Handelte nun bis dahin der Schriftsteller von einem Arbor des 
Augustus, den er korrigiert, geteilt, getrennt und sehlieBlieh in dem Teil- 
stiick der Jugeud vorgesetzt liaben will, so bemerkt er nunmelir das Fol- 
gende (3): igitur nota gradulos, karissiine frater, arbori adiectos minio 
eomptitatos N'sidoruni dictante Gregorio, ut iam relatum est, adauxisse. 
Soweit sieli aueli hier der Sclirif'tsteller an einen Frater wendet (karissiine 
frater) und ein von Gregor herruhrendes Gebot fi-iiherer Erwahnung zu- 
gchreibt (ut iam relatum est), koinme ich spiiter bei Betraehtung der Ent- 
steliungsverhaltnisse unseres Stiickes (vgl. S. 31 u. 32) darauf zu sprechen. 
Im ubrigen sagt er wortlich aus, dafi die dem Arbor beigefiigten Grade, 
die durcli Minium geziert sind, zufolge Befehls bzw. \ r orsehrirt Gregors, 
Isidor hinzugefugt babe: ein anderes Verstiindnis des » Diktats « Gregors 



1 Vgl. Kealen/.ykl. f. piot. Theol.3 XVIII 3121V. 

J Wie die Arclie Noah »je siehen und siel)en» von alien reinen Tieren unci Vogeln, 
• ein M&nnclien und sein VVeibchen« (Luther) enthiilt (Gen. 7, 2 und 3), so schliefit der als 
Area gedaclite Arbor, in der Linea recta, je sieben Generationen ein, die Ehegatten sind 
(Pater mater), oder von denen wenigstens die eine Person dem inannlichen, die andere dem 
weiblichen (ieschleeht angehort. (Avus und Avia usw. branchen ja nicht Ehegatten zu sein, 
da sie OroBelteni von versciiiedener Seite sein konnen.) 

3* 



20 M. Conrat: 

kommt docli nicht in Frage. Mit Minium geschrieben sind, wie bereits 
erwShnt wurde (vgl. S. 5), neben samtlichen den Grad angebenden Ziffern, 
die Verwandtennamen des siebenten Grades; offenbar bezieht sich dann 
die Beliauptung, Isidor babe den Arbor mit Graden bereichert, mindestens 
in erster Linie, wenn nicht allein, auf die Kategorie der Verwandten siebenten 
Grades, da der Schriftsteller fiiglich nicht an eine Anordnung Gregors im 
Punkte der Hinzufiigung von Ziffern gedacht haben kann. Nach dieser 
Aufierung ist somit der Arbor, wie er in der vatikanischen Handsclirii't 
vorliegt, nicht durchaus das Werk des Augustus, werden wir aber auch 
sagen diirfen, das Gleiche babe, nach Ansicht des Autors, von dem ganzen 
Arbor zu gelten, da der Sachverhalt einer Erweiterung des Arbor urn einen 
siebenten Grad nicht derart ist, daB er allein iiir die rechte Seite, die Hi 
der vatikanischen Handschrift vorliegt, in Frage kommen konnte. Priifen 
wir nun diese Aussage, so ist damit zu beginnen, daB bei dem von cinein 
Gregor, naturlich einem Papste, gegebenen Bef'ehl, dem sich Isidor (570— 636) 
gefiigt haben soil, aus dem Gesichtspunkte des wahren zeitlichen Hergangs, 
nur an Gregor I. (540 — 604) gedacht werden kann. Eine Vorschrift, frei- 
lich schwerlich im Sinne einer an Isidor selbst gerichteten Kundgebung, 
wahrend die Legende allerdings den spanischen Bischof zum Schiiler des 
genannten Papstes macht'. Fiir die Annahme, dafi es sich um Gregor I. 
bandelt, spricht audi der Umstand, dafi mit Bezug auf die Materie der 
Komputation der Blutverwandtschaft Ausspriiche der beiden Kirchenlehrer 
auch sonst in Verbindung gebracht werden 2 . Von Gregor I. liegt in- 
dessen keine authentische Kundgebung vor, nach der gerade der siebente 
Grad in Frage kommt, vielmehr die bekannte Satzung in einein Sclireiben 
an Augustinus, dafi die Ehe unter Geschwisterkindern verboten bzw. in 
der dritten bzw. vierten Generation gestattet ist'. Erst in dem gefalschten 



1 Vgl. a. d. S. 19 Note 1 a. O., IX 449. 

2 So in dein Sclireiben des Hrabanns Maurus (vgl. S. 28), indent er einen Mittel- 
weg zwischen Gregor und Isidor einschlagt. Ferner in dem SchluBwort Gratians zu ('. XXXV 
'I- 5 (" e gradibus consanguinitatis vel affinitatibus, quot sint, et ijuoniodo conputandi, ijiiibus 
etiani nominibus appellentur, auctoritate 1). Ysidori, atque Gregorii, et Alexandri siil'ficienter 
monstratum est). 

3 Icli nelime mit dem neusten Ileransgeber (MG Epist. II 331ft'.) an. daB der Brief 
echt ist (zn Kp. 11, 56a). Die in Frage koiniiienden Woite lauten i'olgenderniaCen (a. a. O. 
•^ - 3 3 5 ) : et quidem terrena lex in Romana republics periuittit, ut sive fratris et sororis 
sen duoruin fratriini gerinaiioi'tini vel diiaruni sororum filius et tilia niiseeantur. Sed ex- 



Arbor iuris des friiheren Mittelalters. 21 

Briefwechsel zwischen dem Papst und Felix, Bischof von Sizilien, auBert 
Gregor, daB die Ehe bis zur siebenten Generation und, solange noch eine 
Verwandtschaft bestehe, verboten sei', und leicht konnte diese Falschung, 
die zuerst bei Pseudo-Isidor begegnet 2 , schon zur Zeit der Abfassung unserer 
Ei-6rterung bestanden haben. Es heiflt indessen in dem angeblicben 
Scbreiben des Papstcs: progeniem vero suam unumquemquc de Ins qui 
h'deliter edocti et iani firma radice plantati stant inoonvulsi, usque ad 
septimam observare deceruimus generationem; danacb soil die Ordnung 
des siebenten Grades nur fur die im Glauben gefestigten Christen, nicbt 
aber allgemein gelten, wie aber auch, nach dem Scbreiben des Felix, die 
Festsetzung nicbt sowohl eine Neuerung als viebnebr die Einscharfung 
eines angeblich von alters ber bestehenden Sacbverlialts darstellen soil 1 . 
Es diinkt mir da rum nicbt sehr wahrscheinlich, da!3 der Schriftsteller bei 
der Ordnung Gregors, die Isidor zu der Hinzufiigung des siebenten Grades 
zu dem Arbor iuris veranlaBt baben soil, an Gregor I. gedacbt bat. Eine 
autbentiscbe Anordnung des siebenten Grades, nattirlicb gleichfalls als Grenze 
des Elieverbots, riibrt erst von Gregor III. in einem Briefe an Bonif'az vom 
Jahrc 732 her; es heifit liier: progeniem vero suam quemque us(|ue ad 
septimam observare decernimus generationem 4 . DaB sicb in Wirklichkcit 
Isidor, der ja bundert Jahre f'riiher scbrieb, einer Anordnung Gregors III. 
nicbt gefiigt haben kann, spricht nicbt entscheidend dagegen; daB der 
Schriftsteller diesen Sachverhalt angenommen hat. Gehcn wir nun weiter 
zu der Frage fiber, was in dem oben wortlich wiedergegebencn Passus 
von dem Autor dem Isidor, als auf Anordnung Gregors erfolgt, zuge- 
schrieben wild. Nach einer sicb an den Wortlaut haltenden und deinnach 
zunachstliegenden Auslegung oft'enbar dies, daB Isidor selbst, zufolge Vor- 
schrirt Gregors, den Arbor urn den siebenten Grad erweitert hat, so daB 



periinento didicimus <;x tali coniugin sobolein non posse suecrescere, et sacra lex prohibet 
co{^nationis turpitudinem revelare. Unde necesse est, ut iani tertia vel quarta generatio fi- 
deliuin si bi iungi liceat. 

1 Vgl. .laffe, RegesU' N. 1334. 

* Vgl. Epistola Felicis Siciliae Kpiscopi und Rescript. ,S. Gregor. I'apae bei Hinschius, 
Deciet. Pseudo-Isidor. S. 747H'. Der /.itierte Text findet sicb S. 751. 

' Es heiBt (a. a. (). S. 748): semper usque septimuni originis sue grad urn liec a Sanctis 
antecessoribus vestris et <-ctei is Sanctis patribus, tatn in Nicena synodo quam et in aliis 
Sanctis conciliis congregatis servari debere repperi. 

* MG Epist. Ill 279. 



22 M. Con hat: 

in dem Stemma geradezu ein Augustisch-Isidorisches Prodiikt vorliegt. Dafi 
der Schriftsteller nichts anderes als dies zu sagen beabsichtigt, scheint um 
so mehr der Fall zu sein, als fur die Auffassung des Arbor als eines zum 
mindesten unter Mitautorscliaft Isidors zustande gekommenen Produktes gute 
G-riinde sprechen. Einmal sahen vvir ja (vgl. S. 5, 6, 9), dafi er sich in Hand- 
sel 1 rift en der Etymologien findet, und zwar schon in friiher Uberlieferung, 
sogar in der vielleicht altesten uns erhaltenen Handschrift naeliweisbar ist. 
Es ist dies indessen niclit der einzige Sacbvcrbalt, auf den sich die Meinung. 
dafi dem Isidor ein Anted an der Abfassung des Arbor iuris zukonmie, 
zu stiitzen vermochte. Friihzeitig namlieh ist cine Partie unseres Stemma, 
unter dem Namen des Isidor, in die Literatur eingezogen'. GewiG starnmt 
sic dort aus einer Handschrift der Etymologien, die unser Stemma an der 
Stelle enthielt, wo wir ihm insbesoudere in der Ausgabe des Arevalo be- 
gegnen, und griindete sich darauf die Meinung, dafi es Isidoriscben Ur- 
sprungs sei: mit ihm zu einer Einheit verknupft, schliefit sich namlieh ein 
auf das Ehehindernis der Blutverwandtschaft beziiglieber authentischer 
Text der Etymologien an, der auch in der genannten Ausgabe (9, 6, 29 
a. a. 0. Ill 451) dem Stemma folgt' 2 . Das Stuck wird mit den Worten 
Beatus Esydorus de consanguinitate sic loquitur: Cuius series VII gradibus 
dirimetur hoc modo eingeleitet, denen am Ende jener Isidoriscben Stelle 
der Satz Hue usque Esydori procedit sententia entspricht. Es lautet 
dann, wie folgt: I. filius et filia, II. nepos et. neptis, III. pronepos et pjro- 
neptis, IV. abnepos et abneptis, V. adnepos et adneptis, VI. trinepos et 
trineptis, VII. trinepos filius et trineptis filia. Man begegnet ihm bereits 
iu dem sogenannten Poenitentiale Martenianum (c. XXIX), einer angel- 
sachsischen Sammlung, die wold in die zweite Halfte des 8. Jahrhunderts 

1 Die Herkunft des Stiickes aus den Etymologien, das will sagen aus einer Hand- 
schrift der Etymologien, und seine Verbreitung in der gedruckten Literatur ist liereits ent- 
wickelt a. d. S. 6 Note 2 a. (). S. 327 ff. 

2 Es liandelt sicli um den folgenden Text, llaec consanguinitas duin se paidatim 
|)i'o]iaginum oi'dinibus dirimens usijue ad ultimum gi-aduni subtraxerit et projiinquitas esse 
desierit, earn ruisus lex baec matrimonii vinculo repetit et quodam modo revocat fugientein. 
Ideo autem usque ad sexttun generis gradum consanguinitas eonstituta est. ut, sicut sex 
aetatilms inundi generatio et liominis status finitur, ita propinquitas generis tot gradibus 
terininaretur. Den Isidoriscben Ursprung des Textes zu bestreiten, wie es Berardus, Grat. 
ran. usw. P. Ill, 498, und nacb ill iu andere (vgl. •/.. B. Freisen, Gescli. d. can. Eliereclits 
S. 379, 392, 394) tun, 1'eiilt nieines Eraclitens jeder triftige Grund. 



Arbor iuris des friiheren Mittelalters. 28 

fallt 1 , femer in der Schrift des Jonas Aurelianensis (gest. 843), De institu- 
tione laicali (2, 8) 2 , sodann in den Akten des zwciten Konzils von Douci vom 
Jahre 874, kurz vor der Erorterung fiber den Arbor iuris legis Romanae; es 
ging hernach in das Dekret des Burchard von Worms (VII, 10) fiber, in 
jener bereits berfihrten interpolierten Gestalt, die der klassiscbe und ein- 
ftufireichste Ausdruck der mit den Enkeln als Primus gradus einsetzenden 
Koniputation geworden ist :! . Gewohnlich wird die Herkunft des Textes 
aus den Etymologien fibersehen': bei naherer Betrachtung zeigt sicli in- 
dessen die vollige TTbereinstimmung mit der die Deszendenten in Linea 
recta auffuhrenden Partie unseres in Handschriften und Ausgaben der Ety- 
mologien aufgenoimnenen Stemma ganz unzweideutig. Besonders deutlich 
tritt dieses Verhaltnis der beiden Texte in dem Wolfenbfittler Kodex 83. 
21 Aug. 2" (Nr. 2855) Saec. X liervor, in dem sich, wie bereits erwahnt 
worden ist (vgl. S. 6), unser Stemma aufgenommen findet; das genannte Stuck, 
und zwar auch liier in Verbindung mit jenem authentisclien Passus aus Isidor 
(9, 6. 29), findet sich namlich als Umsclireibung der im Stemma gegebenen 
grapliisehen Darstellung in die beiden rechten Winkel zur Seite des Stainmes 
hineingesetzf. Obschon es danach an Griinden, dem Isidor Urheberschaft 



1 Vgl. Wasserschleben, Die BnBordnungen d. abendl. Kirche S. 288; der obige 
Alidruck beruht auf dieser Ausgabe. Man sehe auch eine lieichenauer Handschrift, Cod. 255. 
Saec. IX (vgl. Holder, Die Reichenauer Handschriften I, 583ft'.) 11. Cod. Berol. Saec. 1X/X 
Phill. 1873 fol. 114 (vgl. Hose, Verzeichn. d. lat. Handsclir. I 296). 

* Vgl. D'Achery, Spicil.' 1, 285. 

* Die Stelle lautet vollstandig, nacli dem Abdruck hei Migne, Patrol. Lat. (CXL 781), 
wie folgt: Filins et filia, quod est frater et soror, sit ipse truncus. Mis seorsum seiunctis, ex 
radice illius trnnci egrediuntur isti raiiiusculi, nepos et neptis, primus: pronepos et pro- 
neptis, secundus: ahnepos et almeptis, tertius: adnepos et adneptis, quartus: trinepos et tri- 
neptis, quintiis: et trinepotis nepos et Irinepotis neptis, sextus. Hieran schlieBt sicli dann 
Ktyin. 9, 6, 29 an. Da hier gleichfalls die Verwandtschaft bis zuin seclisten Grade gereclinet 
wird, wurde durcli die Interpolation ein hefriedigenderes Yerhiiltnis zwisoheu dem Stiick 
•Stemma nnd dem Satze des Isidor liergestellt, als es vorlier bestand. 

* Vgl. z. B. Freisen, a. d. S. 22 Note 2 a. ()., S. 392, 394, 396, 406, 408 11.417, 
und Friedberg, Deer. Mag. Grat. ad c. 1 C. XXXV q. 5. 

5 Das Stemma hat hier, mit anderen Handschriften (vgl. den Abdruck des Stemma 
zu S. 9 Note o u. p). im siebenten Grade der Des/.endenz Trinepotis nepos, Trine- 
potis neptis: hingegen liest jenes Teilstiick Trinepotis films et trinepotis filia. Findet sich, 
oberhall) der Zeile. von gleicher Hand Vel nepos und Vel neptis hinzugefugt, so griindet 
sich diese Variante selhstverstandlicli auf den Text des Stemma. Es braucht nicht hemerkt 
zu werden, dafi der Text Trinepotis nepos 'Trinepotis neptis, der auch hei Burchard 



24 M. Conrat: 

an dem Stemma zuzuschreiben, nicht gefehlt hat, glaube ioh dennoeh nicht, 
da!3 der Schriftsteller mit den angefiihrten Worten don spanisehen Bischof 
in dieser Art charakterisicren will. Der Autor schlieBt namlich dena er- 
orterten Text eine Ausfhhrung an, in dor er sich (iber den Ort JiuBcrt, 
wo Isidor dem Prinzipe des siebenten (trades gehuldigt hat. Es heiftt — 
inn mich von der umfassenden Krorterung auf das hier allein in Betraeht 
koinmende zu beschranken (vgl. S. 28) — , wie folgt(3): qui duin stirpes 
hereditarias describeret, . . in septimo successionis gradu . . jiansavit. Sonach 
handelt es sich nach dem Schriftsteller darum, daS Isidor bei der Be- 
schreibung der Stirpes hereditariae mit dem siebenten Grade abgeschlossen 
hat. Den Arbor iuris, obschon er ja bei den Romero in erster Linie erb- 
reohtlichem Zwecke gedient hat, konnte nun aber der Schriftsteller kauni 
eine Beschreibung der Stirpes hereditariae nennen, und noch weniger scheint 
diese Bezeichnung jenen mit authentischem Isidortext verbundenem Ab- 
schnitt des Stemma charakterisieren zu konnen, da er ja, gerade infolge 
dieser Verkniipfung, das Gradesverhaltnis zu der Materie des Ehehinder- 
nisses in Beziehung setzt. Beschreihung der Stirpes hereditariae bedeutet 
viel eher, als den Arbor, der docli eine graph ische Darstellung ist, eine 
Auseinandersetzung iiber die erbberechtigten Naehkoinmen. die erbberechtigte 
Familie ', etwa dasselhe, was der Schriftsteller, wovon sofort die Rede sein 
wird, mit Bezug auf die Institutionen Diflinitio successionum nennt, dam it 
auf die Ausfuhrungcn des Institutionentitels De successione cognatorum 
(3, 5) abzielend, wahrend er zugleich das — ubrigens verloren erachtete 
— Stemma dieses Rechtsbuchs als Arbor bezeichnet. Nun liat zwar Isidor 
selbst eine Beschreibung der Stirpes hereditariae, eine Diffinitio graduum 
nach Art des Institutionentitels nicht geliefert, weder in den Ktymologien 
noch sonstwo, und keinesfalls schliefit, was aus den Ktymologien solchen 
Ausfiihrungen etwa am nachsten kommt, die Krorterungen einzelner Titel 
(9, 5 De affinitatibus et gradibus. 9, 6 De agnatis et cognatis), mit dem 



(VII, 10) (vgl. Note 3 |S. 23]) und sonst wiederkehrt, damit niclit etwa den achten Grad 
einzufuhren beabsichtigt, sondern lediglich zur Wiedergabe des siebenten sich einer korruin- 
pierten Lesung bedient. 

1 Es lieifit niclit Stirps und noch weniger Stirps arboris, und * beschrieben « werden 
nicht sowold diejenigen Personen, die in der Stirps arboris genannt sind, als vielmehr Stirpes 
hereditariae selbst. Danach ist es ausgeschlossen, an/.unehnien. dafi der Schriftsteller an den 
nnter dem Namen des Isidor verbreiteten Text denkt, der die in dem unteren Stamm des 
Arbor genannten Personen, das sind die Deszendenten, aiiffiihrt. 



Arbor turis des fruheren Miitelalters. 25 

siebenten Grade ab. Wohl aber hat sich in Handschriften der Etymologien 
cine solehe Erdrterung erhalten, und dicse macht auch mit dem siebenten 
(irade den BeschluB'. Es handelt sich urn den Titel (4, 1 1 [L. K.W. 4, ioj) 
mit der Rubrik De gradibus aus den Sentenzen des Panlus, der die intestat- 
erbrechtliehen Erorterungen des Werkes (4.. 8 — 11) abschlieBt und seinem 
Inhalt nach als Besclireibung der Stirpes bereditariae bezeichnet werden 
konnte". Es ist dieser Titel aus dem Breviar in die Etymologien iiberge- 
gangen ', zuerst wold mit Ursprungsbezeichnung 4 , liernach ohne diese, in 
welcher (jlestalt der Text als Lsidorischer schon im Dekrete des Burcliard von 
Worms (VII 28) begegnet und in weiteren Kanonensammlungen Eingang ge- 
I'undeii hat*. Beginnt bei Paulus der letzte Absatz (§ 8) mit den Worten 
Successionis idcirco gradus septem eonstituti sunt, und heiBt es andererseits 
in unserer Stelle mit Bezug auflsidor In septimo successionis gradu . . pausa- 
vit, so mag die letztere Fassung durch jenen Pauliniscben, dem Isidor zuge- 
schriebenen Text beeintluBt sein. In der Beachtung dieser Worte des Paulus, 
die unser Verfasser fur eine AuBerung des Isidor nimmt, kann gleichzeitig 
auch eine Erklarung hierfiir #efunden werden, daB der Schriftsteller zufolge 
einer Festsetzung (Konstitution) von anderer, des Papstes, Seite den Isidor 
die sieben Grade zur Geltung bringen laBt. DaB dem Autor Paulus vorge- 
legen hat, laBt sich auch aus der Wendung Ex obliquo fur Ex transverso 
schlicBen; denn so weit ich sehe, begegnet sie in der juristischeh Literatur 
nirgends anders als in dem genannten Titel (§ 3 — 6) H . Zielt dann in der Tat 



1 Auch der Institutionentitel De gradibus cognationis (3, 6) firulet sicli im neunten 
Bucli der Etymologien eingeschaltet: vgl. die Ausgabe von Arevalo, Appendix \I ad libr. IX 
cap. 5 (III 535ft'-). Kine alte Ilandschrift, die den Text unter der Rubrik Item de libro 
institutionum iustiniani. Ill ca|>itulo. VI de gradibus cognationis enthalt, ist Cod. Vercell. 58 
Saec. X: vgl. Reifferscheid, Bibl. Patr. Latin. Ital. II 210. Es kann indessen niclit angenommen 
werden, daB der Autor seine Annahme, Isidor habe den siebenten Grad zur (Jeltung ge- 
bracht, auf diesen Text stiitzt, da er, wie weiter oben im Texte ausgefiilirt wild, ilin als 
ilustinianisclien anerkennt und audi weiB, daB er nur bis zum sechsten (irade gellt. 

'' Das Stemma cognationum war von Paulus fiir eine besondere Sclirift vorbehalten 
worden (4, 11, 1). 

3 Vgl. Arevalo in seiner Ausgabe II 413 sub 16 und 8. 73 sub 12. 

* In Cod. Vercell. 102 Saec. X, einer Ilandsclirift der Etymologien, findet sicli (Fol. 71 r) 
hinter 9, 6, 28 der Titel unter der tlberschrift Ex libro sententiarum pauli iurisconsulti de, \'II 
gradibus generationum : vgl. Reifferscheid, a. d. Note 1 a. O. II 206. 

6 Vgl. a. d. S. 6 Note 2 a. O. I 315, Note 2. 

* Die Worterbiicher von Dirksen, von Heumann-Seckel, Georges zitieren zu Ex obliquo 
keinen anderen, Brissonius iiberhaiipt keinen Text. 

PhiL-hist. Klasse. 1909. Anhang. Abh. II. 4 



26 M. Conrat: 

der Schriftsteller mit der Aufierung, Isidor habe bei Beschreibung der Stirpes 
hereditai'iae den siebenten Grad zur Geltung gebracht, auf den Text des 
Paulus ab, so kommt man andererseits freilich zu dem Krgebnis, daS die 
Worte, in denen sicb der Verf'asser iiber des Isidorus Tatigkeit in Saelien 
des siebenten Grades ausspricht, nur selir nneigentlicli zu verstehen sind; 
namlieh dahin, dafi, unabhSngig vom Stemma, Isidor sicb fur die Setzung 
eines siebenten Grades ausspreche, was dann, wir konnen sagen infblge, 
der Autoritat, die Isidor genofi, zu einer Erganzung des Stemma des 
Augustus um einen siebenten Grad gefiihrt hat. Ich finde im Hinblick 
auf die nicht wegzuleugnende rhetoriscbe Manier des Schriftstellers keinen 
Anlafi, gegen die vorgetragene Auffassung des Textes aus dem Grunde 
Bedenken zu iiufiern, dafi dieses Verstandnis niclit fiir das nachstliegende 
gelten kann. Aber wie dem auch sei, meint der Autor, dafi Isidor so 
oder anders die Erweiterung des Arbor des Augustus um einen siebenten 
Grad veranlafit babe: es trifft niclit zu, dafi Isidor an der Bereicherung 
des Stemma mit einem siebenten Grad beteiligt ist: denn Isidor rechnet 
die Verwandtscbaf't nur bis zum sechsten Grad'. Ein Brief des Hrabanus 
Maurus (776 — 856) erteilt auf die Frage des Humbertus von Wurzburg, in 
der wievielten Generation eine Ehe zulassig sei, Antwort (vor 842). Er kon- 
statiert, dafi Isidor in seinen Etymologien die Ehe innerhalb der sechsten 
Generation verboten habe, und erklart sich diesen Sachverhalt damit, dafi 
der spanische Bischof, indem er die Bestimmung des von ihm verwendeten 
Stammbaums ummodelte, seine Grenze als Grenze der Kognation und damit 
auch des Eheverbotes gelten lasse". Danach hat Isidor vielmehr eines 

1 Der Unistand, dafi Pa|>st Leo III. den Isidor bis zum siebenten Grad (es heifit dabci 
Septima generatio) reclinen laBt, kann dagesen nicht in Iietraclit koinmen. Der Text, in 
einem Schreiben vom Jalire 800, lautet wie folgt: repperiinua quippe in beato Ysidoro 
Spaniensi episcoj>o usque in septimain generationem observare et sic copulare, <|uia in septimo 
die quievit Deus ex omnibus operil)us suis, et in novellis Roinanonim legibus instar invenitur 
(MG Kpist. V 62). Gewifi wird sich die Annahine Leos auf da,s dem Isidor eingefugte oder 
in dem Deszeiidcntenausschnitt /.ugescliriebene Stemma grunden. Auch bei dem in den No- 
vellae Romanorum leges (= Juliani Kpit.) gefundenen Text mag Leo an unser Stemma ge- 
dacht liaben (vgl. S. 6 Note 3). 

2 Der Brief findet sich MG Kpist. V 444-ff. Der im Texte angegebene Inhalt (a. a. O. 
S. 446 u. 447) lautet: quod Isidorus in Ethimologiis suis usque ad sextain generationem consan- 
guinitntis abstinendum et sic legitime conubia eoniungenda asseruit, inde reor eum fecisse. quod 
genealojfiae seriem retexens, quousque ordinem numerando perduxit, eo cognationem servandam 
sanguinis aestimavit, sicque ad innovationem generis et amicitiac ius confirmandum redire ad 



Arbor iuris des fruiter en Mittelalters. 27 

Stemma mit sechs Graden sich bedient, wie sich ein solches auch in Hand- 
schriften der Etymologien und in der Ausgabe des Arevalo (III 449), un- 
mittelbar vor dem unsrigen, nachweisen laBt. Verdient die AuBerung des 
Hrabanus um so groBere Beaehtung, als er auch eines Verbots bis zum 
siebenten Grade gedenkt, dieses aber auf neuerliche Kundgebungen der 
Bftpste griindet 1 , so hat sich Isidor selbst in dem bereits in Bezug ge- 
nommcncn und, wie zu vermuten ist, von Hraban feenutzten Texte der 
Etymologien (9, 6, 29), die Grenze des Eheverbots und der Kognation 
identili/.ierend. fur den sechsten Grad ausgesprochen, ist aber audi in seinen 
sonstigen Erdrterungen fiber Verwandtschaftsverhaltnisse niemals daruber 
hinausgegangen'-. Es muB daher das Stemma, das den Gegenstand unserer 
ErOrterungen bildet, den Etymologien nicbt ursprunglich angehort haben, 
sondern ehlgeschaltet worden sein, wie es denn auch nur in einem be- 
scheidenen Teile der Cberlieferung begegnet 3 . Das sechsgradige Stemma, 
das die Form eines abgestumpftcn Dreiecks hat, konnte dagegen leiclit 
von Isidor herriihren. Es hat auch die Geschwisterreihe und reclinet 
nach rein romischer Komputation 4 . Leieht konnte sich in den Hand- 



conubiuin sancivit, ipiando iam cognationis ordo numerari desivit. Der Aiisdruck Series 
genealogiae begegnet /.. 15. audi in der Decretale Alexanders II. fiber die Komputation der 
Hliitvervvandtscliaft (c. 2 pr. C. XXXV q. 5). 

1 Es heifit n. d. vorige Note n. O. : quod aiitem proximis temporihus Roiiianoruin 
pontificuin scripta continent usque ad sextain vel septiniam genei'ationem coniugii usuin esse 
diflerendiun. Man vergleiclie nucil den Text S. 40 Note 1. 

' Insbesondere lieiCt es in den Etymologien (9, 5, 10): tiitavus ultiinmn cognationis 
noinen est. Kamilia eiiim oritur a patre, terminatur in tritavo. 

5 Die Ausgaben, selbst die des Arevalo (vgl. insbesondere die Bemerkungen zu A[)]>cn- 
dix XII [a. a. 0. Ill 537] und in der Yariautensanunlung [a. a. < >. Ill 592 und 593]) sind, wie 
iiii allgetneiuen hinsiclitlich der Uberlieferung des Isidor, im Punkte der Angaben iiber die 
Steinmata unzureichend. Unter diesen Umstiinden inufi jedes Urteil mit Reserve abgegeben 
werden. lch babe es mir angclegen sein lassen, insbesondere im Wege der Nachfrage bei 
den BibliotheksvorstSnden, mit Bezug aufeine grGBere Zahl von zumeist alteren Handscbriften 
der Etymologien festzustellen, oil sicli darin 11 user Stemma findet. Ivs sind dies Codd. 
Vercell. 58 (vgl. Reifferscheid, a. d. S. 25 Note 1 n. 0. II 210), 102, 120; Cod. Matrit. Hh — :S; 
('odd. Bern. 36, 95, 10 1, 204; Cod. Escor. 86 I 14; Codd.Monac. 4541, 6250, 22289; t'od. S.Gail. 
237; Codd. Vatic. Lat. 5764, Pal. Lat. 281; Cod. Aminos. L. 99 super. Das Ergebnis ist dies, 
daB unser Stemma in den folgenden Handscbriften vorkommt: Cod. Vercell. 58; Codd. Bern. 
95, 101, 204; Cod. Escor.; Cod. Vatic. Pal. 

4 Die Konuption im Texte, der mir aufier in den Ausgaben in dem Einsiedler Codex 
(137) vorliegt, durfte nicbt weniger groB sein als mit Bezug auf unser Stemma. 

4* 



28 M. Conrat: 

schriften der Etymologien hiervon eine reichere tTberlieferung erhalten 
haben 1 . 

Bleiben wir bei unserem Stemma, so ergab sicb, daS der Satz unserer 
Erorterung, Isidor schliefie bei Beschreibung der Stirpes hereditariae mit 
dem siebenten Grade ab, nicbt zutreffend ist. Indessen stellen diese Worte 
nur den Teil einer Ausfiihrung dar, deren Rest wir bislier nicbt ins Auge 
gefafit haben. Vollstandig wiedergegeben, gedenkt die Scbrift derer, die 
sicli i'iir don sechsten und derer, die sicli fur den zebnten Grad entschieden 
haben, ineint, dafi Isidor bei seiner Beschreibung der Stirpes hereditariae 
weder diesen noch jenen gefolgt sei und vielniehr mit dem siebenten 
Grade der Sukzession, worin er mit Justinian iibereinstimme, gewisser- 
mafien einen Quasimittelweg eingeschlagen habe (3 . . qui dum stirpes heredi- 
tarias describeret, nee illos qui in sexto, nee eos qui usque ad decimum heredi- 
tari decreverunt, cmulatus est. sed quodammodo quasi mediam viam eligens 
in septimo successionis gradu cum Iustiniano pausavit). Kin Quasimittel- 
weg (quasi media via) konnte bedeuten, dafi sieben nicbt in der Mitte der 
von dem Verfasscr hervorgehobenen sechs und zehn Grade gelegen ist: 
liei(3t es, dafi gewissermafien (quodammodo) Isidor eine Wahl getroften 
habe, so inochte das besagen, dafi bei dem von dem Schriftsteller voraus- 
gesetztcn » Diktat" des Papstes Gregor von einer Wahl nicbt eigentlich 
gesprochen vverden konnte; meint es Hrabanus Maurus sicherlich ernst, 
vvenn er die oben beriihrte Anf'rage dahin beantvvortet, dafi er, indem er 
sicli fur den fiinften Grad entscheidet, einen Mittelweg zwischen jener die 
Ehe bereits in der dritten Generation gestattenden Entscheidung des Papstes 
und Isidor eingeschlagen habe (inter Gregorium et Isidorum medius ince- 
dens), so tritt hierin ein interessanter, vennutlich durch die Verschiedenheit 
der Entstehungsverhaltnisse verursachter Gegensatz zutage. Mit Bezug auf 
die Erwahnung derjenigen, die sich fur den zebnten Grad entschieden 
oder, wie es wortlich heifit, die ein Erbrecht — ab intestato — bis zum 
zehnten Grade angenommen haben", wird so viel far sicher gelten konnen, 



1 Von den S. 8 Note 2 und S. 27 Note 3 genannten Handschriften findet sieh das 
Stemnisi in Cod. 2 Weiss. (4086); Cod. Kinsiedl.; ('odd. Vercell. 58 und 102; Cod. Matrit.; ('odd. 
Bern. 36, 95, 101, 204; Cod. Escor.; Cod. Ambros. 

1 In den Worten Qui in sexto, . . qui usque ad decimum hereditari decreverunt das 
Zeitwort Decernere von gesetzgebeiiscliein EntschluB, bzw. Beselilufi zu verstelien, ist spiach- 
lich unbedenklieli und liefie sicli audi mit Be/.ug auf unseren Fall fuglich dahin versteheu, 



Arbor iuris des fruheren Mittelalters. 29 

dafi damit auf eine Stelle in dem ja auch, wie wir sofort sehen werden, 
von dem Verfasser zitierten Institutionentitel De successione cognatorum 
(3> 5) Bezug genommen ist; es heiBt darin (§ 5), daB lure agnationis audi 
der Vervvandte im zehnten Grade zur Erbscliaf't zugelassen wird, sowohl 
nach Lex duodecim tabularum, als auch nach dem Edikt des Prators': 
welclier Text, obschon er ja in Wahrheit lediglich die Unabhangigkeit 
des Agnatenerbrecbts von den Schranken des Edikts und seine Geltung auch 
in den entferntesten Graden bezeugen wollte'"', schon von der alten Twiner 
Institiitionenglosse (288, 310, 323) und dann weiter im Mittelalter im Sinne 
einer Beschrankung des Erbreclits auf den zehnten Grad verstanden worden 
ist 3 . Hingegen f'ragt es sicli, woran der Schriftsteller denkt, wemi er 
von solchen spricht, die sich fur den sechsten Grad entschieden haben. 
Es kann kaum ein Zufall sein, daB er sich dabei einer anderen Redewen- 
dung als mit Bezug auf die Anhiinger des zehnten Grades bedient: er 
spricht niclil, wie dort, von solchen, die der Ansicht gewesen sind, dal3 
bis zum sechsten Grade geerbt werde, usque ad sextum hereditari, sondern 
von In sexto, wozu ein Hereditari zn denken dem Zusammenbang nach 
keinen Sinn gibt, und fiiglicher aus dem Folgenden In septimo successions 
gradu . . pausavit das letztere Zeitwort in Gedanken zu erganzen ist; ich 
komme auf diesen Punkt im folgenden Abschnitt (S. 33 u. 34) zuriick. 



dafi als die melireren, die gesetzgeberisch den Stand punkt des zehnten Grades vertreten, Lex 
duodecim tabularum und das Kdikt bzw. der Frator gelten (vgl. die folgende Note). Mit 
Bezug auf die Vertreter <les seclisten Grades fehlt indessen die Miigliclikeit eines solclien 
Verstandnisses durchaus, so dafi man fiberhaupt davon absehen mufi. 

1 Hoc loco et illud necessario admonendi sumus adgnationis quideoi iure admit ti ;ili- 
quein ad hereditatem et si decirao gradu sit, sive de lege duodecim tabularum quaeramus, 
sive de edicto, <|Uo praetor legitimis heredibus daturuiii se bonorum possessionem pollicetur. 

2 Ceteruiii (inter masculos quideui) adgnationis iure liereditas etiam longissimo gradu 
ultro citroipie capitur (I. 3, 2, 3). 

' Die Auffassung begegnet spater bei den Glossatoren, wie bei Placentin Summa 
Instit. 3, 4 und Accurs. Gl. ad I. 3, 5, 5 nato nataeve. Ich neige hier jetzt mehr als friiher 
(vgl. a. d. S. 6 Note 2 a. (). I. 1 17, Note 3) zu der Annahme, dafi man es hier mit einer traditio- 
nellen Auslegung und nicht mit r.ufalliger tlbereinstiinmung zu tun hat: Auslegung eines 
Textes, der das gauze Mittelalter hindurch in die Diskussion der brennenden Frage des 
Khehindernisses der Blutverwandtschaft bineingezogen wurde. Der Text begegnet auch bei 
Fetrus Dainiani und in der Dekretale Alexanders II. (§ 3) und dient hier zum Krweise des 
Sachverhalts, dafi nach den Institutionen die Verwandschal't nicht schon mit dem siebenten 
bzw. sechsten Grade abschliefit: vgl. a. d. S. 33 u. Note 1 das. aa. Stellen. 



30 M. Conrat: 

SchlieBt die obige Ausfiihrung mit Erwahnung des Sachverhalts, dafi 
Justinian mit dem siebenten Grade die erbrechtliche Sukzession abgeschlossen 
habe, so bilden die darauf folgenden Worte eine Recbtfertigung dieser Be- 
hauptung. Es heiBt namlich, wie folgt (4): qui licet in sexto videatur 
gradu arboris quievisse, septimum tamen servavit in successionum diffini- 
tionc, sicut in tercio elementorum libro apparet. Somit sagt der Schrift- 
stcller, dafi Justinian, wenn er aucli mit dem sechsten Grade des Arbor 
sicli begnugt zu baben scbeine, h'mgegen bei der Dif'finitio graduum den 
siebenten zur Geltung gebraclit hat, wie das dritte Buch der Elementa, 
das ist der Institutionen, ergebe. Bekanntlich findet sicb in den Institu- 
tionen, nach iiberwiegender Annahme 1 , das Stcmma, das dem Gesetzbuch 
eigen gewesen sein wird (vgl. I. 3, 6, 9), nicbt erlialten. Sagt der Schrift- 
steller, Justinian scbeine sicb mit dem sechsten Grade des Arbor begnugt 
zu haben, so liegt hierin natiirlich nicbts, woraus sicb folgern liefie, ihm 
liabe der Arbor vorgelegen, da seine Auf3erung auf einer SchluGfolgerung 
bus den den Arbor iuris ankundigenden Ausfuhrungen (§ 9) des Institu- 
tionentitels De gradibus cognationis (3, 6), die mit dem sechsten Grade 
abschliefien (§ 6 und 7), beruhen konnte; iiberdies mochte ihm auch ein 
nicht authentischer Arbor vorgelegen haben. Die Diffinitio graduum, die 
den siebenten Grad zur Geltung gebracht hat, ist der Institutionentitel I)e 
successione cognatorum (3, 5). der neben dem bereits ervvahnten Satz, daB 
Agnationis iure aucli die Verwandten zehnten Grades zur Erbscliaft zuge- 
lassen werden, lionorum possessio den Kognaten bis zum sechsten Grade 
zuteil werden lfifit und a us dem siebenten dem A sobrino sobrinaque 
natus natave (§ 5). Weist der Schriftsteller als Site der Materie auf das 
dritte Buch der Institutionen, fur das Rechtsbuch die nicht ganz haufige 
Bezeichnung der Elementa wahlend, so konnte sicli das Zitat auf die Texte 
aus beiden Titeln (3, 5 und 6) beziehen. 

Der Autor kniipft dann noch die folgenden Worte an (5), mit denen 
die Erorterung abscldieBt. Quod beatus Calixtus commemorat dicens: eos 
autem consanguineos dicimus, <mos divine et seculi leges consanguineos 
appellant et in hereditate suscipiunt nee repellere possunt. Es ist ein nicht 



1 Vgl. insbesondere Kruger, Justiniani Instit.3 S. 100, Note 6. Die entgej^engesetzte 
Aiiniiliine, diifi niinilicli der Arbor iuris in der Handsclnift der I-ex Roinana eanonice compta, 
Cod. Paris. 12448, sicli erlialten hat, ist a. d. S. 6 Note 2 a. O. I 634, ausgesproclien und mit 
der hlofien Hestreitun" Kriiirers nicht widerleut. 



Arbor iuris des friiheren Mittelalters. !{ 1 

ganz wortlich wiedergegebener", viol benutzter Text avis Pseudo-Isidor 2 , 
wo er (lem Papste Calixtus (Epist. 2, 16) in den Mund gelegt ist. Hier 
gehen die Worte Coniunctiones consanguineorum fieri proliibete, quando 
(— quia) has et divinae et saeculi prohibent leges voran, und ist jener 
Satz zu ihrer Erlauterung gesclirieben. Der Zusammenhang ist dann der, 
daB Ehcn der Blutverwandten verboten, Blutverwandte aber diejenigen 
Personen sind, die nach geistlicliem und weltlichern , Recbte so hoiBen 
bzw. die letzteres zur Erbscliaft, Ab intestato, beruft. In unserer Erorte- 
ruag, wo er sicb unmittelbar der Ausf'iihrung auschliefit, daB Justinian laut 
Aussage des dritten Buchs der Institutioncn die erbrechtliche Sukzossion 
bis zum siebenten Grade reichcn laBt, soil der Ausspruch des Calixtus, 
nach dem die weltliehen Gesetze die Blutverwandten zur Erbscliaft ver- 
statten, wold keinem anderen als dem Zwecke dienen, zu zeigen, daB die 
berfdirte Ausfuhrung des .lustinian einen Beleg fur jene papstliche Aus- 
sage darstellt. 

7. Es sei nunmehr von den Entstehungsverhaltnissen des vorliegen- 
den Produktes die Rede, wobei sich, wie mir scheint, empfiehlt zu unter- 
scheiden das Produkt, wie es in der vatikanischen Handschrif't vorliegt, 
und das Stemma, das in ihr, wenn audi nur zur Halfte, zur Benutzung ge- 
kommen ist. Was nun das erstere anlangt, so la'Bt sich aus dem Uinstand, 
daB, wie bemerkt worden ist (vgl. S. 19), die Worte Dictante Gregorio von 
dem Satze Ut iam relatum est begleitet sind, da sich sonst nichts darauf be- 
zugliches auf dem Blatt findet, schlieBen, daB es in einen Zusannnenhang 
gehort, der heute verloren gegangen ist: man mochte meinen, daB eine 
Kanonensammlung das Notige, das will sagen, die mit den fraglichen 
Worten in Bezug genommene Vorschrif't Gregors enthielt. Zieht man dabei 
in Betracht, daB das Blatt auf der Ruckseite nach einigen Zeilen zum 
groBeren Teil frei geblieben ist, wahrend es sich doch nicht als SchluB- 
stiick eines Werkes gibt, so liegt es nahe, anzunehmen, daB es sich im 
Verhaltnis zu jener Sammlung als eine Einschaltung oder als Appendix 



1 Statt Divine et seculi leges heifit es Divinae et imperatorum Romanonim atque 
Grecormn leges. Das Divinae et saeculi leges ist indessen dem Briefe gleichfalls nicht freuid 
(vgl. im Text). 

1 Er steht ntich im Decretum Giatiani, c. 2, ('. XXXV, q. 2 und 3. In der Fried- 
bergschen Ausgalie sind dann zu dem Texte (8. 1263 und 1264) die alteren Fundstellen 
angegebeu. 



H2 M. Oonrat: 

darstellt, welcher Umstand dann audi leiclit verursaeht haben wird, da.fi 
es sich von dem Fonds der Handschrift loste. Es konnte dann urn so 
eher ein Werk des Schreibers selbst sein, als fur diese Annahme auch 
der Inhalt dcs Stiickes in der das Stemma begleitenden Krorterung einige 
Daten liefert: einigermafien schon die Anrede des Lesers mit den Worten 
Karissime f'rater, sodann der Sachverhalt, dafi, nacli Angabe des Autors, 
die Korrektur des Stemma den Briidern zuliebe vorgenommen wordcn ist, 
scliliefilicli und besonders die dem Produkt zugrunde liegende Idee, urn 
der jungen Leute willen das Stemma zur Halfte vorzulegen. Sind die 
Fratres, wie man mit Siclierheit annehmen darf', die Ordensbriider des 
Verf'assers 1 , so wird die Krscheinung des padagogisch so bizarren Planes, 
clinch Teilung des Stemma sein Studium bei der Jugend zu fbrdern, ver- 
standlicher, wenn wir in ilim den Einfall des Schreibers erblicken dfirfen. 
der dann auch um seiner Sonderbarkeit willen fiber die vorliegende erste 
Niederschrif't nicht hinausgekommen zu sein braucht: im Kopf eines Menschen, 
der seine Leute, die jungen Leute, die Parvuli kannte, mochte der Plan auch 
weniger bizarr gewesen sein. Heifit es dann, dafi die Brfider nach dem Ge- 
nusse der Milch, in Gestalt des halben Stemma, zur festen Speise des ganzen 
Stemma gelangen sollen, so konnte man meinen, dafi die Samnilung selbst 
den Arbor in seiner Vollstandigkeit enthalten hat. Deutet die Korrektur 
des Stemma, den Briidern zuliebe, sowie seine Teilung um der jungen 
Leute willen, schliefilich die Perorierung des Ordensbruders mit Sicherheit 
darauf hin, dafi das vatikanische Stuck zur Unterweisung der jungen Ordens- 
briider bestimmt gewesen ist, so fehlt andererseits jeder Anhalt fur die An- 
nahme, dafi der darin aufgenommene Arbor iuris Gegenstand eines mfind- 
lichen Unterrichts, geschweige denn Gegenstand eines fiber die Kreise der 
Fratres hinausgehenden Unterrichts sein sollte. Mit dieser Bestimmung 
des Stemma ist aber zugleich auch gegeben, dafi der Arbor geistlichem 
Zwecke zu dienen berufen war, wobei es sich natfirlich um seine Ver- 
wendung fur die Materie des Ehehindernisses der Blutverwandtschaft han- 
delt, und so bedienen sich seiner auch die Vater des Konzils von Douci, 
wie aber auch die Deszendentenpartie unseres Stemma, die mit echt 
isidorischem Text zu einem Stfick verknfipft wurde, gerade durch diesen 



1 Von Parvuli in canonicam vel monachicam societatem suscipiendi spricht auch eine 
im N. Arch. d. Ges. f. alt. deutsche Geschichtsk. XXX 30 (vgl. S. 19 Note 3) abgedruckte 
Krorterung, wohl aus gleicher Zeit, wie das Stemma. 



Arbor iuris des friiheren Mittelalters. 33 

Umstand cherechtliche Bedeutung erhielt. Audi der Inhalt der in der 
vatikanischen Handschrift das Stemma begleitenden Erorterung lafit diese 
Bestimmung als ganz sicher erscheinen. Spricht der Verfasser in Remi- 
niszenzen an altes und neues Testament, sucht er in einer angeblichen 
papstlichen Dekretale eine Bestatigung des Sachverhalts, dafi eine Lex 
saeculi die Blutverwandten zur Erbschaft ruft, so wird er dabei doch am 
ehesten auf geistliche Leser rechnen. Gregors Initiative, die nach der 
Darstellung des Autors fur Isidors Emfuhrung des siebenten Grades ent- 
scheidend wurde, kann diesen doch lediglich als Grenze des Khehinder- 
nisses betrofi'en haben, und so mag im Sinne des Autors schon Isidor selbst 
dem Arbor elierechtliclie Bedeutung zugeschrieben haben, wie ja kaum 
eine andere Personlichkeit in authentischen oder ihr zugeschriebenen Aus- 
(uhrungen, in Sachen des Ehevcrbots, in gleichem Mafic wie Isidor als 
Autoritat vervvertet worden ist, wovon auch diese Untcrsuchung Zeugnis 
ablegt. In der Siebenzahl der Grade, die friilizeitig in der Kirche als 
(Jrenze des Ehehindernisses gegolten hat, in dieser Konkordanz mit den 
Regeln der Kirche, wie es die Vater des Konzils von Douci ausdrucken 
Arbor iuris legis Romanae ecclesiasticis concordans legibus - - war 
gleichsam eine Einladung gelegen, den Arbor in den Dienst der Kirche 
zu stellen. Es ist dann aber um so licincrkenswerter, dafi von einer 
anderen als der romischen Komputation, die I'reilich in der Seitenlinie 
keine reine ist, nicht die Rede ist. Stimmt in diesem Punkt die Schrift 
init dem Standpunkt der Ravennaten, gegen die sich, um die Mitte des 
1 I. Jahrhunderts, Petrus Damiani wendet', und der Kreise, die Alexander II. 
in seiner die kanonische Komputation verfechtenden Dekretale voin Jahre 
1063 (c. 2 ('. XXXV, q. 5) bekampft, uberein, so besteht insofern cine 
Abweichung, als in unserem Texte keinerlei Polemik, ja nicht einmal ein 
Sichzurgeltungbringen gegenuber einer andern, insbesondere kanonischen 
Komputation hervortritt, wie wir es in den Kundgebungen, die von dem 
offiziellen Standpunkt der Kirche abweichen, doch erwarten durf'en. Wohl 
lafit sich die Aufierung, dafi Isidor sich denjenigen nicht angeschlossen 
habe, die sich mit dem sechsten Grade begniigten, in dem Sinne einer 
Stellungnahme gegen eine zu Beginn der zweiten Half'te in Italien ver- 



1 Vgl. a. (1. S. 6 Note 2 a. O., I 601 ff. Die Schrift hildet, unter dem Titel De jtaren- 
telae gradibus, in der Ausgabe des f'ajetan das Ojmsc. VIII (III, 77 sqq.). 

Phil.-hist. Klasse. 190'J. Anhang. Abh. II. 5 



H4 M. Conk at: 

tretene Anschauung auffassen, indessen gerade eine solche, die mit Bezug 
auf das Ehehindernis der Blutverwandtschaft gleichfaTls romische Com- 
putation vertrat und nur als Grenze der Kognation bzw. des Eheverbots 
den seclisten Grad bezeiclinete'. Die Auffassung, dafi der Schriftsteller 
hierauf reflektiert, scheint mir den Vorzug zn verdienen vor der Annahme, 
tin (^ er mit seiner Aufierung diejenigen iin Auge hat, die den offiziellen 
Standpunkt teilend und demnach auch tatsachlich mit dem siebenten 
Grade abschliefiend, nur auf die Art zu eineni seclisten gelangen, dafi 
sie mit den Enkeln den ersten Grad bcginnen". 1st, wofiir die Vcrnm- 
tung spricht, der Scbreiber glcichzeitig der Verfasser des Stiickes, so 
ergibt sicli eine den Kundgebungen <les Petrus Damiani und Alexanders II. 
nahekommende Entstehungszeit, welelie Annahme dureb den Umstand unter- 
stiitzt wird, dafi, wie mir scheint, die Latinitat des Stiickes cin gleicbes, und 
zvvar gleicli holies Mafi der Entwicklung aufweist wie jene Dokumente. 
Wird man nach dem Umstande, dafi sich Alexanders Dekretale an die 
neapolitanischen Kleriker und die samtlichen Bischdfe und ludices in Italien 
richtet (Alexander Neapolitanis clericis et omnibus Episcopis atque Iudicibus 
per Italiam constitutis) und die Schrift des Petrus Damiani auf* italienische 
Verhaltnisse reflektiert, Entstehung in Italien vermuten diirfen, so spricht 
hierfur auch, dafi der Autor sich der Institutionen bedient, deren Nutzbar- 
machung um diese Zeit vorzugsweise in Italien erwartet werden darf. In- 
dessen gehoren die Beziehungen des Stiickes zu den Quellen des Romischen 
Rechts, in denen es im ganzen und so auch in der Wahl der Texte mit 



1 Gerade gep;en diesen Standpunkt ist die imText(8.33) eru.rterte DekretaleAlexanderslI. 
(ingleichen eine jiingeie (lensell)en Gegenstand betreffemle [Jaffe, Regesta' N. 4506]) gerichtet. 
Sie zeiclinet die Gegner als solche, die die Kinder der Geschwisterkinder als seclisten Grad 
nelimen, und falirt dann fort: (pr . . . in Imiiismodi sexto grad 11 earn (se.: progeniem) termi- 
nantes, dicunt, deinceps viros ac midieres inter se nnptialia iura jwsse contrnhere . . Sic (sc. 
in sexto) seriem genealogiae tenninantes, numerationem sanctorum l'atrnin et anticjuaiii eccle- 
siae conputalionem ad nos usque perductam perversa i|uadam calliditate disturbaie nituntur. 
Die Vertreter dieser Ansicht stiitzten sicli offenbar auf den Umstand, da6 Justinian in den 
Institutionen (3, 6, 6 und 7) die Auf/.alilung der Verwandten mit dem seclisten Grade ab- 
gescldossen hat. 

2 Schon in der Dekretale Alexanders II. (vgl. a. d. S. 33 a. O., § 10) wird, bei prin- 
zipieller Verkundigung des siebenten Grades, bemerkt, dafi nach der Conputatio que incipit 
a fratrilms der sechste an die Stelle tritt. Bei Gratian und den sich anschliefienden Kano- 
nisten werden diesem Gegenstande breitere Ansfuhrungen gewidmet (vgl. Freisen, a. d. S. 22 
Note 2 a. 0., S. 429 11'.). 



Arbor iuris des fruheren Mittelalters. 85 

den genannten Dokumenten ubereinstimmt, in einen grSfieren Zusammen- 
hang, auf (lessen Entfaltung an dieser Stellc verzichtet werden soil. 

Was die EntstehungsverliSltnisse des vollstandigen Stemma betrifft, 
so ergab sich ja, da 6, wenn nach dem Autor, hinsichtlich eines Augustischen 
Arbor iuris, Isidor auf Anordnung Gregors bei Beschveibung der Stirpes 
bereditariae die Krweiterung um einen siebenten Grad veranlaSt hat, diese 
Annabme unsticlibaltig ist: in Wahrbeit ist das Produkt, das nacb dem 
Autor jene Krweiterung veranlafit hat, die Sentenzen genannte Schrift des 
Paulus, mit Bezug auf deren Inbalt von einer vorgangigen Ordnung eines 
Papstes Gregor nicht die Rede sein kann. Ist dann vvenigstens ein 
Augustiseber Ursprung in Hinsicht auf das Stemma wahrscheinlicb? In 
der Tat scbeint mir dies der Fall zu sein. Sprecbe ich von Augustiscbem 
Ursprung, so verstebe ich darunter Ursprung von eineni der Augusti, die 
die Urbeber der groBen Kodifikationen des ausgehenden Altertums sind, 
Justinian und Alaricb II., bzw. von ihren Gesetzgebungen, was bei der Art 
ibrer Zusammensetzung mittelbar audi Herkunft von einem alten romischen 
.Itiristen sein kann: ein obne das Medium der Kodifikationen bestehendcr 
Zusammenhang des Stemma mit einem alten Juristen ist dagegen freilich 
nicbt wabrscbeiidicb. Niclit als ob ich nieine, da 13 cine dieser Kodifi- 
kationen das Stemma enthalten hatte, wie ja das Breviar iiberhaupt kein 
Stemma hatte, und der Arbor iuris der Institutionen, soweit er uberhaupt 
zur Verfugung stelien konnte wir wissen niclit, wann er verloren ging , 
wenn wir seinen Inbalt nacb den Ausfuhrungen des Institutionentitels De 
gradibus cognationis (3, 6) beurtcilen diirfen, dem unsrigen ziemlich fern 
stand: sondern in dem Sinne, dafi der Urbeber des Stemma da.raus seinen 
Stoff entlehnt hat. Deiin wonacb soil das Stemma, sonst gebildet sein? 
Obne eugen Anschlufi an cine Quelle konnte docli die Zeit schwerlich ein 
Stemma bilden. AUerdings enthalten ja audi Isidore Ktyinologien aus alten 
Juristen Ausfuhrungen uber Verwnndtschaftsverhaltnisse (vgl. S. 24), boten in- 
dessen aueli niclit von fern ausreicliendes Material zu seineni Aufbau. Fragt 
es sicli nun, welches von bciden Gesetzbiichern in Betracht koninit, wobei 
binsicbtlicli des Corpus iuris lediglich mit, einer Benutzung der Institutionen 
zu reebnen ist', so wird man sich fur das Breviar kaum schon aus dem 

1 Audi die Pandekten eutlinlteii in dem Titel D<> gradibus et adfinibus et noiniiiihii.s 
eonim (38, 10) beziigliclie Ausftilirungen (von Oaius 1. 1 11. 3; von Paulus I. 10). Der Zeit 
until kann aber schwerlicli eine Benutzung der Pandekten in Betracht kominen, ganz al>- 



36 M. Conrat: 

Grunde entscheiden durfen, weil das Stemma vereinzelt in Verbindung mit 
dieser Kodifikation begegnet 1 . Erheblicher fur diese Annahme ist schon, 
dalS die Vliter des Concilium Duziacense das Stemma als Arbor iuris legis 
Romanae bezeicbnen: ist fur sie ohne Zweifel das Breviar die Lex Romana, 
so wollen sie es damit, wenn nicht geradezu als zum Breviar gehorig, 
mindestens als etwas gelten lassen, was seinem Inhalt entspricht bezw. die 
grapbische Darstellung der im Breviar fiber die Verwandtsehaf'tsverhalt- 
nisse entbaltenen Ausfuhrung ist. Diese Ausfuhrung ist der bereits (S. 25) 
genannte Titel De gradibus in dem Auszug aus den Sentenzen des Paulus 
(4, 10). Und jedenfalls ergibt sicli, dafi im Vergleicb mit der entsprecbenden 
Darstellung in den Institutionen, im Titel De gradibus eognationis (3, 6) 
die Pauliniscbe dem Stemma naher steht". Geradezu aber fur Benutzung 
des Paulus und nicbt der Institutionen spricbt der Umstand, daB ersterer, 
der die Verwandten des secbsten Grades vollstandig uberliefert (§ 6), dem 
Verfasser des Stemma, aufier fur Linea recta, auch nocb das vollstandige 
Material fur den secbsten — im Stemma den fiinften — Grad der Seiten- 
verwandtschaft liefern konnte, wahrend die Institutionen (§ 6) neben Linea 
recta in der Seitenlinie nur Abpatruus abamita abavunculus abmatertera 
und Sobrinus sobrina nennen, hingegen von Patruelis amitini consobrini 
consobrinae nepotes Propatrui proamitae proavunculi promaterterae filii 
niclits erwahnen. Fur die Verwandten des siebenten Grades bzw. des 
acbten in der Seitenlinie, die das Stemma angibt, boten f'reilicb weder 



gesehen davon, daB wenigsteus der dem Liber de gradilius des Paulus entlehnte iiheraus 
eingeliende Text (1. 10) eine Zusanunenfassung und Exzerpie.rimg, wie sie ein Stemma er- 
fordert, zu einer so schwierigen Aufgabe gestaltet, wie sie die nachkodifikatorisclie Zeit 
kail in leisten konnte. 

1 Die Handscliriften, in denen sicli das Stemma findet, sind nach Haenel, Lex Rom. 
Vis. p. XXIV u. vor p. 457 zu Form. II, Cod. Vat. Lat. Reg. 1048 (a. a. O. p. LXXI1), Cod. 
Paris 4409 (p. LXXI), Cod. Bern. 263 (p. LXXII) 11. Cod. Lngd. Bat. (p. LXXV1I). Ea geht 
iiberall dem Breviar (in Cod. Lugd. der Epitome Aegidii) voraus und schliefit an Text aus 
dem neunten Buclie der Etymologien an. Man konnte es danaeli auch als zu letzterem 
gehorig betrachten. 

2 So hei Auffiihrung des Kindes von Patruus und Amita, wo es im Stemma heifit 
Fratei' soror patrueles amitini, ahnlich wie liei Paulus (§ 4 Crater patruelis soror patruelis.. 
amitinus amitina). Dagegen steht in den Institutionen (§ 4) das Folgende: eos vero, qui ex 
duobus fratribus progenerantur, proprie l'ratres patrueles vocari (si autem ex duobus fratribus 
filiae nascantur, sorores patrueles appellantur); at eos, qui ex fratre et sorore propagantur, 
amitinos proprie diei. 



Arbor iuris des fruherm Mittelaltcrs. 37 

Paulus noch die Institution en einen Vorgang: Paulus (§ 7) nennt aber wenig- 
stens den Grad. weim aucli die von ilnn genannten Verwandtenklassen, ins- 
besondere Fratris sororisve atnepos adneptis, die der Geschwisterreilie an- 
gehoren, aus Griinden (vgl. Note 1) im Steinma nicht erscheinen. Fiir die 
Annalime einer Verwertung des Paulus bei Abfassung unseres Steimna 
spricht sodann aber»auch der Umstand, dafi es, worauf hingewiesen vvurde 
(vgl. S. 1 1), fiir dieSobrinen die Bezeiclinung Sobrini sobrinae filii gebrauclit; 
denn schon bei Paulus selbst (§ 6) werden die Sobrinen als Propioris sobrini 
filius filia bezeicbnet 1 , so dafi bei Ersatz des Propior durcb Proprius, wie 
er deni Steinma, aber aucli Ilandscbrif'ten der Sentenzen eigen ist 2 , die Be- 
deutung des Proprius in Betracbt gezogen. die Bezeiclinung Sobrini sobrinae 
filii bereits durcb die Vorlage geliefert war: anders als in den Institutio- 
nen (§ 6), die die Sobrinen nur rait diesera Nanien bezeicbnen und somit 
einen Widersprucb zu den im Stemina gebrauchten Sobrini sobrinae lilii 
entbalten. Nicbts findet sicb iin Stennna, was der Annalime widerstreitet, 
dafi Paulus dem Steinma zugrunde liegt 1 . Ist die Annalime, dafi eine 
Benutzung des Paulus stattgefunden bat, zutrefl'end, so wird dann aucli 
das Stemina urspriinglicli siebengradig gewesen sein und als erste Reibe 
die Gescbwisterreibe gebabt haben, deren Glieder, von Bruder und Schwester 
ab bis zum siebenten Grad (§ 7), bei Paulus aufgezablt sind. Iliren Aus- 
i'all wird man sicb dann am ebesten mit der Annalime eines rein zufalligen 

1 Im Breviar init dem Zusatze Qui consobrini appellantur, wie aucli § 7 im siebenten 
(>rad Consobrini filii filineipie aufffihrt. Das Wort Consobrinns, das von dem Verfasser des 
Steinma auf die Ueschwisterkinder bezogen vvurde, war fiir ihn hier nicht verwendbar. Die 
von Contius fiir Paulus empfohlene Krselzung von Consobrini (lurch Sobrini lizw. Sobrini 
sobrinae (vgl. Arndts, Iulii Pauli Kecept. Sent, ad h. I. [p. 122J), urn welche Verwandten- 
klasse es sicb jedenfalls hier handelt, verdient /.vveifellos Ziistimnumg. 

a Vgl. G. Haenel, Varietas Script, ex Paulli . . ej>it. codicibus, ad § 5 11. 6 h. tit. (p. 53). 

* § 5 des Sentenzentitels bezeicbnet als Propatruus proamita lediglich Proavi paterni 
frater et soror, wahrend Frater et soror des Proavus materuus als Proavunculus proinater- 
tera gelten sullen. Dies entspricht nicht unserem Stemina, wonach der Ausdriick Propa- 
truus proamita fiir die — direkte — Des/.endenz eines jeden Proavus zur Verwendung 
kommt, wahrend Proavunculus promatertera fiir die Des/.endenz der Proavia vorbehalten bleiht. 
hbenso verhalt es sicb, wenn § 4 als Patruus luagiiiis amita magna lediglich Avi paterni 
frater et soror, ingleichen, wenn 5; 6 als Ahpalriius abamita lediglich Abavi paterni frater 
et soror gelten lassen will, wahrend Abavi materni frater et soror die Bezeichnung von 
Abavunculus abmatertera fiihren. Indessen diirfte die Konjektur von C.ujacius, die den Text 
der §§ 4, 5, im Sinne unseres Steinma und dem aligeineinen Spiacligehrauche geinal3 
audert, ohue alles Bedenken sein (vgl. Arndts, a. d. Note 1 a. ().. ad h. I. |p. 121, 122I). 



88 M. Conrat: 

Vorganges erklSren. Es liatte, urn es nach der an der Gestalt des Stemma 
sich vollziebenden Wandlung auszudriicken, ein Einriicken der Reibe von 
Oheim und Tante und ein entsprechendes HerunterrQeken der iibrigen 
Reilien zur Folge, und das Stemma bot die Ersclieinung eines in Linea 
recta sieben-, in der Seitenlinie aber secbsgradigen Stammbaums dar. Damit 
war dann der Grund zu einer neuen Komputation in der Seitenlinie gelegt, 
die freilich erst sich konsolidiert, zur Festlegung durcli entsprechende Ziffern, 
zuni Versuch einer Recbtfertigung der von der romiscben abweiclienden 
Berecbnung und zur Beifugung des siebenten Grades gefubrt baben wird, als 
derAnschlufi an die Quelle (Paulus) verloren gegangen war: diese rcdete ja 
docb von den Gescbwistern und ibrer Descendenz und bezeicbnete die erste- 
ren als zwciten (§ 2), und zwar des gleicben Grades, wie Avus avia nepos 
neptis, hingegen Obeim und Tante als dritten (§ 3)' und iiberbaupt die 
Verwandten in der Seitenlinie mit einem urn einen boberen Grad als das 
Stemma. Bestimmend fur die Erganzung wird ebenso sehr die Grades- 
ungleichheit des Stemma in Linea recta und obliqua wie das Verlangen 
der kirchlichen Kreise nach seiner Verwertbarkeit gcwesen sein. Sie er- 
folgte dann nicht (lurch Wiedereinfubrung der Geschwisterreibe. die nun- 
mebr bereits besetzt war, sondern durch Hinzuftigung eines neuen, in Wabr- 
heit achten Grades in der Seitenlinie. 1st die bier gegebene Darstellung 
der Entwicklung unseres Stemma richtig, so erweisen sich die Angabcn, 
mit denen der Schriftsteller den Verlauf der Entstebung des Stemma zeichnet, 
zwar als nicht zuverlassig, immerhin docb nicht als durcbaus bodenlos. 
Das Stemma ist wirklicb, seinem Ursprung nach, ein Augustiscbes Stemma, 
und seine Erganzung urn einen Grad in der Seitenlinie mochte kircblicber 
Anregung folgen. Allerdings geschab sie nicht durch Isidor und nicht 
sowohl zwecks Erweiterung eines urspriinglicb kiirzeren Stemma, als viel- 
mebr zwecks Krsatz eines im Laufe der Zeit unvollstandig gewordencn: 
nur geschab die Erganzung anders als im uispninglicben Stemma. Als 
Period(! der llerstellung des Arbor aus dem Breviar wird man am ehesten 
die Zeit bald nach Einfubrung des Gesetzbucbs anseben miissen, woraus 



1 I in Breviar wird Vater- und Mutterbruder in der Interpretation zu dem dem -/.weiten 
Grade gewidmeten Passus (§ 2) genannt. Offenbar indessen niclit in dem Sinne, dafi sie 
zuni -/.weiten tirade gehoren, sondern dafi sie als Beispiel eines weiteren Grades, fiir die 
von ['aulas erinteite Duplikation der Verwandten, dienen sollen: schon Paulus hebt heivor, 
daQ sie Sei|tienlilius quibuscunque gradibus stattfiudct. 



Arbor iuris des frvhe.ren Mittelalters. 89 

sich audi ungefahr tier Entstehungsort ergibt: wenigstens traue ich eincm 
flber das 6. Jahrhundert hinausgelicndcn Zeitalter das Vcrmogen nicht 
zu, eine solche Leistung auszufuhren. Wenn uns dann sclion in dor viel- 
leiclit iltestcn Handschrift dor Etymologien, im 8. Jahrhundert, das ver- 
vollstandigte Stemma begegnct (vgl. S. 9), .so ist dam it die aufiersto (irenze 
bezeichuet, innerhalb deren die geschilderte Entwicklung zum Abschlufi 
gelangt ist. Man win! dann letztcre, die sicli, wie efwahnt, abseits void 
Breviar vollzog, am ehesten nach Spanien versetzen wollen, wo mit der 
Mitte des 7. Jalirhunderts das Gesetzbuch zunachst aus der praktischen 
Anwendung, ohne Zweifel aber aucli bald als juristisches Bildungsmittcl 
ausschied', und in dem Umstande, dafi jene Handsclirift spaiiiscben Ur- 
sprungs zu sein seheint 2 und das Stemma in das Work des spanischen 
Bischofs eingescbaltet bat, hicrfur eine Stiitze erblicken. Zunaclist in dieser 
Vcrbindung mag es sclion frub weiter, aucli nacb Italien (vgl. S. 26 Note 1) 
gedrungen sein, wie aber sicher der Sacbvorhalt, dafi wir ilini im 11. Jahr- 
hundert in einein italienischcn Stiicke begegnen, nicbts auffallendes darbietet. 
8. Ks fragt sich schliefilich, wie os mit dor praktischen Verwertung 
des in unserem Stemma gehuldigteu Komputationsprinzips stand. Icli 
zweifle nicht da ran, dafi eine solche stattgefunden hat. Wiirde man das 
Stemma so haufig abgeschrieben habcn, wenn man es nicmals angewendet 
hfttte? Glaubt man entgegnen zu konnen, dafi man es eben als Stuck des 
Isidor abschrieb, so fehlt doch eine Antwort fur die Falle, in denen sich 
das Stemma aucli aufier Verbindung mit den Etymologien findet. Mufite 
aber nicht gerade der Umstand, dafi man ihm so haufig begegnete, schliefi- 
lich zu seiner Verwendung fuhren? Und wollte man aucli meinen, dafi 
die blofie Nachbarschaft zu dem Breviar. dem in kraftigster Geltung stehen- 
den romischen Gesetzbuche Galliens und Spaniens, noch nicht ausreichen 
konnte, urn das Stemma daran partizipieren zu lassen, wurden es die 
Vater des Konzils von Douci als Arbor iuris legis Romanae bezeichnet und 
seine Ubereinstimmung mit dem geistlichen Recht konstatiert haben, wenn 
es aufier Anwendung geblieben ware? Und die Anwendung mufite sich 

1 Der Titel I)e grndibus bildet freilich, und /.war seit Leovigild, wie Zeumer, N. Arch. 
d. Ges. f. alt. deutsclie Geschichtsk. XXVI. 93, annimint, einen Teil der westgotischen Kodi- 
fikation: doch konnte seine Einffigung den Verfall romischer Tradition niclit heinmen. 

2 Vgl. von 11 eineinann. Die Handschriften d. Herz. Bibl. zu Wolfenbiittel V, 296. 
Vgl. itidessen Traube, a. d. Note I a. ()., XXIX 567. 



40 M. Conrat: 

dnitn doch auch einmal auf die Gradberechnung erstrecken, gelegentlich 
auch unter Umstanden, wo diesc Berechnung die unserem Stemma eigen- 
tiimliche gewesen ist. Kino andere Frage ist, ob sich Falle nachweisen 
Iassen, in denen in dieser Weise komputiert wurde. Ks mochte sicb ver- 
lohnen, die ubrigens nicht sehr zahlreichen, indessen sehr zerstreuten Er- 
wahnungen, in denen ein VerwandtschaftsverhSltnis mit der Gradoszahl 
charakterisiert ist, daraufhin zu untersuchen. Hier inoge auf einen Fall 
gewiesen werden 1 , in dem die Sehwierigkeit, die. die bezugliche Erwahnung 
der Auslegung bietet, vielleicht durch die Annahme gehoben werden kann. 
dafi aach der in Rede stehenden Komputation gerechnet worden ist. In dem 
Hrief'e (Jregors I. wird, wie erwahnt worden ist (vgl. S. 20), die Elie der 
Geschwisterkinder verboten, dieser Satz aber noch positiv dahin fonnuliert, 
dafi eine Verbindung In tertia (vel quarta) generatione gestattet sei; es 
darf dann als gewifi gelten, dafi der Papst damit eine Komputation ver- 
wendet, die als die kanonische bczeichnet zu werden pllegt. Wenn nun 
die Falsohung, von der die Rede war (vgl. S. 21), der Brief des Felix an 
Gregor, wo er den genannten In halt wiedergibt, von Gestattung der Ehe im 
vierten Grad spricht 2 , so kann man hierin in der Tat den der Satzung 
(Jregors entsprcchenden Gedanken einer Zulassigkeit der Ehe iiber den 
Grad der Geschwisterkinder hinaus ausgedruckt finden, wenn man die 
Verwendung unserer Komputation annimmt'. Wenn auch Hinkmar, der 

1 Als einen 7-weiten freilich ganz eigenartigen Fall nenne ich den folgenden. Hrabanus 
Maurus, der Gegner des sechsten and siebenten Grades (vgl. S. 26 u. 27), schreibt in einein 
Hrief'e v. J. 842 (MG Epist. Ill 458 [Ep. 31]) nach Angabe einiger kanonischer Texte das 
Polgende: non enim hie de trinepote ant de trinepotis nepote sen trinepotis nepte aliquid 
dicitnr ant specialiter enumeratur. OfFenbar soil, wie mit dem Trinepos der sechste, mit 

Trinepotis nepos sen trinepotis neptis der siebente Grad charakterisiert werden. Letztere — 
nnrichtige — Bezeichnung findet sich in mehreren Handschriften unseres Stemma and wnrde 
anch von Bnrchard (VII, 10) iibernommen (vgl. S. 23 Note 5). .Sollte sie nicht auch von 
Hrabanus Maurus einer tTberlieferung unseres Stemma entlehnt seini' Als dritter Fall kann 
gelten die Ilinzufugung In tertium zu In quartum gradum (= consobrinorum) in Hand- 
schriften von C. Th. 3, 10, 1 Interpr. (vgl. ed. Mommsen ad h. 1 [I, 2, 148]). 

2 Es heifit wortlich (vgl. Hinschius, a. d. 8. 21 Note 2 a. O. S. 747): ut quarta pro- 
genie coniuncti non separentur. Doch ist das Verstandnis des VVortes Progenies im Sinne 
von Grad ganz unbedenklich. 

3 Freisen, a. d. S. 22 Note 2 a. 0. S. 388, meint, daB der gefalschte Brief (vgl. Note 2) 
mit der Gestattung der Ehe in der Quarta progenies die Satzung Gregors II. vomjahre 726 
(MG Epist. Ill 275 und 276), die fiir die Deutschen bestimmte Satzung Ut post quartam 
generationem iungantur, zur Geltung bringen will: die Differenz in der Bezeichnung der 






Arbor iuris des frilheren Mittelalters. 41 

gleichfalls den Brief Gregors erwahnt, von Gestattung der Ehe A quarto 
genu et in reliquum spricht 1 , so liegt die Annahme, dafi er sich der 
gleichen Komputation bedient, um so naher, als er an den Verhandlungen 
des Konzils von Douci erheblichen Anted genommen hat und an der Ab- 
fassung der Akten beteiligt gewesen sein mag 2 . 

entscheidenden Grenze erklare sich damit, dafi an ersterer Stelle die Zahlung mit den 
Enkeln beginne. Ich halte diese Losung um so weniger fur richtig, als ich zu der Auffassung 
neige, daC Gregor II. mit seiner Vorschrift lediglich das von Gregor I. eiogefubrte Ma6 
(Verbot bis zu den Gescbwisterkindern) sich aneignen will, indessen romisch komputiert. 
Die Konzile von Verberie (c. i) und Compiegne (c. i) aus dem Jahre 756 und 757, die 
auf* die Satzung Gregors II. reilektieren, konnten dann mit ihrem In (iiiarta cnniunctione 
si inventi fuerint, eos non separamus (Si in quarta progenie reperti i'uerint coniuncti, non 
separamus), wiederum sich der im Stemma vertretenen Komputation bedienen (vgl. hier/.n 
Freisen, a. a. O. S.412 und 385). 

1 Vgl. Sirmond, Opp. Hincm. II 655. 

1 Vgl. a. d. S. 6 Note 2 a. O. S. 23 Note 1. 



Phil.-hist. klasse. 1909. Anhang. Abh. II. 



BINDING SECT. JUN 30 1981 



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182 Berlin. Philosophisch- 

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